Justus Frantz - Pianist und Dirigent


  • Justus Frantz kam am 18.05.1944 in Hohensalza (Deutsches Reich, jetzt Polen) zur Welt.
    Der Durchbruch in die internationale Spitzenklasse gelang ihm 1970 als Pianist mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan (Zitat Wikipedia).
    1986 gründete er das international erfolgreiche Schleswig-Holstein Musikfestival,dessen Intendant er bis 1994 war.
    Als TV-Moderator in zahlreichen Musiksendungen wurde er einem grossen Publikum bekannt.
    Neben seiner pianistischen Tätigkeit tritt er auch als Dirigent in Erscheinung.


    Zwar ist er mit 69 Jahren als Pianist noch aktiv, jedoch liegen seine erfolgreichen Einspielungen für LPs und CDs (Mozart, Beethoven u.a.)
    schon einige Zeit zurück.


    Als Dirigent ist er auf aktuellen CDs z.B. mit der Philharmonie der Nationen vetreten.

  • War Justus Frantz jemals in der "internationalen Spitzenklasse"?
    Überschaubar erfolgreich mag er gewesen sein, von der Freundschaft zu Bernstein hat er sicherlich profitiert, sowohl beim SHMF als auch als Pianist (Schumann-Konzert, DGG). Das ist völlig in Ordnung, seine Leistung am Klavier war gut, aber war das mal Spitzenklasse?


    Als Klavierwetten-Juror habe ich ihn aus "Wetten, dass" dunkel in Erinnerung, auch aus anderen kurzen TV-Auftritten, fand aber selbst damals die von ihm gespielten Ausschnitte einer Mozart-Sonate o.ä. ziemlich wenig beeindruckend, und da war ich...14? 15?
    Gerüchteweise gab es Ärger über die Arbeitsbedingungen / Bezahlung 'seiner' (?) "Philharmonie der Nationen". Musiker, die mit ihm zu tun hatten, erzählen vom Koks-Konsum.
    Er hatte schon immer was vom "Clayderman der E-Musik", ein netter Onkel, "Weltstar" im ZDF für Tante Erna... So richtig schlau bin ich nie aus ihm geworden. Was er für die Jugend bewegt und bewirkt hat, kann ich nicht beurteilen. Und ich stelle mir vor, dass er privat ein sympathischer Kerl sein mag...


    Beste Grüße, Accuphan

  • Und ich stelle mir vor, dass er privat ein sympathischer Kerl sein mag...


    Ja, das finde ich auch.


    1986 wurde Frantz Professor an der Hamburger Musikhochschule. Im gleichen Jahr war er Mitbegründer des Schleswig-Holstein Musik Festivals.
    1989 wurde Justus Frantz zum Sonderbotschafter des Hohen Flüchtlingskommissars der UNO berufen und für sein Schaffen mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrt.


    Das Schumann-KK mit Bernstein/Wiener PH (DG) wurde von Accuphan bereits erwähnt.
    Die Eintzel-CD ist einigen gebraucht nur noch 1Cent wert - nicht zu glauben:


    Ich habe die CD auch (aber wegen schumann 3) - gar nicht übel; ;) wenn ich auch einräumen möchte, dass Fleisher/Szell (CBS) ein "anderes Format" hat.


    [timg]http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Up3m4u7%2BL.jpg[/timg].....
    DG, 1985, DDD


    Auch das Dvorak KK mit Bernstein / New Yorker PH (CBS) liegt auf CD vor (es liegt nur noch die Abb der LP vor):


    Er hätte nach diesen Platten mehr drauss machen sollen.
    Leider verschlug ihn sein Weg in die TV-Branche: Seine TV-Sendung Achtung, Klassik! (ZDF) hatte sich auch nur ein paar Jahre halten können. Das allgemeine Interesse an Klassik war in Deutschland wiedermal nicht gross genug, um als "Quotensendung" stark genug zu sein.
    Ausserdem hätte ich mir in dieser Sendung noch etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht, statt mit Operettenkram zu langweilen und in U-Musik abzugleiten. :stumm::pfeif: Ich weiss, dass da Einige anderer Meinung sind, die "Sowas" hören - wie Harald und Co. :) Sorry Friends !

