Das „Requiem“ Mozarts im Spiegel seiner Quellenlage

  • Wer sich mit der Interpretation des unvollendet gebliebenen "Requiem" von W.A.Mozart befaßt, muß sich zunächst mit der Quellensituation beschäftigen:


    Mozart konnte sein Werk nicht mehr vollenden. Die Sorge der Witwe war, daß sie dem "unbekannten Besteller" ein vollständiges Werk übergeben mußte, da er durch seine Anzahlung ein Recht auf ein vollständiges Werk erworben hatte. Wie aus einem Brief des Schülers von Albrechtsberger und von Haydn und Mozart geschätzten Universal-Musikers Joseph Eybler vom 21.12.1791 hervorgeht, erhielt er die Fragmente des Requiem zur Vollendung. Er begann mit der Vollendung des Dies irae, Tuba mirum, Rex tremendae, Recordare, Confutatis und notierte den Anfang des Lacrimosa. Seine Ergänzungen sind direkt in Mozarts Autograph zu finden. Die Gründe, weswegen er seine Arbeit ebenfalls unvollendet ließ sind heute unbekannt.
    Die Partitur kam dann zu dem damals 25-jährigen Schüler Mozarts F.X. Süßmayr. Da Eybler direkt in Mozarts Autograph gearbeitet hatte, schrieb Süßmayr ab dem Dies Irae eine neue Partitur und knüpfte kaum an die Arbeit Eyblers an. Von Süßmayrs Partituren wurden dann Kopien angefertigt, wovon eine zu Breitkopf & Härtel ging und so verbreitete sich das Werk in der ganzen Welt.


    Es ergeben sich nun drei prinzipielle Möglichkeiten der Aufführung:


    Erstens: man nimmt den durch Süßmayr überlieferten Notentext oder zweitens: man begnügt sich nicht mit den deutlichen Mängeln der Ergänzung von Süßmayr (wie Beyer), dann müßte aber konsequenterweise alles ab dem Sanctus neu komponiert werden, denn ab da ist nicht einmal mehr das musikalische Gerüst von Mozart oder Süßmayr wiederholt einfach Teile aus dem ersten Teil des Requiem. Diese Konsequenz ist aber heute nicht zu erfüllen.


    Die dritte Möglichkeit ist, Mozarts Absichten so nahe wie möglich zu kommen, das geht nur, wenn man die Arbeit Eyblers nicht außer Acht läßt. Zu dieser Ansicht ist auch der von mir hochgeschätzte Musikwissenschaftler H.C. Robbins Landon gekommen, der vor einiger Zeit seine Version vorstellte. Der Vergleich zwischen den von Eybler begonnenen Teilen und Süßmayrs Bearbeitung zeigt, daß Eybler wesentlich mehr Mut zur Ergänzung hat- also auch musikalisch strukturelle Hinzufügungen, (z.B. komplementäre Rhythmen der Bläser) kommen Mozarts Absichten sicher näher, wenn man andere Spätwerke dabei vor Augen hat. Süßmayr instrumentiert die vorgegeben Linien und -und das ist der Unterschied zu Eybler- hat den Mut dort weiterzuschreiben, wo es absolut keine Note mehr von Mozart selbst gibt. Hier ist der Grund wahrscheinlich für Eyblers Verzicht auf die Vollendung zu suchen.


    Allein der Versuch, eine auch nur halbwegs vollständige Diskografie des sehr häufig eingespielten Werkes zu erstellen, würde den Rahmen dieses Forums sprengen:
    Die Aufnahmen reichen, auf Ausdruck und Gestus des Werkes bezogen, vom „Rumpeln des Leichenkarrens 3. Klasse“ bei Kuijken bis zum „Staatsbegräbnis“ bei Giulini.
    Leider ist meine Lieblingsaufnahme unter Roy Goodman mit Gundula Janowitz schon lange gestrichen.
    Ausserdem besonders geschätzt von mir werden:





    Grundlagen für diese Zusammenstellung waren die Arbeiten von HC Robbins Landon und ein Text von
    Prof. Hartmut Haenchen

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Leider Bin ich ja kein Spezialist für Totenmessen, ja für Messen überhaupt, weil ich klassische Musik seit meiner frühesten Jugend als "Therapie" gegen meine Depressionsn einsetze.


    Dennoch möcht ich einiges zu diesem Thema beitragen es ist nur wenig im Vergleich was über dieses Werk schon geschrieben wurde, angefangen von der Stumpfsinnige Fabel (und sie wurde gerne erzählt) der Tod selbs hätte das Requiem bei Mozart bestellt, jeme geheimnisvolle "Mann in Schwarz"


    Tatsächlich war der Auftraggeber ein gewisser Graf Walsegg, der das Werk als sein Eigenes ausgab, nachdem er es erhalten hatte, indem er eine Abschrift anfertigte und signierte:


    Requiem composto dal Conte Walsegg


    1792 wurde in Prag eine Gedächtnisfeier zu Ehren Mozarts veranstaltet (wie man sieht, wusste man schon damals was man an ihm verloren hatte, die Geschichten vom verkannten Genie sind einfach falsch)
    dort wurde, Dort wurde Antonio Rosettis Requiem (auch 'Franz Anton Rössler' (1746-1792)) gespielt, einfach weil man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, daß Mozart eines geschrieben hatte.


    Tatsache ist, daß sowohl Eybler, als auch Maximillian Stadler und Mozarts Schüler Süßmayr Teile vervollständigt haben. Süßmyr behauptete stets, Mozart selbst habe ihm den Auftrag zur Vervollständigung gegeben. Dem steht gegenüber, daß Mozart nicht sehr viel von Süßmayr hielt, aber Hand aufs Herz: Von welchem Komponisten hielt Mozart schon viel ? Und in der Not frißt der Teufel Fliegen, wie man sicher schon damals sagte.
    Zudem ist zu sagen daß Süßmay zu lebzeiten ein höheres Ansehen genoss als wir heute bereit sind im zuzubilligen.
    Es ist ferner überliefert, daß Mozart noch auf dem Totenbett an dem Requiem arbeitetete und sogar vorsang wie die Pauken zu klingen hatten.


    Wie geht mun nun mit einem unvollendeten Werk uim ?


    Ich glaube man kann mit Fug und recht sagen, das schlimmste wäre, ein solches Werk nicht aufzuführen. Vervollständigungen sollten als soche jedoch dokumentiert sein, dann finde ich, ist das Menschenmögliche getan. Da Süssmayr Mozarts Schüler war, kann dessen Geringschätzung so groß nicht gewesen sein, wer nimmt schon einen Schüler, den er für unfähig hält, und Mozart konnte sich (im Gegensatz zur Legende) seine Schüler durchaus aussuchen. So halte ich die Version von Süßmayr (es gibt etliche andere) noch für die legitimste.


    Freundliche Grüße aus Wien
    Alfred

  • Alfred schrieb:


    Zitat

    So halte ich die Version von Süßmayr (es gibt etliche andere) noch für die legitimste.


    Hallo Alfred, also mit diesem Bekenntnis zu Süßmayer stehst du heutigen tages ziemlich einsam in der Landschaft, denn selbst Dirigenten wie Giulini oder der späte Karajan arbeiteten mit Süssmayr (korrigiert durch Bayer), einer Version, die zumindest von Quint- und Oktavparallelen
    gereinigt wurde. Die Ergänzungen Eyblers in Mozarts "Original-Partitur", sofern man da überhaupt noch von Original reden kann, sind jedoch
    deutlich näher am Spätstil Mozarts dran als das, was in Süssmarys "Reinschrift", das Exemplar, welches der Graf Walsegg bekam, steht.
    Aussderdem fehlen die Stücke, die Süssmyar mit oder ohne Mozarts Billigung ergänzt hatte, in der Robbins Landon Edition nicht.
    Einer der ersten renommierten Dirigenten, die das erkannten, war Sir Georg Solti: seine mittlerweile legendäre Einspielung aus dem Jahr 1991 aus dem Wiener Stephansdom (mit Cecilia Bartoli) folgt der Robbins Landon Edition. Was mich jedoch viel mehr erstaunt, ist die Tatsache, daß ein Werk, welches im Katalog so reichlich vertreten ist, hier im Forum offenbar garkeinen Anklang zu finden scheint.
    Selbst meine Threads zu deutlich "entlegeneren" Themen waren nach einer Woche "Standzeit" besser besucht, als dieser hier oder bin ich hier wirklich der einzige hier, der das mozartsche Requiem liebt und auch öfter hört ???

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo BBB,


    ohne mich hier in den Fallstricken der unterschiedlichen Fassungen zu verheddern, möchte ich dennoch meine Vorlieben für bestimmte Aufnahmen 'zu Gehör' bringen.
    Als erste wäre da eine Aufnahme von 1958 zu nennen, mit Hermann Scherchen am Pult, noch frei von jeder Last, welche Fassung zu spielen sei. Er bringt die Messe, trotz großem Orchester modern, schlank und packend zu Gehör. Solisten sind Sena Jurinac, Lucretia West, Hans Loeffler, Frederick Guthrie. Es spilet das Wiener Staatsopern Orchester.



    Harnoncourt (1982) gibt die Fassung von Franz Beyer, allerdings gefällt mir die Aufnahme nicht (liegt aber eher an Harnoncourt).


    Christopher Hogwood spielt eine Fassung von C.R.F.Maunder, die Süßmayrs Einfügungen komplett weglässt, neu instrumentiert und das ganze mehr oder weniger als Torso stehen lässt. Schön musiziert, Emma Kirkby singt auch ansprechend, aber trotzdem hinterlässt auch diese Aufnahme keinen befriedigenden Eindruck.


    Eher schon Gardiners Aufnahme von 1986, wiederum in der Süßmayr-Fassung, die mir von den neueren Einspielungen noch am besten gefällt.


    Grüße aus Hamburg
    Uwe

  • Hallo Tamino-Forum,


    möchte einmal dem Forum nachstehende ARTHAUS MUSIK DVD empfehlen:
    REQUIEM IN D MINOR Wolfgang Amadeus Mozart




    Genre: Concert Dirigent: Claudio Abbado Aufnahmedatum: 1999 Aufnahmeort: Kathedrale in Salzburg Laufzeit: 62 min Bildformat: 16:9 Soundformat: PCM Stereo, Dolby Digital 5.1 Region Code: 0 Veröffentlichung: 2000 PAL //--> Menüsprachen NTSC: D, GB, F, I, SP, NL, S Katalognummer PAL: 100 036 NTSC //--> Menüsprachen NTSC: GB, F, JP Katalognummer NTSC: 100 037 Mitwirkende:
    Rachel Harnisch, Karita Mattila, Sara Mingardo, Bryn Terfel, Michael Schade
    Orchester/Chor: Schwedischer Rundfunkchor, Berliner Philharmoniker


    Informationen:


    Karajan Gedenkkonzert - aus Anlaß des 10. Todestages von Herbert von Karajan.
    Requiem in D Moll für Solisten, Chor und Orchester. KV 626, Betrachte dies mein Herz und frage mich, Arie für Sopran, KV 42 Laudate Dominum, Arie für Sopran KV 339.


    Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich um ein Gedenkkonzert zum 10. Todestag von Herbert von Karajan in der Kathedrale in Salzburg.


    Unter dem Dirigat von Karajans Nachfolger "Claudio Abbado" und den Berliner Phiharmonikern
    wurde ein Gedenkkonzert eingespielt, was den höchsten Ansprüchen zur Genüge reicht.
    Beeindruckend die gesamte Leistung.... ob von Solisten, Chor, Orchester und dem Dirigenten.
    Abbado rechtfertigte hier nochmals zum Beweis, ein absuluter Könner als Maestro-Nachfolger dieses
    schwere Amt als Chef der Berliner Philharmoniker angetreten zu haben.
    Hervorheben möchte ich die Gesangs-Solisten: Sara Mingrado als "Contralos" mit ihrem wunderbaren
    Stimmvolumen sowie den Tenor Michael Schade, der stimmlich absulut zu den Größten seines Faches zu
    zählen ist.
    Überrascht war ich von der sauberen stimmlichen Initiation des Schwedischen Radio-Chors.
    Abbado trat mit ihnen in den Folgejahren gerne weiterhin auf.


    Eine DVD, die Mozartfans sehr zu Herze gehen kann, Mein Tipp: sie unbedingt besitzen zu müssen.


    Grüße aus Spenge
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • "Tatsächlich war der Auftraggeber ein gewisser Graf Walsegg, der das Werk als sein Eigenes ausgab, nachdem er es erhalten hatte, indem er eine Abschrift anfertigte und signierte:


    Requiem composto dal Conte Walsegg"


    Genau daran sehen wir,dass es auch schon damals Gedankengutdiebstähle gab!


    Eines vorweg.
    Ich kenne nichts schöneres (was Messen betrifft) von Mozart.
    Diese Totenmesse ist klanglich auch ganz anders als andere Messen.
    Sie ist viel melancholischer und kirchlich viel näher.


    In dem (Hifi-Insider) Magazin "Hi-Fi and Records" Ausgabe 1/04 ist ein besonders langer und informativer Bericht über eben diese Messe zu lesen. Natürlich werden einige Aufnahmen empfohlen.
    Wenn ich das Magazin gefunden habe,werde ich noch einiges dazuschreiben.

  • Gerade eben gehört:



    Na ja, eine der weniger überzeugenden Einspielungen der Requiems. Bernstein produziert einen ziemlich langsam dahin wabernden Klangbrei, ohne große Höhepunkte. Da ist keine Dramatik, keine Tragik, kein Aufbäumen etc. zu hören. Die Solisten sind nur Durchschnitt, der Chor ist da schon besser. Insgesamt allerdings eine nicht einmal durchschnittliche Aufnahme. Finger weg.


    Interpretation: 3
    Klang: 5


    XREZENSION

  • @Thorsten:


    Danke für die super schnell Antwort.
    Hatte letztlich die Gelegenheit kurz rein zu hören.
    Wie immer ersteinmal das Tuba Mirum. Da hatte ich schon kein "Ja-Gefühl" wegen der Solisten.
    Also, es gibt auch einmal Aufnahmen, die aus der Wunschliste verschwinden............ohne Kauf

  • Hallo Thorsten,


    ich habe diese Aufnahme auf LD. Eigentlich mag ich das Requiem nicht in so massiven Besetzungen, sondern bevorzuge Aufnahmen wie Christie und Jordi Savall ( sehr dramatisch).
    Aber mich hat diese Wiedergabe doch sehr beeindruckt. Als ich sie zum ersten Mal sah ( die Aufnahme stammt von 1988 ) dachte ich bei mir, ja, das kann er der Bernstein, Profis mit der Begeisterung musizieren lassen, als wäre sie Musikfreunde, Laien mit voller Freude für die Musik.


    Ich finde speziell die Chorpartien sehr dramatisch musiziert. Die CD kenne ich nicht, aber die LD bringt das gut herüber.


    Bernstein insceniert das Drama natürlich. Die Aufführung fand in einer Kirche in Diessen in Bayern statt. Nach der Aufführung Totenstille- dann das Läuten der Kirchenglocke.


    Es mag sein, dass es eine gute Inscenierung ist, aber wer sich darauf einlässt, wird davon beeindruckt sein.


    Die LD war von der DG. Vielleicht gibt es diese inzwischen als DVD ?


    Schöne Grüsse


    Sagitt

  • Hallo allseits,


    verachtet mir den Meister nicht,
    ich finde Bernsteins Mozart-Requiem auch überzeugend und zu Herzen gehend. Ich habe die CD und bin mit Solisten und Klangqualität eigentlich zufrieden. Im Vergleich zur unsäglichen Karajan-Aufnahme (siehe DGG "Originals"-Forum) kann ich mit Bernstein leben. Kommt meiner Meinung nach der Sony-Giulini-Aufnahme und der Solti-Aufnahme von Decca (1991, Wien, Stephansdom) mindestens gleich. Und die Abbado-Aufnahme spricht mich noch weniger an.
    Gut finde ich beide Harnoncourt-Aufnahmen (und lustig, wie unterschiedlich sie im Tempo sind)
    Gardiner und Christie sind am ehesten mein Ding, wobei ich noch auf die Aufnahme warte, die Gardiners Wucht hat aber auch einen satten Symphonieorchestersound.
    Sagt, Genossen, wie ist es eigentlich mit Böhms Aufnahme bei der DGG? Kann da bitte mal jemand Bericht erstatten?

  • Salut,


    @Alfred: Es war der "graue Bote..." (und Sorry wegen meines faux-pas neulich!! - wollte nur Gutes tun, pardon).


    Nun aber zum Requiem, meine Leidenschaft. Es liegt immer neben mir im Faksimile und wird eigentlich permanent studiert. Zunächst möchte ich festhalten, dass das Requiem in der heute bekannt(est)en Form von Süssmayer einfach eine schicksalhafte Fügung ist. Ich halte nichts davon, sich an Fragmente Mozart's heranzubegeben und diese zu "vollenden", das ist meiner Meinung nach Anmassung, die ich bisher niemandem zugestehe. Falls Süssmayer in der Tat alle fehlenden Stücke selbst geschrieben hat, so gilt doch dem "Agnus Dei" - ohne die "geklaute" Schlussfuge natürlich - höchste Anerkennung. Und auch das Benediktus ist recht schön gelungen. Ich finde diese Version von Süssmeyer die beste und natürlichste, weil sie so zeitnah zu Mozart's Tod geschrieben wurde und in unmittelbarer Freundschaft und vielleicht eben aus Dankbarkeit für diese entstanden ist. Sicherlich war es S. nicht ganz wohl bei der Sache, aber immerhin hatte er den Mut, das Werk zu vollenden. Alles andere ist Humbug und an den Haaren herbeigezogen, egal, wie lange man Skizzen und/oder das Autograph studiert hat - es ist mal wieder - N. Harnoncourt in Ehren (soeben kam sein brillanter "Fidelio" in Fernesehen) - reines Mozart-Marketing, wie auch bei der c-moll-Messe, die kürzlich vervollständigt wurde.


    Klassikliebhaber - Gedankengutdiebstähle...
    ...so ein furchtbares Wort! Es war damals üblich, andere Werke anderer Komponistenkollegen zu zitieren, entweder aus Hochachtung oder aus Verachtung. Heute gibt's dafür von der GEMA oder anderen Urheberrechtsvertretern ein paar auf den Sender! Erlaubt ist allerdings, und das ist sehr viel frecher!, dass Bach, Mozart, Beethoven in "modernen" Jazz-, und Popsongs eingebaut wird. Selber kreativ sein, das ist die Devise. Mozart hat auch viel "geklaut" - oder sagen wir "ausgeliehen", aber er hat es IMMER verbessert! (Vgl. Johann Chr. Bach, Sinfonie D-Dur und Mozarts Haffner-Sinfonie D-Dur, jeweils erster Satz). Noch viel blöder finde ich die heutige Bezeichnung "Stilkopie", d.h. jemand (z.B. Franz Xaver Frenzel oder Ulrich Blees) schreibt im Stil einer Zeit, z.B. Barock oder Klassik... wieso ist das eine Kopie? Es ist echt - nur eben 250-300 Jahre später geschrieben. Wer kann beurteilen, dass der jeweilige Schöpfer nicht echt in dieser Zeit fühlt und lebt? Also: Maul halten - sorry !! - und genießen.


    Viele Grüße

  • Salut,


    für alle Wiener und Reisefreudigen:


    Seit dem 22. November ist im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Josefsplatz 1, 1010 Wien die Originalpartitur des Requiem ausgestellt. Die Ausstellung läuft bis 29. Januar 2006.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • am 8.dezember 2005 wird das original requiem - ohne ergänzungen von
    süssmayer - im wiener musikverein gegeben.


    zubin metha / wiener philharmoniker


    faun
    (der karten hat)

  • Hallo D.Minor,


    Faun ist grad nicht da, hier das komplette Programm:


    Wolfgang Amadeus Mozart
    Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester Es - Dur, KV 364
    -------- Pause --------
    Wolfgang Amadeus Mozart
    Requiem d - Moll, KV 626
    "Ave verum"


    Wiener Philharmoniker
    Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
    Zubin Mehta, Dirigent
    Ildikó Raimondi, Sopran
    Marjana Lipovsek, Alt
    Herbert Lippert, Tenor
    Robert Holl, Baß
    Rainer Küchl, Violine
    Heinrich Koll, Viola


    Wir freuen uns schon sehr!


    LG
    Austria

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

  • Schon seit mindestens 2 Jahren gibt es das Requiem bei Opus 111 als Mozart pur, d.h. ohne jegliche Ergänzungen, was bedeutet die letzten Stücke ohne vollständige Instrumentierung, teilweise nur mit Bässen und Orgel als Generalbaß. Dirigent ist Christoph Spering.

  • Salut D.


    jetzt hab ich doch tatsächlich gefunden, WO es steht: In "Mozarts Requiem" von Christoph Wolff. Das Thema hatten wir in irgendsoeinem mozartfeindlichen Thread:


    Hartmut Krones reklamiert demgegenüber die Anregung aus dem Lacrymosa eines 1760 entstandenen Requiems von François-Joseph Gossec:



    Die Übereinstimmung mit Bach* ist größer als die mit Gossec, insofern sie bei Bach neben der tonartlichen Identität zwei Satzebenen betrifft (Baßführung, T. 1-2, und synkopierender Kontrapunkt im Diskant). Mozart und Gossec hingegen haben nur den "Contrapunctus sycopatus" (in Vorhalten und Synkopen fortschreitende Stimmführung) gemein - eine Koinzidenz, die sich auf die Anwendung allgemeiner musikalischer Handwerksmittel bezieht. Außerdem betreffen Anklänge dieser Art nicht nur höchst begrenzte Teilaspekte des Mozartschen Werkes, sie lassen sich als solche auch eher dem zeitüblichen musikalischen Vokabular zuordnen und sollten weniger als bewußte Imitation oder gar Zitat verstanden werden.


    Demgegenüber macht Erich Prieger [...] darauf aufmerksam, daß der Anfang von Mozarts Recordare weitgehend identisch ist mit dem 1758 entstandenen Sinfoniesatz von *Wilhem Friedemann Bach:



    :jubel:


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von D.Minor
    ?(
    bin anscheinend etwas betriebsblind gewesen.
    aber damit hab' ich gleich die gelegenheit dir frohe weihnachten zu wünschen lieber Ulli
    d.


    Salut,


    ich bin auch eigentlich nur per Zufall drüber gestolpert... das Buch fiel herunter und lag aufgeschlagen da... da blinkte mich das Wort "Gossec" an...


    Auch Dir frohe Weihnachten!!


    :hello:

  • Also es sollte mich sehr wundern, wenn Mozart Friedemann Bachs Sinfonie gekannt hatte. Der Komponist galt als "Aussenseiter" dessen Werke wohl kaum den sächsisch-thüringischen Raum verlassen haben und gedruckt wurde von diesen Werken zu Bachs (und Mozarts)
    Lebzeizten aich nichts.
    Die Werke Gossecs jedoch kannte Mozart ganz gewiss !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Also es sollte mich sehr wundern, wenn Mozart Friedemann Bachs Sinfonie gekannt hatte. Der Komponist galt als "Aussenseiter" dessen Werke wohl kaum den sächsisch-thüringischen Raum verlassen haben und gedruckt wurde von diesen Werken zu Bachs (und Mozarts)
    Lebzeizten aich nichts.
    Die Werke Gossecs jedoch kannte Mozart ganz gewiss !


    Salut,


    er kannte ihn [bzw. seine Werke] - ich such's Dir nachher heraus...


    Ich erinnere mich jetzt spontan nur an KV 404a, die Fugenbearbeitungen. Da ist mindestens eine von W. F. Bach dabei.


    :hello:

  • Salut,


    Gossec wird von W. A. Mozart in keinem seiner erhaltenen Briefe namentlich erwähnt, was nicht heißt, dass er ihn oder seine Werke nicht kannte. Lediglich Nannerl und Vater Leopold nennen den Namen Gossec jeweils einmal in aufeinanderfolgenden Briefen.


    Hingegen wird Friedemann Bach von Mozart zweimal genannt, einmal namentlich und einmal nur deutungsweise, ersteres hier:


    [...] ich mach mir eben eine Collection von den Bachischen fugen. - so wohl sebastian als Emanuel und friedemann Bach. - Dann auch von den händlischen. [...]


    [Brief an den Vater, Wien: 10. April 1782]


    Es ist stark zu vermuten, dass sich Mozart mit seinem Studien nicht nur auf die Fugen beschränkte - und selbst wenn, hätte er in der besagten d-moll-Sinfonie von W. F. Bach gutes Material gefunden.


    :hello:


    LG
    Ulli

  • Tipp für alle Requiemliebheber in Wien und Umgebung
    Karten nur 7 €


    Das letzte Lebewohl: Mozarts Requiem
    Für die verstorbene Gattin des Grafen Walsegg zu Stuppach in Auftrag gegeben, sollte es auch zu Mozarts eigener Totenmesse werden. Das Requiem d-Moll KV 626, das letzte, wenn auch unvollendete Werk Mozarts, wird zum Abschluss der Reise in der Karlskirche zur Aufführung gebracht. Mitwirkende: Orchester des Musikgymnasiums Wien, der Amadeus Knabenchor, die Solisten Elisabeth Flechl, Elisabeth Lang, Roman Payer und Marcus Pelz.


    jeweils 27., 28. & 29. Jänner 2006
    Karlskirche, 16.30 - 17.30


    lg
    d.

  • Leider ist Wien bei mir nicht gerade um die Ecke und deshalb muss ich auf eine Konserve zurückgreifen. Da ich noch keine besitze muss ich mir eine beschaffen. So und jetzt kommt ihr ins Spiel. Ich habe keine Ahnung von Mozarts Musik und vom Requiem schon gar nicht. Vor einigen Tagen habe ich aber den Film "Amadeus" geschaut. Über die Glaubwürdigkeit des Films wurde ich bereits im entsprechenden Thread aufgeklärt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich dieses Requiem besitzen muss. Schon vor dem Film lachte mich immer die neue Harnouncourt Aufnahme als SACD an. Nicht zu verwechseln mit der Harnoncourt Aufnahme aus dem Jahre 1982.


    Mozart, Wolfgang Amadeus (1756-1791)
    Requiem KV 626
    HMD
    DDD, 2003
    Christine Schäfer, Bernarda Fink, Kurt Streit,
    Gerald Finley, Arnold Schoenberg Chor,
    Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt
    Sound:stereo & multichannel (Hybrid)


    Das Magazin Stereo meint dazu


    Zitat

    Original aus dem Magazin Stereo 08/04
    "Mozarts Requiem als ganz subjektiver Ausdruck - mit einem brillanten Arnold Schoenberg Chor, dem exzellent spielenden Concentus Musicus und guten Solisten. Allein für die atemberaubende Präsenz des Confutatis würde diese Einspielung bereits lohnen. In seiner kompromisslosen, fast hemmungslosen Interpretation gewährt Nikolaus Harnocourt einen tiefen Einblick in Mozarts Musik."


    Klassik.com kommt nach ausführlicher, durchweg positiver Besprechung zu dem Schluss


    Zitat

    Original aus dem Online-Magazin Klassik.com
    "...Nimmt man all dies zusammen, so ist es Harnoncourt gelungen, eine der schlüssigsten und interessantesten Einspielungen des unvollendeten Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart überhaupt vorzulegen: Bravissimo!!!"



    Bei der Einspielung handelt es sich um die Ausgabe von Franz Bayer. Im Vergleich zur 82er Aufnahme wurde anscheinend auf die oft kritisierte überspitzte Dramatik, die das Werk aus Sich vieler affektiert, überladen und künstlich wirken lies, verzichtet. Theatralische Zuspitzungen und stechenden Kontraste gehören wohl der Vergangenheit an.


    Die CD wird auch in Audiophilen-Listen geführt.


    Möchte mir jemand die Aufnahme ausreden oder zu einer geeigneteren raten? Bei diesem Werk würde ich gesteigerten Wert auf exzellenten Klang legen.


    Auf Eueren Rat freut sich
    GalloNero

  • lieber schwarzer hahn
    wenn du gesteigerten wert auf SACD und Klangqualität legst ist die 2003 Harnoncourt durchaus o.k, persönlich gefällt mir aber die "alte" harnoncourt aufnahme besser.
    wenns nicht harnoncourt sein muss hier auch ein paar sehr, sehr gute einspielungen:







    lg
    d.

  • Hallo Gallo


    Abraten von der Harnoncourt-Aufnahme will ich nicht, für mindestens ebenbürtig halte ich aber die Aufnahme von William Christie. Zwar keine SACD, erfreut aber bestimmt auch jedes verwöhnte Ohr




    Gardiners Aufnahme ist noch schlanker und drahtiger (mir manchmal zu schlank) aber dafür gibts Barbara Bonney und Anne Sofie von Otter...



    @ d-minor


    in die DG-Böhm-Aufnahme hatte ich mal reingehört, hatte mir gar nicht zugesagt...