Alte Referenzen - Neue Referenzen - Alternativen

  • Nummer 7 - Mendelssohn Bartholdy: Konzert für Violine und Orchester e-moll op. 64


    Mendelssohns Violinkonzert gehört zweifellos zu den Klassikern dieses Genres. Dementsprechend groß ist das Angebot an Aufnahmen, bei denen es schwer fällt, eine Auswahl zu treffen. Schwerpunkte meiner Auswahl sind das innige Zusammenspiel von Violine und Orchester sowie die Virtuosität der Solisten.



    Referenz 1959-1989



    Künstler: Jascha Heifetz, Boston Symphony Orchestra, Charles Munch
    Label: RCA, ADD, 1959


    Egal ob man dieser Aufnahme per CD oder SACD lauscht - es beeindruckt noch heute dieser herrliche frühe RCA-Stereo-Klang. Und Jascha Heifetz stellt hier unter Beweis, was für ein herausragender Geiger er war. Seine Virtuosität ist auch noch heute, nach so vielen Jahren maßstabsetzend. Ideal ist hier auch das feinsinnige Zusammenspiel des Solisten mit dem hervorragend aufgelegten Boston Symphony Orchestra unter Charles Munch.



    Alternativen 1959-1989



    Künstler: Itzhak Perlman, Concertgebouw Orchestra, Bernard Haitink,
    Label: EMI, ADD, 1976


    Eigentlich gibt es nur sehr wenige Aufnahmen, bei denen ich Bernard Haitink zubillige, dass er sich von gut gemeinter Kapellmeister-Qualität lösen kann. Das hier ist so ein Lichtblick, der wirklich aufhorchen lässt. Hier beeindruckt er nicht nur als ausgezeichneter Begleiter, nein, er sorgt mit dem Concertgebouw Orchestra für eine abgestufte Dynamik. Itzhak Perlman überzeugt durch einen blitzblanken schlanken Geigenton, der zu keiner Zeit langweilig herüber kommt. In der späteren Aufnahme spielt Perlman ähnlich famos, allerdings erweist sich das Chicago Symphony Orchestra unter Daniel Barenboim als nicht sehr ideal.



    Künstler: Isaac Stern, Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy
    Label: Sony, ADD, 1958


    Auch wenn Isaac Stern immer etwas im Schatten von Heifetz stand, muss man gerechterweise diese Aufnahme mit ins Rennen schicken, weil sie wirklich sehr gut gelungen ist. Sie stellt unter Beweis, was für ein hervorragender Geiger Stern in Wirklichkeit war. Er trifft den innig-zarten Ton Mendelssohns schon sehr ideal. Von Eugene Ormandy geleitet, spielt das Philadelphia Orchestra ausgezeichnet.



    Künstler: Shlomo Mintz, Chicago Symphony Orchestra, Claudio Abbado
    Label: DGG, ADD, 1980


    Claudio Abbado gehört neben Kurt Masur zu den Dirigenten, die sich am stärksten für Mendelssohn eingesetzt haben. Aber nicht nur sein Engagement für den Komponisten, sondern auch seine künstlerischen Ergebnisse in Form von veröffentlichten Aufnahmen (da auch Masur ähnlich) verdeutliche das auf ideale Weise. In dem Geiger Shlomo Mintz findet er den kongenialen Partner für diese Einspielung. Beide, Orchester und Solist sind im Einklang. Mintz beeindruckt durch sein lyrisches Spiel.



    Künstler: Eugene Fodor, New Philharmonia Orchestra, Peter Maag
    Label: RCA, ADD, 1974


    Ausnahmsweise präsentiere ich hier eine 4. Alternativ-Aufnahme: Der Heifetz-Schüler und Preisträger internationaler Wettbewerbe (Tschaikowski- und Paganini-Wettbewerb) Eugene Fodor legte eine mehr als beachtenswerte Einspielung des Mendelssohnschen Violinkonzertes vor. Die nahezu unbekannte Aufnahme wurde erst im letzten Jahr wieder veröffentlicht. Sie verdient es unbedingt, der Vergessenheit entrissen zu werden.



    Referenz seit 1990



    Künstler: Maxim Vengerov, Gewandhausorchester Leipzig, Kurt Masur
    Label: Teldec, DDD, 1993


    Kein Mensch hat sich für Mendelssohn so eingesetzt wie Kurt Masur. Davon zeugen auch die Vielzahl seiner Aufnahmen von Werken dieses Komponisten. Wenn dann einer der erfolgreichsten Geiger, wie Maxim Vengerov, dann noch das Gewandhausorchester unter Masur dazu kommen, dann ist der Erfolg schon vorprogrammiert. Das Zusammenspiel von Solist und Orchester ist hervorragend und das Spiel von Vengerov ist überragend.



    Alternativen seit 1990



    Künstler: Viktoria Mullova, Orchestre Revolutionnaire et Romantique, John Eliot Gardiner
    Label: Philips, DDD, 2001


    Es kommt viel Freude auf, das Violinkonzert von Mendelssohn auf historischen Instrumenten zu hören. Und wenn schon Mullova, dann diese Aufnahme. Hier ist sie in noch besserer Form als unter Marriner. Beeindruckend ist das hervorragende Miteinander von Solist und Orchester. Gardiner lässt sein Orchestre Revolutionnaire et Romantique zügig aber nicht übereilt spielen. Eine rundum zu empfehlende Aufnahme.



    Künstler: Leonidas Kavakos, Camerata Salzburg, Leonidas Kavakos
    Label: Sony, DDD, 2008


    Rechtzeitig zum Mendelssohn-Jubiläum 2009 veröffentlichte der griechische Geiger Leonidas Kavakos seine Sicht auf dieses Konzertes, die mehr als eine Alternative ist. Seine berührend-gefühlvolle Interpretation nimmt sehr für sich ein. Die vom Solisten geleitete Camerata Salzburg passt sich dem Spiel des Geigers auf wunderbarste Weise an. Insgesamt ist das eine Aufnahme, die viel Freude macht.



    Künstler: Daniel Hope, Chamber Orchestra of Europe, Thomas Hengelbrock
    Label: DGG, DDD, 2006


    Thomas Hengelbrock hat immer auch gerade ein gutes Händchen für das romantische Repertoire. So auch hier: Mit dieser Aufnahme legt er uns die Originalfassung des Violinkonzertes von Mendelssohn vor. Der Geiger Daniel Hope liefert hier eine exzellente Interpretation ab. Zusammen mit dem etwas im aufgerauhten Klang spielende Chamber Orchestra of Europe bilden sie ein herausragendes Team.



    :hello: LT

  • Fast könnte man glauben, Mendelssohns e-Moll Konzert geht Liebestraum nicht allzu nahe, denn so milde und gnädig wie hier habe ich ihn noch nie erlebt ;) . Bei mir sieht das naturgemäß etwas anders aus, obwohl ich Liebestraum schon teilweise zustimme. Keineswegs Referenzstatus haben für mich allerdings Vengerov und Fodor. Mit diesem Extremvibrato schon bei Intonation des Hauptthemas haben sie sich für mich aus dem Rennen katapultiert (das trifft auch auf die hier nicht angeführte ASM zu). Das Mendelssohnkonzert, obwohl technisch recht einfach, verlangt, wie ich finde, nach einem ganz eigenen Ton: innig aber gleichzeitig kraftvoll. Wird eines dieser Charakteristika vernachlässigt, wird es entweder zu süßlich (Vengerov) oder zu prosaisch (Heifetz). Der von Liebestraum angeführte Isaac stern spielt das Konzert (unter Ormandy) für meine Ohren perfekt. Besser geht`s nicht. Einer Aufnahme (so weit mir bekannt) spreche ich aber Co-Referenzsatus zu:


    Kyung-Wha Chung unter Charles Dutoit



    Hier ist ebenfalls alles in Idealform geboten: Innigkeit, Spannkraft und Vorwärtsdrang.

  • Hallo Felix Meritis,


    hier, in dem von mir höchst selbst eröffneten Thread, bin ich natürlich sehr milde, denn handelt es sich ja um meine eigene Auswahl bestimmter Werkinterpretationen, die mir ja selbst gefallen. Da ist z.B. für P. Järvis Beethoven natürlich kein Platz.


    Ansonsten sind ja die einzelnen Interpretationen immer auch Geschmackssache. Mit deiner Vengerov-Kritik betreffs "süßlich" werden dir ohnehin nur sehr wenige folgen.


    Bei der Chung/Dutoit-Aufnahme spielt die Solistin im zweiten Satz ja selbst zu viel Vibrato, dagegen sind Vengerov und Fodor Waisenknaben. Daher kam sie auch nicht annähernd in die engere Auswahl!


    Heifetz wartet immer mit einer eigenwilligen Interpretation auf. Er drückt so einer Interpretation eine ganz persönliche Note auf, ohne das Werk zu entstellen.



    :hello: LT

  • Hallo Felix Meritis,


    hier, in dem von mir höchst selbst eröffneten Thread, bin ich natürlich sehr milde, denn handelt es sich ja um meine eigene Auswahl bestimmter Werkinterpretationen, die mir ja selbst gefallen.


    Natürlich, aber ich hatte bei einigen früheren Besprechungen den Eindruck, Du würdest auch mehr auf die Schwächen der jeweiligen Aufnahmen eingehen.


    Bezüglich Vengerov und Chung: ich sehe einer Überprüfung durch dritte mittels Soundschnipsel hier sehr gelassen entgegen. Für mich ist völlig klar heraushörbar, dass Vengerov viel stärkeres Vibrato spielt als Chung. Was Du vielleicht meinst, ist das An- und Abschwellen des Tons, welches bei Chung stärker zu hören ist. Dies wird aber durch den Bogenstrich erreicht und nicht durch die linke Hand. Ich finde Chung macht das ganz wunderbar, denn so simuliert sie weitgehend die menschliche Stimme und verleiht der Musik eine gewisse Rhetorik. Das ist für mich bei Mendelssohn das um und auf: "artikulierte" Sanglichkeit. Bei Vengerov höre ich das beim Inzipit des ersten Satzes gar nicht, beim Inzipit des zweiten nur schwach heraus.


    Obwohl ich Dein Vorhaben, die Qualität von neueren Einspielungen von Standardrepertoire aufzuzeigen, sehr sympathisch finde, muss ich sagen, dass beim Mendelssohnkonzert die mir bekannten neueren Aufnahmen nicht an die besten früherer Zeiten heranreichen. Hope und Kavakos sind durchaus ok - aber Referenz? Heifetz ist speziell und interessant, klar. Aber "Referenz" heißt für mich "wenn es nur eine Aufnahme sein soll, dann diese" - und da ist mir Heifetz zu ruppig und unmendelssohnisch.

  • Isaac stern spielt das Konzert (unter Ormandy) für meine Ohren perfekt. Besser geht`s nicht.


    Hallo Felix,


    diese referenzwürdige Stern/Ormandy-Aufnahme (CBS) hat mich auch von Anfang an begleitet. So wie Du habe ich aber auch eine weitere Referenz zu bieten, die daneben nicht nur Co-Referenz, sondern mein absoluter Favorit ist:



    Francescatti / Cleveland Orchestra / Szell


    SONY, Dez 1961, ADD


    So spannend hochvirtuos wie Francescatti wirkt nicht mal Heifetz auf mich; und Szell mit seinen Clevelandern ist dazu das Dreamteam.

  • Maxim Vengerov, dann noch das Gewandhausorchester unter Masur … Das Zusammenspiel von Solist und Orchester ist hervorragend und das Spiel von Vengerov ist überragend.

    D'accord. :yes:



    Und wenn schon Mullova, dann diese Aufnahme … Beeindruckend ist das hervorragende Miteinander von Solist und Orchester … Eine rundum zu empfehlende Aufnahme.

    Und noch einmal: D'accord. :yes:

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Nummer 8 - Berlioz: Symphonie fantastique op. 14a


    Berlioz hat diese Sinfonie bereits 3 Jahre nach Beethovens Tod zur Uraufführung gebracht. Sie stellt eine Fortführung von Beethovens "Pastorale" dar - eine Sinfonie mit Programm. Aber im Gegensatz zu Beethoven, wären die meisten Kompositionen von Berlioz schon dem Vergessen anheim gefallen, hätte es nicht Colin Davis gegeben, der dafür sorgte, dass es eben nicht nur die Sinfonie, die "Verdammnis" und die eine oder andere Ouvertüre die Zeiten überdauert haben. Schwerpunkte meiner Auswahl bilden eben nicht plakativ-vordergründige Interpretationen wie Bernstein (NYP 1968) noch die reißerisch aufgemachte Solti-Interpretation (DECCA 1972).



    Referenz 1958-1989



    Künstler: Concertgebouw Orchestra, Colin Davis
    Label: Philips, ADD, 1974


    Colin Davis und Berlioz, das ist eine Erfolgsgeschichte ohne gleichen. Der Dirigent hat sich für diesen Komponisten so stark gemacht wie sonst keiner, so dass viele seiner Werke ständig im Repertoire von Orchestern und Opernbühnen geblieben sind. Von die viele Einspielungen dieser Sinfonie durch Davis, sticht diese Aufnahme besonders heraus. Das Concertgebouw Orchestra spielt ohne Mätzchen und Übertreibungen, dafür klangsatt und mit viel Liebe zum Detail.



    Alternativen 1958-1989



    Orchestre des Concerts Lamoureux, Igor Markevitch
    Label: DGG, ADD, 1958


    Gegenüber der Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern (MONO) zeichnet sich die Aufnahme Markevitchs mit dem französischen Orchester durch eine bessere Tiefenstaffelung und durch ein plastischeres Musizieren aus. Auch noch nach so vielen Jahren seit dem Erscheinen dieser Einspielung, vermag sie noch immer zu überzeugen. Wer diese Sinfonie mag, der sollte diese Aufnahme unbedingt in seiner Sammlung haben.



    Künstler: Philharmonia Orchestra, Otto Klemperer
    Label: EMI, ADD, 1963


    Eine ausgzeichnete Einspielung dieser Sinfonie haben wir Otto Klemperer zu verdanken. Auch wenn man zunächst vermutet, dass sei nicht eigentlich Klemperers Repertoire, der wird beim Durchhören eines Besseren belehrt. Der Dirigent besticht mit dem Philharmonia Orchestra mit einem intensiven Spiel ohne jedliche Plakativität und ohne reißerischer Vordergründigkeit. Insgesamt eine Aufnahme, mit der Klemperer durchaus überrascht.



    Künstler: Dresdner Philharmonie, Herbert Kegel
    Label: Berlin, ADD, 1985


    Vor uns liegt die einzige Stereo-Aufnahme von Weltgeltung in Personalunion mit deutschem Orchester und deutschem Dirigenten. Wesentlich besser als Karajan (der ja eigentlich Österreicher war) mit den Berliner Philharmonikern gelang es Herbert Kegel mit der Dresdner Philharmonie sich dieser Sinfonie zu nähern. Ihm gelang ein differenzierteres und zupackenderes Musizieren. Kegel wird eben immer einmal vergessen oder übersehen. Daher die unbedingte Nennung hier!



    Referenz seit 1990



    Les Musiciens du Louvre, Mahler Chamber Orchestra, Marc Minkowski
    Label: Brilliant, DDD, 2002


    Marc Minkowski stellt mit dieser Einspielung erneut unter Beweis, dass er nicht nur ein gutes Händchen für die Barockmusik hat, sondern dass er auch bezüglich der französischen Musik des 19. Jahrhunderts etwas zu sagen hat. Die von Anfang bis Ende fesselnde Aufnahme bleibt einem nachhaltig im Gedächtnis. Wer sie noch nicht kennen sollte, der sollte sie sich schnellstens zulegen!



    Alternativen seit 1990



    Künstler: Orchestre de l'Opera-Bastille, Myung-Whun Chung
    Label: DGG, DDD, 1994


    Der Dirigent Myung-Whun Chung ist auch etwas in Vergessenheit geraten. Diese Aufnahme bezeugt, was für ein hervorragender Dirigent Chung eigentlich ist. Bis ins kleinste Detail ist diese Einspielung ausgelotet, folgt das Orchester den Intentionen des Dirigenten. Auch Chung hütet sich wohltuend vor jeglicher Plakativität und reißererischer Vordergründigkeit. - Bravo!



    Künstler: Royal Philharmonic Orchestra, Charles Mackerras
    Label: RPO, DDD, 1994


    Mehr und mehr stellt sich mir die Frage: Gibt es eigentlich etwas, was Mackerras nicht kann? Auch mit dieser Aufnahme vermag der Dirigent mehr als zu überzeugen. Leider von der Kritik übergangen, bietet diese Einspielung ein satten Sound (auch als SACD erhältlich). Auch diese Aufmahme sei jedem zu empfehlen, der diese Sinfonie mag, weil sie beim Hören viel Freude macht!



    Künstler: Anima Eterna Brugge, Jos van Immerseel
    Label: ZigZag, DDD, 2009


    Eine hervorragende Aufnahme mit historischen Instrumentarium - eine von Anfang bis Ende beglückende Einspielung voll sattem Sound. Die Spielfreude des Ensembles ist jederzeit spürbar und überträgt sich auf die Hörlust der Menschen an den Lautsprechern. Immerseel fordert alles von seinen Musikern und sie folgen ihm auf seinen Trip. Möge diese Aufnahme noch viele Freunde finden!



    Bemerkungen


    Auf keinem Fall unerwähnt bleiben darf Karajans Einspielung mit dem Philharmonia Orchestra (EMI / MONO 1954), auch wenn hier nur Aufnahmen der STEREO-Ära zur Sprache kommen. Sie gehört zu den besten Aufnahmen des Dirigenten überhaupt!



    :hello: LT

  • Zitat

    Colin Davis und Berlioz, das ist eine Erfolgsgeschichte ohne gleichen. Der Dirigent hat sich für diesen Komponisten so stark gemacht wie sonst keiner, so dass viele seiner Werke ständig im Repertoire von Orchestern und Opernbühnen geblieben sind. Von die viele Einspielungen dieser Sinfonie durch Davis, sticht diese Aufnahme besonders heraus.


    Mich wundert, wie man so viele Aufnahme der Symphonie fantastique als gleich gut betrachten kann, wenn C.Davis dabei ist?
    Nach Markevitsch (DG), Solti (Decca), Bernstein (SONY) (um nur meine Wichtigen zu nennen) wirkte diese Aufnahme auf mich immer fremd und viel zu trocken. Ich habe die Philips-LP-Box mit allen Berlioz-Sinfonien unter C.Davis. Der eher negative Eindruck setzt sich bei den anderen Berlioz-Sinfonien fort. :) Ich wäre von daher nie auf die Idee gekommen, mir diese C.Davis-Aufnahmen auch auf CD anzuschaffen.



    Ein positiven Aspekt für Colin Davis möchte ich dennoch anbringen, der mich andererseits immer verwundert hat, dass es da doch geht:
    Seine Berlioz-Ouvertüren-CD (Philips) gehört zu den Spitzenaufnahmen.

  • Hallo "Anekdoten"-Teleton,


    ob deine generelle Bernstein- und Solti-Kopflastigkeit auch irgend welchen Anekdoten entspringen, dazu kann ich nichts sagen. Aber wie in allen meinen Beiträgen lasse ich durchaus diverse Alternativen zu. Und natürlich finde ich die alle auch gut, nur mit dem Unterschied, dass die als Referenzen vorgestellten Aufnahmen dann doch eine kleine Nasenlänge vorn liegen. Bei mir gibt es hinsichtlich musikalischer Interpretationen keine Stigmatisierungen. Was ich meine: Natürlich lehne ich einige Aufnahmen ab, aber ich höre sehr viele unterschiedliche Interpretationen und reduziere sie nicht auf ca. 5 Aufnahmen. Immerhin lasse ich 8 Interpretationen pro Werk zu, die ich kenne. Sie bieten hier und da natürlich auch immer einen anderen Ansatz. So sind beispielsweise die Interpretationen von Minkowski und Immerseel stark HIP-orientiert. Bleiben aber immer am Werk dran.


    Ich habe es auch oben begründet, dass Bernstein CBS-Aufnahme aus New York doch arg plakativ geraten ist und Bernstein dadurch natürlich zu stark emotionsgeladen am Werk vorbei interpretierte. Dagegen ist Bernsteins französische Aufnahme dann doch etwas zu zahm geraten. Bei Solti ist die Ball-Szene zu reißerisch aufgemacht, das verleidet mir den ganzen übrigen Rest.


    Wenn die Davis-Berlioz-Aufnahmen zu größten Teilen zu "trocken" geraten wären, dann gäbe es nicht so eine riesige Fan-Gemeinde weltweit.



    :hello: LT

  • Ich besitze ebenfalls auch die Davis/Concertgebouw und finde die zwar solide, aber nicht überragend und etwas zu "zahm". Es soll ein bizarrer Traum unter Opium-Einfluss sein und der junge Berlioz war nunmal ein durchgeknallter Erzromantiker. Insofern finde ich Bernstein durchaus überzeugend, ebenso Scherchen (NIXA), wenn man sie noch findet.
    Aber leider begeistert mich das Stück nicht in dem Maße, dass ich Lust hätte, einen Vergleich meiner Aufnahmen zu machen.
    Sie sind alle schon genannt worden. Außer Davis, Bernstein/Sony und Scherchen noch Mackerras in der Billigreihe, Markevitch/Berliner Phil, Klemperer, Munch.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Leider gehören Herr Lutgra und Herr Röhl auch zu den ewig Gestrigen, die im Wesentlichen immer nur Aufnahmen der Karajan-Ära aufzählen können.


    Ich hätte mir sehr gewünscht, wenn sich die o.g. Herren mehr meine Einleitung gelesen hätten. Denn es geht hier in diesem Thread nicht darum, alle möglichen STEREO-Aufnahmen hier zu benennen (insofern ist Mitroupolos hier völlig fehl am Platze), sondern mehr den Blick auf die Nach-Karajan-Ära zu richten. Da ist aber auch bei Herrn Röhl bei Mackerras Schluss. Sie sind alle stehen geblieben in einer längst sehr vergangenen Zeit.


    Statt in der Karajan-Ära mit Aufnahmen zu schachern, nicht in der Lage seiend, einen Schnitt zu machen, sollten sie ihre Sammlung und vor allem ihre Ohren entstauben und sich endlich auch mal der Zeit nach Karajan zuwenden.



    :hello: LT

  • Wenn es rauscht, ist es keine Referenz.


    Nichtrauschende Referenz ist z.B. Maria Kliegel, die mit ihrer Aufnahme des Elgarschen Cello-Konzerts aufgrund des besseren Klanges sogar gegen Jacqueline Du Pres "Jahrhundertaufnahme" unter Barbirolli bestehen kann.

  • Leider gehören Herr Lutgra und Herr Röhl auch zu den ewig Gestrigen, die im Wesentlichen immer nur Aufnahmen der Karajan-Ära aufzählen können.

    Also ich fühle mich mit "ewig Gestrig" nicht angesprochen, was Du auch hier im Forum leicht überprüfen kannst. Ich respektiere nur die Tradition und die großen Aufnahmen der Vergangenheit, zu der u.a. die fulminante STEREO-Einspielung von 1960 mit Dimitri Mitropoulos zählt.

  • Sorry, aber was ist das denn für ein Unsinn? Was soll "Karajan-Ära"? Von dem war doch gar nicht die Rede. Du hast genau zwei neuere Aufnahmen als den Mackerras und jetzt soll der auch nicht mehr interessant sein, obwohl Du die Einspielung selber genannt hast? Ich kenne übrigens auch noch als "Anti-Karajan"-Einspielung Gardiners, bloß habe ich die zu lange nicht gehört, daher auf einen Kommentar verzichtet.


    Es gilt nicht bei allen Standardwerken, dass neuere Aufnahmen notwendigerweise neue Einsichten bringen. Zumal eben das letzte Mal, dass etwas wirklich Neues gebracht wurde, alte Instrumente, auch schon 20-30 Jahre zurückliegt.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Johannes,


    ich habe drei weitere neue Aufnahmen vorgestellt. Den Unterschied zwischen Aufnahmen der Karajan-Ära und Karajan-Aufnahmen solltest selbst du kennen.


    Die Gardiner-Aufnahme ist insgesamt sehr bescheiden gelungen und von mir absichtlich hier nicht ausgewählt. Man sollte nicht immer nur großen Namen hinterher rennen.


    :hello: LT


  • Das sind so die Beiträge, die das Forum manchmal so unglaublich ... ähm, mühsam machen ?(

  • Scherchen, Munch, Mitropoulos entstammen aber alle der Prä-Karajan-Ära (sofern es solch eine Ära gegeben haben sollte). Und Munchs Bostoner Aufnahme war und ist immer noch die Standard-Empfehlung einer Stereo-Aufnahme des Werks. Insofern ist ihr Fehlen bei den "klassischen Referenzen" ein Manko, das Lutgra mit vollem Recht korrigiert hat.


    Darf man in diesen Threads nur posten, wenn man jedes Jahr eine neue Aufnahme eines ausgelutschten Standardwerks anschafft?

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • ...
    ...Man sollte nicht immer nur großen Namen hinterher rennen.


    :hello: LT


    Warum denn bitte nicht? :?: Ich persönlich bin Liebhaber, will und muss keine Doktorarbeit über "Interpretationen im Spiegel der Zeiten" schreiben und hab auch nur ein recht unterentwickeltes Verlangen, ALLES haben und einordnen zu müssen. Bin ich jetzt ein unwissender Hörer? Ein schlechter Liebhaber (klassischer Musik)? Ich fühl mich in der ausgesprochen glücklichen und komfortablen Lage, mir das raussuchen zu können, was MIR taugt, was MIR zusagt und was MIR in mein Portfolio passt. Ob das nun wiederum jemanden passt oder nicht ist MIR recht schnuppe. Solche Aussagen sind hirn- und sinnlos. Terribly sorry :D

  • Ich glaube, es ist keine Anekdote, dass die Davis-Aufnahme im Vergleich zu Markevich, Barbirolli (der hier noch nicht mal genannt wurde), Beecham und erstaunlicherweise auch Klemperer seltsam nüchtern-verhalten daherkommt. Bernsteins frühere Aufnahmen (es gibt zwei aus den 60ern, 1963 und 1968) scheinen auch tatsächlich der späteren aus Paris vorzuziehen zu sein.

  • Ich glaube, es ist keine Anekdote, dass die Davis-Aufnahme im Vergleich zu Markevich, Barbirolli (der hier noch nicht mal genannt wurde), Beecham und erstaunlicherweise auch Klemperer seltsam nüchtern-verhalten daherkommt.


    Nein, lieber Josef, natürlich nicht ! (Das ist sowie Quark hoch3 mit den Anekdoten. :D Eine bessere Returkutsche für "Bilder-LT" hat er halt nicht gefunden !)
    Die Philips-GA der Sinfonien von C.Davis war damals als Einzige auf LP verfügbar und daher relativ gut verbreitet. Das es durchweg spannendere und weniger trocken-nüchterne Aufnahmen der Symphony fantastique (und dem Rest der GA) gibt, müsste danach dann auch weitestgehend diese "Fangemeinde" erkannt haben.


    Bei mir war es umgekehrt. Meine Erstaufnahme war der Glücksfall Markewitsch (DG) bereits auf LP. Umso mehr enttäuschte mich dann die langweilige Colin Davis-Aufnahme in der Philips-Box.

  • Hallo Johannes,


    du hast leider die Intentionen übersehen, die mich zu diesem Thread veranlasst haben. Es geht hier nicht darum, all die Aufnahmen des Karajan-Zeitalters aufzuzählen, sondern diese gebetsmühlenartigen Aufzählungen längst vergangener Zeiten, diesen interpretatorischen Stillstand beim Hören dieser Uralt-Aufnahmen zu überwinden. Wer da denkt, die Nach-Karajansche Ära hätte da nichts zu bieten, der irrt einfach.


    Die Wahrheit ist doch eher die, dass sich die meisten User hier in der finsteren Vergangenheit bewegen, nicht bereit, sich dem Neuen zu stellen. Und darum geht es hier: die alten Verkrustungen aufzulösen.


    Ansonsten sind das hier meine Referenzen und Alternativen. Es geht hier um Einschränkungen und nicht um zahllose Nennungen von Aufnahmen - das kann gern im Thread über diese Sinfonie geschehen - aber nicht hier!


    Acht Aufnahmen jedes hier besprochenen Werkes stelle ich zur Auswahl. Natürlich kann die eine oder andere dazu gezählt werden, deren Unterschiede meist kleinlich sind. Aber Kegel für Munch rausschmeißen? Das käme gar nicht in Frage. Die Aufnahme ist schon aufnahmetechnisch auf höherem Niveau ganz zu schweigen von der interpretatorischen Überlegenheit. Aber: die meisten kennen halt die Kegel-Aufnahme nicht! Gleiches gilt für die Minkowski- und Immerseel-Aufnahmen, stattdessen wird der unterkühlte Gardiner ins Rennen geschickt!


    Leute, ihr kennt die Aufnahmen neueren Datums nicht! Sie nicht kennen, soll nicht heißen, dass man sie kaufen sollte. Es gibt doch Verwandte und Freunde!



    :hello: LT

  • Beiträge sind durchaus gern erwünscht, wenn sie Aufnahmen betreffen, die nach 1990 entstanden sind.


    :faint: (schade das es dieses passende Smilie nicht mehr gibt)


    Im Threadtitel steht deutlich: "Alte Referenzen".
    :?: Was nützt das, wenn man nach 1990 krampfhaft eine Aufnahme heraussucht um diese "als nach 1990" als Referenz zu benennen, wenn es da gar keine wirkliche Referenz gibt ?


    Beispiel aus diesem Thread:
    Es gibt sicher schöne und hörenswerte Neuaufnahmen vom Mendelssohn-VC (- z.Bsp. Hahn/Wollf SONY, 2002, DDD). Aber ich kenne keine, die ich packender finde als meine Referenz
    Francescatti/Szell (SONY) ... und die ist nunmal von 1965.



    :hello: Also ich klinke mich jetzt erst einmal hier aus, da die "Vorgabe" für mich unterinteressant ist ...

  • Hallo teleton,


    es gibt doch die einzelnen Threads zu den Werken, da kannst du doch deine "Ergüsse" als Abbild deines eigenen Stillstandes veröffentlichen.


    Interpretation heißt für mich: häufig unterschiedliche Ansatzpunkte und nicht: eine schablonenhafte Matritze gleichklingenden Grundtenors einer Sinfonie oder eines Konzertes: (sinngemäß): "Wenn es nicht so klingt wie von xyz, dann brauche ich die Aufnahme nicht!" oder "Was? Die Pauken sind nicht zu hören? - Was soll ich mit der Aufnahme?"



    :hello: LT

  • Beiträge sind durchaus gern erwünscht, wenn sie Aufnahmen betreffen, die nach 1990 entstanden sind.

    Also ich klinke mich jetzt erst einmal hier aus, da die "Vorgabe" für mich unterinteressant ist ...

    Lieber Liebestraum


    Wolfgang hat genau das Problem dieses threads auf den Punkt gebracht. Wenn nur einer (Du!) festlegt, um welche Stücke es hier geht, dann ist es ja nur für Leute interessant, die auch zufällig tatsächlich für das eine Stück eine gute neue Referenzaufnahme kennen. Ich kann hier Dutzende von Neuaufnahmen nennen, die ich als Neue Referenzen ansprechen würde (was Deine Behauptung, wir seien ewig gestrig "ad absurdum" führen würde), aber danach wurde ja nicht gefragt.