Joseph HAYDN - sein Opernschaffen

  • Salut,


    ein Thread über Haydn’s Opernschaffen.


    […] er hätte, anstatt der vielen Quartetten, Sonaten und Symphonien, mehr Musik für den Gesang schreiben sollen, denn er hätte einer der ersten Opernschreiber werden können […]


    So Haydns erster Biograph G. A. Giesinger in seinen Notizen.


    Den Anfang macht:



    FRANZ JOSEPH HAYDN [1732-1809]


    L’anima del filosofo ossia:
    ORFEO ED EURIDICE


    Dramma Per Musica


    Libretto: Carlo Francesco Badini



    ATTORI


    Creonte, re di Tebe, padre d’Euridice
    Euridice, figlia di Creonte e promessa sposa d’Arideo
    Orfeo, tracio cantore
    Genio, messaggero di Sibilla
    Pluto, dio dell’orco
    Coriste, Cori degli mastri, amorini, vergini, uomini,
    ombre infelici, furie e baccanti


    Die Oper L’anima del filosofo assia: Orfeo ed Euridice ist ein Auftragswerk und im Jahre 1791 in London entstanden. Haydn schreibt am 8. Januar 1791 an den Fürsten Esterházy:


    […]das neue opern büchl so ich zu Componiren habe, betitult sich Orfeo in 5 Acten, welches ist aber erst dieser tagen erhalten werde, dasselbe soll von einer ganz andern arth seyn, als jenes v. Gluck. […]


    Die Oper sollte planmäßig in fünf Akten bestehen, wie man diesen Zeilen entnehmen kann. Überliefert sind jedoch lediglich vier Akte, wobei die letzte – wieder in der Oberwelt spielende Szene – als fünfter Akt angesehen werden könnte. Die Handlung ist in sich geschlossen, so dass man nicht zwingend von einer unvollendeten Oper sprechen kann. Obwohl die Proben bereits stattgefunden hatten, sollte Haydns letztes großes Bühnenwerk nicht zur Aufführung gelangen: König Georg III. erteilte dem Theatermann Sir John Gallini nicht die erhoffte Lizenz zur Eröffnung „seines“ Theaters, welche für den 31. Mai 1791 geplant und für die Haydns Oper gedacht war. Gemeint war die Wiedereröffnung des King’s Theater am Haymarket. Daher blieb das Textbuch Badinis [leider] ungedruckt und Haydn ließ einige Passagen der Instrumentierung unausgearbeitet liegen. Diese kleineren Unebenheiten konnten glücklicher Weise „rekonstruiert“ und ergänzt werden, so dass eine [szenische] Aufführung heute keine größeren Probleme bereitet.


    Die erste szenische Aufführung erlebte die Oper 1951 beim Maggio Musicale Fiorentino. Bedauerlicher Weise auch nicht zum wirklichen Durchbruch verhalfen Haydns Orfeo die Aufführungen von 1967 am Theater an der Wien mit Joan Sutherland und Nicolai Gedda sowie von 1995 mit Cecili Bartoli, welcher die Rolle der Euridice stimmlich und vom Tonumfang her auf die Gurgel geschnitten scheint…


    Dabei handelt es sich um phantastische Musik: haydnscher Witz und Charme gekonnt vermengt mit furiosen Chören, feurigen Arien und liebevollen Duetten. Bereits die Ouvertüre trägt unverkennbar Haydns Handschrift:


    Eine langsame Einleitung [Largo, c-moll], majestätisch, kurz und knackig, lässt bereits weit schweifend erahnen, was den Opernfreund erwartet. Haydn bedient sich nach 7 Takten Einleitung im folgenden Presto einem damals beliebten und bekannten Motiv:



    [W. A. Mozart: Soloeinsatz im Agnus Dei der Krönungsmesse KV 317]


    Das Motiv selbst ist an dieser Stelle bereits ein Zitat aus dem Kyrie desselben Werkes. Mozart verwendet es selbst später noch einmal in Le Nozze di Figaro, wo er La Contessa Dove sono i bei momenti singen lässt. Haydn scheut sich nicht, bei der Mozartischen Tonart C-Dur zu bleiben und lässt erklingen:



    Haydn arbeitet 1791 [bereits] mit Leitmotivik in geringem Umfang. Das Thema nimmt bereits den Dur-Teil der f-moll-Arie des Orfeo aus dem 2. Akt vorweg. Orfeo singt hier das Thema mit dem Text Ho perduto il caro bene […], diesmal zunächst in As-Dur, später wieder in C-Dur:



    Auch im vierten Akt ertönt das Motiv, diesmal in A-Dur und geschickt in einen ¾-Takt verpackt im Coro di Baccanti [Vieni, vieni, amato Orfeo].


