Ring-Inszenierung in Minden

  • Das Mindener Tageblatt berichtet, dass in Minden eine mögliche Ring-Inszenierung zur Diskussion steht.


    Wird Minden Bühne für Wagners "Ring"?


    Nicht nur, aber auch weil Minden die Stadt ist, in der ich aufgewachsen bin, wünsche ich Frau Dr. Hering-Winckler und dem Wagner-Verband viel Erfolg bei dem Projekt - sowie eine Regie, die sich daran orientiert, dem Publikum große Oper zu bieten.


    Christian Hasiewicz

  • Natürlich ein gigantisches Projekt für eine Stadt wie Minden. Wenn es zu stemmen ist, wäre es ein fabelhaftes und nachahmenswertes Beispiel, dass so ein Kraftakt auch in der Provinz möglich ist, wenn alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Das wäre natürlich ein "Riesending". Da wäre ich dabei, falls die Solisten gut sind und die Inszenierung nicht zu "entstaubt" wird. Minden kenne ich nur vom Handball her, da war ich mit dem Vfl Gummersbach zweimal. Na, da warte ich mal die ersten Stimmen ab.

  • So ein Mammutprojekt ist natürlich erstmal zu begrüßen. Ich hoffe nur, dass die Inszenierung noch irgendwas mit Wagner zu tun haben wird. Sonst wird man sich's wohl sparen können. Ich habe aber eine gewisse Hoffnung, dass eine eher kleine Stadt wie Minden da wohl nicht zuviel riskieren wird, da es sonst ein Reinfall sondergleichen werden könnte. Von daher: Seien wir gespannt!

  • RING in Minden? Ich weiß nicht, ob dieses Werk mit seinen gigantischen Ausmaßen, für das sich Wagner einst ein eigenes Theater bauen ließ, an einem relativ kleinen Haus überhaupt Sinn macht? Und das heutzutage, wo es ein Leichtes ist, mit entsprechenden Verkehrsmitteln dorthin zu reisen, wo wesentlich bessere Aufführungsbedingungen bestehen. Ich erinnere mich nur zu gut an die Ring-Inszenierung 2001 in Meiningen, das - gemessen an der Einwohnerzahl - dreimal kleiner ist als Minden aber auf einer wesentlich bedeutendere Tradition zurückblicken kann. Bülow, Strauss, Brahms, Reger - sie alle wirkten dort. Für diesen Ring entwarf Alfred Hrdlicka, der den Wienern unter uns besonders geläufig sein dürfte, das Bühnenbild. Das Feuilleton der ganzen Republik versammelte sich, Publikum von weither reiste an. Es war ein sehr teuer erkauftes kulturelles Spektakel, nicht viel mehr. Ohne jede Nachhaltigkeit. Dann war der Ring schnell weg, und das erlesene Publikum war auch weg. Heute ist Meinungen wieder das, was es ist und sein sollte, nämlich ein Stadttheater, das von einer relativ armen Stadt unter großen finanziellen Anstrengungen am Leben erhalten wird und das für die Menschen wirkt, die dort leben.


    Gruß Rheingold

  • Zitat

    Der Mindener Wagner-Verband hat sein bislang größtes Opernprojekt auf den Weg gebracht: Die Mitgliederversammlung habe gestern Abend "mit großer, großer Mehrheit" für eine Produktion von Wagners Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" gestimmt, sagte die Vorsitzende Dr. Jutta Hering-Winckler gestern Abend nach der Versammlung gegenüber dem Mindener Tageblatt. Damit nehme jetzt alles seinen Gang.


    Der Kulturausschuss der Stadt Minden hatte bereits vor der Sommerpause im Juli einen Grundsatzbeschluss gefasst und dem "Ring"-Projekt bei einer Gegenstimme seine Zustimmung gegeben. Die komplette Tetralogie soll in der Spielzeit 2015/2016 mit "Rheingold" beginnen. Es folgen "Walküre" (2016/2017), "Siegfried" (2017/2018) und "Götterdämmerung" (2018/2019). Anschließend sehen die Pläne des Wagner-Verbandes einen abschließenden Gesamtzyklus in der Spielzeit 2019/2020 vor.


