Sammelplatz für absurde und lächerliche Inszenierungsideen...

  • Nein - es sollen keine absurden Inszenierungsideen entwickelt werden, deren gibt es ohnedies genügend.
    Vielmehr sollen solche Verunglimpfungen unserer gelieben Opernwerke der Lächerlichkeit preisgeben werden.
    Das Thema diese Threads verdanke ich der Anregung eines Tamino-Mitglieds


    Zitat

    ........Da gibt es Bilder von Suor Angelica ohne Nonnen, Götterdämmerung mit Superman und einer Zauberflöte mit Pamina beim Geschirrspülen etc. ... Vielleicht wäre soetwas auch was für Tamino, wenn man die unzähligen idiotischen Inszenierungsideen, die es überall in Europa gibt mal im einzelnen aufzählen und in ihrer Absurdität mal so richtig lächerlich machen könnte? Da ist das Regietheater regelrecht sein eigener Feind.... ;-)!


    Also - Wollen wir mal sehen ob wir den notwendigen süffisant ironischen Tun zustandebringen, der hier vonnöten ist - und der ein Selbstläufer sein solllte - ganz ohne Jammern und Schimpfen....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Da hab' ich was. Und zwar hat der große und zu Recht verstorbene Komponist François-Joseph Fétis eine Stelle im Andante der 5. Sinfonie Beethovens falsch und gegen die Partitur inszeniert. Es geht um die Stelle, wo eine Klarinette ein "Es" über dem Akkord Des-F-B hält. Fétis schrieb:


    "Dieses Es ist offenbar ein F; Beethoven kann unmöglich einen solch groben Fehler gemacht haben."


    Hector Berlioz kommentierte dies wie folgt:


    " ... mit anderen Worten: Beethoven konnte unmöglich Vorstellungen von Harmonik haben, die nicht mit denen des großen Fétis übereinstimmen. ... Ich sagte mir: Da macht man eine französische Ausgabe der größten Orchesterwerke, die menschlicher Genius geschaffen hat, und nur weil dieser Verleger einen Professor zu Hilfe ruft, der berauscht ist von seiner Eitelkeit und im engen Bereich seiner Theorie ebenso wenig weiterkommt wie ein Eichhörnchen, das in seinem rotierenden Käfig herumrennt, sollen jene Riesenwerke kastriert werden, soll Beethoven Korrekturen erfahren wie der geringste Schüler einer Harmonieklasse!"


    :hello:

  • Lieber Wolfram,


    wie immer, ziehst du Vergleiche mit sinfonischen Werken heran. Da hast du dieses Thema aber völlig falsch gelesen. Es geht um Inszenierungen, nicht um Interpretationen!! Bleib doch mal bei deinen Vergleichen bei Inszenierungen. Für mich sind Auge und Ohr zwei verschiedene Organe.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Neuerdings scheint es Mode geworden zu sein, den Barbier von Sevilla in Mülltonen zu spielen! Ein spanisches Opernhaus machte den Anfang, die Mülltonnen wanderten danach nach Tel Aviv und konnten dort bestaunt werden.
    http://www.israel-opera.co.il/…magesgallery/babiere1.jpg


    Weil dies so schön war, machte man das letztes Jahr in St. Gallen direkt nach und steckte Figaro und den Grafen direkt wieder in Mülltonnen, diesmal in grau.
    http://www.theatersg.ch/spielplan/il-barbiere-di-siviglia


    Beides sind zwei wunderbare und intelligente Inszenierungen, mit Metaphern in denen eine ganze "Kunstform" ihre eigene Dekadenz beschreibt! 8-)

  • da habe ich definitiv etwas: Wagner im Aachener Stadttheater. "Der fliegende Holländer". Die Kulisse war ein großer leerer Raum und an den Wänder waren Duschen. Eine tropfte!!! Und in der MItte stand ein Rollstuhl. Und hier spielte das ganze. Manchmal setzte sich einer in den Rollstuhl und fuhr ein bisschen herum. Und eine Dusche tropfte!!! Die haben da extra eine Wasserleitung oder so etwas installiert, damit das tropfte!! Es war also so etwas wie eine Sammeldusche. Sonst war da nichts gebaut. Und es war alles dunkel. Anthrazit nennt man wohl diese Nichtfarbe. Ich weiß nicht, ob ich schon erwähnte, dass eine Dusche tropfte!!!
    Die Regieanweisung, so denke ich mal, war doch wohl, dass es auf einem mittelalterlichen Schiff spielen soll. Ich kann nciht glauben, dass diese Schiffe Duschräume hatten. Rollstühle dieser Art waren nicht erfunden.


    Der Hammer aber war, dass einer dieser Duschen tropfte! Was auch einmal erwähnt werden sollte.


    Junge, junge, der tropfte echt, ich musste da immer hingucken, weil ich am Anfang dachte, ich würde mich irren. Aber der tropfte echt.


    Mannomann
    Klaus

  • Da hast du dieses Thema aber völlig falsch gelesen. Es geht um Inszenierungen, nicht um Interpretationen!!


    Richtig es geht um Opern, aber: Wenn ein Interpret eine Note ändert, ist es keine Interpretation des Werkes, sondern eine Inszenierung - also wurde der Begriff schon richtig verwendet, nur am für den Thread falschen Objekt. Bei einer Interpretation werden keine Noten verändert, nur Dynamik, Tempo, Phrasierung usw.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Zitat

    Joseph: Kein Wunder, dass da sowas bei rauskommt, führt Calixto Bieito doch ein Doppelleben als Lord Voldemort.

    Da bin ich nicht so überzeugt von, lieber Joseph, hat doch Lord Voldemort gestern Abend wieder durch die Hand und den darin befindlichen Zauberstab von Harry Potter ein schlimmes Ende gefunden und sich in unzählige Einzelteile aufgelöst. Bieito aber erfreut sich immer noch bester Gesundheit. Und manchmal hat er ja Ideen, die gar nicht so absurd sind (oder scheinen), wie ich in meinem kurzen Bericht über die Oper Carmen im Thread "Was hört Ihr gerade jetzt?" erläutert habe.


    Liebe Grüße


    Willi :hahahaha:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Im München hatten wir mal einen Faust, da stand Gretchen, statt im Dom, in einem überdimensionalen Kühlschrank! Und Mephisto sass oben auf dem Kühlschrank drauf und sang von dort! Auf so einen Schmarrn muss man erstmal kommen!

  • Ein (angeblich) "bedeutender" amerikanischer Filmregisseur (Name ist mir entfallen) "deutete" in Wien seinen Gounod-"Faust", in dem neben unzähligen Unsäglichkeiten eine alles andere in den Schatten stellte: Am Ende der Gartenszene uriniert Mephisto an einer religiösen Statue ins Weihwasserbecken.

  • Ein (angeblich) "bedeutender" amerikanischer Filmregisseur (Name ist mir entfallen) "deutete" in Wien seinen Gounod-"Faust", in dem neben unzähligen Unsäglichkeiten eine alles andere in den Schatten stellte: Am Ende der Gartenszene uriniert Mephisto an einer religiösen Statue ins Weihwasserbecken.


    Das ist in der Tat sehr seltsam! Seit wann hat der Teufel denn solche menschlichen Bedürfnisse?? :thumbsup:

  • Bei einer Interpretation werden keine Noten verändert, nur Dynamik, Tempo, Phrasierung usw.


    Wirklich?


    Wie war das mit Mozarts Messias-Bearbeitung?
    Wie war das mit Mendelssohns Aufführung von Bachs Matthäus-Passion?
    Und hat Mahler nicht sogar in Beethoven-Sinfonien eingegriffen ... horribile dictu ...


    Ihren Namen haben die Bearbeiter übrigens nicht dazugeschrieben ... diese selbständig denkenden Künstler ... man sollte sie ausrotten, nicht wahr? Das freie Denken macht immer noch vielen Menschen Angst.


    :hahahaha::hahahaha::hahahaha:

  • Das freie Denken macht immer noch vielen Menschen Angst.


    Ja und nein, lieber Wolfram. Da ja "denken" in der Regel die Vorstufe zu "handeln" ist, könnte es eigentlich nur Angst machen, wenn dann auch jemand völlig frei unkontrolliert handeln dürfte. Zum Glück geht das aber nicht, weil selbst Freiheit immer an ethisch/moralische Grundsätze gebunden ist und sich im Rahmen von persönlichen und gesellschaftlichen Normativen und Werten bewegt.
    Das die Meßlatte für den Werteverfall ziemlich nach untengegangen ist, schließt das trotzdem nicht aus.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

  • Wie war das mit Mozarts Messias-Bearbeitung?
    Wie war das mit Mendelssohns Aufführung von Bachs Matthäus-Passion?
    Und hat Mahler nicht sogar in Beethoven-Sinfonien eingegriffen ... horribile dictu ...


    drum sind es m. E. auch keine Interpretationen, sondern Bearbeitungen/Inszenierungen.


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Lieber zweiterbass,


    ich bin der Meinung, dass Alfred bei der Tehmengebung ganz klar und eindeutig von Operninszenierungen, also optischen Inszenierungen, gesprochen hat. Auch wenn du eine Bearbeitung eines sinfonischen Werkes als "Inszenierung" betrachten magst, ich kann darin keine Inszenierung im Sinne dieses Themas sehen.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Wiie ich schon in einem anderen Thread geschrieben habe wollte ein befreundeter Regisseur von mir La Cenerentola im Rotlichtmilleu spielen lassen, was er dann aber zum Glück nicht getan hat. Auch die Trittico Inszenierung in Hannover soll wohl an Scheusslichkeit nicht mehr zu überbieten sein. Ich hab die Premiere zum Glück nur im Radio verfolgt und die Sänger waren aber hervorragend. An der Rheinoper hatten wir eine Trovatore Inszenierung da hatten alle Sänger als Kostüme weiße Bettlaken an. Ganz furchtbar.

  • eine Travatore Inszenierung da hatten alle Sänger als Kostüme weiße Bettlaken an. Ganz furchtbar.

    Als ich gestern Nachmittag nach Hause kam, klingelte ein paar Minuten später die Postbotin. Völlig überraschend und unerwartet bekam ich von einem lieben Freund eine Sendung mit mehreren CD´s. U. a. ein Live- Mitschnitt von Franco Bonisolli. Mit dabei war auch ein Bild dieses erstklassigen Tenors, was ihn im Theaterkostüm zeigt (sieht übrigens wirklich toll aus). Zugegeben, unter dem Bild stand "Bonisolli in Rigoletto". Aber auch wenn das nicht druntergestanden hätte, jeder Kenner von uns hätte sofort darauf getippt, das ist der Duca im Rigoletto.
    Anderes Beispiel dagegen. Wenn man mir ein Szenenfoto mit dem Tenor aus der Semperoper zeigt, müßte ich antworten, das ist einer, wie er momentan auf der Straße rumläuft. Die stinknormalen gegenwärtigen Alltagsklamotten kann man nirgendwo zuordnen und das war in der Traviata nicht anders!!! Das alles hat doch mit Inszenierung und "Neudeutung" nicht das Mindeste zu tun! Das ist ganz einfach nur sinnentstellender, geistloser Schwachsinn. :thumbdown: Und wenn mir hier einer unterstellt, das wäre von mir "dogmatisch", herzlich gerne, da stehe ich dazu und bin aus vollster Überzeugung liebend gerne ein Dogmatiker.


    CHRISSY

  • Die stinknormalen gegenwärtigen Alltagsklamotten kann man nirgendwo zuordnen und das war in der Traviata nicht anders!!!


    Lieber Chrissy,


    kleiner Tipp: Nimm beim Opernbesuch doch mal die Ohrstöpsel raus ... also, Rigoletto erkenne ich nach drei Sekunden, Traviata auch. Zur Not guck ins Programm oder auf Deine Eintrittskarte. Oder frag vor Beginn jemand, der sich auskennt. Wo ist das Problem?


    :hahahaha::hahahaha::hahahaha:

  • Für die italienischen Momente im Leben ich ja eigentlich immer zu haben, aber wenn darunter die Inszenierungen von Herrn Damiano Michieletto verstanden werden, dann überdenke ich meine Einstellung noch mal. Besagter "Regisseur" meinte, am Fenice in Venedig Don Giovannis Skrupellosigkeit damit darstellen zu müssen, dass dieser den Commendatore mit einer Keule erschlägt. Michieletto wird übrigens bald die Zürcher beglücken, wenn ich mich richtig erinnere.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Für die italienischen Momente im Leben ich ja eigentlich immer zu haben, aber wenn darunter die Inszenierungen von Herrn Damiano Michieletto verstanden werden, dann überdenke ich meine Einstellung noch mal. Besagter "Regisseur" meinte, am Fenice in Venedig Don Giovannis Skrupellosigkeit damit darstellen zu müssen, dass dieser den Commendatore mit einer Keule erschlägt. Michieletto wird übrigens bald die Zürcher beglücken, wenn ich mich richtig erinnere.


    Hat er schon. Mit einer Party im Wolkenkratzer in Lucia di Lammermoor und einer Poliuto-Inszenierung sich nahtlos in die Tradition von Bieitos Ekeltheter einreiht!

  • Im besten Sinne lächerlich sind die an der Semperoper laufenden "Meistersinger" von Claus Guth, wo Sachs und Co. zwischen Minihäusern rumlaufen, natürlich in schiachen modernen Klamotten:



    Das konnte damals auch die Staatskapelle unter Peter Schneider nur bedingt ausgleichen.


    Unvergessen bleibt mir auch ein seltenhässliches "Rheingold" von Willy Decker aus demselben Hause:



    Immerhin war Matti Salminen als Fasolt ein Highlight.

  • Nimm beim Opernbesuch doch mal die Ohrstöpsel raus ... also, Rigoletto erkenne ich nach drei Sekunden, Traviata auch... Oder frag vor Beginn jemand, der sich auskennt.

    Mein lieber Wolfram, sei da ganz beruhigt, "ich auch!!!" Da muß mir gewiß keiner eine Lehrstunde erteilen und fragen muß ich garantiert auch keinen.

    Wo ist das Problem?

    Das Problem ist, daß Du Dich hier wieder mal arrogant provozierend und naiv gibst. Du weißt aber auch inzwischen, daß Dir das bei mir nicht gelingt. Also laß´uns auf vernünftiger Basis weitermachen, denn die andere Sprache beherrsche ich auf Wunsch auch bestens.
    Bleiben wir mal bei den Ohrstöpseln. Das Thema hatten wir übrigens schon mal an anderer Stelle. Die Opernaufführungen früherer Zeiten, die sich erfreulicherweise im Gedächtnis und in der Erinnerung manifestiert haben, wenn da der Vorhang aufging, hätte ich Dir auch mit Ohrstöpseln sofort sagen können, welche Oper uns hier erwartet. Aber wenn ich an die Traviata denke, die ich unlängst in Dresden erleben durfte, da hätte ich die Stöpsel bis zum Schluß drinhaben können und trotzdem hätte ich Dir nicht sagen können, welcher Scheiß sich da auf der Bühne abgespielt hat!!!
    Herzliche Grüße
    CHRISSY
    (Und nochmal, tu uns beiden den Gefallen und stell´Dich nicht dumm. Du bist es nicht und das weißt Du genauso gut, wie ich. Bei mir wirkt so etwas nicht)

  • [quote='Joseph II.','index.php?page=Thread&postID=428702#post428702']Im besten Sinne lächerlich sind die an der Semperoper laufenden "Meistersinger" von Claus Guth, wo Sachs und Co. zwischen Minihäusern rumlaufen, natürlich in schiachen modernen Klamotten:



    Das konnte damals auch die Staatskapelle unter Peter Schneider nur bedingt ausgleichen.


    Hallo
    ein Bild genügt mir nicht um eine Meinung zu haben, allerdings: Fachwerkhäuser strahlen schon eine gewisse Symbolik aus.


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler


  • Lieber Chrissy,


    kleiner Tipp: Nimm beim Opernbesuch doch mal die Ohrstöpsel raus ... also, Rigoletto erkenne ich nach drei Sekunden, Traviata auch. Zur Not guck ins Programm oder auf Deine Eintrittskarte. Oder frag vor Beginn jemand, der sich auskennt. Wo ist das Problem?


    :hahahaha::hahahaha::hahahaha:


    Wenn ich an Chrissys Stelle antworten darf: Das Problem ist, dass Deine Antwort, lieber Wolfram, nur so trieft vor Sarkasmus und Zynismus!