Serge Prokofieff - die wenig bekannten Werke

  • Serge Prokofieff (1891-1953) ist zwar einer der bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts, aber ein erheblicher Teil seines umfangreichen Oeuvres ist immer noch ziemlich unbekannt. Jeder Musikliebhaber kennt die beiden Violinkonzerte, mehr oder weniger gut die fünf Klavierkonzerte, seine sieben Symphonien und die Ballettmusik zu Romeo und Julia. Dazu kommen natürlich der unverwüstliche Peter und der Wolf, die Lt. Kije Suite und die Suite zu "Die Liebe der drei Orangen". Pianophile kennen darüber hinaus seine 9 Klaviersonaten und einige andere Soloklavierstücke. Damit hat es sich dann aber üblicherweise auch schon. Von den 7 vollständigen Prokofieff-Opern listet unser Opernführer gerade mal zwei.


    Der Werkkatalog gibt aber noch viel mehr her, von dem vieles durchaus sehr hörenswert ist. Immerhin war Prokofieff vermutlich der bedeutendste Melodiker unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts. Wenig bekannte Musik von Prokofieff soll hier vorgestellt werden.

  • Semyon Kotko ist die vierte Oper von Prokofieff und die erste, die er nach Rückkehr in die Sowjetunion schrieb. Die heldenhafte Geschichte aus dem ersten Weltkrieg, die in seiner ukrainischenen Heimat spielt, komponierte er am Beginn des 2. Weltkriegs. Die Oper findet nur selten den Weg auf die heutigen Bühnen, umso erfreulicher ist es, dass der Komponist eine umfangreiche 8-sätzige fast 40 Minuten dauernde Suite erstellte. Die Musik ist in dem gemäßigten Tonfall gehalten, den Prokofieff in der Sowjetzeit entwickelt hat und der auch das kurz zuvor entstandene Ballet Romeo und Julia kennzeichnet. Hörenswert, vielleicht ja sogar ein Anreiz, sich mal mit der Oper zu beschäftigen. Die Partitur findet in Neeme Järvi und dem SNO kompetente Anwälte.


  • Ich bin ja ein Fan des "harten" Prokofjews, während mir seine späteren Werke eher wenig sagen. Wirklich "stählern" ist die Ballettmusik "Le Pas d'Acier" aus den 1920er Jahren. Maschinengestampfe, Geplärr - alles enthalten. Prokofjew bekam wegen des Werks übrigens zuhause (in Abwesenheit) massiv Aerger, denn die Bolschewiken verstanden das Werk als eine Art Verhöhnung der Arbeit. Die Folge war der erste "shitstorm" in der SU-Presse, den Prokofjew erleiden musste. Das lässt seine Entscheidung zurückzukehren als noch naiver erscheinen....




    Auf der CD befindet sich noch ein weiteres frühes Ballett, "L'enfant prodigue" (Der verlorene Sohn), welches ich aber nicht so zündend fand wie den "Stählernen Schritt" - trotzdem hörenswert.

  • Auf der CD befindet sich noch ein weiteres frühes Ballett, "L'enfant prodigue" (Der verlorene Sohn), welches ich aber nicht so zündend fand wie den "Stählernen Schritt" - trotzdem hörenswert.

    Aus Motiven dieses Balletts komponierte Prokofieff seine 4. Symphonie, die es in zwei recht unterschiedlichen Versionen gibt, ein op. 47 von 1930 (UA Boston SO, Koussevitzky) und op.112 von 1947 (UA BBC SO, Boult).


  • Wenn wir schon beim harten Prokofieff sind, ist natürlich auch Ala und Lolly (Skythische Suite) zu nennen, Prokofieffs Pendant zum Sacre und dem Wunderbaren Mandarin.



    Ich besitze diese Interpretation nicht, aber ich habe gelesen, dass sie DIE Interpretation von Ala und Lolly sein soll (ich selbst habe Weller und Järvi). Da das Werk bei mir noch nicht so richtig eingeschlagen hat, wollte ich eventuell noch einmal eine dritte Version probieren. Lutrga, was hältst Du denn von der Abbado Einspielung?

  • Die Skythische Suite gehört aber nicht zu den "weniger bekannten" Werken, die ist sicher bekannter als zB das 4. Klavierkonzert oder die 6. Sinfonie...

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die Skythische Suite gehört aber nicht zu den "weniger bekannten" Werken, die ist sicher bekannter als zB das 4. Klavierkonzert oder die 6. Sinfonie...


    Es mag nicht repräsentativ sein, dass ich die Skythische Suite kaum kenne, das 4. Klavierkonzert aber schon oft und die 6. Sinfonie mehrmals gehört habe. Zumindest möchte ich aber auf den Sachverhalt hinweisen, dass der Liebhaber, auch wenn er kein Spezialist ist, denn doch die Konzerte und die Sinfonien ein- oder zweimal (oder eben noch öfters) en gros besitzen dürfte. Schon aufgrund des Reichtums an günstigen Angeboten.


    Ansonsten möchte ich die Kammermusik nennen. Was mich anbelangt, so höre ich sehr gerne die beiden Streichquartette:



    :hello: Wolfgang

  • was hältst Du denn von der Abbado Einspielung?


    Da ich sie habe, mische ich mich hier mal ein: Die Aufnahme ist absolut Top! :)


    Zu den bedeutendsten Kompositionen von Prokofieff zählen für mich die Sonaten für Klavier und Violine. Eine wunderbar klassizistische 2. Sonate und expressionistische 1. - düster, mystisch mit einem magischen langsamen Satz. Sehr russisch - die russische endlose Weite, von der Rilke schrieb, hier ist sie zu spüren. Eines meiner liebsten Stücke - singulär interpretiert vom Traumduo Mintz-Bronfman, erheblich besser als Argerich/Kremer! :)



    Schöne Grüße
    Holger

  • Trinkspruch (Heil Stalin) op. 85 für Chor und Orchester (1939).


    Die Kantate, eine von vielen dieses Genres im Schaffen Prokofievs, entstand zum 60. Geburtstag Stalins und damit drei Jahre nach der endgültigen Rückkehr des Komponisten aus Frankreich in die Sowjetunion. Sie dauert keine fünfzehn Minuten. Vertont wurden Volkslieder, in denen der Diktator verherrlicht wurde. Davon gab es reichlich. Stalin liebte Volkslieder. Folglich bedient sich der Komponist einer entsprechenden musikalischen Sprache, ausladend, mit folkloristischen Einsprengseln und einem gigantischen Finale. Der Optimismus scheint ja bei Prokofiev immer nur vordergründig. Der Untergrund ist verdunkelt. Es gibt auch diese weit über das Gesamtwerk des Komponisten verstreuten etwas schwerfüßigen tänzerischen Anflüge wie zu Beginn von "Romeo und Julia". Sehr typisch. Von Swjatoslaw Richter ist folgende Meinung über die Kantate überliefert: "Diese Musik ist einfach das Werk eines Genies. Wahrlich, ein Denkmal, aber ein Denkmal zu Prokofievs eigenen Ruhm." Nun ja, das scheint mir etwas übertrieben.


    Eine Einspielung von 1966 ist gekoppelt mit "Alexander Nevsky", erschienen beim neu belebten russischen Label Melodia. Es spielt das Akademische Sinfonie-Orchester der UdSSR unter Leitung von Jewgenij Swetlanow, es singt der Staatliche Akademische Chor. Und wie der singen kann.



    Gruß Rheingold

  • Danke für die Auskunft! Ich werde mir die CD also wohl bestellen.
    Die f-moll Violinsonate würde ich aber wirklich nicht als Geheimtipp werten. Meiner Meinung nach ist das die berühmteste Violinsonate des 20. Jahrhunderts.


    Das wirst Du glaube ich nicht bereuen, lieber Felix! Vielleicht bestellst Du Dir die CD mit den französischen Violinsonaten des Duos gleich mit. :) Ich hatte diese Werke erwähnt, weil sie wohl doch zu den weniger bekannten von Prokofieff gehören - da habe ich den Thread-Titel wörtlich genommen. Dazu gehören dann auch noch etliche der wunderbaren kleinen Klavierstücke wie etwa die magischen Visions fugitives.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Zitat von »Dr. Holger Kaletha« Da ich sie habe, mische ich mich hier mal ein: Die Aufnahme ist absolut Top!


    Danke für die Auskunft! Ich werde mir die CD also wohl bestellen.


    :hello: Erst einmal meine Dank an Lutgra für diesen Thread, der noch richtig interessant werden wird.


    Hallo Holger, Felix und Lutgra,


    ich möchte noch auf den Thread zu http://www.tamino-klassikforum.at/index.php?page=Thread&threadID=2060 hinweisen, in dem die Interessantesten Aufnahmen aufgezeigt werden.



    :angel: Die Bernstein-Aufnahme ist der absolute Hammer:
    Russische Orchesterstücke
    SONY ROYAL EDITION Nr.69

    SONY, 1964(op.20), ADD

  • :) Für mich ist ja die Ala und Lolly - Suite alles Andere als unbekannt.


    Kommen wir zu einem wirklich unbekannten Werk, auf das ich seinerzeit durch einen Klassikforianer aufmersam gemacht wurde:
    Die Ode of the End of the War, op.105.


    Die nachfolgende BBC-CD kaufte ich mir auch zunächst wegen der Rachmaninoff 1 (die Int aus der Royal Albert Hall ist aber gar nicht so doll; dafür der Rest mit Rimsky-Korsakoff und Prokofieff.) *** Roshdestwensky ist ja für Prokofieff´s Orchesterwerke (Sinfonien und Ballette; Ballett-Suiten u. Konzerte) ohnehin eine der ersten Adressen.
    So auch hier beim dem ungewöhnlich am Anfang kammermusikalisch instrumentierten Stück op.105. Das Werk dauert 12-13Minuten. Zuerst viel Rumgeplänkel, als wolle er eine Geschichte vom Krieg erzählen - ab ca 9:30 geht dann überraschend die Post ab - ein heroischer Schluss mit Paukenkanonaden und allem was das Orchester hergibt beendet das Stück. Gewiss kein Meisterwerk, aber interessant zu hören.


    Roshdestwensky aus der Royal Albert Hall

    BBC Legends, 1978/9, ADD

  • Kantate zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution, op.74




    1937 entstanden erlebte diese Kantate ihre Uraufführung erst 1966 unter der Leitung Kondraschins und zwar in einer stark verstümmelten Form: Kondraschin strich die beiden letzten Sätze einschließlich des Finales und wiederholte stattdessen den Schluss des zweiten Satzes, da in diesen Prokfjew Originalworte Stalins vertont hatte. Dem nicht genug wurde von dieser verstümmelten Fassung auch noch eine Schallplattenaufnahme angefertigt, die Jahrzehnte lang die einzige Aufnahme dieses Werkes war.
    Neeme Järvi nun hat das Werk erstmals in seiner ursprünglicen Gestalt eingespielt, wohl davon ausgehend, dass eh die wenigsten der russischen Sprache mächtig sind.


    Das Werk selbst verlangt einen vierstimmigen Chor von beträchtlicher Größe, ein gewaltiges Orchester, ein Akkordeon-Orchester und eine Perkussionsgruppe, der auch Sturmglocken, Kanonen, Gewehre und Sirenen zugeordnet sind.


    Vom Musikalischen her handelt es sich bei diesem Werk um besten Prokofjew: melodiös, kantabel, dramatisch, effektvoll. Und es liegt nur an den nicht mehr zeitgemäßen Texten, dass diese kolossale Kantate so ein Schattendasein führt.


    John Doe

  • Lieber John, Dank für Deine genauen Bemerkungen zu der Kantate, die ich nicht kenne aber erwerben möchte. Handelt es sich hierbei um die gleiche Aufnahme nur in anderer Aufmachen? Sollte wohl. Bei Amazon kann man nämlich die Rückseite Deines Covers mit weiterführenden Angaben nicht einsehen. Und ich möchte sicher gehen.



    Gruß Rheingold


  • Die Sinfonietta komponierte Prokofieff ursprünglich 1909 während seiner Studienzeit am Konservatorieum in St. Petersburg - bis 1929 wurde sie dann mehrfach umgearbeitet. Das Stück zeigt Prokofieffs Perfektion als Komponist - Neoklassizismus der besten Art, geistreich, musikalisch spannend, heiter ohne oberflächlich zu sein. Die Musik lebt von Prokofieffs Liebe zum Ballett. Ein wunderbares Stück!


    Schöne Grüße
    Holger

  • Prokofieff war unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts sicher einer der größten Melodiker. Dies kann man vor allem an seinen Output von Opern (von denen sich aber bei uns bisher kaum eine wirklich durchgesetzt hat) und Balletten (von denen zumindest "Romeo und Julia" zu einem der beliebtesten überhaupt gehört) erkennen. Daneben hat Prokofieff auch zwei Filmmusiken zu Filmen von Sergej Eisenstein komponiert, Alexander Newsky und Iwan der Schreckliche.


    Eine oratorische Konzertversion von Alexander Newsky hat Prokofieff selbst besorgt, die zu Iwan entstand erst acht Jahre nach seinem Tod durch Abram Stassewitsch. Von ihm stammt wohl auch die Idee eines erzählenden Sprechers, der teils über die Musik hinweg rezitiert, ein Einfall, der mir dieses Werk bisher immer ziemlich verleidet hat.


    Bei unserer Auflistung der 25 (dann 50) bedeutenden Dirigenten war ein Name aufgetaucht, den ich bis dahin noch nie gehört hatte, Tugan Sokhiev, Chefdirigent des DSO in Berlin, einen Posten, der 1977 geborene Dirigent ossietischer Herkunft 2010 übernahm, also gerade mal mit 33 Jahren. Hier galt es eine Informationslücke zuschliessen und das kürzliche Erscheinen einer Neuaufnahme des Iwan unter Sohkiev war dann eine gute Gelegenheit, dies auch zu tun.


    Und Sokhiev hat etwas getan, wofür ich ihm überaus dankbar bin, er hat den Erzähler einfach weggelassen, danke Tugan! :jubel:


    Die so entstandene Aufnahme kann ich wesentlich besser hören als die von Riccardo Muti, die ich auch besitze. Iwan ist streckenweise die vielleicht "russischste" Partitur von Prokofieff, speziell die zahlreichen Chöre sind aus ähnlichem Holz geschnitzt wie die bei Mussorgskys Godunow und Khowantschina. Und die Berliner Chöre klingen für meine Ohren überaus authentisch, ein Effekt der durch den orgelnden Mezzo von Olga Borodina nur noch verstärkt wird. Das Orchester leuchtet die Partitur in allen Facetten optimal aus und die gewaltige Schlußapotheose (vergleichbar dem Finale von Mahlers Zweiter) kommt richtig gut.


    Für mich die Aufnahme, die man haben sollte.

  • Cinderella, das zweite grosse Ballett von Serge Prokofieff hat nie die Popularität von "Romeo und Julia" erreicht. Vermutlich liegt das schon daran, dass die "Story" nicht so berührt wie die von Shakespeares Klassiker. Trotzdem enthält die in den Kriegsjahren entstandene Partitur viele schöne Einfälle. Es muß vielleicht nicht die ganze 2-stündige Ballettmusik sein, aber eine Suite daraus ist immer willkommen. Vor allem wenn sie so toll gespielt wird wie in der jetzt 55 Jahre alten Aufnahme von Robert Irving mit dem Royal PO. Diese Aufnahme aus der Frühzeit der Stereophonie klingt immer noch klasse. Erfreulich, dass EMI sie unlängst wiederveröffentlicht hat. Ich habe die 35-minütige Selektion, die sich an den Ablauf der Geschichte hält, gerade von einer in den 70ern gepressten LP gehört. Der CD-Doppeldecker enthält auch die 7. Symphonie in der ebenfalls hörenswerten Einspielung von Andre Previn. Die beiden anderen Aufnahmen kenne ich nicht, aber bei dem Preis kann man auch nichts falsch machen.


  • Den Roshdestvensky habe ich und kann ihn wärmstens empfehlen. Selbstverständlich habe ich mir die Aufnahme postwendend hervorgesucht und war wieder total hingerissen von Charme dieser Musik. :) Der musikalische Beginn, der im Laufe des Stückes mehrmals wiederkehrt, ist einer meiner liebsten Anfänge in der Musik überhaupt. Er ist leicht und schwermütig zugleich, bringt die ganze schöne Geschichte auf den Punkt. Was für ein Einfall. Bei Roshdestvensky klingt er überhaupt nicht sentimental, was bei manchen russischen Stücken sehr leicht der Fall sein kann.

  • Der CD-Doppeldecker enthält auch die 7. Symphonie in der ebenfalls hörenswerten Einspielung von Andre Previn.


    Lieber Lutgra,


    da kann ich Dir absolut gar nicht zustimmen. Ich hatte die Einzel-CD mit der Sinfonie Nr.7 und der Sinfonia Concertante für Cello und Orchester op.125. Zu diesem Cello-Concertino konte ich mit dieser Aufnahme nie Zugang finden - weil, langweiliger geht es kaum (ich ziehe ohnehin die Cellokonzert-Fassung op.58 dieses Werkes von Prokofieff vor) - und die Sinfonie Nr.7 habe ich ebenfalls nie langweiliger ohne pepp gehört als hier unter Previn --- CD bereits vor "Jahrzehnten" abgesetzt.


    Aber zum Thema Cinderella.
    Unter Roshdestwensky habe ich fast alle Ballettsuiten auf CD - natürlich alles höchstempfehlenswert; klangtechnisch aber nicht immer vom allerfeinsten.
    Cinderella würde ich Euch aber auch in dieser starken Int und GA von Ashkenazy ans Herz legen, da hier neben der überzeugenden Int noch die fabelhafte audiophile Klangtechnik punktet - das ist Hörspass pur:



    Decca, 1983, DDD


    Neben dem schölnen Cinderella-Ballett (GA) ist noch das recht langweilige Glasunow-Werk Die Jahreszeiten gekoppelt, das ich wiederum mit Swetlanow noch etwas gelungener, weil kurzweiliger, einstufen würde.


    Das Cleveland Orchestra erweist sich als ein präziser Klankkörper der 1.Klasse mit grösster Detailfreudigkeit.

  • da kann ich Dir absolut gar nicht zustimmen. Ich hatte die Einzel-CD mit der Sinfonie Nr.7 und der Sinfonia Concertante für Cello und Orchester op.125. Zu diesem Cello-Concertino konte ich mit dieser Aufnahme nie Zugang finden - weil, langweiliger geht es kaum (ich ziehe ohnehin die Cellokonzert-Fassung op.58 dieses Werkes von Prokofieff vor) - und die Sinfonie Nr.7 habe ich ebenfalls nie langweiliger ohne pepp gehört als hier unter Previn --- CD bereits vor "Jahrzehnten" abgesetzt.

    Ich hatte heute morgen - noch vor dem Lesen Deines Kommentars - die 7. unter Previn noch einmal gehört und kann Deine Einschätzung beim besten Willen nicht teilen. Ich finde sie nach wie vor sehr gut. Allerdings habe ich das Stück auch durch diese Aufnahme kennengelernt, das prägt halt oft. Zum Cellokonzertino hatte und kann ich nichts sagen, weil ich die Aufnahme nicht kenne.


    P.S: Lieber Wolfgang, ich sehe gerade, dass Previn das Stück zweimal eingespielt hat, einmal in den 60ern mit dem LSO und dann viel später mit dem LAPO, da ist dann auch das Cellokonzert dabei, allerdings von Schiff gespielt. Reden wir möglicherweise von unterschiedlichen Aufnahmen?

  • LAPO, da ist dann auch das Cellokonzert dabei, allerdings von Schiff gespielt. Reden wir möglicherweise von unterschiedlichen Aufnahmen?


    Ja, offenbar tatsächlich zwei unterschiedliche Aufnahmen, lieber Lutgra.
    Ich meinte nämlich die gestrichene Philips CD mit der Sinfonia Concertante für Cello und Orchester op.125 mit Schiff/LAPO/Previn und der Sinfonie Nr.7, die mir total nicht gefallen hatte !



    Aber lassen wir noch einmal das selten gespielten Cellokonzert op.58 (1938) und die Sinfonia Concertante für Cello und Orchester op.125 (1952) betrachten.
    Beide Werke enthalten nämlich das gleiche Themenmaterial. Prokofieff hat sein Cellokonzert von 1938 später im Jahre 1952 noch einmal umgeschrieben als op.125. Die Zweitfassung ist tatsächlich die Bekanntere, da diese auch in Zusammenarbeit mir dem Cellisten und Freund M.Rostropowitsch erfolgte.


    Mir liegt die Fassung als Cellokonzertes op.58 weit näher, da sie kurzweiliger ist und nicht so lang ausunfernd wie seine Spätfassung als op.125. Sie wirkt einfach spontaner und zupackender.
    Richtig ins Herz geschlossen habe ich die CD des Prokofieff-Cellokonzertes mit Christine Walevka, Cello/Monte Carlo PO/Inbal (Philips, 1972, ADD), die aber leider gestrichen zu sein scheint (natürlich auch wegen des Khatchataturian - Cellokonzertes auf gleicher CD).
    - keine Abb verfügbar -
    1. Andante (5:22)
    2. Allegro guisto (13:22)
    3. Allegro - Thema con variationi (12:20)


    Die Sinfonia Concertante op.125 gibt sich dann in dieser Satzfolge mit den Spielzeiten:
    1. Andante (10:46)
    2. Allegro guisto (18:42)
    3. Andante con moto (11:27)


    Wenn es die Spätfassung denn sein soll, dann gerne in dieser ordentlichen Aufnahme mit Truls Mork/Paavo Järvi:

    VIRGIN, 1997 (Prokofieff), DDD

  • Ja, offenbar tatsächlich zwei unterschiedliche Aufnahmen, lieber Lutgra.
    Ich meinte nämlich die gestrichene Philips CD mit der Sinfonia Concertante für Cello und Orchester op.125 mit Schiff/LAPO/Previn und der Sinfonie Nr.7, die mir total nicht gefallen hatte !

    Andre Previn gehört offensichtlich zu den Dirigenten, die mit zunehmenden Alter nicht besser wurden. Die Besprechungen seiner Remakes haben mich eigentlich nie dazu bewogen, frühere Aufnahmen durch spätere zu ersetzen.


    Aber lassen wir noch einmal das selten gespielten Cellokonzert op.58 (1938) und die Sinfonia Concertante für Cello und Orchester op.125 (1952) betrachten.

    Durch eine der Sonderaktionen unseres Werbepartners bin ich kürzlich in den Besitz der nachstehend abgebildeten CD gekommen, die den Vorteil hat, beide Versionen von den gleichen Interpreten anzubieten. Ich habe sie zwar schon gehört, mir aber noch keine Meinung darüber gebildet, welche Version mir besser gefällt. Das werde ich aber noch tun. Beide Aufnahmen sind aber interpretatorisch vom Feinsten.



    N. Hornig in FonoForum 04 / 10: "Was er hier zu Papier brachte gehörte aber auch zum Schwierigsten, was je für Violoncello geschrieben wurde. Umso mehr beeindruckt es, wie souverän sich Alban Gerhardt das Werk zu eigen gemacht hat. Seine Leistung ist in jeder Hinsicht superb, was er hier an technischen Reserven mobilisiert, ist schier unglaublich. Geläufigkeit und Klarheit der Artikulation auch in schnellsten Läufen sind phänomenal, dazu kommen eine Intensität und Dichte des Tons, die betörend wirken. Dies ist eine der besten konzertanten Celloaufnahmen der letzten Jahre und wohl auch die neue Referenzeinspielung dieser beiden Werke!"

  • Der "stählernen" zweiten Symphonie von Prokofieff begegnet man außerhalb von Gesamtaufnahmen nicht so häufig. Naxos hatte sie bereits vor 20 Jahren im Rahmen einer GA ins Programm genommen und legt mit dem gleichen Programm jetzt unter Marin Alsop noch einmal in neuem Klanggewande nach. David Hurwitz lobt die Einspielung und vergibt 9 Punkte. Die Aufnahme erscheint auch auf Blueray.


  • Chout op. 21 ist nach Ala und Lolli das zweite Ballett, das Prokofieff schrieb, sein erstes für das Ballet russe von Dhiagilew. Eine erste Version entstand um 1915, diese wurde aber auch Wunsch des Impressarios noch deutlich umgearbeitet und erst 1921 aufgeführt. Der ganze Titel des Balletts lautet: "Die Geschichte des Narren der sieben andere Narren zum Narren hält", aber die Kurzform hat sich durchgesetzt. Die Musik ist ganz offenkundig eine Reaktion von Prokofieff auf das wenige Jahre zuvor entstandene Ballett Petrushka von Stravinsky, das Prokofieff sehr schätzte und auch mit dem Komponisten vierhändig durchgespielt hat. Ähnlich wie bei Petrushka haben wir also eine schnelle Abfolge bunter und teils skuriler Episoden mit Jazzeinflüssen und einer genialen Instrumentierung. Viele Motive aus späteren und bekannteren Balletten klingen hier schon einmal kurz an.
    Die Musik ist also im Prinzip typisch Prokofieff und damit hörenswert, allerdings ist das komplette Ballett fast doppelt so lang wie Petrushka. Es gibt eine kürzere Suite, aber auch die dauert 35-40 min. Diese kenne ich noch nicht.
    Vom kompletten Ballett habe ich zwei Einspielungen, eine russische auf Olympia unter Roshdestvensky und eine in Köln entstandene unter Jurowski. Beide haben ihre Meriten, letztere gibt es für kleines Geld beim Werbepartner, die Roshdestvensky scheint vergriffen. Ich finde noch nicht einmal eine Abbildung meiner Olympia CD.