Peter Konwitschny wirft in Leipzig hin

  • Die Oper Leipzig gibt bekannt, dass ihr Chefregisseur Peter Konwitschny «auf eigenen Wunsch überraschend» zum ersten Januar 2012 um Vertragsauflösung gebeten hat.


    Die Leipziger Oper hat «dem Wunsch entsprochen». Intendant Ulf Schirmer «dankt Herrn Konwitschny für sein langjähriges Schaffen für die Leipziger Oper und einer Vielzahl von außergewöhnlichen und aufregenden Theaterabenden».


    Konwitschny war seit August 2008 für sechs Jahre Chefregisseur der Oper Leipzig. Das heisst, sein Vertrag wäre regulär 2014 ausgelaufen.

    (Quelle: cf)


    LG


    ^^

  • Laut mdr handelt sich wohl um schon länger andauernde Auseinandersetzungen zwischen Konwitschny und dem Indendanten Ulf Schirmer, die eine Fortsetzung seiner Arbeit für Konwitschny unmöglich machen. Gerüchte über den Gesundheitszustand und einem möglichen Burnout-Syndrom des 66-Jährigen entbehren jeglicher Grundlage. Konwitschny hatte sich Anfang Dezember 2011 krank gemeldet, sei aber inzwischen genesen.

  • Daß es sich nicht um eine "überraschende" Entscheidung gehandelt hat, hat her Konwitschny ja heute klargestellt - und ich finde, er hat sich damit nicht genützt. Hat das Opernhaus Leipzig aus Höflichkeit noch die in solchen Fällen üblichen Floskeln, von "Dankbarkeit", und "Bedauern über den Abgang" verwendet, was allerdings durch die sofortige Akzeptanz des "Ersuchens um vorzeitige Vertragslösung" ein wenig gekünstelt wirkte, so hat Herr Konwitschny klar gemacht, daß er die Arbeitsbedingungen nicht mehr akzeptieren konnte, bzw erstmals sein "Einfluß" in Frage gestellt war .
    Aus meiner Beobachtung konnte man den Seufzer der Erleichterung des Intendanten beinahe hören, als Konwitschny "das Handtuch warf".


    Solch eine Situation hätte man für unrealistisch erklärt, hätte ich sie hier im Forum als Prognose erstellt .
    Dennoch deckt sich dieser Fall mit dem, was ich seit geraumer Zeit hier prognosziere, recht gut, nämlich dem allmählichen Einflußverlust des Regietheaters - bis zur Bedeutungslosigkeit. Es wurden einige Sätze gesagt, die eigentlich fast untergegeangen sind, so wie beispielsweise ein Satz des Oberbürgermeisters von Leipzig, der meinte, es müsse in Leipzig ein neues Publikum herangezogen werden. Derartiges hat man bisher nur von Seiten der Regietheatermacher vernommen, wie sonderbar....
    Im Interview habe ich dann gegen Ende noch einen Satz gehört, den ich aber nirgends gedruckt wiederfand.
    Sinngemäß - aus der Erinnerung zitiert, meinte Konwitschny, er könne nicht irgendwo arbeiten, wo seine Ideen nicht nur negiert, sondern gar nicht gemocht würden,
    Mögen viele diesem Beispiel folgen....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Googelt man "Stern+Konwitschny", kommt man zu einer näheren Beschreibung des ganzen "Dramas". Ich zitiere daraus folgendes :
    "Konwitschny dagegen sagte dem MDR: «Die Politiker müssten erst einmal wieder begreifen, dass die Oper etwas sehr Wertvolles zum Erhalt unserer Zivilisation beiträgt, weil sie Menschen-bildend und Werte-bildend wirkt. Sie können nicht einfach die althergebrachten Dinge auf die Bühne bringen, nur in der Hoffnung, dass dann mehr Zuschauer kommen. Das stimmt gar nicht.»"


