Rundfunkmitschnitte, die es nie kommerziell auf CD schaffen

  • Das Thema verdient eigentlich einen eigenen Thread. Vielleicht gibt es etwas ähnliches bereits, es würde mich nicht wundern. Nichtsdestotrotz sei diese Thematik hier eröffnet.


    Sammler von Rundfunkmitschnitten kennen das sicher schon seit Jahrzehnten: Man hört im Radio eine tolle Wiedergabe eines Werkes, aber man wartet letztlich vergeblich auf eine offizielle Veröffentlichung derselben auf CD. Früher war es dann recht kompliziert, an den jeweiligen Mitschnitt zu kommen, wenn man ihn nicht gerade zufällig selbst aufzeichnete. Heute ist es ziemlich einfach. Ganze Internet-Gruppen haben sich darauf spezialisiert, tagtäglich mitzuschneiden und das Ganze digital zur Verfügung zu stellen.


    Gleichwohl fragt man sich oft unweigerlich: Warum erscheint das nicht bitte schön auf CD? Es wäre es in vielen Fällen wert. Bei anderen Veröffentlichungen fragt man sich, wieso das wirklich offiziell herauskommen musste. Als Beispiel fällt mir der "Ring" von Thielemann aus der Wiener Staatsoper ein. Tontechnisch scheinbar keine Verbesserung gegenüber den Rundfunkmitschnitten, aber es ist halt Thielemann.


    Die nächste Frage ist, wieso es oft so unglaublich lange dauert, bis sich irgendein Label erbarmt, und einen Mitschnitt veröffentlicht. Bei diesem Schneckentempo braucht man sich nicht wundern, wenn die Sammler die Aufnahmen längst vorher schon durch andere Quellen besitzen. Hier fällt mir der 2001 aufgenommene Schubert-Symphonien-Zyklus von Maazel ein, der erst 2013 auf CD erschien. War es wirklich so schwierig, das früher herauszubringen? Zurückgehalten werden, um bei diesem Beispiel zu bleiben, nach wie vor seine Münchner Zyklen von Mahler, Brahms und Beethoven. Immerhin der Bruckner erschien bereits.


    Nun soll es hier auch darum gehen, welche Mitschnitte ihr gerne offiziell auf CD veröffentlicht sehen würdet, wo es bis dato aber aus irgendwelchen Gründen aber nicht geschah. Also solche, die es eures Erachtens wert wären, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu sein.


    Liebe Grüße
    Joseph

  • Bei den Salzburger Festspielen, ich glaube 1995 war es, spielte das Chamber Orchestra of Europe, vestärkt um die Mitglieder des Hagen Quartetts als Stimmführer und mit Clemens Hagen als Solisten das Cellokonzert von Robert Schumann. Ich war völlig überwältigt von diesem Dirigat Nikolaus Harnoncourts und es war für mich ein revolutionäres und meinem Zugang zu dieseser Epoche revolutionierendes Romantikbild. Leider war hier das Klangbild der ORF dumpf und die Ballance zwischen Solisten und Orchester schlecht ausgewogen. Auch hat mich der Solopart des letzten Satzes nicht wirklich überzeugt, was womöglich an der nahen Mikrophonierung gelegen haben mag. Dennoch: Diesen Radiomitschnitt werde ich nie vergessen und liebend gerne hätte ich eine Aufnahme davon.
    :thumbsup:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Ein gelungener Thread, der wichtige Fragen aufwirft, wie ich finde. Ich vermisse schmerzlich eine tolle CD oder DVD - Produktion von Offenbachs "Les Contes d' Hoffmann" unter Leitung von Marc Minkowski. Es gibt einen Radiomitschnitt aus Lausanne (der vermutlich wegen des extrem schwachen Tenors nicht veröffentlicht wurde, obwohl dies dem Vernehmen nach eigentlich vorgesehen war) und einen aus Paris, der musikalisch sehr schön ist, wobei die Oper allerdings nur eine konzertante Aufführung erfuhr.
    Des weiteren hoffe ich sehr, dass die Neueinspielung von de Fallas "Los amores de la Inés" auch noch auf CD oder DVD erscheint. Nachdem dieses Werk Jahrzehnte im Archiv geschlummert hat, wäre es schade, diese Pioniertat nicht im Rahmen einer offiziellen Veröffentlichung zu dokumentieren.

