J.S.Bach: Italienisches Konzert

  • Hallo!


    Das Italienische Konzert F-dur BWV 971 von Johann Sebastian Bach ist ein Solo-Klavierwerk im italienischen Stil mit drei Sätzen: (allegro)-andante-presto. Bach hat die dreiteilige Form des italienischen Konzertes für Solist mit Orchester, spätestens seit Vivaldi so etabliert, auch für das Klavier entdeckt. Es ist somit eine Art Vorläufer der klassischen Klaviersonate. Auch einige formale Aspekte deuten das an, so ist der Mittelteil des ersten Satzes durchführungsartig, und im ersten und dritten Satz wird der Anfangsteil am Ende als Reprise exakt wiederholt.
    Erster und dritter Satz sind sehr heiter, der dritte Satz sogar ein richtiger "Kehraus". Dazwischen steht das nachdenkliche Andante in d-moll. Ich kann das nicht belegen, aber das Stück könnte auch solchen gefallen, die sonst nicht viel mit Bach anfangen können.


    Ich besitze drei CD-Aufnahmen des Werkes. Diese Wären:


    (natürlich) Glenn Gould (das Bild gabs nicht größer)

    Er mochte dieses Werk nicht, vielleicht ist seine Einspielung deshalb nicht so überzeugend wie sonst so oft bei Bach. Natürlich dennoch hörenswert.


    Angela Hewitt

    Mit dieser Aufnahme habe ich das Werk kennengelernt, höre ich immer noch am liebsten.


    Für Cembalofreunde: Ralph Kirkpatrick

    Diese Aufnahme kenne ich erst seit kurzem. Auf Cembalo klingt das Italienische Konzert natürlich auch schön, und Kirkpatrick ist einer der Meister dieses Instruments. Weiß jemand, ob das ein "normales" Cembalo ist, das er spielt. Es klingt etwas ungewohnt.


    Martin Stadtfeld habe ich gestern im Radio dieses Werk spielen hören und konnte erstmal nicht nachvollziehen, warum über seine Bach-Interpretationen hier so sehr gestritten wurde. Den ersten Satz spielte er etwas "übermütig", aber ansonsten waren Satz 1 und 2 schön anzuhören. Beim Finale fing er aber dann an, furchtbar schnell zu rasen. Es ist zwar ein Presto, aber so ist es sicher nicht sinnvoll gespielt.


    Nun interessiert mich Eure Meinung zu Bachs Italienischem Konzert und seinen Interpreten!
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Pius,


    mit einem hast du sicher recht: Nämlich dass dieses Werk auch Leuten gefallen kann, die mit Bach wenig am Hut haben. Dafür bin ich nämlich ein Paradebeispiel. Ich kann Bach an sich überhaupt nicht ausstehen, aber das italienische Konzert bildet eine Ausnahme, weil es nicht so sehr konstruiert wie beispielsweise das WTK oder ähnliches wirkt, sondern einfach schöne Musik ist.


    Aufnahmen besitze ich dennoch keine und habe auch nicht vor mir eine anzuschaffen, spiele das Werk allerdings sehr gerne selbst auf dem Klavier. Gleiches gilt mit Abstrichen für die Goldberg-Variationen (die ich natürlich auch nicht vollkommen beherrsche X() und ein oder zwei Toccaten (bis auf die Fugen)


    Gruß, Flo

  • Salut,


    neben Gould besitze [und höre] ich folgende Schallplatten mit dem italienischen Concert:



    Der Pianist und Bach
    Terry snow interviewt Alfred Brendel


    Sie haben es viele Jahre lang vermieden, Bach im Konzertsaal zu spielen.
    Was hat Sie nun bewogen, es doch zu tun?


    Brendel:


    Das war einerseits eine Instrumentenfrage. Mein Instrument ist der moderne Flügel. Ich habe durch zwei Jahrzehnte hindurch beobachtet, wie man Barockinstrumente allmählich meistern lernte. Ich hörte, mit Interesse oder Bewunderung, historisch orientierte Aufführungen. Die Frage war, wie sehr sich die Mühe, mit einem alten Instrumentarium zurechtzukommen, auf die Dauer lohnen würde. Dann war da, als zweiter Faktor, das überwältigende Beispiel meines Lehrers Edwin Fischer, in dessen Bann ich lange stand. Es mußte erst der Tag kommen, an dem ich sicher und naiv genug war, Bach auf meine eigene Weise zu spielen.