    Aus dieser Aussage leite ich ab, dass Herr Konwitschny einer librettonah inszenierten Oper Menschen- und Wertebildung abspricht. Aha. Schön, dass man mal darüber gesprochen hat. :pfeif:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Nachdem er in Wien das "Totenhaus" gemeuchelt hat, wie hier berichtet wurde, ist es gut, wenn solche Leute mal den Stuhl vor die Tür gesetzt bekommen. Mal sehen, wer sich jetzt um ihn reißt.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Ja schade, wirklich schade! In dieser vergeudeten Zeit hätte man dort wieder einige der früheren, wunderbaren Inszenierungen wiederentdecken können. Wahre Opernliebhaber und mein Freund Dieter Uhrig werden ihm wohl keine Träne nachweinen!

  • Nachdem er in Wien das "Totenhaus" gemeuchelt hat, wie hier berichtet wurde, ist es gut, wenn solche Leute mal den Stuhl vor die Tür gesetzt bekommen. Mal sehen, wer sich jetzt um ihn reißt.


    Kleine Wette gefällig? Ich plädiere für Zürich oder Kopenhagen.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Strano Sognator : mag sein dass der neue zuericher Intendant, der ja bisher jahrelang Direktor eines Berliner Swinger-Clubs war, der sich komische Oper nennt, demnächst den grossenwahnsinnigen Besserwisser Konwitschny nach Zürich holen wird. Nun das dortige Publikum ist ebenso anspruchsvoll, verwoehnt und klug wie das in Leipzig und weiß genau, wie man mit solchen Leuten umgeht. Marthaler lässt Grüßen!!! Wenn nach der Leipziger auch die Zürcher Oper leer bleibt, kann es passieren, dass unser Peter bald den nächsten Tritt in Hintern bekommt....

  • [jpc]kann es passieren, dass unser Peter bald den nächsten Tritt in Hintern bekommt.... [/jpc]


    Wichtiger ist noch die Vorblidfunktion.


    DER DAMM IST GEBROCHEN !
    und vielleicht denkt mancher Intendant darüber nach, wie beneidenswert die Lage doch in Leipzig ist. !!
    Man braucht den Herren Regisseuren ja nicht bestehende Verträge kündigen - nur keine mehr verlängern.
    In ein paar Jahren ist die Szene dann "clean"


    Wer das Regietheater bisher als unverwundbar gehalten hat, der wird vermutlich seine Meinung revidieren - oder sie zumindest in Frage stellen.
    Auch ich habe das Konwitschny-Intervie gehört, komme aber zu eine anderen Beurteilung als beispielsweise "Figaroo"


    Ich habe hier keine Überheblichkeit im Ton geortet, sondern eher den Ton eines verunsicherten Kindes, daß nicht verstehen kann, warum der weihnachtliche Gabentisch, der bisher immer übervoll war, es auf einmal nicht mehr ist. Da ist jemand zu hören, der die Welt nicht mehr versteht, weil er plötzlich nicht mehr als "tonangebend" behandelt wird - und man seine Wünsche nicht nur negiert - sondern sie nicht mal anhört. Der Rest ist eine Anklage an die Welt........


    Die sofortige Akzeptanz seiner gewünschten Vertragsauflösung muß wie ein Faustschlag ins Gesicht gewirkt haben, derartiges war wohl nicht erwartet worden. Interessant war auch, wie manche Medien erklärten, welch ein Verlust der Weggang Konwitschnys für die Leipziger Oper sei......
    Mal sehen was man in 2 Wochen drüber schreibt.....


    Halten wir uns vor Augen, daß eine gewonnene Schlacht noch lange kein Sieg ist. Bleiben wir wachsam und aktiv.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Vor einem Jahr:
    Frankfurter Rundschau
    Lustig finde ich

    Zitat

    Wie haben Sie die Angriffe und der Eingriff in die Inszenierung gegen Ihren Willen getroffen?
    Ich bin krank geworden.


    und

    Zitat

    Ich finde es aber traurig, wenn der Saal leer ist.


    Seine Zukunft sieht er offenbar in Japan.


    Was mir noch aufgefallen ist:

    Zitat

    Der Amsterdamer Intendant Pierre Audi sagte neulich, die Zeit des Regietheaters sei vorbei, es müsse etwas Neues kommen. Ich weiß natürlich, was er meint, es muss schön aussehen.


    Dennoch teile ich Alfreds Optimismus nicht ganz.

