• Raffael, (*6. April oder 28. März 1483 in Urbino; † 6. April 1520 in Rom)
    auch Raffael da Urbino, Raffaello Santi, Raffaello Sanzio oder Raphael
    war ein italienischer Maler und Architekt der Hochrenaissance.


    Raffael erlangte vor allem als Maler für seine harmonischen und ausgewogenen Kompositionen und lieblichen Madonnenbilder Berühmtheit. Zu Lebzeiten genoss er das Privileg, nur unter seinem Vornamen bekannt zu sein, und noch heute kennen die wenigsten seinen Nachnamen. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein galt er als der größte Maler. Neben seiner Laufbahn als Maler in Florenz und am päpstlichen Hof in Rom wurde er auch Bauleiter des Petersdoms und Aufseher über die römischen Antiken.
    Hier ist eines seiner bekanntesten und berühmtesten und vielleicht auch allerschönsten Gemälde, das im vorigen Jahr 500 Jahre alt wurde und in einer "Extra- Ausstellung" gefeiert und gewürdigt wurde,
    die "Sixtinische Madonna" - zu bewundern in der Dresdner Gemäldegalerie:


    CHRISSY

  • Das Raffael-Selbstporträt von 1506 (s. o.) war mein erster Kunstdruck. Es fasziniert mich noch immer.


    Sein größtes Gemälde ist für mich das Porträt von Papst Julius II. (1511/12):


    [timg]http://de.academic.ru/pictures…48/09julius.jpg;c;400;540[/timg]
    [timg]http://img835.imageshack.us/im…juliushands.png;c;400;234[/timg]
    Er hat m. E. noch eindrücklicher als später Velázquez (bei Innozenz X.) den körperlichen Verfall des Stellvertreters Christi für die Ewigkeit festgehalten. Der Papst wirkt desillusioniert. Ungeschönt wird das Alter nicht verheimlicht (Julius war bereits fast 70) und krank. Das Bild wurde in dem Jahr begonnen, in dem die Welt bereits mit dem Ableben des "Kriegerpapstes" rechnete und Kaiser Maximilian I. ernsthaft daran dachte, sich selbst auch zum Papst (zusätzlich!) wählen zu lassen. Diese Kunde regten Julius' Lebensgeister wieder an und er erholte sich noch einmal. Tatsächlich war er mehr ein weltlicher Renaissancefürst denn ein geistlicher Oberhirte, aber damit ist er nur ein Kind seiner Zeit. Besonders die Hände sind meisterlich gelungen auf dem Gemälde und verraten zweifelsfrei, dass ein Genie wie Raffael am Werke gewesen sein muss. Energisch, verkrampft versucht sich der Alte auf dem Thron zu halten, krallt sich regelrecht daran, will nicht loslassen. Die vielen Ringe stehen vielleicht für die weltliche Vergänglichkeit, die ihm auch nicht helfen wird im Angesicht des Todes. 1513 starb der Papst nach zehnjährigem Pontifikat. Der große Maler überlebte ihn nur um sieben Jahre.

  • Mir gefällt auch sehr, was Joseph II. zu dem Bild geschrieben hat. Feinsinnige Kunstbetrachtung und Geschichte werden eins.



    Darf ich eine ehr sachliche Ergänzung anfügen und damit auf Benedikt XVI. verweisen. Was fällt auf? Er trägt die gleiche Kopfbedeckung wie Julius II. - einen Camauro. Wenn ich nicht irre, ist er von Julius als Teil päpstlicher Kleiderordnung eingeführt worden. Der Renaissance durch Benedikt war nur eine kurze Dauer beschieden. Schade. Tierschützer hatten gegen den Hermelinbesatz protestiert.


