Bauernfeste und Bauernleben im 16., 17. und 18. Jahrhundert

  • Mit diesem Thread mache ich mir persönlich eine Freude, denn Genremalerei ist eines meiner Lieblingsgebiete, ist sie doch Quasi ein Fenster in die Vergangenheit - und die Vergangenheit hat mich stets mehr interessiert als die Zukunft.
    Das bäuerliche Leben ist ein Teilgebiet der Genremalerei und das wohl berühmteste Bild auf diesem Gebiet ist "Die Bauernhochzeit von Pieter Brueghel d.Ä, dicht gefolgt vom "Bauerntanz" des selben Malers. Beide Gemälde hängen heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Wir aber wollen mit einem anderen Maler beginnen, nämlich mit David Teniers dem Jüngeren (1610-1690), der seit 1651 Hofmaler in Brüssel war und gleichzeitig auch Verwalter der Gemäldegalerie von Erzherzog Leopold Wilhelm.
    Das hier gezeigte Bild ist typisch für Tenier d. J, der gerne bäuerliche Wirtshausszenen malte. Hier wird eine Kirmes vor dem Gasthaus "Zum Halbmond" gezeigt. Es entstand 1641 und hängt derzeit in der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.



    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    Ich hoffe auf rege Beteiligung - die Anzahl der Beiträge pro Mitspieler ist unbegrenzt - allerdings bitte pro Tag und Mitspieler nur EIN Beitrag.....

  • Lieber Alfred,


    da offenbart sich Liebe, Lust und Leidenschaft des Museumsspezialisten. Da ich auf dem Gebiet der Malerei nicht viel beitragen kann, außer gefällt mir oder gefällt mir nicht, denn spätestens bei den Impressionisten ist für mich Schluss, kann ich nur sagen: Eine schöne Erweiterung der Themenpalette und Tamino bildet.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich möchte ein dazu passendes Bild aus dem 19. Jahrhundert einstellen. Es heißt "Tanzpause auf einer elsässischen Bauernhochzeit":



    Gemalt hat es Benjamin Vautier (1829 - 1898). Vautier war ein gebürtiger Schweizer, der einen großen Teil seines Lebens, zunächst als Student, später als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf verbracht hat. Dort verstarb er auch.


    Vautier gilt als einer der ersten deutschen Genremaler.


    Das Bild hängt übrigens ebenso wie das von Alfred vorgestellte in Dresden.


    Liebe Grüße


    Portator

  • Mir geht es ähnlich wie operus, werde aber wie er diese Seite sehr regelmäßig besuchen. Ich erinnere mich an die Serie der wunderbaren Winterbilder: das ist eine wunderbare Ergänzung zu unseren anderen Themen.


    Was mir auch bei diesen Bildern wieder auffällt: damals gab es keine Malerei ohne solides Handwerk. Heute malen viele, die nicht mal zeichnen können.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Der Frans Hals-Schüler Adriaen van Ostade (1610-1685) gibt uns ein lebendiges Bild vom Leben der einfachen Leute - und sehr oft von jenem der Bauern. Dabei betont er das Derbe und hat in seinen Bildern einen leicht boshaften Unterton, neutraler formuliert, könnte man auch von einem extrem scharfen Beobachter sprechen. Wir finden bei den Darstellungen seiner bäuerlichen Einrichtungen immer wieder die unverzichtbaren Tonkrüge und Pfeifen, den Haushund, Gerät am vor Schmutz starrenden Steinboden, Vorratskörbe und anderer Hausrat. Die Leute indes machen zufriedene bis angeregte Gesichter, sie sind mit sich im Reinen, scheinbar wird im Hintergrund diskutiert oder Karten gespielt. Wie wir im Vergleich mit anderen Bildern Ostades später noch sehen werden verwendet er offensichtlich Modelle - und die Inneneinrichtung wird aus ähnlichen "Bauteilen" lediglich neu zusammengestellt - ähnlich wie dereinst Theaterdekorationen....

    Da eher kleinformatige Bild (gemalt auf Kupfer) entstand 1661 und befindet sich heute im Rijksmuseum Amsterdam.
    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ostade, lieber Alfred, stellt das Wirtshaus immer sehr "belebt" dar (eine Zeichnung eines Bauernwirtshauses von ihm habe ich interpretiert, was die Bildkomposition angeht, aber im Netz nicht gefunden!), als eine Art Marktplatz der menschlichen Begegnung. Die Schenke ist finde ich wenig "gemütlich", kein Ort des Rückzugs in eine halb private Sphäre mit Freunden etwa, sondern ein sehr "öffentlicher" Ort, wo man zusammentrifft. Die Wertschätzung einer Intimsphäre (das Bild ist von 1674) ist offenbar zu dieser Zeit noch nicht vorhanden.



    Sehr schön ist auch diese Darstellung einer Bauernhochzeit von Pieter Brueghel d. Ä., darüber gibt es sogar einen Wikipedia-Artikel:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Bauernhochzeit



    Wenn man dieses Bild sieht, weiß man, woher die Redewendung "die Tafel aufheben" kommt - das war damals noch ganz unmetaphorisch "real"! Pieter Brueghel d. J. fertigte 1630 eine Kopie an - insofern gehört dieses Bild auch ins 17. Jahrhundert! :D


    Schöne malerische Grüße
    Holger

  • (...) Die Schenke ist finde ich wenig "gemütlich", kein Ort des Rückzugs in eine halb private Sphäre mit Freunden etwa, sondern ein sehr "öffentlicher" Ort, wo man zusammentrifft. Die Wertschätzung einer Intimsphäre (das Bild ist von 1674) ist offenbar zu dieser Zeit noch nicht vorhanden.

    Genau das habe ich auch so empfunden - da könnte mir weder der Gerstensaft noch der Bauernschinken schmecken, denn beides könnte ich mir in dem Dreck nicht mal hinunter würgen...


    :hello:

  • Wir müssen uns in die Zeit zurück versetzen in der das alles spielt. (ich habe übrigens den Threadtitel berichtigt und auch das 16. Jahrhundert mit eingebunden) Ferne habe ich im Eröffnungsbeitrag geschrieben "Nur ein Beitrag" pro Tag und Mitglied.
    Das war natürlich Unsinn - Man sollte aus Gründen der Übersichtlichkeit und der Möglichkeit zu stressfreien Betrachtung MÖGLICHST nur ein Bild pro Tag einstellen (ist aber kein Malheur wenn dagegen verstoßen wird) ABER - DISKUTIERt werden kann über ein Bild so lange man will - vorzugsweise 100 Beiträge pro Tag.


    Zurück zum Thema: Wir müssen uns ins 17. Jahrhundert und ins bäuerliche Mileu Hollands hineinversetzen. Die Leute waren arm und bescheiden. Sauberkeit war kein Schlüsselwort - aber ich glaube, daß die Maler hier oft übertrieben haben.
    "Wertschätzung der Intimspäre"? - Im Dorfgasthaus - wo jeder jeden kennt - wo man hingeht um einander zu begegnen - wo man nicht alleine im schimmer einer düsteren Talgkerze sitzen muss. Wo es warm ist und (relativ) hell, wo es laut und voll Leben ist. Man vergnügt sich, man ist und trimkt - alles ist voll Lärm und voll pulsierendem Leben - und - daheim ists auch nicht sauberer - Siehe Bild in Beitrag Nr 5. Und wenn ein Betrunkener mal einen Sessel umschmeisst - Wen störts ? Es hebt ihn sowieso niemand auf....


    Aber natürlich ist das die subjektive Sicht von Ostade. Wenn wir uns sein Porttait (gemalt von Franz Hals) vor Augen Halten, dann muß uns klar sein.daß jener Herr im eleganten Outfit mit den von ihm dargestellten "Opfern" (Motiven) wenig gemeinsames hatte....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • (...) Und bezeichnend steht hinten die Tür offen - es geht zu wie in einem Taubenschlag! :hello:

    Den Tauben würde ich es nachsehen, es ist deren Natur. Was die "offene Tür" angeht: Bist Du Dir da sicher? Ich sehe nur die obere Hälfte geöffnet - läßt das an eine geteilte Tür denken? Oder ist es vielleicht doch ein Fenster? Nein? Weil die damals schon Fensterglas hatten?
    Egal; ich wundere mich auch über die Helligkeit bei immerhin nur fünf Kerzen in dem Holzlämpchen...


    :hello:

  • Zurück zum Thema: Wir müssen uns ins 17. Jahrhundert und ins bäuerliche Mileu Hollands hineinversetzen. Die Leute waren arm und bescheiden. Sauberkeit war kein Schlüsselwort - aber ich glaube, daß die Maler hier oft übertrieben haben.
    "Wertschätzung der Intimspäre"? - Im Dorfgasthaus - wo jeder jeden kennt - wo man hingeht um einander zu begegnen - wo man nicht alleine im schimmer einer düsteren Talgkerze sitzen muss. Wo es warm ist und (relativ) hell, wo es laut und voll Leben ist. Man vergnügt sich, man ist und trimkt - alles ist voll Lärm und voll pulsierendem Leben - und - daheim ists auch nicht sauberer - Siehe Bild in Beitrag Nr 5. Und wenn ein Betrunkener mal einen Sessel umschmeisst - Wen störts ? Es hebt ihn sowieso niemand auf....


    Aber natürlich ist das die subjektive Sicht von Ostade. Wenn wir uns sein Porttait (gemalt von Franz Hals) vor Augen Halten, dann muß uns klar sein.daß jener Herr im eleganten Outfit mit den von ihm dargestellten "Opfern" (Motiven) wenig gemeinsames hatte....

    Ich glaube auch, lieber Alfred, dass Ostade das "pulsierende" (das paßt hier sehr gut) pralle Leben darstellen wollte in dramatisch verdichteter Form. Das ist auch sehr eindrucksvoll! Für mein Gefühl hat diese Bauernschenke etwas "Forensisches", ist so eine Art Dorfmarkt. Märkte gibt es in den Städten, auf dem Dorf ersetzt sie die Schenke. Die Motive als "Opfer" - das ist sicher sehr treffend! Der elegante Herr Ostade benimmt sich hier sicher ein bisschen so wie ein Soziologe, der eine Feldstudie macht! :D


    Den Tauben würde ich es nachsehen, es ist deren Natur. Was die "offene Tür" angeht: Bist Du Dir da sicher? Ich sehe nur die obere Hälfte geöffnet - läßt das an eine geteilte Tür denken? Oder ist es vielleicht doch ein Fenster? Nein? Weil die damals schon Fensterglas hatten?
    Egal; ich wundere mich auch über die Helligkeit bei immerhin nur fünf Kerzen in dem Holzlämpchen...

    In der Vergrößerung sieht es nach einer Tür aus, lieber Stimmenliebhaber. Ich vermute mal, es ist wie oft bei historischen Bauernhäusern (so auch bei uns hier in Bielefeld im Bauernhausmuseum zu sehen) eine geteilte Holztür, die man als Fenster und Durchgang nutzen kann. Dafür spricht auch der Bogen, die für Fenster glaube ich untypisch sind. :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ebenfalls in Beitrag Nr 6 wurde die Bauernhochzeit von Pieter Brueghel d. Ä. (1525/30-1569) gezeigt. Ich müchte dieses Bild nicht wortlos übergehen, notabene, da es an meinem "Noch-Arbeitsplatz" hängt, nämlich im KHM Wien und zudem eines der berühmtesten Bilder dieses Genres Weltweit ist. Es dürfte um 1568 - entstanden sein - der Auftraggeber ist unbekannt. In der Vergangenheit wurde dem Gemälde oft nachgesagt, es sei eine bösartige Karikatur des bäuerlichen Lebens , aber das ist ein lächerlicher, überholter Standpunkt. Dargestellt wird in der Tat eine niederländische bäuerliche Hochzeit im 16. Jahrhunderts. Wir sehen, daß hier keine großen Geldmittel eingesetzt wurden, so werden die äusserst bescheidenen Speisen (Getreidebreie etc) auf einer ausgehängten Türe getragen. Der Schauplatz der Handlung ist eine Scheune, wo Heu gelagert ist.


    Ebenfalls ist die Türe offen und gestattet eine Blick ins Freie. Wir sehen, dass offene Türen in jenen Zeiten üblich waren - wahrscheinlich eine Frage des Lichts und auch der Lüftung. Bei aller Einfachheit - man beachte den sauberen (vermutlich aus gestampftem Lehm bestehenden) Fußboden. Die Braut sitzt - wie der Brauch es vorsah - allein am Tisch, weil der Bräutigam die Aufgabe hatte die Gäste zu versorgen.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • In der Vergrößerung sieht es nach einer Tür aus, lieber Stimmenliebhaber. Ich vermute mal, es ist wie oft bei historischen Bauernhäusern (so auch bei uns hier in Bielefeld im Bauernhausmuseum zu sehen) eine geteilte Holztür, die man als Fenster und Durchgang nutzen kann. Dafür spricht auch der Bogen, die für Fenster glaube ich untypisch sind.


    Hier sieht man die Tür von der anderen Seite:


    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Da gehöre ich zur selben Spezies der technisch "Bekloppten"! :D Ich habe auch lange gebraucht, es zu entdecken: rechts neben dem Bild sind zwei kleine Quadrate, da mußt Du nur draufklicken... :hello:

    Herzlich willkommen im Club! Diese zwei kleinen Quadrate kenne ich selbstverständlich und insofern habe ich sie auch angeklickt. Aber die Vergrößerung ist mir nicht ausreichend genug, ich konnte das - mit Brille, und das ist vielleicht das Problem - nach Deiner Beschreibung nicht erkennen.


    Inzwischen hat Reinhard ja Aufklärung betrieben. Ist wohl ein zweites Bild dieses Malers!?


    ?(

  • Ich entschuldige mich für meinen Beitrag Nr. 3, der einer nicht gefragten Zeit (19. Jh.) entstammt. Irgendwie hatte ich übersehen, dass nur Darstellungen bis zum 18. Jahrhundert erwünscht waren.


    Alfred hat mit einem Teniers eröffnet. Ich füge hier das "Bauernfest" hinzu, das David Teniers d. J. 1637 gemalt hat.





    Liebe Grüße


    Portator

  • Die Einfüguing des Bildes aus dem 19. Jahrhunder war kein Problem. denn hier hat ja der Stilbruch in richtung Imoessionismus- Expressionismus - Moderne noch nicht stattgefunden. Ausserdem - aber vielleicht besprechen wir das BIld noch mal genauer, wenn sich die Laufzeit des Threads dem Ende zuneigt......


    Sehen wir uns die beiden Bilder von Teniers d. J (Beiträge Nr 1 und 17) nochmal genauer an:
    Teniers zeichent ein wesentlich freundlicheres Bild vom bäuerlichen Leben, als Adriaen van Ostade.
    Alles scheint im Wesentlichen sauber und adrett zu sein, die Leute unterhalten sich gut - und links im Bild bei Nr 17 scheint städtischer Besuch anwesend zu sein (4 Erwachsene und ein elegantes Kind plus Windspiel) Ich meine sogar, in der rechten männlichen Figur der Gruppe Tenier selbst zu erkennen.....Die beiden Damen indes tragen Kleider aus Seidenbrokat - und ich bezweifle, daß die Bauern jener Zeit sich sowas leisten konnten....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • .Die beiden Damen indes tragen Kleider aus Seidenbrokat - und ich bezweifle, daß die Bauern jener Zeit sich sowas leisten konnten.


    Da zweifeslst du völlig zurecht, lieber Alfred. Solche Stoffe waren für die bäuerliche Bevölkerung unerschwinglich. Das entscheidende Kriterium dürfte aber sein, dass noch im Zeitalter des Barock der Gebrauch bestimmter Stoffe und bestimmter Farben für die bäuerliche Landbevölkerung verboten war. Manches war dem Adel vorbehalten - und das nicht nur als Begleiterscheinung finanzieller Umstände, sondern es gab tatsächlich Kleiderordnungen, die den Angehörigen der verschiedenen Stände die Verwendung bestimmter Stoffe und Farben vorschrieb. Ich kann allerdings nicht sagen, ob dies flächendeckend in ganz Europa und zu allen Zeiten einheitlich geregelt war.


    Grüße
    Garaguly

  • Cornelis Pietersz Bega geboren 1620 oder 1631/32 (verschiedene Quellen) - 1664

    Hat dieses Bild gemalt. Man beachte die scheinbar unverzichtbaren Requisiten:
    1 Kind, 1 Hund, Tonkrüge und Körbe.
    Irgendwie erinnert mich auch dieses Bild an eine "klassische" Inszenierung eines Theaterstücks - noch dazu effektvoll ausgeleuchtet.....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Sehen wir uns die beiden Bilder von Teniers d. J (Beiträge Nr 1 und 17) nochmal genauer an:
    Teniers zeichent ein wesentlich freundlicheres Bild vom bäuerlichen Leben, als Adriaen van Ostade.
    Alles scheint im Wesentlichen sauber und adrett zu sein, die Leute unterhalten sich gut - und links im Bild bei Nr 17 scheint städtischer Besuch anwesend zu sein (4 Erwachsene und ein elegantes Kind plus Windspiel) Ich meine sogar, in der rechten männlichen Figur der Gruppe Tenier selbst zu erkennen.....Die beiden Damen indes tragen Kleider aus Seidenbrokat - und ich bezweifle, daß die Bauern jener Zeit sich sowas leisten konnten....


    Ich rätsele deswegen auch ein bisschen, lieber Alfred. Ostade ist in seiner Darstellung wohl wesentlich "reralistischer" und lebensnäher in seiner Milieuschilderung. Dass bei Brueghel dagegen die Bauernhochzeit so "sauber" dargestellt ist, wundert mich weniger, denn die Calvinisten sind schon sehr reinlich - bis heute. ;) Hier allerdings könnte es sein - das ist aber nur eine Vermutung - dass der Maler irgendwie die Bauern als wohlanständige, "ordentliche Bürger" darstellen wollte, was dann allerdings (wenn ich den Hinweis von Garaguly auf die Stände-spezifische Kleiderordnung dazu nehme) einer hoch interessanten politischen Provokation gleichkäme. Darüber wird man aber bestimmt bei den schlauen Kunsthistorikern etwas in Erfahrung bringen können. :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Bevor ich mich später wieder Breughel zuwende (Bei Breughel besteht die Gefahr, dass man sich ausschliesslich mit ihm befass) möchte ich noch ein sehr schönes Bild von Jan STEEN (1626-1679) präsentieren. Steen war der Sohn eines Bierbrauers und betrieb selbst eine Schenke. Seine Spezialität sind Genrebilder mit oft derbem bis bösartigem Humor. Es ist umstritten ob seine Bilder moralisierend sein sollen (wie 100 Jahre später jene von Hogarth) oder ob er einfach lebensfroh war. Ich tippe auf zweiteres. Er malte gerne unordentliche Haushalte, deren Bewohne dem Alkohol und Tabak zusprachen. Eine Besonderheit von Steens Bildern war, dass er sich stets selbst auf dem Bild verewigte, sozusagen als Akteur auf seinem Bild. Hier zu sehen als der dicke Mann in kurzen Hosen und Schlapphut.

    Jan Steen: Bauern vor einer Schenke


    Steen war übrigens Schüler von Adriaen Ostade und Dirck Hals.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


  • Und hier haben wir ein weiteres GenreBild dieses Malers, der ein Schüler von Willem Pietersz. Buytewech war.
    Fast stereotyp finden wir immer wieder dieselben Muster solcher Bauernszenen.
    Am Fußboden zumindest ein Haustier - in diesem Falle Hund und Katz in friedlicher Eintracht, Lebensmittelvorräte unordentlich verstreut, ein gerüttelt Maß an Trinkgefäßen und die obligaten zerbrochenen Tonpfeifen am Boden. Die Laterne und der in der Wandnische gelgerte Krug sind Requisiten, wie wir sie auch in Jan Steens "schlampigen Haushalten" immer wieder finden. Die Bewohner indes machen einen zufriedenen Eindruck....


    mfg aus Wien
    Alfred