Schach dem Regietheater !!!

  • Nachdem ich jetzt ein paar Seiten von dem wirren Geschreibsel dieser Frau überflogen habe, möchte ich mich dem anschließen.


    Obwohl ich tendenziell bekanntlich auch kein Freund des sog. Regietheaters bin, will es mir dergestalt erscheinen, als erweise Gilles dem "Kampf" dagegen damit eher einen Lichasdienst.


    Ob das oben eingestellte, eher obskure Video in seiner 70er-Jahre-Ästhetik "besitzenswert" ist, sei jedermann selbst überlassen. Einspielungen im wörtlichen Sinne finde ich bei den Werbepartnern leider keine.


    Herr Schönborn(?)


    Vielleicht ist gar der Kardinal und Wiener Erzbischof gemeint. :whistling:

  • Ich möchte hier wieder einmal auf die neue Mitteilung der Frau Prof. Marie Louise Gilles hinweisen, die - wie immer - einige sehr nachdenkenswerte Artikel enthält.

    http://www.marie-louise-gilles.de

    Leider ist die Titelseite, die sonst gewöhnlich ein Bild enthält, nicht auf der Internetseite mit abgedruckt. Sie enthält dieses Mal einen Auszug aus einem Interview, das Georg Zeppenfeld der DPA gegeben hat. ich zitiere daraus:

    Zitat

    Das Publikum ist froh, wenn es ein Stück wiedererkennt.

    Ich hatte neulich eine Produktion, da sagte der Regisseur am Anfang: "Wir müssen nicht die Geschichte erzählen, das ist banal, das können wir voraussetzen."

    Ich halte solche Herangehensweise für falsch. Wir spielen nicht für eine kleine Gruppe von Leuten aus dem Elfenbeinturm, sondern für ein breites Publikum. Mir kann keiner erzählen, dass man heute Opernstoffe nicht mehr auf die Bühne bringen kann, ohne etwas an den Haaren herbeizuziehen.

    Diese Aussage hat nicht nur meine mein volle Zustimmung, sondern auch die vieler Opernbesucher (bzw. Nichtmehrbesucher), die ich kenne.

    Das Übrige könnt ihr ja selbst unter der angegebenen Adresse nachlesen.

    Für diejenigen, die mit dem Lesen der früheren Mitteilungen angeblich nicht zurecht kamen, hier noch zwei Adressen, die rein die Schilderungen der besuchten Aufführung durch Heerrufer (warum wurde dessen Anonymität hier beanstandet, obwohl viele Mitglieder hier anonym schreiben?) enthalten.

    http://www.telezeitung-online.…10.05._und_20.06.2018.htm
    http://www.telezeitung-online.…r_Hannover_16.09.2018.htm


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Sehr gut zu Frau Gilles Äusserungen passt die am am Homoki-Theater Zürich kürzlich erfolgte Verballhornung durch Robert Carlsen von "Hänsel und Gretel" für ein Publikum ab acht (!) Jahren . Hier ein paar Auszüge aus der NZZ-Kritik, die übrigens sehr wohlwollend gehalten ist:

    "Sobald sich der Vorhang hebt, stellt sich Beklemmung ein. Gideon Davey hat düstere, fensterlose Hinterhöfe auf die Opernhausbühne gebaut. Inmitten von Müll leben Hänsel und Gretel in einem halb ausgebrannten Wohnwagen und überbrücken die viele leere Zeit mit Hip-Hop-Moves. Die Mutter schafft offenbar an, der Vater verdingt sich als schäbiger Weihnachtsmann.


    Sie finden statt romantischen Märchenwald wieder nur lichtlose Hinterhöfe, wo sie die «Erdbeeren» im Abfall suchen, bis es dunkel wird. Da beginnen sich die Kartons zu bewegen, und die Container öffnen sich. Es erscheint aber kein Sandmännchen, das im Märchenlibretto den Kindern im dunklen Wald märchenhaften Schlaf bringt, sondern der Leader einer undurchsichtigen Gang (Hamida Kristoffersen). Es sind jene Breakdancer, die, choreografiert von Philippe Giraudeau, immer wieder auftauchen und die orchestralen Zwischenspiele szenisch füllen."

    Viel Spass all denen ,denen es gefällt.

    Übrigens noch ein besonderer Gag: Als Hexe erscheint die Mutter im Weihnachtsmannkostüm des Vaters.

    Einige Jugendliche hätten das Ganze "cool" gefunden.

  • Hört sich interessant an. Diese Produktion der ansonsten von mir wenig geliebten Oper würde ich mir vielleicht sogar anschauen.

  • Im Gegensatz zu Dir mag ich diese Oper sehr! Und Zürich hatte in den letzten Jahrzehnten zwei sehr werkgerechte Inszenierungen. Es gibt ja immerhin zwei auch sängerisch sehr ansprechende DVD`s: Die Inszenierung von Everding und vor allem die vor zwei Jahren in Wien entstandene unter Thielemann von Noble.

  • Dann spricht ja nichts dagegen, zur Abwechslung auch mal eine moderne Produktion dieser Oper zu bringen.

    Richtig. Aber muß es unbedingt so etwas sein????

    "Sobald sich der Vorhang hebt, stellt sich Beklemmung ein. Gideon Davey hat düstere, fensterlose Hinterhöfe auf die Opernhausbühne gebaut. Inmitten von Müll leben Hänsel und Gretel in einem halb ausgebrannten Wohnwagen und überbrücken die viele leere Zeit mit Hip-Hop-Moves. Die Mutter schafft offenbar an, der Vater verdingt sich als schäbiger Weihnachtsmann.


    Sie finden statt romantischen Märchenwald wieder nur lichtlose Hinterhöfe, wo sie die «Erdbeeren» im Abfall suchen, bis es dunkel wird. Da beginnen sich die Kartons zu bewegen, und die Container öffnen sich. Es erscheint aber kein Sandmännchen, das im Märchenlibretto den Kindern im dunklen Wald märchenhaften Schlaf bringt, sondern der Leader einer undurchsichtigen Gang (Hamida Kristoffersen). Es sind jene Breakdancer, die, choreografiert von Philippe Giraudeau, immer wieder auftauchen und die orchestralen Zwischenspiele szenisch füllen."

    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Das läuft wieder mal auf die Frage hinaus, ob man in der Oper eine heile Märchenwelt sehen möchte oder Stücke, die Anknüpfungspunkte an aktuelle Fragen und Probleme bieten.

    Gegen aktuelle Probleme und Fragen auf der Opernbühne habe ich ja gar nichts. Es sollte sich doch ein Librettist und ein Komponist finden, der so was neu schreibt.

    Klar ist Hänsel und Gretel keine heile Märchenwelt, aber eine Mülloper auch nicht!!

    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Für diejenigen, die mit dem Lesen der früheren Mitteilungen angeblich nicht zurecht kamen, hier noch zwei Adressen, die rein die Schilderungen der besuchten Aufführung durch Heerrufer (warum wurde dessen Anonymität hier beanstandet, obwohl viele Mitglieder hier anonym schreiben?) enthalten.

    http://www.telezeitung-online.…10.05._und_20.06.2018.htm
    http://www.telezeitung-online.…r_Hannover_16.09.2018.htm

    Was ich damals beanstandet habe, dass jemand einen (mehr oder weniger) offiziellen Internetauftritt (heerufer.de) präsentiert ohne das ich irgendwo ein Impressum oder ähnliches gefunden hätte; soetwas ist nicht nur zu beanstanden, sondern m.W. sogar rechtlich fragwürdig. - Wie auch immer: Entweder war ich damals schlicht zu blöd, dass Impressum zu finden, oder der Betreiber Herr Dieter Hansing hat nachgebessert. Ist doch prima!


    Und ja, ich bin kein großer Freund von Anonymität im Internet, es sei denn, es gibt hierfür triftige Gründe, wenn beispielsweise eine politische Verfolgung zu befürchten ist. Da ich einen solchen Sachverhalt insbesondere hier im Forum für nicht gegeben halte, schreibe ich unter meinem Realnamen und finde es gut, dass auch Du es so hälst.


    Schließlich, die Schwierigkeiten, die ich beim Lesen sowohl der Nachrichten von Frau Gilles, als auch beim heerufer.de habe, sind ersteinmal weniger inhaltlicher, als vielmehr "optischer" Natur. Egal, wie gut oder schlecht die Inhalte der jeweiligen Webseiten sein mögen, sind sie im Vergleich zu vielen anderen einfach "handwerklich" schlecht gemacht.

  • Dann spricht ja nichts dagegen, zur Abwechslung auch mal eine moderne Produktion dieser Oper zu bringen.

    Hallo, Bertarido,

    gerade habe ich das herrliche Adventskonzert aus der Frauenkirche angesehen. Beim Abendsegen und der anschließenden Traumpantomime habe ich an Dein Zitat und an M.Johos eingestellte Kritik der Züricher Inszenierung von Hänsel und Gretel gedacht. Mit Verlaub, mir fehlt jedes Verständnis dafür, wie man diese wunderbare Musik mit der von ihm geschilderten Kulisse in Verbindung bringen kann. Das paßt einfach nicht zusammen.

    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Mit Verlaub, mir fehlt jedes Verständnis dafür, wie man diese wunderbare Musik mit der von ihm geschilderten Kulisse in Verbindung bringen kann. Das paßt einfach nicht zusammen.

    Lieber LaRoche,


    auch ich kann - wie viele - eine solche Geschmacksverirrung und, wie man diese sogar noch gut heißen kann, nicht verstehen.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Und ja, ich bin kein großer Freund von Anonymität im Internet, es sei denn, es gibt hierfür triftige Gründe

    Ich bin dagegen ein sehr großer Freund von Anonymität im Internet.


    Ich habe mich z.B. hier nie verifiziert und dabei wird es auch bleiben. Das hat mit dem TAMINO-Forum oder Alfred Schmidt absolut nichts zu tun. (Sollte mein Benutzerkonto unter den neuen andiskutierten Bedingungen hier irgendwann geschlossen werden, dann ist das dann eben so.) Ich werde hier nie jemanden anonym beleidigen oder meinen Account sonstwie missbrauchen, traue den Stammtaminos hier andererseits auch keinem irgendwelche Gemeinheiten zu. Aber wer weiss schon so genau, wer im Netz sonst noch alles so mitliest und ggf. Arges im Schilde führt.


