Regiethaterinszenierungen locken die Jugend ins Opernhaus!!!!!!

  • Willkommen beim neuen Regietheaterthread. Ich begrüße vornehmenlch jene, die beim Lesen des Titels noch nicht der Schlag getroffen hat, oder sich nicht zu Tode gelacht haben. Denn natürlich war der Titel nicht ernst gemeint. Immer wieder kann man hören, das Regietheater sei ein ideales Mittel jungen Leute Operntheater schmackhaft zu machen. Ich glaube, daß das Gegenteil der Fall ist und werde das im Laufe des Threads versuchen ausführlich zu begründen. Das Argument ist etwa so überzeugen, wei jenes, daß die Flexibilisierung der Arbeitszeiten Arbeitsplätze schafft.
    Nur ausgesprochene Duimmköpfe fallen auf sowas herein - und der Zusammenhang zwischen Dummköpfen und Regietheater ist ein weiteres Unterthema dieses Threads. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Hallo Alfred,


    vielen Dank für diesen Thread. Die hier angesprochene Frage treibt mich schon seit einigen Tagen um. Vor allem folgende Aussage:


    Immer wieder kann man hören, das Regietheater sei ein ideales Mittel jungen Leute Operntheater schmackhaft zu machen.

    Was mich vor jeder inhaltlichen Diskussion am meisten interessieren würde: Ist irgendwie zu belegen, dass diese Aussage tatsächlich in nennenswertem Umfang gemacht wird? Und wenn ja, von wem? Mir selber ist diese These, außer hier im Forum, eigentlich noch nirgendwo untergekommen.

  • Da ich noch ziemlich jung bin, habe ich auch einigen Kontakt zu Jugendlichen. Und ich meine, ich gebe die Wahrheit wieder, wenn ich behaupte, die absolute Mehrheit möchte, wenn sie denn in die Oper geht, traditionelle Inszenierungen sehen, also das, was man sich eben von dem jeweiligen Stück erwartet: Don Carlo im Spanien des 16. Jahrhunderts, Die Meistersinger im Nürnberg des 16. Jahrhunderts, die Tosca im Rom des Jahres 1800 usw. Interessanterweise hat das auch scheinbar nichts mit der politischen Orientierung zu tun, denn ich weiß auch von links eingestellten Jugendlichen, dass sie Opern so sehen möchten. Von wegen also eine rein "konservative" und reaktionäre Gesinnung. Mein Eindruck ist, dass Leute (nicht nur Jugendliche), die selten oder nie in die Oper gehen, die Opern, wenn sie dann einmal gehen, genauso so sehen wollen, wie man es vorab eben erwarten darf. Und ich hörte schon oft die Aussage: Ja, man würde ja gerne mal "hineinschnuppern", aber die haarsträubenden modernen Inszenierungsideen würden zu sehr abschrecken. Na zum Glück gibt es noch Ausweichmöglichkeiten wie Prag ...

