Walter Geisler - ein vergessener Tenor?

  • Walter Geisler, geb. 1918 in Oppeln; gest. 9.6. 1979 in Westberlin; zu seiner Zeit ein gesuchter Tenor. Sein Debüt begann noch kurz vor dem Kriege 1939 in Greifswald. Über Göttingen, Wiesbaden und Hannover gelang er 1948 an die Berliner Staatsoper. 1948 bis 1956 sang er in Hamburg; danach wieder an der Berliner Staatsoper. Gastspiele in Wien, Bayreuth (Walther, Stolzing), BerlinKO und Amsterdam. Er war ein gesuchter Bacchus, Kaiser, Othello und Florestan. Ich hörte ihn erst vor Kurzem auf einer LP mit Auszügen aus "Lohengrin", den er hervorragend interpretierte.

  • Von Walter Geisler habe ich lediglich 2 Aufnahmen: einen Querschnitt der Oper "Lohengrin" von Wagner und die Florestan-Arie "Gott! Welch' Dunkel hier ... aus Beethovens "Fidelio", die er recht überzeugend singt.

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Vergessen ist er nicht. Ich kenne ihn als Walther von Stolzing in den Bayreuther Meistersingern von 1957 unter Cluytens mit Neidlinger als Sachs. Eine sehr interessante, spezielle Aufnahme.

  • Harald Kral


    Walter Geisler

    Ferner noch eine Recital-Platte.

    Lieber Harald,


    die würde mich aber sehr, sehr interessieren. Gibt es eine Möglichkeit der Überspielung/Digitalisierung?


    LG
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Mein lieber Harald!


    Die "Macbeth" habe ich auch in meinem Besitz, eine Aufnahme die man schon wegen der Varnay haben muß. Die Recital-Aufnahme interessiert mich natürlich auch brennend. Da ich nicht in Facebook bin, denke ich über eine Kontaktaufnahme auf telephatischem Wege nach???



    Herzlichst
    Wolfgang

  • Da ich nicht in Facebook bin, denke ich über eine Kontaktaufnahme auf telephatischem Wege nach???

    Hallo Harald,


    bei Facebook bin ich leider auch nicht ...

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Hallo Manfred,


    [timg]http://www.bayreuther-festspie…-portrait57.jpg;l;235;316[/timg]
    Auf der Recital-Platte singt Walter Geisler neben der oben im youtube-Ausschnitt vorgestellten Martha-Arie noch den Max im Freischütz, das "flandrische Mädchen" von Lortzing, Beethovens Florestan-Arie, die Blumenarie aus Carmen sowie den Erik aus dem fliegenden Holländer.


    LG


    :hello::hello:

  • Harald Kral

    Auf der Recital-Platte singt Walter Geisler neben der oben im youtube-Ausschnitt vorgestellten Martha-Arie noch den Max im Freischütz, das "flandrische Mädchen" von Lortzing, Beethovens Florestan-Arie, die Blumenarie aus Carmen sowie den Erik aus dem fliegenden Holländer.

    Vielen Dank, lieber Harald,


    ich werde mich umgehend bei Dir melden!


    LG
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Es gibt noch eine Szenenfolge aus Lohengrin, die Richard Kraus dirigiert und in der Geisler die Titelpartie neben der Elsa von Maud Cunitz singt.


    [timg]http://i.ebayimg.com/t/RICHARD-WAGNER-Lohengrin-rare-DDR-LIED-ZEIT-ETERNA-LP-LPM-1026-/00/s/MTIwMFgxNjAw/$T2eC16h,%21%298E9s4l9z7uBQV5psELTw~~60_12.JPG;l;500;375[/timg]
    Durch diese Aufnahme habe ich erste Bekanntschaft mit Wagners Lohengrin gemacht! Deshalb schätze ich sie! Allerdings ist sie in dem heutigen Angebot nicht mehr konkurrenzfähig.


    Live habe ich Geisler gelegentlich in der Städtischen Oper Berlin gehört. Meistens habe ich hinterher notiert, er sei "verlässlich" gewesen oder "ordentlich" oder "brav". Später bin ich ihm noch mal als Tristan begegnet - in Braunschweig. Da war er eher "überfordert"!


    So sehr viel fällt mir nicht ein, warum man sich seiner erinnern müsste!


    Caruso41

  • Und es begab sich, dass für eine Otello-Vorstellung der angesetzte Tenor kurzfristig absagte. Da sprang Walter Geisler ein, der die Partie auf Deutsch sang, während alle übrigen Italienisch parlierten. Die übrige Besetzung war herausragend, so dass der arme Geisler auf verlorenem Posten stand: Sena Jurinac als Desdemona und Tito Gobbi als Jago.


    Besonders apart war zu Beginn des 2. Aktes die Szene, wo Jago vor sich hin memorierte und so tat, als wäre ihm Otellos Auftritt nicht aufgefallen. Dieser (Walter Geisler eben) hörte sich Jagos Suada einige Zeit im Hintergrund stehend an, dann trat er an Gobbis Seite und fragte ihn: "Was sagst du"? Gobbi zuckte die Schultern und erwiderte, halb zu Otello gewandt: "Nulla!" Dass das Publikum in Gelächter ausbrach, war nicht verwunderlich - die Dramatik der Szene war restlos dahin.

  • Zitat Caruso:

    Zitat

    So sehr viel fällt mir nicht ein, warum man sich seiner erinnern müsste!


    So schlecht scheint er wohl nicht gewesen zu sein, sonst hätte es die vielen Aufnahmen nicht gegeben. Aber ich frage mich nun ernsthaft, ob man in dem Thread über berühmte Stimmen die Sänger nicht in Klassen einteilen sollte. Spitzensänger, oder solche die es zu sein schienen in die A-Klasse, und die Sänger, die an kleinen und mittleren Bühnen hervorragendes geleistet haben und hier nicht die Gunst der Experten genießen, in die B-Klasse. Da wäre doch jedem Recht getan. :love:

  • Es gäbe auch noch andere Urteilsvorschläge für die A und B Klasse und ebenfalls würde sie nicht allen gerecht werden.
    Hier ein paar Beispiele :
    Nach verunglückten Aufnahmen: demnach wäre Frau Caballe nach einem Wagnerrecitel, ihrer Lucia (neben und Carerras )und ihrem Maskenball ( neben dem selben ) eher ein Fall für die B Klasse oder nach gelungenen Aufnahmen oder der Schnittmenge aus beiden.
    Wir könnten auch nach Klangschönheit der Stimme gehen ( dann wäre Sutherland, Te Kanawa und R. Fleming in der A und Maria Callas in der B Klasse ) oder nach elequenter Interpretation ( dann wären Callas und Olivero in der A und Caballe in der B Klasse oder auch hier die Schnittmenge aus beiden.
    Man könnte auch nach der Menge der Studioaufnahmen urteilen, dem zufolge würden wir Domingo, Pavarotti und Carreras in der A Klasse finden und Bergonzi, Olivero, Gencer in der B Klasse.
    Wir könnten natürlich auch nach Publikumslieblingen einteilen, dann wäre zum Beispiel Helen Kwon (für Hamburg gesprochen) ebenso in der A Klasse zu finden wie Paul Potts und Andrea Bocelli (für Deutschland gesprochen, international soll der Markt nicht ganz so hingerissen sein, aber hier mußte ich mich auf das Urteil einer talentierten Bewerberin (aus einer ehemaligen Psydoopernformation) aus Italien beim Supertalent verlassen).

  • In meinem LP-Fundus heute entdeckt: Aufnahmen mit Walter Geisler, die ich lange nicht mehr hörte. Er singt Arien aus "Zar und Zimmermann", "Martha", "Carmen" und "Der fliegende Holländer". Mir wird hier nicht klar, warum er von einigen Experten so negativ beurteilt wird. Na ja, die Geschmäcker sind halt verschieden und werden es auch immer sein! ?(

  • Das Problem von Geisler war, dass er seinerzeit gegen eine übermächtige Konkurrenz ansingen musste. Heute würde er glatt als Weltstar durchgehen. Nach meiner Beobachtung teilt er dieses Schicksal mit vielen seiner Kollegen. Es gab halt viele Geislers.


    Lieber Wolfgang, Dir einen guten Morgen.


    Rheingold

  • Er war ein recht glückloser Gesangslehrer an der Hochschule der Künste Berlin.
    Das war ja das Problem der HfM, es gab keine guten Gesangslehrer dort.
    Er gehörte zu diesen Lehrern die zwar singen konnten, es aber nicht weiter geben konnten.
    Dazu gehörte auch KS Walter Ludwig.
    :)

  • Heute ist sein 35. Todestag.


    Geisler, Walter, deutscher Tenor, * 1918 Oppeln, † 9.6.1979 Berlin.
    Debütierte 1939 in Greifswald, sang in Göttingen, Wiesbaden, Hannover und an der Städtischen Oper Berlin; gastierte in Hamburg (1948–56) und Wien: Bacchus (Wiesbaden 1962), Kaiser, Otello, Florestan; 1957 Stolzing in Bayreuth.



    LG

  • Ich stoße beim "Durchforsten" meiner LP-Sammlung auf eine lange vermisste Platte mit Sängern und Sängerinnen, die im Forum kaum Erwähnung finden. Walter Geisler ist hier mehrfach u. A. mit Clara Ebers, Ruth Keplinger und Gerhard Unger vertreten. Er singt "Leb´wohl mein flandrisch Mädchen" aus Zar und Zimmermann; "Ach so fromm" aus Martha; "Hier an dem Herzen treu geborgen" aus Carmen und "Willst jenes Tages" aus dem Fliegenden Holländer. Die LP habe ich mal auf einem Flohmarkt erworben, aber immerhin sind die Aufnahmen in Stereo.

  • Bei mir läuft gerade der schon oben aufgeführte Querschnitt aus der Oper "Lohengrin" auf einer LP. Neben Walter Geisler singen noch Maud Cunitz, Alice Oelke und Peter Roth-Ehrang unter Richard Kraus. Hier hört man ihn als Lohengrin mit der Gralserzählung:
    LlA_j-hIVqo

  • Aber mir fallen noch immer keine Gründe ein, sich seiner zu erinnern.


    Lieber Caruso,
    es können ja nicht alle so gut im Gedächtnis bleiben, wie Dein berühmter Namensvetter ...
    Ich habe Walter Geisler nur zweimal live gehört, als Cavaradossi und Florestan, er hat das ordentlich gesungen, wie so viele Sänger, die täglich ihr Bestes geben, eine Leistung ist das allemal.
    Es erschließt sich mir nicht, warum man so etwas schreiben muss, denn ich empfinde das zumindest als am Rande der Respektlosigkeit.
    Mitleser wissen auch ohne solche Sprüche, dass Du ein exzellenter Stimmenfachmann bist.

  • Also, mich hat das Hörbeispiel gerade sehr angesprochen, lieber Wolfgang.
    Deshalb habe ich mal aus den Meistersingern unter Cluytens (1957) einige Ausschnitte gehört; Am stillen Herd zur Winterszeit, Morgenlich leuchtend und Abendlich glühend, die mich auch überzeugt haben:

    Ein Renzensent auf Amazon hat folgendermaßen geurteilt:

    Zitat

    The other big surprise in this performance is the heldentenor Walter Geisler as Walther von Stolzing. He has a beautiful, heroic voice, especially his upper register, and fine passion and dramatic intelligence. This performance left me wanting to hear more of him, but unfortunately nothing else seems to be available.


    Übers.: Die andere große Überraschung in dieser Aufführung ist der Heldentenor Walter Geisler als Walther von Stolzing. Er hat eine schöne, heroische Stimme, speziell in seinem höheren Register, und edle Leidenschaft und dramatische Intelligenz. Die Aufführung weckte in mir den Wunsch, mehr von ihm zu hören, aber unglücklicherweise scheint nichts anderes verfügbar (William B.A.)


    Damit zukünftig wenigstens einmal im Jahr über ihn gesprochen wird, habe ich seine Daten in meine Datenbank eingetragen, und wenn nichts dazwischen kommt, werde ich am 9. Juni 2018 an seinen 39. Todestag erinnern.
    Hier noch ein Hin weis darauf, dass er auch Bach konnte, jedenfalls nach meiner Ansicht:

    Hier singt er neben Margot Guilleaume, Sopran, Gertrud Pitzinger, Alt und Josef Greindl, Bass unter der Leitung von Hans Schmidt-Isserstedt.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Auch über Trudeliese Schmidt urteilte Caruso41:

    Zitat

    Danach etwas über die Sängerin zu sagen, bedürfte es einer besonderen Motivation. Die aber habe ich leider nicht.
    Bitte sei nicht bös! Wenn Sänger Jubiläen haben, denen ich mich irgendwie verbunden fühle, schreibe ich gerne wieder was.


    Werter Caruso! Als anerkannter Fachmann sollte man sich nicht so äußern. Sonst landen wir schon wie geschrieben bei Kategorie A oder B. Und Erinnerungen nur an Sänger/innen der Kategorie A? Sei bitte nicht böse, aber das mußte raus!


    Gruß Wolfgang ;)