Franz Schubert - Pianisten von gestern

  • Meine Lieben,


    Der Chopin-Thread gleicher Bauart war - nach einigen Anlaufschwierigkeiten - doch einigermaßen erfolgreich. Er hat gezeigt, daß das Interesse an Einspielungen "von gestern" doch größer ist, als an solchen von heutigen Pianisten oder gar Nachwuchskünstlern. Allerdings sind ja die beiden Threads noch im Laufen. Da kann sich noch einiges ändern.
    Diesmal habe ich aus diesem Grund mit dem Thread über "Schubertpianisten von gestern" begonnen - ob es einen über die gegenwärtigen und zukünftigen Schubertspezialisten überhaupt geben wird - das weiß ich noch nicht.
    Wieder sind sowohl berühmte Schubert-Interpreten gefragt, aber auch Geheimtipps. Es sollten aber lediglich Pianisten nominiert werden, die entweder generell mit Schubert assoziiert werden - oder aber irgendwann eine ganz besondere Aufnahme einer Schubert Klaviersonate eingespielt haben. Ich fürchte, das wird nicht allzu leicht sein, den Schubert war ja in der Vergangenheit in Sachen Klaviersonate eher unterschätzt.


    Ach ja - Pianisten von gestern - da muss man vorsichtig sein. Ich würde alle Pianisten dazu zählen, von denen man - auch wenn sie noch leben - keine Neuaufnahme mehr erwarten würde. Einige der älteren Herren sind noch hoch-aktiv. Und selbstverständlich sind Schellack Aufnahmen zugelassen - ebenso wie Welte Mignon - Überspielungen - so es denn welche gibt......


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Dann wil ich mal den Anfang machen, lieber Alfred, und vier Pianisten nennen, die nach meiner langjährigen Beschäftigung mit ihnen m. E. zur "Championsleague" der Pianisten von gestern gehören: Claudio arrau, Wilhelm Kempff, Swjatoslaw Richter und Aldred Brendel (er möge mir verzeihen, dass ich ihn hier als "von gestern" bezeichne):



    Bei Claudio Arrau hätte ich gerne die weiße Box "Heritage" gepostet, aber sie scheint momentan wohl nicht erhältlich zu sein. Wohl dem, der sie hat, wie ich.
    Weiterhin möchte ich dir Mut zusprechen, lieber Alfred, dass es auch einen Thread mit Schubert-Pianisten von heute geben sollte. Was mich betrifft, wo habe ich in den letzten 15 Jahren weitaus mehr Konzerte mit Schubert-Sonaten erlebt als mit Beethoven-Sonaten, und von den Pianisten, die ich da erlebt habe, ist nur einer inzwischen abgetreten: Alfred Brendel. Alle anderen sind noch aktiv, unter anderem auch einige Schüler Brendels. Aber darauf wollen wir näher zu sprechen kommen, wenn es so weit ist.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi
    Vielen Dank für Deinen Beitrag und Deine Ermutigung.


    An alle anderen: Ich habe es nicht erwähnt, aber an sich sollte jeweils nur EIN Pianist pro Beitrag hier vorgestellt werden. Willi konnte das nicht wissen - ist also ok


    Ich selbst bringe eine weitere Schubert-Spezialistin ins Spiel. Bevor Alfred Brendel groß bei Philips einstieg, war Ingrid Haebler dort die absolut erste Adresse in Sachen Schubert (und Mozart) - und wie ich finde zu recht.
    Ein von youtube verlinktes Klangbeispiel möge speziell die ganz Jungen überzeugen, denen der Name nichts mehr (oder "noch nichts") sagt. Ich bin sehr glücklich, dass es die links im Bild gezeigte Aufnahme wieder gibt - sie war lange Zeit nicht erhältlich...
    Haebler pflegt einen geradezu aristokratischen Klavierton - und in der Tat ist sie ja eine Aristokratin (beide Elternteile waren Adelige) - was ich lange nicht gewusst habe.




    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Leider habe ich Ingrid Haebler noch nicht in meiner Sammlung, lieber Alfred, sonst hätte ich sie bestimmt auch genannt. Sie gehört ja zu der berühmten österreicheischen Pianistengruppe der rund um 1930 geborenen, wie Paul Badura-Skoda, Walter Klien, Jörg Demus, Friedrich Gulda und Alfred Brendel. Eine absolut tolle Truppe ist da innerhalb von 5 Jahren geboren. Etwas Vergleichbares gab es nur länder- und schulübergreifend mit dem Jahre 1903, in dem Claudio Arrau, Rudolf Serkin und Vladimir Horowitz geboren wurden.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Nachdem Willi mit Brendel, Kempff und Richter drei meiner liebsten Interpreten bereits genannt hat, gehe ich wenig weiter zurück und würde gern auf Artur Schnabel hinweisen.



    Sie sind für mich immer noch eine Referenz für Schubert-Interpretationen des 20. Jahrhunderts (aber natürlich ist die Tonqualität nicht wirklich exzellent).


    Mit bestem Gruß
    JLang

  • Ich habe versucht, das Video von Ingrid Haebler auf Youtube zu genießen, aber da war wohl irgend ein technischer Fehler im Spiel. Ingrid Haebler gehört ja laut Systematik zur "französischen" Schule, da kann ich mir einen noblen, aristokartischen Ton gut voerstellen. Ich habe ja in meiner Beethovensammlung mittlerweile auch einige französische Pianisten (Robert Casadeus, René Duchable, Eric Heidsieck, Claude Frank (gebürtig) und Youra Guller. Da kommt das mit dem aristokratischen Ton schon hin.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Kempff und Brendel wurden schon genannt. Dann greife ich mal in die Plattenkiste und nenne Friedrich Wührer und Gilbert Schuchter. Schuchter hat Schuberts Werk für Solo-Klavier aufgenommen, Wührer immerhin die Klaviersonaten. Leider sind die Aufnhamen nicht im CD-Zeitalter verfügbar, die drei Wührer Boxen konnte ichn in den USA auftreiben (ebay sei dank).


    Die nachgelassenen Sonaten wurden vorzüglich von Max Martin Stein für das Label Motette eingespielt. Auch sie sind nicht mehr verfügbar. Wenn man so will, wahrlich Schubert-Interpreten der Vergangenheit.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Ich habe versucht, das Video von Ingrid Haebler auf Youtube zu genießen, aber da war wohl irgend ein technischer Fehler im Spiel.


    Warum denn in die Ferne schweifen, lieber Willi? Du hast sie ja hier im Thread.


    Ganz groß ihr Forellenquintett mit Arthur Grumiaux. Für 500 Euro kann ich sie Dir leihen.


  • Lieber hami,


    und gerade der Link, den Alfred hier im Thread gesetzt hatte, funktioniert leider auf der Youtube-Ebene dergestalt nicht, dass das Spiel nach 4 Sekunden abgebrochen und ein Spruch des Bedauerns eingeblendet wurde.


    Liebe Grüße


    Willi :D

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • und gerade der Link, den Alfred hier im Thread gesetzt hatte, funktioniert leider auf der Youtube-Ebene dergestalt nicht, dass das Spiel nach 4 Seunden abgebrochen und ein Spruch des Bedauerns eingeblendet wurde.


    Ach ja, die Deutschen und die Gema. Wahrscheinlich kein technischer Fehler, sondern der Streit zwischen Youtube und der Gema.
    Mich trifft es leider nicht. Seit gestern habe ich einen schwedischen Pass und keine Sorgen mehr.



    Aber Du kannst ja immer noch lumpige 500 Euro investieren. Das lohnt sich wirklich.


    Liebe Grüße.

  • Ich habe es vorhin versucht, da hat der Link wieder funktioniert, uns ich muss sagen, dass ich von der Aufnahme ganz begeistert bin. Mit dem Forellenquintett und den 500 € das muss ich mir noch einmal überlegen. Ich wollte ja eigentlich nicht gleich ganz Schweden kaufen. :D


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber hami,
    und gerade der Link, den Alfred hier im Thread gesetzt hatte, funktioniert leider auf der Youtube-Ebene dergestalt nicht, dass das Spiel nach 4 Sekunden abgebrochen und ein Spruch des Bedauerns eingeblendet wurde.

    Das verstehe ich nicht; bei mir läuft das Video anstandlos durch. Sollten sich Youtube und Gema, wie von hami ins Spiel gebracht, peu a peu geeinigt haben?


    :(:(:(

  • Die ersten Pianisten, die Schuberts Sonaten u.a. in den Blickpunkt gerückt haben, waren wohl Artur Schnabel, Eduard Erdmann und Edwin Fischer. Leider hat Fischer anscheinend keine einzige Sonate aufgenommen, allerdings Klavierstücke. Mit Schnabel gibt es immerhin die Sonaten D 850, 959, 960, sowie fast alle wichtigen Klavierstücke (und das Forellenquintett). Schnabel war wohl auch einer der ersten, der die späten Werke Schuberts Beethoven und Mozart gleichgesetzt hat (als Musik die besser sei als sie je gespielt werden könnte), während noch Rachmaninoff gar nicht gewusst haben soll, dass es überhaupt Klaviersonaten von Schubert gäbe...


    Erdmanns Aufnahmen habe ich nicht gehört, aber es gibt die letzten vier Sonaten und einige Klavierstücke (u.a. als mp3 download).


    Die erste einigermaßen komplette Gesamteinspielung der Sonaten hat der von Thomas schon genannte Wührer bei Vox in den 1950ern vorgelegt.



    -

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Meine Lieblinge sind ja schon genannt. (Svatoslav Richter hat meine Auffassung von Schubert als Kind geprägt)


    Dass man nur einen nennen darf, finde ich unfair und entspricht nicht meiner Art. Ich mache mich eher lustig über Fragen nach meinem (meiner) Lieblings ... was auch immer.
    Gestorben muss er noch nicht sein, aber es sollte keine Aufnahmen mehr geben.
    Dann kann ich ja Sokolov nennen. Der verweigert die Studioeinspielungen, ist meiner Meinung nach aber der interessanteste Schubert-Interpret. (Gott sei Dank noch lebend)

  • Zitat

    Dass man nur einen nennen darf, finde ich unfair


    Lieber Steppenwolf - Ich freue mich - nach 4 Jahren Pause von Dir zu lesen.
    Es ist ein Missverständnis, wenn man glaubt, es darf in diesem Thread nur EIN Pianist pro Mitspieler genannt werden, ich hatte lediglich vorgeschlagen pro BEITRAG nur einen Pianisten zu nominieren, wobei natürlich Vergleiche mit anderen nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht sind.
    Die Regel soll nur verhindern, daß EIN Mitglied alle Pianisten der Vergangenheit nennt - wonach dann niemand mehr schreiben will.
    Ebenso ist es natürlich ERWÜNSCHT über Pianisten und ihre Aufnahmen geschrieben wird, die schon ein anderes Mitglied in diesem Thread vorgestellt hat.


    Beste Grüße aus Wien
    Alfred

  • Zitat

    Alfred: Ich selbst bringe eine weitere Schubert-Spezialistin ins Spiel. Bevor Alfred Brendel groß bei Philips einstieg, war Ingrid Haebler dort die
    absolut erste Adresse in Sachen Schubert (und Mozart) - und wie ich finde zu recht.


    Ein von youtube verlinktes Klangbeispiel möge speziell die ganz Jungen überzeugen, denen der Name nichts mehr (oder "noch nichts") sagt. Ich bin sehr glücklich, dass es die links im Bild gezeigte Aufnahme wieder gibt - sie war lange Zeit nicht erhältlich...


    Haebler pflegt einen geradezu aristokratischen Klavierton - und in der Tat ist sie ja eine Aristokratin (beide Elternteile waren Adelige) - was ich lange nicht gewusst habe.


