Streichquartett-Ensembles - Vol 6: Die führenden aktiven Streichquartettformationen der Gegenwart

  • Ein Streichquartett-thread folgt nun dem anderen - und ich glaube, das ist gut so. Das geschieht nicht etwa, wie manche meinen könnten, gezielt - sondern es ergibt sich manches von selbst. Ich erinnere mich, daß ein Kritiker X einst schrieb, das Streichquartettensemble xy, sei der logische Nachfolger des Alban Berg Quartetts und habe inzwischen dessen Platz eingenommen. Im Rahmen meiner Recherche konnte ich etwas ähnliches lesen, mit dem feinen Unterschied, daß das Attribut einer anderen Gruppe zugesprochen wurde. Liest man die Historie heute aktiver Streichquartette, so findet man immer wieder Bezeichnungen, wie: "Eines der führenden Streichquartette unserer Zeit." Andere scheint es gar nicht zu geben.
    Daher suchen wir in diesem VOTING die besten (oder bedeutendsten) 5 Streichquartettformationen der Gegenwart.
    Das ist doch etwas anderes als "Meine Lieblingsgruppe"
    Jeder Mitspieler hat 5 Nennungen. Jeder Kandidat bekommt EINEN Punkt
    EIN Kanditat darf exclusiv ZWEI Punkte erhalten, Also eimal zwei und vielmal 1
    Vielleicht trägt dieser Thread auch dazu bei dass die eine oder andere Gruppe in DIESEM


    Streichquartett -Ensembles : Vol 2 - Die Etablierten


    Thread Erwähnung findet...


    mit freundlichen Grüßen
    aus Wien
    Alfred

  • Hallo Alfred,


    für mich zählt einfach erstmal nur das Artemis Quartett.


    Dieses Quartett ist für mich "Geschmacksbildend" für die gesamte Kammermusik Beethoven`s. Herausragend sind die Details der Musik, der breit angelegte Klang der Aufnahmen. dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, neue Aspekte in den Streichquartetten zu hören.


    Keine Hörsitzung gleicht der anderen.


    Grüße Thomas

  • "Eines der führenden Streichquartette unserer Zeit." Andere scheint es gar nicht zu geben.

    Tatsächlich ist die Streichquartette-Landschaft erstaunlich und erfreulich bunt, und es wird bei den Quartetten musikalisch und technisch auf einem atemberaubend hohen Niveau musiziert. Wenn also die von Thomas für das Artemis Quartett herausgehobenen Details bei einem Quartett nicht hörbar sind und es neue - also bei anderen noch nicht oder nicht so gehörte - Aspekte nicht herausarbeitet, dürfte bei diesem Quartett etwas grundsätzliches schief laufen - und Erfolg dürfte es bei der bestehenden Leistungsdichte auch nicht haben.


    Gerade wegen dieser Leistungsdichte fällt es schwer, die "führenden aktiven Streichquartettformationen" auf Stücker fünf zusammen zu dampfen. Das hängt auch damit zusammen, dass manches Quartett seine ökologische Nische gefunden hat, in der es "führend" ist (Beispiele: Kronos Quartet, Quatuor Mosaiques). Hängt "führend" möglicherweise auch von der Breite des Repertoires ab? Aber sei's drum - zwei Punkte vergebe ich nicht, denn ich finde nicht, dass sich ein Quartett aus der Leistungsspitze absetzt. Vielmehr müssten alle nachfolgend Genannten (und noch einige mehr) zwei Punkte erhalten. Ohne Reihenfolge nenne ich mal aus meiner Sicht:


    • Artemis Quartett
    • Auryn Quartett
    • Emerson String Quartet
    • Leipziger Streichquartett
    • Takács Quartet


    Je einen Punkt. Die Auswahl tut mindestens neun anderen Streichquartetten bitter Unrecht.

  • Daher suchen wir in diesem VOTING die besten (oder bedeutendsten) 5 Streichquartettformationen der Gegenwart.
    Das ist doch etwas anderes als "Meine Lieblingsgruppe"


    Ich fühle mich nicht berufen, bei Interpreten meine Lieblingsgruppen von ihrer Bedeutung zu abstrahieren (oder andersrum) - bei Komponisten kann ich das eher.
    Objektiv bedeutend ist das
    Arditti-Quartett
    mit seinem prominenten Auftreten und den Legionen von Auftragsarbeiten.
    Der amerikanische Gegenpol ist das
    Kronos-Quartett
    mit weniger intellektuellem Programm und Cross-over-Affinität.
    Bisher war die Nennung wirklich objektiv, da ich beide Quartette eher meide als suche, wenn ich CDs kaufe, ersteres wegen seines (allzu) individuellen Klanges und zweiteres wegen des Repertoires (da könnte ich eigentlich wieder mal schauen, was die so aufgenommen haben ...)


    Jetzt kommt mein Liebling:
    Quatuor Festetics
    Das Originalinstrumentenensemble mit der Haydn-Aufnahme (schmacht). Ob sie die Bedeutendsten dabei sind, weiß ich nicht. Mosaiques nenne ich nicht.
    Für Musik des 19. Jahrhunderts kommen dann die ebenfalls darmsaitigen
    Eroica-Quartett
    und
    Kuijken-Quartett
    womit ich für "normale" Quartette keinen Platz mehr habe.
    :D

  • Ich habe letztes Jahr das junge französische Quatuor Ebène in Duisburg gehört und war sehr begeistert. Das Hagen-Quartett soll hier auch nicht unerwähnt bleiben.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Natürlich sind solche Auswahllisten immer ungerecht.


    1) Hagen-Quartett
    2) Takacs-Quartett
    3) Emerson Quartet
    4) Belcea Quartett
    5) Auryn Quartett


    Es fehlen: Quatuor Mosaiques, Artemis (kenne zu wenig von diesen), Quatuor Ebène, Kronos Quartet, Arditti Quartet, Zehetmair-Quartett, ...


    :hello:

  • Ich freue mich, daß dieser Thread auf unerwartet starke Resonanz gestoßen ist.
    Dass nicht alle wirklich erstklassigen Streichquartette hier genannt werden dürfen ist durchaus Absicht.
    Man denkt dann über seine Auswahl länger nach, als wenn es möglich wäre die meisten Spitzenensembles hier unterzubringen, eine reine Aufzählung.
    Aber ich stelle auch gerne an dieser Stelle klar, dass wie auf diese Weise weder "das beste" Streichquartett ermitteln können, noch das wir dies wirklich vorhaben. Letztlich hängt ja die Beurteilung eines Klangkörpers auch davon ab, welches Repertoire es spielt. Was wir aber sehr wohl können, ist transparent zu machen, welche Klangkörper besonders wahrgenommen werden, und wir können auch ein wenig regulierend eingreifen, jene Gruppen ein wenig mehr ins Rampenlicht zu stellen, denen es weniger gelungen ist, ihre Vorzüge einer breiteren Mehrheit zu vermitteln, wobei man sich natürlich darüber klar sein muss, dass auch die Mitglieder eines Forums nicht unbedingt repräsentativ für die Klassikszene sein müssen.


    Vielleicht noch ein paar Anmerkungen zum Schluss. Natürlich muss der Extrapunkt (also der 2. Punkt für ein selbst gewähltes Ensembel) nicht unbedingt vergeben werden - so dies nicht gewünscht wird. Und die Nennung jener Quartette am Schluss, welche man gerne nominiert hätte, was sich aber rein rechnerisch nicht mehr ausgegangen ist, ist auch zulässig. Sie werden aber fürs Endergebnis dieses Votings nicht berücksichtigt.


    Gerne aber können sie in den laufenden Threads dieser Serie erwähnt - und näher beschrieben werden - wenn geht mit besonders geglückten Aufnahmen...
    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ich werde - das ist auch den anderen gestattet - meine Nominierungen - auf mehrere Beiträge aufteilen.
    Ferner werde ich mich einigen anderen anschliessen und keinen Favoriten wählen, soll heissen, diese von mir nominierte Quartette (wie viele es bei mir sein werden steht noch nicht fest) bekommen jeweils EINEN Punkt. Der Zusatzpunkt wird aus Gründen der Gerechtigkeit nicht vergeben. Gerechtigkeit ist übrtigens ohnedies nur ansatzweise möglich, weil man ja automatisch das Repertoire des Ensembles mit einfliessen lässt.


    Mein erster Kandidat ist das Auryn Quartett, welches ich schon im Thread über die etablierten Quartette vorgestellt habe.
    Es sind gleich DREI Vorteile, mit welchen das Quartett bei mir persönlich punkten kann:
    Da wäre zum einen das durchsichtige Klangbild und die subtile Interpretation, ferner die Tontechnik und last but not least, daß die Wiener Klassik und speziell Haydn einen Schwerpunkt ihres Repertoires darstellen.


    Kandidat Nr 1:
    Auryn Quartett : Joseph Haydn: Die Streichquartette


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Natürlich sind solche Auswahllisten immer ungerecht.


    Leider, leider … und das macht die Auswahl umso schwerer.


    Deshalb nenne ich eben:

    • 1) Belcea Quartett
    • 2) Jerusalem String Quartet
    • 3) Auryn Quartett
    • 4) Mandelring Quartet
    • 5) Leipziger Streichquartett

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Mein zweiter Kandidat ist das Belcea Quartett, welches mir bereits beim erstem Mal, als ich es hörte, überaus gefallen hat.
    Leider hat EMI dieser Streichquartettformation scheinbar nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet, es gab nur wenige Aufnahmen und wenig Werbung.
    Ich erinnere mich gut, auch wenn es bereits einige Jahre zurückliegt, wie eine Dame im EMI-Detailgeschäft in Wien Kärntnerstraße die Verkäuferin nach einer Aufnahme mit dem Belcea-Quartett fragte. "Da wäre es halt gut - wenn man das Label wüsste" war die weinerlich desinteressierte Antwort.
    Ich konnte mich (wieder einmal) Nicht beherrschen: "Das Label heisst EMI" - genau wie der Laden in dem Sie arbeiten" - sagte ich - mich einmischend - spitz.
    Anscheinend hat das Belcea Quartett nun bei ZIG ZAG ein neues Zuhause gefunden - oder sollte es sich hier nur um ein einmaliges Projekt handeln ?
    Egal - Zumindest die kompletten Streichquartette von Beethoven sind geplant. die erste Folge ist bereits erschienen

    Kandidat Nr 2:
    Belcea Quartett : Ludwig van Beethoven: Die Streichquartette


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Unbedingt sollte hier auch das Artemis Quartett genannt werden :



    Wunderbar erfrischender und ohne Sentimentalität gespielter Schubert.



    Für mich DIE Beethoven Einspielung aller Quartette von Beethoven in NEUERER Zeit mit einem tollen transparenten Klangbild.
    Dieses führt auch zu einem besseren Verständnis der späten Quartette.


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Also für mich gibt es derzeit vier Quartette, die ich ganz besonders schätze, sowohl aufgrund ihrer bisher veröffentlichten CDs, als auch wg. unvergesslicher Live-Eindrücke:


    Artemis (D), Belcea (GB), Ebène (F) und Pavel Haas (CZ).




    Wenn ich ein fünftes nennen sollte, fällt es mir schwer, mich zu entscheiden:


    Auryn, Arditti (eigentlich eine eigene Kategorie), Emerson, Hagen, Henschel, Minguet, Mandelring, Pacifica, Casals, ach es gibt so viele tolle Quartette.


    Wir mögen in einer Zeit des Mangels an wirklich großen Dirigenten leben, aber "it's a golden age for string quartets". Nie zuvor hat es eine derartige Auswahl an fantastischen SQs gegeben und wir sollten alles tun, dass davon möglichst viele langfristig überleben können. Also, geht in die Konzerte und vor allem: kauft ihre CDs.


