Niederländische Komponisten

  • Eine interessanter Komponist ist Cornelis Dopper (1870-1939) ein Schüler von Carl Reinecke .
    Etwa 100 Kompositionen sind von ihm überliefert, darunter 7 Sinfonien, von den derzeit 3 auf Chandos erhältlich sind.



    Die Musik ist eingängig, kraftvoll, gelegentlich auf Effekt konzipiert und schwer einzuordnen.
    Eigentlich anachronistisch, jedoch nicht spätromantisch, irgendwie "selbstverständlich".
    In unserer Zeit wird sie vermutlich nicht sehr geschätzt, da ihr alles revolutionäre oder neutönerische fehlt, und sie weder verstörend noch spröde daherkommt.
    Für Liebhaber: Hören und geniessen...


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    PS: Ob Chandos je die gesamte Serie veröffentlicht hat und ein Teil schon gestrichen ist - das ist mir nicht bekannt. Ich besitze die beiden abgebildeten Aufnahmen....

  • ...und der nächste: Carolus Antonius Fodor



    Carel Anton Fodor oder auch Carolus Antonius Fodor (1768 —1846) war niederländischer Pianist, Dirigent und bekanntester Komponist seiner Generation in den Niederlanden. Sein Kompositionsstil ist mit dem Joseph Haydns vergleichbar. Zudem war er Wegbegleiter von Johann Wilhelm Wilms.
    Er schrieb 3 Symphonien, 8 Klavierkonzerte und eine Vielzahl klavierlastiger Kammermusik. Seine einzige Oper, Numa Pompilius, gilt als verloren gegangen.

  • Lieber Oranje, wenn du auch noch ein paar Worte zu den genannten Komponisten da lassen würdest (siehe Alfred), fände ich das noch hilfreicher, dann kann man sich mehr drunter vorstellen :)

  • Wir sollten Seicento mal auf diesen Thread ansetzen, denn die Holland-Klischees auf den Covern sind nciht von schlechten Eltern, oder?
    Klaus


    Der Pointillist auf den Gilse-Covern könnte Théo van Rysselberghe gewesen sein.
    Zweers' Sinfonie Nr. 3 sieht schon sehr nach Jacob van Ruisdael aus, von dem die Mühle auf dem linken Dopper ist.
    Den Rembrandt überlasse ich Alfred und über den Rest können wir noch brüten ...
    :hello:

  • Richard Hol (23.7.1825, Amsterdam - 14. 5.1904, Utrecht), der eigentlich Rijk Holle hiess hinterliess über 100 Werke, darunter jene 4 Sinfonien die hier vorgestellt werden sollen war ein niederländischer Komponist, der auch zahlreiche andere Tätigkeiten im Bereich der klassischen Musik ausübte,

    so war er beispielsweise Dirigent, Pianist, Organist, Lehrer und Autor.
    Auf der hier vorgestellten CD befinden sich 2 seiner 4 Sinfonien, nämlich die
    Sinfonie Nr 1 in c-moll (1863)
    Sinfonie Nr 3 Op 101 in B-dur (1867/1884)
    Die beiden Jahreszahlen bei der dritten Sinfonie ergeben sich daraus, daß sie zwar 1884 uraufgeführt wurde, aber gewisse Hinweise deuten auf das Jahr 1867 als das Jahr der Komposition oder zumindest des Rohentwurfes hin.


    Die 1. Sinfonie wurde im Jahr ihrer Vollendung in Utrecht uraufgeführt und mit einem Preis ausgezeichnet.
    Eine geplante Aufführung der Gesellschaft "Felix Meritis" in Amsterdam im gleichen Jahr wurde jedoch abgesagt.
    Das Werk des Brahms Zeitgenossen erinnert aber nicht an diesen sondern hat vage Anklänge an Franz Schubert ("Die Große") , wogegen der 2. Satz der Sinfonie Nr 3, das Scherzo - Mendelssohnsches Flair vermittelt. Dieses Werk ist dem Komponisten und Pianisten Anton Rubinstein gewidmet.