  • Ich habe hier keine Überheblichkeit im Ton geortet, sondern eher den Ton eines verunsicherten Kindes, daß nicht verstehen kann, warum der weihnachtliche Gabentisch, der bisher immer übervoll war, es auf einmal nicht mehr ist. Da ist jemand zu hören, der die Welt nicht mehr versteht, weil er plötzlich nicht mehr als "tonangebend" behandelt wird - und man seine Wünsche nicht nur negiert - sondern sie nicht mal anhört. Der Rest ist eine Anklage an die Welt........

    Das habe ich beim Hören ganz genauso empfunden. Ich hatte eigentlich mit scharfer Polemik und offener Aggression gegen das "bourgeoise" Leipziger Publikum gerechnet, das sich so gar nicht umerziehen lassen will, hörte aber stattdessen jemanden, der buchstäblich die Welt nicht mehr versteht, verzweifelt Goethe zitiert und ansonsten wie vor den Kopf geschlagen wirkt. Durch diese heilsame Schule müssen aber alle Ideologen, Weltverbesserer und selbsternannte Pädagogen irgendwann gehen. Leider aber meistens erst dann, wenn sie schon ziemlich viel Flurschaden angerichtet haben....

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Er spielt nicht nur das beleidigte Kind, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen kann. Er wird auch noch krank. Wie armselig!!


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Ich habe gelesen, dass in der Leipziger Oper die Auslastung zuletzt teilweise auf 52% unter Konwitschny gesunken war...
    Hier hat sich endlich einmal bestätigt, dass sich das Regietheater durch Fernbleiben sehr gut schachmatt kriegen lässt und dass man sich dies als Vorbild auch für andere Städte nehmen sollte.... Bleibt nur zu hoffen, dass sich Herr Schirmer in Zukunft in Leipzig dazu durchringt, wirklich schönere Aufführungen zu machen, nicht auf das vielerorts pratizierte "Regietheater light" ausweicht....


    :hello:

  • Zitat

    Ich habe gelesen, dass in der Leipziger Oper die Auslastung zuletzt teilweise auf 52% unter Konwitschny gesunken war...

    Da gibt es endlich mal etwas Positives aus diesen Diskussionen zu hören. Aber so schnell wird der Spuk des Regietheaters nicht verschwunden sein. Das wäre zu schön.

  • Zitat

    Zitat von Figaroo: Ich habe gelesen, dass in der Leipziger Oper die Auslastung zuletzt teilweise auf 52% unter Konwitschny gesunken war...

    Wir können nur hoffen, dass sich das möglichst schnell herumspricht.


    Liebe Neujahrsgrüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Das Dilemma an der Leipziger Oper ist nichts Neues, steht sogar in Wikipedia (Stand 2011):


    Zitat

    Leipziger Oper in der Krise
    Im Laufe des Jahres 2011 muss die Oper Leipzig nach Kürzung ihrer Subventionen 18 Stellen einsparen. Laut der neuen Geschäftsführenden Direktorin Heike Brönnimann fehlen im Budget 900.000 Euro, 2012 fallen weitere 450.000 Euro weg. Die Streichungen sollen sich auf alle Bereiche des Hauses erstrecken und vor allem dadurch erreicht werden, dass frei werdende Stellen nicht mehr besetzt werden. Derzeit beschäftigt die Oper noch 654 Mitarbeiter. Der Etat der Oper beträgt 2011 insgesamt 40,8 Millionen Euro.


    Zudem leidet die Leipziger Oper an einem starken Besucherrückgang, die Auslastung liegt derzeit nur noch rund 60 Prozent (inclusive Freikarten). Nur noch rund 71.000 Besucher wollten in der vergangenen Spielzeit eine Vorstellung besuchen. (Im Großraum Leipzig leben ca 1 Million Menschen) Der designierte Opernintendant Ulf Schirmer, der bereits seit zwei Jahren als Generalmusikdirektor amtiert, will nach neuen Erzählformen und Formaten suchen, um die "Schwellenangst" des Publikums abzubauen.


    LG


    :hello:

  • Zitat

    Da gibt es endlich mal etwas Positives aus diesen Diskussionen zu hören. Aber so schnell wird der Spuk des Regietheaters nicht verschwunden sein. Das wäre zu schön.