    Den Ausführungen von Alfred zu INGRID HAEBLER kann ich mich nur anschließen, sowohl was den künstlerischen Stellenwert dieser so sympathischen Pianisten auch heute noch anbetrifft, als auch seinem Hinweis auf ihre Aristokratie, die nicht nur durch ihre Abstammung gegeben ist, sondern auch äußerlich waren allein schon ihre Physionomie, ihre Gestik und Haltung, ja selbst ihr Spiel aristokratisch. Hinzu kam, daß schon ihre Eltern sehr musikalisch waren. In ihrem Elternhaus verkehrte die Crème de la Crème an Künstlerpersönlichkeiten, wie z. B. CLAUDIO ARRAU, BORIS HUBERMAN, ROBERT CASADESUS u. a. Letzterer prophezeite schon dem jungen Mädchen, das als Wunterkind galt und schon mit 11 Jahren in Salzburg debütierte, eine große Zuunft. Nachdem Sie schon von ihrer Mutter, einer Pianistin, den ersten Unterricht bekam, studierte sie in Genf bei NIKITA MAGALOFF, und in Paris bei MARGUERITE LONG, wurde Preisträgerin in Genf (Genfer SCHUBERT-Wettbeberb!!) und München, und startete eine große Karriere in allen 5 Kontinenten. Schon bald wurde sie als eine der bedeutendsten MOZART-Interpretinnen des 20. Jahrhungerts gefeiert. Sie spielte sämtliche Klavierkonzerte MOZARTs ein und nahm anschließend auch noch sämtliche SCHUBERT-Sonaten auf. Auch mit der Einspielung von HAYDN's Klaviersonaten Nr. 20, 33, 35, 36 und 37 verschaffte sie sich große Anerkennung.
    Aristokratie kennzeichnet auch ihre Interpretation von SCHUBERT's Impromptus op. 90, D 899, die ich seitdem nie wieder so wunderbar lyrisch und doch lebendig, hochsensibel und variabel phrasiert gehört habe. Deshalb ist und bleibt dies meine unangefochtene Referenzaufnahme. Ähnlich überzeugend gelingen ihr auch die Impromptus op. 142, D 935, für die sie allerdings auch eine hochklassige Konkurrenz in den Aufnahmen durch ALFRED BRENDEL und JÖRG DEMUS hat, und es fällt mir schwer, eine Wertung unter diesen drei Interpretationen vorzunehmen, da jede auf ihre Weise überzeugt.



    Meine Eindrücke von ALFRED BRENDEL's SCHUBERT-Spiel habe ich bereits in dem separaten Thread über SCHUBERT's Klaviersonaten vermittelt. BRENDEL spielt nicht nur die Klaviersonaten referenzvedächtig, sondern eben auch SCHUBERT's Impromptus op. 142, D 935 wunderbar natürlich und mit einer musikantischen Selbstverständlichkeit, die diesen Klavierstücken gut ansteht, nachdem er die Sonaten doch mitunter etwas sehr reflektiert vorträgt. Dennoch erreicht er wohl nicht ganz den Charme einer INGRID HAEBLER. Vor allem für das Impromptu Nr. 3 nimmt sich BRENDEL deutlich mehr Zeit als HAEBLER.
    Angemessen introviertiert im Kontrast seine Interpretation der Klavierstücke D 946 (Impromptus posth) auf der gleichen LP , die in SCHUBERT's Sterbejahr 1928 enstanden, die einem Ausloten der schubertschen Seele gleichkommt und betroffen macht.



    Wie ALFRED BRENDEL so spielte auch JÖRG DEMUS die Impromptus D 935 und 946 (Impromptus posth) auf einer LP ein, letzterer bei der DGG, und hier handelt es sich also um meinen 3. Pianisten, der mich mit diesen impromptus nachhaltig zu begeistern vermochte und vermag. DEMUS liegt bei seiner Interpretation des Impromptus D 935 im Zeitmaß etwa in der Mitte zwischen BRENDEL und HAEBLER, wobei er das Impromptu Nr. 1 deutlich schneller spielt, das Nr. 3 dafür aber deutlich langsamer als HAEBLER. Das Spiel von JÖRG DEMUS nimmt durch den singenden Ton, die natürliche Lebendigkeit, und seine differenzierte Rhythmik für sich ein. Er gestaltet beide Werke phantasievoll, intellektuell und emotional durchdrungen, und mit der richtigen Dosis romantischer Poesie, Attribute, die er gegen Ende seiner sehr erfolgreichen Laufbahn etwas eingebüßt hat. Er war ja auch ein gesuchter Klavierbegleiter, und vor allem seine Einspielung der Winterreise mit DIETRICH FISCHER-DIESKAU fand viel Beachtung.



    Warum JORG DEMUS, der schon im Alter von 14 Jahren debütierte, bei SWAROWSKY und KRIPS studierte, sich bei EDWIN FISCHER, KEMPFF und BENEDETTI MICHELANGELI perfektionierte und 1953 in Paris und 1955 in NEW York große Triumphe feierte, heute nicht mehr in der Erinnerung von Liebhabern des Klavierspiels präsent ist, ist für mich ebenso verwunderlich wie im Falle meines vierten hochgeschätzten SCHUBERT-Interpreten ADRIAN AESCHBACHER.


