Verblassender Ruhm von Interpreten - Vol 2 - Die Instrumentalsolisten

  • Wer einen Thread mit Vol 1 bezeichnet, der muß ihm irgendwann ein Vol 2 folgen lassen - notabene wenn im Eröffnungsbeitrag von Vol 1 eine "Trilogie" in Aussischt gestellt - oder angedroht - wurde.
    Seit der ersten Folge der geplanten Trilogie sind immerhin fast 5 Jahre verstrichen . Also Zeit sich mit dem Gedanken an einen zweiten Teil zu befassen. Dieser 2. Teil ist - der Titel sagt es schon - den Instrumentalsolisten gewidmet.


    Viele große Künstler der Vergangenheit sind heute nur mehr namentlich bekannt - man verbindet kaum mehr ein Konzert oder eine Aufnahme mit ihnen . Das gilt natürlich nicht für alle Musikfreunde - aber im allgemeinen ist es so. Man darf sich nicht täuschen lassen, wenn zahlreiche große Namen aus der Vergangenheit noch heut in den Katalogen zu finden sind - zahlreiche andere sind es nicht. Dazu kommen noch eine ganz Menge an Interpreten die durch Exklusivvertrag an ein Label gebunden waren - und nach Auflösung das Labels nicht nur ihr Stammlabel verloren haben, sondern auch sehr oft alle von ihnen bisher verfügbaren Einspielungen (auch wenn in letzter Zeit einige Wiederverwertungslabel hier das Schlimmste abfedern)


    Denken wir in diesem Thread darüber nach, wen wir in den letzten Jahren aller aus den Aufgen verloren haben - und aus welchen Gründen....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    siehe auch:
    Verblassender Ruhm von Interpreten - Vol 1 - Die Dirigenten

  • Interessant, daß der gleichartige Thread über Dirigenten relativ stark frequentiert ist, und dieser hier gar nicht. Also mache ich mal den Anfang.

    Der Salzburger PianistGilbert SCHUCHTER (1919-1989) absolvierte seine Ausbildung in Sachen Klavier am Salzburger Mozarteum und an der Musikhochschule Berlin. Durch Auftritte mit Furtwängler und den Berliner Philharmonikern wurde er schnell bekannt und trat in Folge europaweit mit führenden Orchestern und berühmten Dirigenten auf. Nebstbei war er auch als Dirigent tätig (Schüler von Clemens Krauss) In späteren Jahren lehrte er am Mozarteum in Salzburg. Berühmt wurde er durch seine Interpretationen von Werken Mozarts und Schuberts. Die Klaviersonaten von Mozart (TUDOR) sind noch als Komplettkassette erhältlich, jene von Schubert (Schuchter war der erste, der alle Klavierwerke Schuberts komplett für die Schallplatte einspielte) indes nicht. In Salzburg erinnert noch die nach ihm benannte Schuchterstiege an ihn, Wikipedia negiert ihn, ditto das Österreich-Lexikon, welches statt dessen zahlreiche unbedeutende Wirtschaftsbosse auflistet......

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Zitat

    Alfred Schmidt: Schuchter war der erste, der alle Klavierwerke Schuberts komplett für die Schallplatte einspielte

    Es ist zwar richtig, daß GILBERT SCHUCHTER Ende der 1960er Jahre fast gleichzeitig mit PAUL BADURA-SKODA und NOEL LEE die Gesamteinspielung der Klaviersonaten SCHUBERTs vornahm, doch hatte meines Wissens schon zuvor FRIEDRICH WÜHRER die erste Gesamtaufnahme auf LP realisiert. Wie WÜHRER war auch SCHUCHTER ein hervorragender SCHUBERT-Interpret. Für beide war die für SCHUBERT so wichtige Verinnerlichung des Spiels seiner Sonaten - bar jeglichem Selbstdarstellungsstreben - ein Ausdrucksmittel, das sich in den so verschieden angelegten Sonaten offenbarte, wobei sich beide auch noch durch absolute Partiturtreue auszeichneten. Es ist in der Tat kaum zu verstehen, daß diese beiden Pianisten heute nur noch so wenig Beachtung finden, wobei FRIEDRICH WÜHRER ja auch noch ein hoch angesehener Interpret der Werke BEETHOVENs, SCHUMANNs und BRAHMS war. Bei GILBERT SCHUCHTER war es vor allem auch seine MOZART-Gesamteinspielung, mit der er sich besonders auszeichnete.
    wok

  • VOX LPs waren in den USA weit verbreitet (und sehr preiswert), anscheinend weniger in Deutschland/Europa. Wührers (teils mono) Schubert wurde bei diesem Label in den 1970ern durch die Stereo-Aufnahme von Walter Klien (1928-91) "ersetzt" und während Kliens Schubert und Mozart als "VoxBox" CDs erhältlich sind, scheint das auf Wührers Einspielungen nicht zuzutreffen. Klien hat überdies (fast?) das gesamte Brahms-Klavierwerk eingespielt, ist aber ebenfalls heute kaum bekannt, während besonders seine Mozart-Aufnahmen in den USA noch immer als "Standardempfehlung" gelten.


