• Otto Piene
    Diese Kunst kommt aus dem Fegefeuer.
    Mit einem Streichholz setzt Otto Piene die Farbe in Flammen. Durch das Feuer entstehen auf dem Bild Blasen, Strukturen und neue Farbverläufe.
    So berichtete eine große Tageszeitung in ihrer gestrigen Ausgabe und ich möchte das den Kunstinteressierten unter uns nicht vorenthalten.
    Die Technik wird beschrieben: Aus einer Farbsprühdose wird auf ein Blatt Papier gesprüht. Die Farbpartikel verteilen sich und dann wird im Zentrum das Ganze kurz angezündet und wieder ausgepustet.
    Von dieser "Kunst" gibt es limitiert 100 Kopien zum Preis von je 490 €, ein Schnäppchen, wie ich meine.
    CHRISSY

  • Zitat von chrissy

    Von dieser "Kunst" gibt es limitiert 100 Kopien zum Preis von je 490 €, ein Schnäppchen, wie ich meine.


    Hallo, chrissy!


    Ich habe das auch gelesen, hielt es aber für einen verspäteten Aprilscherz, der nun im September die Seiten füllt! :no:

  • In der bildenden Kunst gibt es heute kein notwendiges Handwerkszeug mehr, sodass nach Beuys jeder ein Künstler ist. Wenn aber jeder ein Künstler ist, ist keiner ein Künstler. Beuys übrigens hat großartige Zeichnungen gemacht, das ist der einzige Teil seines Werkes, den ich schätze. Im Übrigen ist Kunst, das, was auf dem Kunstmarkt als Kunst verkauft wird. Ich habe viel mehr schöne Wolkenbilder als Gerhard Richter, aber nur seine sind Kunst - und teuer. In der Musik gibt es das auch, wir haben das ja mal hier diskutiert anhand des Stücks 4'32'' von John Cage. Ich sage dazu: es handelt sich bei Cage wie bei Piene um Gags; Gags sind Gags und keine Kunst.
    Nachfrage: das riesige Plakat der Merkelschen Raute in Berlin, wo CDU statt Kim Jong Il draufsteht, ist das auch Kunst?

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Lieber Chrissy, mir ist das Thema zu schwer. Früher war ein Künstler eben ein Künstler. Und heute wird alles zur Kunst gemacht, ohne das der Künstler etwas kann, was andere nicht auch können. Damit sind wir wieder beim Thema z.B. Meese. Wenn der Kunst macht und andere dasselbe tun, weil sie es auch können, kann man Ärger bekommen.


    Heutige Kunst ist das Regietheater der bildenden Künste und der Malerei. Ich kann ohne sie leben.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Ich habe das auch gelesen, hielt es aber für einen verspäteten Aprilscherz, der nun im September die Seiten füllt!

    Früher war ein Künstler eben ein Künstler. Und heute wird alles zur Kunst gemacht, ohne das der Künstler etwas kann, was andere nicht auch können.

    Lieber Wolfgang, lieber La Roche


    Wie so oft, sind wir wieder mal einer Meinung.
    Vor einigen Jahren war ich mal in Halberstadt in einer Ausstellung, wo von einem "modernen Künstler", ich übertreibe mal, Metallteile vom Schrottplatz gefunden, zusammengeschraubt- und geschweißt, zu sehen waren. Es lag auch ein Buch für Besucher aus, wo man seine Eindrücke und Meinung äußern konnte. Ich weiß es heute noch genau, einer schrieb wörtlich rein "Das ist alles Rotz"!


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

  • Naja, die Fragezeichen nach der Kunst sind natürlich berechtigt, obwohl das heute zweifellos als Kunst angesehen wird. Ursprünglich wollten manche radikalen Strömungen nämlich tatsächlich keine Kunst mehr sein, und wenn sie heute als wichtige Kunstströmungen bezeichnet werden, bedeutet das eben einen Wandel des Kunstbegriffs, der eigentlich gar nicht unbedingt im Sinne all dessen sein muss, das nun damit gemeint wird. Andererseits kenne ich Künstler, die so weit gehen, den Begriff Kunst nur mehr für das Ihrige verwendet haben zu wollen, Rubens ist für die dann nicht mehr Kunst sondern Handwerk, sie können sich dann darauf berufen, dass es den Kunstbegriff damals so nicht gab ...


    Also "Kunst?!" ist schon ein passender Titel. Piene finde ich schon ganz nett, ist mir jedenfalls näher als sein Kollege Uecker, aber ich habe beide noch nicht wirklich eingehend betrachtet, gar so wichtig waren sie mir bislang nicht. Anders die stilistisch verwandten Yves Klein und Piero Manzoni, der auch mit seiner "Künstlerscheiße" mir durchaus Vergnügen bereitet (Konservendosen mit mehrsprachiger Aufschrift "merde d'artiste", etc.) - das finde ich schon witzig, wohl auch, weil es weniger intellektuell als derb an die intellektuelle Spielwiese der Konzeptkunst geht und sowohl sich selbst, den Kunstbetrieb und den Kunstbetrachter ver...scht.

  • Mit welchem Argument wird hier die Kunsteigenschaft angezweifelt? Einfach just for fun, oder weil Kunst angeblich von Können kommt?

    Ich würde mal vermuten, weil ein ganz bestimmter, sehr traditioneller Kunstbegriff zugrunde gelegt wird und alles, was diesem widerspricht, dann eben nicht Kunst sein kann oder darf. Ähnlichkeiten zur Bewertung moderner Opern-Inszenierungen sind sicherlich rein zufällig :D :stumm:

  • Mit welchem Argument wird hier die Kunsteigenschaft angezweifelt? Einfach just for fun, oder weil Kunst angeblich von Können kommt?

    Lieber Aaron
    Du wirst bald feststellen, dass es im Forum auch sehr unterschiedliche Ansichten darüber gibt, was Musik ist und was Theaterregie. Aber es gibt hier in allen Fällen auch Anwälte für das jeweils Andere. Also nicht gleich abschrecken lassen. :D


    P.S. Sowohl der Starter dieser Threads, wie auch ein weiteres Mitglied, das sich hier zu Worte gemeldet hat, sind auch nicht mehr im Forum.

  • Ich würde mal vermuten, weil ein ganz bestimmter, sehr traditioneller Kunstbegriff zugrunde gelegt wird und alles, was diesem widerspricht, dann eben nicht Kunst sein kann oder darf. Ähnlichkeiten zur Bewertung moderner Opern-Inszenierungen sind sicherlich rein zufällig :D :stumm:


    Naja, jetzt bin ich ja da und alles wird sich zum Guten wenden. Auch das Gedöns mit dem traditionellen Kunstbegriff. :D

  • Hallo, Aaron,


    ich sah eben, daß Du Dich für Schoenbergs Kompositionsweise interessierst (die viel differenzierter ist, als sich im Begriff der Zwölftonmusik subsumiert).
    Hierüber wird sich sicher noch eine interessante Diskussion entspinnen.


    Hier in diesem Thread aber schon vorab das schöne Wort von Schoenberg:


    "Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen!"


    Viele Grüße


    J.Schneider

  • Hi Joachim,


    dankeschön für Deine freundliche Ansprache. Schoenberg fasziniert mich, aber ich verstehe nicht alles. Selbst bin ich bildender Künstler und kann ausnahmslos Werke Anderer erklären. Falls es hier Komponisten/Musiker gibt, die dasselbe in Bezug auf Schoenberg können, bitte ich um Erklärungen!