  • Wolfgang Amadeus Mozart
    DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL


    Konstanze Anneliese Rothenberger
    Blondchen Judith Blegen
    Belmonte Werner Krenn
    Pedrillo Gerhard Stolze
    Osmin Oskar Czerwenka
    Selim Bassa Peter Passetti


    RIAS Kammerchor
    Radio-Symphonie-Orchester Berlin
    Dirigent: Georg Solti


    Die Studio-Aufnahme des Soundtracks von 1967 wurde erstmals 2004 im Rundfunk gesendet.
    Eine CD ist bis heute nicht erschienen, trotz Rothenberger und Solti.

  • Johann Sebastian Bach
    Weihnachts-Oratorium BWV 248

    Sibylla Rubens, Sopran
    Christa Mayer, Alt
    Daniel Behle, Tenor
    Andreas Scheibner, Bariton


    Kammerchor der Frauenkirche Dresden
    Sächsische Staatskapelle Dresden
    Dir.: Christian Thielemann
    Frauenkirche Dresden, 9. und 16. Dezember 2011

  • Ich bewege mich scheinbar ein wenig am Thema vorbei wenn ich hier keinen Wunsch nach einem Rundfunkmitschnitt äußere, bin aber dennoch nah dran:


    Zitat

    Gleichwohl fragt man sich oft unweigerlich: Warum erscheint das nicht bitte schön auf CD?

    Nun -da gibt es vermutlich VIELE GRünde - Einige wurden schon implizit aufgezählt.



    Zitat

    Leider war hier das Klangbild der ORF dumpf und die Ballance zwischen Solisten und Orchester schlecht ausgewogen.

    Kein Label, das Gewinn machen will, wird in der heutigen Zeit solch eine heisse Kohle anfassen. Eines der besten Argumente gegen den Download und für den CD KAuf ist die TONQUALITÄT.


    Rundfunkmitschnitte sind meist ein wenig kompakt, selten überragend. Daher höre ich NIE Musik im Radio - kenne daher die meisten Aufnahmen gar nicht. Wenn mir jemand entgegenhält, daß einige Label dennoch RF Mitschnitte veröffentlichen, dann halte ich dem entgegen: EBEN!!!


    Solche Aufnahmen akzeptiere ich nur wenn es keine Studio-Alternative gibt - also bei ausgefallenem Nischenrepertoire.
    Aber auch hier gibt es zahlreiche Aufnahmen mit kompaktem Mischklang, wenig Dynamik und wenig Räumlichkeit.


    Ein weiterer Grund mag vorliegen, wenn die teilnehmenden Künstler Exklusivverträge mit Plattenfirmen hatten und eine der beteiligten Firmen ein Veto gegen die Veröffentlichung auf CD einlegt.


    mit freundlichen GRüßen aus Wien
    Alfred

  • Das Thema, dass Joseph angestoßen hat, interessiert auch mich, heute vielleicht nicht mehr so stark wie von einigen Jahren. Oder aber mit anderer Gewichtung. Ich sehe es nämlich grundsätzlich als nicht so erstrebenswert mehr an, dass Rundfunkmitschnitte auf CD erscheinen müssen. Denn die CD ist nicht das Ende in der Geschichte der Tonträger. Alles geht stark auf alternative Bewahrungs- und Austauschmöglichkeiten Möglichkeiten hin. Joseph hat das ja selbst angerissen. Ich frage mich, warum ich Stücke unbedingt auf CD haben muss, wenn ich als Mitschnitt auf dem Radio bereits habe? Für die Verbreitung sorgen ja nicht nur die diversen Netzgruppen und Blogs. Die Sender sind fast alle selbst im Netz, die Tonqualität wird immer besser. Es gibt Archive, in denen man sich auch noch Tage nach der Sendung bedienen kann. Inzwischen kann man auch an Fernseher der neuen Generation portable Festplatten aller Größen anschließen und aufnehmen, was man will. Amazon liefert ja eine große Zahl von Titels auch bereits direkt auf die eigene Festplatte etc. pp.


    Und dennoch: CD ist immer noch CD. Das Auge hört schließlich auch mit. Archive bei den Rundfunkanstalten sind rappelvoll, das meiste nicht zugänglich. Plötzlich wird doch etwas rausgerückt. das Label audite leistet mit seiner Aufarbeitung des RIAS-Archivs Pionierarbeit. Unglaublich, was alles schon herausgebracht wurde - zuletzt ein mir bislang unbekanntes "Weihnachtsoratorium" von 1950 unter Karl Ristenpart. Eine schöne Ausgabe mit einem guten Booklet hat eben großen Eigenwert. Ob der Klang aber immer besser wird, muss der Einzelfall zeigen. Automatisch ist das nicht so. Denn ein Großteil der CD-Produktionen beruht ja bereits jetzt auf Mitschnitten. Ganze Opern produziert niemand mehr im Studio.


    Ich wünsche mir auch Aufnahmen aus den Archiven auf CD, bitte eingepackt in Gold! Zu allererst den Bayreuther Mitschnitt vom „Lohengrin“ von 1972.


    Richard Wagner
    Lohengrin


    Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele 1972
    Dirigent SILVIO VARVISO


    Heinrich der Vogler
    KARL RIDDERBUSCH
    Lohengrin
    RENE KOLLO
    Elsa von Brabant
    HANNELORE BODE
    Friedrich von Telramund
    DONALD MCINLYRE
    Ortrud, seine Gemahlin
    URSULA SCHRÖDER-FEINEN
    Der Heerrufer des Königs
    GERD NIENSTEDT
    Vier brabantische Edle
    HERIBERT STEINBACH
    HEINZ ZEDNIK
    RUDOLF HARTMANN-GNIFFKE
    HEINZ FELDHOFF



    Die Premiere wurde im Rundfunk gesendet. Prachtvoller habe ich die Oper nie wieder gehört. Auch Varviso habe ich nie wieder so gehört.


    Auf DVD wünsche ich mir „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Weill/Brecht, für das Fernsehen in Stuttgart produziert. Das Jahr weiß ich nicht. Anja Silja (Jenny) ist noch wunderbar jung, Gerhard Stolze (Jim Mohoney) übertrifft sich selbst und Martha Mödl als Witwe Begbick setzt allem die Krone auf. Sie ist in ihrer Verkommenheit hinreißend. Die Inszenierung mit einem Schuss Flower Power stammt – wenn ich nicht irre – von Günther Rennert, am Pult wirkt Ferdinand Leitner.


    Gruß Rheingold

  • Ich glaube auch nicht, dass das Argument "Tonqualität" heute noch eine entscheidende Rolle spielt. Wie bereits zurecht erwähnt wurde, sind viele (wenn nicht die meisten) heute erscheinenden Aufnahmen sowieso unter Live-Bedingungen entstanden, so ja auch z. B. der Beethoven-Zyklus von Thielemann (den ich aber aus klanglichen Gründen hier nicht als Paradebeispiel nennen würde, schon eher Maazels Live-Schubert). Jedenfalls kann man (und das nicht erst seit heute) Live-Mitschnitte in audiophiler Qualität machen. Ehrlich gesagt, konnten das geschickte Tontechniker bereits in den 60er Jahren. Ein "Pfuscher" kann noch heute eine Studioaufnahme klangtechnisch herabwerten. Die Wahrheit ist, dass ich trotz AKG-Kopfhörern heute kaum mehr Unterschiede zwischen einem guten Rundfunkmitschnitt und einer CD feststellen kann. Heute wird in verlustfreien Audioformaten mitgeschnitten, nicht mehr in schlechter mp3-Qualität. Natürlich kann man immer Beispiele anführen, die nicht so toll gelungen sind, aber wenn wir ehrlich sind, gilt das doch auch für offizielle CDs, die tlw. sogar unter Studiobedingungen enstanden sind.


  • Diese Besetzung habe ich mal als Film gesehen, vor vielen Jahren auf NDR 3, ist aber auch als DVD nicht zu kriegen.


    Schöne Grüße
    wega

  • Noch ein Kandidat, der aufgrund der hohen Qualität für eine Veröffentlichung m. E. mehr als geeignet wäre:


    JOHANNES BRAHMS


    Symphonie Nr. 1 (19.04.2007)
    Symphonie Nr. 2 (30.04.2007)
    Symphonie Nr. 3 (06.05.2007)
    Symphonie Nr. 4 (06.05.2007)
    Akademische Festouvertüre (19.04.2007)
    Tragische Ouvertüre (30.04.2007)
    Klavierkonzert Nr. 1* (15.02.2007)
    Klavierkonzert Nr. 2* (17.02.2007)
    Violinkonzert** (19.04.2007)
    Doppelkonzert*** (30.04.2007)
    Serenade Nr. 1 (15.02.2007)
    Serenade Nr. 2 (17.02.2007)


    Emanuel Ax, Klavier*
    Julia Fischer, Violine**
    Glenn Dicterow, Violine***
    Carter Brey, Cello***


    New York Philharmonic
    Lorin Maazel


    Alles in astreinem, klasklarem und räumlichem Stereo, das keiner Studioaufnahme nachsteht. Das Orchester übertrifft sich selbst. So präsent hörte man Pauken und Blechbläser selten. Die Interpretation Maazels ist hervorragend: im besten Sinne klassisch-romantisch, eher langsame Tempi, aber nie verschleppt.

  • Hallo lieber Forianerinnen und Forianer,


    vor nunmehr über 25 Jahren habe ich einmal eine im Radio gesendete Konzertaufnahme auf Tonband-Kassette mitgeschnitten und irgendwann in neuerer Zeit auf CD übertragen. Laut meiner Beschriftung sendete "Radio DDR 2" das Konzert am 14. Juni 1988.


    Folgendes notierte ich mir damals zu dem Mitschnitt:


    Alban Berg: Violinkonzert
    Solist: Leonid Kogan
    Orchester: Zentrales Sinfonieorchester des Staatlichen Komitees für Rundfunk und Fernsehen der UdSSR
    Dirigent: Kyrill Kondraschin


    Ich bin ja bekanntermaßen kein großer Freund atonaler und dodekaphonischer Klangerzeugnisse, aber Bergs Violinkonzert ist ein Werk, welches ich mir seit dem Kennenlernen durch diese Aufnahme sogar freiwillig (sic!) anhöre.


    Ich weiß noch, wie ich mich wunderte, daß ausgerechnet der Staatsrundfunk der DDR eine Aufnahme des in den Westen geflohenen und kurz danach "unerwartet" verstorbenen Kondraschin sendete. Es handelt sich dabei um eine wundervoll feinfühlige und weiche Interpretation, die allerdings etwas unter der miesen Tonqualität (vielleicht der Aufnahme, ganz sicher aber meines Kassettenrekorders) gelitten hat.


    Bedauerlicherweise scheint diese Einspielung nie auf CD erschienen zu sein. Ich habe sie jedenfalls bisher nirgendwo entdecken können. Auch das Entstehungsjahr konnte ich nicht ermitteln. Ich tippe aber vom Klang her mal auf die späten 60er oder frühen 70er Jahre des verflossenen Jahrhunderts.


    Liebe Grüße sendet


    Laurenz :hello:

    `
    (...) Eine meiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik betrifft einen Abend, an dem das Rothschild-Quartett bei uns ein hochmodernes Werk von Egon Wellesz spielen sollte. Die Stühle waren den Musikern zu niedrig, so nahmen sie unsere Bände mit Schubertscher Kammermusik, um damit ihre Sitze zu erhöhen. Ich dachte, wieviel schöner es wäre, wenn sie auf Wellesz sitzend Schubert spielen würden (...)


    — aus „5000 Abende in der Oper“ von Sir Rudolf Bing —
    .

  • ...und ich höre eigentlich kaum noch CD-Produktionen-wegen ihrer Tonqualität!
    Alles allzuoft zusammengebastelt, alle Spontaneität fehlt. Dagegen sind die Rundfunkmitschnitte klanglich keineswegs schlechter, wenn auch nicht ausgefelilt. Was ja ihren Reiz ausmacht.
    Tausende von CD-Produktionen könnten nie veröffentlich sein gegen so manchen Mitschnitt. Dass bei Thielemann für mich beides zutrifft, ist meine Sicht.
    Bin also der, der seine ganze CD-Sammlung verschenkt hat um seither nur noch Mitschnitte zu sammeln.
    Abgesehen von der Repertoirebereicherung hier und da, als Klangbastler am PC ist es relativ leicht, die Mitschnitte auf höchstes Niveau zu bringen.
    Ich esse nicht aus Konserven, ich höre sie auch nicht.
    Für mich eine Art Lebensqualität.
    Vor wenigen Tagen erst hörte ich "Die Zauberflöte" mit René Jacobs im ungewollten Vergleich. Live ist die Aufführung ein Wunder an Erleuchtung an Hintergründigkeit und Spiel-und Singfreude, im Studio nur ein müder Abklatsch davon.
    Bin also stellungnehmder Verfechter des Mitschnitts, Ablehnender der Konserve.
    "Kein' Musik ist ja nicht auf Erden, die uns'rer verglichen kann werden".
    Mike