  • Ich bin jetzt 26 ( also wohl noch unter dem Durchschnitt der meisten Opernbesucher) und in meine erste Regietheaterinszenierung gelangte ich folgendermaßen...ich hole dazu etwas aus.... : Als ich um die zehn war bin ich das erste Mal mit meiner Großmutter in München in der Oper gewesen. Wir sahen uns die Berühmte im Dezember leider letztmalig gespielte Inszenierung von Hänsel und Gretel aus dem Jahr 1965 an, kurz darauf gefolgt von der Everding-Zauberflöte und einer der letzten Vorstellungen des Rennert-Figaros. Jedesmal las mir meine Oma überaus geduldig die Opernhandlung aus einem Jugendopernführer vor, den sie extra für mich gekauft hatte. Weil diese drei Aufführungen so wunderbar für ein Kind waren, beschloss Omi, sich mit mir auch noch eine weitere Opernaufführung anzusehen: Idomeneo. Also kaufte sie voller Freude zwei Karten für eine anstehende Neuproduktion und las mir, wie immer, die Handlung vor. Da war die Rede vom trojanischen Krieg,von einem König, von in Not geratenen Schiffen, von Stürmen, von Seeungeheuern, vom Poseidontempel mit einem Altar und von einem Orakel. All dies waren Dinge, die meine kindliche Phantasie ungemein anregten und so freute ich mich riesig auf meinen vierten Opernbesuch. Als der Vorhang aufging, kam die große Enttäuschung. Alles spielte sich in einem äußerst geschmacklosen, orangenen Kasten ab ,der hinten aufklappen konnte und der Chor trat in grün auf. Der König selbst trug Militäruniform und fuchtelte ständig mit einer Pistole herum. Ich war traurig und desillusioniert - und vor allem verwirrt: von der eigentlichen Handlund verstand ich nämlich nichts mehr. Als die Pause dann mitten im zweiten Akt stattfand und nicht nach einem regulären Aktende, machte es für mich keinen Sinn mehr der Aufführung weiter zu folgen, was dazu führte, dass ich für den Rest des Abends schlief. Erst gegen Ende, als sich ein Mann dafür entschied, bei laufender Vorstellung zu buhen, wurde ich unsanft geweckt. Meine enttäuschte Oma meinte nach der Oper nur: "Und ich dachte, im alten Griechenland gab es noch keine Pistolen."
    Diese schreckliche Vorstellung hätte fast dazu geführt, dass ich nie wieder in die Oper gegangen wäre.
    Das alte Programmheft von damals erzählt jedoch die Idomeneo-Handlung relativ normal, wobei dort allerdings von zwei Teilen anstelle von drei Akten die Rede war und jeder Hinweis auf das Ungeheuer weggelassen wurde... erst als ich als 13 jähriger fast durch Zufall an der Wiener staatsoper in eine klassische Don Carlo- Aufführung mit Nicolai Ghiaurov geriet und mir danach eine grandiose Aufführung von Rossinis Italiana in der Münchner Ponnelle- Inszenierung ansah, konnte ich mein negatives Urteil über die Oper vollständig revidieren.....

  • Ich glaube, ich gebe die Wahrheit wider, wenn ich sage, dass niemand in diesem Forum zu diesem Thema mehr als Anekdoten beizusteuern hat.
    Weder kann zuverlässig belegt werden, dass als "Begründung" für "Regietheater" typischerweise behauptet würde, dass "die Oper" so für junge Leute schmackhafter würde, noch hat jemand zuverlässige Daten über die Entwicklung der Altersstruktur der Opernbesucher in den letzten 40 Jahren oder die Freizeitgestaltungspräferenzen von ~15-30jährigen. Und das wären nur die Voraussetzungen, um die These be- oder widerlegen zu können. Selbst wenn die Altersstruktur der Opernbesucher sich noch stärker als der vorgebliche allgemeine Trend zu den Älteren hin verschoben hätte, könnte das an allen möglichen anderen Faktoren liegen, zB an einer Verdrängung der Oper durch die populären Musicals bei jüngeren Leuten oder einer besonderen Präferenz der reiferen Semester für das Regietheater :D
    Meiner begrenzten anekdotischen Erfahrung nach müsste man zudem zwischen Theaterbegeisterten (eher offener) und typischen Opernfreaks unterscheiden.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Also ich kann mit diesem "immer wieder kann man hören" nichts anfangen. Wo kann man das hören? Von wem? Wo steht das außer in Alfreds einleitenden Worten? Wer hat das wo und wann untersucht? Ich habe die Antworten von Joseph und Figaro gern gelesen, aber sie belegen noch nichts. Es sei denn wir überlassen das Thema den jungen Leuten. Am Ende haben wir hier nur wieder einen Thread gegen das sogenannte Regietheater, und einige Taminos werden sich in neuerlichen sprachlichen Ausfällen üben müssen, weil ihnen offenbar die Argumente ausgehen. Nerv!


    Rheingold

  • Ich konnte an der Rheinoper auch feststellen das grade bei den konventionellen Inszenierungen wie z.B. von Ponelle oder von der Hermanns La Traviata mehr jugendliche im Theater waren als bei moderneren Inszenierungen. Andersherum habe ich am Donnerstag in Duisburg ein Gespräch belauschen können zwischen zwei älteren Herrschaften die In der Staatsoper in Berlin Tosca besucht haben und fanden die Inszenierung von 1977 nicht mehr zeitgemäß und reif fürs Museum. Die Dame war bestimmt um die 80Jahre. Ich war kurz davor mich einzumischen und zu fragen , ob sie denn lieber einen Scarpia als Hitlerverschnitt oder Caveradossi und Tosca im Schlabberlook auf der Bühne sehen wollte, besann mich aber dann doch auf meine gute Kinderstube und sagt nichts.

  • Lieber MSchenk,


    Zu deiner in posting 2 gestellten Frage:
    Gerade letzte Woche wurde ein Interview mit unserem neuen Intendaten Homoki veröffentlicht, in welchem er äusserte, dass er dadurch, dass er seine Inszenierungen (und diejenigen seiner Kollegen) im Hier und Jetzt ansiedelt, der Oper neue Publikumsschichten erschliessen und vor allem auch die Jugend ansprechen möchte. Auch wenn ich diese Argumente als falsch empfinde, habe ich es ohne Polemik hier eingestellt.


    MfG

  • Hallo m.joho,


    Gerade letzte Woche wurde ein Interview mit unserem neuen Intendaten Homoki veröffentlicht, in welchem er äusserte, dass er dadurch, dass er seine Inszenierungen (und diejenigen seiner Kollegen) im Hier und Jetzt ansiedelt, der Oper neue Publikumsschichten erschliessen und vor allem auch die Jugend ansprechen möchte.


    danke, dass ist jetzt endlich mal eine konkrete Aussage! - Abgesehen davon, dass ich die These, man bekomme durch moderne Inszenierungen mehr junge Leute in die Oper, tatsächlich auch für nicht tragfähig halte (siehe auch hier), trotzdem die Frage: Kennt jemand weitere Aussagen, die in diese Richtung zielen?


    Übrigens: Was wollen wir eigentlich unter "Jugendlicher" verstehen? Z.B. besteht wohl ein wesentlicher Unterschied zwischen Kindern bis, sagen wir einmal, 12 Jahren, für welche konventionelle Inszenierungen wohl wirklich den besseren Zugang zur Oper darstellen und Jugendlichen von 12 oder 14 Jahren bis vielleicht 20 oder 25.

  • Gerade letztens berichtete mir ein gute Freund, er würde gerne mal hier bei uns in die Oper gehen, aber er sei schon seit Jahren nicht mehr in einer Aufführung gewesen. Die letzte sei so grauenvoll gewesen, man hätte die Handlung überhapt nicht verstanden und auf nackte Menschen in der Oper könne er auch verzichten. Er wollte sich eine klassische, möglichst italienische, Oper ansehen.
    Nun habe ich also überlegt, welche Aufführung ich ihm hier in Düsseldorf empfehlen könnte. Mit der Zauberflöte habe ich ja nun schon einmal gänzlich jemanden aus der Oper vergrault (die kannte ich vorher auch nicht und werde auch sicher nicht wieder reingehen).
    Ich finde eigentlich die Tosca vom Bühnenbild her ganz schön, aber wie erklärt man, warum der Angelotti (während er sich im Brunnen versteckt) mit am Esstisch sitzt? Und die Sache mit dem Klempner.....
    Die Bohème, bei der Mimi permanet die Weinflasche an den Hals ansetzt? Mit der völlig verkorksten Szene im Cafe Momus (ach ja, da waren ja auch schon wieder die nackten Menschen auf der Bühne).
    Der Rigoletto ist zwar eine wunderschöne Oper, aber die düsseldorfer Inszenierung mit der komischen Gartenlaube und den ganzen nackten Schaufensterpuppen? Die kann man wohl auch nicht empfehlen.
    Der Maskenball - meine absolute Lieblingsoper - aber auch in einer eher modernen Aufführung. War eigentlich zu ertragen, bis auf den Anfang, Gustavo im gelben Bademantel :no:


    Da ist mir erst einmal wieder aufgefallen, wie schwierig es ist, eine klassische Aufführung zu finden.


    Der Falstaff käme vielleicht in Betracht. Aber da gefallen mir andere Opern besser.

  • Mal von mir aus Sicht eines Jugendlichen. Als ich Alfreds Titel las fiel mir als erstes nur ein ironisches "Na sicher! " ein.


    Wir waren mittlerweile 2x mit dem Musikkurs in der Oper. Jeweils einmal wurden Luisa Miller und Sarka angesehen/angehört.
    Trotz der sehr guten Musik (besonders Sarka), die auch als solche empfunden wurde, kam fast immer das einstimmige Urteil, dass die Inszenierung komplett misslungen war. Entweder singt die Hauptdarstellerin noch obwohl sie tot ist, es fliegen tote Rehe von der Decke, etc. Die Liste ist lang.
    Ich glaube das historische oder wenigstens keine Opern mit Dessous etc. schon viel besser ankommen würden als die des Regietheaters. Bei meinen Klassenkameraden kann man auch immer mehr eine Vergangenheitssehnsucht spüren. Mir geht es genauso. Erst seit ich eine Oper in London gesehen habe weiß ich, was eine richtige Oper ist. Nämlich die Übereinstimmung von Musik, Wort und Szene. Wenn dies in der Oper (Schauspiel eigentlich auch) gegeben wäre, würde das Publikum in Scharen kommen. Man will schließlich nicht den "schreckligen Alltag " nochmal am Abend in Kurzform erleben.

  • Hallo Christian,


    ich meine nicht die Zauberflöte an sich, sondern die Zauberflöte in der Bibliothek.
    Ich habe darüber sehr gute Kritiken gelesen und war mehr als enttäuscht, nachdem ich sie gesehen habe. Meinen Bruder habe ich seit dem gar nicht mehr in die Oper bekommen.


    Hat Dir die Inszenierung gefallen?

  • Die Sache ist ganz einfach:


    1. Es gibte schlechte und es gibt gute Inszenierungen. Das lässt sich nicht an typisierten Inszenierungsformen festmachen und nur einzelfallweise diskutieren. Binsenweisheit. Punkt.


    2. Einer Antwort auf die Threadfrage lässt sich wie folgt näher kommen: Geld in die Hand nehem, Marktforschung beauftragen (Kontakt zu relevanten Zielgruppen und entsprechend ausgerichtet sind "yougov psychonomics " und "Rheingold ") und das Ergebnis diskutieren. Ein Tipp: auch wenn ich eine Omnibus-Umfrage (hat nichts mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zu tun!!!) für in dem Zusammenhang nicht tauglich erachten würde, eine solche gibt es schon ab 600,00 Euro.


    Alles andere ist Geschwätz und der immer wieder beliebte Versuch, die Runen des Kaffeesatzes für eine gewünschte Realität u nehmen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Die Sache ist ganz einfach:


    1. Es gibte schlechte und es gibt gute Inszenierungen. Das lässt sich nicht an typisierten Inszenierungsformen festmachen und nur einzelfallweise diskutieren. Binsenweisheit. Punkt.


    Auf diese apodiktische Feststellung, lieber Thomas, meine Replik:


    Die Sache ist ganz einfach:


    Es gibt werktreue und werkentstellende Inszenierungen. Ob diese gut oder schlecht gelungen sind, ist eine andere Frage. Binsenweisheit. Punkt (!?)

  • Nehmen wir das Ringen um Wagners Werk:


    Schon G.B. Shaw äußerte hellsichtig: Walhall is Wallstreet.


    Eine Inszenierung, die diese Perspektive übergeht, verwechselt einen philosophisch unterfütterten, bei allem Pessimismus auch ironischen Symbolismus mit einem mythologischen Realismus. Milletres Terminus der "Entstellung" ist ein delikates Meßinstrument. Eine Deutung der Traviata, die das Kammerdrama in der Visconti-Nachfolge zu einem Kostümstück macht (etwa die Maazel-Blue-ray mit der Gheorghiu), entstellt das Gegenwartsdrama, das Verdi komponiert hat, zu einem Kinoversatzstück ohne erkennbare gesellschaftliche Folie, wodurch gerade die intimen Gebärden, die das Kammerspiel ausmachen, in ihrer Beliebigkeit mißlingen. Es ist aber nicht die Aufgabe und Funktion des Theaters, clichierte Erwartungen aus der Garbo-Ära zu erfüllen.


    :hello:


  • Auf diese apodiktische Feststellung, lieber Thomas, meine Replik:


    Die Sache ist ganz einfach:


    Es gibt werktreue und werkentstellende Inszenierungen. Ob diese gut oder schlecht gelungen sind, ist eine andere Frage. Binsenweisheit. Punkt (!?)


    Lieber Fritz, ich freue mich, dass wir in der Sache einig sind.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zum ersten Punkt möchte ich die Frage daß es gute und schlechte Insztenierungen gibt, nicht erörtern, weil es hier icht Thema ist, kann mir allerdings den Seitenhieb nicht verknefen, daß gute Inszenierungen - bei allen im Theatermileu stets üblichen Freiheiten - keine Verfremdungen und zeitlichen Verschiebungen der Zeit und des Ortes vornehmen - alles andere ist Verballhornung.
    Auch wenn ICH heute eine Oper inszenierte (keine Angst, ich habe das nicht vor) wäre sie mit Sicherheit anders als Inszenierungen um 1900 - und selbst wenn ich im Stile von Zeffirelli, Schenk oder Hampe inszenieren WOLLTE - das Ergebnis wäre ein anderes. Somit ist ein gewisses Maß an Veränderung stets gegeben, schon in den siebzigern der 20. Jahrhunderts war jede Inszenierung anders. Bühneneffekte die im Libretto standen, aber vorher schwer glaubwürdig zu realisieren waren, konne man plötzlich durchführen.



    HIER geht es aber um die Frage, inwieweit Regietheater geeignet ist, Jugend das Theater schmackhafter zu machen, bzw ob dieses Argument je als solches benutzt wurde. Meist wird ja das "zeigenössische" Publikum . bzw Leute als Argument für Modernisierungen herangezogen, die bis dato am Medium "Oper" auffallend wenig bis gar kein Interesse gezeigt haben. Diese will man nun gewinnen, indem man das Medium "Oper" derart verstümmelt, bis eigentlich kaum mehr was davon übrigbleibt.


    WAs man bisher damit erzielt hat, ist das bisherige Publikum abzuschrecken - neue Schichten wurden kaum erschlossen. Und selbst WENN das der Fall wäre:
    Diese "neuen Publikumsschichten" die (angeblich) mit den historischen Hintergründen der so wenig vertraut sind, daß sie sich bei "konventionellen" Aufführungen "langweilen" - oder nicht "orientieren" können - sind in Wahrheit uninteressant. Sie sind eben nicht geeignet Oper zu geliessen. Oper so lange zu verderben, bis diese Leute sie akzeptieren kann und darf nicht das Ziel sein. Es ist so, als ob man die Regeln für ein Universitätsstudium so lange lockerte, bis jeder miteelmässig begabte Geist seinen Magisterabschluß schafft. Die Weichen in diese Richtung sind ja ohnedies gestellt.


    Wenn ICH meine, ob die Jugend Oper mag - oder nicht - dann meine ich jene jungen Leute, deren Potential dafür geschaffen ist.
    Leute die an Geschichte, an klassischer Musik, an Literatur und an Tradition Gefallen finden. Die hat es immer gegeben - und wird es (hoffentlich) noch lange geben.
    Gerade die aber werden durch die derzeitigen Zeitströmungen vergrault.