    Quelle: MT-Online


    Dieses Projekt gereicht meiner früheren Heimatstadt zur Ehre. Und auch wenn ich mittlerweile über 200 Kilometer entfernt wohne, werde ich mit Sicherheit jede Aufführung besuchen.


    Herzliche Grüße


    Christian

  • Mittlerweile hat sich die Personalie der Regie für den "Ring" in Minden geklärt. Es konnte Gerd Heinz gewonnen werden, der Wagnererfahrung beispielsweise mit einem Parsifal an der Deutschen Oper gewinnen konnte.


    Was ich an Aussagen von ihm im Interview lesen (hier der Artikel bei MT online) und und sehen kann, gefällt mir ganz gut:
    Den Text in den Mittelpunkt zu stellen; Wagner nicht zu verkleinern, indem man ihn in Feinripp und in der Küche spielen lässt.



    Hatte jemand seinen Parsifal in Berlin gesehen?


    Herzliche Grüße


    Christian

  • Eine ganz hervorragende Initiative, der man nur Erfolg und richtungweisende Signalwirkung wünschen kann. Auch das Heilbronner Sinfonie Orchester geht am 30. März 2014 mit einer Homage À Richard Strauss und einer Besetzung mit 100 Musikern an seine Grenzen. "Nur wer an seine Grenzen geht kann sie erweitern".


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • Gerd Heinz und PARSIFAL in Berlin ?( Nicht, dass ich wüsste, lieber Christian.
    Gruß Rheingold

  • Hallo hasiewicz,


    ein sehr interessantes Konzept, das viel Engagement und noch mehr Mut erfordern wird.
    Mit Aufmerksamkeit wird verfolgt werden können, wie die Besetzungsprobleme (nicht nur bei den Gesangssolisten) und die der Akustik gelöst werden.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Was die Besetzungsmöglichkeiten angeht bin ich durchaus optimistisch. Die großen Häuser sind auf "große Namen" fixiert (im Ergebnis kommt dann schlimmstenfalls ein Gebrüll wie zB das von Lance Ryan im Frankfurter Ring oder in Bayreuth raus). Bei relativ unbekannten Sängern kann man sicher noch viele Entdeckungen machen. Als jüngstes Beispiel fällt mir Mannheim ein, den vor dem Leipziger Siegmund auch kaum jmd. kannte. Auch in Osteuropa gibt es viele erstklassig ausgebildete Sängerinnen u. Sänger, die nur darauf warten entdeckt zu werden.
    Zum Schwur wird es auch in Minden bei der Frage kommen, ob man für das linke Feuilleton oder für das Publikum inszeniert.

  • Der WagnerVerein Minden ist bereits 100 Jahre alt und immer höchst rührig!


    In dem wundervollen kleinen Theater habe ich schon manche bemerkenswerte Aufführung wagnerscher Werke erlebt.


    Zuletzt den Tristan mit der Nordwestdeutschen Philharmonie (das ist das Orchester dessen Chefdirigent Andris Nelsons war!!!) unter Frank Beermann. Für mich war es eine der beglückendsten Aufführungen der letzten Jahre. Bestimmt besser als manche Aufführung, die ich in München, Wien oder Hamburg gehör habe: Dass ich mit meiner Meinung nicht so ganz allein stehe, zeigt vielleicht die Kritik von Eleonore Büning in der FAZ:


    http://www.faz.net/aktuell/feu…uf-dem-dach-11885449.html


    siehe auch:


    http://www.welt.de/kultur/musi…bestod-im-Lippischen.html


    http://www.der-neue-merker.eu/minden-tristan-und-isolde


    . .



    . . .



    Es wundert mich, dass offensichtlich doch manche Opernenthusiasten noch gar nicht mitbekommen haben, dass Wagner auch an der Weser eine Heimstadt hat - und besser gepflegt wird als an manch hochdotiertem Haus!


    Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Wagner-Abende in Minden!



    Caruso41

  • Liebe Taminos,


    das Projekt "Ring in Minden" steht nunmehr - auch im Netz: www.ring-in-minden.de.


    Die Rheingold-Termine sind bereits beinahe ausgebucht. Gestern hatten wir zudem das Vergnügen, einen musikalischen Einführungsvortrag von Stefan Mickisch erleben zu dürfen. Stefan Mickisch konnte man bereits auf der "The World of the Ring"-Blu Ray als amüsant und gelehrt Einführenden in die musikalischen und weltanschaulichen Dimensionen von Wagners Musik erleben. Er hat sich intensiv mit dieser befasst, unter anderem mit einer Klavier-Aufnahme aller 261 Leitmotive des Rings auf 9 CDs.


    Hier ein Interview mit ihm (dass der "Ring" einmal von Peter Jackson so wie "Herr der Ringe" inszeniert werden sollte, darin bin ich mir mit ihm ganz einig...)


    Vor der Leistung des Wagner-Verbands Minden zum Initiieren und Verfolgen dieses Projektes habe ich immensen Respekt, den ich derart in Handlung umgesetzt habe, dass ich ihm soeben beigetreten bin.


    Und mit diesem Beitrag melde ich mich nach längerer Pause auch in eurem Kreise zurück, werte Tamino-Freunde!


    Herzliche Grüße


    Christian

  • Hier ein Interview mit ihm (dass der "Ring" einmal von Peter Jackson so wie "Herr der Ringe" inszeniert werden sollte, darin bin ich mir mit ihm ganz einig...)


    Du weisst aber schon, was für Filme Peter Jackson vor Herr der Ringe gemacht hat ... :untertauch:

  • 09.09.2015 18:00 Uhr
    Minden - Stadttheater


    Richard Wagner Der Ring des Nibelungen: Das Rheingold


    Regie: Gerd Heinz
    Musikalische Leitung: Frank Beermann
    Bühnenbild / Kostüme: Frank Philipp Schlößmann
    Video/Film: Matthias Lippert


    Wotan: Renatus Mészár
    Donner: Andreas Kindschuh
    Froh: André Riemer
    Loge: Thomas Mohr
    Fricka: Kathrin Göring
    Freia: Julia Bauer
    Erda: Evelyn Krahe
    Alberich: Heiko Trinsinger
    Mime: Dan Karlström
    Fasolt: Tijl Faveyts
    Fafner: James Moellenhoff
    Woglinde: Julia Borchert
    Wellgunde: Christine Buffle
    Flosshilde: Tiina Penttinen


    Nordwestdeutsche Philharmonie


    Weitere Aufführungen am 11., 13., 15., und 18. September 2015


    Vorverkauf


    http://www.stadttheater-minden.de
    express Ticketservice & mehr
    Obermarktstraße 26-30, 32423 Minden
    Tel.: 0571-88277


    Das Rheingold-Team traf letzte Woche zum ersten Mal im Mindener Stadttheater zusammen und startete unverzüglich mit den Proben zu der Wagner-Oper, die am 9. September Premiere feiern soll.



  • Heute ist eine begeisterte Kritik über das Rheingold in Minden von Eleonore Büning in der FAZ !!!
    Im Internet kann man die nur einsehen, wenn man das abonniert hat!


    Im Netz gibt es u. a.


    http://www.nw.de/nachrichten/k…on-Wagners-Rheingold.html


    http://www.deutschlandradiokul…ml?dram:article_id=330727


    http://dnm.6772.timewarp.at/mi…el-wuerdiges-an-der-weser




    Ich gehe in die Aufführung am kommenden Freitag (18. September). Freue mich drauf!


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Zit. Caruso: "Heute ist eine begeisterte Kritik über das Rheingold in Minden von Eleonore Büning in der FAZ !!!"
    Das ist eine typische Büning-Kritik: Bester Musikjournalismus, ein Vergnügen zu lesen. Direkt in der Ausage, vor einem klaren Urteil nicht zurückscheuend, dies aber begründend, und die Aufführung so beschreibend, dass charakteristische Elemente und repräsentative Details herausgearbeitet werden und sich gleichwohl ein Gesamteindruck einstellt.


    Sie vergleicht übrigens mit der Aufführung des "Rheingold" bei der Bochumer Ruhrtriennale. Und um das zu belegen, was ich oben zu dieser Art von Kritik meine, zitiere ich mal die Quintessenz, die sie zieht:
    "In Minden konnten wir hören und erleben, woher Wagner kommt: aus der Singspieltradition, schlank rhetorisch, von Carl Maria von Weber her und von Lortzing. Plötzlich war wieder klar, wie unerhört revolutionär dieses durchkomponierte Kunstwerk der Zukunft damals gewirkt haben muss. Und das machte die Sache sympathisch. In Bochum dagegen wurde wieder der große Kübel mit politischem Wagner-Rezeptionsmüll ausgeleert. Mit diesem Ballast beschwert, klingt die Musik wie eine Überwältigungsdroge. Und alles, was man weiß darüber und noch einmal gesagt haben will, etwa über den kapitalistischen Bombast, den Plüsch, die Heuchelei, das Maschinenzeitalter und die Tatsache, dass Geld zwar glücklich macht, aber nicht jeden, wurde nochmals gesagt. "
    Und dann kommt der für sie so charakteristische Schluss der vergleichenden Kritik:
    "Das wissen wir nun. Das erleben wir jeden Tag. Dafür müssen wir aber nicht in die Oper gehen."

  • Sie vergleicht übrigens mit der Aufführung des "Rheingold" bei der Bochumer Ruhrtriennale. Und um das zu belegen, was ich oben zu dieser Art von Kritik meine, zitiere ich mal die Quintessenz, die sie zieht:
    "In Minden konnten wir hören und erleben, woher Wagner kommt: aus der Singspieltradition, schlank rhetorisch, von Carl Maria von Weber her und von Lortzing. Plötzlich war wieder klar, wie unerhört revolutionär dieses durchkomponierte Kunstwerk der Zukunft damals gewirkt haben muss. Und das machte die Sache sympathisch. In Bochum dagegen wurde wieder der große Kübel mit politischem Wagner-Rezeptionsmüll ausgeleert. Mit diesem Ballast beschwert, klingt die Musik wie eine Überwältigungsdroge. Und alles, was man weiß darüber und noch einmal gesagt haben will, etwa über den kapitalistischen Bombast, den Plüsch, die Heuchelei, das Maschinenzeitalter und die Tatsache, dass Geld zwar glücklich macht, aber nicht jeden, wurde nochmals gesagt. "


    Ohne eine der beiden Aufführungen zu kennen und das Urteil irgendwie bewerten zu wollen, verstehe ich dennoch diesen Vergleich nicht. Wenn im Hinblick auf Minden von Singspieltradition die Rede ist, von schlank und rhetorisch, von der Herkunft von Weber, von durchkomponiertem Kunstwerk, dann bezieht sich das doch wohl auf die musikalische Interpretation. Alles, was sie über die Bochumer Aufführung sagt, nimmt hingegen auf die Inszenierung Bezug. Warum dieser optische "Ballast" nun dazu führt, dass die Musik anders klingt als in Minden, leuchtet mir nicht ein.

  • Du müsstest die ganze Kritik lesen, lieber Bertarido, dann könntest Du erkennen, dass in Minden die musikalische Interpretation sehr wohl Teil der gesamten Inszenierung, also integraler Bestandteil der ganzen Aufführung ist. Inszeniert hat übrigens Gerd Heinz, die Nordwestdeutsche Philharmonie wird vom Chemnitzer Gereneralmusikdirektor Frank Beermann geleitet. Das Orchester sitzt auf der Bühne hinter einem Gazevorhang.
    Wagner wird - wie Eleonore Büning schreibt - "pathosfrei, flüssig und schnell, ,mit differenzierten dynamischen Abstufungen" gespielt, wobei sich "jede einzelne Instrumentenstimme " verfolgen lässt.
    Und dann beschreibt Büning sehr detailliert die Inszenierung selbst und geht dabei ausführlich auch auf die sängerische Leistung ein. Das kann ich hier aber nicht im einzelnen wiedergeben.

  • Du müsstest die ganze Kritik lesen, lieber Bertarido, dann könntest Du erkennen, dass in Minden die musikalische Interpretation sehr wohl Teil der gesamten Inszenierung, also integraler Bestandteil der ganzen Aufführung ist.


    Als Nicht-Abonnent der FAZ kann ich den Artikel leider nicht einsehen, aber ich glaube Dir schon, lieber Helmut, dass die Kritik im Ganzen Sinn macht. :hello:

  • Ich dachte, das Ding ist seit langem heillos ausverkauft?


    Zumindest begegnen einem im www Kartensuchende...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • In Bochum dagegen wurde wieder der große Kübel mit politischem Wagner-Rezeptionsmüll ausgeleert. Mit diesem Ballast beschwert, klingt die Musik wie eine Überwältigungsdroge. Und alles, was man weiß darüber und noch einmal gesagt haben will, etwa über den kapitalistischen Bombast, den Plüsch, die Heuchelei, das Maschinenzeitalter und die Tatsache, dass Geld zwar glücklich macht, aber nicht jeden, wurde nochmals gesagt. "
    Und dann kommt der für sie so charakteristische Schluss der vergleichenden Kritik:
    "Das wissen wir nun. Das erleben wir jeden Tag. Dafür müssen wir aber nicht in die Oper gehen


    Diesen letzten Satz möchte ich vollinhaltlich unterschreiben!!!

  • Ich dachte, das Ding ist seit langem heillos ausverkauft?


    Zumindest begegnen einem im www Kartensuchende...

    Ja, es sieht so aus, als wäre alles ausverkauft! Das Haus hat ja nicht mal 600 Plätze! Und dann nur 6 Aufführungen!
    In der gestrigen Aufführung war auch nirgends eine Lücke zu sehen.
    Freundlicherweise haben sie aber vier interessierte junge Opernfans aus Amsterdam, die keine Karten hatten, noch hineingelassen - auf improvisierte Stehplätze!



    Das würde ich gerne tun, aber zur Zeit lebe ich knapp 1200 km Luftlinie von Minden entfernt, das ist dann doch ein etwas weiter Weg für einen Opernabend.

    Ja das ist natürlich weit!


    In jedem Fall kann ich sagen, dass die positiven Kritiken absolut berechtigt waren.
    Da die hier teilweise ja schon zitiert wurden, brauche ich nicht eingehender zu beschreiben, wie man das Werk auf die extrem kleine Bühne gebracht hat.
    Ohne viel Aufwand an Kulissen und Kostümen wurde die Geschichte ganz einfach und absolut stimmig erzählt.
    Es hat mich wirklich begeistert zu erleben, wie wenig es an "Inszenierung" braucht, wenn denn die musikalische Qualität hoch ist!
    Und die war wirklich beeindruckend. Die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Beermann wäre da genau so zu rühmen wie die Sänger, die alle eine starke Präsenz und darstellerische Potenz haben - und gute Stimmen!
    Es mag ungerecht sein, aber zwei ragten deutlich heraus:


    Heiko Trinsinger als Alberich hat eine dunkle Bassbaritonstimme von erheblichem Volumen und beeindrucender Durchschlagskraft. Sie hat mit den oft ekligen Höhen keine Mühe und verfügt noch über Reserven für den Fluch wie ich sie seit seit Gustav Neidlinger bei keinem Alberich mehr gehört habe! Hinzu kommen eine fabelhaft genaue Artikulation, sodass man jedes Wort des Textes verstehen konnte, sowie eine ausgefeilte Modellierung der musikalischen Phrasen! Bravo!!
    In Essen ist Trinsinger ja wohl vielbeschäftigtes Ensemblemitglied und singt vom Giovanni bis zum Pizarro und Barak ein breites Repertoire.


    Thomas Mohr hatte ich mal in Köln als Idomeneo und in München als Eisenstein erlebt. Beide Leistungen waren sehr gut.
    Jetzt ist der Tenor, der sicher schon gut 50 Jahre alt sein dürfte, wohl auf dem Weg, zum Ende seiner Karriere das Heldentenorfach zu erobern. Ob es dafür reichen wird, mag ich nicht abschätzen, aber sein Loge war einfach hinreißend. Er hatte sich zwar wegen einer Erkältung als indisponiert entschuldigen lassen. Davon aber habe ich nicht wirklich was gehört. Erst im 4. Bild fehlte einigen Tönen im Passaggio etwas Glanz und Rundung.
    Ansonsten klingt die Stimme in der Tiefe und Mittellage voll und rund, hat eine angenehme baritonale Färbung, verliert in den behenden Konversationspassagen nichts an Klang und Farbe und blüht in den 'belcantesken' Phrasen schön auf. Die Höhe ist ja beim Loge nicht sehr gefordert aber: die wenigen Ausflüge, die da erfodert sind, zeigten, dass sie sicher sitzt, Kraft und Glanz hat - ohne jedes Forcieren. Was aber mehr noch überzeugt hat als die Stimme , war die kluge Ausleuchtung des Textes. Manche Feinheiten hatte er sich möglicherweise bei Schreier oder Büchner abgelauscht. Die Fähigkeit , die ja nur wenigen ariosen Momente schwelgerisch auszusingen, erinnerte dann eher an Jerusalem. Aber letztlich band er alles zusammen zu einer ganz eigenen, sehr authentischen Profilierung der so vielgesichtigen und schillernden Partie. Bravissimo!
    Für 2016 ist angekündigt, dass Thomas Mohr in Leipzig Loge und Siegfried unter Schirmer singen soll.


    Noch ein Nachwort:
    Dass die Sänger ja praktisch vor dem auf der Bühne sitzenden Orchester agierten und sangen, verlieh den Stimmen und dem vor ihnen getragenen Text eine Präsenz, wie man das in Berlin oder München, Wien oder London nie erleben kann! Das hat schon zuletzt den Tristan in Minden zu einem besonderen Ereignis werden lassen (wie oben erwähnt mit Dana Hobbs und Andreas Schager)!


    Nächstes Jahr dann Walküre!!!
    Vielleicht wohnst Du, lieber Bertarido dann nicht mehr ganz so weit weg?
    In jedem Fall wird nötig sein, sich früh um Karten zu kümmern!


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Zitat Caruso41

    Zitat

    Thomas Mohr hatte ich mal in Köln als Idomeneo und in München als Eisenstein erlebt. Beide Leistungen waren sehr gut.
    Jetzt ist der Tenor, der sicher schon gut 50 Jahre alt sein dürfte, wohl auf dem Weg, zum Ende seiner Karriere das Heldentenorfach zu erobern. Ob es dafür reichen wird, mag ich nicht abschätzen, aber sein Loge war einfach hinreißend. Er hatte sich zwar wegen einer Erkältung als indisponiert entschuldigen lassen. Davon aber habe ich nicht wirklich was gehört. Erst im 4. Bild fehlte einigen Tönen im Passaggio etwas Glanz und Rundung.

    Zitat

    Für 2016 ist angekündigt, dass Thomas Mohr in Leipzig Loge und Siegfried unter Schirmer singen soll.


    auch wenn es vielleicht etwas vom Thema wegführt:


    Lieber Caruso41,


    Thomas Mohr habe ich hier in Leipzig bereits als Loge im vorletzten Jahr im Rheingold erlebt und er hat mir an diesem Abend zusammen mit dem Alberich (Jürgen Linn) am besten gefallen. Er liegt stimmlich ja eher etwas tiefer (ist, wenn ich mich recht erinnere auch ein ausgebildeter und dann auf Tenor umgeschulter Bariton), aber was mir besonders gefallen hat, waren verschiedene Dinge. Dazu gehörten zunächst eine sehr hohe Wortdeutlichkeit, die natürlich nichts bringt, wenn die Stimme nicht passt. Aber sie hatte ein imO schon beachtliches Fundament (weitaus größer als das des Wotan, Tuomas Pursio) und er hat sehr gut phrasiert. Wenn ich es noch recht im Ohr hatte, dann hat er Loge in Leipzig so gesungen, dass er im und durch Schöngesang überzeugt und seine Falschheit nur an ausgewählten Stellen offensichtlich wird, während sie sonst hinter dem schönen Ton versteckt bleibt und erst in der Konsequenz der Handlung offensichtlich wird: das hat mich sehr gut gefallen. An den wenigen etwas höher liegenden Passagen fehlte ihm damals, wenn ich mich recht erinnere manchmal etwas Glanz und Strahlkraft. Daran wird er sicher strak gearbeitet haben.
    Ich weiß aber nicht recht, ob der Siegfried "sein muss", als Siegmund kann ich ihn mir sehr gut vorstellen, die Partie liegt ja etwas tiefer. Andererseits hat er ja eine lange Erfahrung als Sänger und weiß, was er tut. Sein Loge ist auf jeden Fall ein echtes Erlebnis. Da ich den Siegfried in diesem Jahr aus Termingründen "verpasst" habe hole ich zweiten Ringteil m nächsten Frühjahr nach.
    So genug der Aus- und Abschweifung vom Thema meinerseits, sorry


    Mit herzlichem Gruß
    JLang

  • So genug der Aus- und Abschweifung vom Thema meinerseits, sorry


    Lieber JLang,


    als Abschweifung habe ich das gar nicht empfunden.
    Für mich war Dein Beitrag vielmehr der willkommene Versuch, das Bild, das ich von der Leistung des Tenors in Minden gezeichnet hatte, weite auszumalen.
    Hab' Dank dafür!
    Thomas Mohr wurde ja hier in Forum öfter schon erwähnt, unter anderem als Siegmund (Harald Kral) und Parsifal (JosephII), aber es gab bisher kein Wort zu seiner Stimme und seiner gesanglichen und darstellerischen Leistung!


    Da Helmut Hofmann Auszüge aus der Rezension Eleonore Bünings zitiert hatte und es ja nicht leicht ist, an den ganzen Text zu kommen, hier ein Link:


    http://ring-in-minden.de/PDF/FAZ_2015_09_14.pdf


    Auf der Seite gibt es auch ein breites Pressearchiv:


    http://ring-in-minden.de/RG_7_presaktuell.html


    Nun aber denn doch eine Abschweifung: singt Mohr in Leipzig beide Siegfriede?



    Beste Grüße


    Caruso41

  • Zitat Caruso41

    Zitat

    Nun aber denn doch eine Abschweifung: singt Mohr in Leipzig beide Siegfriede?


    Lieber Caruso41,
    auch wenn de Frage von Stimmenliebhaber schon beantwortet wurde
    Er singt den Siegfried in der Götterdämmerung
    Im Siegfried singt Christian Franz, den ich noch nicht gehört habe.


    Herzlich
    JLang