    Grund ist eher privater Natur, (ich habe ansonsten persönlich nichts zu verbergen): Nachbarstochter wurde im Internet gemobbt, wollte nicht mehr zur Schule. Zum Glück hatte sie wenigstens keine Fotos veröffentlicht. Anderer Nachbar ( Firma) : Identitätsdiebstahl mit einer Menge Ärger, auch finanzieller Art. Gebranntes Kind scheut das Feuer, heisst es, auch wenn ich persönlich noch nie ernsthaft betroffen war.


    Daher ist für mich Anonymität im www , das Heraushalten persönlicher Daten, ein wichtiger Wert an sich. Das Internet vergisst nie.


    Schließlich, die Schwierigkeiten, die ich beim Lesen sowohl der Nachrichten von Frau Gilles, als auch beim heerufer.de habe, sind ersteinmal weniger inhaltlicher, als vielmehr "optischer" Natur. Egal, wie gut oder schlecht die Inhalte der jeweiligen Webseiten sein mögen, sind sie im Vergleich zu vielen anderen einfach "handwerklich" schlecht gemacht.


    Was die angesprochene "handwerkliche" Seite der Veröffentlichungen von Frau Prof. Gilles betrifft wollte ich noch anmerken, dass ich das so ähnlich sehe. Das betrifft nicht die zur Ausdruck gebrachte Haltung . Es sind meiner Meinung nach eher gewisse Schwächen in solchen Dingen wie Satzbau, Stil, schriftlicher Ausdruck, stringent-logischer Aufbau einer Argumentationskette, etc. da sollte man von einer Akademikerin ein klein wenig mehr Sorgfalt und sprachliche Eleganz erwarten dürfen. Das betrifft weiterhin den Aufbau ihrer Internetseite, diese wirkt ziemlich unübersichtlich. Ein bißchen mehr Professionalität in diesen äußerlichen Dingen ( man kann sich dafür auch Rat und Hilfe Dritter einholen) und man wird mit seinem Anliegen ( Kampf gegen RT) auch gleich ernster genommen. Ist wahrlich nicht schlecht gemeint, nur als Hinweis.


    Gruesse...MDM

  • Das läuft wieder mal auf die Frage hinaus, ob man in der Oper eine heile Märchenwelt sehen möchte oder Stücke, die Anknüpfungspunkte an aktuelle Fragen und Probleme bieten.

    Wenn ich mir ernsthaft die Frage stelle, unter welchen Umständen ein Geschwisterpaar, wie Hänsel und Gretel heute wohl leben würde, käme wohl etwas ähnliches, wie in der oben geschilderten Inszenierung von Robert Carsen (nicht: Carlsen!) heraus: Sozialer Wohnungsbau, lichtloser Hinterhof, Erdbeeren aus dem Abfall etc. Das wäre, oder besser, das ist heute Realität! Und wenn die Kunstgattung der Oper überleben will, muss sie sich auch mit solchen Realitäten auseinandersetzen. Zwar sei angemerkt, dass ich bzgl. einer weiterreichenden, brechtschen(?) Gesellschaftsbildung durch Kunst oder Kultur im Sinne von "Soetwas gibt es, gegen soetwas muss man etwas tun!" eher skeptisch bin - trotzdem: Auch eine vollkommen elitäre Kunstform (inzwischen nicht mehr unbedingt im finanziellen, aber sicher immer noch im geistig-intellektuellen Sinne), wie es die Oper nun einmal ist, soll und muß dahin zeigen, wo es wehtut!

  • Wenn man etwas nicht versteht kann man aber wenigstens akzeptieren, daß es andere Meinungen gibt und diese nicht gleich negativ beurteil

    Lieber Rodolfo,


    du übertreibst hier etwas. Ich habe nirgendwo jemanden für seine Meinung verurteilt. Ich habe lediglich gesagt, dass ich eine solche Meinung, die so etwas sogar noch begrüßt, nicht verstehen kann.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Wenn man etwas nicht versteht kann man aber wenigstens akzeptieren, daß es andere Meinungen gibt und diese nicht gleich negativ beurteilen.

    du übertreibst hier etwas. Ich habe nirgendwo jemanden für seine Meinung verurteilt. Ich habe lediglich gesagt, dass ich eine solche Meinung, die so etwas sogar noch begrüßt, nicht verstehen kann.

    Na ja, genau genommen hast Du folgendes geschrieben:

    auch ich kann - wie viele - eine solche Geschmacksverirrung und, wie man diese sogar noch gut heißen kann, nicht verstehen.

    Sicher, es handelt sich hier nicht explizit um die Verurteilung einer Meinung, aber alleine durch die von Dir ins Spiel gebrachte Begrifflichkeit der Geschmacksverirrung bekommt das Ganze einen gewissen haut goût ...