    Seid doch nicht so ungeduldig !!


    Es ist doch auch schön, eine angeblich unangreifbare Festung LANGSAM in Trümmer sinken zu sehen, sich an den hochlodernden Flammen zu weiden und die Angst der frechen Opernzerstörer um ihre privilegierten Positionen miterleben zu dürfen - All jene , die uns Jahre gequält, belächelt, verspottet und ignoriert haben.


    Patience !!!


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Typisch der Artikel des Regietheaterchefloblobbyisten Wolfgang Schreiber in der SZ (2.1.) (mein Kommentar in Klammern)


    Zitat 1: "Die Meldung (Konwitschnys Weggang aus Leipzig) musste jeden Befürworter eines eigenwillig visionären, wagemutigen Musiktheaters betrüben" (wir sagen: infantil, pädagogisch, banal, nicht werktreu, daher sind wir erfreut)


    Zitat 2: Konwitschny selbst: "Für mich hatte das Theater schon immer eine starke gesellschaftliche, aufklärerische Funktion. Und auch in der Oper haben wir wichtige Dinge des Lebens der Menschen zu diskutieren" (aufgeklärt sind wir Kritiker hier im Forum durchaus. Davon zeugen hier die meisten Beiträge. Und eine Oper gewaltsam in ein sinnloses setting zu pressen, ist Verdummung, nicht Aufklärung. Bestenfalls ist es Effekthascherei, und das ist auch eine Form der Verdummung).


    Zitat 3: "Zwei Jahre später konnte der Regisseur die Konstellation mit einem Intendanten nicht mehr ertragen, der ersichtlich mit der aufklärerischen Idee von Musiktheater nichts zu tun hat" (Lichtenberg meinte, dass der Indianer, der Kolumbus entdeckte, eine sehr unliebsame Entdeckung machte. So war es wohl auch hier. Auch hat der Intendant ja wohl die Verantwortung für die ganze Oper).


    Zitat 4: "Fest steht, dass sich die Regietheaterzeiten geändert haben" (was wir begrüßen)


    Zitat 5: "Das populär Eingängige, Unterhaltende ist gefragt" (der blödeste Satz kommt am Schluss. Einmal ist Oper natürlich auch Unterhaltung. Zum anderen zeigt dieses Forum, dass gerade das Anspruchsvolle hier seine Verehrer hat. Menschen als Insekten, Biogasanlage, Rattenlabor, Mafia im Hochhaus, das alles finden wir nur blöd, banal, effekthascherisch; mit moderner Regie, die viele von uns durchaus schätzen, hat das gar nichts zu tun. Mit Aufklärung am allerwenigsten. Beispiel: wenn Konwitschny Janaceks Totenhaus in den 40. Stock eines Hochhauses verlegt und im Mafiamilieu spielen lässt: wo ist da die Aufklärung, wo ist der Erkenntnisgewinn? Ganz im Gegenteil: ein sibirisches Straflager kann ich mir gut vorstellen, mit dem Mafiamilieu bin ich nicht so vertraut, und Konwitschny wohl auch nicht; vielleicht meint aber aber die Regietheatermafia! Da könnte man das Totenhaus auch mal spielen lassen!)


    Fazit: Es erweist sich die Wahrheit des alten Pingelschen Satzes "Bevor ich schuld bin, ist lieber jemand anderes schuld!" Muss ich noch erwähnen, dass von der schwachen Auslastung des leipziger Opernhauses in dem Artikel mit keiner Silbe die Rede ist?

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Danke Dr. Pingel. Hast du zufällig einen Link von dem Artikel?


    Was sollen eigentlich Begriffe wie "visionäres, wagemutiges Musiktheater?" In der Schule haben wir einmal A Chorus Line aufgeführt. Das war für meinen geschmack wagemutig und visionär.... nur was hat das mit Oper zu tun?? Was soll überhaupt dieser doofe Ausdruck Musiktheater? Ist das das selbe wie Regietheater oder ein Sammenbegriff für Oper, Operette, musical, Ballett, etc....?