    Gruß Rheingold

  • Als Ergänzung möchte ich noch hinzufügen, daß es mindestens DREI Fassungen des Bildnisses von Julius II gibt, sowie einige historische Kopien.
    Die drei Bilder, welche als Originale gehandelt werden befinden sich in Florenz , London und Frankfurt am Main. Ursprünglich galt das Florentiner Bild (Uffizien) als das Original, neuere Untersuchungen lassen es nicht für unwahrscheinlich erscheinen, daß diese Beschreibung auf das Londoner Bild passt. Das Städel Museum in Frankfurt am Main hat im Jahre 2011 ein ursprünglich als "Rafael-Nachahmer" bezeichnetes Bild erworben, wobei sich im Rahmen der Reataurierungsarbeiten ebenfalls hinweise darauf fanden, es könne sich bei diesem Bild um das Original handelen (Kopien werden meist ohne gröbere Korrekturen durchgeführt, da das Bild ja bereits als Original vorliegt. Bei Originalen entscheidet sich der Künstler oft für geringfügig andere Details , was man in der Röntgenaufnahme nachweisen kann.) Derzeit wird das Bild als vermutliches "Werkstattbild" unter Mitarbeit von Raffael persönlich eingestuft.


    Ausserdem gibt es einige hervorragende Kopien, die als solche seit Jahrhunderten bekannt sind. Wikipedia bietet dem Interessierten einen ausserordentlich detaillierten Artikel über die Unterschiede der jeweiligen Fassungen und Kopien, sowie Listen über die Herkunft der Bilder - soweit nachverfolgbar....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, wieso man das Londoner Bild bis 1970 nicht für das Original hielt. Es erscheint mir allein schon von digitalen Photographien her das kunstfertigste zu sein.



    Mir erscheinen beide, besonders das Frankfurter (auf dem selbst der Stuhl irgendwie seltsam wirkt), als viel zu grobschlächtig, um allein aus der Hand von Raffael zu sein. Das ist unter seinem Niveau. Sieht mir nach einer Werkstattarbeit aus.


    Daneben gibt es ja noch eine Kopie von Tizian mit schwarzem Hintergrund, die mir auch nicht so gefällt:


    [timg]http://upload.wikimedia.org/wi…_-_WGA22961.jpg;c;400;480[/timg]

  • Als ich die Dresdner Gemäldegalerie besuchte, stach die "Sixtinische Madonna" von Raffael wirklich heraus. Diese Sanftmut und Anmut in den Gesichtern ist einfach einmalig. Da versteht man die Raffael-Begeisterung der Romantiker voll und ganz! :)


    Schöne Grüße
    Holger

  • Als ich die Dresdner Gemäldegalerie besuchte, stach die "Sixtinische Madonna" von Raffael wirklich heraus. Diese Sanftmut und Anmut in den Gesichtern ist einfach einmalig. Da versteht man die Raffael-Begeisterung der Romantiker voll und ganz!


    Was Du schreibst, verstehe ich sehr gut. Die Raffael-Begeisterung der Romantik ist wirklich nachzuvollziehen. Sie hat tiefe Spuren hinterlassen. Ich habe auch oft vor diesem Bild gestanden. Wenn ich ehrlich bin, es hat mich aber nie so ergriffen und erreicht wie beispielsweise die anderen hier vorgestellten Bilder - Julius II. und das Selbstbildnis, die ich als tiefer und geheimnisvoller empfinde. Mir ist, als sei es totreproduziert worden. Wie oft wurde es regelrecht zerstückelt. Was darf es denn diesmal sein? Alles gibt es auch einzeln - am meisten die Putten. Das ist entsetzlich und wider alle Kunst. Deshalb sollte man sich Bilder oft wie nur möglich im Original anschauen. Allein Raffael ist jede Reise nach Florenz und jede Stunde des Wartens in der Schlange vor den Uffizien wert (man kann Eintrittskarten aber auch im Voraus online buchen, dann entfällt das Anstehen). Am allerliebsten sind mir Reisen, die mich auch in Gemäldegalerien führen.


    Rheingold

  • die "Sixtinische Madonna" von Raffael ... Diese Sanftmut und Anmut in den Gesichtern ist einfach einmalig.

    Das sehe und empfinde ich ebenso. Es ist schon ergreifend und beeindruckend, wenn man vor diesem großen Gemälde steht. Es strahlt eine gewisse geheimnisvolle Ruhe und Erhabenheit aus.



    Mir ist, als sei es totreproduziert worden. Wie oft wurde es regelrecht zerstückelt. Alles gibt es auch einzeln - am meisten die Putten. Das ist entsetzlich und wider die Kunst.

    Du hast völlig recht, lieber Rheingold. Damit wird die wirklich großartige Kunst etwas verkitscht und deshalb habe ich auch in der Auswahl meiner obigen Darstellung bewußt die Putten weggelassen.


    CHRISSY

  • Allein Raffael ist jede Reise nach Florenz und jede Stunde des Wartens in der Schlange vor den Uffizien wert (man kann Eintrittskarten aber auch im Voraus online buchen, dann entfällt das Anstehen). Am allerliebsten sind mir Reisen, die mich auch in Gemäldegalerien führen.


    Da können wir es dann Franz Liszt nachtun, lieber Rheingold, der von seinem Freund Ingre (mit dem er auch zusammen musizierte, Ingre spielte Geige!) durch die Museen geführt wurde. Ein besonders schönes Zeugnis davon ist "Sposalizio" (nach Raffaels Gemälde) aus dem 2. Heft (Italien) der "Annees de Pelerinage".


    http://www.youtube.com/watch?v=l5ycd8C0EwA


    Schöne Grüße
    Holger

  • Lieber Holger, ich freue mich sehr darüber, dass Du auf Liszt und die "Sposalizio" kommst. Das wär mir gar nicht auf Anhieb eingefallen. Und doch liegt es so nahe. Danke. Es ist - wie der ganze Zyklus - eines meiner liebsten Stücke von Liszt. Das Bild selbst, auf das es sich beruft, nämlich die Verlobung Mariä, ist nicht mein Lieblingsbild. Aber wie Liszt eine musikalische Entsprechung der Farben und des Lichts, der Anordnung, der Perspektive und der Mystik des Gemäldes findet, ist kolossal. Sehr leicht, sehr versonnen. Da steht dieser Liszt vor einem Bild und staunt. Das glaube ich auch heraus zu hören. Gleich habe ich mir die Aufnahme mit Berman aus dem Regal geholt. Nun will ich noch höre, wie Deine Empfehlung von youtube ist.


    Dir wünsche ich einen schönen Abend.


    Gruß Rheingold

  • Da steht dieser Liszt vor einem Bild und staunt. Das glaube ich auch heraus zu hören. Gleich habe ich mir die Aufnahme mit Berman aus dem Regal geholt. Nun will ich noch höre, wie Deine Empfehlung von youtube ist.


    Lieber Berman,


    niemand spielt "Sposalizio" so wie Lazar Berman (den ich ohnehin für den besten Interpreten von Liszts "Annees... halte, den es je gab). (Ich selbst als Amateurpianist habe mich auch an "Sposalizio" versucht! :) ) "Sposalizio" von L. Berman gibt es auch auf DVD, Konzert in Tokyo 1988 - aber nicht bei Youtube, und dann noch seine zweite Einspielung aus den 90igern, die ist sogar noch feinsinnger als die alte bei der DGG:




    Schöne Grüße
    Holger

  • Zit.: "Ein besonders schönes Zeugnis davon ist "Sposalizio" (nach Raffaels Gemälde) aus dem 2. Heft (Italien) der "Annees de Pelerinage".

    Vielleicht sollte man diesbezüglich anmerken, dass „Sposalizio“ von dem Raffael-Gemälde in der Brera-Pinakothek in Mailand inspiriert wurde, das die mystische Hochzeit Marias zum Gegenstand hat. Wenn man genau hinschaut, stellt man eine gewisse Ähnlichkeit mit Marie d´Agoult fest, und das dürfte auch der letzte Antrieb dafür gewesen sein, dass Liszt aus der Begegnung mit diesem Bild Musik machte. Raffael hat schließlich viele Künstler inspiriert.


    Dafür spricht: Als er das Werk nämlich 1883 für Orgel und Frauenstimme umschrieb, setzte er in den Mittelteil ein mehrmaliges „Ave Maria“. Auch die Verschmelzung der beiden Themen am Ende der Klavierfassung deutet auf so etwas wie eine Vereinigung der himmlischen und irdischen Sphäre hin.