  • Justus Frantz kam am 18.05.1944 in Hohensalza (Deutsches Reich, jetzt Polen) zur Welt.Der Durchbruch in die internationale Spitzenklasse gelang ihm 1970 als Pianist mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan (Zitat Wikipedia).


    In Wikipedia kann jeder alles schreiben. Frantz war nie in der Spitzenklasse. Ich fand ihn immer mehr Geschäftsmann als Künstler. Er ist bei keinem renommierten Orchester unter Vertrag. Ich hatte mal eine CD mit dem Schumann-Konzert, das war noch ganz am Anfang meines Sammelns. Die ist längst entsorgt und gegen substanziellere Aufnahmen ersetzt worden. Als Dirigent ist er ein Tanzbär. Die ZDF-Sendung war ja nicht so schlecht, um Lieschen Müller mit der Klassik vertraut zu machen.
    Mehr ist zu Herrn Frantz wirklich nicht zu sagen.


    Schöne Grüße
    :hello:
    timmiju

  • Ich erinnere mich an die Provinz-Posse, wo ein Journalist in seiner örtlichen Tageszeitung den "Schmuse-Mozart" von Justus Frantz aufs Korn nahm - in seiner Zeit, wo er Einfluß und Macht hatte. Daraufhin wurde diesem Menschen tatsächlich gekündigt und es gab anschließend einen Sturm der Entrüstung unter den Journalisten in Deutschland. Mit Christoph Eschenbach bildete er ein Klavierduo, das wohl gar nicht so schlecht war. Ansonsten habe ich ihn eigentlich nicht beachtet.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Und dabei ist diese schöne 4-CD-Box herausgekommen, lieber Holger, die ich schon viele Jahre habe und immer wieder mal höre. Sie enthält durchaus anspruchsvolle Stücke wie die Fantasie in f-moll D940, Lebensstürme in a-moll D.947, beide aus Schuberts letzter Zeit, oder Grand Duo in C-dur D.812, sowie die Großen Märsche c-moll D859 und a-moll D.885.
    Desgleichen möchte ich hervorheben, dass mir die in unserem Beethoven-Sonaten-Projekt bisher besprochenen Sonaten Nr. 14 und Nr. 8 in der Interpretation von Justus Frantz durchaus gefallen haben, die Pathétique noch mehr als die Mondschein-Sonate. Ein Stück gilt es noch, zu einem späteren Zeitpunkt zu besrpechen, die Appassionata.
    Vor Jahren hat er in einem Neujahrskonzert bei uns in Coesfeld mit der Philharmonie der Nationen und dem Litauischen Staatschor eine veritable "Neunte" dirigiert, nachdem er davor schon die Chorfantasie vom Klavier aus dirigiert hatte. Das war schon sehr beeindruckend.
    Um den Titel eines anderen Threads zu zitieren:


    "So, das musste mal gesagt werden".


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich glaube, daß es der "kommerzielle Touch" war, der Justus Franz geschadet hat - Auftritte im Fernsehen, immer mit Hinblick auf ein Massenpublikum.


    Zitat

    Da es ihm wichtig war, einem möglichst breiten Publikum die klassische Musik zu erschließen.....


    Wer so etwas macht kann nicht darauf bauen vom typischen Klassikpublikum bewundert zu werden, denn dieses möchte einen Pianisten, der nur für "Kenner" spielt und sich selbst irgendwo als Genie fühlt. Der ideale Solointerpret ist introvertiert, abgehoben und launisch, er neigt zur momentanen Indisposition und sagt auch öfter mal ein Konzert ab. Mit breiter Masse oder Kindern als Publikum gibt er sich erst gar nicht ab...


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Und dabei ist diese schöne 4-CD-Box herausgekommen, lieber Holger, die ich schon viele Jahre habe und immer wieder mal höre. Sie enthält durchaus anspruchsvolle Stücke wie die Fantasie in f-moll D940, Lebensstürme in a-moll D.947, beide aus Schuberts letzter Zeit, oder Grand Duo in C-dur D.812, sowie die Großen Märsche c-moll D859 und a-moll D.885.
    Desgleichen möchte ich hervorheben, dass mir die in unserem Beethoven-Sonaten-Projekt bisher besprochenen Sonaten Nr. 14 und Nr. 8 in der Interpretation von Justus Frantz durchaus gefallen haben, die Pathétique noch mehr als die Mondschein-Sonate.

    Mein Lehrer hatte immer eine gute Meinung vom Duo Eschenbach/Frantz, lieber Willi. Was ich von ihm kenne ist das Schumann-Konzert mit Bernstein, das habe ich vor Jahren gehört und fand es gut. Und Du erinnerst mich an die Bringschuld, einige Aufnahmen der Pathetique zu besprechen, die ich in meiner Sammlung habe. Ich hoffe, zwischen den Feiertagen komme ich dazu! :hello:


    Ich glaube, daß es der "kommerzielle Touch" war, der Justus Franz geschadet hat - Auftritte im Fernsehen, immer mit Hinblick auf ein Massenpublikum.



    Wer so etwas macht kann nicht darauf bauen vom typischen Klassikpublikum bewundert zu werden, denn dieses möchte einen Pianisten, der nur für "Kenner" spielt und sich selbst irgendwo als Genie fühlt. Der ideale Solointerpret ist introvertiert, abgehoben und launisch, er neigt zur momentanen Indisposition und sagt auch öfter mal ein Konzert ab. Mit breiter Masse oder Kindern als Publikum gibt er sich erst gar nicht ab...

    Damit hast Du wohl Recht, lieber Alfred. :) Sicher ist Justus Frantz kein "Jahrhundertpianist", aber ein schlechter eben auch nicht.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Frantz hat sein zweifellos vorhandenes pianistisches Talent leider nicht zur wirklichen Meisterschaft entwickelt. Er ist ein typischer Allround-Könner, der in unserer Zeit immer wieder Marktnischen entdecken und ein breites nicht allzu anspruchvolles Publikum befriedigen wird. Der Unternehmer, Kunstmäzen und Frantz-Freund Reinhold Würth schafft ihm immer wieder eine Plattform, von der aus er finanziell abgesichert in spektakulären Großprojekten agieren kann.
    Eine solche Marketingstrategie über einen so langen Zeitraum erfolgreich zu verwirklichen, ist auch eine Kunst - aber eine andere als die kenntnisreichen Tamions dies erwarten.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Du triffst den Nagel wieder mal auf den Kopf, lieber Operus.


    Meine bisher einzige Begnung mit Justus Frantz war vor einigen Jahren im Klostergarten von Bad Hirsau, als er mit seinem Orchester der Nationen und namhaften Solisten wie Mischa Maisky, Sharon Kam und den Labèque-Schwestern ein beachtenswertes Konzert dirigierte.
    Mit seinen verbindenden Worten gelang es ihm dabei, seine Zuhörer zu begeistern. Das ist seine wahre Stärke.


    Als Pianist dagegen finde ich ihn gut, doch nicht überragend. Vielleicht legen wir alle hier die Messlatte auch einfach zu hoch.

  • Ich glaube, JEDER Pianist kann seine eigenen Fähigkeiten einschätzen.
    Diese teilen sich in einen TECHNISCHEN, einen KÜNSTLERISCHEN und einen CHARISMATISCHEN Bereich ein.
    Bei Alfred Brendel beispielsweise war es sicher der sensibel -künstlerische Bereich, der dominierte. Bei Lang Lang ist es eher das Technische Vermögen UND die professionelle Vermarktung durch sein einstiges Label.
    Wenn ein gediegener Pianist mit professionellen Fähigkeiten aber ohne irgend etwelche offensich herausragende Eigenschaftren reüssieren will, dann muß er eigene Strategien entwickeln um ein gewisses Profil zu erhalten, da gibt es ausgebildete Pianisten, wie Viktor Borge die aus welchen Gründen auch immer die Karriere eines Musik-Kabarettisten wählten (Ich halte ihn für eine der Ganz Großen in seinem Fach - und die "Unsterblichkeit" ist ihm sicher - oder man spielt "Nischenrepertoire" und wird dadurch berühmt. Letztlich ist auch der Weg zum "Entertainer" in der Klassik ein gangbarer guter Weg. Bei jeder dieser Strategien verbaut man sich dem Weg zum "Superstar", aber man hat ein bestimmtes Terrain wo man tonangebend ist.
    Wenn Herr Franzt sich gegen einen Kritiker zur Wehr setzte, der ihn diffamierte, dann wirkt das im ersten Augenblick absonderlich und nicht besonders sympathisch. Bei näherem Hinblicken indes könnte man zu der Auffassung kommen, daß die damalige Kritik Teil einer gezielten Kampagne gegen den Künstler war - und so wird manches besser verständlich.
    Ich habe selten über einen Pianisten soo viele abwertenden Bemerkungen gelesen, wie über Herrn Frantz - und schliesse daraus, daß hier kritiklos die Aussagen einiger weitergegeben werden, die ihm nicht besonders gut gesinnt waren, aber Einfluß in der Kritikerszene haben. Die Hintergründe liegen im Dunkeln, man kann aber davon ausgehen, dass sie keinesfalls im künstlerischen oder technischen Bereich zu suchen sind, eher in Leuten die eine offene Rechnung mit ihm hatten und dies auf hinterhältiger Weise öffentlich austragen.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ich glaube, JEDER Pianist kann seine eigenen Fähigkeiten einschätzen.
    Diese teilen sich in einen TECHNISCHEN, einen KÜNSTLERISCHEN und einen CHARISMATISCHEN Bereich ein.
    Bei Alfred Brendel beispielsweise war es sicher der sensibel -künstlerische Bereich, der dominierte. Bei Lang Lang ist es eher das Technische Vermögen UND die professionelle Vermarktung durch sein einstiges Label. Ich habe selten über einen Pianisten soo viele abwertenden Bemerkungen gelesen, wie über Herrn Frantz - und schliesse daraus, daß hier kritiklos die Aussagen einiger weitergegeben werden, die ihm nicht besonders gut gesinnt waren, aber Einfluß in der Kritikerszene haben. Die Hintergründe liegen im Dunkeln, man kann aber davon ausgehen, dass sie keinesfalls im künstlerischen oder technischen Bereich zu suchen sind, eher in Leuten die eine offene Rechnung mit ihm hatten und dies auf hinterhältiger Weise öffentlich austragen

    Lieber Alfred, was für ein Vergleich :no: ! Zwischen Alfred Brendel, oder Lang Lang und Justus Frantz liegen doch riesige Welten! Wenn man das Schumannkonzert so gerade mal fehlerfrei hinkriegt, ist man noch kein Weltstar. Ich bin sehr erstaunt über die wieder belebte Frantz-Lobby. Im übrigen hält er es ja so wie andere (gute) frühere Pianisten und tritt hauptsächlich als Dirigent auf, wozu er sein zusammengewürfeltes Nationenorchesters benutzt. Das driftet aber bei ihm regelmäßig in die Peinlichkeit ab.



    Zitat

    Frantz hat sein zweifellos vorhandenes pianistisches Talent leider nicht zur wirklichen Meisterschaft entwickelt. Eine solche Marketingstrategie über einen so langen Zeitraum erfolgreich zu verwirklichen, ist auch eine Kunst - aber eine andere als die kenntnisreichen Taminos dies erwarten.

    Sehr richtig! Und das wars von mir zu Frantz.


    :hello:
    timmiju

  • Zitat

    Alfred Schmidt: Ich habe selten über einen Pianisten soo viele abwertende Bemerkungen gelesen wie über Herrn Frantz und schließe daraus, daß hier kritiklos die Aussagen einiger weitergegeben werden....

    So ist es, lieber Alfred. Als ich vor Jahren einen Bekannten fragte: Warst du auch gestern in der Neunten Beethoven mit Justus Frantz?, antwortete er sinngemäß, das sei nicht der Fall gewesen, da er gehört habe, der könne doch nichts.
    (Ich hatte weiter oben über den Konzertbesuch kurz berichtet).



    Zitat

    timmiju: Ich bin sehr erstaunt über die wiederbelebte Frantz-Lobby. Im übrigen hält er es wie andere (gute) frühere Pianisten und tritt hauptsächlich als Dirigent auf, wozu er sein zusammengewürfeltes Nationenorchester benutzt. Das driftet aber bei ihm regelmäßig in die Peinlichkeit ab.

    Ich dagegen, lieber timmiju, bin gar nicht erstaunt über die immer noch belebte Anti-Frantz-Lobby. Die "Frantz-Lobby", wie du sie nennst, kennt ihn vielleicht ein wenig besser und war in seinen Konzerten. Wenn man den letzten Satz deiner Ausführungen liest, möchte man meinen, dass du regelmäßig in seinen Konzerten warst. Wenn dem so wäre, müsste man fragen, warum du überhaupt in sein zweites Konzert gegangen wärest, wenn das erste schon in Peinlichkeiten abgedriftet wäre. Oder hast du es in der Kritik gelesen?


    Liebe Grüße


    Willi ?(?(

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • @ Willi: Eigentlich bin ich hier schon ausgefrantzt. Wenn er so ein guter Dirigent ist, warum erlebe ich ihn nicht einmal am Pult der Berliner Philharmoniker, des DSO, des RSB, des Konzerthausorchesters, um nur die mir bekannten Berliner Konzertorchester zu nennen. Oder wie sieht es in München, Hamburg, Dresden oder Leipzig aus? Frantz beim Gewandhausorchester und Beethovens 9. Sinfonie, dazu im Fernsehen live, na das wäre doch mal was! Warum kommt keiner darauf? Mir ist seit Jahren hier im Forum auch noch keine Frantz-CD empfohlen worden, diesen neuen Wiederbelebungsthread mal ausgenommen. So warte ich noch auf den Geheimtipp.
    Nichts für ungut, damit lasse ich es dann sein.
    :hello:
    timmiju

  • So warte ich noch auf den Geheimtipp.

    Da kommt wahrscheinlich nicht mehr viel. Seine Moderation (ähnelt der Holger Wemhoffs bei radio classic) ist hervorragend. Als Pianist mit Bernstein, o.k. Als Dirigent, na ja...Jungen Menschen "Klassische Musik" vor großem Publikum näher zu bringen, beherrscht er perfekt. Beim Schleswig-Holstein Festival ging er vor Jahren baden.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Man mag ja über Frantz Qualitäten als Pianist und Dirigent geteilter Meinung sein, jedoch:


    1986 gründete er das international erfolgreiche Schleswig-Holstein Musikfestival, dessen Intendant er bis 1994 war.


    Das ist ihm m.E. immer noch hoch anzurechnen!

  • Zitat von Bernward Gerlach

    Beim Schleswig-Holstein Festival ging er vor Jahren baden.


    Soviel ich weiß, lieber Bernward, hatte das keinerlei Gründe, die in seinen künstlerischen Fähigkeiten zu suchen waren.
    Die Gründung des Schleswig-Holstein Musik-Festivals ist nach wie vor, da gebe ich Michael Recht, sein ureigenstes Verdienst, und auch seine Bemühungen, die Klassische Musik einem breiteren Publikum näher zu bringen, kann nicht hoch genug bewertet werden.
    Alle, die das versucht haben, ob René Kollo, Anneliese Rothenberger, Günter Wevel oder auch Justus Frantz, haben dafür stets "Prügel" bezeogen. Nur Leonard Bernstein hat das komischerweise niemand übel genommen, obwohl er während seiner Sendungen des öfteren eine brennende Zigarette im Mund hatte.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Nur Leonard Bernstein hat das komischerweise niemand übel genommen, obwohl er während seiner Sendungen des öfteren eine brennende Zigarette im Mund hatte.


    Qualm im Flugzeug! - Passagier zur Stewardess: Könnten Sie Herrn Schmidt bitte sagen, er möge mit dem Rauchen aufhören ...

  • und auch seine Bemühungen, die Klassische Musik einem breiteren Publikum näher zu bringen, kann nicht hoch genug bewertet werden.

    Das mein ich wohl auch! :yes:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Künstlerische Breitenwirkung sollte Justus Frantz nicht abgesprochen werden - nur und dies wurde in einer Reihe von Beiträgen herausgearbeitet - liegt diese nicht in erster Linie bei seinen pianistischen Leistungen. Wenn die klassische Musik aus ihrem "elitären Gefängnis" ausbrechen und weitere Bevölkerungsschichten vor allem junge Menschen ansprechen soll, dann werden wir uns mit dem sogenannten Cross Over anfreunden müssen. Das Künstler über ihr eigenes Fach hinaus agieren wird zur Notwendigkeit und Regel werden, wenn Populartät und Marktgeltung erzielt werden sollen. Insofern ist Justus Frantz einer der Wegbereiter dieser Entwicklung mit großen Verdiensten, die nicht hoch genug anerkannt werden können.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Das Künstler über ihr eigenes Fach hinaus agieren wird zur Notwendigkeit und Regel werden, wenn Populartät und Marktgeltung erzielt werden sollen. Insofern ist Justus Frantz einer der Wegbereiter dieser Entwicklung mit großen Verdiensten, die nicht hoch genug anerkannt werden können.


    Dem schließe ich mich widerspruchslos an. Wenn selbst Gegner der klassischen Musik den Fernseher nicht abschalteten, sondern zuhörten, wenn er ins Wohnzimmer kam, ist das ein Erfolg. Ein Erfolg, den auch Leute wie Lenny, Anneliese Rothenberger, Erika Köth, Ernst Stankowski, Theo Adam, Rainer Süß, Peter Schreier, Günter Wewel, Margit Schramm, die drei Tenöre u.a. hatten. Jetzt werden sie beschimpft, dabei wären sicher viele auch von uns froh, wenn wenigstens ab und zu wieder einmal Oper, Operette oder auch Trivialklassik (was immer das auch sein mag) die ewige Dudelei, Krimwiederholung, Kochshow oder Polittalk ersetzen würde.


    Und Frantz hat sich in diesem Markt vor Jahren sein Segment erobert. Er hat keine Klassik für eine abgehobene Elite zelibriert, er hat auch Lischen Müller bedient. Was soll daran so schlecht sein, Lischen Müller mal Johann Strauß oder Beethoven hören zu lassen - wenn sie es denn will - aber dazu muß es mundgerecht zubereitet werden. Macht das heute eine Anette Gerlach?


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.



  • Frantz, Justus, * 18.5.1944 Hohensalza (poln. Inowroclaw); deutscher Pianist, studierte bei Eliza Hansen in Hamburg und war 1967 Preisträger beim Internationalen Musikwettbewerb der dt. Rundfunkanstalten in München.
    Er wurde 1986 Prof. an der Hamburger Musikhochschule, organisierte 1986-94 alljährlich das »Schleswig-Holstein-Musik-Festival«. 1988 übernahm er die Abteilung »Musikproduktion und Klangkörper« beim Bayerischen Rundfunk in München. 1990 begann er auch eine Karriere als Konzert- und Operndirigent.



    Heute wird er 70! :jubel:

  • Justus Frantz 70, und nun? Sein Ruhm ist doch lange schon verblasst. 1970 debütierte er mit den Berliner Philharmonikern in Berlin und 1975 dann in New York. Aufsehen erregte er, als er Bundeskanzler Helmut Schmidt für eine gemeinsame Aufnahme eines Mozart-Konzertes gewinnen konnte. Dann macht er Bekanntschaft mit Uwe Barschel und sie erfinden das Schleswig-Holstein-Musikfestival auf dem flachen Lande in unüblichen Spielstätten. Nicht schlecht, zumal anfangs auch Lenny Bernstein mit von der Partie ist. Das Festival macht Schlagzeilen und fordert schließlich nicht nur künstlerischen, sondern vor allem finanziellen Einsatz. Da ist dann der Manager Frantz gefordert, was seiner musikalisch-künstlerischen Karriere nicht gerade förderlich ist. Andererseits bekommt er eine Professur in Hamburg und sogar eine eigene Fernsehsendung. Inwieweit er damit neues Klassikpublikum gewonnen hat, ist spekulativ, wer es eben rockig mag, wird kaum "Achtung Klassik" einschalten. Aber bei Lieschen Müller fließen Tränchen vor Rührung, wenn Nemorino seine große Arie singen darf. Als Pianist ist er nur noch wenig gefragt, so wird eben umgesattelt auf Dirigent, was ja nicht wenige andere auch getan haben oder machen. Nur braucht er dazu ein Orchester, aber da kein renommierter Klangkörper Herrn Frantz engagieren mag (warum wohl?), schafft er sich seine Privatkapelle, die Philharmonie der Nationen. Damit lässt es sich trefflich tingeln, in die Feuilleton-Seiten der großen Zeitungen schafft er es damit nicht, allenfalls interessiert sich der Boulevard für das Privatleben des Klassikmillionärs. Und Aufsehen erregen kann Justus Frantz immer, ob bei den Vereinten Nationen in New York oder Papst Johannes Paul II. Jetzt ist er 70, ich meine, sein Nachlass ist übersichtlich. Zweifelsohne wird das Schleswig-Holstein Festival mit seinem Namen ewig verbunden werden, ansonsten gibt es für die musikalische Nachwelt doch sehr wenig, was bleiben wird.

    Mit freundllichen Grüßen
    :hello:
    Manfred

  • Hallo, Manfred,


    Deine Analyse ist richtig.
    Wir haben in einem früheren Thread ja schon festgetsellt, daß Künstlerpersönlichkeiten per se oft mit einer bestimmten Wirkungsepoche verbunden sind.
    Von daher gehört Frantz in die Siebziger und Achtziger, wonach sein Ruhm -eben im Gegensatz zu den tatsächlich Großen-, mit dem Ende der Bonner Republik verblasst ist.
    Ob es wirklich wünschenswert ist, die klassische Musik an "Lieschen Müller" und "Oma Erna" vermittels populärer "Musiksendungen" zu vermitteln, kann man durchaus kontrovers diskutieren.


    Viele Grüße


    J.Schneider

  • Wie dem auch sei, Manfred und Joachim, ich schließe mich den Geburtstagswünschen Haralds an Justus Frantz herzlichst an.


    Liebe Grüße


    Willi :jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lebenden kann man nicht oft genug gratulieren, dass sie noch leben und uns mit iher Kunst erfreuen. Justus Frantz hat heute wieder Geburtstag.


    Er feiert seinen 71. Geburtstag.


    Heerzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heute stand in der Zeitung, dass er sich beim Brotschneiden eine Fingerkuppe "abgesägt" hat. Die wurde zwar wieder anoperiert, es war aber nicht sicher, ob er je wieder würde spielen können. Ein Akt der Selbstverstümmelung?

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)