Eigenheiten, Vorzüge und Nachteile des Mediums Klassikforum im Internet

  • Heute wurden einige Gedanken über Tamino geäussert, wobei wir einzelne Aussagen nicht auf die Goldwaage legen wollen. Da war einerseit die Rede davon, wie lange solche ein Forum bestehen könne, bis endlich alles gesagt sei. Es wurde auf die Altersstruktur bei Klassikforen hingewiesen (dazu werde ich zu einem späteren Zeitpunkt einiges Sagen) und es wurde darüber diskutiert inwieweit ein Klassikforum Lexikalwissen vermitteln kann und soll, dann wurde wieder die "Stimme des Volkes" zitiert, welche ein Klassikforum so beliebt mache. Immer wieder lese ich in Statements, es handle sich bei Tamino ja NUR um ein Internetforum - es gäbe wichtigeres.......
    Dann wieder kann man lesen, das Internet gehöre schliesslich allen (??) und somit sei auch ein solches Form eine öffentliche Einrichtung (???) die jedem zugänglich gemacht werden muß - kostenlos natürlich und ohne Vorbedingungen. :P


    Mancher meint, die Inhalte in einem solchen Forum seien nicht wirklich wichtig - es komme lediglich auf gesellschaftliche Kontakte an. Andere wieder suchen Foren auf, weil sie anonym bleiben wollen - sie interessiert das Thema und die Beiträge dazu - kaum jedoch die Menschen, die sie verfasst haben.


    So klaubt sich jeder die Rosinen aus dem Kuchen - und jeder schätz oder verachtet dieses Medium aus einem anderen Grund....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Was sagt uns dies? Everybody's darling ist immer die falsche Entscheidung. Wer seinen Weg einmal gefunden hat (und ein nunmehr achtjähriger Weg im rasenden Internet zeugt nicht vom allerschlechtesten Konzept), beschreite diesen auch weiter - wachsam und offen darf man ja trotzdem sein.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Hier mochte ich in der Folge einige typische Eigenarten von Foren - mit besonderer Berücksichtigung des unseren - in Erinnerung rufen, wobei natürlich nicht alle in gleichem Maße ausgeprägt sein müssen. Manche können sogar völlig unterdrückt werden - andere, themenspezifische, hinzugefügt werden.
    Hierzu gehört beispielsweise, welche Eigenschaften der durchschnittliche Klassikforen-User (hier sind die aktiven gemeint) aufweist, bzw welche Motive solch einen User dazu bringen, in solch einem Forum mitzumachen.


    Aber auch die Thematische Vielfalt ist interessant. Welche Themen werden eher besprochen, welche weniger ?


    Warum kommt es zu Konflikten in sochen Foren - und wie vermeidet (minimiert, bzw mildert) man sie ?


    Welche Kompetenz wird Klassikforen im allgemeinen zugestanden, bzw von den Lesern erwartet ? Hier können die Antworten ziemlich divergieren, soll heissen die Bandbreite ist relativ hoch.


    Was ist der Vorteil, bzw der Nachteil von Kritiken in einem Forum - gemessen an jenen eine professionellen Kritik in einer Klassikzeitschrift?


    Wie finanziert sich solch ein Forum überhaupt ?


    Welche Rolle spielen die stummen Mitleser (diese Frage stelle ich mir täglich) ?


    Was sind die Hauptvorteile dieser Art von Medium - und welches die Nachteile ?


    Ich glaube, es sind noch nicht alle Fragen gestellt......


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Ich sehe zwar, daß dieses Thema scheinbar niemanden zu interessieren scheint, aber ich halte es für eines der wichtigsten überhaupt. Solch ein Forum existiert nicht von allein - es wird "designed" und es ist weitgehend davon abhängig, wie verbunden sich die Mitglieder damit fühlen. Das gilt vor allem für Foren mit "Minderheitenthemen" - zu denen ein Klassikforum zweifellos zu zählen ist. Ein Forum, dessen Mitglieder ihm gleichgültig und gelegentlich sogar feindselig gegenüberstehen hat wenig Überlebenschancen. Manchmal lese ich, daß jemend erklärt es wäre ihm egal "wie groß" Das Forum an sich sei.
    Diese Aussage lässt mich dann meine letzten Haare verlieren. Ein Forum, das "zu klein" ist bekommt wenig Aufmerksamkeit. Das bedeutet auf Dauer weniger neue und kompetente Mitglieder. die Threads schlafen ein - oder kommen erst gar nicht in Fluß.
    Daher ist es mein Bemühen Themenvielfalt und Klassikkompetenz stets zu forcieren - ohne aber den "Spaßfaktor" völlig aus dem Auge zu verlieren


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Es ist vielleicht ein gutes Zeichen, dass dieses Thema auf relativ wenig Interesse stösst. Heißt es doch, dass wir alle davon ausgehen, dass es gut läuft.
    Ich komme ja nun aus einem Forum, das zu klein war und weiß sehr wohl, wie unattraktiv so etwas sein kann, wenn man auf Mainstreamthemen nur 1x pro Woche eine Antwort bekommt. Daher liegt mir sehr viel an Größe und Mitgliederzahl.
    Momentan kommt es mir (als ziemlichen Laien) so vor, dass die Themen sehr speziell sind. Da geht es um Sänger oder Solisten, von denen ich noch nie gehört habe. Ich finde es toll, dass sich da genügend Leute finden, um so ein Thema wenigstens eine gewisse Zeit am Laufen zu halten.
    Für Leute wie mich bedeutet das andererseits, ziemlich außen vor zu sein. - und auf "große" einfache Themen zu warten.
    Hier scheinen mir Wellenbewegungen zu existieren, - ich erinnere mcih da immer noch begeistert an die "Sibeliusfestspiele auf Tamino", wo man auch als Nichtspezialist so richtig viel mitschreiben und verstehen konnte.
    Ich kann mir vorstellen, dass dadurch Größe generiert wird, weil mehr Menschen das Gefühl gegeben wird, mitmachen zu können.


    So und jetzt Koffer packen und auf nach Alto Adige.
    Tschö
    Klaus

  • Zitat

    Ich sehe zwar, daß dieses Thema scheinbar niemanden zu interessieren scheint,


    Mein lieber Alfred!


    Das ist nicht wahr! Es ist nur sehr schwierig auf die Menge der Fragen, die Du gestellt hast, direkt zu antworten. Auch sind in letzter Zeit einige Diskussioenen darüber geführt worden. Auch ich gehöre zu den Tamino-Freunden, denen Vieles gefällt und Anderes weniger. Ich werde mal in Ruhe über Deine Fragen nachdenken, vielleicht fällt mir für die eine oder andere Frage eine richtige Antwort ein. Auf jeden Fall erkenne ich Dein Bemühen, dieses Forum stetig zu verbessern, voller Hochachtung an.



    Gruß
    Wolfgang

  • Es wird auch gar nicht verlangt, daß jemand ALLE Fragen behandelt. Es wird auch nicht verlangt, daß konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht werden oder KRitik am Forum geübt wird. Auch Lob wird nicht unbedingt gesucht. Denn, "Verbesserungsvorschläge" sind ja meist dahingehend ausgerichtet das Leben für den Benutzer bequemer zu machen - nicht den Stellenwert des Forums im Internet zu verbessern - Dazu kommt noch, daß die Verbesserungsvorschläge einender of diametral widersprechen....


    Mir persönlich ging es eher darum, daß alle, die hier irgendwie "zuhause" sind eine Vorstellung bekommen worin sich das Medium Internetforum von anderen Medien unterscheidet, was an Klassikforien speziell anders ist als an "normalen " Internetforen - und was wiederum bei Tamino anders ist.
    Ich habe weiter oben geschrieben, ein Forum sei eine "designed" Angelegenheit. Das ist indes nur bedingt richtig, denn allzuviele Parameter sind vorgegeben - wenngleich Tamino hier einiges anders gemacht hat (bzw sein Designer) - wofür dann wiederum ein "Preis" bezahlt werden muß.


    Das Geheimnis liegt darin, gewisse Nachteile des Mediums zu akzeptieren und die Vorteile auszukosten - oder - noch besser - Die Nachteile so zu erkennen und zu behandeln, daß sie sich im Idealfall zu Vorteilen entwickeln.


    Einige Schwachpunkte von Tamino (dazu zähle ich die Möglichkeit das zu finden was gesucht wird) habe ich bereits in Angriff genommen und werde sie zwar nicht ausmerzen können (dazu ist das Forum bereits zu groß und zu alt) - aber ich werde sie minimieren. Als Beispiel sei hier das Thread- Inhaltsverzeichnis genann - wo erstmals seit 5 Jahren !! fast alle SÄNGERTHREADS verzeichnet sind - abgesehen von den letzten Wochen.
    Diese Beinahe-Vollkommenheit werden wir in anderen Bereichen nicht schaffen - aber es werden in absehbarer Zeit in weiteren Bereiche Lücken - zumindest teilweise aufgefüllt.
    Und zwar in den Bereichen : Komponisten - Mozart - Zeitgenossen -Dirigenten


    Das Liederforum wurde vor einigen Monaten ergänzt - und ist zudem übersichtlich
    Das Klavierforum hat zu wenig Beteiligung um den Aufwand zu rechtfertigen


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Also irgendwie habe ich noch nicht erfasst, wohin dieser Thread führen soll. Aber damit der Thread nicht versauert, schieße ich, zugegebener Maßen arg unsortiert, ein paar spontane Gedanken bei. Vielleicht treffe ich ja irgendwo doch einen der Punkte, um die es gehen könnte.


    Für mich ist das Tamino-Forum ein virtueller Ort im Internet, an dem sich Leute treffen, um sich über ein ihnen wichtiges Themengebiet, nämlich der klassischen Musik, mit Gleichgesinnten auszutauschen. Angesichts eines gefühlten Mangels an Alternativen in der realen Welt und dem Vorzug des Internets, dass man sich dann einbringen kann, wann es einem zeitlich möglich ist, ist ein Klassikforum wie Tamino für mich ideal, auch wenn mein Engagement berufsbedingt z.Zt. eher begrenzt ist. Gäbe es ein Klassikforum wie Tamino nicht schon, würde ich mir wünschen, dass jemand ein solches erfinden würde.


    Was die Vergleichbarkeit von Tamino angeht, so sind meine Erfahrungen mit anderen Internet-Foren arg begrenzt. Ich verfolge lediglich nur noch ein anderes Forum, in dem es schwerpunktmäßig um Medientechnik geht. Die haben auch eine Klassik-Sparte, von der man mich vor geraumer Zeit zu Tamino rübergelockt hatte. Alfred sollte das Forum kennen. Andere Klassikforen, weder im deutschsprachigen Bereich noch international, sind mir nicht bekannt. Für mich war seinerzeit ausschlaggebend, dass dies ein deutschsprachiges Forum ist und dass bei Tamino die Beteiligung reger war. Teilweise aber auch so rege, dass ich mit dem Lesen kaum hinterher komme, geschweige Zeit finde, auf einige Beiträge zu antworten. Zumal wenn dies erfordert, die diskutierte Musik vorher auch noch anzuhören.


    Ich weiß nicht, ob es unbedingt Aufgabe eines Forums ist, Lexikalwissen zu vermitteln. Andererseits finde ich den Gedanken angesichts der Qualität der Beiträge einiger Autoren und der doch auch vielfach sehr ernsthaften Beschäftigung mit Klassik naheliegend, damit alle die gleichen Grundlagen haben, wenn sie sich mit einem Musikstück oder einem Komponisten befassen. Das wäre z.B. für weniger bekannte Komponisten oder Werke sinnvoll, besonders dann, wenn diese nicht bereits durch Wikipedia gewürdigt werden. Aber würde sich der Aufwand für ein eigenes Klassik-Wiki bei Tamino lohnen? Oder sollten die Energien nicht genutzt werden, um Wikipedia voranzutreiben. Denn Wikipedia wird wahrscheinlich überleben, Tamino momentan wohl nur solange wie Alfred will und kann.


    Was mir allerdings schon öfters durch den Kopf ging, ist, ob es sich nicht doch lohnen würde, all das Wissen, das in den diversen längeren Threads bzw. über mehrere Threads verstreut ist, in Basisartikeln zusammenzufassen. Aber wer sollte das machen?


    Worin sich sich Tamino für mich allerdings positiv von anderen Foren unterscheidet, ist, dass sich die Forenleitung um die Qualität des Forums bemüht, z.B. durch Strukturierung der Threads zu Themengruppen, Inhaltsverzeichnissen, etc.


    Das soll für heute Abend reichen.


    Gute Nacht,
    enkdiu2

  • Dafür, daß Enkidu 2 angeblich nicht erfasst hat, wohin dieser Thread führen soll hat er sehr viele gut beobachtet und beschrieben - wenngleich ich in Einzelfragen natürlich anderer Meinung bin.
    Vor allem hat er implizit das angesprochen, was mit eigentlich erst in den letzten Monaten bewusst geworden ist: Tamino ist von seiner Struktur her kein eigentliches "Klassikforum", sondern eher eine Mischform aus Klassikforum - interaktiver Klassikzeitschrift und einem lexikalen Teil mit bestimmten Eigenheiten. Wenn wir heute an eine Enzyklopädie oder ein Lexikon denken, dan wird das zumeist mit einem "Konversationslexikon" - alphabetisch geordnet - in Verbindung gebracht.
    Wenn ich mich zurück erinnere glaube ich fast, daß der lexikale Teil in Foren von mir "erfunden" wurde, soll heissen erstmals eingeführt. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, daß es sowas vor 2003 gab. Damals habe ich in einem anderen Forum als Mitarbeiter versucht derartiges aufzubauen - bin aber damit - zumindest wenn ich MEINE Maßstäbe ansetze gescheitert.
    Aber es gab schon lange davor Lexika, wo Artikel von zig Seiten untergebracht wurden - oft ziemlich ungeordnet - aber entweder in einem Register nach Sachgebieten - oder alphabethisch geordnet.
    Ein anderer , wichtiger Aspekt ist, daß ein Klassikforum nicht zur Objektivität verpflichtet ist. Divergierende Meinungen zu einem Thema sind oft das Salz solch eines Forums und können oft mehr über eine zu rezensierende Aufnahme aussagen, als eine professionelle Besprechung.
    Leider aber gibt es auch negative Aspekte die zum Wesen eines Forums gehören, und die man nicht ausschalten kann. Darüber mehr in einem meiner nächsten Beiträge in diesem Thread.
    Lediglich EINE Bemerkung möchte ich noch kommentieren. Ob Wikipedia "ewig" lebt , wird davon abhängen inwieweit die erforderlichen Spenden aufgebracht werden können den Betrieb einer der meistbesuchten Seiten aufrecht zu erhalten- Ich erinnere mich an ein Mammutprojekt namens DEJA oder so ähnlich, wo angeblich ALLE Webseiten durch Jahrzehnte gepeichert wurden - Als das Tamino Forum 2010 Daten von 3 Monaten verlor - hätte man die aus solch einem Pool jederzeit wieder herstellen können- Ich zumindest habe aber nichts gefunden....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ich weiß nicht, ob es unbedingt Aufgabe eines Forums ist, Lexikalwissen zu vermitteln.


    Gegen Lexikonwissen ist im Prinzip nichts einzuwenden, aber um etwas über Mozart oder Schubert zu erfahren, benötige ich Tamino nicht unbedingt. Hochinteressant sind mitunter jedoch Mitteilungen im Forum, die man in keinem Lexikon findet; in solchen Fällen ist dann das Tamino-Forum exklusiv!

  • Besten Dank - aber leider ist diese Seite nicht hilfreich für uns. Sie hat in endlosen Abständen gelegentlich die Startseite unseres Forums gespidert und archiviert, die Links zeigen jedoch alleauf den HEUTIGEN Zustand des Forums - nicht auf Beiträge von juni Juli August 2011. Das hat lediglich das Google Archiv gemacht. Dieses aber ist bemüht die Seiten immer auf den aktuellen Stand zu bringen. Und das hat es auch getan - es hat versucht dieses Seiten auszulesen - und hat deren Inhalt mit dem damals neuesten Inhalt überschrieben - dort war aber ....NICHTS. Das entsprach der Facto einer Löschung dieser Seiten. Wir sind da relativ spät draufgekommen. Dennoch konnten wir auf diese Weise Hunderte Beiträge retten - und wir haben viele davon wieder - mit falschem Datum natürlich (Oktober-Dezember 2010) herstellen. Das war besonders dort möglich wo die Mitglieder daran interessiert waren. Es ist uns immerhin gelungen, die damals völlig neuen Lieder-Threads von Helmut Hoffmann, sowie Kammermusikthreads und solche über Musik des 20. Jahrhunderts zu restaurieren. Zudem auch einige Sängerthreads und solche mit "allgemeinem Inhalt". Irgendwann erlosch dann das Interesse von Mitgliedern an der Kooperation - und wir haben die mühsame Arbeit eingestellt.....


    Dieser Vorfall (Totalausfall von Tamino) hatte gravierende Folgen. Zum einen waren die Adressen aller neuangemeldeten Mitglieder dieser Tage verloren - die Mehrheit hat sich nie mehr gemeldet. Zum anderen entstand ein Zusammenghörigkeitsgefühl und ein Aufbauwille wie er schon lange nicht existiert hatte - Leider sind die positiven Wirkungen solcher Katastrophen nicht von ewiger Dauer........


    Da gab es Mitleser, welche sich spontan anmeldeten - weil ihnen bewusst geworden war, dies sei schon lange ihr unterbewusster Wunsch gewesen. Nun wäre es beinahe soweit gekommen, dass es gar nicht möglich gewesen wäre sich hier anzuschliessen (Nur durch einen Zufall verfügte ich über eine 3 Monate alte Sicherungskopie von Tamino - die nächste wäre 3 Jahre alt gewesen, da mein Hoster mir immer wieder versicherte ER würde sich im Notfall darum kümmern. Der Hoster war aber pleite, sein Besitzer nicht mehr erreichbar....)
    So wurden Mitgliedschaften begründet - deren Begeisterung schneller verflog als sie entstand - Sie endeten meist mit null Beiträgen.....


    ...und ich hatte wieder was Neues gelernt, nämlich in Hinkunft stets meinem sprichwörtlich mißtrauischen Naturell zu vertrauen - und sonst niemandem......


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Man sollte glauben, dass ich, der dieses Forum nunmehr mit mehr oder weniger Fortune 8 Jahre durch die Wogen des Internet steuert - und das mit strategischem Kalkül im Hinterkopf - so ziemlich alles über die Funktionsweise eines Internetforums weiß.
    Aber manche Erkenntnisse kommen eben relativ spät.
    Generell hane ich ja schon zu Anbeginn dieses Forums (und auch davor) versucht einige ehernen Gesetzt von Internetforen zu brechen, bzw zu umschiffen. Geglückt ist mir das nur temporär und in sehr moderater Form.
    Hier wären vor allem die persönlichen Beziehungen der Benutzer zueinander zu nennen. Ich habe versucht sie auszuschalten und den lexikalen Aspekt eines Kulturforums stärker zu betonen. Scheinbare Erfolge auf diesem Gebiet haben sich im nachhinein als Pyrrhussiege erwiesen.
    Das Forum boomt seit einigen Tagen - nach einer signifikanten Flaute von ebenfalls einigen Tagen.
    Seit dieser Zeit ist die Moderation ständig damit beschäftigt die stärksten Streitereien zu schlichten oder zu unterdrücken.
    Persönlich finde ich, dass hierdurch das Forum an Kompetenz und Seriosität verliert - aber ich konnte feststellen, dass es im Laufe der Geschichte des Forums immer dann zu Spannungen gekommen ist, wenn das Forum "boomte".
    Sobald Friede eingekehrt war kehrte das Forum in einen Dornröschenschlaf zurück - wobei ich stets in Sorge war - es könne eines Tages daraus nicht mehr aufwachen. Man kann davon ausgehen, dass Konflikte in Foren ein mit dem Medium untrennbar verbundener Bestandteil sind - ein Teil seines Ichs gewissermaßen.
    So habe ich - spät aber doch - begonnen solche Konflikte als unvermeidbar anzusehen - wobei sie natürlich DENNOCH bekämpft werden müssen. Wirklich störend werden sie aber - und hier werde ich stets eingreifen (lassen) - wenn sich ein Tfread in der Richtung entwickelt, daß beide Streitparteien das Thema verlassen und darüber zu diskutieren beginnen, wer denn nun der"Schuldige" ist - angefeuert durch Zwischenrufe.
    Wir werden solche Threads in Hinkunft ERBARMUNGSLOS zensieren - mit dem Ziel - den eigentlichen Threadinhalt um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Mich interessiert nicht "wer recht hat" - sondern der reibungslose Verlauf.
    Es ist zu beobachten, dass nicht nur die Angreifer stets die selben sind - sondern auch die angegriffenen - oder sich angegriffen fühlenden, während 80% der Forianer anscheinend unbehelligt bleibt.
    Wenn man extreme Standpunkte besonders nachdrücklich vertritt, dann muß man mit Gegenwind rechnen, egal um welchen Standpunkt es sich handelt. Das betrifft auch mich. Hier wurden schon Sachen öffentlich über mich geschrieben, die eigentlich erfordert hätten, darauf zu reagieren. Ich habe dies zumeist vermieden und so das Forum am Leben gehalten. Privat bin ich weit unnachgiebiger. Man sollte also gegebenenfalls überlegen, was einem dieses Forum wert ist - und auch mal auf Konfrontation verzichten. In Wirklichkeit ist es oft kein Verzicht auf Konfrontation wenn ich schweige. Es bedeutet oft implizit: "Ich antworte auf Ihren Angriff nicht mein Herr - denn Sie sind nicht satisfactionsfähig".
    Wer der "Sieger" in solch einem Konflikt ist - wird weder durch Fakten noch durch Argumente bestimmt, sondern durch das Image der "Duellanten".
    Aber absoluten Frieden wird es in einem lebendigen Forum mit vielen Weltanschauungen niemals geben, es sei denn der Exitus ist bereits eingetreten....


    mfg aus Wien
    Alfred