    Nachdem die Ouvertüre mit Pauken und Trompeten ein glänzendes Ende gefunden hat, beginnt der erste Aufzug: Euridice befindet sich auf der Flucht vor den Heiratsbestimmungen ihres Vaters in einem Wald und beklagt ihr Leid. Vom Regen in die Traufe: Ein furioser Chor der Waldgeister in c-moll warnt sie vor den Ungeheuern dieses Waldes und fordert sie zur Flucht auf „Fuggi, Fuggi!“. Euridice ignoriert diese Warnungen und wird von den Wilden des Waldes gefangen genommen: Sie soll geopfert werden. In einer spannungsreichen ersten Arie kommt im zweiten – schnellen - Teil gleich die offenbar notwendige „geläufige Gurgel“ der Euridice zur Geltung: Koloraturüberladen singt sie e per me sol cresce, oh dio! Del destin la crudeltá!. Nun tritt Orfeo ins Geschehen ein und kann die Wilden durch seinen Gesang besänftigen und somit Euridice vor dem sicheren Tod bewahren.


    Das Leitmotiv dieses Gesanges ist an die Registerarie aus Mozarts Don Giovanni angelehnt:



    und wiederholt sich sogleich, wenn Orfeos Sieg vom Chor besungen wird:


    O poter dell’armonia!
    La favella degli die
    ed il nettare tu sei
    dell’afflitta umanitá.


    Zu Deutsch:


    O Macht der Harmonie!
    Du bist für die geplagte Menschheit
    die Sprache der Götter
    und der Nektar zugleich!



    Leider ist dieser Chor [Tenori und Bassi] extrem kurz, nicht einmal eine Minute lang. Eine sehnlichst erwünschte Wiederholung desselben à la La Clemenza di Tito muss Wunsch bleiben – außer man überlistet die Technik.


    Orfeos huldvolle Lebensrettung Euridices ist überzeugend genug für Creonte, einer Heirat von Euridice mit Orfeo zuzustimmen. So endet der erste Akt in einem innigen Duett der beiden mit bedeutsamen Worten wie mio tesoro oder io t’adoro, gleichzeitig wird den Göttern für das neue Schicksal gedankt.


    Der zweite Akt beschreibt die Hochzeitsfeierlichkeiten des Paares und wird jäh durch störende Gefolgsleute des Exverlobten Arrideo getrübt. Während Orfeo der Ursache des hintergrundigen Tumultes auf die Schliche kommen will – er lässt seine Braut fataler Weise allein zurück – wird diese von den bösen Gefolgsleuten gefangen genommen und entführt. Während eines weiteren Versuchs, zu entkommen, tritt Euridice auf eine Giftschlange, welche sich in ihrem Mittagsschlaf gestört fühle, Euridice beißt und diese an den Folgen des Giftes sterben lässt. Der ahnungslose und unverrichteter Dinge wiederkehrende Orfeo ist durch den Anblick der toten Braut wie vom Schlag getroffen… natürlich bedauert er in einer Arie sein Schicksal ergreifend.


    Der dritte Akt befasst sich mit der Beerdigung Euridices. Während Creonte Trost spendet, empfiehlt er den Besuch bei der weisen Sibylle. Der Genius jener rät zu Mut und Gelassenheit. Er verspricht Orfeo, unter Verwendung dieser Eigenschaften Euridice zurückgewinnen zu können.


    Im vierten Akt ist Orfeo [endlich] in der Unterwelt angekommen, wobei er sich der Hilfe des Genius bediente. Der übliche Zinnober… die Geister verheißen Orfeo den Rückerhalt seiner Braut, sofern er sich bei der Rückkehr zur Oberwelt nicht nach Euridice umschaue, … was natürlich nicht klappt, wie könnte es anders sein. Damit ist Euridice endgültig verstorben. Die Oper endet, indem Orfeo – an die Oberwelt zurückgekehrt – den „Trank des Vergessens“ zu sich nimmt. Bedauerlichweise enthält dieser tödliches Gift… Ein tosender Sturm mit furiosem und dissonantem Chor in d-moll… finito!


    Das alles – schön kompakt – und musikalisch fein umgesetzt hier drauf:






    Euridice • Cecilia Bartoli
    Orfeo • Uwe Heilmann
    Genio • Cecilia Bartoli
    Creonte • Ildebrando d’Arcangelo
    Pluto • Andrea Silvestrelli
    Corista I • Roberto Scaltriti
    Corista II • Jose Fardilha
    Corista III • Colin Campbell
    Corista IV • James Oxley
    una baccante • Angela Kazimierczuk


    THE ACADEMY OF ANCIENT MUSIC [Orchestra e Coro]


    CHRISTOPHER HOGWOOD


    Wenn ich nicht irre, gab es von dieser Aufführung eine TV-Übertragung, ggfs. eine DVD.


    bien cordialement
    Ulli

  • Hallo Ulli,


    ein schönes Thema. War mir Haydn bis vor kurzem noch völlig unbekannt bzw. habe ich ihn links liegen gelassen. Dann kam ein Geschenk, die Londoner Symphonien und spontan der Kauf einer CD mit Haydns Liedschaffen. Darauf u.a. "Das Leben ist ein Traum", da war`s passiert :]


    Zitat

    Original von Ulli


    ORFEO ED EURIDICE[/I]


    ... Im vierten Akt ist Orfeo [endlich] in der Unterwelt angekommen, wobei er sich der Hilfe des Genius bediente. Der übliche Zinnober… die Geister verheißen Orfeo den Rückerhalt seiner Braut, sofern er sich bei der Rückkehr zur Oberwelt nicht nach Euridice umschaue, … was natürlich nicht klappt, wie könnte es anders sein.