    Nicht Fischer, aber Kirkpatrick, Cembalo [s.o. bei Pius]. Die gelbe Platte beinhaltet allerdings abweichend zu oben die Chromatische Fantasie und Fuge d-moll BWV 903 und die Partita Nr. 1 B-Dur BWV 825. Das Italienische Konzert wird hier Concerto nach italienischem Gusto F-Dur BWV 971 betitelt.


    bien cordialement
    Ulli


  • Bei Bach sollte man unbedingt auch Murray Perahia erwähnen (wenn ich diesen Pianisten auch ansonsten weniger schätze). Ich meine, dass er dieses sehr schöne Konzert ganz hervorragend spielt – so sollte Bach für mich klingen: klar und erhaben, aber doch voller Wärme. Alternativ kenne ich nur noch eine Aufnahme von Michelangeli, die mir aber weniger zusagt.


    Gruß, Cosima

  • hallo,


    die brendel-aufnahme, die ulli aufzeigte, habe ich auch und ich mag sie sehr, da brendel hier dem vorbild edwin fischer (lehrer) aufspürt und in heutiger zeit einen individuellen weg aufzeigt. eine aktuelle aufnahme, die ich nun bevorzugt höre ist die des alexandre tharaud, der neben dem 'italienischen konzert' auch einige der schönsten transkriptionen aus der hand j.s. bachs (vivaldi, marcello) spielt. tharauds spiel ist sehr kantabel und er präsentiert hier auch verschiedene anschlagsvarianten in duftiger athmosphäre, womit er dem concerto-charakter gut huldigt. die hände agieren auch herrlich unabhängig. überdies hervorragende akustik.



    überdies habe ich noch aufnahmen des italienischen konzertes mit gould, richter, weissenberg, schiff, perahia, koroliov und katsaris.


    gruß, siamak

  • @ Richard


    Deine Koroliov-Begeisterung teile ich. Die von Dir gepriesene Hänssleraufnahme ist sehr gut. Ich persönlich habe Koroliv einmal erlebt. Der Mann, der nebenbei großmeisterlich Schach spielen können soll, betrat schwarz gekleidet die Bühne, begab sich eilends an seinen Flügel und begann sofort zu spielen - fast ohne Pedaleinsatz.


    Beste Grüße

  • Hallo Pius,

    Zitat

    Zitat Pius:
    Martin Stadtfeld habe ich gestern im Radio dieses Werk spielen hören und konnte erstmal nicht nachvollziehen, warum über seine Bach-Interpretationen hier so sehr gestritten wurde. Den ersten Satz spielte er etwas "übermütig", aber ansonsten waren Satz 1 und 2 schön anzuhören. Beim Finale fing er aber dann an, furchtbar schnell zu rasen. Es ist zwar ein Presto, aber so ist es sicher nicht sinnvoll gespielt.


    ... ich habe Stadtfeld letztes Jahr in Wolfenbüttel "erleben dürfen", u.a. mit dem Ital. Konzert. Ich gestehe gerne, dass ich bezüglich Stadtfeld zeimlich parteiisch bin - ich finde sein Spiel effekthascherisch, "Gould-epigonal" und bisweilen fürchterlich maniriert oder einfach nur grob. Deine Einwände gegen die Lesart des Schlussprestos kann ich gut nachvollziehen - das war eine popelige Demo à la "Guck mal, wie schnell ich das kann!". Den Leuten hat's trotzdem gefallen...
    Nach der Pause gab's eine knochentrockene, ohne Klangsinnlichkeit gestaltete h-moll-Sonate von Liszt - die wirkte unter Stadtfelds Händen einfach nur laut und langweilig...


    Die in deinem Besitz befindliche Aufnahme von Angela Hewitt war m.E. ihr Debut-Album, dass durch den Gewinn irgendeines Bach-Wettbewerbs zustande kam. Es lohnt sich, die noch relativ frische Hyperion-Aufnahme "vergleichszuhören". Hewitts Bach-Auffassung ist doch beträchtlich differenzierter geworden - für mich ist sie inzwischen eine Fürstin des Bachspiels.


    Den erwähnten sehr gelungenen Einspielungen von Koroliov und Tharaud, die ganz unterschiedlich geartet sind, kann ich empfehlend noch die Einspielung von András Schiff und jene von Andreas Staier auf dem Cembalo anfügen. Perahia ist grundsätzlich nicht (mehr) mein Fall - ich fürchte also, seine Einspielung nicht wirklich obejektiv gehört zu haben...


    Schöne Grüße!
    daniel

  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Verschiedene Einspielungen wurden in diesem Forum bereits genannt.
    Wir haben fünf Aufnahmen verglichen.


    Mit Abstand am meisten Mühe hatten wir mit folgender Interpretation;
    Alexis Weissenberg bei DG 1987. Unerhört schnell vorgetragen, wirkt gehetzt und dadurch klingt es verwaschen. Der zweite Satz wird klar gespielt mit nun doch schönem Tempo, übertrieben ausdrucksvoll gespielt mit gutem Spannungsbogen.


    Auch nicht wirklich überzeugt hat uns die Aufnahme von
    Cyprien Katsaris bei Sony 1994. Mit durchgehend moderatem Tempo klar gespielt ohne jeglichen barocken Charakter. Es klang für uns nicht nach Musik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.


    Alfred Brendel bei Philips 1976, ist ausgeglichen gespielt mit sehr warmem Klang und viel Legato. Der erste Satz bedächtig, mit deutlichen Trillern und weichem Aufschlag. Eine schöne Aufnahme ohne jedoch restlos zu begeistern.


    Glenn Gould bei Sony 1959 spielt schnell - jedoch ohne die Geheztheit von Weissenberg - analytisch und klar mit viel Ausdruck. Ein komplett anderer Ansatz wie Brendel.


    Unser Spitzenreiter heisst Alexandre Tharaud bei der französischen harmonia mundi 2004, mit schönem Tempo, klar und differenziert gespielt, der zweite Satz ruhig und klar. Für uns eine beseelte Interpretation. Mit gelegentlichem Einsatz des Pedales. Tharauds grosse Stärken liegen auch in seiner pianistischen Rhetorik.



    Da sind wir ja schlussendlich ungefähr derselben Meinung mit Siamak


    Liebe Grüsse


    Romeo und julia

  • Ich besitze auch zwei Aufnahme des Italienischen Konzertes, zum einen die oben angesprochene Aufnahme Brendel plays Bach, zum anderen eine Aufnahme mit Andras Schiff


    Ich persönlich favorisiere hier ganz klar die Schiff Aufnahme, da er zum einen ein wenig strafferes Tempo anlegt, zum anderen wirkt sein Spiel lebendiger und Bachscher. Allerdings finde ich das Brendels Flügel schöner klingt.

  • neben Gould schätze ich die Einspielung von Dubravka Tomsic sehr (Piltz). Nicht manieriert, nicht verschleppt oder unnötig romantisierend spielt sie präzise und mit einem aus meiner Sicht richtigen "Bach-Feeling".


    Der zweite Satz könnte zwar einen Tick schneller gespielt werden, aber so, wie es ist, ist es sicherlich auch gut.


    Den dritten Satz spielt Tomsic schnell und virtuos, die Struktur des Werks wird sehr transparent herausgearbeitet.

  • Es wird Zeit, dass das italienische Konzert an seinen angestammten Platz kommt, zur Alten Musik. :boese2:
    Das „Concerto nach italienischem Gusto“ – so der gedruckte Titel – bildet mit der „Ouverture nach französischer Art“ BWV 931 den zweiten Teil der Clavierübung.
    Nur zur Übersicht:
    Der 1. Teil der Clavierübung: sechs Partiten BWV 825 – 830
    Den 2. Teil hatten wir schon.
    Der 3. Teil umfasst Präludium & Fuge Es-Dur, vier Clavierduette und Choralbearbeitungen zur lutherischen Messe in jeweils zwei Ausarbeitungen (für große und kleine, pedallose Orgel).
    Der 4. Teil „bestehend aus einer Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen“ sind die Goldbergvariationen.
    Alle Teile wurden in z. T. mehreren Auflagen gedruckt und erfogreich verkauft; der 2. Teil erstmals zur Nürnberger Messe 1735 für 2 Taler.


