Alte Referenzen - Neue Referenzen - Alternativen

  • Nummer 1 - Vivaldi: Die vier Jahreszeiten


    Liebe Forianer,


    seit gestern ist der Frühling da. Das ist ein guter Anlass, sich diesen Kompositionen zu widmen, aber es ist durchaus auch passend, diese Musik voran zu stellen, da viele Klassik-Liebhaber die "vier Jahreszeiten" mit als erstes gekauft haben, um das Fundament ihrer Klassik-Sammlung zu bauen.


    Seit etwa 20 Jahren, seit dem der große Vivaldi-Boom einsetzte, werden wir auch mit den "Jahreszeiten" überhäuft. Da ist es schon schwierig den Überblick zu behalten. Wo man gestern noch dachte, mit dieser oder jener Aufnahme hat man die Referenz, der erlebt heute womöglich eine Überraschung der besonderen Art...


    Wie erfolgte die Auswahl? - Die Antwort ist ganz einfach: Wenn ich die eine "Jahreszeiten"-CD gehört habe, möchte ich mit der nächsten in einen anderen Interpretations-Kosmos versinken und keine beliebige Variante der Vorgänger-CD hören.



    Referenz 1960-1985



    Künstler: Sparf, Drottningholm Baroque Ensemble
    Label: BIS, DDD, 1984


    Kaum zu glauben, dass diese Aufnahme jetzt schon 30 Jahre auf dem Buckel hat. Diese frisch-ruppige Interpretation aus dem Hause BIS hat bis zum heutigen Tag nichts von ihrer Faszination verloren. Wenngleich diese Einspielung noch immer ein Geheimtipp ist, so gehört sie doch in Wirklichkeit in jede "Jahreszeiten"-Sammlung.



    Alternativen 1960-1985



    Künstler: Felix Ayo, I Musici
    Label: Urania, ADD, 1959-1961


    Wer die Tempis etwas breiter mag, der ist mit dieser Aufnahme sehr gut bedient. Jedenfalls finde ich sie interessanter als alle folgenden Einspielungen der "Jahreszeiten" durch das Ensemble I Musici. Selbst die Karajan-Aufnahme mit Schwalbé wird durch diese ausgestochen, weil sie nuanciert-abwechslunsreicher daher kommt. Erstaunlich ist die ausgezeichnete Aufnahmequalität, wenn man bedenkt, wie alt diese Produktion bereits ist.



    Künstler: Academy of Ancient Music, Christopher Hogwood
    Label: Decca, ADD, 1982


    Hat man die vorhergehende Aufnahme gehört, dann bietet diese Einspielung einen wirklichen Kontrast: Voller Spielfreude setzen sich Hogwood und sein Ensemble in Szene. Man meint, neu-überraschendes zu entdecken, da können einige Originalklang-Ensembles einschließlich Pinnock dann doch nicht ganz mithalten.



    Künstler: Alice Harnoncourt, Jürg Schaeftlein, Concentus musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt
    Label: DAW, ADD, 1976


    Auch wenn diese Einspielung gegenüber Hogwood etwas abfällt, hat sie jedoch ihre Meriten. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass sie 6 Jahre älter ist. Was jedoch viel wichtiger ist: Hier lässt Harnoncourt noch spannend musizieren. Temopverrückungen, Kunstpausen und andere Übertreibungen findet man da nicht. Zu Recht hat er dafür den "Grand Prix du Disque" erhalten.



    Referenz seit 1986



    Künstler: Sharman Plesner, Balkan Baroque Band, Jean-Christophe Frisch
    Label: Arion, DDD, 2012


    Wer da meint, eigentlich sei ja bei den "Jahreszeiten" jetzt alles ausgereizt, dem wird diese Aufnahme eines Besseren belehren. Dazu kommt: es ist eine hoch-aktuelle Einspielung. Schon die ersten Spiel-Sekunden dieser CD lassen einen ins Schwärmen kommen. Auch wenn im weiteren Verlauf das Zupfen der Saiten im "Winter" zunächst etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, klingt das doch alles sehr reizvoll und detail-verliebt.



    Alternativen seit 1986



    Künstler: Viktoria Mullova, Chamber Orchestra of Europe, Claudio Abbado
    Label: Philips, DDD, 1987


    Mehr noch als mit Kremer gelingt Abbado mit der Mullova eine eindrucksvolle Interpretation, die ich in meiner Sammlung nicht missen möchte. Ebenfalls mit kleiner Besetzung des Chamber Orchestra of Europe kommt er zu ähnlichen Ergebnissen wie die Originalklang-Ensembles. Die Mullova spielt berückend schön!



    Künstler: Giuliano Carmignola, Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon
    Label: Sony, DDD, 1999


    Wer Carmignola einmal live erlebt hat, ich habe das, der ist von seiner Virtuosität zutiefst beeindruckt. Man meint, nur so und nicht anders dürfe es sich anhören. Dazu kommt, dass dieser Solist mit dem Venice Baroque Orchestra zu einer vollendet anmutenden künstlerischen Einheit verschmilzt.



    Künstler: Pavel Sporcl, Prague Philharmonia
    Label: Supraphon, DDD, 2007


    Hier weht nicht nur frischer Wind in die Stube, sondern es wird ideenreich und differenziert musiziert. Der tschechiche Jung-Geiger Pavel Sporcl wartet zudem mit interessanten Überraschungen auf: imposante Verzierungen und kleine Kadenzen, die mehr als nur aufhorchen lassen.



    Bemerkungen


    Derzeit gibt es so viele Einspielungen der "Jahreszeiten", die so schablonenhaft eintönig klingen - da kann schon schnell lange Weile aufkommen. Selbst die neue Kuijken-Aufnahme ist nicht so ganz frei davon. Die oben angeführten Aufnahmen verdeutlichen dann allerdings, dass es auch anders geht. Sehr interessant dürfte auch eine noch zu erwartende Einspielung durch das Ensemble Café Zimmermann werden!


    Wer von den Forianern keine der beiden "Referenzen" besitzen sollte, der könnte ja mal aktiv werden... :D


    :hello: LT

  • Danke für die Auflistung!


    Von den genannten gefällt mir I Musici vom Probehören am besten. Manches ist etwas schrill (vielleicht nur mein Eindruck).


    Was ist von Sir Neville Marriner (1969) und Arthur Davison (1971) zu halten? Die Tonschnippsel klingen vielversprechend.



    Dann gibt's noch Stokowskis Orchestrierung ...

  • Welch ein Zufall: Ich hatte heute nachmittag über einen neuen Thread über Vivaldis 4 Jahreszeiten nachgedacht - und auch ein persönliche Referenz gewählt., nämlich jene mit "The English Concert" unte Trevor Pinnock (ca 1983) - eine der ersten Digitalaufnahmen überhaupt und ein Plädoyer für diese Technik überhaupt. Was ist an dieser Aufnahme so besonders ?
    Nun da wäre beispielsweise das Tempo, das nie überzogen - aber auch nicht schleppend ist. Über der Aufnahme liegt kein Weichzeichner und auch kein wabbernder Hall. Das Soloinstrument klingt geradezu betörend schön - alles ist optimal ausbalanciert. Die Aufnahme bemüht sich nicht um jeden Preis "originell" zu sein oder "neue Sichtweisen" zu präsentieren (wenngleich allein die Verwendung von Originalinstrumenten zur Zeit der Aufnahme eher nicht im Trend lag - oder anders formuliert, diese Aufnahme war - abgesehen von der alten Concentus Musicus-Aufnahme - eine der ersten die den Trend des "Originalklanges" mitmachten - für Vivaldis Werke mit Sicherheit die richtige Entscheidung - ein akustischer Gewinn....Eine Aufnahme der Mitte - ohne indes mittelmäßig zu sein...
    Es ist mir schon klar, daß dies kein "Vivaldi" Thread ist - sondern einer über ältere und neuere Referenzen. Wie indes der Wechsel auf andere Werke stattfinden soll, das hat sich mir beim Lesen des Eröffnungsbeitrags nicht erschlossen..
    Zum Thema Referenzen: Diese Aufnahme ist meine Referenz seit ihrem Erscheinen und konnte bisher von keiner meiner anderen Aufnahmen verdrängt werden.
    "Neue Lesarten" mögen zwar die Szene beleben - den Hörer erfreuen - aber sie stellen dennoch irgendwo einen Randbereich dar, der schwerlich von vielen als Referenz akzeptiert werden wird. In diese Gruppe fällt auch die Aufnahme von "Il Giardino armonico" - Sehr pfiffig und interessant - besitzenswert - indes -keine Referentaufnahme, da zu eigenwillig....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • In Liebestraums Aufzählung fehlt meiner Meinung nach schon stark Carmignolas erste Einspielung mit den Sonatori de la Gioiosa Marca. In den über vier Jahrzehnten, die ich den Plattenmarkt beobachte, gibt es nicht viele Klassik-Scheiben, die bei ihren Erscheinen derart Furore machten wie diese. Und obwohl das nicht mein starkes Gebiet ist, kann ich mich an keine Besprechung erinnern, die die zweite Aufnahme (für ein Major-Label) über die erste stellt. Die neuere gibt es auch schon sehr günstig, während für das "Original" noch volle Länge zu blechen ist....

  • Liebe Forianer,


    diese Reaktionen habe ich erwartet. Denn dieser Thread bedeutet einen Schnitt, eine Reduktion auf das Wesentliche. Auf was jedoch reduziert wird liegt im Auge des Betrachters.


    Aber mein eigentlicher Schwerpunkt sind jedoch die neuen Referenzen und Alternativen. Sie sind der Anlass dieses Beitrages und derer, die noch folgen werden. Mich stört hier seit langen, dass viele Forianer nicht über die Karajan-Zeit hinaus kommen. Es ist aber ein Irrglaube, dass nicht auch in der nachfolgenden Zeit, die jetzt schon 25 Jahre lang andauert, maßstabsetzende Aufnahmen entstanden sind.


    :hello: LT

  • Lieber Joseph,


    die Marriner-Aufnahme erhält ihren besonderen Klangeindruck durch das vordergründige Cembalo-Geplimbsel, was ich nicht richtig finde. Lässt man die weg, ist es eine ganznormale Aufnahme.


    Die Davison-Aufnahme ist zumindest für mich nichts Besonderes. Von Bearbeitungen (auch von Stokowski) ist hier kein Platz, weil es genügend Original-Aufnahmen gibt.


    :hello: LT

  • Mein Favorit ist nach wie vor Harnoncourt (Ende der 1970er aufg.). Ich habe aber keine Dutzende Einspielungen gehört, sondern besitze ca. 4-5 und habe noch einige wenige weitere mal gehört. Soo interessant finde ich diese Stücke nun auch wieder nicht.
    Bei Pinnock und den Vor-HIP-Aufnahmen, die ich gehört habe, hört man zB den Hund nicht bellen. Das ist alles hübsch gespielt, aber die Bildhaftigkeit und das Rustikale fehlt. Giardino Armonico müsste ich noch mal anhören, aber Biondi/Europa Galante, wovon ich beim Rätsel mal den "Winter" angehört habe, ist mir dann wieder übertrieben bzw. gewöhnungsbedürftig. Rhythmisch sehr frei, ohne dass das für mich die Szene (Eis etc.) deutlicher macht.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich mag genau das Cembalo. ;)


    Gar nicht geht für mich bei diesem Werk ein zu hektisches Spiel (in den meisten neuen Aufnahmen), daher sind meine Referenzen eben die alten. Ja mei. :D

  • Nummer 2 - Beethoven: Sinfonie Nr. 5 c-moll op. 67


    Liebe Forianer,


    für mich war Beethovens 5. ein Schlüsselerlebnis. Neben dem "Freischütz" war es das Werk, dass mich zur intensiven Beschäftigung mit der klassischen Musik führte. Dieses Meisterwerk Beethovens war auch eine meiner ersten Anschaffungen auf Schallplatte. Ich werde auch nicht müde, mir diese Sinfonie auch immer wieder regelmäßig anzuhören. Gerade zu solchen Anlässen, wenn eine Neuanschaffung wieder darauf wartet, angehört zu werden - wie zuletzt Swetlanows Interpretation.


    Anders wie bei den "vier Jaheszeiten" ist der Katalog der vorhandenen Aufnahmen dieser Sinfonie so umfangreich, dass er kaum noch zu überschauen ist. Es vergeht kein Monat, in dem eine Neuaufnahme oder eine Wiederauflage auf die Klassik-Kunden wartet. Das macht eine Auswahl schwierig. Aber, wie bereits in der Vorankündigung formuliert, ist der Fokus auf die Aufnahmen der letzten 20 Jahre gerichtet, also auf Aufnahmen der Nach-Karajan-Ära.


    Schwerpunkte der Auswahl bilden: Die klare Herausarbeitung des Kopfmotives, die Ausgestaltung des 3. Satzes sowie die Überleitung zum - und Finale.



    Referenz 1959-1986



    Künstler: Chicago Symphony Orchestra, Fritz Reiner
    Label: RCA, ADD, 1959


    Für mich ist und bleibt diese Aufnahme der Sinfonie die bedeutendste Stereo-Einspielung des 20. Jahrhunderts (bezogen auf die 5. Sinfonie)! Gerade diese Aufnahme schlug bei Erscheinen in den USA wie eine Bombe ein. Sie blieb nicht ohne Einfluss. Dem Dirigenten gelang mit dieser Aufnahme ein wirklicher Gegenentwurf zu Toscaninis Sichtweise. Sie war ein wirklicher Meilenstein! Aber nicht nur das, sondern bis hinein in die Gegenwart lassen sich viele Interpretationen auf Reiner zurückführen: Karajan, Szell, Solti usw. Denn es war Reiner und nicht Karajan, der den Beethoven-Stil der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts geschaffen hat. Allein den Übergang vom 3. zum 4. Satz hat man bis dato (vor jetzt 55 Jahren) noch nie so dynamisch-frisch, dramatisch-zupackend gehört!



    Alternativen 1959-1986



    Künstler: Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan
    Label: DGG, ADD, 1962


    Gerade Karajans glutvoll-packende Interpretation dieser Sinfonie aus dem Jahre 1962 ist legendär. Ganze Generationen sind mit dieser Aufnahme aufgewachsen und wollen sie nicht mehr missen. Eben auch deshalb, weil Reiners Einspielung über lange Zeit nicht präsent war bzw. die Anschaffung viel zu teuer war und dadurch relativ unbekannt blieb, konnte sich Karajans Deutung so überwältigend verbreiten. Dieser Umstand soll jedoch den Wert dieser Aufnahme nicht schmälern. Dem Dirigenten gelang mit seinem grandiosen Orchester eine Interpretation wie aus einem Guss.



    Künstler: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Otto Klemperer
    Label: EMI, ADD, 1969


    Otto Klemperer live zu hören bringt immer wieder erstaunliche Hörerlebnisse, wenn man sie mit seinen Studio-Aufnahmen vergleicht. So auch hier: Old Klemp überzeugt uns hier mit seiner Deutung der Sinfonie mit einem Live-Mitschnitt mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aus dem Münchner Herkulessaal. Das Ergebnis ist eine monumentale, wie in Granit gemeißelte Interpretation. Auch hier gelingt es Klemperer bei aller Langsamkeit eine Spannung aufzubauen und zu halten, dass man immer wieder verblüfft ist.



    Künstler: Academy of Ancient Music, Christopher Hogwood
    Label: Decca, DDD, 1986


    Hogwoods HIP-Einspielung überzeugt noch heute durch seine kraftvoll-frische Interpretation. Man glaubt es kaum, dass es diese Produktion schon 30 Jahre lang auf dem Markt gibt und sie noch nicht gestrichen ist! Was bis auf den heutigen Tag immer wieder frappierend ist, ist die Transparenz, mit der Hogwood und seine Academy of Ancient Music zu Werke gehen. Dabei jedoch immer angemessen musizieren ohne den Eindruck zu hinterlassen, dass es zu dünn klingt. Davon kann man sich gerade beim Übergang vom 3. zum 4. Satz überzeugen.



    Referenz seit 1987



    Künstler: La Chambre Philharmonique, Emanuel Krivine
    Label: Naive, DDD, 2010


    Keine Einspielung der 5. Sinfonie hat mich im neuen Jahrtausend so beeindruckt wie eben diese Aufnahme. Es handelt sich hierbei um einen Live-Mitschnitt, bei dem das HIP-Ensemble La Chambre Philharmonique unter Emanuel Krivine einen so leidenschaftlich-impulsiven Beethoven spielen, wie es mir schon lange nicht mehr untergekommen ist. Man kann ihre Spielfreude faktisch spüren und der Funke springt auch beim Hörer über, der durch Betätigung des Start-Knopfes am Player diese Interpretation gleich noch einmal hören möchte!


    Alternativen seit 1986



    Künstler: Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado
    Label: DGG, DDD, 2000


    Hier soll die Aufnahme der Berliner Philharmoniker zur Sprache kommen, die unter Abbado bei einem Gastspiel in Rom Live aufgezeichnet worden ist. Dies ist aus meiner Sicht mit Abstand die beste Einspielung der 5. Sinfonie eines renommierten Sinfonieorchesters (also keine Kammerorchester-Version) seit 2000. Abbado nahm hier einige Korrekturen vor in Bezug auf seinen ein paar Monate vorher erschienenen Studio-Beethoven-Zyklus. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen: eine moderne frische Aufnahme von hohem Wert!



    Künstler: Swedish Chamber Orchestra, Thomas Dausgaard
    Label: Simax, DDD, 99


    Dausgaard gilt noch immer als eine Art Geheimtipp. Einige meinen, die Aufnahmen sind zu teuer. Dazu kann ich nur sagen: wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Schließlich gibt es diverse Marktplätze, die hier und da ein Produkt auch preiswert anbieten. Andererseits stellt sich Dausgaard auch als Phänomen dar: sie kaufen ihn nicht, weil sie meinen alles Wichtige schon zu haben. Dabei lohnt sich ein Blick mit anschließender Anschaffung bei Dausgaard durchaus: hier wird ausge-zeichnet Beethoven zelebriert, gepaart mit einer überragenden Tontechnik - Beethoven vom Feinsten - was will man mehr?



    Künstler: Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini
    Label: Sony, DDD, 2008


    Etwas ganz Hervorragendes schwappt von der Schweiz zu uns herüber: ein noch im Entstehen befindlicher Beethoven-Zyklus mit dem Kammerorchester Basel, das hier von Giovanni Antonini geleitet wird. Aber im Gegensatz zu Järvi wird hier nicht wild-seelenlos heruntergespult, es bleibt genug Zeit die Musik auch atmen zu lassen, sich zu entfallen. Antonini gelingt es ebenfalls, das Kammerorchester nicht dünn spielend auf uns wirken zu lassen. Da kommt beim Hören viel Freude auf, was das Ganze zu einer echten Alternative werden lässt!



    Bemerkungen


    Weitere mögliche Alternativen aus meiner Sicht: Carlos Kleiber, René Leibowitz, Osmo Vänskä.


    Aus meiner Sicht geht gar nicht:


    Thielemann (die Überleitung vom 3 zum 4. Satz ist so schwerfällig, dass ich schon nicht mehr weiter hören mag, um dann ein paar Takte später gleich überschnell weiter musizieren zu lassen, was an eine Karikatur grenzt.


    Järvi (der seelenlos ohne wirkliche innere Anteilnahme Beethoven eiskalt herunterspulen lässt)



    :hello: LT

  • Lieber LT,


    gute Auswahl, der ich weitgehend folgen würde.


    Karajans 62er Aufnahme war meine erste. Ich finde sie bis heute am besten von all seinen Beethoven-Aufnahmen überhaupt. Den Rest des Zyklus brauche ich dagegen nicht mehr unbedingt (Ausnahme vielleicht die Neunte von Silvester 1977).


    Klemperer 1969 ist eine Wucht, zurecht aufgeführt. Bei den Alten würde ich hinzufügen Furtwängler (Berliner Philharmoniker, 1947) und Knappertsbusch (Berliner Philharmoniker, 1956). Nicht in die engere Wahl käme mir Carlos Kleiber; zwar eine gute Aufnahme, aber das sind viele.


    Bei denen ab etwa 2000 d'accord bezüglich Dausgaard und Abbado. Von Antonini kenne ich nur eine (sehr interessante) "Eroica". Hinzufügen würde ich Herreweghe, der mich sehr positiv überraschte.


    Liebe Grüße
    Joseph

  • Lieber Liebestraum,


    Bei Reiner, Karajan, Hogwood, Abbado, Kleiber und Leibowitz bin ich auf deiner Seite, in der GA von Krivine gibt es m. E. Licht und Schatten (z. B. seine Eroica), die Fünfte müsste ich nochmal nachhören, Bei Thielemann, den ich jetzt auch in meinem Bestand habe, bin ich noch nicht bei der Fünften angelangt, und bei Järvi bin ich aus schon vielfältig zwischen uns ausgetauschten Argumenten nicht deiner Meinung, aber das macht ja auch nichts.
    Dafür hätte ich noch einige andere hier anzuführen, wozu mir aber auf Grund der Sonaten-Threads die Zeit fehlt.
    Die von dir eingestellte Aufnahme von Old Klemp hat mich allerdings dermaßen überzeugt, dass ich sie sofort bestellt habe.


    Weiter gutes Gelingen mit diesem Thread und


    liebe Grüße


    Willi :D

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Nummer 3 - Tschaikowski: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-moll op. 23



    Liebe Forianer,


    dieses Konzert wird oft als "altes Schlachtross" bezeichnet oder gar diffamiert, zumindest von denen, die in früher Jugendzeit per Werbefeldzug im Fernsehen oder durch rauschhaftes Dauerhören für immer für dieses Werk rettungslos verdorben bzw. verloren sind, weil sie meinen, sich diesem Konzert nicht mehr unvoreingenommen nähern können. Dazu kommt, dass diese Hörer nicht nur für dieses Werk verloren sind, nein, sie haben durch das Dauerhören von nur 2-3 Interpretationen einen Aufführungsstil verinnerlicht, der sehr bedenklich ist, da er wieder auf Stillstand zielt.


    Tatsächlich handelt es sich bei diesem Werk um eines der virtuosesten Konzerte der gesamten Klavierliteratur überhaupt! Noch immer werden die angesagtesten Virtuosen nicht müde, es immer und immer wieder in ihr Konzertprogramm aufzunehmen, trotz Dauerspielens seit frühesten Jugendjahren. Auch die Musikindustrie präsentiert ständig neue Interpretationen per Bild und Ton.


    Für mich gehört dieses Klavierkonzert seit meiner intensiven Beschäftigung mit der klassischen Musik (seit nun fast 40 Jahren) zum ständigen Wegbegleiter. Zunächst ständig unbefriedigt, da mich keine Aufnahme wirklich richtig glücklich machte, daher immer wieder andere Aufnahmen hörend, auf der Suche nach einer "besseren" bzw. "besten" Interpretation. Danach, als ich sie dann gefunden hatte, die Neugier ob es jemanden gelingen würde, als "Thronräuber" zu agieren. Auch wenn ich immer wieder meine bevorzugten Aufnahmen höre, bin ich offen für jede Neuentdeckung.


    Schwerpunkte der Auswahl bilden: die Einleitung, die nicht zu lahm und breit sein sollte, das im letzten Satz vorgeschriebene Feurige, das Zusammenspiel von Solist und Orchester.



    Referenz 1955-1985



    Künstler: Emil Gilels (Klavier), Chicago Symphony Orchestra, Fritz Reiner
    Label: RCA, ADD, 1955


    Wer da meint, Gilels-Maazel wäre die eigentliche Referenz dieses Klavierkonzertes oder gar der Übervater Karajan mit Richter, dem muss ich jetzt den Zahn ziehen. Als ich dieses Konzert in der Interpretation durch Gilels unter Reiner das erste mal hörte war ich schlichtweg begeistert und meine Referenz war gefunden. Allerdings war dies ein steiniger Weg, denn erst 1997 (nach fast 20jähriger Suche) war dieses Konzert (nach der Neuveröffentlichung) für mich verfügbar. Auch heute bin ich der Meinung, dass diese Einspielung noch immer ein Schattendasein führt, da es viele Klassikfreunde gar nicht kennen. Denn auch dieses Aufnahme wurde erst seit der Verbreitung auf CD seit den 90er Jahren bekannt, wo viele schon medial gesättigt waren. Gilels überzeugt hier wesentlich mehr als später unter Maazel mit seinem virtuos feurig-impulsiven Spiel im letzten Satz. In Reiner findet er einen kongenialen Partner, der keine Überzuckerung und Sentimentalität aufkommen lässt. Das Zusammenspiel von Solist und Orchester besonders im Finale des Konzerts habe ich seitdem nie wieder besser gehört.



    Alternativen 1955-1985



    Künstler: Swjatoslaw Richter (Klavier), Wiener Symphoniker, Herbert von Karajan
    Label: DG, ADD, 1962


    Von diversen Klassikmagazinen und Klassikführern zu der Referenz hochstilisiert, hat diese Aufnahme durchaus ihre Meriten, ohne jedoch das Format Gilels-Reiner zu erreichen. Die (angedichteten) unterschiedlichen interpretatorischen Ansichten von Solist und Dirigent sind für mich nicht wirklich herauszuhören und daher auch nicht nachvollziehbar. Was hier entstanden ist, ist fern von jeglicher Glätte, die Karajan bei seinen Interpretationen mitunter nachgesagt werden. Richter überzeugt durch seine ausgezeichnete Interpretation ohne jegliche Sentimentalitäten und Karajan befeuert die hervorragend aufgelegten (nur) Wiener Symphoniker zu einem imposanten Spiel und Zusammenspiel von Solist und Orchester.



    Künstler: Martha Argerich (Klavier), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Kirill Kondrashin
    Label: Philips, ADD, LA, 1980


    Mehr noch als unter Claudio Abbado überzeugt Martha Argerich in dieser Live-Aufnahme des Klavierkonzertes. Gleich einem Feuersturm entfesselnd kann man sich hier von der einzigartigen Virtuosität der Pianistin nicht satt hören. Auch wenn einige Huster zu hören sind, besticht diese Einspielung auch gerade durch das herausragende Spiel des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, endlich nun einmal unter einem auch in der westlichen Welt bekannten russischen Dirigenten: Kirill Kondrashin. Auch dieses Orchester ist ein ausgezeichneter Partner des Klavierparts der Argerich. Noch heute greife ich sehr gerne immer mal wieder zu dieser Aufnahme.



    Künstler: Gary Graffman (Klavier), Cleveland Orchestra, George Szell
    Label: CBS/Sony, ADD, 1969


    Auch diese Aufnahme führt noch immer ein Schattendasein, weil sie ebenfalls fast völlig unbekannt ist. Wenn man bedenkt, wie viele Klassikfreunde Einspielungen dieses Klavierkonzertes angehäuft (vielleicht gar gehortet :untertauch: ) haben und ständig an Graffman vorbei gekauft haben. Auffallend ist ein sehr helles und durchsichtiges Klangbild. Graffman und Szell samt Orchester überzeugen hier ebenfalls als kongeniale Partner, das Zusammenspiel ist herausragend. George Szell lässt das Orchester nie romantisch-sentimental spielen. Insgesamt ist dies eine Aufnahme, die ich mehr Verbreitung wünsche, gerade auch deshalb, weil ein nicht so prominenter Virtuose den Klavierpart so ausgezeichnet spielt.



    Referenz seit 1986



    Künstler: Sergio Tiempo (Klavier), Orchestra della Svizzera Italiana, Alexandre Rabinovitch-Barakovsky
    Label: Avanti, DDD, LA, 2005


    Eins vorweg: Seit Gilels-Reiner hat mich keine Aufnahme dieses Klavierkonzertes mehr so begeistert wie diese Einspielung, die im Juni 2005 live aus Lugano mitgeschnitten worden ist. Selbst die fulminant-feurige Argerich-Kondrashin-Aufnahme wird durch diese getoppt. Wer ist eigentlich Sergio Tiempo wird sich der eine oder andere fragen? Gearbeitet hat der Pianist aus Venezuela schon mit vielen namhaften Dirigenten: Abbado, Dutoit, Slatkin, Eschenbach, Tilson Thomas. Pianist und Orchester spielen als gleichberechtigte Partner gleich zu Anfang befeuert mit eruptiven Ausbrüchen gewürzt mit Eigenmächtigkeiten, die einige hier total schlüssig finden (ich), andere werden so etwas natürlich ablehnen. Es kommt keine richtige Ruhe auf, auch nicht im zweiten Satz: immer ist auch das Klavier präsent, dass sich auch hier mit harten Anschlägen zu Wort meldet. Das Finale des dritten Satzes kommt wie ein Sturm daher. Ganz ausgezeichnet auch das Zusammenspiel von Tiempo und dem Orchestra della Svizzera Italiana unter Alexandre Rabinovitch-Barakovsky Ich bin beeindruckt, dass man Tschaikowski überhaupt so spielen kann. Das Publikum war jedenfalls begeistert - ich auch! Eine Einspielung, die eine andere Sicht auf das Werk bietet, mit einer Konzeption, die aus meiner Sicht sehr schlüssig aufgeht. Für Tschaikowski-b-moll-Klavierkonzert-Sammler ein unbedingtes Muss, wenn man ein Tschaikowski hören will, fern ab ausgelatschter Wege und ich hoffe auf weite Verbreitung!



    Alternativen seit 1986



    Künstler: Stephen Hough (Klavier), Minnesota Orchestra, Osmo Vänskä
    Label: Hyperion, DDD, 2009


    Auch diese Aufnahme hat ihre Meriten. Auch wenn sie nicht ganz so stürmisch daher kommt wie die Tiempo-Einspielung, so überzeugt auch diese Interpretation gerade durch ein ausgezeichnetes Miteinander des Solisten Stephen Hough und dem Minnesota Orchestra unter Osmo Vänska, geadelt durch deutliche Handschriften von Solist und Dirigent. Diese Aufnahme ist ein Beweis dafür, dass Tschaikowskis Klavierkonzert auch heute noch überzeugend neu eingespielt werden kann. Ich jedenfalls greife immer wieder gern zu dieser Aufnahme.



    Künstler: Mikhail Pletnev (Klavier), The Philharmonia, Vladimir Fedosseyev
    Label: Virgin, DDD, 1990


    Endlich in der Nachkarajan-Ära eine Aufnahme mit russischer Doppelbesetzung. Nur das Orchester macht hier eine Ausnahme, die aber kaum ins Gewicht fällt, weil das Gesamtergebnis so herausragend ist. Beeindruckend ist nicht nur das Klangbild, sondern sind auch die musikalischen "Duelle" des Pianisten Mikhail Pletnev mit dem Philharmonia Orchestra und Vladimir Fedosseyev. Bei dem Überangebot von Einspielungen dieses Klavierkonzertes ist diese hier ganz ausgezeichnet und wird sehr oft von mir gehört.



    Künstler: Garrick Ohlsson (Klavier), Academy of St. Martin in the Fields, Sir Neville Marriner
    Label: Hänssler, DDD, 1996


    Wer hätte gedacht, dass Sir Neville Marriner hier noch einmal zu alten Ehren kommt, denn immerhin stammt diese Aufnahme von 1996, zu einer Zeit also, da Marriner seinen Zenit bereits überschritten hatte. Aber dessen ungeachtet gelingt es dem Dirigenten die Partitur des Klavierkonzertes so zu durchleuchten, wie nur sehr wenige Dirigenten zuvor: viele sonst unbeachtete Details legt er hier offen. Dazu kommt ein sehr durchsichtiges Klangbild. Ein voluminöser, körperlicher Klavierklang tut das Übrige. Garrick Ohlsson Klavierpart und sein Zusammenspiel mit der Academy St. Martin in the Fields sind ausgezeichnet.



    Bemerkungen


    Ich bin mir durchaus bewusst, dass die meisten Taminos fünf der hier genannten Aufnahmen nicht in ihrem Besitz haben. Da wird es endlich Zeit, die Lethargie und Müdigkeit bezüglich dieses Klavierkonzertes zu überwinden und auf Entdeckungstour zu gehen. Bei den hier nicht erwähnten Einspielungen bietet sich endlich die Möglichkeit "auszumisten" und Platz für Neues, Überzeugenderes zu schaffen!


    Erwähnenswert wäre noch diese Aufnahme: Daniil Trifonov(Klavier), Mariinsky Orchestra, Valery Gergiev. Leider krankt diese Einspielung an der uninspirierten Leitung Gergievs. Trifonov, der vielversprechendste junge Klaviervirtuose der Gegenwart bietet auch hier ein famoses Spiel!



    :hello: LT

  • Nummer 4 - Mozart: Die Zauberflöte


    Für viele Opernfreunde war mit der "Zauberflöte" der erste Opernbesuch verbunden - vorausgesetzt es war keine entstellende Deutung. Sie waren seitdem von der Oper magisch angezogen und waren fortan neugierig, was es da noch Neues zu entdecken gibt.


    Das Medium Schallplatte bzw. CD kann kaum eine wirkungsvolle Atmosphäre vermitteln, wie es die Bühne ermöglichen kann. Und es ist schwierig, eine Auswahl zu treffen. Schwerpunkte meiner Auswahl sind: die Vollständigkeit (Aufnahmen ohne Dialoge fallen weg - Böhm I, Klemperer), die Geschlossenheit des Ensembles (leider muss hier die Böhm-Aufnahme mit Wunderlich ebenfalls wegfallen) sowie die Sprachverständlichkeit.



    Referenz 1960-1989



    Künstler: Pilar Lorengar, Cristina Deutekom, Hermann Prey, Stuart Burrows, Dietrich Fischer-Dieskau, Renate Holm,
    Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker, Sir Georg Solti
    Label: Decca, ADD, 1969


    Auch wenn die Deutekom mit einer sehr speziellen Deutung der sternenflammenden Königin von sich reden machte, liegt hier wohl die beste Aufnahme der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dieses Werkes vor: erstklassige Besetzungen der übrigen Rollenvertreter, die ihre Sache wirklich sehr gut machen (auch Fischer-Dieskau, der hier bessere Figur als Sprecher macht, als vormals der Papageno unter Böhm) eingerahmt in einem luxuriösen Orchester-Sound, den kein geringerer als Sir Georg Solti zu verantworten hatte. Der Chor singt vortrefflich.


    Alternativen 1960-1989



    Künstler: Anneliese Rothenberger, Edda Moser, Peter Schreier, Walter Berry, Kurt Moll, Theo Adam, Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper München, Wolfgang Sawallisch
    Label: EMI, ADD, 1972


    Diese Aufnahme braucht sich nicht hinter den großen "Zauberflöten"-Aufnahmen zu verstecken. Sie gehört zweifellos zu den geschlossensten Einspielungen der Oper, zudem fast ausschließlich von deutschsprachigen Sängern besetzt. Zu nennen ist hier die grandiose Interpretation der Königin der Nacht durch Edda Moser. Auch die Rothenberger als Pamina schlägt sich mehr als achtbar. Der Tamino Peter Schreiers klingt hier nicht ganz so frisch wie unter Suitner - aber immer noch hervorragend. Berrys Papageno ist famos und in Molls Sarastro kündigt sich schon der zu erwartende große Bassist an. In ausgezeichneter Verfassung befinden sich der Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper, beide souverän unter Wolfgang Sawallisch agierend.



    Künstler: Martti Talvela, Ileana Cotrubas, Jose van Dam, Zdzislawa Donat, Christian Boesch, Eric Tappy, Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Philharmoniker, James Levine
    Label: RCA, DDD, 1980


    Nach der Aufführung eines Zyklus zu den Salzburger Festspielen zog man mit den Künstlern ins Studio. Levine überzeugt hier dadurch, dass er die Wiener Philharmoniker zügig spielen lässt. Die Cotrubas ist eine ideale Pamina. Eric Tappys Tamino diesmal mit einem heldisch gefärbten Tenor, aber durchaus interessant. Die Donat singt eine sehr gute Königin der Nacht. Der damalige Publikumsliebling Christian Boesch singt einen überzeugenden Papageno und Talvelas Sarastro ist grandios.



    Künstler: Günther Leib, Renate Hoff, Helen Donath, Peter Schreier, Sylvia Geszty, Theo Adam, Rundfunkchor Leipzig, Staatskapelle Dresden, Otmar Suitner
    Label: RCA, ADD, 1970


    Der einzige Schwachpunkt dieser Produktion ist der Sarastro Theo Adams. Ansonsten ist das eine erstklassige Aufnahme, die noch immer unterschätzt wird. Helen Donath ist eine jugendlich-frische Pamina. Peter Schreier ist hier in wesentlich besserer Form als unter Sawallisch. Günther Leib ist ein vortrefflicher Papageno. Die Geszty überzeugt durch ihr ausgezeichnetes Porträt der Königin der Nacht. Otmar Suitner und die Staatskapelle Dresden spielen besser als Böhm mit den Berliner Philharmonikern!


    Referenz seit 1990



    Künstler: Daniel Behle, Marlis Petersen, Anna-Kristiina Kaappola, Sunhae Im, Kurt Atzesberger, Marcos Fink, RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, Rene Jacobs
    Label: HMF, DDD, 2009


    Wieder einmal mehr gelingt es René Jacobs mit seinem auf Orginalinstrumenten spielenden Ensemble eine uns bekannte Oper in neuem Licht erscheinen. Gleich einem Hörspiel wird man in die Handlung hinein gezogen. Ein Sänger sorgt für Furore: Daniel Behle als Tamino - bis dahin fast völlig unbekannt, macht er seitdem eine Weltkarriere. Der schlanke Bassist Marcos Fink bietet einen ausgezeichneten Sarastro. Sehr überzeugend auch der Papageno von Daniel Schmutzhard und die Pamina von Marlis Petersen. - Wunderbar!


    Alternativen seit 1990



    Künstler: Kurt Streit, Barbara Bonney, Sumi Jo, Gilles Cachemaille, Kristinn Sigmundsson, Drottningholm Theatre Orchestra, Arnold Östman
    Label: Decca, DDD, 1992


    Östmans magisch-märchenhafte Neudeutung auf Originalinstrumenten ist auch heute noch sehr entdeckungs- und hörenswert. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, was das Tempo betrifft. Kurt Streit und Barbara Bonney überzeugen sehr als jugendliches Liebespaar Tamino-Pamina. Sumi Jo singt eine sehr gute Königin der Nacht mit blitzsauberen Koloraturen. Mit einem "schwarzen" Bass kann Sigmundsson als Sarastro auftrumpfen. Cachemaille singt den Papageno nicht akzentfrei.



    Künstler: René Pape, Erika Miklosa, Christoph Strehl, Dorothea Röschmann, Hanno Müller-Brachmann, Julia Kleitner, Arnold Schoenberg Chor, Mahler Chamber Orchestra, Claudio Abbado
    Label: DGG, DDD, 2004


    Abbados Einspielung ist durchaus ein Live-Mitschnitt (aus Modena) mit Ecken und Kanten. Sie ist jedoch die beste auf herkömmlichen Instrumenten spielende Aufnahme und hat ihre Meriten. Der Dirigent lässt zügig und ohne falsches Pathos musizieren. Die eindrucksvollste Leistung bietet Hanno Müller-Brachmann als Papageno. Ebenfalls ausgezeichnet ist der Sarastro von René Pape. Dagegen wirkt die Pamina von Dorothea Röschmann etwas routiniert und der Tamino von Christoph Strehl kommt etwas blass herüber.



    Künstler: Cornelius Hauptmann, Anthony Rolfe Johnson, Beverly Hoch, Dwan Upshaw, Andreas Schmidt, Guy de Mey, Olaf Bär, Schütz Choir of London, London Classical Players, Sir Roger Norrington
    Label: Virgin, DDD, 1991


    Eine lohnende Alternative ist diese Aufnahme allemal. Norrington lässt forsch und schnörkellos auf Originalinstrumenten musizieren. Kaum zu glauben, dass diese Einspielung jetzt schon über 20 Jahre alt ist! Mit Anthony Rolfe Johnson als Tamino und Andreas Schmidt als Papageno stehen referenzverdächtige Rollenvertreter zur Verfügung. Auch Dwan Upshaws Pamina lässt aufhorchen. Sehr koloratursicher setzt sich Beverly Hoch als Königin der Nacht durch. Problematisch ist mitunter das gebrochene Deutsch einiger Protagonisten bei den Dialogen.


    :hello: LT

  • Bezüglich der von Dir genannten Sawallisch-Aufnahme, die ich vor Jahrzehnten (noch zu LP-Zeiten) bei einem Freund gehört hatte (und die mir gefiel), habe ich eine Frage: Ist es richtig, dass sie ein nur wenige Jahre vor der Einspielung der Oper ein wiederentdecktes Duett zwischen ??? enthält?


    ?(

  • Bezüglich der von Dir genannten Sawallisch-Aufnahme, die ich vor Jahrzehnten (noch zu LP-Zeiten) bei einem Freund gehört hatte (und die mir gefiel), habe ich eine Frage: Ist es richtig, dass sie ein nur wenige Jahre vor der Einspielung der Oper ein wiederentdecktes Duett zwischen ??? enthält?


    So ist es, lieber musikwanderer. Es ist das Duett zwischen Tamino und Papageno "Pamina, wo bist du?" im zweiten Aufzug, eingebaut in die Nr. 11 zwischen "Bewahret euch vor Weibertücken" (Duett der zwei Priester) und "Wie? Wie? Wie? Ihr an diesem Schreckensort?" (Quintett der Damen, Taminio, Papageno, Chor). Es ist nicht Bestandteil der Partitur, taucht auch in keiner mir vorliegenden Textfassung auf, wurde aber nach Mozarts Tod als von diesem stammend aufgeführt. Mir ist keine andere Einspielung bekannt, in die es eingefügt wurde. Insofern hat die Sawallisch-Produktion, die ich zufällig heute morgen gehört habe und die mich plötzlich nicht mehr so hingerissen hat wie einst, einen gewissen Seltenheitswert.


    LG Rheingold

  • Um den Thread nicht zu zerschießen leiste ich mir aber doch ein kurzes, aber freundliches "Danke" an Rheingold für seine Auskunft. Dahinter verbirgt sich auch die (dem Schreiber) nicht unwichtige Erkenntnis, dass es mit der Erinnerung doch noch einigermaßen gut geht...


    :hello:

  • Nummer 5 - Sibelius: Finlandia op. 26


    Die Musik des Jean Sibelius verbreitet sich stetig weiter. Er gehört zu den wenigen Komponisten des 20. Jahrhunderts, der noch immer an Einfluss gewinnt. Davon zeugen die vielen Aufführungen seiner Werke auf den Konzertpodien dieser Welt, aber auch medial warten viele Neueinspielungen auf die interessierten Klassikfreunde. "Finlandia" eignet sich sehr dazu, sich dem musikalischen Kosmos des Komponisten zu nähern und dann später mehr und mehr Werke von Sibelius kennen zu lernen. Schwerpunkte meiner Auswahl sind: ein satter Orchesterklang, prägnanter Einsatz der Pauken in der Einleitung sowie des Beckens zum Finale hin.



    Referenz 1960-1989



    Künstler: Hallé Orchestra, Sir John Barbirolli
    Label: EMI, ADD, 1966


    Diese Einspielung von 1966 war der Auftakt zur Sibelius-Sinfonien-Edition der EMI mit Sir John Barbirolli. Der Dirigent bietet mit seinem Orchester ein wahres Klangerlebnis, trotz frühem Stereo. Man sitzt völlig gebannt vor den Lautsprechern - und das vom ersten Ton bis zum eindrucksvollen Ende. Leider führt diese Produktion noch immer ein Schattendasein, daher sei sie jedem Sibelius-Fan wärmstens ans Herz gelegt, weil sie in meinen Ohren einen Referenzstatus verdient.



    Alternativen 1960-1989



    Künstler: Boston Symphony Orchestra, Sir Colin Davis
    Label: Decca, ADD, 1973-1978


    Sir Colin Davis hatte nicht nur eine Affinität für Berlioz - nein, Davis hatte auch auch ein sehr gutes Händchen für den finnischen National-Komponisten. Er hinterließ drei komplette Sinfonien-Einspielungen einschließlich der bekanntesten Orchesterwerke. Von den Zyklen überzeugt vor allem der aus Boston. Die Klangballungen und Klangeruptionen dieser "Finlandia"-Interpretation überzeugen noch heute. Sie sollte in keiner Klassik-Sammlung fehlen, denn so spannend hört man dieses Werk selten.



    Künstler: Philharmonia Orchestra, Vladimir Ashkenazy
    Label: Decca, DDD, 1980-1985


    Für die Auswahl dieser Interpretation spricht nicht nur die exzellente DECCA-Klangqualität - nein, auch Vladimir Ashkenazy und das Philharmonia Orchestra machen eine gute Figur. Ihre "Finlandia" ist glutvoll gestaltet mit dramatisch-leisen Untertönen. Ashkenazy hat dabei die Zügel fest in seiner Hand und lässt durch das Orchester einen wahren Klangzauber verbreiten.



    Künstler: Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan
    Label: DGG, DDD, 1983


    Dass dem großen Klangmagier Karajan der Finne mit seiner "Finlandia" liegen würde, steht außer Frage. Und so gehört auch dies Produktion zu den besseren Aufnahmen der späteren Zeit des Maestro. Fernab von nur vordergründigem Schönklang bietet Karajan mit den Berliner Philharmonikern eine Interpretation mit Ecken und Kanten. Die Einspielung mach viel Freude, da der Dirigent die volle klangliche Opulenz, die die Partitur bietet, aus den Philharmonikern herauskitzelt. - Ein wahrer Ohrenschmaus!



    Referenz seit 1990



    Künstler: Helsinki Philharmonic Orchestra, Leif Segerstam
    Label: Ondine, DDD, 1996-2004


    Segerstam gehört noch immer zu den unterschätzten Dirigenten. Mit seinem neuen Sibelius-Sinfonien-Zyklus einschließlich der "Finlandia" landete der Dirigent mehr als nur einen Achtungserfolg. Segerstam gelingt es wie nur wenigen Dirigenten Spannungsbögen aufzubauen und zu halten - so auch hier. Imposant ist auch, wie er die Klangfarben immer wieder neu mischt ohne Effekthascherei. Möge diese Aufnahme noch viele Freunde finden, es lohnt sich wirklich!



    Alternativen seit 1990



    Künstler: Royal Philharmonic Orchestra, Sir Charles Mackerras
    Label: Royal Philharmonic, DDD, 1996


    Sir Charles Mackerras ist immer wieder mal für eine Überraschung gut. So auch hier bei der "Finlandia" des Finnen Jean Sibelius. Was ihm und dem Royal Philharmonic Orchestra hier wieder gelungen ist, ist so spannend-eindrucksvoll! Dazu kommt eine klangliche Opulenz, die einen nahezu sprachlos (im positiven Sinne) zurück lässt. Kauft euch diese CD und hört euch glücklich!



    Künstler: Bergen Philharmonic Orchestra, Sir Andrew Davies
    Label: Chandos, DDD, 2013


    Diese CD gibt es erst seit einigen Wochen im Handel zu kaufen. Die Einspielung hat es aber durchaus in sich: Davis lässt es ordentlich "scheppern" ohne das es vordergründig-pathetisch klingt. Per Super Audio Sound gelangt zu uns ein ausge-zeichnetes Hörerlebnis in die Wohnzimmer. Die große Weltkarriere blieb für Davis bisher aus. Aber vielleicht kommt sie ja noch! Diese Aufnahme ist auf jeden Fall hörens- und damit auch besitzenswert.



    Künstler: Adelaide Symphony Orchestra, Arvo Volmer
    Label: ABC, DDD, 2007


    Ein nahezu unbekannter Dirigent schafft es, hier zu großen Ehren zu gelangen. Warum auch nicht? Beweist eine Erwähnung hier im Forum doch, dass es noch bestimmt viele ähnliche Fälle von unterschätzten Dirigenten, Orchestern und diversen Künstlern gibt. In Vorbereitung auf diesen Thread habe ich mich zu meinem eigenen Bestand auch noch bei Dussmann in Berlin durch die eine oder andere Aufnahme gehört. Hängen geblieben bin ich bei dieser Aufnahme hier, die ich auch gleich gekauft habe! Volmer und das Adelaide Symphony Orchestra legen hier eine Interpretation vor, die sich hören lässt: dramatisch-zupackend dazu von einer Klangqualität, die keine Wünsche offen lässt. Was will man mehr?


    :hello: LT

  • Eine sehr schöne Auswahl ist das mit treffenden Bewertungen, lieber LT. Obwohl dies Dein Thema ist, erlaube ich mir, eine Einspielung hinzuzustellen:



    Warum? Weil ich Ormandy für einen der besten und packendsten Sibelius-Dirigenten halte und weil diese Box beide Versionen von Finlandia enthält, nämlich mit und ohne Chor. Eigentlich darf ich hier nicht Dein persönliches Interpretenspektrum so einfach erweitern. Ich wollte noch auf diese Chor-Fassung mit ihrer starken vaterländischen Betonung hinweisen. Zu erwähnen ist auch noch die von Sibelius selbst hergestellte Klavierfassung.


    Nichts für ungut! Gruß Rheingold

  • Lieber Liebestraum,


    ein toller Thread, auch wenn er aufgrund der verzögerten Antworten teilweise etwas durcheinander gerät. Trotzdem bitte unbedingt weiter machen! Mit Klemperers 5. Beethoven und Mackerras' Sibelius habe ich schon zwei wertvolle Anregungen erhalten, außerdem entspricht Deine bisherige Werke-Auswahl sehr meinem eigenen Geschmack.

  • Ein nahezu unbekannter Dirigent schafft es, hier zu großen Ehren zu gelangen. Warum auch nicht? Beweist eine Erwähnung hier im Forum doch, dass es noch bestimmt viele ähnliche Fälle von unterschätzten Dirigenten, Orchestern und diversen Künstlern gibt. In Vorbereitung auf diesen Thread habe ich mich zu meinem eigenen Bestand auch noch bei Dussmann in Berlin durch die eine oder andere Aufnahme gehört. Hängen geblieben bin ich bei dieser Aufnahme hier, die ich auch gleich gekauft habe! Volmer und das Adelaide Symphony Orchestra legen hier eine Interpretation vor, die sich hören lässt: dramatisch-zupackend dazu von einer Klangqualität, die keine Wünsche offen lässt.

    Ganz so unbekannt ist Arvo Volmer auch gar nicht mehr, er hat immerhin GA der Symphonien von Eduard Tubin und Levi Madetoja vorgelegt. Die Tubin-Einspielungen haben seinerzeit sehr gute Kritiken bekommen, in dem Sinne, dass sie mit den Ersteinspielungen durch Neeme Järvi sehr gut konkurrieren können. Leider ist das CD-Label Alba in Deutschland noch nicht richtig präsent und die Aufnahmen sind alle im Hochpreissegment angesiedelt, was ihrer Verbreitung sicher im Wege steht.

  • Nummer 6 - Händel: Der Messias


    Händels Meisterwerk ist der Inbegriff des Oratoriums überhaupt. Und dies völlig zu recht: Abwechslungsreiche Arien und Chorszenen, ausgestattet mit einer Musik "at the best of Handel", machen dieses Werk zu einem der beliebtesten dieses Genres. Nach der "Feuerwerks-" und "Wassermusik" ist dieses Werk besonders gut geeignet, sich dem vokalen Schaffen des Komponisten zu nähern.


    Schwerpunkte meiner Auswahl sind ausschließlich Interpretationen in der englischen Originalsprache. Bearbeitungen fremder Komponisten werden hier ebenfalls nicht berücksichtigt. Ansonsten steht die Geschlossenheit und der Gesamteindruck der Einspielungen im Mittelpunkt.



    Referenz 1960-1989



    Künstler: Arleen Auger, Anne Sofie von Otter, Michael Chance, Howard Crook, John Tomlinson, The English Concert, Trevor Pinnock
    Label: DGG, DDD, 1987


    Bis zum heutigen Tag ist dies die beste Einspielung des Händelschen Oratoriums. Trotz Gardiner & Co. steht diese auf historischen Instrumenten spielende Aufnahme nun fast 30 Jahre an der Spitze des Katalogs. Hier stimmt einfach alles: Solisten, Chor, Orchester, Dirigat, Klang. Und das will schon etwas heißen so lange die Spitzenposition zu behaupten, denn wir sind noch immer in der Händel-Renaissance, in der ständig auch neue Aufnahmen gerade dieses Werkes auf die Hörgemeinschaft warten.


    Alternativen 1960-1989



    Künstler: Margaret Marshall, Charlotte Robbin, Anthony Rolfe-Johnson, Robert Hale, Monteverdi Chor, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner
    Label: Philips, DDD, 1982


    Auch wenn Gardiner hier mit seinem Händelschen "Messias" nicht an exponierter Stelle steht, ist dies eine hervorragende Einspielung, ohne jedoch die Pinnock-Aufnahme toppen zu können, trotz Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists. Das einzige Manko sind die gesanglichen Leistungen der Solisten, die nicht ganz an die Pinnock-Aufnahme heranreichen.



    Künstler: Judith Nelson, Emma Kirkby, Carolyn Watkinson, Paul Elliott, David Thomas, Choir of the Christ Church Cathedral Oxford, Academy of Ancient Music, Christopher Hogwood
    Label: Decca, ADD, 1979


    Was mich an Hogwood immer wieder beeindruckt, ist, dass ich von ihm keine wirkliche Ausfall-Aufnahme kenne. So auch hier: die Gesangssolisten, Chor, Orchester und Dirigat überzeugen von A-Z. Schon allein die Paarung Judith Nelson und Emma Kirkby lässt ausgezeichnete Ergebnisse erwarten, die hier auch nicht enttäuscht wurden. Dies ist ein "Messias" der immer wieder viel Freude aufkommen lässt.



    Künstler: Elly Ameling, Anna Reynolds, Philip Langridge, Gwynne Howell, Academy of St. Martin in the Fields, Sir Neville Marriner
    Label: Decca, ADD, 1976


    Vor uns liegt ein ausgezeichneter "Messias", der mit einen hervorragenden Gesamteindruck aufzuwarten weiß, geadelt mit der einzigartigen gesanglichen Leistung von Elly Ameling. Beeindruckend sind hier auch immer wieder die Chorleistungen. Dazu kommt, dass Sir Neville Marriner mit seiner Academy of St. Martin in the Fields fern ab von jeglicher Monumentalität musizieren.


    Referenz seit 1990



    Künstler: Henry Jenkinson, Otta Jones, Robert Brooks, New College Oxford Choir, Academy of Ancient Music, Edward Higginbottom
    Label: Naxos, DDD, 2006


    Diese Einspielung macht erneut deutlich, dass auch ein Billig-Label durchaus Spitzenaufnahmen präsentieren kann. Auch wenn es dieser Aufnahme ebenfalls nicht gelingt, den Pinnock-"Messias" vom Thron zu stürzen, hat auch diese Veröffentlichung ihre Meriten. Vor allem der Countertenor singt berückend schön. Schon dieser Umstand allein lohnt die Anschaffung.


    Alternativen seit 1990



    Künstler: Midori Suzuki, Yoshikazu Mera, John Elwes, David Thomas, Bach Collegium Japan, Suzuki
    Label: BIS, DDD, 1996


    Das Ensemble, das vorrangig mit Bach-Einspielungen von sich reden macht, legt hier einen hervorragenden "Messias" vor. Eine wirkliche Alternativen zu der sonst nur europäischen Dominanz bei den vorliegenden Aufnahmen. Die Gesangssolisten machen insgesamt eine gute Figur. Insbesondere die Chorleistungen stechen besonders hervor. Insgesamt eine Aufnahme, die man immer wieder gerne hört.



    Künstler: Barbara Schlick, Sandrine Piau, Andreas Scholl, Mark Padmore, Nathan Berg, Les Arts Florissants, William Christie
    Label: HMF, DDD, 1993


    Ein durch französische Spielkultur angehauchter "Messias", der in keiner "Messias"-Sammlung fehlen sollte. William Christie und das Ensemble Les Arts Florissants schaffen diese einzigartige Atmosphäre und sorgen damit für eine interessante Ergänzung des Repertoires. Aber auch die Mitwirkung von Andreas Scholl ist ein weiterer Umstand, mit der diese Einspielung punkten kann.



    Künstler: Kerstin Avemo, Patricia Bardon, Lawrence Zazzo, Kobie van Rensburg, Neil Davies, Clare College Choir Cambridge, Freiburger Barockorchester, Rene Jacobs
    Label: HMF, DDD, 2005


    René Jacobs ist immer wieder für eine Überraschung gut. So auch hier: er bietet eine erfrischend-entschlackte Interpretation des "Messias". Mit auserlesenen Gesangssolisten untermauert er das herausragende Ergebnis seines Projektes. Das Freiburger Barockorchester ist auch hier erneut ein Garant für eine ausgezeichnete Spielkultur. Diese Produktion ist eine sehr lohnende hörenswerte Aufnahme.


    :hail: LT

  • Danke, Ihr präsentiert eine Vielzahl von wirklich hervorragenden Aufnahmen. Da soll man wählen? Da fast alles Diamanten sind fällt die Auswahl schwer, vielleicht ist sie sogar unmöglich. Hier spielen Zeit, Stilrichtung, aktuelle Interpretationssicht und persönlicher Geschmack eine Rolle. Die nächste Aussage ist zwar ein Ausweichen vor der Entscheidung. Akzeptieren wir sie doch alle als herausragende Leistungen.
    Ich möchte auf eine Aufnahme von Mozarts "Zauberflöte" aufmerksam machen, die für mich besonders gelungen ist und durch die Auswahl der Sänger zum Teil erstaunliche Ergebnisse auf Spitzenniveau bringt.
    Tamino Ernst Kozub
    Pamina Elisabeth Grümmer
    Sarastro Gottlob Frick
    Königin der Nacht Erika Köth
    Papageno Gunther Ambrosius
    Papagena Hanny Steffek


    Frankfurt Radio Orchestra & Chorus Georg Solti


    Eine Aufnahme von hoher Brillanz und Geschlossenheit. Solti musiziert wie immer energisch und temporeich. Allerdings noch nicht so zackig wie in den späteren Jahren. Hier hat er noch den natürlichen Schwung des jungen, unbeschwerten Dirigenten, bei dem die Lust am schwungvollen Musizieren durchweg zu spüren ist. Kozub ist ein schlichtweg überwältigender Tamino, Grümmer eine Erfüllung als Pamina, Frick zeigt hier eindrucksvoll auf welchem stimmlichen Niveau er den Sarastro singen konnte. Der mir unbekannte Gunther Ambrosius ist ein Papageno, dem weit mehr gelingt als eine reine auf Publikumswirkung angelegte Singspieldarstellung. Hanny Steffek ist eine Papagena zum Verlieben. Also insgesamt eine Realisierung der "Zauberflöte", die durch musikalische Geschlossenheit mit einem dem Werk dienenden Georg Solti und brillianten Sängern
    überzeugt, ja begeistert. Eine wirkliche Alternative, wie sie in diesem Thread aufgezeigt werden soll.
    URANIA -URN 22.273 -2


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!