    Und trotzdem, auch hier die Frage. Wieso klappt das nicht? Warum wird denen diese Prüfung auferlegt? Wollen die Götter - Pluto und Proserpina - das Vertrauen der beiden auf den Prüfstand stellen, oder ist das gar Schikane von Pluto der vielleicht Gefallen an Euridyce gefunden hat und sie bei sich behalten will?


    Die Frage kann gut und gerne rhetorisch verstanden werden. Mir sind solche Dinge wichtig für das Verständnis eines Werkes. Und solange ich für mich keine Antworten finde - die sich natürlich hin und wieder ändern können :yes: -, finde ich da selten Ruhe.


    Beste Grüße
    Sophia


    - immer noch im "Cosi"-Delirium ?(

  • hallo, ulli,
    ja, haydn als opernkomponist - einen thread hätte er schon lange verdient (ich hab's mir einige male schon überlegt :D )- und ich gebe dir recht: diese oper zählt auch zu meinen lieblingen ....
    generell sind seine opern - ich habe mir seinerzeit zum glück schon mal alle dorati-einspielungen sichern können - ungerechterweise unterschätzt.
    vor allem die armida unter hanrnoncourt ist sicherlich auch ein richtiges opernfest ....auch 'die welt auf dem mond - traumhaft ...


    allen, die sie noch nicht kennen, viel spaß beim entdecken!!! :jubel: :jubel: :jubel:
    :hello:

  • @ Sophia:


    Mit den griechischen Sagen ist das ja immer so eine Sache - da läuft es ja selten so ab, wie man es eigentlich meinen sollte. Fast immer spielt das Schicksal/ die Götter den geplagten Menschen einen Streich und lässt die Geschichten tragisch enden.
    Ich nehme mal an, dass es sich bei den damals im antiken Griechenland ja zunächst nur mündlich weitererzählten Geschichten vor allem um Lehrstücke handelt, quasi als drastische Anschauung und Warnung für die Zuhörer - nach dem Motto: "Seht euch vor und führt ein anständiges, bescheidenes und götterfürchtiges Leben, sonst geht es euch wie ...." - und dann folgten die spannenden und erschröcklichen Geschichten von der hochmütigen Arachne, der stolzen Niobe, des eitlen Narziss usw.
    Im Prinzip also das gleiche Schema wie beim "Struwwelpeter" :D


    Bei Orpheus und Eurydike ist es also in dem Fall die menschliche Ungeduld, die hier vorgeführt wird - Orpheus weiß um die Bedeutung der ihm auferlegten Prüfung, er weiß, dass er seine über alles geliebte Frau sonst ein 2. Mal verlieren wird und dennoch schaut er sich nach ihr um - und hat so kurz vor dem Ziel erneut alles verloren. Im Gegensatz zum ersten Verlust Eurydikes diesmal allein aus eigener Schuld - niemandem kann er jetzt die Schuld an dem Verlust seiner Frau vorwerfen, außer eben sich selbst.
    Ist doch ein wunderbares Lehrstück, dass dem Zuhörer eindringlich vor Augen und Ohren führt, wie fatal allzugroße Ungeduld und mangelnde Selbstbeherrschung sein kann, oder?

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Zitat

    Original von S. Kirch
    Und trotzdem, auch hier die Frage. Wieso klappt das nicht? Warum wird denen diese Prüfung auferlegt? Wollen die Götter - Pluto und Proserpina - das Vertrauen der beiden auf den Prüfstand stellen, oder ist das gar Schikane von Pluto der vielleicht Gefallen an Euridyce gefunden hat und sie bei sich behalten will?


    Salut,


    das ist genau das, was man als res magni momenti bezeichnen könnte:


    Grundsätzlich würde ich ganz flachs behaupten, es handelt sich dabei um ein koorperatives dramatisches Mittel, welches zwischen Librettist [Badini] und Komponist [Haydn] abgesprochen scheint oder welches der [erfahrene] Librettist bewusst einsetzt. Besonders bei der oper seria - als solche kann Haydns Orfeo sicher gelten - wurden "historische" Textvorlagen so angepasst, dass teatralisch wie musikalisch das Maximum herauszuholen war. So auch sicherlich hier: Die einzelnen [konstruierten] Szenen bieten eine Vielfalt musikalischer Ausgestaltung und lassen das Werk nicht langweilig [oder zu kurz] werden.


    Es geht tatsächlich um eine Prüfung für Orfeo, wenn Genius in den campi elisi meint: Sovvengati la legge, frena i destri tuoi, se la cara Euridice aver tu vuoi [= Erinnere Dich an das Gesetz und zügle Dein Verlangen, wenn Du die treue Euridice zurückgewinnen willst]. Vielleicht will der Autor auch einmal die Grenzen der Zauberei [Orfeos Gesang] aufzeigen und lässt gerade an dieser bedeutenden Stelle [res magni momenti] Orfeo zum Menschen werden. Euridice sagt Dunque mortal valor cotanto impetta [ = Soviel also erreicht sterblicher Mut]. Genau bis hierher schafft es Orfeo durch Zauberkraft, wenn das Zügeln des menschlichen Verlangens ins Spiel kommt, ist er verlassen...


