HAYDN, Franz Joseph: DIE JAHRESZEITEN

  • Tamino Oratorienführer
    Franz Joseph Haydn (1732-1809):


    DIE JAHRESZEITEN
    Oratorium in drei Teilen für Soli (STB), Chor (SATB) und Orchester
    Libretto von Gottfried van Swieten nach The Seasons“ von James Thomson


    Uraufführung am 24. April 1801 in Wien, Palais Schwarzenberg



    SOLISTISCHE PARTIEN


    Hanne, Sopran
    Lukas, Tenor
    Simon, Bass



    INHALTSANGABE


    Erster Teil: Der Frühling.


    Die lebhafte Orchestereinleitung stellt den Übergang vom Winter zum Frühling dar. Es ist ein in düsteren Mollfarben gehaltenes Musikstück, das kaum aufhellt, und dass die klassische Sonatenform nur andeutungsweise ausführt. Zunächst genügen Haydn vier Largo-Takte (mit der Tonfolge g-f-es-d), um Winterhärte anzudeuten, ehe ein Vivace-Teil den Kampf der Natur-Mächte um die Vorherrschaft plastisch darzustellen vermag.


    Mit einem verminderten Septakkord bricht die Einleitung ab und geht in ein Rezitativ-Trio über, in dem Simon das Fliehen des strengen Winters und seiner stürmischen Winde vor dem Frühling beschreibt, Lukas die Schneeschmelze bestaunt, Hanne aber mit Freude die lauen Winde des Frühlings ankündigt. Der mit Recht berühmte Chor „Komm, holder Lenz“ zeigt Haydns geniale Meisterschaft, mit einfachsten Mitteln die erwachende Natur zu zeichnen. Der Mittelteil dieses Chorsatzes ist als Wechselgesang zwischen Frauen- und Männerstimmen konzipiert, wobei die Männer der Winter-Flucht offensichtlich noch nicht ganz trauen, denn sie warnen mit dissonanzenreichen Mollharmonien. „Frohlocket ja nicht allzufrüh!“ Die negative Einstellung der Männer hält aber nicht vor, die Rückkehr zum Hauptteil des Chorsatzes stellt die freudig-gelöste Stimmung wieder her.


    Die Frühjahrsarbeit der Landleute wird von Simon in seiner liedhaften Arie „Schon eilet froh der Ackersmann zur Arbeit auf das Feld“ mit geradezu naiver Freude dargestellt. Und hier wird Haydns Hang zum Scherz deutlich, weil er dem Ackersmann, der dem „Pfluge flötend“ nacheilt, die bekannte Melodie aus dem langsamen Satz seiner „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ mitgibt - und das Orchester die Melodie ausführlich repetieren lässt. Diese manchmal als behäbig-zopfig bezeichnete „Cantilena“ so exponiert zu verwenden, war ein genialer Einfall Haydns, der sich der Wirkung dieser immer schon beliebten Melodie an dieser Stelle sicher gewesen sein muss.


    Danach kann Simon nur abwarten und flehen: „Sei nun gnädig, milder Himmel“, denn dass aus der Saat auch die Frucht reift, kann nur von dort kommen. Die in den Gesang Simons einstimmenden Lukas und Hanne sowie das Landvolk sind von Haydn mit einer feierlichen Melodie bedacht worden, die zu den Höhepunkten der Partitur gezählt werden darf - es wechseln sich Chor und Solisten zunächst mit einer ruhig dahinfließenden Melodie ab, um sich später zu einem polyphonen Gewebe zu verdichten.


    Als ein Intermezzo vor dem Schlusschor ist das Freudenlied „O wie lieblich ist der Anblick der Gefilde“ von Hanne und Lukas zu sehen, die dem Chor der Jugend Melodie und Takt vorgeben. Von A-Dur wechselt der in Terzen dahinfließende frohe Gesang überraschend nach G-Dur, um letztlich in D-Dur anzukommen. Der „Maestoso“ beginnende Dankeschor („Ewiger, mächtiger, gütiger Gott“) macht einen kühnen Sprung nach B-Dur und geht in ein fugiertes Allegro über, das den ersten Teil des Oratoriums mit kraftvollem Klang enden lässt.

    Zweiter Teil: Der Sommer.


    Haydn und van Swieten haben diesen Teil als einen Sommertag vom Morgen bis zum Abend gestaltet. Die in c-Moll gehaltenen Einleitungstakte symbolisieren die sich zurückziehende Nacht und den beginnenden Morgen. Der dreimalige Weckruf des Hahns, von der Oboe angestimmt, ist abermals ein lustiger Einfall Haydns: das „Kikeriki“ beginnt mit der Quinte, steigt dann zur Sexte und endlich zur Septime auf.


    Danach ertönt das Horn des Hirten, denn Simon stellt in einem Rezitativ zunächst fest: „Des Tages Herold meldet sich“, um schließlich arios zu berichten, dass „der muntre Hirt“ seine Herde „um sich her“ versammelt. Ein Höhepunkt der Sommer-Darstellung ist der Gesang für das Solistenterzett und den Chor „Sie steigt herauf, die Sonne“. Die Solisten beginnen im zartesten Pianissimo, schrauben sich chromatisch nach oben und übergeben schließlich an den von strahlenden Trompeten unterstützten Chor, der das Leben und das Wachstum spendende Gestirn preist und mit einem mächtigen Fortissimo erstrahlen lässt. Ein großartiger Hymnus, der den Solisten mit kunstvollen Koloraturen einiges abverlangt und dessen grandiose Wirkung mit dem „Und es ward Licht“ aus der „Schöpfung“ zu vergleichen ist.


    Doch der Sommer bringt nicht nur Wachstum, sondern auch Erschöpfung für Mensch und Tier durch die Hitze. Lukas erzählt davon in seiner E-Dur-Cavatine „Dem Druck erlieget die Natur“; Hanne dagegen weiß, wo es Kühle und Schatten gibt: „Willkommen jetzt, o dunkler Hain“ singt sie, vom Klang des Schäferinstruments, der Schalmei, begleitet; ihre folgende Dankesarie „Welche Labung für die Sinne“- von Haydn mit einem bezaubernden Oboensolo vertont - ist eine ebenso ergreifende wie auch bezaubernde Musik.


    Aber die Launen der Natur bergen im Sommer auch mancherlei Gefahren, denen der Landmann nicht ausweichen kann. Das Orchester macht diese Gefahren mit elementarer Wucht deutlich: Fahle Harmonien, von dumpfem Grollen der Pauken begleitet, die einwandfrei den Donner markieren, lassen den Chor warnen: „Ach! Das Ungewitter naht“. Einer plötzliche Generalpause folgen Pizzikatoakkorde und ein greller Septakkord mit stürzendem Stakkato der Flöte zeigt den Blitzschlag an. Der anschließende c-Moll-Chorsatz weist mit seinen ängstlichen Rufen des Landvolks, als Fugato vertont, auf die Widrigkeiten eines Sommergewitters hin. Unweigerlich lenkt diese Gewittermusik aber auch die Gedanken auf Beethovens „Pastorale“, und der Eindruck, dass Haydn hier seinen zeitweiligen Schüler vorwegnimmt, ist nicht von der Hand zu weisen.