    Beide Sinfonien sind eingängig und wunderbar orchestriert, übertriebenes Pathos ist ihnen fremd.
    Die Chandos Aufnahme mit dem Residentje Orchestra The Haghe unter Matthias Bamert ist teil eines Projekts, in welchem niederländische Komponisten dem Vergessenwerden entrissen sollten. Ich fürchte, aber, daß das nicht ganz gelungen ist. Beide Sinfonien sind Ersteinspielungen - ganz klein und bescheiden - fast nicht zu bemerken - steht es am Cover vermerkt.


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    PS: Es gibt auch die beiden fehlenden Sinfonien auf CD, die aber (noch) nicht in meiner Sammlung sind - was ich bis soeben nicht wusste.
    Sobald ich sie gehört habe, werde ich berichten - so es etwas berichtenswertes darüber zu sagen gibt.

  • Zitat

    Der Pointillist auf den Gilse-Covern könnte Théo van Rysselberghe gewesen sein.

    Könnte - war es aber zumindest auf jenem der Sinfonien Nr 1 und 2 nicht.
    Der Maler war Paul Signac - das Bild heisst: "Windmühle bei Edam" (1896).
    Bei Zweers Sinfonie Nr 3 muß ich noch passen.
    Bis Zweers Sinfonie Nr 1 greift das Frontcover auf ein Bild von Cornelis Springer (1817-1897 zurück.



    Zitat

    Den Rembrandt überlasse ich Alfred .....

    Ok - Ich übernehme die Verpflichtung. Dieses Selbstbildnis, 1640 entstanden hängt heute in der National-Gallerie in London. Rembrandt greift hier die Pose eines Gemäldes von Tizian auf, welches lange unter dem Namen "Bildnis des Ariost" bekannt war. Dieser Titel ist heute aber nicht mehr haltbar - gelegentlich wurde in neuerer Zeit die Vermutung geäussert es handle sich bei diesem mutmaßlichen Vorbild für Rembrandts Londoner Selbstbildnis ebenfalls um ein Selbstbildnis, nämlich um eines des jungen Tizian......


    [timg]http://www.tamino-klassikforum…/avatar-891.jpg;l;104;132[/timg]
    Unser Mitglied "Manni" verwendet dieses Bild als Avatar.
    Weiter geht im eigentlichen Thema in wenigen Minuten


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Zweers sinfonie Nr 1 - bis dato kenne ich von seinen Werken lediglich sie - ist durchaus rückwärtsgewandt - aus meiner Feder bedeutet das eher ein positives, als ein negatives Werturteil. Hier wird quasi der "klassische" Stil fortgesetzt, eine Beobachtung, die ich schon bei einigen bisher gehörten niederländischen Komponisten machen konnte. Hier ist kein "revolutionäres Gedankengut", keine vorpreschende "Avantgarde" oder dergleichen zu hören, nur "positive" fröhliche bis erhabene Musik mit Ohrwurmcharakter. Welche ein Unterschied zu den sperrigen Nordländern, welche eine Kluft zwischen den "Neuerern" und der stets vertraut und effektvoll klingenden Musik dieses niederländischen Komponisten....

    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

  • Niederländische Musik kenne ich offenbar kaum - immerhin hat mich vor einiger Zeit dieses Cover gereizt:


    [timg]http://g-ecx.images-amazon.com…8/taminoklassik-21;Amazon[/timg]
    De Stijl in Musik?
    Willem Pijpers (1894 - 1947) Klavier- und Kammermusikwerke auf der CD finde ich durchaus ansprechend, eher expressiv polytonal und immer eher kurz.
    Ein kurzes Stöbern auf wikipedia macht mich jetzt neugierig auf Matthijs Vermeulen (1888 - 1967).