    In der vierteiligen Clavierübung zeigt Bach kaleidoskopisch alle seine Möglichkeiten für Tasteninstrumente. Innerhalb der gesamten Clavierübung wie in den einzelnen Teilen bestehen Zusamenhänge unterschiedlichster Art – von der Kompositionstechnik über Struktur, Harmonik bis zur kontrapunktischen Verarbeitung.
    Das „italienische Konzert“ überträgt nicht schlicht den Vivaldischen Formtypus auf ein Tasteninstrument, sondern spiegelt die Erkenntnisse Bachs wider, die er aus der Beschäftigung damit gewonnen hat. Das beginnt ganz simpel beim claviermäßigen Satz und endet bei der motivischen Durcharbeitung bis ins Kleinste bei Solo und Ripieno nach eigener Manier noch lange nicht. Einen etwas hergeholten Vorgriff auf die Sonatenform muss man dabei gar nicht bemühen.
    Das Instrument ist ein zweimanualiges Cembalo, das die Verteilung auf Tutti (gekoppeltes Untermanual mit 2 x 8’ und 4’) und Solo (Obermanual 8’) in den Ecksätzen vorgibt. Im Mittelsatz gehört die Solostimme auf den großen 8’ des Untermanuals und die Begleitung nach oben (evtl. mit Lautenzug).
    Der moderne Flügel ist nicht nur völlig unnötig, sondern eigentlich ungeeignet, weil die klare Trennung auf ihm gar nicht vorhanden ist.


    Die Einspielungen auf Cembalo sind Legion. Hier nur ein bisschen was zu denen, die ich im Ohr habe:
    Kirkpatrick war ein großer Virtuose. Die Aufnahme ist auch historisch sehr bedeutsam, aber das Cembalo ist einer der großen Eierschneider, die weder so aussehen, geschweige denn klingen wie ein Cembalo.
    Die nächsten drei halte ich alle für empfehlenswert:
    Pieter Jan Belder – aus der großen brilliant-Bach-Schachtel – spielt sehr exakt, auf einer klangschönen Ruckers-Kopie in einer sehr direkten Aufnahme – der Klang entspricht etwa dem, was der Spieler hört.




    Andreas Staier nimmt alles schwungvoller. Den zweiten Satz spielt er eher andante – der eigentlichen Überschrift entsprechend – als „Largo“. Der Schlusssatz ist bei ihm ein Virtuosenstück. Das Cembalo klingt auch sehr gut, allerdings wirkt alles etwas entfernter, ein bisschen topfiger.


    [am] B0007AC1H8[/am]



    Scott Ross liegt zwischen den beiden, artikuliert noch ein bisschen differenzierter und gerät nie in die Nähe der Schlampigkeit, die man bei Staier ein bisschen befürchtet. Das Cembalo ist eine Kopie nach frz. Vorbildern und ist aus der Distanz aufgenommen, wie man es als Zuhörer erleben würde.





    Und jetzt kommen hoffentlich noch viele Empfehlungen von anderen hinzu.

  • Zitat

    Original von Pius
    (natürlich) Glenn Gould (das Bild gabs nicht größer)

    Er mochte dieses Werk nicht, vielleicht ist seine Einspielung deshalb nicht so überzeugend wie sonst so oft bei Bach. Natürlich dennoch hörenswert.


    hm, komisch. dabei ist sein italienisches konzert aus den 50ern doch gerade eine der aufnahmen, die auch am stärksten von denjenigen gelobt wird, die gould sonst nicht so viel abgewinnen können.
    er hat das übrigens zweimal aufgenommen. die zweite aufnahme aus den 70ern glaube ich, müsste ich nachgucken: dort spielt er etwas langsamer, noch transparenter und in der linken wesentlich markanter. vorallem im dritten satz.


    neben den zwei goulds kenne ich nur noch die aufnahme von brendel und diejenige von kirchpatrick. das "unerhört schnell vorgetragene" von weissenberg macht mich allerdings neugierig.

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Ich suche verzweifelt eine Aufnahme des Werkes mit Cembalo, wo der Spieler die ersten 8 Takte strikt à tempo spielt und nicht wie alle, die ich bisher gehört habe, die Viertelpause auf dem zweiten Schlag verlängert, quasi wie eine kurze Fermate, und nicht den ersten Schlag des 4. Takes übermäßig betont - einfach alles in einem Fluß spielt. Ich finde die Agogik im Anfangsthema stört den Fluß des Themas.
    Hat hier ein netter Mensch so etwas in der Sammlung?

  • Zitat

    Original von miguel54
    Ich suche verzweifelt eine Aufnahme des Werkes mit Cembalo, wo der Spieler die ersten 8 Takte strikt à tempo spielt und nicht wie alle, die ich bisher gehört habe, die Viertelpause auf dem zweiten Schlag verlängert, quasi wie eine kurze Fermate, und nicht den ersten Schlag des 4. Takes übermäßig betont - einfach alles in einem Fluß spielt. Ich finde die Agogik im Anfangsthema stört den Fluß des Themas.
    Hat hier ein netter Mensch so etwas in der Sammlung?


    Für die drei, die ich da oben hingestellt habe, fällt das Ergebnis unterschiedlich aus:
    Belder macht eine Pause, steht auf, geht was trinken und kommt dann zurück.
    Staier bleibt sitzen, rührt aber den Kaffee nochmal um.
    Über Ross' Kopf schwebt die Sprechblase: "Agogik? Ich doch nicht." :D

  • Jetzt, wo ich auf die Stelle hingewiesen wurde, fällt es mir auch unangenehm auf, dass Belder und Gustav Leonhardt eine derart massive Agogik betreiben...


    Weitere Cembaloaufnahmen habe ich nicht, aber Glenn Gould spielt da in meinen Ohren vernünftiger, indem er absolut im Metrum bleibt.

  • Ich habe das von Gould auch so in Erinnerung - wo ist der Gould des Cembalo? :D


    Pierre Hantai spielt manchmal mit einer mich an Gould erinnernden unorthodoxen Frechheit, aber er hat das Italienische Konzert noch nicht aufgenommen. Alle anderen, von denen ich es habe, machen diese Kunstpause: Christophe Rousset, Andreas Staier, Pieter-Jan Belder, Ketil Haugsand, ..... ich werde wohl weiter suchen müssen. Martin Derungs wäre mein Wunsch-Cembalist, von dem habe ich eine erstklassige Aufnahme der Konzerte nach Vivaldi, Marcello etc.


    Kennt jemand hier die orchestrierte Fassung von Andrew Lawrence-King mit seinem Harp Consort von 1997?




  • Fazil Says Aufnahme des Italienischen Konzerts finde ich recht erfrischend und kraftvoll, die Stimmen sind sehr klar herausgearbeitet. Ein weiterer Favorit von mir ist Koroliov. Mit Cembalo gespielt: Rousset und Belder.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Habe gestern entdeckt, daß ich Ralph Kirckpatricks Aufnahme von 1959 auf LP besitze. Ich muß sagen, er spielt das Stück mit sehr schönem Schwung und bleibt ziemlich im Tempo im Anfangsthema. Über die Provenienz seines leider ein wenig nach Nähmaschine klingenden Cembalos schweigt der Hüllentext - wobei ich glaube, dass es weniger das Instrument als die offensichtlich nicht nach Mustern aus Bachs Zeit, sondern moderne (= gleichschwebend temperierte) Stimmung ist, die den unangenehmen Klang ausmacht.

  • Ich habe zwei Aufnahmen vom Konzert:


    - Glenn Gould 1959
    - Friedrich Gulda 1950


    Im Vergleich halte ich nach anfänglichem Favorisieren der gouldschen Fassung die von Gulda für aussagekräftiger, zumindest was Satz 1 und 3 betrifft.
    Mir ist Gould in den genannten Sätzen einfach ein bißchen zu schnell, insbesondere im 3. Satz wird durch das Presto die melodische Spannung mE abgeschliffen wie ein Kieselstein im Gebirgsbach.
    Gulda arbeitet arbeitet einfach mehr Schattierungen heraus, ganz vereinzelt sind "jazzige" Noten zu hören (Gulda halt :) ).
    Der zweite Satz gefällt mir wiederum bei Gould besser, ich mag diesen fast schon "sezierenden" Stil, den er in langsamen Sätzen manchmal anwendet (ähnlich auch bei Mozart KV 331 Satz 1).

  • Zitat

    Original von Hildebrandt


    Für die drei, die ich da oben hingestellt habe, fällt das Ergebnis unterschiedlich aus:
    Belder macht eine Pause, steht auf, geht was trinken und kommt dann zurück.
    Staier bleibt sitzen, rührt aber den Kaffee nochmal um.
    Über Ross' Kopf schwebt die Sprechblase: "Agogik? Ich doch nicht." :D


    Die Suche hat ein Ende: Hier stelle ich eine Aufnahme von Olivier Baumont vor, der schön im Tempo bleibt, sehr lebendig, aber nicht mechanisch spielt und ein tolles Cembalo zur Verfügung hat. Meine neue Nr. 1 für BWV 971 und für die Konzerte nach Vivaldi.

  • Zitat

    Original von miguel54


    Die Suche hat ein Ende: Hier stelle ich eine Aufnahme von Olivier Baumont vor, der schön im Tempo bleibt, sehr lebendig, aber nicht mechanisch spielt und ein tolles Cembalo zur Verfügung hat. Meine neue Nr. 1 für BWV 971 und für die Konzerte nach Vivaldi.


    Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt: Bei Ross gibt es keine Kunstpause, er bleibt im Metrum.


    Aber den Baumont habe ich eben bestellt. *seufz*

  • Guten Tag


    ich habe eine CD



    auf der das "Italienische Konzert" als eine ricostruzione per violino obbligato archi e basso continuo di Rinaldo Alessandrini, also als Sonate für Violine und BC, eingespielt ist. Wie weit fußt diese (fragwürdige ?) Rekonstruktion auf musikhistorischen Boden ?


    Sonst liegt mir das Concereto nach iltalienischer Gusto noch in Einspielungen mit A. Staier, G. Hollmann und b. van Asperen vor.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Zitat

    Original von Bernhard
    das "Italienische Konzert" als eine ricostruzione per violino obbligato archi e basso continuo di Rinaldo Alessandrini, also als Sonate für Violine und BC, eingespielt ist. Wie weit fußt diese (fragwürdige ?) Rekonstruktion auf musikhistorischen Boden ?


    Gar nicht.
    Für BWV 971 gibt es kein instrumentales Vorbild, es handelt sich um eine genuine Cembalokomposition.
    Aber es ist ganz interessant, dass Alessandrini den umgekehrten Weg gegangen ist. Vermutlich klingt das Resultat ganz reizvoll.
    Behauptet er denn, dass es sich wirklich um eine "riconstructione" handelt?
    Dann muss er doch auch etwas über das "Original" vermuten.

  • Zitat

    Original von Hildebrandt
    Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt: Bei Ross gibt es keine Kunstpause, er bleibt im Metrum.


    Hast Du nicht - habe ich schon verstanden - aber ich wollte mir jetzt nicht auch noch Ross bestellen - Baumonts Version habe ich sozusagen nebenbei auf der CD mit den Konzerten nach Vivaldi entdeckt.


    Zitat

    Aber den Baumont habe ich eben bestellt. *seufz*


    :D

  • Zitat

    Original von Bernhard
    ich habe eine CD



    auf der das "Italienische Konzert" als eine ricostruzione per violino obbligato archi e basso continuo di Rinaldo Alessandrini, also als Sonate für Violine und BC, eingespielt ist. Wie weit fußt diese (fragwürdige ?) Rekonstruktion auf musikhistorischen Boden ?


    Auf dieser CD von Andrew Lawrence-King



    gibt es sogar eine Fassung "con molti stromenti" - Hinweise bei Bach gibt es meines Wissens nicht dafür, aber da er oft den bearbeitenden Weg ging, aus Konzerten von Vivaldi u.a. Solostücke machte, aus Solostücken Triosonaten u.v.a.m. - warum nicht? Solange die Interpreten es ausdrücklich als eigene Fassung kennzeichnen ... und es geschmackvoll gemacht ist, natürlich. Die CD von Alessandrini kommt auf die Wunschliste ... :rolleyes: