Baden Baden - Osterfestspiele 2014: MANON LESCAUT von Puccini

  • Mittwoch, 16. April 2014: DFB-Pokal - Halbfinale
    FC Bayern München - 1. FC Kaiserslautern


    und zeitgleich auf arte:
    Live von den Osterfestspielen Baden-Baden 2014
    Mittwoch, 16. April um 20:15 Uhr (135 Min.)


    Manon Lescaut
    von Giacomo Puccini


    Puccini porträtiert in "Manon Lescaut" eine Rokoko-Schönheit, die alles hat und am Ende alles wieder verliert. ARTE überträgt die Koproduktion des Festspielhauses Baden-Baden und der Metropolitan Opera New York live aus Baden-Baden. Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker begleiten das Starensemble: Eva-Maria Westbroek, Lester Lynch und Massimo Giordano.

    Besetzung

    Chor: Philharmonia Chor Wien
    Dirigent: Sir Simon Rattle
    Inszenierung: Sir Richard Eyre
    Komponist: Giacomo Puccini
    Kostüme: Fotini Dimou
    Licht: Peter Mumford
    Moderation: Annette Gerlach
    Orchester: Berliner Philharmoniker
    Regie: János Darvas
    Mit:
    Eva-Maria Westbroek (Manon Lescaut)
    Lester Lynch (Lescaut)
    Massimo Giordano (Chevalier Renato Des Grieux)
    Liang Li (Geronte de Ravoir)
    Bogdan Mihai (Edmondo)
    Reinhard Dorn (Wirt und Seekapitän)
    Magdalena Kozená (ein Musiker)
    Kresimir Spicer (ein Ballettmeister)
    Arthur Espiritu (ein Lampenanzünder)
    Johannes Kammler (ein Sergeant)
    Saulo Garrido (Tangotänzer)



    Het Nederlandse Meisje Eva-Maria Westbroek ist nun kaum eine Idealbesetzung für Puccinis Manon, ihr fehlt die italianita....

  • Lieber Harald.


    das wäre ja wieder Stoff für eine neue Oper, nach dem Motto: Wer erwürgte Frau Gerlach? Auf Mezzo TV bei der Tannhäuser Übertragung hat ein sehr sympathischer junger Mann moderiert und die Pausengespräche gleichzeitig auf französisch und deutsch geführt. Aber nach einer Premiere von Manon Lescaut sah das ganze nicht aus, eher nach einem Remake einer alten Inszenierung die ich noch aus der Met aus den 8o Jahren mit Domingo und Scotto auf Video habe. Und der Wüsten Akt sah auch eher nach einem Schrottplatz aus. Gesungen wurde ganz ordentlich nur Herr Rattle sollte vom italienischen Repertoire die Finger lassen.

  • Ich fand, die Verlegung der Handlung in die Zeit der deutschen Besetzung Frankreichs hat zum Verständnis der Oper überhaupt nichts beigetragen, wobei mich höchstens der Gedanke erheitert, die Deutschen hätten in dieser Zeit missliebige Personen und Kriminelle ausgerechnet nach Amerika verfrachtet. Denken die Herren Regisseure eigentlich nie nach oder haben sie schlicht nicht mal den Text gelesen? Na, immerhin war es eine prima Gelegenheit, endlich mal wieder ein paar Nazi-Uniformen auf die Bühne zu bringen. :D Das ganze wäre ja noch zu ertragen gewesen, wenn die Sänger überzeugend gewesen wären. Rodolfos Beurteilung als "ordentlich" empfinde ich als noch sehr geschmeichelt. Ich fand beide langweilig und nichtssagend, und so schließe ich mit dem Resumé, dass ich lieber hätte Fußball schauen sollen.


    LG


    Mme. Cortese

  • Liebe Mme Cortese,


    dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Interessant fand ich wie du, dass die Deutschen ihre Gefangenen zu der Zeit, in die das Geschehen versetzt wurde, einfach nach Amerika verfrachten konnten und es dann dort solche Kriegsruinen in der Wüste gab. Die Nazi-Welle scheint bei den Regisseuren nicht abzuebben. Die Sängerleistungen fand ich auch nicht besonders und zudem hatte ich den Eindruck, dass auch die Tonübertragung manchmal schwach war. Von der Kulisse her war es nach meiner Ansicht auch erträglich, aber die zeitliche Versetzung - ich empfand es so ähnlich - hat doch keine neuen Erkenntnisse gebracht und erschien auch mir nur eines: öde.
    Das ewig gleiche Geschwätz von Anette, die wieder einmal alles als wunderbar hochjubelte, setzte dem Ganzen dann die Krone auf.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Die Verlegung der Handlung in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts hat nicht nur nichts beigetragen sondern hat einfach nicht funktioniert. Da passte einges nicht mehr zusammen.
    Gesanglich war es gerade von den Hauptrollensängern enttäuschend. Frau Westbroeks Sopran ist schon einen Tick zu üppig für die Partie und es fehlte an Italianità. Die Höhen erklangen unangenehm und schrill und konnten sich nicht entsprechend entfalten. In der Mittellage fühlte sich die Stimme hörbar wohler und die dramatischen Ausbrüche der Manon bewältigte sie mit ihrem robusten Sopran problemlos.
    Was ist nur aus Massimo Giordano geworden? Vor einigen Jahren war er noch ein guter lyrischer Tenor, der beispielsweise in der französischen Manon einen wunderbaren Des Grieux sang. Leider hat er dann gemeint, er müsse Verismo-Partien oder den Don José singen. Das Resultat ist, dass er sich durch diese Rollen brüllen muss. In der höheren Mittellage begann die Stimme zu brechen, er forcierte permanent und quälte sich und den Zuhörer durch so manche Passagen. Wenn er Cavaradossi, Maurizio oder jetzt Puccini-Des Grieux singt ist das einfach nicht sein Fach. Schade, um die einst schöne lyrische Stimme.
    Da haben die Nebenrollensänger schon mehr überzeugt. Sehr positiv aufgefallen ist Mihail Dogotari in der Rolle des Edmondo. Frau Kozena war natürlich eine Luxusbesetzung für den Sänger.
    Solides Dirigat. Die Leidenschaft, die sich im Orchestergraben entfesseln sollte, kam bei Rattle nur in kleinen Dosen zum Vorschein. Da wäre noch mehr drin gewesen.


    Kein Highlight.


    Und was die Moderation betrifft: Sagt mir jetzt nichts mehr gegen Barbara Rett. :D


    Gregor

  • Mit ganz ordentlich meinte ich nur das die saengerischen Leistungen nicht auf Festspielnieveau waren. Auch das Schlussbild hat mich ueberhaupt nicht beruehrt. Bei guten Saengern kann da schon manchmal Gaensehaut aufkommen. Was mich ebenfalls stoert, dass Herr Rattle immer Seine Lebensgefaehrtin Frau Kozena in Schlepptau mit dabei haben muss. Wuerde er den Rosenkavalier dirigieren, dann wuerde wahrscheinlich der Saenger in ersten Akt auch mit ihr besetzt werden.

  • Was mich ebenfalls stoert, dass Herr Rattle immer Seine Lebensgefaehrtin Frau Kozena in Schlepptau mit dabei haben muss. Wuerde er den Rosenkavalier dirigieren, dann wuerede wahrscheinlich der Saenger in ersten Akt auch mit ihr besetzt werden.

    Nein, nein, Octavian, bei Rattle ist Frau Kozena im "Rosenkavalier" immer Octavian! ;)


    In ein paar Jahren vielleicht Annina... :D


    Allerdings kann ich mir nicht ernsthaft vorstellen, dass die Besetzung der Episoden-Rolle "Musiker" in "Manon Lescaut" wirklich den Gesamteindruck einer "Manon Lescaut"-Aufführung stört...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Ich kann nach wie vor nicht erkennen, was der Regisseur mit der Zeitverschiebung beabsichtigt hat. Allerdings schützen ein paar Nazis auf der Bühne natürlich vor dem Vorwurf, der Regisseur bediene den Wunsch des Publikums nach Eskapismus, wie die Apologeten des "Regietheaters" den Wunsch nach werktreuen Inszenierungen gerne arrogant nennen. Ansonsten ist ihm nämlich nicht viel eingefallen. Bei der Personenführung (wenn man das so nennen will) hat er tief in die Mottenkiste der Operngestik gegriffen (krasses Beispiel die Szene "pazzo son"). Übrigens sollte man meiner Meinung nach bei der Regie etwas Rücksicht auf die Bühnenerscheinung der Sänger nehmen und diesbezügliche Nachteile nicht noch betonen.....


    Auf mich wirkte der Tenor seltsam unbeteiligt das hört sich alles ziemlich routiniert runtergesungen und teilweise sogar knödelig an. Von Sinnlichkeit des Gesangs - gerade bei Puccini unabdingbar - nicht eine Spur. Ansonsten stimme ich Gregor zu.


    Größten Unterhaltungswert hatte das Geplapper der - wohl unfreiwillig komischen - Moderatorin. Höhepunkt: "Diese gefühlvolle Todesszene, mein Gott war das schön". Dabei hatte sie mehr Schmelz in der Stimme als Herr Giordano aufbieten konnte.


    In Leipzig gibt es eine recht gelungene Manon Lescaut (Regie del Monaco) zu sehen. Die Inszenierung, die beim Publikum (nicht bei der Journaille) sehr erfolgreich war, wurde dennoch (so wird berichtet) auf Betreiben von Herrn Konwitschny seinerzeit schnellstens abgesetzt, da sie seinen Massstäben nicht genügte und erst nach seiner Ära wieder in das Programm aufgenommen. Zumindest die Sänger in der damals von uns besuchten Premiere habe ich in guter Erinnerung.

  • zudem hatte ich den Eindruck, dass auch die Tonübertragung manchmal schwach war.


    Zuerst habe ich meinen Festplattenrekorder beschimpft. Aber auch der Ton vom Fernseher war sehr schwach. Ist es so schwer, aus Baden Baden eine halbwegs gute Tonqualität zu gewährleisten? Gibt es dort noch keine vernünftigen Mikrofone?


  • Ist eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen, dieses Weib zu erwürgen?


    Da wäre ich für die Gründung einer Würgerinitiative, angeführt von Taminos unter Harald!

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Auch in Paris war die Kozena dabei, als Rattle den Pelléas gemacht hat; da sang eine Fünfzigjährige die Mélisande. Das hat mir hier einiges an Kritik wegen meiner Kritik eingetragen, aber vielleicht denkt ihr ja langsam um. Hier sind ja ähnliche Töne zu hören, wenn man Frau Westbroek als zu üppig (Stimme und vielleicht darüber hinaus) bezeichnet. Das gleiche Problem hatten wir ja schon bei der Arabella von Renée Fleming. Startheater halt. Da sage ich: Lasst doch mal junge tolle Sängerinnen ran wie z.B. Swetlana Ivanovich!

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  • da sang eine Fünfzigjährige die Mélisande.

    War die damals (wann eigentlich genau?) WIRKLCH schon so alt? Das letzte Kind ist ja noch nicht sehr lange her und sie ist deutlich jünger als Rattle. 2008 war sie jedenfalls als Mélisande in Berlin sehr gut. Würde Vicco von Bülow noch leben, würde er es bestätigen, der war damals nämlich auch in der von mir besuchten Aufführung. :)



    Gibt ja auch noch die Leitmetzerin...


    ;)

    Zu hoch! ;)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Und nicht zu vergessen eine der wichtigsten Partien im Rosenkavalier: Eine der drei adeligen Weisen. Dafür muss sie noch nicht mal singen können. :)


    Seit wann muss man nicht singen können, um eine der drei adeligen Waisen zu übernehmen? Seit wann haben die nichts zu singen? ?(


    Die sind übrigens verwaist, nicht weise...


    P.S.: Das mit Botha als Ochs fand ich übrigens auch nicht sehr glungen...

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  • Und nicht zu vergessen eine der wichtigsten Partien im Rosenkavalier: Eine der drei adeligen Weisen. Dafür muss sie noch nicht mal singen können.



    Du kannst doch nicht vergessen haben, lieber Rodolfo, dass in der für mich mit allergrößtem Abstand bedeutendsten Einspielung des "Rosenkavalier" die drei adeligen Weisen von Elisabeth Schwarzkopf, Christa Ludwig und Kerstin Meyer gesungen werden. Und diese Damen konnten nun wirklich singen. Man kann sie sogar in Stereo und in Mono hören, denn die Oper in dieser Besetzung ist in der Tat zweimal aufgenommen worden, weil Produzent Walter Legge damals von der Stereofonie noch nicht voll und ganz überzeugt gewesen ist. Beide Versionen waren für kurze Zeit auch zeitgleich auf den Markt. Die Monoausgabe erschien allerdings erst 1996. An dieser Edition hatte die Schwarzkopf noch höchst selbst mitgewirkt. Zu vernehmen ist auch die berühmte U-Bahn, die noch immer unter der Kingsway Hall, wo die Aufnahme entstand, fährt. Ein durch und durch interessantes Dokument.


    Sorry, dass ich die eure Debatte mit diesem kleinen Exkurs unterbrochen habe.


    Gruß von Rheingold

  • [quote='rodolfo39','index.php?page=Thread&postID=509171#post509171']
    P.S.: Das mit Botha als Ochs fand ich übrigens auch nicht sehr glungen...


    Wieso das denn nicht? ich finde, das ist eine meiner besten Sottisen!

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Die Zitat-Zuordnungen sind da etwas durcheinandergeraten, aber unabhängig davon: Botha ist stimmlich einer der besten Tenöre der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit (letzte 20 Jahre), die wir haben, und darüber darf man glücklich und dankbar sein, selbst wenn man ihn aus optischen Gründen vieleicht nicht schätzt, ihn nicht gerne auf der Bühne sieht.
    Und ein Baron Ochs auf Lerchenau ist er rein figürlich so wenig wie ein Radames, dem Ochs muss man die Triebe und die Wendigkeit, die Energie im Nachstellen, genauso glauben können. Insofern verstehe ich dieses "Bonmot" nicht recht, tut mir Leid! :S

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Zitat

    Zitat von Stimmenliebhaber: selbst wenn man ihn aus optischen Gründen vieleicht nicht schätzt, ihn nicht gerne auf der Bühne sieht.

    Lieber Stimmenliebhaber,


    das sehe ich nicht ganz so. Als Parzifal in der scheußlichen Aufführung der Salzburger Festspiele von vorigem Jahr hat er mir überhaupt nicht gefallen. Aber da hatte man ihn in diesem komischen Kostüm noch unansehnlicher gemacht. Er ist sicherlich auch nicht die richtige Figur für einen Walther von Stolzing. Aber in der wunderbaren Aufführung der Wiener Staatsoper hat mich das absolut nicht gestört. Es hängt sicherlich auch ein wenig von der Geschicklichkeit des Kostümbildners ab, genauso wie jetzt bei der Manon in Baden-Baden, die man sehr unvorteilhaft gekleidet hatte. Und andere herrliche Tenöre - wie Luciano Pavarotti - waren häufig auch nicht der Rolle angemessen. Eine gute Inszenierung kann vieles wettmachen, aber auch vieles zerstören. Pavarotti, den ich nie in einer dieser modischen Verunstaltungen gesehen habe, ist mir deshalb auch nie unbedingt unvorteilhaft vorgekommen.


    Liebe Grüße
    Gerhard

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    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)