    Aber das Unwetter geht vorbei, und mit mehreren Diminuendi zeichnet Haydn das Bild des abziehenden Gewitters orchestral nach, wobei der Umschwung auf lichte C-Dur-Harmonien die gereinigte Luft ausdrücken sollen. Ein Solo-Terzett („Die düst'ren Wolken trennen sich“) geht dem beruhigenden Schlusschor dieses zweiten Teils voraus, das insgesamt ein Bild reinen Abendfriedens malt: Posaunenklänge deuten das von der Weide heimkehrende Rind an, eine Wachtel schlägt, die Grille zirpt und aus dem Sumpf quakt der Frosch. Der Satz klingt sanft mit wohlfühligem Es-Dur aus.


    Dritter Teil: Der Herbst.


    Mit einer ausladenden Orchestereinleitung beginnt der dritte Teil, den man sich als ein Triptychon vorstellen muss: Ernte, Jagd und Traubenlese gehören zu diesem Jahreskreis. Im ersten Bild dieses Triptychons wird die Freude der Bauern über eine reiche Ernte geschildert, die auch Hanne teilt; für Lukas und Simon steht aber auch fest, dass ohne ihren Fleiß die Natur den lebensnotwendigen Lohn nicht gewährt hätte: „So lohnet die Natur den Fleiß“ ist auch das Fazit des Chores der Landleute, die in das vom Solistenterzett angestimmte Lob mit einer Fuge, die mit einer äußerst klangvollen Coda abschließt, einstimmen. Dass Haydn gerade dieses Musikstück mit ironischen Bemerkungen bedacht hat, kann man in den Werkinformationen nachlesen.


    Nun schaltet der Librettist um auf Liebe, Scherz und Spiel: Lukas drückt seine Gefühle für Hanne mit Stolz aus: „Ihr Schönen aus der Stadt, kommt her, blickt an die Tochter der Natur, die weder Putz noch Schminke ziert.“ Und Hanne lobt ihren Lukas: „Ihr Herrchen süß und fein, bleibt weg! Hier schwinden eure Künste ganz und glatte Worte wirken nicht.“ Während Haydn dem Text gemäß zunächst einen buffonesken Ton für das Duett anschlägt, wird es später in ein schlichtes Adagio umgewandelt, nämlich dann, wenn das junge Paar sein Glück besingt: „Lieben und geliebet werden, ist der Freuden höchster Gipfel, ist des Lebens Wonn' und Glück.“


    Das zweite dieser Genrebilder bringt den Beginn der Jagd und Simon berichtet darüber in seiner Arie: „Seht auf die breiten Wiesen hin“. Eine seltsam anmutende a-Moll-Weise könnte mit raschen Streicherfiguren und Basskoloraturen das Aufspüren und die Hetze des Wildes darstellen, auch der Knall der Flinte findet tonmalerische Verwendung. Dann liegen, wie Lukas berichtet, die aufgescheuchten Hasen, denen die Flucht vor der Übermacht der Jäger und ihrer Hunde nicht gelang, schließlich in Reihen auf der Erde. Der Chor des Landvolks und der Jäger („Hört, hört, das laute Getön“) erzählt mit sattem Hörnerklang noch von der Flucht des Hirsches, dem die Hunde und die Reiter nachsetzen, der aber auch nicht der Meute von Mensch und Tier entkommen kann. Die Halali-Rufe sind fröhlich komponiert, lassen aber auch Zweifel am ungleichen Kampf durchschimmern.


    Das dritte Bild des Triptychons beschäftigt sich mit der Traubenlese; es ist musikalisch von großem Übermut gezeichnet; da lassen die Flöten und Geigen Tanzweisen erklingen, da brummt der Dudelsack mit Quintenbässen, und die Singstimmen schreien sozusagen aus vollem Halse lustig durcheinander. Es ist wie ein dionysischer Rausch, von dem Haydn selbst sagte: „Mein Kopf war so voll von dem tollen Zeug: es lebe der Wein, es lebe das Fass!, dass ich alles darunter und darüber gehen ließ. Ich nenne daher die Schlussfuge des 'Herbstes' die besoffene Fuge.“


    Vierter Teil: Der Winter.


    Die c-Moll-Einleitung, Adagio überschrieben, erinnert an Dunkelheit und dicken Nebel, mit denen diese Jahreszeit die erstarrende Natur anzukündigen pflegt. Es sind Rezitative und ariose Gesänge, die das trostlose Bild zeichnen: „Licht und Nebel sind geschwächt“, klagt Hanne in einer Cavatine, und Lukas malt den „gefesselten See“, der in seinem Lauf gehemmt ist, wie auch den vom Eis zur Säule erstarrten Wasserfall, und den die Felder und Täler deckenden Schnee. Er fährt mit hetzendem Presto fort: „Hier steht der Wandrer nun verwirrt“- er findet den Weg in der weißen Pracht nicht, ist schon ermüdet, ehe er plötzlich den Lichtschein der Hütte sieht.


    Das Leben spielt sich jetzt mehr im warmen Haus ab: die Mädchen spinnen am Feuer und besingen dabei ihre Arbeit mit „Knurre, schnurre, knurre“; Hanne stimmt, zu Scherzen aufgelegt, ein Lied mit höchst tugendsamem Text an: „Ein Mädchen, das auf Ehre hielt“; es wird von einem Mädchen berichtet, das ein Edelmann bedrängt, das sich aber zu wehren weiß, indem es mit dem Pferd des Mannes durchgeht. Den Refrain dieses bieder wirkenden Strophenliedes variiert der Chor mit seinem Gelächter.


    Simon bekommt dann eine moralisierende Arie, die schon auf das Ende des Oratoriums weist: „Erblicke hier betörter Mensch, erblicke deines Lebens Bild“. Die Jahreszeiten werden als Sinnbilder jeden menschlichen Daseins aufgefasst: „Verblühet ist dein kurzer Lenz, erschöpfet deines Sommers Kraft, schon welkt der Herbst dem Alter zu, schon naht der bleiche Winter sich und zeiget dir das off''ne Grab.“


    Letztlich triumphiert die Hoffnung auf das ewige Licht mit Trompetenklang in C-Dur über die Traurigkeit des Grabes, und stimmt ein Finale an, das in all seiner kindlich-naiven Darstellung religiöse Feierlichkeit aufkommen lässt: Der in zwei Gruppen geteilte Chor stellt Fragen, die von den Solisten zuversichtliche Antworten erfahren: „Wer darf durch diese Pforten gehen? - Der Arges mied und Gutes tat! - Wer darf besteigen diesen Berg? - Von dessen Lippen Wahrheit floss! - Wer darf in diesem Zelte wohnen? - Der Armen und Bedrängten half! - Wer wird den Frieden dort genießen? - Der Schutz und Recht der Unschuld gab!“ Eine Chorfuge, die in ihrer Pracht und Einfachheit an Händel gemahnt, beendet das Oratorium und entlässt das Publikum mit großer Zuversicht.



    INFORMATIONEN ZUM WERK


    DIE JAHRESZEITEN verdanken ihre Entstehung dem großen Erfolg der „Schöpfung“ von 1798. Wie schon bei dem älteren Werk war auch hier wieder Baron Gottfried van Swieten der Librettist, der eine eigene Übersetzung des Gedichtes „The Seasons“ von James Thomson als Vorlage benutzte.


    Es wird berichtet, dass die Kompositionsarbeit für Haydn mühsam war, nicht nur seiner altersbedingt angegriffenen Gesundheit wegen oder weil ihn der Text van Swietens nicht in allen Punkten überzeugte, sondern weil sich der Baron, für Haydn sicherlich ungewohnt, auch in die musikalische Arbeit einmischte. Seine Empörung über den rechthaberischen Baron kritzelte er bei der Korrektur des Klavierauszugs in die Noten: „Diese ganze Stelle [...] ist nicht aus meiner Feder [...]; es wurde mir aufgedrungen, diesen französischen Quark niederzuschreiben.“ An anderer Stelle äußerte er fast schon sarkastisch, dass er sein Leben lang fleißig gewesen sei, und nun gebeten wurde, einen Chorgesang zum Lobe des Fleißes zu schreiben. Es verwundert also nicht, dass Haydn fast zwei Jahre benötigte, um DIE JAHRESZEITEN fertigzustellen.


    Wenngleich die Uraufführung am 24. April 1801 im Palais Schwarzenberg in Wien ein Erfolg war, reichte er aber nicht an den der „Schöpfung“ heran. Da hat sich bis heute nicht viel geändert, denn DIE JAHRESZEITEN werden deutlich weniger aufgeführt als das ältere Oratorium. Grundsätzlich wird aber nicht an Haydns Musik gekrittelt, sondern van Swietens Text für diese geringere Beliebtheit verantwortlich gemacht. Typisch für das Genre des Oratoriums sind nämlich Schilderungen von Ereignissen aus der griechischen oder römischen Mythologie sowie Erzählungen aus dem christlichen Bereich. Davon weicht van Swieten ab, indem er lediglich Bilder mit idyllischem Charakter erzeugt - nur der Schlusschor des vierten Teils, der nicht dem Gedicht Thomsons entstammt, sondern eine originale Arbeit des Barons sind, spricht die Bedeutung des Lebens, das ewige Leben, und das Lob Gottes in seiner Herrlichkeit an.


    Berücksichtigt man diese Anlage des Oratoriums, das Fehlen eines roten Fadens, wie er in der „Schöpfung“ durch den biblischen Bericht existiert, dann kann man nur feststellen, dass DIE JAHRESZEITEN, darin Bachs „Weihnachtsoratorium“ sehr ähnlich, eher eine Folge von vier in sich abgeschlossenen Kantaten darstellt.


    Wie Haydn zu seinem letzten großen Chorwerk stand, wird sich wohl nie mehr klären lassen. Neben der schon zitierten ironischen Bemerkung über den „Fleiß“-Chor gibt es ja auch noch seine Äußerung über das Libretto als „französischen Abfall“, die oftmals als ein Indiz für Haydns Ablehnung der Rousseauschen Thesen gewertet wird. Es lässt sich aber zumindest die humorvolle Haltung des Komponisten an vielen Stellen aus der Musik heraushören, beispielsweise im Chor des Landvolks beim Weinfest, von dem Haydn sagte,
    „einen so komischen Kontrapunkt und eine so besoffene Fuge habe ich noch nie geschrieben“.



    © Manfred Rückert für Tamino-Oratorienführer 2013
    unter Hinzuziehung folgender Quellen:
    Eulenburg-Taschenpartitur
    Propyläen - Welt der Musik (Alfred Baumgartner)
    Kurt Pahlen: Oratorien der Welt

  • Auch an den Aufnahmen der JAHRESZEITEN läßt sich feststellen, daß "Die Schöpfung" wesentlich beliebter ist. Dennoch ist bei den Tamino-Werbepartnern eine Vielzahl von Einspielungen im Angebot; einige seien hier aufgeführt:



    Nebenstehend die Aufnahme des Eröffnungskonzertes der Schwetzinger Festspiele von 1959, das Jahr des 150. Todestages von Joseph Haydn. Mit Fritz Wunderlich, Agnes Giebel und Kieth Engen, Dirigent Hans Müller-Kray.


    Aus Anlaß des 200. Todestages von Haydn dirigierte Bruno Weil in der Philharmonie Essen DIE JAHRESZEITEN. Mit Sibylla Rubens, Jan Kobow und Hanno Müller-Brachmann, dem Tölzer Knabenchor und der Capella Coloniensis.


    Nikolaus Harnoncourts Einspielung mit Angela Maria Blasi, Josef Protschka und Robert Holl; der Wiener Singverein; die Wiener Symphoniker. Ulrich Schreiber schrieb in stereoplay 1/88: "...ein Haydn in frischen, leuchtenden Farben, mit viel innerer Dynamik und äußerem Glanz. Höchste und hohe Bewertungen für Interpretation und Klangqualität."


    Die Karajan-Aufnahme mit Gundula Janowitz, Walter Berry, Werner Hollweg; der Chor der Deutschen Oper Berlin, die Berliner Philharmoniker.


    Bei Karl Böhm ist Gundula Janowitz ebenfalls dabei, ferner Peter Schreier und Martti Talvela. Wie bei Karajan singt auch hier der Wiener Singverein den Chorpart, wie bei Harnoncourt spielen die Wiener Symphoniker. "Grand Prix du Disque","Edison-Preis" "Deutscher Schallplattenpreis". FonoForum kommentierte in 2/89: "Ein Juwel aus dem diskographischen Vermächtnis Karl Böhms. Die Aufnahmetechnik sorgt für optimale Transparenz, so daß Haydns Instrumentationskunst voll zur Geltung kommt. Die Sänger der Aufnahme befanden sich damals auf der Höhe ihrer Darstellungskunst.


    Als Solisten sind in John Eliot Gardiners Aufnahme Barbara Bonney, Anthony Rolfe Johnson und Andreas Schmidt eingesetzt; der Monteverdi Choir, die English Baroque Soloists. W. Goertz urteilte in FonoForum 7/92: "Von Frühling bis Winter hat das Jahr einen enormen dynamischen Spielraum, bunt-animierende Farben und schillernde, ja drastische Kontraste. (...) Auf dem vokalen Acker scheint die Saat von Barbara Bonney, Anthony Rolfe Johnson und Andreas Schmidt ebenfalls aufs Beste aufgegangen. Die Qualität des Monteverdi Choirs sind überwältigend."


    Nochmals Nikolaus Harnoncourt, hier mit seinem Concentus musicus Wien, dem Arnold Schönberg Chor und den Solisten Genia Kühmeier, Werner Güra und Christian Gerhaher. In stereoplay 09/09 war zu lesen: "Dem stellt das grandiose Solistenterzett eine fast schon Schubert-nahe existenzielle Inbrunst gegenüber: Genia Kühmeier mit bestens geführtem Sopran, Werner Güra mit licht-intensivem Tenor, Christian Gerhaher mit expressivem Bariton."


    Nebenstehend Historisches mit Ferenc Fricsay, dem RIAS Kammerchor und dem RIAS Orchester Berlin. Als Solisten wirken Elfride Trötschel, Walther Ludwig und Josef Greindl mit. Aus der Produktinformation: Dank der kristallinen Klarheit und analytischen Tiefenschärfe seiner Interpretationen galt der ungarische Dirigent Ferenc Fricsay (1914-1963) als idealer Anwalt nicht nur für Musik der Gegenwart, sondern auch für die der Wiener Klassik. Entsprechend seinem Naturell nahm Fricsay hier von romantisierendem, breitwandigem Musizieren Abstand. Vielmehr ist er als kühl lodernder Musiker zu charakterisieren, der jedoch bei allem Intellekt immer auch in die emotionale Tiefe ging. Exemplarisch hierfür ist die vorliegende, lange vergriffene, Studioproduktion von Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“, die 1952 entstand.


    Edith Mathis, Werner Hollweg und Franz Crass hatte Rafael Kubelik für seine Einspielung der JAHRESZEITEN zur Verfügung. Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks. W. Pfister urteilte in FonoForum 8/98: "Der Chor hat optimale Präsenz, das Orchester glänzt mit eloquenten Holzbläser-Soli, und ein Cembalist sorgt in den Rezitativen für eine fantasievoll-lebendige Continuo-Stütze."


    Und auch nebenstehend Historisches und in englischer Sprache. Mit Morison, Young, Langdon; die Beecham Choral Society, das Royal PO, Leitung Thomas Beecham. Aus dem Produktinfo: In der Boxen-Serie COLLECTOR'S EDITION sind jetzt endlich Sir Thomas Beechams Einspielungen von Haydns berühmten 12 "Londoner Sinfonien" sowie des Oratoriums "The Seasons" (Die Jahreszeiten) von 1958-1960 wieder aufgelegt worden: Nach Meinung maßgeblicher Kritiker Referenz-Aufnahmen der Haydn-Diskographie. Beecham und das Royal Philharmonic Orchestra mißverstehen Haydn nicht als gepflegten Klassiker, sondern musizieren einen springlebendigen, augenzwinkernden Haydn voller origineller Einfälle und überraschender musikalischer Einfälle.


    In der Naxos-Einspielung ist die bei Bruno Weill eingesetzte Sibylla Rubens ebenfalls dabei, außerdem Andreas Karasiak und Stephan MacLeod; das Leipziger Kammerorchester, der Gewandhaus Kammerchor, Leitung Morten Schuldt-Jensen.

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    DER FRÜHLING

    Nr. 1 - Ouverture

    Die Einleitung stellt den Übergang vom Winter zum Frühling dar.



    Recitativo

    SIMON

    Seht, wie der strenge Winter flieht!


    Zum fernen Pole zieht er hin.


    Ihm folgt auf seinen Ruf


    Der wilden Stürme brausend Heer


    Mit grässlichem Geheul.



    LUKAS

    Seht, wie vom schroffen Fels der Schnee


    In trüben Strömen sich ergiesst!



    HANNE

    Seht, wie vom Süden her,


    Durch laue Winde sanft gelockt,


    Der Frühlingsbote streicht!



    Nr. 2 - Chor des Landvolks

    LANDVOLK

    Komm, holder Lenz,


    Des Himmels Gabe, komm!


    Aus ihrem Todesschlaf


    Erwecke die Natur!



    WEIBER UND MÄDCHEN

    Er nahet sich, der holde Lenz;


    Schon fühlen wir den linden Hauch,


    Bald lebet alles wieder auf.



    MÄNNER

    Frohlocket ja nicht allzufrüh!


    Oft schleicht, in Nebel eingehüllt,


    Der Winter wohl zurück und streut


    Auf Blüt' und Keim sein starres Gift.



    ALLE

    Komm, holder Lenz,


    Des Himmels Gabe komm!


    Auf unsere Fluren senke dich,


    Komm, holder Lenz, o komm!


    Und weile länger nicht!



    Nr. 3a - Recitativo

    SIMON

    Vom Widder strahlet jetzt


    Die helle Sonn' auf uns herab.


    Nun weichen Frost und Dampf,


    Und schweben laue Dünst' umher.


    Der Erde Busen ist gelöst;


    Erheitert ist die Luft.



    Nr. 3b - Aria

    SIMON

    Schon eilet froh der Ackersmann


    Zur Arbeit auf das Feld;


    In langen Furchen schreitet er


    Dem Pfluge flötend nach.


    In abgemessnem Gange dann


    Wirft er den Samen aus;


    Den birgt der Acker treu


    Und reift ihn bald


    Zur goldnen Frucht.



    NR. 4a - Recitativo

    LUKAS

    Der Landmann hat sein Werk vollbracht


    Und weder Müh' noch Fleiss gespart.


    Den Lohn erwartet er


    Aus Händen der Natur


    Und fleht darum den Himmel an.



    Nr. 4b - Chor

    LUKAS UND CHOR

    Sei nun gnädig, milder Himmel!


    Öffne dich und träufe Segen


    Über unser Land herab!



    LUKAS

    Lass deinen Tau die Erde wässern!



    SIMON

    Lass Regenguss die Furchen tränken!



    HANNE

    Lass deine Lüfte wehen sanft,


    Lass deine Sonne scheinen hell!



    ALLE DREI

    Uns spriesset Überfluss alsdann,


    Und deiner Güte Dank und Ruhm.



    CHOR

    Sei nun gnädig, milder Himmel!


    Öffne dich und träufe Segen


    Über unser Land herab!



    MÄNNER

    Lass deinen Tau usw.



    WEIBER

    Lass deine Lüfte usw.



    ALLE

    Uns spriesset Überfluss alsdann,


    Und deiner Güte Dank und Ruhm.



    Nr. 5a - Recitativo

    HANNE

    Erhört ist unser Flehn;


    Der laue West erwärmt und füllt


    Die Luft mit feuchten Dünsten an.


    Sie häufen sich nun fallen sie


    Und giessen in der Erde Schoss


    Den Schmuck und Reichtum der Natur.



    Nr. 5b - Freudenlied

    Mit abwechselndem Chor der Jugend



    HANNE

    Oh, wie lieblich


    Ist der Anblick


    Der Gefilde jetzt!


    Kommt, ihr Mädchen,


    Lasst uns wallen


    Auf der bunten Flur!



    LUKAS

    Oh, wie lieblich


    Ist der Anblick


    Der Gefilde jetzt!


    Kommt, ihr Bursche,


    Lasst uns wallen


    Zu dem grünen Hain!



    BEIDE

    Oh, wie lieblich


    Ist der Anblick


    Der Gefilde jetzt!



    HANNE

    Kommt, ihr Mädchen!



    LUKAS

    Kommt, ihr Bursche!



    BEIDE

    Lasst uns wallen


    Auf der bunten Flur!


    Oh, wie lieblich


    Ist der Anblick


    Der Gefilde jetzt!



    HANNE

    Seht die Lilie, seht die Rose,


    Seht die Blumen all!



    LUKAS

    Seht die Auen, seht die Wiesen,


    Seht die Felder all!



    CHOR

    (MÄDCHEN UND BURSCHE)


    Oh, wie lieblich


    Ist der Anblick


    Der Gefilde jetzt!



    MÄDCHEN

    Lasst uns wallen


    Auf der bunten Flur!



    BURSCHE

    Lasst uns wallen


    Zu dem grünen Hain!



    CHOR

    (ALLE)


    Oh, wie lieblich


    Ist der Anblick


    Der Gefilde jetzt!



    HANNE

    Seht die Erde,


    Seht die Wasser,


    Seht die helle Luft!



    LUKAS

    Alles lebet,


    Alles schwebet,


    Alles reget sich.



    HANNE

    Seht die Lämmer,


    Wie sie springen.



    LUKAS

    Seht die Fische,


    Welch Gewimmel!



    HANNE

    Seht die Bienen,


    Wie sie schwärmen.



    LUKAS

    Seht die Vögel,


    Welch Geflatter!



    CHOR

    (ALLE)


    Alles lebet,


    Alles schwebet,


    Alles reget sich.



    MÄDCHEN

    Welche Freude,


    Welche Wonne


    Schwellet unser Herz!



    BURSCHE

    Süsse Triebe,


    Sanfte Reize


    Heben unsre Brust.



    SIMON

    Was ihr fühlet,


    Was euch reizet


    Ist des Schöpfers Hauch.



    CHOR

    (MÄDCHEN UND BURSCHE)


    Lasst uns ehren,


    Lasst uns loben,


    Lasst uns preisen ihn!



    MÄNNER

    Lasst erschallen,


    Ihm zu danken,


    Eure Stimmen hoch!



    CHOR

    (ALLE)


    Es erschallen,


    Ihm zu danken,


    Unsre Stimmen hoch!



    CHOR

    (ALLE)


    Ewiger, mächtiger, gütiger Gott!



    HANNE, LUKAS

    Von deinem Segensmahle



    SIMON

    Hast du gelabet uns.



    MÄNNER

    Mächtiger Gott!



    HANNE, LUKAS

    Vom Strome deiner Freuden



    SIMON

    Hast du getränket uns.


    Gütiger Gott!



    CHOR

    (ALLE)


    Ewiger, mächtiger, gütiger Gott!



    SIMON

    Ewiger!



    LUKAS

    Mächtiger!



    HANNE

    Gütiger Gott!



    CHOR

    (ALLE)


    Ehre, Lob und Preis sei dir, Ewiger, gütiger, mächtiger Gott!




    Der Sommer

    Nr. 6a - Recitativo

    Die Einleitung stellt die Morgendämmerung vor.



    LUKAS

    In grauem Schleier rückt heran


    Das sanfte Morgenlicht,


    Mit lahmen Schritten weicht vor ihm


    Die träge Nacht zurück.


    Zu düstren Höhlen flieht


    Der Leichenvögel blinde Schar;


    Ihr dumpfer Klageton


    Beklemmt das bange Herz nicht mehr.



    SIMON

    Des Tages Herold meldet sich;


    Mit scharfem Laute rufet er


    Zu neuer Tätigkeit


    Den ausgeruhten Landmann auf.



    Nr. 6b - Aria

    SIMON

    Der muntre Hirt versammelt nun


    Die frohen Herden um sich her;


    Zur fetten Weid' auf grünen Höh'n


    Treibet er sie langsam fort.


    Nach Osten blickend steht er dann


    Auf seinem Stabe hingelehnt,


    Zu sehn den ersten Sonnenstrahl,


    Welchem er entgegenharrt.



    Recitativo

    HANNE

    Die Morgenröte bricht hervor;


    Wie Rauch verflieget das leichte Gewölk;


    Der Himmel pranget im hellen Azur,


    Der Berge Gipfel in feurigem Gold.



    Nr. 7 - Chor

    HANNE, LUKAS

    Sie steigt herauf, die Sonne, sie steigt.



    SIMON

    Sie naht, sie kommt.


    Sie strahlt, sie scheint.



    CHOR

    Sie scheint in herrlicher Pracht


    In flammender Majestät.


    Heil, o Sonne, Heil!


    Des Lichts und Lebens Quelle, Heil!


    O du, des Weltalls Seel' und Aug',


    Der Gottheit schönstes Bild,


    Dich grüssen dankbar wir!



    HANNE, LUKAS, SIMON

    Wer spricht sie aus, die Freuden alle,


    Die deine Huld in uns erweckt?


    Wer zählet sie, die Segen alle,


    Die deine Mild' auf uns ergiesst?



    CHOR

    Die Freuden, o wer spricht sie aus?


    Die Segen, o wer zählet sie?


    Wer spricht sic aus? Wer zählet sie?


    Wer?



    HANNE

    Dir danken wir, was uns ergötzt.



    LUKAS

    Dir danken wir, was uns belebt.



    SIMON

    Dir danken wir, was uns erhält.



    ALLE DREI

    Dem Schöpfer aber danken wir,


    Was deine Kraft vermag.



    CHOR MIT SOLI

    Heil, o Sonne, Heil!


    Des Lichts und Lebens Quelle, Heil!


    Dir jauchzen alle Stimmen,


    Dir jauchzet die Natur.



    Nr. 8a - Recitativo

    SIMON

    Nun regt und bewegt sich alles umher;


    Ein buntes Gewühl bedecket die Flur.


    Dem braunen Schnitter neiget sich


    Der Saaten wallende Flut,


    Die Sense blitzt – da sinkt das Korn;


    Doch steht es bald und aufgehäuft


    In festen Garben wieder da.



    Nr. 8b - Recitativo

    LUKAS

    Die Mittagssonne brennet jetzt


    In voller Glut und giesst


    Durch die entwölkte Luft


    Ihr mächtiges Feuer in Strömen hinab.


    Ob den gesengten Flächen schwebt


    Im niedern Qualm ein blendend Meer


    Von Licht und Widerschein.



    Nr. 8c - Cavatina

    LUKAS

    Dem Druck erlieget die Natur.


    Welke Blumen,


    Dürre Wiesen,


    Trock'ne Quellen:


    Alles zeigt der Hitze Wut,


    Und kraftlos schmachten Mensch und Tier


    Am Boden hingestreckt.



    Nr. 9a - Recitativo

    HANNE

    Willkommen jetzt, o dunkler Hain,


    Wo der bejahrten Eiche Dach


    Den kühlenden Schirm gewährt,


    Und wo der schlanken Espe Laub


    Mit leisem Gelispel rauscht!


    Am weichen Moose rieselt da


    In heller Flut der Bach,


    Und fröhlich summend irrt und wirrt


    Die bunte Sonnenbrut;


    Der Kräuter reinen Balsamduft


    Verbreitet Zephyrs Hauch,


    Und aus dem nahen Busche tönt


    Des jungen Schäfers Rohr.



    Nr. 9b - Aria

    HANNE

    Welche Labung für die Sinne!


    Welch' Erholung für das Herz!


    Jeden Aderzweig durchströmet


    Und in jeder Nerve hebt


    Erquickendes Gefühl.


    Die Seele wachet auf


    Zum reizenden Genuss,


    Und neue Kraft erhebt


    Durch milden Drang die Brust.



    Nr. 10a - Recitativo

    SIMON

    O seht! Es steiget in der schwülen Luft


    Am hohen Saume des Gebirgs


    Von Dampf und Dunst ein fahler Nebel auf.


    Empor gedrängt, dehnt er sich aus


    Und hüllet bald den Himmelsraum


    In schwarzes Dunkel ein.



    LUKAS

    Hört, wie vom Tal ein dumpf Gebrüll


    Den wilden Sturm verkünd't!


    Seht, wie von Unheil schwer


    Die finst're Wolke langsam zieht


    Und drohend auf die Eb'ne sinkt!



    HANNE

    In banger Ahnung stockt


    Das Leben der Natur.


    Kein Tier, kein Blatt beweget sich,


    Und Todesstille herrscht umher!



    Nr. 10b - Chor. Das Ungewitter

    CHOR

    Ach, das Ungewitter naht!


    Hilf uns, Himmel!


    O, wie der Donner rollt!


    O, wie die Winde toben!


    Wo flieh'n wir hin?


    Flammende Blitze durchwühlen die Luft;


    Von zackigen Keilen berstet die Wolke,


    Und Güsse stürzen herab.


    Wo ist Rettung?


    Wütend rast der Sturm;


    Der weite Himmel entbrennt.


    Weh' uns Armen!


    Schmetternd krachen,


    Schlag auf Schlag,


    Die schweren Donner fürchterlich.


    Weh' uns, weh' uns!


    Erschüttert wankt die Erde


    Bis in des Meeres Grund.



    LUKAS

    Die düstren Wolken trennen sich,


    Gestillet ist der Stürme Wut.



    HANNE

    Vor ihrem Untergange


    Blickt noch die Sonn' empor,


    Und von dem letzten Strahle glänzt


    Mit Perlenschmuck geziert die Flur.



    SIMON

    Zum langgewohnten Stalle kehrt,


    Gesättigt und erfrischt,


    Das fette Rind zurück.



    LUKAS

    Dem Gatten ruft die Wachtel schon.



    HANNE

    Im Grase zirpt die Grille froh,



    SIMON

    Und aus dem Sumpfe quakt der Frosch.



    ALLE DREI

    Die Abendglocke tönt;


    Von oben winkt der helle Stern


    Und ladet uns zur sanften Ruh.



    MÄNNER

    Mädchen, Bursche, Weiber, kommt,


    Unser wartet süsser Schlaf,


    Wie reines Herz, gesunder Leib


    Und Tages Arbeit ihn gewährt.


    Mädchen, Bursche, Weiber, kommt!



    MÄDCHEN

    Wir gehen, wir folgen euch.



    CHOR: ALLE

    Die Abendglocke hat getönt;


    Von oben winkt der helle Stern


    Und ladet uns zur sanften Ruh.




    Der Herbst

    Nr. 11 - Recitativo

    Der Einleitung Gegenstand ist des Landmanns freudiges Gefühl über die reiche Ernte.



    HANNE

    Was durch seine Blüte


    Der Lenz zuerst versprach,


    Was durch seine Wärme


    Der Sommer reifen hiess,


    Zeigt der Herbst in Fülle


    Dem frohen Landmann jetzt.



    LUKAS

    Den reichen Vorrat führt er nun


    Auf hochbeladnen Wagen ein.


    Kaum fasst der weiten Scheune Raum,


    Was ihm sein Feld hervorgebracht.


    SIMON

    Sein heitres Auge blickt umher,


    Es misst den aufgetürmten Segen ab,


    Und Freude strömt in seine Brust.



    Nr. 12 - Terzetto mit Chor

    SIMON

    So lohnet die Natur den Fleiss,


    Ihn ruft, ihn lacht sie an;


    Ihn muntert sie durch Hoffnung auf,


    Ihm steht sie willig bei;


    Ihm wirket sie mit voller Kraft.



    HANNE, LUKAS

    Von dir, o Fleiss, kommt alles Heil.


    Die Hütte, die uns schirmt,


    Die Wolle, die uns deckt,


    Die Speise, die uns nährt,


    Ist deine Gab', ist dein Geschenk.


    O Fleiss, o edler Fleiss!



    SIMON

    O Fleiss, o edler Fleiss!


    Von dir kommt alles Heil.



    HANNE

    Du flössest Tugend ein,


    Und rohe Sitten milderst du.



    LUKAS

    Du wehrest Laster ab


    Und reinigest der Menschen Herz.



    SIMON

    Du stärkest Mut und Sinn


    Zum Guten und zu jeder Pflicht.



    ALLE DREI UND CHOR

    O Fleiss, o edler Fleiss!


    Von dir kommt alles Heil.


    Die Hütte, die uns schirmt,


    Die Wolle, die uns deckt,


    Die Speise, die uns nährt,


    Ist deine Gab', ist dein Geschenk.



    Nr. 13a - Recitativo

    HANNE

    Seht, wie zum Haselbusche dort


    Die rasche Jugend eilt!


    An jedem Aste schwinget sieh


    Der Kleinen lose Schar,


    Und der bewegten Staud' entstürzt


    Gleich Hagelschau'r die lockre Frucht.



    SIMON

    Hier klimmt der junge Bau'r


    Den hohen Stamm entlang


    Die Leiter flink hinauf.


    Vom Wipfel, der ihn deckt,


    Sieht er sein Liebchen nah'n,


    Und ihrem Tritt entgegen


    Fliegt dann in trautem Scherze


    Die runde Nuss herab.



    LUKAS

    Im Garten stehn um jeden Baum


    Die Mädchen gross und klein,


    Dem Obste, das sie klauben,


    An frischer Farbe gleich.



    Nr. 13b - Duetto

    LUKAS

    Ihr Schönen aus der Stadt, kommt her!


    Blickt an die Tochter der Natur,


    Die weder Putz noch Schminke ziert!


    Da seht mein Hannchen, seht!


    Ihr blüht Gesundheit auf den Wangen,


    Im Auge lacht Zufriedenheit,


    Und aus dem Munde spricht das Herz,


    Wenn sie mir Liebe schwört.



    HANNE

    Ihr Herrchen süss und fein, bleibt weg!


    Hier schwinden eure Künste ganz,


    Und glatte Worte wirken nicht;


    Man gibt euch kein Gehör.


    Nicht Gold, nicht Pracht kann uns verblenden.


    Ein redlich Herz ist, was uns rührt,


    Und meine Wünsche sind erfüllt,


    Wenn treu mir Lukas ist.



    LUKAS

    Blätter fallen ab,


    Früchte welken hin,


    Tag' und Jahr' vergehn,


    Nur meine Liebe nicht.



    HANNE

    Schöner grünt das Blatt,


    Süsser schmeckt die Frucht,


    Heller glänzt der Tag,


    Wenn deine Liebe spricht.



    BEIDE

    Welch ein Glück ist treue Liebe!


    Unsre Herzen sind vereinet,


    Trennen kann sie Tod allein.



    LUKAS

    Liebstes Hannchen!



    HANNE

    Bester Lukas!



    BEIDE

    Lieben und geliebet werden


    Ist der Freuden höchster Gipfel,


    Ist des Lebens Wonn' und Glück.



    Nr. 14a - Recitativo

    SIMON

    Nun zeiget das entblösste Feld


    Der ungebet'nen Gäste Zahl,


    Die an den Halmen Nahrung fand,


    Und irrend jetzt sie weiter sucht.


    Des kleinen Raubes klaget nicht


    Der Landmann, der ihn kaum bemerkt;


    Dem Übermasse wünscht er doch


    Nicht ausgestellt zu sein.


    Was ihn dagegen sichern mag,


    Sieht er als Wohltat an,


    Und willig frönt er dann zur Jagd,


    Die seinen guten Herrn ergötzt.



    Nr. 14b - Aria

    SIMON

    Seht auf die breiten Wiesen hin!


    Seht, wie der Hund im Grase streift!


    Am Boden suchet er die Spur


    Und geht ihr unablässig nach.


    Jetzt aber reisst Begierd' ihn fort;


    Er horcht auf Ruf und Stimme nicht mehr;


    Er eilet zu haschen – da stockt sein Lauf,


    Nun steht er unbewegt wie Stein.


    Dem nahen Feinde zu entgehn,


    Erhebt der scheue Vogel sich;


    Doch rettet ihn nicht schneller Flug.


    Es blitzt, es knallt, ihn erreichet das Blei,


    Und wirft ihn tot aus der Luft herab.



    Nr. 15a - Recitativo

    LUKAS

    Hier treibt ein dichter Kreis


    Die Hasen aus dem Lager auf.


    Von allen Seiten hingedrängt


    Hilft ihnen keine Flucht.


    Schon fallen sie und liegen bald


    In Reihen freudig hingezählt.



    Nr. 15b - Chor (Landvolk und Jäger)

    MÄNNER

    Hört das laute Getön,


    Das dort im Walde klinget!



    WEIBER

    Welch ein lautes Getön


    Durchklingt den ganzen Wald!



    ALLE

    Es ist der gellende Hörner Schall,


    Der gierigen Hunde Gebelle.