    Ich höre mich gerade durch die Beethoven-Totale von Belcea durch. Ich habe jetzt vermutlich das Dutzend an Gesamtaufnahmen voll (Budapest, Amadeus, Vegh, Fine Arts, Juilliard, Guarneri, Pascal, Tokyo I, Artemis, Gewandhaus, Schaeffer, Alban Berg, Italiano, Melos II...oh, es sind ja schon mehr) und bin wieder total begeistert. Den "heiligen Dankgesang" aus op 132, mein Lieblingsstück überhaupt, habe ich noch nie so ätherisch und entrückt gehört, einfach genial.

  • Also, geht in die Konzerte und vor allem: kauft ihre CDs.


    Umgekehrt! Kauft ruhig auch die CDs, aber geht vor allem in die Konzerte. Von CDs können die Künstler nicht leben (eher noch die Plattenfirmen), sie brauchen aber kontinuierlich gefüllte Terminpläne. Und damit die Veranstalter das Interesse nicht verlieren, müssen einfach die Konzerte erfolgreich und gut besucht sein...


    :hello:

  • Umgekehrt! Kauft ruhig auch die CDs, aber geht vor allem in die Konzerte. Von CDs können die Künstler nicht leben (eher noch die Plattenfirmen), sie brauchen aber kontinuierlich gefüllte Terminpläne. Und damit die Veranstalter das Interesse nicht verlieren, müssen einfach die Konzerte erfolgreich und gut besucht sein...

    Völlig richtig, so muss es heißen! Ich besuche die Kammermusikreihe in Stuttgart und bin immer wieder schockiert, wenn ich das Durchschnittsalter der Besucher schätze; manchmal habe ich das Gefühl, ich bin einer der Jüngsten, obwohl ich über 50 bin. WO SIND DIE JUNGEN ZUHÖRER, DIE IM ALTER DER MUSIKER SIND??? Stuttgart hat eine weithin bekannte Musikhochschule, WO SIND DIE STUDENTEN??? Wie kann ich Geige, Bratsche oder Cello studieren und kein Interesse daran haben, für wenige Euro (für Studenten sind die Tickets spottbillig) die Weltstars der Kammermusikszene zu hören? Youtube ist doch dafür kein Ersatz! Ich bin Hochschullehrer: wenn in Stuttgart die letztjährigen Nobelpreisträger für Medizin einen Vortrag halten würden, würde ich doch auch meine Studenten hinscheuchen bzw die würden von sich aus dahin gehen.

  • Ich besuche die Kammermusikreihe in Stuttgart und bin immer wieder schockiert, wenn ich das Durchschnittsalter der Besucher schätze; manchmal habe ich das Gefühl, ich bin einer der Jüngsten, obwohl ich über 50 bin. WO SIND DIE JUNGEN ZUHÖRER, DIE IM ALTER DER MUSIKER SIND??? Stuttgart hat eine weithin bekannte Musikhochschule, WO SIND DIE STUDENTEN???


    Ich habe in Wien diesselbe Beobachtung bei Musikstudenten gemacht. Es ist sogar so, dass sehr viele klassischen Musiker gar keine klassische Musik privat hören wollen. In Begleittexten zu CDs lese ich übrigens nicht selten: "ich kannte dieses Werk noch gar nicht bevor ich es einspielte". Nicht selten handelt es sich dabei um ein Repertoirestück.
    Allerdings muss ich zugeben, dass ich als Naturwissenschaftler nach dem Labortag auch nicht in jeden Abendvortrag von irgendwelchen "Big-shots" gehe. Eher lege ich mir zuhause ein wenig Musik auf.

  • Letzte Woche spielte das Belcea Quartett wieder einmal in Stuttgart - mit einer hochschwangeren Primgeigerin, so dass vermutlich demnächst eine Konzertpause eintreten muss.


    Das Programm war sehr interessant, mal nicht die übliche Abfolge Haydn - Modern - Beethoven oder Romantik. Zwar begann auch dies Konzert mit Haydns op 64.4, dem auch volles Gewicht beigemessen wurde; dann wurden aber zwei fast gleichzeitig entstandene Streichquartette nämlich das 1. von Britten und das 3. von DSCH gegenübergestellt. Beide Quartette haben vom energischen und trotzdem traumhaft sicheren Zusammenspiel des Belcea Quartetts profitiert, so dass sich das Publikum trotz der für Stuttgart ungewöhnlichen Programmzusammenstellung zu begeistertem Applaus hinreissen ließ. Ja, sie spielen zur Zeit ganz oben mit und wir hoffen, dass dies noch lange, lange so bleibt. Und der werdenden Mutter wünschen wir natürlich alles Gute (das Photo ist aus einem anderen Konzert und schon ein paar Wochen alt).


  • Meine objektiv "führenden Streichquartette" wechseln mehrmals im Monat, hier die aktuelle Wochenliste:


    Petersen mit Mozart


    Cremona mit Beethoven


    Casals mit Brahms


    Belcea mit Britten


    Artemis mit Ligeti


    Da nur 5 Quartette genannt werden sollen, muß ich ;( auf die Nennung des Pavel-Haas-Quartetts mit
    Dvorák verzichten, "Vorredner" haben zum Glück bereits auf diese Einspielung verwiesen.

  • Lieber Gombert
    das freut mich aber sehr, dass es hier einen weiteren SQ Enthusiasten gibt. Bei mir ändert sich die Rangfolge auch ständig, allerdings ist das Pavel Haas Quartett derzeit immer dabei. Daneben schätze ich besonders das Artemis und Belcea Quartett. Und die Jungs von Ebene finde auch grandios. Das Petersen Quartett war für viele Jahre mein Favorit, ist jetzt aber wg. Auflösung nicht mehr in meiner aktuellen Liste. Aber praktisch alle ihre CDs stehen im Regal und werden auch gehört. Das Casals habe ich auch in bester Erinnerung, da habe ich auch die meisten CDs. Von den Jungs aus Cremona habe ich bisher nur eine, mit einem ganz abgefahrenen zeitgenössischen Komponisten, dessen Name mir gerade nicht einfällt. In meiner 5er-Liste ist auch noch das Pacifica aus USA, die finde ich auch toll. Und danach kann ich mindestens 10 weitere nennen, die auch fast dazugehören. Wir leben schon in einem Golden Age of String Quartets.

  • Lieber lutgra,
    vielen Dank für Deinen Quasi-Willkommensgruß im Kreise der SQ Freunde. Die Freude wäre noch größer, wenn Du nicht vom Ende der Petersens hättest berichten müssen, daß mir doch tatsächlich entgangen ist (schon wieder: ;( ). In memoriam werde ich sie jetzt aber nicht aus diesem thread entfernen.
    Trotz dieses Verlustes leben wir in der Tat in einem Goldenen Zeitalter, wenn schon nicht des Streichquartetts, so doch des SQ-Ensembles. Danke für die Nennung des Haas Qts. Ebène hätte ich wohl gelistet, stehe aber akut unter dem Eindruck eines etwas übermanierierten Livekonzertes. Demnächst bestimmt wieder unter den Favoriten... . Beim nächsten Mal ist vielleicht auch das Sonare-Qt mit Katzer dabei. Dein Enthusiasmus fürs Pacifica erinnert mich daran, daß ich schon seit längerem in deren Mendelssohn hineinhören wollte.


    Beste Grüße!

  • Ich möchte an dieser Stelle auch das Buchberger-Quartett erwähnen, da die hier vorliegende Gesamtaufnahme aller Haydn-Quartette erst vor wenigen Jahren, zwischen 2002 und 2008 entstanden ist. Ich habe die Aufnahmen erst vor wenigen Tagen erstanden und habe damit begonnen, die Streichquartette in chronologischer Reihenfolge durchzuhören, auf diese Weise die Haydn-Quartette kennen zu lernen und zu jedem Quartett meine Höreindrücke zu posten. Alfred hatte das Buchberger-Quartett schon in dem Thread Streichquartett-Ensembles - Vol 2: Die Etablierten vorgestellt, deswegen werde ich mir hier nähere Einzelheiten sparen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zum Buchberger Quartett und ihrer Haydn-Einspielung gibt es beim Werbepartner am Fluss einen etwas bizarren Beitrag.


    Ich zitiere mal einen Hanspeter Brode:


    Zitat

    "Das Buchberger-Quartett bewegt sich leider auf einem Niveau, das man als schülerhaft, amateurmäßig bezeichnen muß. Besonders leiden die Violinen durchweg unter massiven Intonationsproblemen, so daß das Anhören immer wieder zur Qual wird. Streckenweise ein geradezu hilfloses Gefiedel. Höhere Lagen, schnellere Partien - oft Fehlanzeige. Ein Vergleich mit den großen Ensembles wie Melos, Emerson, Amadeus, Artemis, neuerdings auch Mandelring etc. kommt überhaupt nicht in Betracht. Vom professionellen Niveau, das heute auf dem Quartettmarkt selbstverständlich ist, ist diese Aufzeichnung, sind diese vier Solisten meilenweit entfernt.
    Das gewaltige Korpus der Haydn-Quartette kann hier in seinen historischen, besonders auf Beethoven vorausweisenden Dimensionen kaum ansatzweise geahnt werden.
    Daß das so verdienstvolle Label Brilliant hier auf einen Holzweg geraten ist, ist außerordentlich zu bedauern. Geradezu rätselhaft!
    Einen Stern nur deshalb, weil hier immerhin ein nahezu vollständiger Überblick über das fast unvorstellbar vielschichtige Oeuvre aus der Feder eines Bahnbrechers, geradezu Erfinders dieser Gattung, sich gewinnen läßt."


    Da hat er wohl eine andere Aufnahme gehört als wir.

  • Zitat

    lutgra: Da hat er wohl eine andere Aufnahme gehört als wir.

    Zumindest bis einschließlich zur Nummer 8 (op. 2 Nr. 2) kann ich das bis jetzt bestätigen, lieber Lutgra.


    Ich habe gerade auch eine Mehrzahl von Rezensionen an gleicher Stelle gelesen, die dezidiert anderer Meinung waren als der Herr Hanspeter Brode.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Es dürfte sich dort vermutlich um persönliche Abrechnungen handeln - Es findet beinahe ein "Kampf" zwischen den verschiedenen "Rezensenten" statt. Irgendwie hatte ich den Eindruck, daß es jemanden störte, daß eine derart interessante Aufnahme zu solch einem günstigen Preis zu haben sei. Das hat übrigens ein anderer Nutzer auch so gesehen, während ein dritter die Kritik von Brode wörtlich als "Unsinn" bezeichnete......
    Ich besitze die Aufnahme komplett - und mag sie sehr. Sie stellt einen auffassungsmäßigen und klanglichen Kontrast zu den ebenfalls ziemlich komplett in meiner Sammlung vertretenen "Auryns" dar. Die Buchbergers bieten einen "erdig, harzigen" Klang, der die Quartette etwas deftiger klingen lässt als die Auryn Aufnahme. Eine Einspielung mit Eigencharakter die ich durchaus neben jene anderer großer Formationen stellen würde. Und ich besitze Einzelaufnahmen der Haydn-Quartette von mindesten weiteren 6 Formationen.......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    NACHTRAG:
    Der Betrieb der Internetseite des Buchberger Quartetts wurde eingestellt....

  • Zitat

    Alfred Schmidt: Die Buchbergers bieten einen "erdig, harzigen" Klang, der die Quartette etwas deftiger klingen lässt...

    Den Eindruck hatte ich auch, lieber Alfred, vor allem beim Anhören des Quartett Divertimentos op2 . Nr. 2 E-dur, und es hat mir gut gefallen.
    Dass ich mich jetzt die nächste Zeit regelmäßig mit Haydns Quartetten beschäftige, habe ich ja auch dem Weihnachtsrätsel zu verdanken, während dem ich alle Beethovenquartette und fast alle Schubert und Dvorakquartette gehört habe. Nun ist erst mal Haydn dran, und zwar komplett.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich finde die zwei Folgen der Buchbergers (op. 9 und 33/42), die ich gehört habe, zwar lange nicht so schlecht wie der zitierte Rezensent, sondern im Gegenteil recht ordentlich. Aber als Ensemble würde ich sie ebenfalls nicht annähernd in der Liga der "großen" Ensembles des 20. Jhds. oder der brillanten jungen wie Artemis, Pavel Haas u.a. sehen.
    Die nicht allzu polierte Spielkultur passt zu Haydn gar nicht so schlecht und musikalisch finde ich sie auch ganz gut, aber was Klangschönheit und -differenzierung, Ensemblepräzision und Virtuosität betrifft, sind sie nicht in der ersten Liga.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die Freude wäre noch größer, wenn Du nicht vom Ende der Petersens hättest berichten müssen, daß mir doch tatsächlich entgangen ist (schon wieder: ).

    Das ist auch m.W. offiziell nie richtig bekannt gegeben worden. Aber nachdem Friedemann Weigle ins Artemis und Daniel Bell ins Henschel Quartett gewechselt hatten, lag die Vermutung nahe. Ich habe dann einfach mal Sonia Simmenauer, ihre umtriebige Hamburger Impresaria, angemailt und sie hat es mir bestätigt.


    Die hat auch ein kurzes, aber lesenswertes Buch über das Dasein als Streichquartett geschrieben:

  • Dein Enthusiasmus fürs Pacifica erinnert mich daran, daß ich schon seit längerem in deren Mendelssohn hineinhören wollte.


    Ich habe die Mendelssohnbox vom Pacifica Quartet und finde sie ok. Allerdings habe ich zu wenig außergewöhnliches gehört, das den Kauf jetzt vor anderen Aufnahmen besonders dringlich machen würde. Die neue Referenzaufnahme der Mendelssohnquartette ist für mich ganz eindeutig die des Mandelringquartetts. Was Transparenz, Zusammenspiel aber auch Brio angeht sind sie zur Zeit kaum zu schlagen.

  • Ich habe die Mendelssohnbox vom Pacifica Quartet und finde sie ok. Allerdings habe ich zu wenig außergewöhnliches gehört, das den Kauf jetzt vor anderen Aufnahmen besonders dringlich machen würde.

    Zur Zeit ist die Pacifica meine Lieblingsaufnahme, allerdings kenne ich die neuen vom Mandelring SQ nicht, die sind mir auch noch zu teuer.

  • Zur Zeit ist die Pacifica meine Lieblingsaufnahme, allerdings kenne ich die neuen vom Mandelring SQ nicht, die sind mir auch noch zu teuer.


    Bitte nicht missverstehen! Die Einspielung ist sehr gut, aber es gibt zur Zeit zahlreiche sehr gute Einspielungen auf dem Markt. Äquivalent zu den Pacifica sehe ich jedenfalls die Einspielungen von den Henschels, Ysaye Quartett, Talichs und die älteren vom Bartholdy Quartett und dem Melos Quartett. Auffällig gelungen finde ich beim Pacifica Quartett das a-Moll Streichquartett op. 13. Die op. 44 Quartette und das f-Moll sind mir aber nicht als so außergewöhnlich in Erinnerung.

  • Der Hinweis auf Mandelring ist wirklich meritus. Ich hätte's nicht erwartet; zu deren vielgelobten Schostakowitsch hatte ich ein eher ambivalentes Verhältnis. Habe jetzt Vol.II gehört und finde - jedenfalls momentan - die Mandelrings in op. 44 selbst dem Leipziger SQ und in op. 80 der aktuellen Einspielung durch Ebene überlegen. "audite" hat momentan einen "SQ-Lauf", die Beethovenquartette
    mit dem Q. di Cremona sind auch großartig (vielleicht auch in den Ohren eines Mendelssohnanhängers...). Apropos [ganz off topic, aber der ensprechene thread ist eingeschlafen] : ich habe auch nach zahlreichen Versuchen noch keine wirklich rundum-glücklichmachende Einspielung des Violinkonzerts gehört. Hat ein fidelnder Mendelssohnianer einen Vorschlag?
    PS: Jetzt muß ich noch zwei CD's des Mandelringquartetts kaufen und den Erwerb des Pacifica wieder verschieben X( .