  • Ich habe soeben gesehen, daß Zweers Sinfonien bereit ganz oben gezeigt wurden, aber ich hab zumindest die Entschuldigung, daß ich zumindest den Versuch gemacht habe ein wenig über den Klangeindruck zu schreiben.
    Und hier bin ich schon bei einem kurzen Zwischenspiel angelangt, wo ich keine weitere Aufnahme ins Rennen schicke, sondern - des KSMs Bemerkung "Niederländische Musik kenne ich offenbar kaum" hat mich dazu animiert - ein paar "Eigenarten" der niederländischen Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts - so wie ich sie empfunden habe - zu beschreiben.


    Während die skandinavische Musik auf mich stets sperrig wirkt ist das bei der niederländischen dieser Zeit - soweit ich sie kenne - nicht der Fall. Sie wirkt auf eine spezielle Art rückwärtsgewandt und zugleich "natürlich" - als habe man nicht nachgedacht, welche Entwicklungen (und Fehlentwicklungen :stumm: ) die Musik in dieser Zeit durchgemacht hat, welchen Veränderungen sie unterworfen war. Man bemüht sich nicht um den "spätromantischen Stil" - nein ich würde sagen es ist (im guten Sinne) "unreflektiert". Die Musik klingt durchwegs angenehm und erinnert stellenweise an Mendelssohn, der ja eine ganze Weile vorher gelebt hat. Ohrwurmthemen sind immer wieder vorhanden - ich finde kaum "Brüche" oder "Dynamiksprünge" darin, auch keine neutönerischen Ansätze. So gesehen ist diese Musik von Kritikern durchaus als "anspruchslos" zu bezeichen - war ja auch dadurch unterstrichen wird, dass Werke und Komponisten weitgehend unbekannt sind.
    Wenn man sich von den Gedanken löst, man wolle ein "großes", "bedeutendes", "spektakuläres" Werk hören, dann wird man vermutlich dennoch auf seine Kosten kommen. Denn eine Bereicherung der Musiklandschaft sind die niederländischen Komponisten allemal. Gerade in diesem Augenblick fällt mir ein Vergleich mit der Malerei ein. Obwohl in den Niederlanden im 16. und 17 Jahrhundert nicht so überfeinert gemalt wurde wie beispielsweise in Italien, und auch die Thematik eine andere war, man malte vorzugsweise Bauern, Bürger und Dorfwirtshäuser - statt biblischer, historischer, Szenen und Madonnen - war die Kunstwelt von den niederländischen Gemälden beeindruckt - und ist es noch heute....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Julius Röntgen ist ein deutsch-niederländischer Komponist. Er wurde 1855 in Leipzig geboren. Sein Vater Engelbert, Konzertmeister am Gewandhaus, war Niederländer, und der Sohn beschäftigte sich intensiv mit skandinavischer und niederländischer Musik. 1919 nahm er die niederländische Staatsbürgerschaft an. 1932 starb er in Utrecht. Julius Röntgen war mit Johannes Brahms und Edward Grieg eng befreundet.


    Diesen Komponisten habe ich im Tamino-Forum kennengelernt. Er ist mir ans Herz gewachsen. Einige Kammermusikwerke spiele ich inzwischen selber.


    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .


  • Zugegebenermaßen kenne ich diese CD gar nicht, ich war aber bei der Premiere seiner 2. Synfonie dabei. Es ist ein ziemlich junger Mann, der früher auch mal als Geiger beim Limburgs symfonie orkest angestellt war. Es ist interessante Musik, mit vielen spielerischen Elementen und Effekten, aber sehr gut hörbar.
    Kennt aber wahrscheinlich keiner. Ich bin schon erstaunt, dass es überhaupt bei JPC was von ihm gibt.

  • In Ergänzung zu Beitrag 3: Dopper



    Hier gibt es noch die 7. Sinfonie, allerdings offenhörbar historisch.
    Zusätzlich auf der CD befindet sich ein Werk von Alexander Voormolen (1895-1980). Das als "Sinfonia" betitelte Werk wird seine "Sinfonia Concertante" von 1951 sein, aber das ist bei mir derzeit nur eine Vermutung. Ich selbe habe die CD noch nicht in meiner Sammlung.

  • Jan van Gilse (1881-1944) ist einer der Komponisten, deren Musik cpo dankenswerterweise ausgegraben und auf CD gebannt hat. Da im Eingangsbeitrag zur Musik selbst wenig gesagt wurde, möchte ich dies - mit frischem Höreindruck - nachholen. Jan van Gilse's Leben war - wie das vieler Zeitgenossen - von den unseligen Zeitläuften der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. In den Niederlanden hat er weder als Komponist noch als Dirigent richtig Fuß können und er landete zur falschen Zeit am falschen Ort, nämlich im Berlin der beginnenden Naziära. Mit schriftlich fixierten Sprüchen wie " In einem Land, wo die Kunst nicht ihrem Werte, sondern ihrer Rasse nach beurteilt wird, will ich meine Werke nicht aufgeführt wissen" mag er sich der Nachwelt als aufrechter Mensch empfohlen zu haben, aber spätestens seit dem Einmarsch der Deutschen in Holland stand er auf der schwarzen Liste des S.D. und musste im Untergrund leben. Beide Söhne kamen im holländischen Widerstand ums Leben und auch der Komponist erlebte das Ende des Krieges krebsbedingt nicht mehr.
    Die ersten beiden Sinfonien entstanden wesentlich früher - kurz nach der Jahrhundertwende - und sind typische Vertreter dieser Zeit. van Gilse war gerade Anfang 20 und beide Werke beeindrucken durch das kompositorische Können und die z.T. frischen musikalischen Einfälle. Sie lassen allerdings auch noch all zu viel wirklich Eigenständiges vermissen. So operieren beide Symphonien irgendwo zwischen denen von Joachim Raff und der von Hans Rott mit Anklängen an Dvorak, Tschaikovsky und Strauss. Aber wer die Musik dieser Komponisten schätzt, dürfte auch an diesen beiden Symphonien seine Freude haben, die in kompetenter und klanglich guter Qualiät eingespielt wurden. Ich bin gespannt auf die Nr. 3 und 4.


  • Vermeulens Musik ist ziemlich schräg, der "niederländische Ives". Aber ich glaube, Ives gefällt mir am Ende des Tages doch besser. Diese CD war schon mehrmals im Stapel "Verkaufen". Übrigens ist die abgebildete CD genau die mit Symphonie 2, 6 und 7. Vielleicht gab es die mit unterschiedlichen Cover. Es gibt eine GA mit verschiedenen Dirigenten, die steht beim Werbepartner derzeit mit € 350 hoch im Kurs. Auch die Chandos wird - da vergriffen - für € 71 angeboten. Für € 70 würde ich meine hergeben. :D

  • Dieser Thread ist äußerst löblich, allerdings ist der mit Abstand bedeutendste Komponist der (heutigen) Niederlande kein Romantiker sondern Jan Pieterszoon Sweelinck, eines der wirklichen kompositorischen Schwergewichte der Spätrenaissance. Dagegen fällt die Bedeutung Verhulsts und Co recht mager aus. Sweelinck war der Lehrer deutscher Komponisten, die später die deutsche Orgelschule begründeten und war eine Authorität für die Komponisten Englands. Gemeinhin wird Sweelinck als der Erfinder der Orgelfuge angesehen.


    Seine bekannteste Instrumentalkomposition ist die Fantasia crommatica in d.