    MÄNNER

    Schon flieht der aufgesprengte Hirsch,


    Ihm rennen die Doggen und Reiter nach.



    ALLE

    Er flieht, er flieht. O wie er sich streckt!


    Ihm rennen die Doggen und Reiter nach.


    O wie er springt! O wie er sich streckt!


    Da bricht er aus den Gesträuchen hervor


    Und läuft über Feld in das Dickicht hinein.



    MÄNNER

    Jetzt hat er die Hunde getäuscht;


    Zerstreuet schwärmen sie umher.



    ALLE

    Die Hunde sind zerstreut,


    Sie schwärmen hin und her.



    JÄGER

    Tajo! Tajo! Tajo!



    MÄNNER

    Der Jäger Ruf, der Hörner Klang


    Versammelt auf's neue sie.



    JÄGER

    Ho! Ho! Tajo! Tajo!



    MÄNNER UND WEIBER

    Mit doppeltem Eifer stürzet nun


    Der Haufe vereint auf die Fährte los.



    JÄGER

    Tajo! Tajo! Tajo!



    WEIBER

    Von seinen Feinden eingeholt,


    An Mut und Kräften ganz erschöpft,


    Erlieget nun das schnelle Tier.



    MÄNNER

    Sein nahes Ende kündigt an


    Des tönenden Erzes Jubellied,


    Der freudigen Jäger Siegeslaut.



    JÄGER

    Halali, Halali, Halali!



    WEIBER

    Den Tod des Hirsches kündigt an


    Des tönenden Erzes Jubellied,


    Der freudigen Jäger Siegeslaut.



    ALLE

    Halali, Halali, Halali!



    Nr. 16a - Recitativo

    HANNE

    Am Rebenstocke blinket jetzt


    Die helle Traub' in vollem Safte


    Und ruft dem Winzer freundlich zu,


    Dass er zu lesen sie nicht weile.



    SIMON

    Schon werden Kuf' und Fass


    Zum Hügel hingebracht,


    Und aus den Hütten strömet


    Zum frohen Tagewerke


    Das muntre Volk herbei.



    HANNE

    Seht, wie den Berg hinan


    Von Menschen alles wimmelt!


    Hört, wie der Freude Ton


    Von jeder Seit' erschallet!



    LUKAS

    Die Arbeit fördert lachender Scherz


    Vom Morgen bis zum Abend hin,


    Und dann erhebt der brausende Most


    Die Fröhlichkeit zum Lustgeschrei.



    Nr. 16b - Chor

    ALLE

    Juchhe! Juchhe! Der Wein ist da,


    Die Tonnen sind gefüllt.


    Nun lasst uns fröhlich sein,


    Und Juchhe, Juchhe, Juch!


    Aus vollem Halse schrein.



    MÄNNER

    Lasst uns trinken!


    Trinket, Brüder!


    Lasst uns fröhlich sein.



    WEIBER

    Lasst uns singen,


    Singet alle!


    Lasst uns fröhlich sein.



    ALLE

    Juchhe, Juch! Es lebe der Wein!



    MÄNNER

    Es lebe das Land, wo er uns reift!


    Es lebe das Fass, das ihn verwahrt!


    Es lebe der Krug, woraus er fliesst!



    MÄNNER

    Kommt, ihr Brüder,


    Füllt die Kannen,


    Leert die Becher!


    Lasst uns fröhlich sein!



    ALLE

    Heida! Lasst uns fröhlich sein,


    Und Juchhe, Juchhe, Juch!


    Aus vollem Halse schrein!



    WEIBER

    Nun tönen die Pfeifen


    Und wirbelt die Trommel.


    Hier kreischet die Fiedel,


    Da schnarret die Leier,


    Und dudelt der Bock.



    MÄNNER

    Schon hüpfen die Kleinen,


    Und springen die Knaben;


    Dort ?iegen die Mädchen


    Im Arme der Burschen


    Den ländlichen Reih'n.



    WEIBER

    Heisa, hopsa, lasst uns hüpfen!



    MÄNNER

    Ihr Brüder, kommt!



    WEIBER

    Heisa, hopsa, lasst uns springen!



    MÄNNER

    Die Kannen füllt!



    WEIBER

    Heisa, hopsa, lasst uns tanzen!



    MÄNNER

    Die Becher leert!



    ALLE

    Heida, lasst uns fröhlich sein!


    Heida und Juchhe!


    Aus vollem Halse schrein!



    MÄNNER

    Jauchzet, lärmet,


    Springet, tanzet,


    Lachet, singet!


    Nun fassen wir den letzten Krug!



    ALLE

    Und singen dann im vollen Chor


    Dem freudenreichen Rebensaft!


    Heisa, hei, Juchhe, Juch!


    Es lebe der Wein, der edle Wein,


    Der Grillen und Harm verscheucht!


    Sein Lob ertöne laut und hoch


    In tausendfachem Jubelschall!


    Heida, lasst uns fröhlich sein!


    Und Juchhe, Juchhe, Juch, aus vollem Halse schrein!



    Der Winter

    Nr. 17 - Recitativo

    Die Einleitung schildert die dicken Nebel, womit der Winter anfängt.



    SIMON

    Nun senket sich das blasse Jahr,


    Und fallen Dünste kalt herab.


    Die Berg' umhüllt ein grauer Dampf,


    Der endlich auch die Flächen drückt


    Und am Mittage selbst


    Der Sonne matten Strahl verschlingt.



    HANNE

    Aus Lapplands Höhlen schreitet her


    Der stürmisch düst're Winter jetzt.


    Vor seinem Tritt erstarrt


    In banger Stille die Natur.



    Cavatina

    HANNE

    Licht und Leben sind geschwächet;


    Wärm' und Freude sind verschwunden.


    Unmutsvollen Tagen folget


    Schwarzer Nächte lange Dauer.



    Nr. 18a - Recitativo

    LUKAS

    Gefesselt steht der breite See.


    Gehemmt in seinem Laufe der Strom.


    Im Sturze vom türmenden Felsen hängt


    Gestockt und stumm der Wasserfall.


    Im dürren Haine tönt kein Laut;


    Die Felder deckt, die Täler füllt



    Nr. 18b - Aria

    LUKAS

    Hier steht der Wand'rer nun,


    Verwirrt und zweifelhaft,


    Wohin den Schritt er lenken soll.


    Vergebens suchet er den Weg;


    Ihn leitet weder Pfad noch Spur.


    Vergebens strenget er sich an


    Und watet durch den tiefen Schnee;


    Er find't sich immer mehr verirrt.


    Jetzt sinket ihm der Mut,


    Und Angst beklemmt sein Herz,


    Da er den Tag sich neigen sieht,


    Und Müdigkeit und Frost


    Ihm alle Glieder lähmt.


    Doch plötzlich trifft sein spähend Aug'


    Der Schimmer eines nahen Lichts.


    Da lebt er wieder auf;


    Vor Freude pocht sein Herz.


    Er geht, er eilt der Hütte zu,


    Wo starr und matt er Labung hofft.



    Nr. 19a - Recitativo

    LUKAS

    So wie er naht, schallt in sein Ohr,


    Durch heulende Winde nur erst geschreckt,


    Heller Stimmen lauter Klang.



    HANNE

    Die warme Stube zeigt ihm dann


    Des Dörfchens Nachbarschaft,


    Vereint im trauten Kreise,


    Den Abend zu verkürzen


    Mit leichter Arbeit und Gespräch.



    SIMON

    Am Ofen schwatzen hier


    Von ihrer Jugend Zeit die Väter.


    Zu Korb' und Reusen flicht


    Die Weidengert' und Netze strickt


    Der Söhne munt'rer Haufe dort.


    Am Rocken spinnen die Mütter,


    Am laufenden Rade die Töchter,


    Und ihren Fleiss belebt


    Ein ungekünstelt frohes Lied.



    Nr. 19b - Chor

    CHOR

    (WEIBER UND MÄDCHEN)


    Knurre, schnurre, knurre!


    Schnurre, Rädchen, schnurre!



    HANNE

    Drille, Rädchen, lang und fein,


    Drille fein ein Fädelein


    Mir zum Busenschleier!



    WEIBER UND MÄDCHEN

    Knurre, schnurre, knurre!


    Schnurre, Rädchen, schnurre!



    HANNE

    Weber, webe zart und fein,


    Webe fein das Schleierlein


    Mir zur Kirmesfeier.



    WEIBER UND MÄDCHEN

    Knurre, schnurre, knurre!


    Schnurre, Rädchen, schnurre!



    HANNE

    Aussen blank und innen rein


    Muss des Mädchens Busen sein,


    Wohl deckt ihn der Schleier.



    WEIBER UND MÄDCHEN

    Knurre, schnurre, knurre!


    Schnurre, Rädchen, schnurre!



    HANNE

    Aussen blank und innen rein,


    Fleissig, fromm und sittsam sein,


    Locket wack're Freier.



    CHOR

    (ALLE)


    Aussen blank und innen rein,


    Fleissig, fromm und sittsam sein,


    Locket wack're Freier.



    Nr. 20a - Recitativo

    LUKAS

    Abgesponnen ist der Flachs;


    Nun steh'n die Räder still.


    Da wird der Kreis verengt


    Und von dem Männervolk umringt


    Zu horchen auf die neue Mär',


    Die Hanne jetzt erzählen wird.



    Nr. 20b - Chor

    HANNE

    Ein Mädchen, das auf Ehre hielt,


    Liebt einst ein Edelmann;


    Da er schon längst auf sie gezielt,


    Traf er allein sie an.


    Er stieg sogleich vom Pferd' und sprach:


    Komm, küsse deinen Herrn!


    Sie rief vor Angst und Schrecken: Ach!


    Ach ja! ... von Herzen gern.



    CHOR

    Ei, ei, warum nicht nein?



    HANNE

    Sei ruhig, sprach er, liebes Kind,


    Und schenke mir dein Herz!


    Denn meine Lieb' ist treu gesinnt,


    Nicht Leichtsinn oder Scherz.


    Dich mach' ich glücklich: nimm dies Geld,


    Den Ring, die gold'ne Uhr!


    Und hab' ich sonst, was dir gefällt,


    So sag's und ford're nur!



    CHOR

    Ei, ei, das klingt recht fein!



    HANNE

    Nein, sagt sie, das wär' viel gewagt,


    Mein Bruder möcht' es sehn,


    Und wenn er's meinem Vater sagt,


    Wie wird mir's dann ergehn?


    Er ackert uns hier allzu nah.


    Sonst könnt' es wohl geschehn.


    Schaut nur: von jenem Hügel da


    Könnt Ihr ihn ackern sehn.



    CHOR

    Ho, ho! Was soll das sein?



    HANNE

    Indem der Junker geht und sieht,


    Schwingt sich das lose Kind


    Auf seinen Rappen und entflieht


    Geschwinder als der Wind.


    Lebt wohl, ruft sie, mein gnäd'ger Herr!


    So räch' ich meine Schmach.


    Ganz eingewurzelt stehet er


    Und gafft ihr staunend nach.



    CHOR

    Ha, ha, das war recht fein!



    Nr. 21a - Recitativo

    SIMON

    Vom dürren Oste dringt


    Ein scharfer Eishauch jetzt hervor.


    Schneidend fährt er durch die Luft,


    Verzehret jeden Dunst


    Und hascht des Tieres Odem selbst.


    Des grimmigen Tyranns,


    Des Winters Sieg ist nun vollbracht,


    Und stummer Schrecken drückt


    Den ganzen Umfang der Natur.



    Nr. 21b - Aria

    SIMON

    Erblicke hier, betörter Mensch,


    Erblicke deines Lebens Bild.


    Verblühet ist dein kurzer Lenz,


    Erschöpfet deines Sommers Kraft.


    Schon welkt dein Herbst dem Alter zu;


    Schon naht der bleiche Winter sich


    Und zeiget dir das offne Grab.


    Wo sind sie nun, die hoh'n Entwürfe,


    Die Hoffnungen von Glück,


    Die Sucht nach eitlem Ruhme,


    Der Sorgen schwere Last?


    Wo sind sie nun, die Wonnetage,


    Verschwelgt in Üppigkeit?


    Und wo die frohen Nächte,


    Im Taumel durchgewacht?


    Verschwunden sind sie, wie ein Traum.


    Nur Tugend bleibt.



    Recitativo

    SIMON

    Die bleibt allein


    Und leitet uns unwandelbar


    Durch Zeit und Jahreswechsel,


    Durch Jammer oder Freude


    Bis zu dem höchsten Ziele hin.



    Nr. 22 - Chor

    SIMON

    Dann bricht der grosse Morgen an!


    Der Allmacht zweites Wort erweckt


    Zu neuem Dasein uns,


    Von Pein und Tod auf immer frei.



    LUKAS, SIMON

    Die Himmelspforten öffnen sich,


    Der heil'ge Berg erscheint.


    Ihn krönt des Herren Zelt,


    Wo Ruh' und Friede thront.



    ERSTER CHOR

    Wer darf durch diese Pforte gehn?



    HANNE, LUKAS, SIMON

    Der Arges mied und Gutes tat.



    ZWEITER CHOR

    Wer darf besteigen diesen Berg?



    HANNE, LUKAS, SIMON

    Von dessen Lippen Wahrheit floss.



    ERSTER CHOR

    Wer wird in diesem Zelte wohnen?



    HANNE, LUKAS, SIMON

    Der Armen und Bedrängten half.



    ZWEITER CHOR

    Wer wird den Frieden dort geniessen?



    HANNE, LUKAS, SIMON

    Der Schutz und Recht der Unschuld gab.



    ERSTER CHOR

    O seht, der grosse Morgen naht.



    ZWEITER CHOR

    O seht, er leuchtet schon.



    BEIDE CHÖRE

    Die Himmelspforten öffnen sich;


    Der heil'ge Berg erscheint.



    ERSTER CHOR

    Vorüber sind,



    ZWEITER CHOR

    Verbrauset sind,



    ERSTER CHOR

    Die leidenvollen Tage,



    ZWEITER CHOR

    Des Lebens Winterstürme.



    BEIDE CHÖRE

    Ein ew'ger Frühling herrscht,


    Und grenzenlose Seligkeit


    Wird der Gerechten Lohn.



    HANNE, LUKAS

    Auch uns wird einst ein solcher Lohn!



    SIMON

    Lasst uns wirken, lasst uns streben!



    ERSTER CHOR

    Lasst uns kämpfen,



    ZWEITER CHOR

    Lasst uns harren,



    BEIDE CHÖRE

    Zu erringen diesen Preis.


    Uns leite deine Hand, o Gott!


    Verleih' uns Stärk' und Mut;


    Dann singen wir, dann gehn wir ein


    In deines Reiches Herrlichkeit.


    Amen.



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