17.05.2013 (Staatsoper Hamburg) Richard Wagner "Die Meistersinger von Nürnberg"

  • Hans Sachs - James Ruhterford
    Veit Pogner - Peter Rose
    Fritz Kothner - Jan Buchwald
    Sixtus Beckmesser - Bo Skovhus
    Walther von Stolzing - Klaus Florian Vogt
    David - Jürgen Sacher
    Eva - Meagan Miller
    Magdalene - Katja Pieweck
    Nachtwächter - Wilhelm Schwinghammer


    Philharmoniker Hamburg unter der musikalischen Leitung von GMD Simone Young.


    Inszenierung Peter Konwitschny, Bühnenbild uns Kostüme Johannes Leiacker.


    (28.Vorstellung seit der Premiere am 03.11.2002)


    Wagner-Wahn - So lautet seit dem 12.Mai das Motto der Hamburgischen Staatsoper: "Mit einem künstlerischen Kraftakt ohne Beispiel feiert die Staatsoper Hamburg im Frühjahr 2013 den 200.Geburtstag von Richard Wagner. Zum Jubiläumsjahr dirigiert Hamburgs Generalmusikdirektorin und Opernintendantin Simone Young innerhalb von nur drei Wochen alle zehn Hauptwerke des Komponisten.", oder ist das schon Größenwahn? - Egal! Bei mir reichten Zeit & Geld leider nur für Konwitschnys Meistersinger-Inszenierung und Harry Kupfers Tannhäuser (am kommenden Mittwoch; Bericht folgt).


    Was die gesanglichen Leistungen des Abends angeht, ist dem Bericht von Sven Godenraths zur Vorstellung am 28.04.2013 kaum etwas hinzuzufügen. Die "Stars" des Abends waren sicherlich Klaus Florian Vogt, der hier in Hamburg als ehemaliger Hornist des Philharmonischen Staatsorchesters natürlich einen Heimbonus genießt, und mehr noch der dänische Bariton Bo Skovhus. Ersterer besticht zumindest mich immer wieder durch seine eigenwillige, silbrige Stimmfärbung. An diesem Abend sang KVF von Beginn an volltönend mit sicherer und tragender Höhe, die bis zum "Preislied" im 3.Aufzug allen Beckmessereien standzuhalten vermochte. Am Ende ebenso bejubelt wurde aber auch sein "Gegner" Bo Skovhus, der aktuell in der Rolle des Sixtus Beckmesser hier in Hamburg debütiert. Im letzten Jahr noch als grandios zerissener Lear zu bewundern, zeigte Skovhus neben seinen sängerischen Qualitäten sein schauspielerisches Vermögen und gab der eher ungeliebte Figur des Merkers bei aller Lächerlichkeit eine tragische Dimension. Eine Spannbreite der Darstellung, die der Däne dann auch in der Stimme vollständig auszufüllen vermochte.
    Von den Damen überzeugte Katja Pieweck deutlich mehr, als Meagan Miller: Während Frau Pieweck fraglos zu den besten Sängerinnen gehört, die das Ensemble der Staatsoper zur Zeit besitzt (zuletzt z.B. konzertant im Rienzi, aber auch im Mozart-Fach als Donna Elvira), konnte Meagan Miller ihre Rolle in meinen Augen nicht wirklich ausfüllen. Ihr Gesang war durchaus schön, aber wirkte teilnahmslos und konnte mich nicht mitreißen.
    Die Herren Sacher und Schwinghammer sangen auch an diesem Abend sicher und in gewohnter Qualität. Besonders Wilhelm Schwinghammer gab mit profundem Baß einen hervorragenden Nachtwächter, während an Jürgen Sacher einmal mehr ein Komödiant verloren gegangen ist. Ebenso gefallen hat mir der ausgesprochen textverständlich singende Jan Buchwald.
    Und der Sachs? - Anders, als in der von Sven besuchten Vorstellung (s.o.) schien sich James Rutherford seine Kräfte diesmal besser eingeteilt zu haben! Jedenfalls waren nach einem sehr überzeugenden "Wahn-Monolog" auch in der Schlussansprache keine wirklichen Ermüdungserscheinungen zu vernehmen. Einzig störend vielleicht die nicht immer gute Textverständlichkeit und der etwas kraftlos erscheinende Einstieg im 1.Aufzug - aber irgendwo muss die "Endschnelligkeit" ja herkommen ...


    Ob unsere in der übernächsten Saison scheidende GMD nun vom Größenwahn gepackt ist oder nicht, sei dahingestellt. Ein Kraftakt ist dieser Wagner-Wahn sicherlich, und ich bin sehr gespannt, wie es im kommenden Tannhäuser um Frau Youngs Kräfte bestellt sein wird. Die Meistersinger jedenfalls wurden von ihr und den Hamburger Philharmonikern ungewohnt schlank musiziert. Der sonst gewohnte, manchmal etwas überbordende Young-Klang trat diesmal zugunsten einer größeren Transparenz zurück, die nur selten von einem etwas zu keck hervorstechenden Blech gestört wurde.


    Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass GMD Simone Young mit den am Haus vorhandenen Konwitschny-Inszenierungen (z.B. auch Freischütz und der "Klassenzimmer"-Lohengrin) nie recht warm geworden ist. So wurden insbesondere die Meistersinger in der jüngeren Vergangenheit eher selten gegeben, was m.E. ausgesprochen Schade war, da ich diese Inszenierung für eine der besten Regiearbeiten Peter Konwitschnys halte. Das Zentrum bildet ein qudratisches Holzpodest von ca. vier bis 5 Metern Seitenmaß unter welchem sich z.B. Eva und Walther im 2.Aufzug verstecken können. Im 1.Aufzug sind im Hintergrund mittelalterliche Malereien zu erkennen, während im 2.Aufzug das Podest nach hinten und zu einer Seiten durch eine Leinwand mit einer ebenfalls mittelalterlichen Stadtansicht begrenzt wird. In der Prügelszene wird diese Leinwand heruntergerissen, die Szene geht in Rauch und Flammen auf. Zu Beginn des dritten Aufzuges dann ist an derselben Stelle das zerbombte Nachkriegs-Nürnberg zu sehen, wor welchem Sachs sehr eindrücklich den "Wahn-Monolog" singt. Bis hierhin scheue ich mich nicht, die Szene geradezu als konventionell zu bezeichnen. Konwitschny führt sowohl Handlung, als auch Personenregie deutlich am Text, den er gut zu kennen scheint.
    In der Überleitung zur Festwiese sinkt die Leinwand mit dem zerstörten Nürnberg nieder und gibt im Hintergrund den Blick auf eine Wiese aus der Käfer-Perspektive wieder. Nach und nach treten die Zünfte und schließlich die Meistersinger - von Anfang an lauter "kleine" Richard Wagner mit Barett und samt-grünem Hausmantel - auf, in Begleitung verschiedener Figuren aus Wagners Opern (Tristan und Isolde, Alberich, Wotan, Tannhäuser etc.). In diesen Olymp wird dann am Schluß auch Walther von Stolzing aufgenommen.
    Der unvermeidliche Clou ist jedoch der Schlussmonolog "Verachtet mir die Meister nicht!". Nach wenigen Zeilen des Textes macht sich Unruhe unter den anderen Meistern breit, bis sie Hans Sachs schließlich sogar unterbrechen "Hans, weisst Du eigentlich, was Du da singst?". Es entsteht ein kurzer Disput, in dem einerseits auf die Probleme des Textes hingewiesen wird, dieser aber auch von anderen verteidigt wird. Diese Stelle hat schon bei der Premiere für einen veritablen Skandal gesorgt, und auch diesmal gab es einige wenige Buh-Rufe im vollbesetzten Haus ... Tatsächlich denunziert Konwitschny den Text in keinster Weise; vielmehr findet eher ein m.E. überaus gelungener Vermittlungsversuch ins Heute statt. Ähnliches ist ihm ebenfalls hier in Hamburg übrigens im Freischütz gelungen, wenn der Text des Jägerchores "Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen" vor Beginn der dritten Szene des dritten Aktes vor dem Vorhang durch einen Schauspieler rezitiert wird.



    Natürlich gibt es zu diesem Werk auch einen TMOO-Thread, sowie einige weiterführende Threads:


    WAGNER, Richard: DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG
    Verachtet mir die Meister nicht - Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg