Johan Halvorsen - Nachfolger von Grieg und Svendsen

  • Durch die herausragende cpo Doppel-CD mit den Orchesterwerken von Ludvig Irgens Jensen bin auch auf den norwegischen Komponisten Johan Halvorsen aufmerksam gemacht worden. Auch hier haben die umtriebigen Chandosianer eine umfangreiche Dokumentation seines Schaffens vorgelegt, die bereits bei Folge 4 angekommen ist.



    Die erste Folge enthält neben kürzeren Stücken (der Boyaren-Marsch wäre eine Zierde jedes Neujahrskonzertes) die halbstündige Mascerade-Suite und die 35-minütige 1. Symphonie. Auch hier gilt es hervorragende unbekannte romantische Musik zu entdecken, die Umsetzung durch Neeme Järvi und Halvorsens Hausorchester hat beste Kritiken eingeheimst (u.a. 10/10 bei classicstoday).




    Ich bekomme zunehmend den Eindruck, dass uns durch zwei Weltkriege und die Fixierung auf die Avantgarde nach 1945 viel sehr höhrenswerte Musik durch die Lappen gegangen ist. Schön, dass wir das jetzt korrigieren können.

  • Besten Dank für den Hinweis auf diesen Komponisten. Ich beginne mal mit einer CD. Bei mir ist es die Nr 2 der Edition, denn der erste Satz der Ancient Suite Op 31 hat mich vom ersten Augenblick an begeistert....
    Wird vermutlich bis Mitte Oktober in meiner Sammlung sein....




    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Und heute ist es soweit: Die oben gezeigte CD mit Orchesterwerken von Johan Halvorsen bereichert meine Sammlung.
    Vier Jahre nach Gustav Mahler geboren, und 24 Jahre nach ihm gestorben, verkörpert er eine total andere Klangwelt, aber mit Sicherheit keine vorwärtsgewandtere.
    Schon das erste Werk auf dieser CD setzt einen in Erstaunen. Die Suite ancienne op 31a war ursprünglich 1911 als Zwischenaktmusik für eine Komödie von Ludvig Holberg ("Das Wochenbett") komponiert worden und erst nachträglich zur einer Suite zusammengefasst worden. Man fühlt sich, sobald man sie hört, ins 18 Jahrhundert versetzt. Ich hatte momentan den Verdacht die falsche CD in den Player gelegt zu haben....


    Suite ancienne
    Ser Titel suggeriert ja, dass hier rückwärtsgebundene Musik zu hören ist, aber die Erfahrung lehrt, daß man sich auf sowas nicht verlassen sollte. Aber in diesem Fall ist das Misstrauen nicht angebracht, was versprochen wird, das wird hier eingehalten - über 23 Minuten lang - und wie !!!


    Dies nur zur Einstimmung auf diesen Komponisten. Weitere Stücke werden demnächst kurz hier vorgestellt - Für jetzt nur soviel: Die Norwegischen Tänze sind ebenso melodiös, wie temperamentvoll, sie besitzen Ohrwurmqualität: Demnächst mehr - von Lutgra, mir oder sonst jemandem...


    Für die Sinfonien müssen wir uns ohnedies mehr Zeit nehmen...


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Heute möchte ich ein paar Zeile über die "Norwegischen Tänze" für Violine und Orchester hier schreiben.
    Schlank, spritzig und betörend schön im Klang. Zudem, wie der Titel schon andeutet, sehr volkstümlich und eingängig, teilweise sind -sparsam - Zupfeffekte eingefügt. Niemand kömme hier auf die Idee einen Komponisten zu hören, der nach Bruckner , Brahms und MAhle geboren wurde (1865) und alle um Jahrzehnte überlebt hat. Das Werk ist nicht einheitlich, es ist zu verchiewdenen Zeiten entstanden. Die Tänze 1 und 2 entstanden im Kern um 1896 und sind dann 1910 orchestriert worden, die Tämze entstanden erst 1930. Teilweise wurden Themen aus altem norwegischen Liedgut verwendet und dann weiterbearbeitet. Ich finde, daß man den "Bruch" zwischen, den Tänzen 1 und 2 und dem Rest der Komposition durchaus hört. Die spätere Tänze sind dichter im Orchestersatz und nicht ganz so überwältigend eingängig. Hier werden mir vermutlich nicht viele beipflichten....


    Demnächst mehr...
    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Da im letzten Jahr niemand an Johann Hoavorsens 150. Geburtstag gedacht hat, so will ich doch heute an seinen


    151. Geburtstag


    erinnern und gleichzeitig ankündigen, dass im Detember sein 80. Todestag ansteht.
    Es wird unseren Threadgründer lutrgra, einen ausgewiesenen Kammermusikliebhaber, freuen, dass ich zu der heutigen Erinnerung eine Kammermusik-CD ausgesucht habe, von der mir die Hörschnipsel so gut gefallen haben, dass ich die CD sogleich bestellt habe:


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Es wird unseren Threadgründer lutrgra, einen ausgewiesenen Kammermusikliebhaber, freuen, dass ich zu der heutigen Erinnerung eine Kammermusik-CD ausgesucht habe, von der mir die Hörschnipsel so gut gefallen haben, dass ich die CD sogleich bestellt habe:


    Diese CD kenne ich noch nicht. vielen Dank für den Hinweis. Ich stelle auch gerade fest, dass ich noch gar nicht die oben von mir beschriebene Box in meiner Sammlung habe. Da werde ich Abhilfe schaffen.

  • Mir geht es genauso.
    Halvorsens Musik wird sich allerdings nie wirklich durchsetzen - weil sie zu schön ist
    Nein - in Wirklickeit ist sie wunderschön - ich habe es schon weiter oben geschrieben...


    BTW:
    Beim Reinhören in die Soundsamples CD 4 Track Nr 3
    "Norwegische Volksweisen" op 66 Nr 1-19 (Nr 2) kam mir das Thema bekannt vor - (Grieg ?)


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Volltreffer, lieber Alfred: Es ist Grieg:


    Beim Gegenhören fand ich das Stück, das bei Halvorsen unter Norwegische Volksweisen op. 66 Nr. 1 - 19 Nr. 2 unter dem Titel : Brudefolget drager forbi: Alla marcia gelistet ist,
    sehr rasch bei Edvard Grieg in der Sammelbox der Orchester werke in Disk 2 von 8, Track 9 unter Szenen aus dem Volksleben op. 19 Nr. 1 bis 3, Nr. 2 unter dem Titel: The Bridal Procession passes by (bearbeitet für Orchester von Johan Halvorsen).
    Die beiden Stücke sind identisch. Beide Titel heißen ja auch wohl so viel wie : Die Brautprozession zieht vorbei, und der Hinweis unter Halvorsen (transkr. für Orchester) deutet an, dass beiden identischen Orchesterbearrrbeitungen eine norwegische Volksweise zugrunde liegt.
    Da Edvard Grieg 21 Jahre eher geboren wurde, liegt die Vermutung nahe, dass er es zuerst in seine Volksweisen(bearbeitungen) aufgenommen hat und Halvorsen später die Orchesterfassung erstellt hat.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi, lieber Alfred,


    der besagte Marsch stammt tatsächlich aus Edvard Griegs Klavierwerk Szenen aus dem Volksleben op. 19 und wurde später -tatata- in die Musik zu Peer Gynt übernommen. In der Originalpartitur ist dieser Satz jedoch nicht enthalten und wurde auch nicht gedruckt, da Grieg mit seiner Orchestration nicht zufrieden war. 1908 ließ Halvorsen erstmals die Partitur drucken (wobei 3 Sätze fehlten). Dabei übernahm Halvorsen auch den besagten Brautzug, den er dafür orchestrierte und passend in den 1. Akt am Hochzeitshof einfügte.


    LG
    Christian

  • Gestern habe ich erstmals Halvorsens Sinfonie Nr 1 gehört.
    Ich bin dann aus Müdigkeit nicht dazu gekommen, meine Höreindrücke zu schildern. Das war eigentlich ein GLücksfall, denn heute sind meine Eindrücke doch unterschiedlich zu den gestrigen. Vielleicht liegt das auch daran, daß ich gestern über Lautsprecher, heute aber über Kopfhörer hörte.
    Mein Eindruck, als ich die ersten Takter der Musik hörte, war der eines eher "nichtssagenden" Werkes. Bei längerem Hören fand ich dann allerdings zahlreiche klangschöne Passagen, vor allem ab dem 2. Satz. heute höre ich die Sinfonie indes mit großem Vergnügen - vielleicht weil ich entspannt bin (?)
    Entspannt war übrigens auch die Einstellung Halvorsens zum mutmaßlichen Mißerfolf dieser Sinfonie:
    Er schrieb 1923 an seine Tochter Anna:

    Zitat

    Um diesen schrecklichen Winter hinter mich zu bringen, komponiere ich jetzt, als wollte ich 'Beethoven verjagen.
    Ich habe viel sehr schönes Papier gekauft - Notenpapier - das ich auch schon beschreibe, vorerst mit einer Sinfonie.
    Den ersten Satz habe ich vollendet - als Skizze.
    Durchaus möglich, daß man sich heutzugate mit dem Werk nicht anfreunden wird, da es nicht gerade modern ist.
    Vielleicht werden es auch kommende Generationen nicht zu schätzen wissen. Aber das nehme ich in Kauf.
    Ich komponiere, weil ich es so möchte und pfeife auf die Welt und die Nachwelt.


    Un das Thema Grieg von weiter oben kurz erneut aufzugreifen:
    Edvard Grieg war erklärtermaßen - ebenso wie Johan Svendsen - eines der musikalischen Vorbilder Halvorsens und darüber hinaus heiratete er dessen Nichte


    mfg aus Wien
    Alfred


    Anmerkung, wie schon Lutgra weiter oben erklärte, gibt es eine 4 CD Bock von Halvorsens Orchesterwerken, Si kommt in etea auf die Gälfte des Preise gegenüber Eintelanschaffungen......