    Kleine Anmerkung noch: Ich habe das Werk 1977 zum ersten Mal in der Interpretation von Lazar Berman (in der damals als Lp-Kassette bei der DG erschienen Aufnahme) gehört. Inzwischen lernte ich noch viele weitere Interpretationen kennen. Keine hat mich mehr so sehr fasziniert und in Bann geschlagen wie die von Berman.

  • Vielleicht sollte man diesbezüglich anmerken, dass „Sposalizio“ von dem Raffael-Gemälde in der Brera-Pinakothek in Mailand inspiriert wurde, das die mystische Hochzeit Marias zum Gegenstand hat. Wenn man genau hinschaut, stellt man eine gewisse Ähnlichkeit mit Marie d´Agoult fest, und das dürfte auch der letzte Antrieb dafür gewesen sein, dass Liszt aus der Begegnung mit diesem Bild Musik machte. Raffael hat schließlich viele Künstler inspiriert.


    Dafür spricht: Als er das Werk nämlich 1883 für Orgel und Frauenstimme umschrieb, setzte er in den Mittelteil ein mehrmaliges „Ave Maria“. Auch die Verschmelzung der beiden Themen am Ende der Klavierfassung deutet auf so etwas wie eine Vereinigung der himmlischen und irdischen Sphäre hin.

    Lieber Helmut,


    das hat sicher eine Rolle gespielt - aber andererseits nahm Liszt Fragen des Glaubens, der Metaphysik und der Kunst auch sehr ernst, so daß sich hier das Biographische und Transzendentale wohl mischen. Heinrich Heine hat diese romantische Vermischung ja ironisch thematisiert - und Liszt hat das Gedicht vertont und bezeichnend ernstgenommen:


    Es schweben Blumen und Engelein
    um unsre liebe Frau;
    Die Augen, die Lippen, die Wängelein,
    Die gleichen der Liebsten genau.

    Das Bild:



    Schöne Grüße
    Holger

  • P.S. Nachdenkenswert ist, daß der erste Zyklus der "Annees de Pelerinage" (Schweiz) mit den "Glocken von Genf" endet. Das war der Wohnsitz von Marie d´Agoult. Der Romantik findet seine Heimat als Zielort bei der Geliebten. Die Hochzeit mit der Geliebten als "heiliges" Band ("Sposalizio") eröffnet dann als Fortsetzung den zweiten Band.


    Beste Grüße
    Holger

  • Zit.: "...aber andererseits nahm Liszt Fragen des Glaubens, der Metaphysik und der Kunst auch sehr ernst,"
    Es lag mir fern, dies infrage zu stellen. Andererseits ist biographisch gut belegt, dass Liszt zu jener Zeit das "Ave Maria" sehr gerne mit seiner geliebten Marie in innigen Zusammenhang brachte.
    Auf Listzs Vertonung von Heines Versen aufmerksam gemacht zu werden, finde ich amüsant.

  • Auf Listzs Vertonung von Heines Versen aufmerksam gemacht zu werden, finde ich amüsant.

    Das war auch nicht so gemeint. (Und vielleicht kennen das andere Leser, die den Liszt-Thread (leider) nicht mitgelesen haben, ja nicht!) Sachlich gehört das einfach hierher - Heine thematisiert diese Verschränkung von Biographischem und Religiösem, die offenbar für die romantische Haltung typisch ist. Und Liszt kommt das überhaupt nicht blasphemisch vor.


    Schöne Grüße
    Holger


  • Aus dieser Raffael-Biographie von Antonio Forcellino besteht dieser Tage meine Nachmittagslektüre. Mir gefällt das Buch, weil es auch den Vater Raffaels, Giovanni Santi, würdigt. Seither kann ich seine Bildern einiges abgewinnen. Es geht wohl vornehmlich auf Giorgio Vasari zurück, dass der Vater zugunsten des Sohnes etwas in den Hintergrund gerückt wurde.