  • Vermeulens Musik ist ziemlich schräg, der "niederländische Ives". Aber ich glaube, Ives gefällt mir am Ende des Tages doch besser. Diese CD war schon mehrmals im Stapel "Verkaufen". Übrigens ist die abgebildete CD genau die mit Symphonie 2, 6 und 7. Vielleicht gab es die mit unterschiedlichen Cover. Es gibt eine GA mit verschiedenen Dirigenten, die steht beim Werbepartner derzeit mit € 350 hoch im Kurs. Auch die Chandos wird - da vergriffen - für € 71 angeboten. Für € 70 würde ich meine hergeben. :D


    Lieber Lutgra,


    klar, das ist ziemlich exotisch! Aber solche Exoten würzen andererseits auch die Sammlung! :D


    Herzlich grüßend
    Holger


  • Der Werbepartner hat den Preis für die zweite Folge der van Gilse Symphonien gesenkt, die somit in meiner letzten Bestellung war. Und während man Symphonie Nr. 1 und 2 noch als interessante, aber noch nicht so richtig eigenständige Werke betrachten konnte, ist die 3. in meinen Augen ein ganz großer Wurf. Schon von der Ausdehnung her Mahler'sche Ausmaße: 65 min, 5 Sätze mit Bezeichnugen wie 1. Langsam 2. Leidenschaftlich und heftig bewegt 3. Sehr langsam und schwermütig 4. Lebhaft und sehr kräftig, stellenweise im Ausdruck eines übermütigen Walzers 5. Äußerst langsam und sehr ruhig, mit innigster Empfindung, die natürlich auch an das große Vorbild erinnern. Dazu der 3. und 5. Satz mit Sopran-Solo.


    Die Symphonie wurde 1907 komponiert, zu der Zeit war Mahler bei Nr. 7. Schönbergs Gurrelieder und Zemlinskis Seejungfrau waren 6 Jahre alt, Erich Wolfgang Korngold hatte seine ersten Kompositionen noch vor sich. Nur um mal eine zeitliche Perspektive zu vergleichbaren Musikwerken zu ziehen.


    Die Struktur der Symphonie ist insofern ungewöhnlich als drei langsame Sätze zwei schnelle umrahmen. Der erste kann dabei als Prolog (von immerhin 10 min Länge) betrachtet werden. Hier wird schon das gesamte spätromantische Arsenal aufgefahren von Wagners Tristan, über die Symphonien von Franck und Chausson bis hin zu Mahler und Strauss. Allerdings hat van Gilse die Phase des Kopierens hinter sich gelassen, er komponiert jetzt halt in diesem spätromantischen Stil, seine melodischen Einfälle sind seine eigenen und sie sind gut, zt. sogar sehr gut. Am Mahlerischsten kommen der 4. Satz und das 20 min Finale daher, dass in seiner ersten Hälfte entfernt an den letzten Satz aus Mahlers 3. erinnert, m.E. einen der schönsten Sätze der Musikgeschichte. Die Sopraneinlagen sind dabei denkbar weit von Mahlers Lied entfernt, es handelt sich eher um flutende Sopranarien, die aus Strauss'schen oder Korngold'schen Opern stammen könnten. Sie werden von der Sopranistin mit viel Gefühl und recht starkem Vibrato gesungen.


    Insgesamt eine Symphonie, die jedem Freund spätromantischer Musik Freude bereiten wird und deren Erstaufnahme nach über 100 Jahren hoffentlich zur verdienten späten Würdigung des Komponisten führt. Jetzt fehlt noch Nr. 4 in meiner Sammlung.

  • Ja, wär er mal gegangen - der Gilse - nach Hollywood. Dann wäre er reich und berühmt geworden, mindestens so berühmt wie Korngold und hätte sich und seiner Familie viel Kummer erspart (die Söhne starben im holländischen Nazi-Widerstand). Die 4. Symphonie ist jedenfalls eine symphonische Sahnetorte, von der mehrere Filme hätte profitieren können. Rosenkavalier meets Robin Hood. Das ist alles bestes kompositorisches Handwerk und mit teils sehr eingängigen Melodien. Es ist nur einfach zuviel des Guten. Und das eine Komposition von 1915 derart freudig und lebensbejahend daherkommt, mutet aus heutiger Sicht schon etwas merkwürdig an.


  • Hendrik Andriessen (1892-1981) war 10 Jahre jünger als van Gilse und hat sich wohl vor allem als Organist und liturgischer Komponist einen Namen gemacht. Da das nicht meine "Baustellen" sind, kannte ich den Namen bisher nicht, aber eine Preissenkung beim Werbepartner hat das geändert.


    Die 1. Symphonie von 1930 ist mit 13:25 ein ziemlich kompaktes Werk, dreisätzig ohne Unterbrechung. Die Tonsprache ist eine Mischung aus Neoklassizismus und starkem spätromantischem Einschlag, Roussel war ein großes Vorbild für Andriessen. Trotz der Kürze ein interessantes Werk, das mir gut gefällt. Bin gespannt auf weiteres.


  • Eigentlich hatte ich vor, einen Spezialthread über die Sinfonien und Konzerte von Jan van Gilse zu starten, dann aber fand ich diesen hier und es wurde hier bereits soviel über holländische Komponisten geschrieben - und vor allem über Gilse, sodaß ich einen Neustart vorläufig nicht wage. Bei dieser Gelegenheit ist mir aufgefallen, dass in Beitrag Nr 14 vom 26. August 2013 von Oranje folgendes geschrieben wurde:


    Zitat

    Hendrik Andriessen (1892-1981) hat insgesamt 4 Sinfonien geschrieben. Diese ist die 1. und bisher einzig eingespielte. Aber es lässt auf mehr hoffen.


    Bereits am 15. Oktober 2013 wurde Folge 2 veröffentlicht
    Folge 3 folgte am 28, April 2015

    Dies sei nur als Info gedacht. Da ich die CDs (noch ?) nicht besitze kann ich darüber auch keine Stellungnahme abgeben.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • In Beitrag Nr 8 dieses threads habe ich auf Richard Hol und seine Sinfonien Nr 1 und 3 hingewiesen. Am Ende habe ich versprochen ein paar Zeilen über die fehlenden Sinfonien Nr 2 und Nr 4, die damals noch nicht in meinem Besitz waren, zu schreiben. Ich gestehe, dass ich darauf vergessen habe. Erst vergangenen Monat ist mir die Lücke in meiner Sammlung aufgefallen und ich habe sie gefüllt. Heute habe ich mir die Sinfonie Nr 2 op 44 in d- moll angehört. Hol komponierte sie 1866. Das Werk ist den "Hochverehrten Mitgliedern des Collegium Musicum Ultrajectinum" gewidmet, was sich scofort bezahlt machte, da sie dies Sinfonie auf ihre Kosten zum Druck in Auftrag gaben.
    Der Beginn des Werkes ist finster und nicht besonders einladend, aber das klärt sich schon nach kurzer Zeit, Der 2. Satz will als Gebet verstand sein. Im Booklet wird völlig richtig darauf hingewiesen, daß sich Hols Sinfonie auf klassischem Terrain bewegt, und es wird gelegentlich auf Mendelssohn hingewiesen. Dann wird - wie das so üblich ist - noch mit Ähnlichkeiten zu weiteren Komponisten spekuliert. Persönlich war ich überrascht im 4, Satz. etwa ab 0:40, bzw etwas später Anklänge an Beethoven (weniger die Melodie, als die ungestüme Art) zu hören (oder hören zu wollen ?) Ich finden den Finalsatz übrigens am überzeugendsten und bin hierin mit dem Kritiker der Uraufführung einer Meinung.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Die 1. Symphonie von 1930 ist mit 13:25 ein ziemlich kompaktes Werk, dreisätzig ohne Unterbrechung. Die Tonsprache ist eine Mischung aus Neoklassizismus und starkem spätromantischem Einschlag, Roussel war ein großes Vorbild für Andriessen. Trotz der Kürze ein interessantes Werk, das mir gut gefällt.

    Die anderen Stücke auf der CD gefallen mir auch sehr gut - besonders die Kuhnau-Variationen sind nicht zu verachten!