Meyerbeers Dinorah - Deutsche Oper Berlin

  • Giacomo Meyerbeer war der größte Komponistenstar des 19. Jahrhunderts. Heute ist er fast vergessen, auch sein 150. Todestag geht - im Gegensatz zum viel gespielten Richard Strauss - völlig unter. Nicht ganz so bei der Deutschen Oper Berlin. Da gab es jetzt Meyerbeers einzige komische Oper, "Dinorah oder Wallfahrt nach Ploërmel". Hauptprotagonist ist - eine Ziege! Ihr Glöckchen weist dem Publikum den Weg durch die Handlung. Apropos Handlung. Die gibt es eigentlich nicht, oder sie ist so banal wie ein Groschenroman. Die junge Dinorah ist dem Wahnsinn verfallen , nachdem sich ihre Hochzeit mit Hoël durch einen Gewittersturm auflöste und sie im Glauben, der Bräutigam habe sie verlassen, in Begleitung einer Ziege durch die Wälder irrt. Dabei ist Hoël auf der Suche nach einem verborgenen Schatz, der ihm und der Braut ein sorgenfreies Leben ermöglichen soll. Die Bergung des Schatzes ist allerdings an eine Bedingung geknüpft: Wer den Schatz als erster berührt, muss binnen eines Jahres sterben. Und so weiter und so fort. Diese krude "Handlung" verdeutlicht, dass das Werk szenisch kaum umsetzbar ist. Und so entschied sich die Deutsche Oper Berlin für eine konzertante Aufführung in der gut besuchten Berliner Philharmonie. Mit dabei das Orchester und Chor der Deutschen Oper Berlin unter Leitung von Enrique Mazzola.
    Die drei Stunden vergingen trotz Handlungsarmut wie im Fluge. Auch dank der herausragenden Leistungen aller Mitwirkenden. Dabei fand ich ganz überragend die Sängerin der Titelrolle, Patrizia Ciofi. Sie hatte ihren großen Auftritt im 2. Akt. Hier konnte sie sich in drei kontrastierenden, textlich und musikalisch eng aufeinander bezogenen Nummern beweisen: einer Romanze, gefolgt von einem virtuosen Rondo, der so genannten "Schattenarie", sowie einem exaltiert gestalteten Melodram. Ganz großartige Koloratur und minutenlanger Beifall mitten im Stück! Auch der Sänger des Hoël, Étienne Dupuis überzeugte mit seiner kernigen Bariton-Stimme. Daneben konnte sich auch der Darsteller des Dudelsackpfeifers, Philippe Talbot mit seinem strahlenden Tenor durchsetzen. Wie immer erwies sich auch der Chor als sehr zuverlässig und stimmsicher. Große Anerkennung gebietet dem Orchester der Deutschen Oper für sein klangschönes Spiel und dem Dirigenten Mazzola mit seiner akkuraten Zeichengebung und lebendigen Dirigierweise sowie dem Gespür für die Feinheiten der Partitur.
    Das war erst der Beginn für eine ganze Meyerbeer-Serie an der DOB: "Die Afrikanerin", Premiere am 4. Oktober 2015
    "Die Hugenotten", Premiere am 13. November 2016
    "Der Prophet" , Premiere in der Saison 2017/2018
    Ich bin gespannt darauf.
    Mit besten Grüßen
    :hello:
    Manfred

  • Lieber timmiju,


    danke für Deinen Bericht, der einen ersten guten Eindruck vermittelt.


    Wer die Aufführung im Radio verfolgen oder mitschneiden möchte, hat dazu heute Abend Gelegenheit. Deutschlandradio Kultur sendet die Aufzeichnung vom 1. Oktober 2014 von 19.05 bis 22.00 Uhr.



    Liebe Grüße


    Portator

  • Wer die Oper in Deutschland - Radio verfolgen möchte, findet eine ausführliche Inhaltsangabe in unserem Opernführer.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Liebe Taminos,


    wie ich heute erfuhr, wird die Dinorah in gleicher Besetzung in diesem Jahr für CPO aufgenommen! Da können wir uns auf eine schöne neue Aufnahme - nach den Ausführungen von timmiju - auf höchstem Niveau freuen!


    Herzliche Grüße
    Christian

  • Liebe Taminos,


    wie ich heute erfuhr, wird die Dinorah in gleicher Besetzung in diesem Jahr für CPO aufgenommen! Da können wir uns auf eine schöne neue Aufnahme - nach den Ausführungen von timmiju - auf höchstem Niveau freuen!


    Herzliche Grüße
    Christian

    Nein, die wird nicht in gleicher Besetzung neu aufgenommen, sondern der Radiomitschnitt, der ohnehin gemacht wurde, erscheint bei CPO. Und von "höchstem Niveau" kann im Falle der Hauptrollensängerin leider überhaupt keine Rede sein...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Achso, der Mitschnitt, dann habe ich das falsch verstanden! Wie auch immer - eine Aufnahme kommt - und bezüglich der Hauptrolle siehst Du am Beitrag von timmiju, das da die Meinungen wohl auseinander gehen (wie auch beim Propheten ;) ).


    Herzliche Grüße
    Christian

  • Um meine Meinung über Frau Ciofi als Dinorah zu untermauern:


    http://www.deutschlandradiokul…ml?dram:article_id=299260


    Außerdem ist mir nicht bewusst, dass wir beim Braunschweiger "Propheten" tatsächlich in ein und derselben Aufführung gewesen sein sollten. Ich gehe von unterschiedlichen Terminen aus, Christian!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Nein, die wird nicht in gleicher Besetzung neu aufgenommen, sondern der Radiomitschnitt, der ohnehin gemacht wurde, erscheint bei CPO. Und von "höchstem Niveau" kann im Falle der Hauptrollensängerin leider überhaupt keine Rede sein...

    Danke lieber Christian für deinen Hinweis. Ich werde mir diese Aufzeichnung besorgen. Zur "Hauptrollensängerin" ist übrigens in der guten "Tagesspiegel"-Rezension zu lesen: Und Patrizia Ciofi schwingt sich zur Begeisterung des Publikums immer wieder aus angenehm weicher Mittellage bruchlos in die höchsten Koloraturhöhen empor. Das Berliner Publikum ist weiß Gott opernerfahren und sensibel genug, dieser spontane Szenenbeifall war wohl nicht grundlos. Im übrigen: Lese ich drei Rezensionen, denkt man manchmal, man war in drei verschiedenen Veranstaltungen.
    :hello:

  • Und Patrizia Ciofi schwingt sich zur Begeisterung des Publikums immer wieder aus angenehm weicher Mittellage bruchlos in die höchsten Koloraturhöhen empor.

    Von"bruchlos" konnte leider gar keine Rede sein, und der Beifall nach der Arie ist quasi mitkomponiert. Dass sie sehr säuerlich begann und dann im 3. Akt massiv abbaute, an einigen Stelle die Stimme regelrecht versagte, wird man ja dann nachhören können...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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