Tomaso Albinoni

  • Tomaso Albinoni (geb. 1671 in Venedig - gest. 1751 in Venedig)


    Im Gegenensatz zu Vivaldi musste Albinoni nicht für seinen Lebensunterhalt arbeiten. Als Sohn eines reichen venezianischen Papierhändlers, er gehörte zu den angesehendsten Persönlichkeiten der Lagunenstadt, hatte er die Möglichkeit die Musik als "Hobby" zu betreiben.


    Obwohl er der älteste Sohn war und die Tradition ihn eigentlich dazu verpflichtete die Geschäfte seines Vaters weiterzuführen, stand der Vater den musikalischen Neigungen seines Sohnes nicht im Wege, ganz im Gegenteil - sein Vater legte testamentarisch fest, dass die beiden jüngeren Brüder, welche die Geschäfte nach seinem Tode übernahmen, ihrem älteren Bruder eine stattliche Rente zu zahlen haben. Dies garantierte Tomaso die künstlerische Unabhängigkeit.
    Zwar versuchte er in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, doch nach dem Tode des Vaters widmete er sich ausschließlich der Musik.



    Canale Grande in Venedig (Gemälde von Canaletto)


    Alessandro Marcello ein Zeitgenosse komponierte ebenfalls als "Hobby", da er ettliche Hohe Ämter in der Stadt Venedig besaß hatte auch er es nicht nötig mit der Musik seinen Unterhalt zu finanzieren.


    Bemerkenswert ist das hohe Niveau der Kompositionen Albinonis, auch wenn er als Diletant gilt so sind seine Kompositionen denen seiner Zeitgenossen ebenbürtig wenn nicht sogar überlegen.


    Er versuchte sich wie alle venezianischen Musiker auf dem Gebiet der Kirchenmusik, doch hatte er damit keinen Erfolg, die Oper lag ihm mehr und so sollten 80 (!) Werke aus seiner Feder stammen, 50 davon sind erhalten.
    Die Oper "Pimpinone" ist die bekannteste und auch eine der am häufigsten eingespielten Bühnenwerke Albinonis.


    Tomaso Albinoni


    Hohes Ansehen gewan Albinoni durch seine Instrumentalkompositionen.
    Seine Concerti und Sinfonias waren in ganz Europa verbreitet und besonders bei Amateurmusikern beliebt.
    Sein Nahme wurde in einem Atemzug mit Corelli und Vivaldi genannt und alle größeren Höfe Europas hatten Abschriften seiner Werke.


    Auch Bach war fasziniert von den Kompositionen Albinonis und so enstanden einige Fugen nach Themen des Venezianers.


    Seine wohl berühmtesten Kompositionen sind die von ihm publizierten Oboenkonzerte - er war der erste der solche Konzerte in den Druck gab.
    Vor allem in Amsterdam wurden seine Werke ohne unterlass gedruckt.


    Er selbst bereiste Europa, seine Ehefrau Margarite, eine Opernsängerin trat vor dem bayrischen Kurfürsten in München auf. Er schrieb eine ganze Reihe von festlichen Bühnenwerken für den Hof in München.


    Und es schein so als wäre Albinoni öfter Gast am kayserlichen Hof in Wien gewesen, denn er erhielt den Auftrag ein festliches Oratorium zur Feier der Geburt von Maria Theresia zu komponieren "Il Nasciemento dell'Aurora"


    Umso bedauerlicher ist es, dass ein derart produktiver und genialer Komponist Heute für etwas berühmt ist, was er gar nicht selbst geschrieben hat.


    Sein "Adagio in g-moll" ist eine Komposition des italienischen Musikwissenschaftlers Remo Giazotto, er schrieb dieses Stück in den 40er Jahren auf eine nur fragmentarische Basslinie Albinonis.
    Allerdings dürfte jedem der etwas von Barockmusik versteht sofort deutlich werden, dass diese Stück niemals aus dem 18. Jahrhundert stammen kann...


    Einige Aufnahmen die es zu endecken gilt wenn man an der echten Musik Albinonis interessiert ist als Einstieg:



    Oboenkonzert aus Op. 9
    Anthony Camden (Oboe) / The London Virtuosi / John Georgiadis


    Auch wenn hier auf modernem Instrumentarium gespielt wird, ist diese Aufnahme und die beiden Folgeaufnahmen der Serie absolut zu empfehlen.



    Eine der hochgelobten Einspielungen des Ensembles diesmal mit Werken aus Op. 5



    Albinonis Schäferspiel für die Geburt Maria Theresias.
    Als Vokalkomponisten muß man ihn unbedingt kennenlernen.

  • Hallo!
    Von Albinoni besitze ich nur die Eloquence-CD, da sind hauptsächlich Oboenkonzerte drauf. Warum Vivaldi heute so viel bekannter ist als Albinoni weiß ich nicht. Sie haben zur selben Zeit in der selben Stadt gewirkt, in ähnlichem Stil komponiert. Ich finde nicht, daß Vivaldi irgendwie "besser" komponiert hat (wenn ich mit Bläserkonzerten von Vivaldi vergleiche).
    Das Adagio ist auch auf der CD.

    Zitat

    Allerdings dürfte jedem der etwas von Barockmusik versteht sofort deutlich werden, dass diese Stück niemals aus dem 18. Jahrhundert stammen kann...


    Stimmt irgendwie schon. Aber wenn nun Albinoni draufsteht... Die "Sinfonia Al Santo Sepolcro" klingt für mich auch ganz anders als die anderen Vivaldi-Werke, die ich kenne, ist aber wohl von ihm.
    Allerdings ist auf der Eloquence-CD das Adagio nicht so "entartet" wie in der Karajan-Aufnahme dargeboten.
    Ich halte mich nun aber eher an die Oboenkonzerte, die sind sowieso schöner.
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Nun das Adagio ist garantiert nicht von ihm.


    Aber wie Du schon geschrieben hast, die Oboenkonzerte sind um vieles schöner - gerade schon wegen der "echten" Adagios :D
    Das Concerto No. 2 Op.9 d-moll ist mit Sicherheit eines der schönsten barocken Instrumentalkonzerte überhaupt.


    Was vielleicht auch noch ganz amüsant ist, sind die sogenannten Trompetenkonzerte - meistens in der Interpretation von Maurice André auf der "Bachtrompete".


    Naja das Instrument ist eine Erfindung des späten 19. Jahrhunderts und sämmtliche Trompetenkonzerte sind Transkriptionen, d.h. eigentlich Konzerte für Oboe.


    Aber was soll's, ist trotzdem mal ganz nett zwischendurch, nur irgendwie war ich damals verblüfft das man es nicht für nötig hielt das auch dazu zuschreiben.

  • Das Adagio in g-moll ist nun nachweislich eine Fälschung.


    Ich hatte mir das ohnehin gedacht, da es so dermaßen unbarock geklungen hat - nun wurde es aber mehr oder weniger eindeutig bestätigt.



    Remo Giazotto beruft sich ja auf eine Basslinie die in der Musikalienabteilung der Dresdener Bibliothek gelegen haben soll.
    Diese soll ihm um 1946 geschickt worden sein. *hüstel*



    (seit wann verschicken Bibliotheken historische Handschriften ? )


    Diese Basslinie soll also der Grundstock für das Adagio gewesen sein.
    Die Bibliothek in Dresden hat aber bekannt gegeben, dass niemals etwas an Herrn Giazotto geschickt wurde, bzw, auch dass keine Basslinie von Albinoni sich je in dem Besitz der Bibliothek befunden hätte.



    Also - nichtmal das Fragment auf dass er sich beruft existiert. Eine schlichte Fälschung - die, man muß es zugeben, aber Albinoni wieder ins Gespräch gebracht hat.



    Aber verlieren wir keine weiteren Worte über diesen Schnulz, denn Albinonis echte Werke sind ohnehin viel packender und interessanter.
    Seit kurzem werden ja auch seine Opern wieder gespielt.
    Eine Serenata die eventuell von ihm sein könnte, wurde von Andrea Marcon aufgenommen (allerdings kommt auch Vivaldi als Autor in Frage...):





    Andromeda Liberata - Serenata Veneziana
    Simone Kermes, Katerina Beranova, Mark Tucker,
    Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon



    das wird jedenfalls meine nächste Anschaffung sein, allein schon wegen der göttlichen Simone Kermes :lips:

  • Lullist, vielen Dank für die Einrichtung dieses Threads:


    Albinoni ist einer meiner ganz wenigen Hausgötter. Ich lieeeeebe die Concerti a cinque op. 5, sie waren vor 25 Jahren Teil meiner Vorbereitung auf die Examensklausuren, und ich höre sie heute noch so gern wie damals.


    Auch die Ca5 op. 7 oder die Obenkonzerte sind große Musik, vom Charakter eher ein wenig an Händel als an Bach oder Vivaldi erinnernd.


    Gute-Laune-Musik im allerbesten Sinn des Wortes, sollten sie jeden verzaubern können, der ein offenes Ohr für italienische Barock-Strukturen hat.



    btw, habe ihn auch schon des öfteren als Tommaso, also mit 2m, gesehen - wat is denn nu richtig ?

  • Zitat

    Original von m-mueller
    btw, habe ihn auch schon des öfteren als Tommaso, also mit 2m, gesehen - wat is denn nu richtig ?


    Im New Grove Dictionary steht Tomaso Giovanni Albinoni, geb. 14. Juni 1671, gest. 17. Januar 1751 in Venedig.


    Er war sehr produktiv - das Libretto seiner vorletzten Oper Candalide von 1734 sagt, es sei die 80.!
    Erhalten sind etwa 50, der Rest mag die Intermezzi und Arbeiten in privatem Auftrag bedeuten.
    Es gibt über 40 Solokantaten; 79 Sonaten für 1 bis 7 Soloinstrumente, Kirchen- wie Kammerstil oder gemischt; 59 Konzerte; 8 Sinfonien (außerhalb der Bühnenwerke).


    Aus meinen Beständen kann ich diese CD empfehlen, die noch dazu sehr preisgünstig zu haben ist:



    Die sechs Concerti a Cinque op. 9 (erstes Buch,also Nr. 1-6), gespielt vom ungarischen Concerto Armonico, mit u.a. den italienischen Oboisten Alfredo Bernadini und Paolo Grazzi vom Ensemble Zefiro als Solisten.

  • Wer den direkten Vergleich mit Vivaldi anstellen will, kann bequemerweise einfach diese CD von Paul Goodwin, The King's Consort und Robert King spielen (Hyperion):



    Vivaldi: Concerto in C Major for two oboes, two clarinets and strings
    Albinoni: Concerto in G Major for two oboes
    Vivaldi: Oboe Concerto In F Major
    Albinoni: Concerto in C Major for trumpet, three oboes, bassoon and continuo
    Vivaldi: Oboe Concerto In D Minor
    Albinoni: Concerto in C Major for two oboes
    Vivaldi: Concerto in C Major for two oboes, two clarinets and strings


    Ich würde die beiden Komponisten bei einer Blindverkostung wohl nicht auseinanderhalten können. Von dem ausgehend, was ich bisher von Albinoni gehört habe, ist er kein bißchen schlechter als der rote Priester.


    Im Moment läuft eine Serenata "Climene", mit den Sängern Isabelle Poulenard, Dominique Visse und John Elwes, und dem Ensemble Baroque de Nice geleitet von Gilbert Bezzina (Adda, 1988, leider vergriffen). Sehr schön und genauso gut wie die Serenaden von Vivaldi .... inzwischen preiswert wiederveröffentlicht, ich habe noch die erste Ausgabe:


  • ich habe dieses Werk in einer älteren Einspielung mit Scimone (bei Erato) :



    Albinoni: Il Nascimento dell'aurora
    I Solisti Veneti / Scimone



    allerdings ist das keine Oper.
    Sondern eine "Festa Pastorale per 5 Voci" und damit eher eine ausufernde allegorische Kantate.


    Da ich die Interpretationen von Clemencic durch die Bank als furchtbar empfinde, würde ich auch dazu raten, lieber zu dieser Einspielung zu greifen, wenn man sich unbedingt dafür interessiert.


    Das Werk selbst scheint für den kaiserlichen Hof in Wien geschrieben worden zu sein.
    Aber das sind nur Vermutungen.
    Im Beiheft geht man sogar so weit, dass man vermutet, dass damit die Geburt von Maria-Theresia gefeiert wurde, die spätere Kaiserin.



    Die Interpretation ist ganz solide, natürlich etwas betagt (1985) aber dennoch sehr schön.
    es gibt in dem Werk wirklich einige sehr schöne Arien, vor allem die Arie des Apollo die mit einer Erzlaute begleitet wird ist hinreißend schön.
    Ansonsten typischer Albinoni und venezianische Musik vom feinsten.


    Ich mag das Stück! :)

  • seitdem ich auch die von mir eher geschmähten Italiener bzw. Venezianer in ordentlichen HIP Einspielungen zulege, wandelt sich auch meine Sicht auf deren Musik (ein Glück - denn was hätte ich da verpasst)



    vor Kurzem kaufte ich so die wohl bekannteste Sammlung Albinonis (Op. 9 - die Oboenkonzert) in einer wunderbaren Aufnahme:




    Albinoni: 12 Concerti Op. 9
    The Academy of Ancient Music / Hogwood



    die Interpretation ist absolut fabelhaft.
    Neben den Solo Oboenkonzerten sind im Op. 9 aber auch Concerti für 2 Oboen oder Violine enthalten.
    Das ganze ist übrigens dem sehr kunstsinnigen Max Emanuel Von Bayern gewidmet.
    Und der dürfte sich über so herrliche Musik auch mehr als gefreut haben.


    Albinoni ist keinesfalls der 2. Mann aus Venedig.
    Seine Konzerte sind denen von Vivaldi ganz sicher ebenbürtig.
    Ich habe ihn seit je her dem roten Priester vorgezogen.


    Albinonis Concerti sind wunderbar abwechslungsreich und snnlich.
    Es wird sehr elegant gespielt, man verzichtet dankenswerter Weise darauf seine Musik genauso ruppig zu spielen, bzw. zu kratzen wie man das bei Vivaldi macht (Spinosi / Biondi etc.)


    eine weitere Sammlung die mich sehr begeistert hat, war Op. 5



    Albinoni: Concerti Op. 5
    Ensemble Musicum 90 / Standage


    hierbei handelt es sich allerdings um reine Streicherkonzerte. Aber auch hier war ich nicht minder angetan. Kein Wunder das Albinoni so gefragt war - das ist einfach tolle Musik.

  • Dies ist der Versuch zwei verloren gegangene Beiträge zu "rekonstruieren".
    Ich bin mit den Concerti op. 10 von I musici sozusagen "aufgewachsen".
    Jetzt gibt es zum Glück auch zwei Einspielungen der Sonaten (bzw. Sinfonien) Op. 2, wobei diejenige, die ich hier vorstellen möchte, auch noch die sechs Concerti enthält. Die Aufnahme, die mich so begeistert, ist eben jene mit den Concerti vom Ensemble Insieme Strumentale di Roma



    Laut Beipackzettel ist das Besondere an diesen Stücken, dass Albinoni zwei getrennte Bratschenstimmen einsetzt. Was mir besonders gefällt sind die als fünfstimmige Fugen angelegten Sätzen, in denen man die zum Teil aus Mittenwald stammenden Instrumente - besonders die Bratschen - wunderbar an ihrem charakteristischen Klang unterscheiden kann. Das erzeugt ganz wunderbare Effekte. Die CD ist inzwischen meine absolute Lieblings-CD.

    Einmal editiert, zuletzt von seicento () aus folgendem Grund: die Partnerlinks funktionieren nicht. Ich dachte ich hätte was falsch gemacht. Sorry

  • Ich hab's wohl mit den geraden Opus-Nummern von Albinoni ^^
    Nachdem mir die Sonaten und Concerti op. 2 so gut gefallen haben, hab ich mir nun die Einspielung der Sonaten Op 4 und 6 vom Locatelli-Trio zugelegt.



    Das "Booklet" (auch in deutsch) von Hyperion gibt es hier.
    Die Sonaten gefallen mir trotz der spärlichen Besetzung (Op 4: Violine und Orgel; Op 6: Violine, Cello und Cembalo) sehr gut.
    Die schnellen Sätze haben deutliche Anklänge von Tanzmusik beibehalten (Zitat aus dem Heft) und sprühen vor Lebensfreude.
    (Ich werde langsam großer Fan von Elizabeth Wallfisch - das Locatelli Trio heißt inzwischen übrigens Convivium).
    Bei der Suche nach noch mehr Instrumentalmusik von Albinoni habe ich nur eine ziemlich schlechte Einspielung von Balletti a tre Op 3 gefunden. Kennt jemand eine bessere ?

  • Hallo, im Moment arbeite ich an einer Zusammenstellung meiner Lieblingsbarockmusik für Auto und Urlaub und habe dabei u.a. Albinonis 3. Konzert (für Oboe) aus opus 7 aufgenommen. Mir liegt eine ältere Aufnahme



    (CD 2) Anthony Camden - Oboe; The London Virtuosi /John Georgidas

    und eine Version für Sopranflöte mit Michaela Petri/ I solisti veneti vor.



    Obwohl ich sonst ein großer Flötenfan bin, ziehe ich hier eindeutig die Version für Oboe vor. Den ersten Satz nehmen die "I solisit di veneti" mit Petri viel zu schnell, das Adagio ist besser, jedoch passt die Oboe viel besser zu dem elegischen Thema als die Sopranflöte.


    Was mir neben dem schönen Adagio besonders gefällt, ist die Kombination Oboe - Solovioline.


    Habt ihr noch einen besonders hörenswerten Tipp aus Op. 7 und 9 für Oboe?


    tukan

  • Hey Tukan,


    Op.7, Konzert 1, 3.Satz - schmissige Fuge (wie oft bei Albinonis dritten Sätzen), wir haben die gleiche Aufnahme (Camden).
    Op. 9, Nr. 12 finde ich auch besonders gelungen und ganz besonders Op 9, Nr. 2, der langsame Satz, wunderbar, wie sich die Oboe über das Basso Continuo legt.


    Ansonsten: schon mal Op. 5 gehört?

  • "Der Lullist" hat bereits soviel Biographisches über diesen letzten bedeutenden venezianischen Komponisten der Barockzeit als Einführung geschrieben, und auch seine persönliche Einschätzung zu TOMASO ALBINONI zum Ausdruck gebracht, daß damit ein wichtiger Beitrag an Wiedergutmachung gegenüber diesem für so lange Zeit fast vergessenen großen italienischen Komponisten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geleistet wurde. Was ALBINONI als "Dilettant" an Werken geschaffen hat, ist gigantisch, nicht nur zahlen-, sondern auch qualitätsmäßig, man denke allein nur an die über 80 Bühnenwerke, die er schuf. Dabei verdankt er die Tatsache, daß er heute wieder so hohes Ansehen genießt und wie zu seinen Lebzeiten mit VIVALDI und CORELLI auf die gleiche Stufe gestellt wird, nicht etwa seinen Opern, die sich zu sehr an den Themen seiner Zeit orientierten, sondern in allererster Linie seiner Instrumentalmusik.


    Besonders hervorzuheben sind dabei in der Gattung "Kammermusik" seine 12 Triosonaten op. 1, seine zwölf "Balletti a tre" op. 3, seine zwölf "Balletti e Sonate a tre" op. 8, und seine Violinsonaten "Sonate da chiesa" op. 4.


    Nicht minder hörenswert und beliebt sind auch seine Orchesterwerke, vor allem seine zwölf "Concerti a cinque" op. 5, die zwölf Konzerte op. 7 mit Oboe als Soloinstrument, seine zwölf "Concerti a cinque" op. 9, sowie die späten Streicherkonzerte op. 10.


    Eines meiner liebsten Albinoni-Werke ist die "Sonate A-Dur für Oboe, Violine, Gambe und Cembalo".


    Wenn auch Albinonis vermeintliches berühmte "Adagio g-moll für Streicher und Orgel ", mit ziemlicher Sicherheit nicht von ihm stammt und auch stil- und anlagemäßig auch nicht der Musik des 18. Jahrhunderts entspricht, so meine ich doch, daß das Werk für sich nicht uninteressant ist. Nicht umsonst wurde es in der Vergangenheit von einer Vielzahl von Orchestern gespielt und auf Tonträger aufgenommen. Es gibt davon durchaus einige sehr seriöse und kunstvolle Einspielungen, wie z. B. durch RUDOLF BAUMGARTNER mit seinen vorzüglichen FESTIVAL STRINGS LUCERNE und WALTER PRYSTAWSKI Solo-Violine und EDUARD KAUFMANN Orgel, oder auch durch LOUIS AURIACOMBE und seinem exzellenten "ORCHESTRE DE CHAMBRE DE TOULOUSE, eine Aufnahme mit viel Klangsinn, Form- und Stilgefühl.


    Schließlich gibt es dieses Werk auch in einer sehr empfehlenswerten Version mit Violine statt der Orgel, und zwar mit KARL RISTENPART und seinem KAMMERORCHESTER DES SAARLÄNDISCHEN RUNDFUNKS, und mit dem erstklassigen GEORG FRIEDRICH HENDEL als Violinsolisten. Eine Aufnahme mit flüssigen Tempi, schlanker Tongebung des Orchesters und lebendigem, stilsicheren Musizieren.


    Viele Grüße


    wok


  • Hallo,


    die 12 Concerti Op. 7 habe ich mit dem Berliner Kammerorchester - die CD ist nicht mehr am Markt.


    Beide, Op.5 und 7, sind "leichte Kost" - was mir besonders aufgefallen ist, dass Albinoi sehr "zündende" Themeneinfälle hat.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Mit dem Ballett G-Dur op. 3 Nr. 3 (1701) fängt diese CD an. :jubel:
    Hoffentlich gibt es bald alle Balletti Opus 3 in dieser Qualität.


    desweiteren:
    Bonporti: Sonata op. 6 Nr. 7
    Vivaldi: Folia op. 1 Nr. 12
    Bononcini: Sonata II aus "XII Sonatas for the Chamber"
    Porpora: Sonata op. 2 Nr. 3Sammartini: Sonata V aus "XII Sonate, Opera Terza"
    Locatelli: Sonata D-Dur op. 8 Nr. 8
    Gallo: Sonata r. 1 G-Dur
    Tartini: Suonata a tre d-moll

  • Lieber seicento - "seid wann gehst Du fremd?"


    Zukünftig (sind) werden solche Musikbeiträge zumindest in Reimen (geschuldet) "erwartert".


    LG
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • In diesem Thread fehlen noch Hinweise auf Albinonis Kammermusik. Gerade gestern ist eine cpo Aufnahme (Parnassi musici) seiner Triosonaten op. 1 bei mir eingetroffen.



    Und ich muss sagen, ich bin begeistert! Die Werke strotzen vor Kontrapunkt - jede Triosonate enthält einen fugierten Allegro-Satz - und griffigen Themen. Die Werke entstanden nach dem Vorbild Corellis, übertreffen dessen Werke aber mMn in puncto Schönheit deutlich. Seltsamerweise ist diese Einspielung offensichtlich die einzige dieser Werke - für mich schwer verständlich.

  • Hallo,


    nachdem ich nun doch meine CD bei Amazon gefunden habe, ergänze ich meinen Beitrag Nr. 16


    Man wirft Vivaldi oft vor, ein Teil seiner vielen Concerti grosso wären sehr ähnlich, würden sich wiederholen etc.


    Wenn ich mir nun die 12 Concerti grosso op. 5 von Albinoni anhöre, dann fällt mir auf, dass deren Struktur sehr einheitlich, gleichförmig (um nicht zu sagen eintönig) ist: Schnell – langsam – schnell und jeder 3. Satz setzt fugiert ein, ohne eine Fuge zu sein.


    Bei den langsamen Sätzen gibt es nur unwesentliche Abweichungen: Die Nr. 1, 4, 7,10 sind nur knapp je über 1 min. und stellen quasi eine Art verlängerte Kadenz dar, in welcher eine gewisse Spannung aufgebaut wird, aber am Ende die Rückkehr zur Grundtonart des langsamen Satzes erfolgt und nicht ein Überleitungs-/Kadenzakkord zum 3. Satz (siehe Brandenburgisches Nr. 3). Bei den Nr. 2, 5, 8, 11 handelt es sich tatsächlich um Adagio-Sätze, die aber auch kadenzartig sind . Bei den Nr. 3, 6, 9, 12, handelt es sich um Adagio-Sätze mit einem mittig kurzen Prestoteil, sind aber auch kadenzartig; die Nr. 3 ist das einzige 4-sätzige Concerto, was aber daran liegt, dass der 1. Adagioteil der 2. Satz ist und der Presto- und 2. Adagioteil der 3. Satz, es sich also um das Schema der Nr. 6, 9, 12 handelt.
    Dass die 12 Concerti dennoch nicht sofort langweilig werden, liegt an den sehr verschiedenen, originellen musikalischen Einfällen (Motiven), besonders in den stets schnellen Anfangssätzen.


    Wie sieht’s nun aus bei den 12 Concerti grosso op. 7?
    Genauso wie in op. 5 und doch ganz anders, weil in/mit absoluter Regelmäßigkeit in den 12 Concerti ein Wechsel erfolgt von nur Streichersatz, dann mit 2 Oboen (die stets homophon geführt werden) und mit nur einer Oboe. Nachdem die Akkordfolgen absolut vorher hörbar sind, also keinerlei Überraschung bieten (das gilt auch für op. 5) und der Wechsel in der Solobesetzung sehr regelmäßig erfolgt, bleibt nur, mich an den meist guten Themeneinfällen in den jeweiligen Sätzen „hoch zu ziehen“, um nicht der Langeweile anheim zu fallen. (Zumindest bei diesen 24 Concerti grosso höre ich mehr Austauschbarkeit als bei Vivaldi.) An meinem Resümee aus Beitrag 16 ändert sich also wenig.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo Zweiterbass,


    schon erstaunlich, wie fern manche Beurteilungen von Leuten liegen können, die ansonsten doch wieder ein eher ähnliches Qualitätsempfinden haben.


    Albinonis op. 5 gehört für mich zum Besten, was die Musik aller Zeiten und Orte bisher überhaupt hervorgebracht hat. Es ist eine der wenigen tragenden Säulen meines Musikgebäudes.

  • Hallo m-mueller,


    was Dir mein Beitrag bestimmt nicht vermiesen kann und noch weniger soll.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo m-mueller,


    es gibt doch nicht nur Albinoni - Du und ich haben doch in anderen Threads ziemliche Übereinstimmung. Wo liegt mein Anteil, dass Du schneller "verdauen" kannst (mein Beitrag war von mir gewiss nicht als Tiefschlag gemeint).


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo zweiterbass,
    könntest du die Beispiele aus dieser CD auch mal Probe hören? Wie würdest du die im Vergleich zu Opus 5 und 7 einschätzen? Die Sonaten (ungerade Nummern) haben immer vier Sätze, die Concerti (gerade Nummern) haben drei oder auch mal fünf Sätze (Nr. 4 ud 12). Die langsamen Sätze sind oft sehr kurz, aber auch manchmal herzzerreißend schön. Die letzten Sätze - meistens fugenartig aufgebaut mit fünf Stimmen (zwei davon wunderschön klingende Bratschen) gefallen mir besonders.


    1. Sonata a 5 G-Dur
    2. Concerto a 5 F-Dur
    3. Sonata a 5 C-Dur
    4. Concerto a 5 e-moll
    8. Concerto a 5 G-Dur
    12. Concerto a 5 D-Dur


    Concerto 6 hab ich von Ensemble 415 gefunden. Das zu hören ertrag ich fast nicht wegen dieses ständigen Schmachtens im Ton. Das klingt mir zu schmalzig.


    Viele Grüße


    seicento

  • Nachdem ich die von Seicento genannte CD (op.2) nun auch besitze (und seit letztem Jahr auch die in #20 genannte mit op.1 von cpo) würde ich auch allen Interessierten empfehlen, in beide reinzuhören (zumal beide nicht allzu teuer sind). Vielleicht nicht ganz so eingängig wie die späteren Concerti (die ich, soweit ich sie halbwegs kenne, aber auch recht gerne mag), sind das tendenziell "ernstere" Werke, kontrapunktischer und vermutlich auch harmonisch waghalsiger. Allerdings folgen die Sonaten weitestgehend in der Form dem Corelli-Modell: langsam - schnell (oft fugiert)- langsam - schnell (oft eher tänzerisch).


    Jedenfalls scheint mir Albinoni insofern etwas unterschätzt zu sein, dass fast nur die Oboenkonzerte bekannt sind, die kammermusikalischen Stücke aber kaum.


    Wenn man Abweichungen/Erweiterungen dieser Satzfolge und stärker charakterisierte Einzelsätze hören will, würde ich Händels Concerti grossi empfehlen (aber das gehört nicht hierher).

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo m-mueller,


    es gibt doch nicht nur Albinoni - Du und ich haben doch in anderen Threads ziemliche Übereinstimmung. Wo liegt mein Anteil, dass Du schneller "verdauen" kannst (mein Beitrag war von mir gewiss nicht als Tiefschlag gemeint).


    Viele Grüße
    zweiterbass


    Habe ich auch nicht als Tiefschlag aufgefaßt - ist verdaut.

  • Hallo zweiterbass,
    könntest du die Beispiele aus dieser CD auch mal Probe hören?


    Hallo seicento,


    das habe ich gemacht. Deine Aufnahmen kommen bei mir sehr viel besser an; das ist aufgeschlossener und freier, weniger nach "Schema F". Meine Aufnahme ist aus 1974, Deine aus 2006 (?) - das macht zusätzlich einen großen Klangunterschied (das akustisch deutlicher hervortretende Cembalo hat daran viel Anteil, auch die kleinere, aber doch klangvollere Streicherbesetzung). Außerdem habe ich ja schon gepostet: Der Erfindungsreichtum seiner oft sehr eingängigen Themen/Melodien ist bewundernswert (das lässt mich an Mozart denken, der darin ja auch ein großer Meister war, wenngleich in einem anderen Stil).
    Deine Meinung zu 415 teile ich, in den langsamen Sätzen besonders auffallend.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler


  • Ich besitze diese CD mit Albinonis op.2,
    die identisch ist mit der späteren Auflage u.a. Cover (Beitrag 26).
    Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1998.
    Wie bei vielen anderen CDs von Stradivarius macht sich auch hier
    die hervorragende Aufnahmetechnik bemerkbar.
    Wobei mit Aufnahmetechnik nicht nur die Gerätschaften
    sondern vor allem das "know how" wie Aufnahmeort,
    Aufstellung der Mikrophone etc. gemeint ist.