Karl Löbl (1930 - 2014)

  • Gestern 83jährig in Wien seinem Krebsleiden erlegen:


    Karl Löbl (* 24. Mai 1930 in Wien; † 27. Januar 2014 ebenda) war ein österreichischer Musikkritiker und Kulturjournalist.


    R. I. P.

  • Zu den Zeiten, als der ORF noch einen Bildungsauftrag akzeptierte, war Löbl ein unverzichtaber Teil der österreichischen Kulturszene. "Lieben Sie Klassik" war der Höhepunkt des Monats für Opernfreunde. Seinem von Harald Kral hier eingestellten Buch war schon zu entnehmen, dass es ihm nicht gut ging.
    R.i.p.

  • Karl Löbl war in der österreichischen Musikszene eine in vielen Funktionen unviversell wirkende Persönlichkeit und prägender Musikkritiker, wie in vielleicht nur das Musikland Österreich hervorbingen kann. In Erinnerung bleiben wird auch sein scharfer, ironischer Wortwitz, wenn er z. Beispiel die beiden "gewichtigen" Sopranistinnen Anna und Hilde Konietzny als "Kredenzen auf Radln" bezeichnete. Unvergessen auch die herrlichen Parodien, die er zusammen mit dem Stimmenimitator Heinz Holecek auf damalige Sängergrößen produzierte. Dem Honzo (Spitzname des Baritons Heinz Holecek) gelang des dabei sogar die Extreme Helge Roswaenge mit strahlenden Spitzentönen und abgrundtief Gottlob Frick täuschend ähnlich dazustellen. Wobei
    Gotttlob Frick bei der Vorstellung der Imitationen sagte: "Wenn mein Freund Honzo so hätte singen können, wie er imitiert, dann hätte er den Caruso in den Schatten gestellt".
    Wieder ist mit Karl Löbl eine Großer der Opernwelt von uns gegangen.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich bin ehrlich gesagt ERSCHÜTTERT
    Karl Löbl war für mich schlechthin DER Musikkritiker Österreichs, obwohl er natürlich auch zahlreiche andere Funktionen innerhalb seines Lebens innehatte. Als Kritiker war er gefürchtet - wegen seines unbestechlichen Blicks und seiner ihm nachgesagten Unfehlbarkeit.
    Persönlich hat er mich durch seine Radiosendung "LIEBEN SIE KLASSIK" geprägt, die ab 1968 28 Jahre im österreichischen Rundfunk jeden Sonntag von 16 - 17 Uhr auf Ö1 lief. Die Sendung hatte den Untertitel "Karl Löbl präsentiert Platten von gestern heute morgen")
    Karl Löbl war der Erfinder und zugleich auch der Moderator dieser Sendung. Sie bestimmte auf lange Zeit meine Sonntage, denn es war für mich unvorstellbar, daß ich sie nicht hörte. Löbl plaudert dabei recht neutral und überließ dabei dem Hörer weitgehend das Urteil. Er spielte Sätze aus Sinfonien oder Opernarien, wobei diese von meist 2 oder 3 Interpreten dargeboten wurden - die Klangbeispiele waren sozusagen mosaikartig aneinandergefügt. Man konnte den strengen Kritiker, als der er sich einen Namen gemacht hatte, allenfalls erahnen. Als die Sendung nach Mitte der neunziger Jahre eingestellt wurde, war das ein schwerer Schlag für mich. Ich hatte eine wichtige Informationsquelle verloren und einen fiktiven "Ziehvater" in Sachen Klassik.
    Mit der Gründung des Tamino Klassikforum habe ich versucht ein wenig in Karl Löbls Fußstapfen zu treten, obwohl mir natürlich stets bewusst war, daß sie mir VIEL zu groß waren.
    Im Hinterkopf hätte ich ihn mir stets als Tamino Mitschreiber gewünscht - aber das war eben nur Wunschdenken....
    vor einigen Jahren habe ich ihn kurz persönlich gesehen, als er - so wie ich - bei Gramola am Graben einkaufen war. Da hörte ich seine Stimme erstmals nicht übers Mikrophon sondern live. Interessant war, daß er auf mich JÜNGER wirkte, als ich ihn vom Fernsehen und Bildern in Erinnerung hatte. Das mag auf seine charismatische Persönlichkeit zurückzuführen sein.


    Er wird mir immer in Erinnerung sein - ich verdanke ihm viel
    und indirekt - über tausend Ecken - auch dieses Forum,
    das ohne "Lieben Sie Klassik" nie entstanden wäre


    In letzter Konsequenz ist er uns allen vorausgegangen
    RIP


    Alfred

  • Karl Löbl habe ich viel zu verdanken. Er war in meiner Jugend einer der Vermittler klassischer Musik, die meinen Geschmack geprägt hatten. Seine Radiosendung "Lieben Sie Klassik" auf Ö1 war für mich wie für Alfred Schmidt und sicherlich viele andere Zuhörer ein Fixpunkt am Sonntagnachmittag. Seine prägnante Stimme und der Trailer der Sendung (natürlich Schubert aus Fünf Menuette mit sechs Trios und fünf Deutsche mit sieben Trios und einer Coda D. 89) sind in meinem akustischen Gedächtnis verankert.



    Wie man mit Humor ein misslungenes Interview meistert, kann man von Karl Löbl in diesem Ausschnitt lernen:



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    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Ich war 15 Jahre lang Korrektor und Revisor beim Wiener KURIER, wobei meine prägendsten Erinnerungen die Zusammenarbeit mit dem überaus kompetenten Chefredakteur und Kulturchef Karl Löbl darstellten, zumal er es sich nehmen ließ, "seine" Kulturseite von mir redigieren zu lassen. Wie aber das Schicksal so spielte, hatte ich ausgerechnet an dem Abend keine Nachtschicht, als Löbl von den Salzburger Festspielen über die grandiose "Tristan"-Produktion unter Karajan und Schneider-Siemssen berichtete. Also mußte ein anderer Kollege ran, der leider in Sachen Kultur recht unbeleckt gewesen war. Und das war nicht folgenlos: Löbl berichtete vom "Mysterium im kosmischen Raum", doch der Setzer machte daraus einen "komischen Raum", was besonders verhängnisvoll war, kam dieser Begriff nicht nur in der Headline, sondern auch im Fließtext einige Male vor, wobei besagter Setzer in tödlicher Konsequenz beim "komischen Raum" verblieb, was aber dem Korrektor-Kollegen nicht auffiel. Also erschien dieser Fehler auch im Druck.


    Ich kann mir gut ausmalen, was diesem bedauernswerten Kollegen widerfuhr, als er tags darauf vor Karl Löbl habacht stehen mußte und seine verdiente Bastonade ausfaßte.


    Anderntags, als Löbl wieder durch die KURIER-Räumlichkeiten ging, blieb er vor mir stehen und meinte süffisant: "Welcher Teufel hat Sie geritten, dass Sie just an dem Abend Frühschicht haben mußtest ..."


    Stets werde ich seiner in Liebe und Hochachtung gedenken!

  • Karl Löbl, der Name ist mir als gebürtigem Berliner natürlich nicht geläufig, dennoch kenne ich ihn seit meiner frühen Jugend. Eines meiner ersten Musikbücher (oder überhaupt das erste?) war "Das Wunder Karajan" von Karl Löbl. Und zwar nicht das jetzt noch erhältliche Taschenbuch von 1978 sondern die gebundene Ausgabe aus dem Jahre 1965. Man kann es nehmen wie man will, natürlich liest man durch alle Zeilen die große Bewunderung des Autors für Karajan, der ja nicht nur die Musikwelt erbeben ließ, sondern auch der noch im Ursprung befindlichen "Yellow Press" reichlich Schlagzeilen lieferte. Beeindruckend war damals schon für mich die Akribie und Liebe zum Detail, mit der Löbl aufzeigte, auf welche Weise Karajan diese musikalische Wirkung erzielte, die ihm schließlich den großen Erfolg brachte. Er hat nicht nur als Musikkritiker und Kulturreporter Karajan begleitet, sondern auch mit Promis gesprochen, in Zeitungsarchiven recherchiert und sich in New York, Mailand, Berlin und Salzburg Informationen eingeholt. Selbst wenn man inzwischen die Persönlichkeit Karajan differenzierter sieht und sich in der danach folgenden Zeit noch vieles ereignete, möchte ich dieses Buch auch heute nicht missen. Insofern macht auch mich sein Tod etwas betroffen.