    Wie ich oben beschrieb, ist das Libretto der Oper [weil es keine Auffühung gab] nicht gedruckt worden und [daher leider] nicht erhalten. Der Text lässt sich so nur anhand Haydns [fragmentarischer] Komposition rekonstruieren. Das führt allerdings auch zu einigen Komplikationen und Missverständnissen, wozu Dein genanntes Beispiel durchaus gehören kann. Haydn selbst schreibt im Brief vom 8. Januar 1791 von einem Fünfakter, überliefert sind [nur] vier Akte. Möglich, dass ein Akt eingespart werden sollte, und darunter die [logische] Handlung litt. Dennoch halte ich das Scenario für schlüssig.


    Der vierte Akt könnte noch in der Unterwelt enden, wenn Orfeo den bereits zweiten Verlust seines Herzens besingt. Der [fiktive] fünfte Akt [ = 5. Bild] spielt wieder in der Obewrwelt am Meeresstrand. Orfeo singt Barbaro, infido amore..., woraufhin der Coro di Baccanti sich tröstend mit Vieni, Vieni, amato Orfeo einmischt, Qui dolente star tu vuoi? [= wie lange noch willst Du trauern?]. Orfeo erkennt die Baccanti als Hinterhältige, eine kleine Diskussion geht los... ein gekonntes theatralisches Hin- und Her. Letzlich gewinnen doch die Baccanti und Orfeo wird gzwungen, aus dem Kelch zu trinken... Ohimé che giá nel sono mi serpe un rio veleno! [Oh weh, schon greift in meiner Brust ein böses Gift um sich]. Die schadenfrohen Baccanti werden am Schluss der Scena durch einen furchtbaren Sturm ausgelöscht...


    Noch zwei Dinge sind dazu zu sagen:


    Erstens: Die zweite Todesscena ist eine definitive, die erste hingegen "nur Wischi-Waschi". Man weiß ja in der ersten Scene, dass noch Hoffnung besteht. Mithin ist die zweite, endgültige Todesscena ein grandioser Aha-Effekt beim sehenden und hörenden Publikum.


    Zweitens: Es ist mir egal, ob man es nun als inneres oder äußeres Indiz für das Dasein als unvollendete Oper ansieht, aber: der Tonartenkreis schliesst sich nicht. Die Oper beginnt in c-moll/C-Dur [Ouvertüre] bzw. Es-Dur [erste Scena] und endet in d-moll. 1791 war es durchaus noch üblich, à la Mozart Ouvertüre und Schluß der Oper in ein und derselben Tonart stehen zu lassen. Möglich wäre natürlich, dass Haydn hier bewußt erneuert [wo hat er das nicht getan?].


    Vielleicht hilft's Dir weiter...?


    bien cordialement
    Ulli

  • Hallo,


    Die Geschichte von Orfeo et Euridice könnte man natürlich auch anders deuten:


    Kein Sterblicher entkommt seinem Schicksal - Die Götter haben. indem sie die Prüfung auferlegten - schon gewußt, daß sie Übermenschliches von Orfeo verlangten - etwas was Orfeo, ein schwacher Mensch - nicht zu leisten imstande war. Das Ende war also vorausberechnet - und gar nicht anders denkbar.


    Die "Chance" war also nur vorgegaukelt - real aber nie vorhanden.


    Hier hängt es davon ab, ab man an die Entscheidungsfreiheit des Menschen glaubt - oder nicht.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Kein Sterblicher entkommt seinem Schicksal - Die Götter haben, indem sie die Prüfung auferlegten - schon gewußt, daß sie Übermenschliches von Orfeo verlangten - etwas was Orfeo, ein schwacher Mensch - nicht zu leisten imstande war. Das Ende war also vorausberechnet - und gar nicht anders denkbar.


    Salut,


    ich glaube nicht sehr, dass dies 1791 noch vordergründig war. Hier kam es vielmehr auf "Action" an. So reizvoll das Stück an sich auch heute noch ist, 1791 war sicherlich die treibende Kraft, dass es zwei "Todesfälle" in einer Oper gab... man vergleiche, wie oberflächlich mit den "inneren Werten" in Mozarts La clemenza di Tito [aus dem selben Jahr 1791 stammend] umgegangen wurde [nicht musikalisch, textlich].


    bien cordialement
    Ulli

  • Hallo,


    Zitat

    Original von MarcCologne
    Ist doch ein wunderbares Lehrstück, dass dem Zuhörer eindringlich vor Augen und Ohren führt, wie fatal allzugroße Ungeduld und mangelnde Selbstbeherrschung sein kann, oder?


    Ich weiß es nicht. Bis Orpheus Eurydice kennenlernte war er (jedenfalls nach dem Libretto von Monterverdis Oper) nicht vom Glück verfolgt. Das erzählt im 1. Akt zweimal der Chor. Selbstbeherrschung und Zähmung von Ungeduld ist eigentlich kein Ausweis von Liebe.... Nachdem er die Frau endgültig an den Tod abgeben muß will er auch lieber sterben als ohne sie weiterzuleben.


    Die Götter des Hades lassen sich doch aus den gleichen Gründen erweichen, daß Orpheus einen Versuch machen darf, die Frau auf die Erde zurückzuführen. Pluto sagt zu Proserpina, daß er Eurydice nur laufen läßt damit ihm Proserpina nicht laufen geht... Und von den Menschen verlangen sie Beherrschung. Da stimmt doch noch etwas nicht ;)


    Zitat

    Original von Ulli
    Die zweite Todesscena ist eine definitive, die erste hingegen "nur Wischi-Waschi".


    huch 8o Die erste Todesszene, wenn Orfeo mitten aus seiner Freude gerissen wird, finde ich viel dramatischer. Die Bedingung des Gottes der Unterwelt um Eurydice zurückzugewinnen kann er m.E. gar nicht erfüllen.


    Wo wird denn oberflächlich mit inneren Werten in "La clemenza di Tito" umgegangen?


    Neugierige Grüße
    Sophia

  • Salut Sophia,


    das "Wischi-Waschi" ist natürlich aus dem Blickwinkel des kennenden Publikums betrachtet. Die Scene ist m. E. relativ langweilig, da man/frau ja weiß, dass Euridice nicht wirklich tot ist bzw. dass Hoffnung besteht. Im zweiten Fall ist der Tod definitiv. Das finde ich nun doch etwas trauriger...


    Der Text zu La Clemenza di tito stammt von Mazzolá [nicht Keimöl] unter "Verwendung" der Arbeiten von Pietro Metastasio. Es ist kein Vorwurf, wenn ich behaupte, dass dieser Text von der grandiosen Vorlage Metastasios auf ein kümmerliches Etwas zusammengeschrumpft ist. Das macht Mozart mit seiner Musik natürlich wieder wett.


    bien cordialement
    Ulli

  • Hallo zusammen,


    an anderer Stelle im Forum tauchen diese Boxen schon auf – überraschenderweise noch nicht in diesem thread:


    Joseph Haydn (1732-1809)
    Die Esterhaza-Opern Edition I
    Armida; La fedelta premiata; Orlando Paladino; La vera costanza


    Cotrubas, Landy, Stade, Jones, Prescott, Luxon,
    Hendricks, Mathis, Auger, Norman, Donath, Bruson,
    Kammerorchester Lausanne, Dorati
    Label: Philips , ADD, 75-78




    Joseph Haydn (1732-1809)
    Die Esterhaza-Opern Edition II
    L'Incontro improvviso; L'infedelta delusa; L'Isola disabitata;Il mondo della luna


    Cotrubas, Landy, Stade, Jones, Prescott, Luxon,
    Hendricks, Mathis, Auger, Norman, Donath, Bruson,
    Kammerorchester Lausanne, Dorati
    Label: Philips , ADD, 75-80





    Gehört habe ich die insgesamt 20 CDs (noch) nicht - ich freue mich aber schon darauf, sie mir nach und nach vertraut zu machen...


    LG, Elisabeth

  • Sonntag, 01.03.09 um 20:05 Uhr WDR 3 - Bühne Radio


    L’infedelta deluso
    Singspiel von Joseph Haydn

    Mitwirkende:
    Vespina: Simone Kermes Sopran
    Sandrina: Chen Reiss, Sopran
    Nencio: Jürgen Sacher, Bariton
    Filippo: Andreas Scheidegger, Tenor
    Nanni: Iván Paley, Bass


    WDR Rundfunkorchester Köln unter der Leitung von Markus Poschner


    Zitat

    Eine Geschichte von Liebe und Treue, die trotz anscheinend altmodischer Moral ein Trost für alle Liebenden ist! Dazu eine Weltklasse - Besetzung. Die in Leipzig geborene Simone Kermes ist international eine der gefragtesten Soprane im dramatischen Koloraturfach. Ihr außergewöhnlicher Stimmumfang prädestiniert sie besonders für die virtuosen Werke barocker Meister, wie Händel und Vivaldi, aber auch für die Sopranpartien und Konzertarien Mozarts und Haydns.


    LG


    :hello: :hello:

  • Haydns Opern sind in der Tat unterschätzt und eigentlich weiß niemand so recht warum. Als Philips im Haydn Jahr 1982 (250. Geburtstag) die Haydn-Opernausgabe herausbrachte wurde das allgemein als der endgültige Durchbruch von Haydns Opern gesehen - aber man hat sich getäuscht. irgendwie gerieten die Aufnahmen nach und nach in Vergessenheit und sie wurden vorerst gestrichen, dann im Multipack (2mal 10 CDs) erneut aufgelegt - und wieder gestrichen. Derzeit sind sie soweit ich weiß wieder zu haben, und zwar unter dem Label DECCA, was natürlich zu Verwirrungen führen kann, erfreulich ist jedoch , daß alle 20 CDs jetzt unter 70 Euro zu haben sind, soviel kostete ursprünglich ein 10er Pack....






    Dem Haydn Jahr geschuldet, kommt auch die Hungaroton Aufnahme vonHaydns Oper "Le Pescatrici" (Die Fischerinnen") unter Olga von Geczy wieder (?) ins Angebot, glücklicherweise, muß man sagen. Haydn bezeichnet in einem Brief diese Oper als eine seine erfolgreichsten. Leider fehlt die Ouvertüre und einige Teile des 2. Aktes. Um das Werk überhaupt aufführbar zu machen wurden wurden 1969 fehlende Teile von H.C. Robbins Landon nachkomponiert.
    So etwas ist immer eine heilkle Sache. Im speziellen Fall begrüße ich diesen Eingriff, zum einen weil das Werk ansonst völlig verloren wäre - zum anderen, weil man im achzehnten jahrhundert derlei Korrekturen durchaus lockerer sah als heute, siehe Mozarts Sinfonie Nr 37 :hahahaha:


    Die Informationen entnehme ich dem Booklettext der CD, er stammt von Enikö Gyenge. Leider ist nicht angeführt welche Stücke von Robbins Landon sind, auch nicht ob es sich um die Erstveröffentlichung einer bereits 1993 gemachten Live- Aufnahme handelt - oder um eine Wiederveröffentlichung..


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Le Pescatrici
    (Die Fischerinnen; Text von Carlo Goldoni),
    dramma giocoso 3 Akte (9 Bilder) Hob. XXVIII:4
    (1769; erste bezeugte Aufführung 16. und 18. Sept. 1770 Esterház)
    Musik von Joseph Haydn


    Die Oper gibt es in USA schon länger auf CD (Drive 3801):



    1992 Olga Geczy;
    Orchester der Lithuanian Opera
    Burlotto: Alexandr Agamirzow
    Eurilda: Laima Jonutyte
    Frisellino: Gyula Littai
    Lesbina: Ramute Tumuliauskaite
    Lindoro: Vytautas Juozapaitis
    Nerina: Jolanta Ciurilaite
    Drive 3801 (CD) 112 min.


    **********************


    Das ist aber keineswegs die erste Aufnahme der Oper.
    Beim Holland-Festival 1965 hat Maestro Alberto Erede die von Robbins Landon ergänzte Fassung aufgeführt (bei Melodram seinerzeit auf Platte erschienen):


    1965 Alberto Erede;
    Kammerorchester Holland,
    Chor des Holland Festivals
    Burlotto: Umberto Grilli
    Eurilda: Rusa Pospis
    Frisellino: Giacomo Aragall
    Lesbina: Maddalena Bonifaccio
    Lindoro: Ugo Trama
    Mastricio: Carlos Feller
    Nerina: Adriana Martino
    Melodram 166 (3 LP live),
    (in USA als CD bestellbar)


    **********************


    Die Wiener Kammeroper hat in diesem Frühjahr die Oper aufgeführt und - soweit mir bekannt, damit durchaus Erfolg gehabt (zumindest habe ich positive Kritiken gelesen), z. B. [URL=http://www.omm.de/veranstaltungen/musiktheater20082009/WIEN-ko-l,e%20pescatrici.html]hier.[/URL]



    LG


    :hello:

  • Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:


    Gerade hatte ich Gelegenheit, alle Esterhaza-Opern mit Dorati für 39.99 be jpc zu erwerben.


    Fange an, mich in diese herrlichen Werke hineinzuhören.


    Wie, bei jpc für 39,99 €uro ?!?!?!


    Ich sehe sie hier ( jpc ) für : 67,99 €uro.




    ... oder gibt es noch eine andere Quelle ?


    :hello:


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Vor ein paar Jahren wurde in Frankfurt Haydns Kantate Ariadne auf Naxos recht überzeugend als szenische Aufführung gegeben.


    Kann zu dieser umfangreichen Ariadne-Kantate jemand eine CD-Empfehlung gaben?


    Du brauchst die hier:


    Leider ohne Bild, aber absolut empfehlenswert (Haydn: Arianna & Arias von Hogwood/Auger)


    Wo warst du am 14. August? Da wurden in Innsbruck "L'isola disabitata" und zur Einstimmung "Arianna a Naxos" gegeben. Zwei Tage vorher ebenfalls. Da hast du was verpasst.


    Ich persönlich finde "L'isola disabitata" übrigens wesentlich interessanter. Kommt am 31.10. in Bratislava. Dafür muss man aber rechtzeitig Geld zurücklegen. Für meine Karte haben die mir glatt 10 Euro abgebucht. Und Ryanair will auch noch 15 Euro für den Flug plus 10 Euro Buchungsgebühren. Aber was macht man nicht alles für Haydn...



    Thomas Deck

  • Vor kurzem habe ich Den Apotheker - Lo spziale - gehört, ein lustiges Meisterstück. Ein schönes Beispiel dafür, wie flott und selbstverständlich die Motive von Stück zu Stück wanderten: in diesem Stück ist alles auch von woanders Bekannte vorhanden: der Alte und seine junge Erziehungstochter, rivalisierende Freier, maskierter Notar, ein maskierter türkischer Bascha usw. Goldoni hat ein freches und humorvolles Ausgangsmaterial angeboten. Ich habe in der Rezension zur CD (Hungaroton HCD 11926, Preiscode: CE, 5991811192624 ) gelesen, dass das Stück früher arg gekürzt wurde. "Die hier vorliegende Einspielung folgt gewissenhaft der in den 50er Jahren vorgelegten Urtextausgabe und nimmt dafür gewisse Lücken musikalischer und dramaturgischer Art in Kauf", sagt der Rezensent.
    Das Stück wurde im Sommer in Györ bei Esterhaza aufgeführt, mit großem Erfolg. Es wird in Budapest im Thalia-Theater gespielt, am 21. November um 15 Uhr, auch erreichbar, wenn man nicht in Budapest wohnt.


    Habt einen schönen Sonntag! KP

  • Zitat

    Original von kopiroska
    Vor kurzem habe ich Den Apotheker - Lo speziale - gehört, ein lustiges Meisterstück. Ein schönes Beispiel dafür, wie flott und selbstverständlich die Motive von Stück zu Stück wanderten: in diesem Stück ist alles auch von woanders Bekannte vorhanden: der Alte und seine junge Erziehungstochter, rivalisierende Freier, maskierter Notar, ein maskierter türkischer Bascha usw. Goldoni hat ein freches und humorvolles Ausgangsmaterial angeboten. Ich habe in der Rezension zur CD (Hungaroton HCD 11926, Preiscode: CE, 5991811192624 ) gelesen, dass das Stück früher arg gekürzt wurde. "Die hier vorliegende Einspielung folgt gewissenhaft der in den 50er Jahren vorgelegten Urtextausgabe und nimmt dafür gewisse Lücken musikalischer und dramaturgischer Art in Kauf", sagt der Rezensent.
    Das Stück wurde im Sommer in Györ bei Esterhaza aufgeführt, mit großem Erfolg. Es wird in Budapest im Thalia-Theater gespielt, am 21. November um 15 Uhr, auch erreichbar, wenn man nicht in Budapest wohnt.


    Habt einen schönen Sonntag! KP


    Hallo Piroska,


    vielen Dank für den Hinweis. Zu gern würde ich Lo speziale auch mal live sehen. Ich habe http://www.thalia.hu aufgerufen, aber der Spielplan für November scheint noch nicht da zu sein. Leider ist alles auf Ungarisch, was die Sache nicht gerade erleichtert.


    Tatsache ist: Der 21. November ist ein Wochenende, und ich könnte nach den aktuellen Flugpreisen für 46 Euro (hin und zurück) hinfliegen. Das würde ich tun, sobald ich ein Ticket für die Aufführung habe.


    Eine Mail auf Englisch an szervezes@thalia.hu habe ich bereits geschickt. (Ich habe keine Ahnung, was "szervezes" heißt...)


    Bitte an dich: Könntest du hier bekanntgeben, ab wann man Tickets für die genannte Aufführung von Lo speziale kaufen kann?



    Gruß
    Thomas

  • Hallo "Thdeck",


    hier habe ich die Info her:
    http://www.filharmoniabp.hu/ifjusagi_koncertek


    Das ist eine Konzertserie mit Anrecht, die Aufführung ist die gleiche, die im Sommer in Györ aufgeführt und sehr gelobt wurde, das Orchester ist auch das gleiche (Savaria - ein nicht sehr berühmtes ungarisches Ensemble), die Stimmen sind junge Leute. Ich wollte eigentlich auch selber hinfahren. Ich kann gern nach Karten fragen, das "szervezés" (fast service!!!, eigentlich Organisatorisches...) per e-mail ist für mich bestimmt ETWAS leichter. Ich melde mich, sobald ich etwas weiß. Die Aufführung ist bestimmt spottbillig - im Vergleich zu Euren Preisen und auch im Vergleich zu der ungarischen Staatsoper, allerdings muss man auch wissen, dass es nicht von Spitzenkünstlern gespielt/gesungen wird.


    Habt eine gute Woche!
    :hello: KP

  • thdeck - und alle Interessenten


    Lieber Thomas und liebe Haydn-Liebhaber,


    Zur Aufführung von Haydns Oper „Der Apotheker” gibt es schon Karten, leider nur telefonisch zu bestellen, aber die Bestellung und die ganze Prozedur ist problemlos. Wenn also Interesse besteht, kann ich die Karten zurücklegen lassen unter Eurem Nicknamen und unter meinem Namen und Ihr könnt die Karten eine Stunde vor der Vorstellung abholen. Nur müsste ich dann zehn Tage früher unbedingt wissen, wenn jemand die Karte doch nicht in Anspruch nimmt, denn sonst muss ich sie selber zahlen.


    Noch einmal Zeit und Ort:
    Budapest, Thalia Theater
    21. November 15 Uhr


    Es ist eine Aufführung in ungarischer Sprache (leider, denke ich… - obwohl die Übersetzung diesmal eine besonders gelungene sein soll, Basti könnte sich darüber freuen, wenn das alles nicht in dieser unerlernbaren Sprache wäre…), mit jungen Stimmen und unter Anleitung eines jungen Dirigenten. Das Thalia Theater ist nicht die Opernhaus – also darf man nicht zu viel erwarten. Die Preise sind sehr günstig: eine Karte kostet etwa 4-5 Euro, abhängig vom jeweiligen Kurs.


    Ich will Euch auch gern auf die Programme der ungarischen Staatsoper aufmerksam machen, hier sind sie auch auf Englisch zu lesen:
    http://www.opera.hu/index_e.php?lang=en&module=main_eng


    Im Frühjahr wird Haydns L'anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice gespielt, in einer sensationellen Aufführung, mit super Stimmen.
    Kartenkauf ist durch Internet möglich.


    Liebe Grüße
    KP

  • Der WDR meldet heute:


    Zitat

    In Weimar ist der lange verschollen geglaubte Text der Oper "Der Hexenschabbas" von Joseph Haydn aufgetaucht. Ein anonymes Textbändchen für die 1773 erstmals aufgeführte Marionettenoper wurde von Mitarbeitern der Anna Amalia Bibliothek entdeckt. Wie die Stiftung Weimar mitteilte, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um das Libretto der Oper. Geschrieben wurde der Text von Josef Karl von Pauersbach, der das Marionettentheater des ungarischen Fürsten Esterhazy zur Zeit der Uraufführung leitete.


    (Donnerstag, 26.11.09 um 15:48 Uhr WDR 3)


    LG


    :hello:

  • Liebe Forianer,


    habe gerade diesen Thread durchgelesen und auch einen Blick auf die Threads zu den Einzelopern geworfen.


    Hat jemand für einen - was dieses Thema betrifft ganz und gar Unerleuchteten - einen Tip, welche Oper Haydns besonders "für den Einstieg" zu empfehlen ist, besonders interessant erscheint, besonders typisch oder was auch immer ist?


    Des weiteren bin ich für Hinweise zu Aufnahmen dankbar, die sich engagiert dem fast vergessenen Opernschaffen Haydns widmen und all diejenigen Lügen strafen, die meinen, dass dies zu Recht ein Nischendasein fristet. Also Euer persönliches diskographisches Haydn-Opern-Highlight wüßte ich gerne! Und wenn Ihr meint, dass diese Opern doch zu Recht in der Ecke stehen, wäre das ja auch eine Information - dann besorge ich mir eben noch eine Einspielung des Don Giovanni :S


    Viele Grüße
    Stefan

    “Music is enough for a lifetime, but a lifetime is not enough for music”
    Sergei Rachmaninov

  • Mit Haydns Opern ist das so eine Sache. Sie waren über lange Zeit vergessen. Angeblich wegen ihrer "Belanglosigkeit" Kaiserin Maria Theresia von Österreich hingegen meinete, wenn sie eine gute Oper sehen wolle, dann müsse sie nach Schloss Esterhazy fahren. (Da war Haydn gemeint). Was man nun unter guter Oper versteht, daran scheiden sich die Geister. Haydn hatte nur beschränkte Möglichkeiten in Esterhazy - und er musste sich daran orientieren.
    1982, anlässlich Haydns 250 Geburtstag brachte Philips eine Edition aller Haydn Opern (unter Antal Dorati) heraus. Die Kritik war begeistert - endlich der Durchbruch für Haydns verkannte Opern. Aber schon nach einigen Jahren verschwand das meiste wieder aus den Katalogen,einzeln kann man die Opern nicht mehr beziehen.

    -----------------------------------------------------------------------------------


    Allerdings kann man jetzt die gesamte Edition auf 20 CDs sehr günstig beziehen, Der Preis wurde derzeit von 79.99 auf 49.99 Euro gesenkt.Die Libretti sind nicht gerade spannend, aber die Musik ist sicher hörenswert, für den Sammler sowieso ein muß, denn ob und wann nach Streichung der Edition aus den Katalogen je wieder eine kommt, das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Man kann übrigen in jede einzelne der 20 CDs hineinhören - Bravo jpc.
    Einzeln sind nur einige Opern (in anderer Besetzung) eingespielt worden. Ich möchte an dieser Stelle warnend erwähnen, daß Haydns vermutlich "berühmteste" Oper (sie war die einzige die fast in jedem Opernführer zu finden war) "Lo Speciale" ("Der Apotheker") nur ein Torso - ist viele Teile sind verschollen. Was wir hören ist eine Rekonstruktion, oft wurde die Oper in einem Akt zusammengefasst....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ich habe drei Opern Haydns auf CD "Armida" und "Orlando Paladino" mit Harnoncourt (die werden jedenfalls beide mit großem Engagement und prominenter Besetzung dargeboten) und die oben gezeigte CD der "Wüsten Insel". "Orlando Paladino" habe ich sogar vor einigen Jahren im Stadttheater Gießen gesehen. Dieses Stück ist eine Art Parodie auf die Opera Seria; es war sehr unterhaltsam, aber ich bin nicht sicher, ob ich es je komplett auf CD angehört habe. "Armida" ist eine "normale" Opera seria.
    Vermutlich sind die komischen Opern wie Lo speziale oder Il mondo della luna bühnentauglicher.


    Ich bin aber insgesamt kein allzu großer Opernfan, daher wage ich nicht zu urteilen, inwiefern Haydns Opern zu recht nicht allzu bekannt sind. An der Musik liegt es nicht, aber für Opern gelten halt "andere Gesetze".

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)