    ADRIAN AESCHBACHER (1912 - 2002) , SCHNABEL-Schüler, war nach dem 2. Weltkrieg einer der ganz großen Konzertpianisten, der sich ganz besonders der Interpretation der Werke von BEETHOVEN, SCHUMANN, BRAHMS und SCHUBERT widmete, nicht zuletzt auch sich für zeitgenössische Komponisten einsetzte und viele derer Werke uraufführte. Mit der Aufnahme von BBETHOVEN's Klavierkonzert Nr. 1 unter FURTWÄNGLER und dem ORCHESTRE DU FESTIVAL LUCERN in einem Rundfunkmitschnitt 1947 wurde dieser schweizer Pianist auch einem breiten Publikum bekannt.
    Seine intensive Konzerttätigkeit hatte er aber bereits 1934 nach seinem 2-jährigen Studium bei ARTUR SCHNABEL eingeleitet. Sie führte ihn in fast alle Länder Europas und nach Südamerika. Besonders gerühmt wurden seine Aufnahmen von BEETHOVEN's Sturmsonate, SCHUMANN's Toccata und SCHUBERT's großer B-Dur Sonate.
    Im Hinblick auf SCHUBERT ist ADRIAN AESCHBACHER für mich der ideale Interpret für die Moments musicaux D 780 und die Wandererfantasie D 760. Wie er die lyrischen und romanitschen Stellen der Moments musicaux herrlich ausspielt, dabei durchaus individuell und eigenwillig phrasiert und akzentuiert, und die Wandererfantasie zupackend und drängend intensiv gestaltet, ohne diese technisch sehr anspruchsvolle Fantasie zu einem bloßen Virtuosenstück zu degenerieren, wie man dies doch nicht selten von berühmten Klaviervirtuosen feststellt, ist für mich beeindruckend und genial.
    Nicht umsonst hat die DGG damals diesen Pianisten umworben und gerne auf ihn zurückgegriffen, und wohl auch nicht umsonst konnte man ADRIAN AESCHBACHER in den 50er Jahren sehr oft mit SCHUBERT, und gerade mit diesen Moments musicaux und der Wandererfantasie, im Rundfunk hören..



    Viele Grüße
    wok
    .

  • Hab' Dank für diesen sehr informativen Beitrag, lieber wok. Von den von dir Genannten habe ich auch etliche in meiner Sammlung, u. a. auch Jörg Demus mit der herausragenden Winterreise mit FiDi und (off topic) mit der Gesamtaufnahme der Klavierwerke Schumanns.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zitat

    William B.A.: Hab' Dank für diesen sehr informativen Beitrag, lieber wok. Von den von
    dir Genannten habe ich auch etliche in meiner Sammlung, u. a. auch Jörg
    Demus mit der herausragenden Winterreise mit FiDi und (off topic) mit
    der Gesamtaufnahme der Klavierwerke Schumanns.

    Hallo Willi,


    Vielen Dank für Deine ergänzende Information zu meinem Beitrag! Es gibt also doch noch jemanden, der sich an JÖRG DEMUS erinnert und sogar Aufanhmen von ihm besitzt, und sich dessen Meriten bewußt ist. Übrigens hat dieser YVES NAT- und WALTER GIESEKING-Schüler neben SCHUMANN auch eine Gesamteinspielung der Werke DEBUSSYs vorgenommen. Von ihm gibt es auch ein Buch über "Die Klaviersonaten von LUDWIG VAN BEETHOVEN".


    Vielleicht hast Du ja auch Aufnahmen von ADRIAN AESCHBACHER und solltest Dir in diesem Fall wieder einmal seine wunderbare Interpretation der Moments Musicaux anhören!


    Viele Grüße, und noch einen schönen Sonntag!
    wok

  • Zitat wok

    Zitat

    Es gibt also doch noch jemanden, der sich an JÖRG DEMUS erinnert und sogar Aufanhmen von ihm besitzt, und sich dessen Meriten bewußt ist.


    Lieber wok, erst einmal erneut meinen herzlichen Dank für den schönen Beitrag. Ich glaube niemand, der Klaviermusik mag, wird Jörg Demus seine Meriten absprechen, als Liedbegleiter gehört er doch zu den besonders anerkannten. Ich kann zu seinem Schubert allerdings nicht viel sagen, sondern könnte mich nur in anderen threads zu ihm äußern (z. B. vierhändige Mozart-Sonate mit Badura Skoda). Aber ehe ich zu sehr OT gehe, würde ich noch auf einen Interpreten hinweisen, der in die hier begonnene Reihe gehört: Rudolf Serkin


    Aktuell kann man einen Eindruck etwa durch folgende Einspielungen erhalten:

    Ich habe den Schubert von Serkin als glasklar, transparent, aber dennoch tiefgründig, wenngleich nicht so abgründig wie die Brendel Interpretationen im Ohr, müßte aber noch einmal nachhören.


    Mit besten Sonntagsgrüßen
    JLang

  • Zitat

    ILang:Aktuell kann man einen Eindruck etwa durch folgende Einspielungen erhalten:

    Ich habe den Schubert von Serkin als glasklar, transparent, aber dennoch
    tiefgründig, wenngleich nicht so abgründig wie die Brendel
    Interpretationen im Ohr, müßte aber noch einmal nachhören.

    Hallo ILang,


    RUDOLF SERKIN zählt für mich zu den ganz großen Interpreten vor allem romantischer Klaviermusik. Es verwundert etwas, daß dieser Pianist vergleichsweise wenig bei Interpretationsvergleichen berücksichtigt wird. Seine besonderen bestechenden Attribute hast Du - auch im Hinblick auf seine SCHUBERT-Interpretation - schon sehr treffend beschrieben. Er spielt diese spannungsvoll und vibrierend, temperamentvoll, leidenschaftlich. Er war ja auch ein glänzender Kammermusiker, und berühmt wurde er nicht zuletzt durch sein Musizieren mit ADOLF BUSCH und PABLO CASALS.


    Am meisten begeistert mich RUDOLF SERKIN aber als Solist in dem Klavierkonzert Nr. 1 d-moll op. 15 von BRAHMS mit dem CLEVELAND ORCHESTRA unter GEORGE SZELL, und den Klavierkonzerten Nr. 1 und Nr. 2 von MENDELSSOHN-BARTHOLDY mit dem COLUMBIA SYMPONY ORCHESTRA unter EUGENE ORMANDY. Vor allem für das BRAHMS-kONZERT wüßte ich keine mitreißendere, beeindruckendere Aufnahme. Dies ist dann hier aber OT.


    Beste Grüße
    wok

  • Lieber wok,


    in den Beethoven-Klavierdsonaten-Threads wird Serkin, jedenfalls von mir, regelmäßig zu Vergleichen herangezogen. Dass er bei der Sonate Nr. 4 und Nr. 27 nichtt berücksichtigt wurde, liegt daran, dass mir davon keine Aufnahmen von ihm vorliegen. Bei den Sonaten Nr. 8, 13, 14, 21 und 26 jedenfalls wurde er besprochen (kannst du alles nachlesen). Serkin gehört ja zum berühmten Jahrgang 1903 (Arrau, Horowitz, Serkin). Bei der Sonate Nr. 1 ist er als Drittnächster dran. Aber bei Schubert muss ich ihn mir demnächst tatsächlich noch zulegen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich möchte hier einen Pianisten nennen, von dem ich vor vielen Jahren schon elogen im Fono Forum glesen ahbe, den ich dann aber wieder aus den Augen und Ohren verlor, warum auch immer, den ich aber dann wiedergefunden habe:
    Walter Klien, geb. am 27. November 1928 in Graz, gest. am 10. Februar 1991. Seinerzeit berichtete der Rezensent von Fono Forum, dass Klien in Kennerkreisen als einer der am höchsten geschätzten Schubert-Pianisten gelte, und nach alledem, was ich bisher gehört habe, ich habe sämtliche Schubert-Sonaten von ihm, braucht er sich vor seinem zeitweiligen Doppelpartner Alfred Brendel in keinster Weise zu verstecken. Während ich dies schreibe, höre ich gerade seine "Reliquie", ein Traum.
    Ich werde in Zukunft noch weiter über ihn berichten und möchte hier als musikalisches Beispiel diese Doppel-CD posten:



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heute möchte ich Alfred Brendel nennen, der sicherlich zu den führenden Schubert-pianisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und in den ersten 8 Jahren des 21. Jahrhunderts zählte. Als Ton- und Bildbeispiel und versehen mit wertvollen Werkeinführungen möchte ich diese Box mit 5 DVD's nennen:

    die neben den Sonaten D. 784, 840, 845, 850, 894, 958, 959 und 960 auch die "Wanderer"-Fantasie D.760, die Impromptus D.899 und D.935, die Moments musicaux D.780 und die Drei Klavierstücke D.946 enthält. Zu den ersten fünf Sonaten ahbe ich ja schon Hörberichte in den jeweiligen Threads veröffentlicht.


    Liebe Grüße


    Willi :)


    Ich sehe, dass ich Brendel schon weiter oben gepostet habe. Sorry.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich habe lange gesucht, ob ich in diesem Themenkreis Die historischen Flügel von den modernen getrennt haben wollte - offenbar wollte ich das aber nicht - zumindest habe ich keinen Hinweis darauf gefunden. Man kann natürlich Interpretationen am Historischen Hammerflügel nicht mit denen auf einem modernen Bösendorfer oder Steinway vergleiche - aber das ist ja hier sowieso nicht gefragt. Es sollen hier lediglich berühmte Interpreten von gestern vorgestellt werden, deran Aufnahmen Freude bereite - oder vielleicht gar zu Legenden wurden.
    Ich möchte an dieser Stelle an einen viel zu früh verstorbenen Künstler erinnern: Nikolaus Lahusen (1960-2005), der zwar nur wenig aufgenommen hat, auch nicht bei WIKIPEDIA erwähnt wird, aber zwei wunderbare Schubert CDs (für Celestial harmonics) mit Klaviersonaten und Tänzen auf einem historischen Hammerflügel von Conrad Graf (1835)eingespielt hat:


    Aus dem Beiheft zur Aufnahme der Schubert-Klaviersonate D 960 (Bremen 2001)

    Zitat

    "Die hier vorliegende Aufnahme hat eine sehr persönliche Ebene: 1998 erkrankte ich schwer, mußte meine Konzerte bis auf weiteres absagen, und begab mich für ein Jahr in die Hände von großartigen Ärzten. Die Nähe zum Tod, das Erleben von Extremsituationen, aber auch das Glück wieder weiter leben zu dürfen, sind Dimensionen, die mein Leben tief geprägt haben. Auch hier wurde das Klavier zu meinem versinke ich in eine tiefere, innere Welt, durchlebe alle Ebenen und tauche am Ende als gereinigter, erlöster und befreiter Mensch wieder auf."


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ich darf noch anmerken, dass Nikolaus Lahusen auch eine wunderbare Einspielung des Klavierkonzertes von Norbert Burgmüller realisiert hat. Jedoch zum Thema:


    Als Schubert - Interpretin möchte ich noch Alicia de Larrocha nennen; auch auf die Gefahr hin, mich dem Vorwurf der Einfallslosigkeit auszusetzen (ich habe sie bereits im Mozart - Thread nominiert) halte ich sie für eine sehr einfühlsame, wunderbar sensible Exegetin der Musik Schuberts. Diese Zusammenstellung ist beispielsweise sehr eindrucksvoll:



    Weitere Beispiele finden sich auf youtube, eines sei stellvertretend herausgegriffen:



    Nenneswerte Konzerte der Musik Schuberts umfassten, laut ihrer Homepage, u.a.:


    Schubert (1797-1828) Austria
    Impromptu in C minor, Op. 90, No. 1
    1989-Apr-02
    Avery Fisher Hall, New York


    Impromptu in Ab major, Op. 90, No. 4*


    Impromptu in Bb major, Op. 142, No. 3 (?)
    1989-Feb-25
    Barbican Centre, London, UK
    The program listed Impromptu in Bb major, but de Larrocha played Op. 90, Nos, 1 and 4 instead.
    Source and review: Guardian (1989-Frb-18)


    Musical Moments in F minor, Op. 94, No, 3*


    Musical Moments in Ab major, Op. 94, No. 6*


    Piano Sonata in A major, Op. 120, D. 664*
    1963-Oct-09: First Performance
    de Beyerd Kamermuziek, Breda, Netherlands
    Source: ADL: 09/10/63