    Was passiert wenn das so negativ dargestellte "populäre" und "unterhaltsame" vernahlässigt wird hat sich ja in leipzig gezeigt....ein leeres Haus nämlich :):)

  • Ich habe den nur in der Druckversion; bzw. hatte! Sowas landet ja doch schnell im Papierkorb.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Was soll überhaupt dieser doofe Ausdruck Musiktheater?


    Die Bezeichnung "Musiktheater" kenne ich noch aus DDR- Zeiten und zwar von der Komischen Oper Berlin. Ich vermute mal, er wurde dort tatsächlich geprägt und hat sich bis in die heutige Zeit wie ein Virus ausgebreitet. In der KMO gab es auch keine Opernsänger. Dort hießen sie "Sängerdarsteller". Ein besonderer Liebling von dem damaligen Intendanten und Regisseur Prof. Felsenstein war der Sängerdarsteller Hanns Nocker. Mit Sicherheit war der auch ein besserer Darsteller als Sänger.
    Vielen Dank an Dr. Pingel für den interessanten Bericht und die persönlichen zutreffenden Bemerkungen.
    Herzlichst
    CHRISSY

  • ich finde Begriffe wie "Musiktheater" und "Sängerdarsteller" völlig absurd und verächtlich. Will man dem Begriff Oper, dem für mich seit meiner Kindheit eine Art Zauber innewohnt, diesen austreiben?

  • Sieh das mal nicht so verbissen, lieber Figarooo, "Musiktheater" soll keineswegs ein Ersatzbegriff für Oper sein, sondern ist lediglich ein Oberbegriff für die Sparten Oper/Operette/Musical...


    Bei der causa Konwitschny sollte man auch wissen, daß die Kulturpolitik in Leipzig manchmal seltsame Blüten treibt. Von der Entmachtung des Kulturbürgermeisters durch unseren Oberbürgermeister, der ersterem mal einfach die Verantwortung für Gewandhaus und Theater entzog ganz zu schweigen, war also auch die "Installation" des Chefregisseurs Konwitschny in meinen Augen sehr seltsam. Sie erfolgte nämlich, ohne vorher ein Wort mit dem ja auch für die Oper zuständigen Gewandhauskapellmeister zu sprechen. Chailly zog sich darauf hin verärgert aus der Oper zurück. Was ich sehr gut verstehen kann und was vermutlich in der Geschichte Gewandhaus / Oper einmalig ist. Jedoch: die Beiden hätten sich auf gleicher Augenhöhe begegnen und auseinandersetzen können.
    Ironie der Geschichte oder ausgleichende Gerechtigkeit? Nun setzte man nämlich Herrn Konwitschny, ebenfalls ohne ihn vorher zu informieren oder gar zu fragen, einen neuen Intendanten vor die Nase. Und da ist nun mal leider nix mit gleicher Augenhöhe....
    Das Konwitschny darob sauer war, kann ich sogar verstehen.


    Die Ziele von Herrn Schirmer sind ehrenwert, nur hoffen wir mal, daß der nicht den Teufel mit dem Beezlebub austreibt. Ich bin jedenfalls erst mal sehr vorsichtig mit Opernbesuchen, da geh ich lieber auf die andere Seite des Augustusplatzes...



    :hello:
    Reinhard

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Lieber figaroo,



    leider ist es so. Ich mag den Begriff "Musiktheater" auch nicht. "Oper" das klang immer nach Zauberwelten. Ist aber, so belehrte man mich, ein überholter bourgoiser Begriff. So viel dazu.... Ich vermeide dennoch bzw. nun erst recht die dröge Bezeichnung "Musiktheater".

  • Interessant besonders das Direktzitat des Intendanten:


    "Das ist jetzt auch gar keine spektakuläre Entscheidung. Bei vier Premieren im Jahr, mehr können wir nicht leisten, kommt es mir darauf an, dass möglichst verschiedene Handschriften da sind, die eines verbindet, nämlich haltbare Inszenierungen zu machen, die wir hier im Repertoire auch spielen können."


    Besser kann man Konwitschny gar nicht vorführen. Im Grunde wird dadurch doch gesagt: der hat nur kurzlebigen Schrott fabriziert.