  • Ich denke, dass sowohl CDs als auch Rundfunkmitschnitte ganz unterschiedliche Qualität aufweisen können. Die besten Rundfunkmitschnitte stehen m. E. CD-Produktionen in nichts nach. Dabei scheint es allerdings auch davon abzuhängen (ich bin auf dem Gebiet kein Experte) von welcher Rundfunkstation die Produktion ausgestrahlt wird, scheint es doch so zu sein, dass die unterschiedlichen Sender verschiedene Kompressions- und Übertragungsverfahren anwenden, die besser oder schlechter sind.
    Jedenfalls habe ich viele Mitschnitte ihn hervorragender Qualität, die keine Wünsche offen lassen. Bisweilen ergibt sich ja die Möglichkeit des Vergleiches, wenn ein Rundfunkmitschnitt dann schließlich auch auf CD vorliegt, und oftmals haben sich für mich beim direkten Vergleichshören keine nennenswerten Unterschiede ergeben.

  • ...und wer kennt hier nicht den klanglichen "Pappkarton" von Beethovens Violinkonzert mit Zehetmair und Brüggen bei Philipps? Aber wer kennt den Radio4NL-Mitschnitt? Der so viel ausgewogener ist!
    Letztlich ist das Ziel ein anderes.
    Die CD/Konserve soll für eine gewisse Unendlichkeit produziert sein, ein Mitschnitt ist eben eine Momentaufnahme.
    Daher, so finde ich, rühren die Unterschiede.
    Und man vergleicht Äpfel mit Birnen.
    Wenn Birnen Mitschnitte sind, dann verzichte ich auf Äpfel.
    https://www.youtube.com/watch?v=-0j6pJ8JNOw&html5=1


    Mike


  • Als abschreckendes Beispiel gedacht? ?(?(

  • Ich kann ebenfalls bis heute nicht begreifen, wie so etwas immer und immer und immer wieder geschehen kann.
    Ich höre eine Oper als Liveübertragung im Radio und denke hervorragend gemacht, spannend, toll gesungen.
    Dann kommt dieser "Mitschnitt" endlich bei einem großen CD Label heraus und es klingt nur noch langweilig.
    Ich frage mich wieso die großen Firmen hervorragende Liveübertragungen immer wieder so versauen können, müssen.
    Ich habe hier das Gefühl, ich höre eine völlig andere Aufnahme.


    Teilweise trifft es auch zu, denn bei näherer Betrachtung haben sie dann tatsächlich nicht die hervorragende Liveübertragung genommen, sondern das ganze zusammengeschnipselt aus Generalprobe und drei weiteren Aufführungen.
    Kritisch wird es immer dann, wenn Live drauf steht aber der Tag nicht genannt wird.
    Das heißt dann generell, 5 Aufführungen wurden zusammengestümpert und manche Töne wurde im Studio noch einmal nachgereicht.
    Das Ganze klingt dann letztendlich genauso langweilig wie eine Studioproduktion, ist es letztendlich ja auch, da der Livecharakter zu hundert Prozent eliminiert wurde.
    Das Wort Live ist hier reiner Etikettenschwindel.

  • Bin also der, der seine ganze CD-Sammlung verschenkt hat um seither nur noch Mitschnitte zu sammeln. .....
    Abgesehen von der Repertoirebereicherung hier und da, als Klangbastler am PC ist es relativ leicht, die Mitschnitte auf höchstes Niveau zu bringen.
    Ich esse nicht aus Konserven, ich höre sie auch nicht.
    Für mich eine Art Lebensqualität.


    Die CD/Konserve soll für eine gewisse Unendlichkeit produziert sein, ein Mitschnitt ist eben eine Momentaufnahme.


    Hallo Mike,


    im Prinzip verwunderst Du mich bezüglich Deiner Meinung zur CD-Konserve. :!: Nichts anderes tun wir doch hier bei Tamino um uns über diese unzähligen Konserven zu unterhalten !?!
    :?: Was machst Du, wenn Du Schubert 9 mit Szell hören willst ? Darüber diskutierst Du doch gerade mit Christian. Das ist doch eine SONY-CD-Konserve von 1959 ! Auch eine "produzierte Momentaufnahme" als Studioaufnahme von ganz besonderem Wert.
    ;) Da geht Dir aber eine Menge Lebensqualität ab, wenn Du so etwas (gemäss deines Zitates oben) verschenkt hast. Aus der Erinnerung wirst Du als Szell-Fan auf Dauer nicht mehr von Szell-Aufnahmen schreiben können. Dafür braucht man die :angel: wertvolle Konserve namens CD !!!
    :S Jetzt sage mir nicht: "die habe ich auf Festplatte" - das ist ja wohl kein Unterschied ob ich die Aufnahmen auf CD oder FP konserviert habe !
    :jubel: Lebensqualität ist für mich die CD-Konserven geniessen zu können.


    Mir scheint, dass es zwischen den Momentaufnahmen und CD-Studioaufnahmen im Opernbereich eher Auffälligkeiten gibt, als im Konzertbereich.
    :!: Es gibt sogar viele bei Taminos, die aus klanglichen Gründen eher die perfekte und klanglich reine Studioaufnahme vorziehen, als einen LIVE-Mitschnitt mit Hustern und Fehlern.


    *** Mir persönlich ist es im Prinzip egal, wenn die Int stimmig und mitreissend ist. Das erlebe ich im sinfonischen Bereich sowohl als LIVE-Aufnahme , wie als Studioaufnahme.
    Beispiel:
    Bei Mrawinsky bin ich auf seine LIVE-Aufnahmen angewiesen, weil es kaum eetwas anderes bei ihm gibt. Bei Swetlanow sind sowohl seine Live-Aufnahmen wie seine "Studiomomentaufnahmen" gleich grosses Kino !

  • Abgesehen von der Repertoirebereicherung hier und da, als Klangbastler am PC ist es relativ leicht, die Mitschnitte auf höchstes Niveau zu bringen.


    Lieber Mike,


    danke für Deinen sympathischen Beitrag!


    Wenn ich nachhaken darf: Mit welchem Programm sind solche Bearbeitungen möglich? Ich selbst verwende Audacity, doch leider gelingt es mir kaum, alte Mitschnitte "aufzupolieren" (vielleicht auch aus Unkenntnis der Möglichkeiten der Software). Wenn ich sehe, was bei YouTube manchmal kursiert, etwa (meist japanische) nachträgliche "Stereoisierungen" uralter Mono-Aufnahmen, und oft so gelungen, dass ich nur staunen kann.


    Beste Grüße
    Joseph

  • Lieber teleton,
    Du weißt, dass wir auch andernorts nicht einer Meinung waren.
    Lebensqualität hängt für mich nicht an der Konserve!
    Und, ja, ich pflichte Dir bei, ob nun Festplatte oder CD spielt keine Rolle.
    Das aber ist es doch gar nicht!


    Lieber Joseph,
    andernorts schrieb ich, dass ich lange Jahre meinen Lebensunterhalt finanziert habe mit der Restaurierung alter Aufnahmen.
    Audacity ist tolll! Aber nirgends genügend. Ich arbeite mit WaveLab, mit zahllosen Plug-Ins, mit Samplitude, mit iZotope-Standalone und Adobe C6.
    Letztlich steckt in meinem PC ein Kleinwagen, rein finanzuiell betrachtet, ganz sicher nicht die Geschwindigkeit betreffend.
    Auch die "Wunderwaffe" Har-Bal nutze ich.


    Letztlich liegt es stets im Ermessen des Restaurators historischer Aufnahmen, wie weit er zu weit zu gehen gedenkt.
    Ich bin da skrupolös. Das historische Klangbild hat Berechtigung, ich will es nie auslöschen, nur modifizieren. Je nach Quellenlage.
    Aber wer bringt die Zeit mit, via iZotope wirklch qualitativ hochwertig zu entknistern, wenn das fünf Stunden dauert?
    Wenn eine CD in der Fertigung nur 1,50 kosten darf?
    Wobei das Algorithmix-plug allein 1500,- Euro kostet.
    Stereophonisierungen sind besonders heikel.
    Besonders dort ist Fingerspitzengefühl gefragt.
    Ich persönlich plädiere für Raum, nicht zwingend für Stereo.
    Historische Aufnahmen zu restaurieren hat für mich eine Kantsche Komponente: niemals etwas tun, das schadet.


    Rundfunkmitschnitte leiden letztlich am selben Problem: der Datenreduktion. Via MP3 ausgestrahlt ist der Frequenzbetreich um ca. 10 KHz überhöht, ab 15 kHz herrscht Stille.
    Man könnte hier beinah mittels Schablone arbeiten.
    Für mich ist jeder Mitschnitt, jedes Konzert, egal wie alt, eine Besonderheit.
    Darum fummle ich jeweils ganz speziell, mit all der oben genannten Software.
    Ziel: Klang anzupassen, aber Spontanäität zu erhalten. Nicht "tot zu mastern".


    Lieber Joseph,
    die Software kostet... der Umgang mir ihr weitaus mehr.
    Und ich lerne und lerne und lerne.....
    Herzliche Grße,
    Mike