    Piano Sonata in Bb major, D. 960*
    1974-Aug-05: First Public Performance
    Aspen Music Festival, Colorado, USA
    Source: ADL: 05/08/74


    Military March, D. 733 No. 1(piano four hands)
    1989-May-?
    Théâtre Antoine-Riboud, France
    Alicia de Larrocha, Maria João Pires (piano)
    Review: Le Monde, 1989-May-12 (French)


    Piano Quintet in A major, Op. 114, "The Trout"
    1948-Feb-02
    Palau de la Música, Barcelona
    Alicia de Larrocha (piano)
    Giovanni Bagarotti (violin)
    Jose Rodriguez (bass)
    Marçal Cervera (Cello)
    Barcelona String Quartet
    Source: ADL: 02/02/48


    Unknown Lieder, for voice and piano
    1985-Dec-17
    Palau de la Música, Barcelona
    Alicia de Larrocha (piano)
    Victoria de los Angeles (Soprano)
    Review: La Vanguardia (1985-Dec-19) (Spanish)


  • Ich möchte Emil Gilels auch hier vorstellen, der zwar nicht gar so viel von Schubert eingespielt hat, aber was er aufgenommen hat, war singulär, wie im Salzburger Live-Konzert von 1970 die a-moll-Sonate D.784 und die Moments musicaux D.780 sowie auf RCA die D-dur Sonate D.850.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Sagitt meint


    Wenn Lebende Pianisten von gestern sein können, darf keinesfalls Christian Zacharias fehlen, Gesamtaufnahme bei EMI.


    Bei einem gemeinsamen Hören mit dem russischen Pianisten Eugen Wangler waren wir beide der Auffassung(Blindversuch), Brendel habe immer das Nachsehen gegenüber Zacharias.


    Leider hatte dieser grosse Pianist in Deutschland kein Standing.

  • Lieber Hans,


    da bin ich doch etwas anderer Ansicht. Meines Erachtens ist Christian Zacharias durchaus ein Pianist von heute. Ich habe ihn schon verschiedentlich live erlebt in Deutschlnad, u. a. ist er 1997 zum 50jährigen Jubiläum des Kleinen Konzertrings Coesfeld in meinem Wohniort aufgetreten und hat zusammen mit Sir Roger Norrington und den Bamberger Symphonikern einen Beethovenabend gestaltet. Nach der Dritten Leonorenouvertüre gab Zacharias das dritte Klavierkonzert unter Sir Roger, der dann den Abend nach der Pause mit der dritten Symphonie Es-dur op. 55 "Eroica" abschloss.
    Dabei war der Jubel nicht nur bei den Orchesterstücken groß, sondern auch nach Zacharias' Vortrag.
    Neun Jahre später habe ich ihn dann live in Lübeck erlebt, wo er das Festival eröffnete zum Andenken an den 150. Todestag Robert Schumanns mit dessen Klavierkonzert.


    Christian Zacharias dürfte außerdem so ziemlich der einzige unter den Pianisten von heute sein, der alle Klavierkonzerte Mozarts zweimal eingespielt hat, einmal mit verschiedenen Dirigenten, u. a. Zinman, Wand und Marriner, und einmal mit seinem eigenen Schweizer Kammerorchester, ich meine, aus Lausanne. Seine Schubertaufnahmen habe ich natürlich auch.


    Christian Zacharias ist alles Mögliche, nur kein Pianist von gestern.


    Liebe Grüße


    Willi :D

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Sagitt meint:


    Ich hatte auch große Scheu, ihn dort einzuordnen.Nachdem ich feststellte, dass lebende Pianistem dort eingeordnet werden, habe ich halt auf seine alten EMI Aufnahmen hingewiesen.Wo immer man ihn einordnet,gestern oder heute,er hat einen großartigenSchubert gespielt. Das sollte nicht untergehen.


    Die EMI hat ihre klassichen Künstler nicht gerade gut promotet.Vielleicht ist er deswegen seinerzeit zu Dabringhaus und Grimm gegangen?

  • nachdrücklich möchte ich auf die schöne Aufnahme bei Tudor mit Gilbert Schuchter aus den 1970ern hinweisen, die oben von Th. Pape erwähnt wurde.



    Ich hatte beim Label angefragt und die Antwort bekommen, dass an eine Wiederveröffentlich gedacht sei. :jubel:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke