Louis Graveure, der Vielseitige

  • Beim Stöbern und Hören meiner Schellacks ist mir wieder eine Platte von Lois Graveure aufgefallen. Er singt darauf aus LA BOHEME "Wie eiskalt ist dies Händchen" und aus CARMEN die "Blumenarie". Außerdem besitze ich auf Schellack noch mit ihm 2 Arien aus LOHENGRIN. Eine herrliche Tenorstimme mit einer außergewöhnlichen Höhe. Leider gibt es nur wenige Aufnahmen von ihm. Mein Vater hörte ihn gerne und behauptete immer, daß Graveure einer der besten Interpreten des Postillonliedes aus dem "Postillon von Lonjumeau" war. Diese Aufnahme suche ich noch. Außerdem besitze ich noch einen Videofilm mit ihm in der Rolle eines Sängers. Der Filmtitel "Ich sehne mich nach dir".


    Graveure, Louis, engl. Tenor; geb. am 18.3.1888 in London, gest. am 27.4.1963 in Los Angeles. Studierte bei C. Novello; Debut 1914 unter dem Namen Wilfried Douthitt in New York erfolglos. Dann 1915 als wiederholtes Debut als Bariton wurde zum Beginn seiner Sängerlaufbahn. 1920 Sensationserfolg als Liedsänger in Berlin; 1929 große Erfolge an der Berliner DOH als Tenor. Es war der Beginn einer großen Karriere als Opern-, Operetten- und Tonfilmsänger. 1938 ging er nach Frankreich, kehrte 1940 nach England und 1947 in die USA zurück. Hier war er zuletzt Gesangspädagoge.

  • 9079wolfgang

    Er singt darauf aus LA BOHEME "Wie eiskalt ist dies Händchen"

    Hallo Wolfgang,


    von Louis Graveure habe ich auch die o. a. Aufnahme (1928?) und "Winterstürme wichen dem Wonnemond" aus Wagners "Die Walküre". Das Postillon-Lied kenne ich leider nicht von ihm.


    Gruß
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Hall, Manfred!


    Ja, leider bin ich, was den "Postillon" betrifft, noch nicht fündig geworden. Vielleicht weht mir der Wind des Zufalls mal auf einem Flohmarkt noch eine Schellackplatte von ihm in die Hände. Seltsamerweise gibt es von ihm nur wenige Aufnahmen. Evtl. hat es etwas mit seiner Vergangenheit zu tun. Er wurde ja im Krieg als englischer Spion bezeichnet.

  • Heute vor 125 Jahren geboren:

    Graveure, Louis, engl. Tenor, * 18.3.1888 London, † 12.4.1968 Los Angeles.
    Er debütierte 1914 erfolglos als Tenor in New York. Hatte dann jedoch eine große Karriere in Amerika als Liedersänger, allerdings als Bariton. Stellte sich 1920 mit großem Erfolg bei einem Liederabend in Berlin vor und sang ab 1928 am Dt. Opernhaus Berlin, nun wieder als Tenor (Don José, Rodolfo, Lyonel).
    Louis Graveure wirkte auch in zahlreichen Tonfilmen mit.


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  • Lieber Harald, was für eine elegante Erscheinung dieser Louis Graveure! Er singt auch noch so. Hast Du vielleicht noch einen CD-Tipp? Ich habe auf den ersten Blick nichts mit ihm in meiner Sammlung gefunden. Die eingestellte "Herodiade" klingt sehr viel versprechend - ganz so wie ich Stimmen dieser Art schätze. Wolfgang erwähnte "Lohengrin", Manfred "Postillon" und "Walküre", Du hast auch Rollen genannt und Filme. Ich bin sehr neugierig geworden.


    Vielleicht bringt Du und ja noch weiter.


    Lieben Gruß aus Berlin von Rüdiger

  • Ich besitze auch einen Film von ihm. Leider ist er momentan nicht auffindbar, da ich nach meinem Umzug die Videos auf dem Speicher plaziert hatte. Ich muß noch mal intensiv suchen. Der Titel war m. E. "Das letzte Lied" oder so ähnlich.

  • Ich besitze eine Schallplatte, auf der er singt, mit dem Titel "Das waren noch Zeiten", Polydor Katalog Nr 2459018
    Er singt, wunderschön "Tausend rote Rosen blühen" aus dem Film "Ein Walzer für Dich".


    Der einführende Text, der auf der LP abgedruckt ist, informiert, ich zitiere:


    "Vom Baß zum Tenor - fast ein medizinisches Wunder.


    Eigentlich sollte der Engländer mit französischen Namen Louis Graveure Architekt wie sein Vater werden, doch in der Jugendzeit wurde man auf seine Stimme aufmerksam und ließ ihn bei den besten Lehrern Europas ausbilden.
    Schon als 25jähriger hatte Graveure einen guten Namen als Bassist, als er an Diphterie erkrankte und seine Stimme durch die Schwächung der Stimmbänder verlor. Louis Graveure versuchte, sich in Südafrika eine Existenz aufzubauen, kehrte bald nach London zurück, wo er sich als Polizeiboxlehrer durchschlug. Schließlich wanderte er nach Kanada aus - und die reine, trockene Luft des Landes zusammen mit einem arktischen Winter befreite seine Stimme von den Spuren der Krankheit und ließ schöner erklingen als zuvor.
    In New York sprang Graveure für einen erkrankten Kollegen ein - als Bariton!- und wurde über Nacht berühmt. Nach vielen Konzertreisen widmete er sich seiner Gesangsschule in Detroit und die ständige Beschäftigung mit Arien und Liedern für Tenöre, Altistinnen und Sopranistinnen ließ ihn schließlich zum Tenor werden.
    In der Zeit zwischen den Weltkriegen kam Louis Graveure nach Deutschland, wo er als Opernsänger erfolgreich debütierte. Lange Zeit hielt er sich abwechselnd in London und Berlin auf, bis er sich auf Tonfilme spezialisierte. In Filmen wie "Es gibt nur eine Liebe" "Ein Walzer für Dich" und "Ein Lied klagt an" wurde seine schöne Stimme unzähligen Musik- und Filmfreunden bekannt."


    In der Tat, eine schillernde Persönlichkeit, wie es scheint.


    Viele Grüße