    Um das zu sehen brauche ich keine teuren oder weniger teuren Statistiken - das lässt sich auch so ermitteln.
    Eine konservativ empfindende Jugend (man siehe diverse Wahlergebnisse) ist im Vormarsch.
    Und wenn die mal das Sagen hat - dann werden sich vermutlich einige "Künstler" warm anziehen müssen......


    mit freundlichen Grüßen
    Alfred

  • Um das zu sehen brauche ich keine teuren oder weniger teuren Statistiken - das lässt sich auch so ermitteln.
    Eine konservativ empfindende Jugend (man siehe diverse Wahlergebnisse) ist im Vormarsch.
    Und wenn die mal das Sagen hat - dann werden sich vermutlich einige warm anziehen müssen......

    Es gibt einen Unterschied zwischen konservativ und rechtsradikal. Aber diese "Vision" einer politischen Einflussnahme auf die programmatische Arbeit des Theaters erinnert mich leider gerade an die Entwicklung in Ungarn: "Kulturrevolution von Oben".


    Die Einflussnahme auf die Theater- und Opernprogramme sollte eher als bürgerliches Engagement von denen kommen, die anderes sehen und genießen wollen, als über Parteiprogramme, welcher Art auch immer.


    Christian

  • Das hat ja in Duisburg für die Erhaltung der Rheinopernehe mit Düsseldorf z.B. anhand der Unterschriftensammlung der Bürger geklappt. Vielleicht solten wir mal eine Unterschriftensammlung gegen das RT durchführen

  • Ob man mit Schlagworten wie konservativ weiter kommt, lieber Alfred, ist die Frage - wenn Mann/Frau sich selber in diese "Schublade" steckt, dann ist es wohl eher nicht eine Frage.


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Das hat ja in Duisburg für die Erhaltung der Rheinopernehe mit Düsseldorf z.B. anhand der Unterschriftensammlung der Bürger geklappt. Vielleicht solten wir mal eine Unterschriftensammlung gegen das RT durchführen

    Ich finde es meist effektiver, FÜR das Gewünschte zu sein als gegen das unerwünschte. Das führt zu besseren Ansätzen der Diskussion, außerdem zeigt man Alternativen auf.


    Allerdings sind nicht alle solche Initiativen erfolgreich. Die Bürgerinitiative DASGANZEWERK (Webseite ) hatte sich im Norden dagegen stark gemacht, dass der NDR zur reinen Salamitaktik übergeht, was die Ausstrahlung klassischer Musik betrifft - also nur noch Einzelsätze spielt. Die Initiative ist gescheitert, und der Sender ist (zumindest für mich) unhörbar geworden. Aber das ist ein anderes Thema und in diesem Thread damit offtopic.

  • Zur Überschrift: Tja, wo sind sie denn dann - die Jugendlichen? Die müssten die Theater doch regelrecht stürmen bei dem Überangebot!!!! Welch glücklich Zeit für die Jugend, europaweit zu 98 Prozent nur Regietheater!!!!!


    Frage an die "altgedienten" Operngänger hier im Forum: Haben vor 30, 40 oder 50 Jahren nennenswert mehr Jugendliche (im Alter zwischen 14 und 25 Jahren) die Opernhäuser freiwillig also aus eigenem Antrieb besucht?

  • Nehmen wir das Ringen um Wagners Werk:


    Schon G.B. Shaw äußerte hellsichtig: Walhall is Wallstreet.


    Eine Inszenierung, die diese Perspektive übergeht, verwechselt einen philosophisch unterfütterten, bei allem Pessimismus auch ironischen Symbolismus mit einem mythologischen Realismus. Eine Deutung der Traviata, die das Kammerdrama in der Visconti-Nachfolge zu einem Kostümstück macht (etwa die Maazel-Blue-ray mit der Gheorghiu), entstellt das Gegenwartsdrama, das Verdi komponiert hat, zu einem Kinoversatzstück ohne erkennbare gesellschaftliche Folie, wodurch gerade die intimen Gebärden, die das Kammerspiel ausmachen, in ihrer Beliebigkeit mißlingen. Es ist aber nicht die Aufgabe und Funktion des Theaters, clichierte Erwartungen aus der Garbo-Ära zu erfüllen.


    Du schreibst und ich kann nur heftig nicken, lieber Farinelli :yes::thumbup: