Ignaz Joseph Pleyel – Joseph Haydns Musterschüler - Sinfonien und Konzerte

  • Ignaz Joseph Pleyel – Musterschüler von Joseph Haydn


    Zu Beginn möchte ich auf den alten Pleyel Thread hinweisen, der zwar noch aktiv ist, aber schon seit 2008 nicht mehr fortgesetzt wurde, Zeit für einen neuen.


    PLEYEL, Ignaz Joseph [1757-1831]


    Mancher wird meinen, es sei schade, die alten Beiträge ehemaliger Mitglieder in Vergessenheit geraten zu lassen, aber bei genauem Durchlesen manchen alten Beitrages wird man dieses Urteil wohl oder übel revidieren müssen


    Da gab es Stellen wie:

    Zitat

    wie andernorts von mir bereits erwähnt, lassen mich Pleyels Sinfonien ebenfalls absolut kalt - langweilig, öde, schnöde, blöde...


    Und genau um Sinfonien , Konzerte bzw Sinfonie concertante soll es in diesem Thread gehen,
    denn über die Kammermusik wird bereits im untenstehenden Thread diskutiert…


    Am Puls von Haydn: Ignaz Joseph Pleyel - die Streichquartette


    Wir ersparen uns hier die gesamte Biographie Pleyels, die findet sich schon im erstgenannten Thread, weise aber der Ordnung halbe doch auf die bemerkenswerten Lebensdaten hin. Pleyel war ein Jahr jünger als Mozart und starb 3 Jahre nach Schubert. Stilistisch ist er unter anderem seinem Lehrer Vanhal verbunden, nicht ausschliesslich Haydn.


    Es ist heute nur schwer vorstellbar wie berühmt Pleyel zu Lebzeiten war. Mozart schätzte ihn hoch, (was bei Mozart selten vorkam) und Haydn hatte in London regelrecht Angst von seinem Schüler übertroffen zu werden, als die beiden führenden Konzertgesellschaften London die beiden Komponisten gegeneinander auszuspielen versuchten….


    Immer wieder wird behauptet, Pleyels Sinfonien klängen , wie jene von Haydn. Wenn dem so wäre, müsse man sich allerdings fragen WARUM Pleyels Werk so relativ in Vergessenheit geraten konnte. In Pleyels Sinfonien klingt auch ein wenig von Vanhal nach, und einige Werke klingen - weil eben soch anders – sogar interessanter als jene von Haydn.
    Das mag durchaus ein sehr subjektives Empfinden sein, immerhin wurde Pleyel in Londen um 1790 aus durchaus gleichwertig mit Haydn gesehen, was Pleyel jedoch bestritt, er bezeichet aus (kalkulierter ?) Bescheidenheit heraus Haydn als den „Größten“ – imd fügte zahlreichen seiner Werke den Zusatz hinzu „Eleve di Joseph Haydn“
    Haydn seinersseits betonte ebenfalls, dass Pleyel ein Schüler von ihm sei – man war sich also einig….


    Lange Jahre bestand das Problem, dass es – gemessen an seinem Gesamtwerk – und seiner Bedeutung allzuwenige Aufnahmen von Pleyels Werken gab, ein Umstand der nicht gerade den Bekanntheitsgrad des Komponisten hob. Hier hat das Pleyel Jahr 2007 (250. Geburtstag) einige Verbesserungen gebracht . wenngleich keinen „Durchbruch“
    Um einen solchen ist indes die Internationale Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft (IPG) bemüht. Welche sehr aktiv ist und zahlreiche Konzerte veranstaltet, von welchen es teilweise Mitschnitte auf CD gibt – meist ungeschönt - in unterschiedlicher Tonqualität – dennoch besitzenswert, da sich zahlreiche Ersteinspielungen darunter befinden.Gelegentlich kommt man aus dem Staunen nicht heraus was den Einfallsreichtum dieses Komponisten in Bezug auf Melodien betrifft….
    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Fast noch beeindruckender als Pleyels Sinfonien finde ich seine Konzerte, die in vielen Fällen ohne Zweifel auf dieselbe Stufe wie jene von Mozart

    und Haydn gestellt werden müssen. Sowohl Mozart, Haydn, als auch das zeitgenössische Publikum war sich dieser Tatsache wohl bewusst. Schliesslich war es Mozart, der sagte: "Gut und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist, uns Haydn zu remplacieren!" ...
    Wir brauchen Pleyel nicht zu bedauern, wenn er heute nicht mehr als "Superstar" ganz vorn mit dabei ist - zu Lebzeiten war er es. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Pleyels Stern zu verblassen.


    Ich stelle hier die Klarinettenkonzerte Nr 1 und 2 vor, wo insbesondere die Nr 1 als eines der schönsten überhaupt gilt.
    Diese Konzerte waren so konzipiert, da´an Stelle der Klarinette (die noch selten in Orchestern zu finden war) alternativ auch ein Cello oder eine Flöte als Soloinstrument verwendet werden konnten.


    Die vorliegenden Aufnahme von cpo hat als Solisten immerhin Dieter Klöcker vorzuweisen. Es Spiel das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Sebastian Tewinkel. Leider fehlen im Booklet - wie bei so vielen anderen Aufnahmen auch die Nummern des Benton Verzeichnissen (Ben) nach der Musikwissenschaftlerin Rita Benton (1918-1980)......
    Ich werde sie - so ich sie herausfinden kann - nachträglich in den Beitrag einfügen...


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Man muss das Eisen schmieden, solange es noch heiss ist -
    so sagt ein Sprichwort. Und daran werde ich mich halten......
    Soeben habe ich die hier abgebildete hier abgebildete CD mit Konzerten von Ignaz Joseph Pleyel zu Ende gehört. Mein besonderes Interesse galt den beiden darauf enthaltenen Klavierkonzerten - und über die möchte ich heute kurz berichten.

    Das Klarinettenkonzert folgt zu einem späteren Zeitpunkt-
    Die Aufnahme ist ein Mitschnitt des Neujahrskonzertes 2008 der Internationalen Pleyel Gesellschaft - und erschien im Rahmen von ebendieser Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Ars Produktion herausgegebenen Serie "Konzert-Raritäten aus dem Pleyel-Museum.
    Das Klavierkonzert in D-Dur (Ben 103A) ist eigentlich eine vom Komponisten selbst herausgegebene Transkriptionen eines Violinkonzerts von 1788, das Klavierkonzert in C-Dur (Ben 104), indes - stammt als Cellokonzert von 1789, die Umarbeitung gibt es seit 1793 im Druck. Beide Aufnahmen der Klavierkonzerte sind - nach Angabe der IPG - Ersteinspielungen. Wie klingt nun sowas ? Ich würde sagen die Konzerte sind sitlistisch zwischen Mozart und Hasydn angesiedelt, aber irgendwie doch völlig eigenständig, vor allem was die Rasanz der Schlußsätze angeht. Die Themen sind echte Ohrwürmer, es fehlt eigentlich alles wirklich Schwermütige und Tiefschürfende . Beethoven lässt sich hier in keiner Weise vorausahnen....


    mit freundlichen Grüßen
    aus Wien
    Alfred

  • Glücklicherweise gibt es von Pleyel doch einiges auf CD, wenngleich es im Vergleich zu seinem Schaffen nur ein

    Quentchen ist. Immerhin - von seinen 41 Sinfonien dürfte knapp die Hälfte auf Tonträger vorliegen. Und das von verschiedenen Orchestern und Dirigenten. Selten gibt es von einem Werk mehrere Einspielungen, was zwar ein Vergleichshören unmöglich macht - aber dafür die Anzahl ver verfügbaren Werke günstig beeinflusst-
    Auf der abgebildeten CHANDOS CD aus der Serie "Contemporaries of Mozart" finden sich beispielsweis die Sinfonien Ben 154 (op 66), Ben 156, (op68) und Ben 147 (keine Opuszahl angegeben)


    Ich möchte hier fürs erste lediglich ein paar Zeilen über Die Sinfonie in C.dur (Ben 154) schreiben, die zu meinen Lieblingen zählt:


    Die Sinfonie Ben 154 (1803) erinnert mit ihren ersten Tönen spontan an den Beginn der Ouvertüre zu Mozarts Zauberflöte und hinterlässt ein prunkvoll majestätisches Bild. Aber der Eindruck verfliegt schon nach kurzem und die Stimmung wird heiter und bewegt. Der prunkvolle Unterton ist aber noch immer vorhanden, nur ist er jetzt von einer sonnigeren Umgebung umspielt, die gelegentlich sogar luftig, leicht daherkommt, gewissermaßen "mit Pauken und Trompeten" Unter Virtuellem Jubel endet der erste Satz.
    Verhalten beginnt der zweite Satz, ein wenig an Haydn erinnernd, eine Aussage, die stellenweiseauch für die weiteren Sätze Gültigkeit hat.
    Das Menuett im dritten Satz ist wiederum in haydnscher Manier komponiert In der Mitte des Satzes wird einer solistisch geführten Querflöte Platz gegeben.Das Eröffnungsthema des Satzes beschließt ihn auch.


    Das fröhliche Ohrwurm-Thema des Finalsatzes kam mir eigenartig vertraut vor, ohne dass ich mich endgültig entscheiden konnte woher ich es kannte. Ich glaube, Dittersdorf verwendete etwas ähnlich klingendes in seiner komischen Oper "Doktor und Apotheker" Immer wieder taucht das Motiv in diesem Satz auf - ich kann es gar nicht oft genug hören.....
    Im Beiheft wird darauf Hingewiesen, daß das Erscheinungsjahr dieser Sinfonie, 1803 mit jenem von Beethovens "Eroica" identisch ist - Welch ein stilistischer Unterschied !!!


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Und wieder eine Großtat der IPG (Internationale Pleyel Gesellschaft)
    Drei Aufnahmen - und alles sind Ersteinspielungen, sowohl die Snfonias Concertante (Pleyel schreib deren sechs) als auch die beiden auf dieser CD enthaltenen großen Sinfonien.

    Es wird oft behauptet - und ich gestehe, daß ich es eher kritiklos weitergegeben habe, daß immer wieder Haydn bei Pleyel durchzuhören sei.
    Mozart schrieb das einst in Zusammenhang mit den Streichquartetten. Im Bereich der Konzerte und der Sinfonien trifft das aber eher selten zu. Die Sinfonie Concertante hätte ich beispielsweise am ehesten Paganini zugeschrieben mit ihrem leicht süsslichen Unterton und ihrer Brillianz.
    Die kraftvollen, strahlend-fröhlichen Sinfonien indes mit ihren lieblichen, eingängigen Melodien indes, da finde ich eigentlich keinen wirklichen Vergleich. Das ist Pleyel pur.
    Ich wollte diese persönliche Einschätzung als "Notenanalphabet" nicht schriftlich behaupten, da finde ich im Beiheft zur CD genau diese Einschätzung - offiziell im Namen der IPG. Pleyels Musik ist naürlich ein Kind ihrer Zeit, aber sie ist Haydns Klangsprache ebenso nah und ebenso fern, wie jene Mozarts.
    Auffallend sind die einfachen, eingängigen und doch raffinierten Ohrwurmthemen, die völlig verschieden von jenen Haydns sind - von Ausnahmen mal abgesehen.
    Im Rahmen des Londoner "Wettbewerbs" zwischen Haydn und Pleyel - davon später mehr - wurde Pleyel mit Haydn auf eine Stufe gestellt - und hier möchte ich - im Rahmen des Genres (Sinfonie und Konzert) - durchaus beipflichten.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Pleyels "Comeback" scheint kaum mehr aufzuhalten. Eine CD nach der anderen erscheint - und eine schöner als die andere. Nach Sinfonien, Konzerten und Streichquartetten folgt jetzt die geistliche Musik. Ich finde, dass speziell in diesem Bereich er sich von Haydn und Vanhal löst und seinen eigenen Stil entwickelt. Man höre und staune....

    mfg aus Wien
    Alfred



    clc 272

  • Heute möchte ich die 5 Cellokonzerte von Pleyel vorstellen, die in einer mustergültigen Hungaroton-Aufnahme auf einer Doppel-CD vorliegen. Laut Hungaroton handelt es sich sämtlich um Ersteinspielungen (c2002). Ich hatte schon gefürchtet, sie wären wieder gestrichen, denn es handelt sich um eine Vollpreis Edition. Andrerseits ist die Qualität dieser Werke so, daß sie keinen Vergleich mit jenen von Haydn oder Boccherini zu scheuen brauchen. ich werde diese CD daher (so ich es nicht schon habe) in die Liste meiner "unverzichtbaren" Aufnahmen eintragen um dieser Aufnahme die verdiente Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Stilistisch würde ich diese Konzerte - das erste (Ben 101) entstand etwa 1782/84 - eher Boccherini an die Seite stellen als Haydn. Desto öfter ich Pleyel höre, desto bewusster wird mir, dass der Vergleich mit Haydn (auch wenn er von Mozart und anderen Zeitgenossen benutzt wurde) lediglich eine Krück, bzw OPrientierungshilfe darstellt, und daß Pleyel durchaus einen eignen Stil verfolgte, der weniger gelehrt als jener von Haydn - dafür jedoch jedoch noch volkstümlicher und eingängiger war - voll von "Ohrwurm-Themen". Wer derlei sucht, und vielleicht zudem noch das Soloinstrument Cello zu seinen Lieblingen zählt - der wird an dieser CD seine helle Freude haben.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Die soeben von mir gehörte Sinfonie in C-Dur Ben 151 ist eine der großen von Pleyel - und das in jeder Beziehung. Anklänge an Joseph Haydn sind immer wieder durchschimmernd, aber dennoch ist auch das Eigenprofil Pleyels unüberhörbar, er ist seinem Meister hier ein ebenbürtiger Kollege, voll eigener Ideen und Charakter. Majestoso - so steht über dem Beginn, der noch dazu sehr eigenwillig und reizvoll ist - ich kenne nichts Vergleichbares. Diese Mischung zwischen Erhabenheit, tänzerisch-zarten Sequenzen, lieblichen Stellen mit beinahe Solocharakter, immer wieder von Temperamentsausbrüchen unterbrochen - das findet man nur selten. Kammermusikalische Abschnitte kontrastieren auf reizvolle Weise mit lebhaft - energischen Themen mit Fanfarencharakter. Das Ende des ersten Satzes erinnert am ehesten an den Ausklang einer Mozart Opernouvertüre - Hinreissend !!!
    Über den zweiten Satz gibt es nicht zu berichten, außer, daß er berückend schön ist.
    Tänzerisch startet der dritte Satz, wie ein höfischer Tanz und bleibt dieser Linie auch im wesentlichen treu
    Auch der 4 Satz, das Rondo erinnert an repräsentative Tanzveranstaltungen bei Hof, trotz einiger übermütigen Einsprengsel.
    Mit einer Fanfare endet die Sinfonie.

    Ich hoffe, Euch ein wenig Appetit auf Pleyel gemacht zu haben
    und verbleibe mit freundlichen Grüßen
    Alfred

  • Mit äusserster Konsequenz treibt die International Pleyel Gesellschaft ihre Projekte voran. Die in Zusammenarbeit mit der ARS-Produktion produzierte Reihe "Konzert-Raritäten aus dem Pleyel Museum" ist inzwischen bei Folge 12 angelangt. Die CD hat den Untertitel "Streicher-Raritäten" und enthält folgende Werke:
    Streichquartett in Es-Dur Ben 352 (1788)
    Streichsextett in F-Dur Ben 261 (1791)
    Streichquintett in g-Moll Ben 287
    Alle 3 Werke sind laut IPG Ersteinspielungen.
    Gegenüber den ersten Folgen der ambitionierten Serie hat die Qualität zugenommen, sowohl in interpretatorischer , als auch in tontechnischer Hinsicht und genügt nun auch höchsten Ansprüchen..

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


  • Das europäische Klavierbauer-Sterben geht weiter: In Frankreich schliesst Pleyel, die als älteste Klavierfabrik der Welt galt und unter anderem Chopin zu ihren besten Kunden zählte, die Tore.


    Gegründet worden ist das Unternehmen 1807 vom französischen Komponisten Ignaz Pleyel. Zu seine Kunden zählten unter anderem Frédéric Chopin und Claude Debussy.


    Zuletzt seien jährlich noch rund zwanzig Pianos zum Preis von mindestens 40 000 Euro gefertigt worden - von 14 Mitarbeitern, wie das Europe Online Magazin schreibt. Grund für die Schliessung seien «anhaltende Verluste und eine nicht ausreichende Auslastung».

    (Quelle: cf)

  • Ich widme mich wieder etwas Erfreulicherem: Dem Violinkonzert in D-Dur (Ben 103, bzw Ben 103a)
    Es ist derzeit zumindest in drei Aufnahmen verfügbar.



    Zunächst einmal kläre ich die Frage, was es mit Ben 103a auf sich hat:
    Es handelt sich bei der Abkürzung Ben um eine Abkürzung für "Benton - Verzeichnis", benannt nach der Musikwissenschafterin Rita Benton (1018-1980) Was hat es aber mit der "a" Nummer auf sich? DasViolinkonzert Ben 103a gibt es in verschiedenen Abschriften und Versionen. Bei Ben 103a wurder der ursprüngliche 3, Satz gegen einen anderen ausgetauscht.


    Heute wird in der Regel die neuere (und kürzere) Version gespielt, wir finden sie zum Beispiel auf der von der Internationalen Pleyel-Gesellschaft produzierten Aufnahme. Die beiden anderen Aufnahmen (Hungaroton und naxos) bieten BEIDE Versionen an, der ehemalige 3, Satz wird als Addendum an die letzte Stelle gesetzt. Die IPG Nr 13 CD bietet indes als "Zuckerl" zeitgenössische Kadenzen von Prof Balduin Sulzer. Für Liebhaber von Violinkonzerten des 18. Jahrhunderts ist dieses elegante und klangschöne Konzert ein Muß. Welcher Aufnahme man den Vorzug gibt, wird vom persönlichen Geschmack und Geldbeutel abhängen

    mfg aus Wien
    Alfred

  • Hier möchte ich die neueste Veröffentlichung der Internationalen Pleyel Gesellschaft vorstellen - Folge 14 der mit dem Label ARS in Kooperation produzierten Serie seiner Werke. Laut Cover handelt es sich ausschließlich um Ersteinspielungen. Besonders hervorzuheben ist die Serenata in G-Dur (Nonett), welche vom Ungarischen Kammerorchester Camera pro Musica angemessen gespielt wird. Ein sehr klangschönes Stück - beste Unterhaltungsmusik des 18. Jahrhunderts.
    Ebenso beeindruckt hat mich die Sinfonie in B-dur Ben 135 aus dem Jahre 1786. Desto öfter man Pleyel hört - desto mehr muß man ihm zubilligen, daß seine Musik weiter von Haydn entfernt ist als allgemein behauptet wird.
    Das gilt auch für die Sinfonie in c-moll Ben 142, die als Trauersinfonie für Kaiser Joseph II gedacht sein soll - allerdings soll ein diesbezüglicher Vermerk erst auf einer späteren Notenabschrift existieren (?). Abgesehen vom berückend schönen Adagio (2. Satz) ist mir persönlich diese Sinfonie über weite Teile hin zu "ungeschliffen", zu "aggressiv". Andere werden vermutlich diese Ansicht nicht teilen...
    Es handelt sich bei der CD um eine Live-Aufnahme vom Juni 2013 aus Pirawarth, die jedoch weit besser klingt, als die ersten Veröffentlichungen der Serie vor einigen Jahren.
    In jedem Falle sollte der Liebhaber von Werken der "Wiener Klassik" diese CD in seiner Sammlung haben...
    Wie so oft, kann man sich durch anklicken des Covers durch abhören der jpc-Klangschnippsel ein eigenes Bild machen.

    mfg aus Wien
    Alfred

  • Ich habe durch diese CD den Komponisten überhaupt zum ersten Mal kennengelernt und bin, wie ich gestehen muss, massiv begeistert. Ich höre diese CD rauf und runter. Jemand, der Haydn und Mozart mag, wird hier sicherlich fündig. Dabei hat der Komponist eine eigenständige, individuelle Tonsprache aufzuweisen, die charakteristisch und persönlich gefärbt ist. Insbesondere sein melodischer Reichtum ist stupend, dabei die Musik oftmals lieblich, voller Schmelz, ohne ins Süßlich-kitschige oder Seichte abzugleiten, meinem Empfinden nach. Er kennt auch schwungvolle, dramatische Elemente, die einen belebenden Gegenpol darstellen. Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr angetan, sehe die Musik zwar nicht unbedingt als sehr revolutionär, bahnbrechend oder zukunftsweisend an -was womöglich einer der Gründe ist, warum er nicht so populär ist- jedoch empfinde ich seine Musik nie als schematisch, formelhaft oder einfallslos - im Gegenteil, ich finde hier eine lebenssprühende, bunte, farbenreiche Musik. Alles in allem ein sehr zu Unrecht vernachlässigter Komponist - ich werde nicht umhin kommen, mir weitere Einspielungen zuzulegen...

  • Don Gaiferos schrieb:

    Zitat

    ....sehe die Musik zwar nicht unbedingt als sehr revolutionär, bahnbrechend oder zukunftsweisend an -was womöglich einer der Gründe ist, warum er nicht so populär ist- jedoch empfinde ich seine Musik nie als schematisch, formelhaft oder einfallslos


    In der Tat war Pleyels Musik nicht revolutionär - aber sehr geschätzt. Mozart sah ihn auf einer Stufe mit Haydn. Haydn Fürchtete, sein Schüler könnte ihn übertreffen. Der Unterschied zu Haydn ist IMO darin zu sehen, daß Pleyel weniger "gelehrt" klingt, aber ein Quentchen "schmeichelnder"


    Pleyel ist eher im Aufwind, und vom wirklichen Vergessenwerden nicht wirklich bedroht, seit die Internationale PLeyel Gesellschaft einerseits Konzerte mit Werken von ihm und Vanhal (auch Vanhal war zeitweise ein Leherer Pleyels) veranstaltet, ein Pleyel Museum eingerichtet hat und derzeit einen eigenen Konzertsaal und ein Pleyel Zentrum baut. Fast hätte ich die zahlreichen Tonträger vergessen die aus diesen Aktivitäten entstehen. Leider waren diese Mitschnitte zu Beginn eher "amateurhaft" - die letzten Jahre indes handelt es sich um professionelle Produkte.


    Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf den Pleyel-Thread hinweisen, der sich mit den Streichquartetten befasst.
    Von den exisitierenden 70, die er schrieb sind bis dato 29 auf Tonträger veröffentlicht worden. das meiste in den letzen 15 Jahren.....


    Am Puls von Haydn: Ignaz Joseph Pleyel - die Streichquartette


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • In der Tat ist Pleyel einer der wenigen Komponisten des 18, Jahrhunderts, wo eine Neuerscheinung nach der anderen erscheint. Das geht oft schneller als ich sie ins Forum stellen kann. und vor allem will, den eine Kaskade von Neuerscheinungen wird in der Regel nicht wirklich wahrgenommen und hinterlässt somit auch keinen bleibenden Eindruck.
    Die hier abgebildeten Aufnahmen entstand am 4, Jänner 2014, sind also Mitschnitt eines Neujahrskonzerts der Internationalen Pleyel Gesellschaft. Auf dem Programm standen damals zwei Sinfonien concertanti, sowie die Ersteinspielung der Sinfonie in d-moll Ben 115. Die Werke sind für jeden Liebhaber der Musik des 18. Jahrhunderts ein Ohrenschmaus, die Tontechnik ist nicht wirklich schlecht, kann aber auch nicht als "audiophil" durchgehen.....

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Etwas "antiquiert", aber trotzdem hörenswert, stellt sich die hier vorgestellte CD mit drei Sinfonien von Pleyel dar. Großorchestral aber nicht besonders dynamisch, Klangebene leicht nach hinten gerückt, wenig präsent - allem Anschein nach (analoge) Mitschnitte dreier Konzerte für den ORF (= Österreichischer Rundfunk) der auch als Labeleigner fungiert.
    Daraus resultieren auch 3 verschiedene Dirigenten (Carlos Kalmar, Paul Angerer und Heiz Wallberg) die jeweils das Niederösterreichische Tonkünstler Orchester dirigieren. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1984 und 1989. Sie sind durchaus klangschön, aber eher auf den österreichischen oder englischen Geschmack ausgerichtet, als auf den deutschen.....


    Nachbemerkung: Während des Schreibens dieses Beitrags und auch danach habe ich diese CD gehört, und mein "neutral-kritisches Hören" ist in Begeisterung umgeschlagen, die teils tänzerische Klangschönheit macht die "zurückhaltende" Interpretation vergessen, bzw. betont deren Vorzüge......


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Erfreulicherweise schafft es Pleyel sogar nach wie vor in den Konzertsaal. Heute lief dieses Konzert im Radio - ich habe es leider verpasst - vielleicht wird es ja in irgendeiner Mediathek eingestellt und zumindest für eine Weile verfügbar gemacht? Jedenfalls ein sehr ermutigendes Zeichen, dass es doch noch die ein oder andere Möglichkeit gibt, diese schöne Musik live (oder zumindest im Radio) zu erleben.


    20:03 Uhr Deutschlandradio Kultur
    Konzert


    381. Wartburgkonzert
    Palas der Wartburg, Eisenach
    Aufzeichnung vom 04.06.2016


    Antonio Vivaldi
    Sinfonia G-Dur RV 146
    "Domine Deus" aus dem "Gloria" RV 589
    Concerto "alla Rustica" G-Dur RV 151
    "Sposa con disprezzata", Arie aus der Oper "Bajazet" RV 703


    Georg Friedrich Händel
    Concerto grosso G-Dur op. 6 Nr. 1 HWV 319
    "Ah, mio cor" aus der Oper "Alcina" HWV 34


    Wolfgang Amadeus Mozart
    Divertimento F-Dur KV 138
    "Padre germani addio" aus der Oper "Idomeneo" KV 366
    "Voi avete un cor fedele" KV 217


    Ignaz Josef Pleyel
    Sinfonie F-Dur op. 136


    Eva Šušková, Sopran
    Cappella Istropolitana
    Robert Marèk, Leitung und Violine