    Bei Schuberts Sonaten ist sicher ein Faktor, dass es seit den 1960ern klanglich und interpretatorisch hochklassige Aufnahmen gegeben hat, wie zB Kempffs, Lupus und Brendels und später auch noch andere, die mit der vollen Marketingmacht der Major Labels beworben und vertrieben werden. Und an den frühen Sonaten und Fragmenten, die in den vollständigeren GA von Schuchter u.a. enthalten sind, dürften die meisten Hörer kein allzu großes Interesse haben.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ein weiterer "Fall" ist Ingrid Haebler. Einst war sie das Flaggschiff in Sachen Klavier für Philips, wenn es um Wiener Klassik und Vorklassik ging. Sie beherrscht sowohl den modernen Flügel, als auch die historischen Tasteninstrumente, nahm vorzugsweise Mozart und Schubert, aber auch Johann Christian Bach auf. Sie musizierte auch mit hochkarätigen Partnern, wie Henryk Szeryng und Arthur Grumiaux etc....

    Die berühmte Aufnahme mit den Violinsonaten von Mozart sind immer noch im Programmm.
    Und - Welch eine freudige Überraschung: Seit Oktober 2013 gibt es eine Neuaflage ihrer Einspielung der Schubert-Klaviersonaten auf 7 CDs (aufgenommen zwischen 1956 und 1959)

    Der Widerspruch, daß einiges doch noch lieferbar ist und ich sie bei den Pianisten erwähne, deren Ruhm doch schon verblasst ist, ist nur ein scheinbarer. Man begebe sich in einen beliebigen Konzertsaal und frage in der Pause als Reporter getarnt, wem der Name Ingrid Haebler noch geläufig ist- Das Ergebnis könnte deprimierend sein......


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Ich kann, nien ich will diese Aussage von Alfred Schmidt einfach nicht glauben! Mag natürlich sein, daß viele Konzertbesucher damit zufrieden sind, wenn sie Werke, die sie mögen, auf gutem bis hohem Niveau von bekannten aktuellen Pianisten dargeboten bekommen, sich im Grunde aber nicht spezifisch für einzelne Interpreten interessieren, und noch weniger ernsthaft Vergleiche mit anderen Pianisten anstellen. Wer sich aber etwas intensiver mit Klaviermusik und deren Interpreten befaßt, dem muß einfach zumindest der Name INGRID HAEBLER geläufig sein. Es wäre wirklich bedauerlich für jeden Liebhaber von Klaviermusik, wenn dieser z. B. die SCHUBERT-Impromptus op. 90 und op. 142 in der einzigartigen Interpretation durch diese Pianistin noch nicht gehört hätte! Die 4 Impromptus op. 142 haben gewiß auch JÖRG DEMUS und ALRED BRENDEL ähnlich bezaubernd interpretiert, doch muß man diese einfach auch von INGRID HAEBLER gehört haben, die ein deutlich schnelleres Tempo anschlägt als DEMUS und vor allem BRENDEL Und für ihr MOZART-Spiel wurde sie ohnehin weltberühmt - selbst die Einspielung der frühen MOZART-Klavierkonzerte KV 37, 39, 40 und 41 auf dem Hammerklavier mit der CAPELLA ACADEMICA WIEN unter EDUARD MELKUS sind für Liebhaber von MOZART's Klaviermusik heute noch unverzichtbar.


    youtube.com/watch?v=nufqUVvqtyE
    youtube.com/watch?v=CJEDYkeJeH4
    youtube.com/watch?v=CJEDYkeJeH4
    youtube.com/watch?v=CJEDYkeJeH4
    youtube.com/watch?v=MbMhWVti1ts
    youtube.com/watch?v=UDEbwozv3JE


    Ich kenne viele Musikfreunde, denen der Name INGRID HAEBLER auf jeden Fall noch ein Begriff ist.


    wok

  • Zitat

    Dr. Holger Kaletha: Die Impromptus von Ingrid Haebler sind wirklich sehr, sehr schön, lieber
    Wok. Da reicht mir schon das kurze Reinhören. Die hätte ich gerne auf
    CD! :)

    Hallo Dr. Kaletha,


    Dieses Urteil freut mich nun ganz besonders von so einem großen Kenner der Klaviermusik!!


    Leider wurde das Impromptu op. 90 Nr. 3 gleich 3 x übertragen. Vermutlich, weil es so schön ist!! :)
    Dafür nun noch als Zugabe die Impromptus op. 142 Nr. 1 und 2!


    Viele Grüße
    wok



    youtube.com/watch?v=mhbn6VhFsx0&list=PLiIYbgwYc9F9LamGucCC-nG8PndVFJTsx

  • Zitat

    Alfred Schmidt: Man begebe sich in einen beliebigen Konzertsaal und frage in der Pause, als Reporter getarnt, wem der Name Ingrid Haebler noch geläufig ist. Das Ergebnis könnte deprimierend sein....


    Zitat

    wok: Ich kann, nein ich will diese Aussage von Alfred Schmidt einfach nicht glauben


    Das kannst du ruhig glauben, lieber wok. Ich bin jetzt seit 5 Jahren im Ruhestand, aber vorher habe ich während meiner 42 Dienstjahre als Lehrer das kontinuierliche Absinken der Leistungsfähigkeit und Intelligenz der gesamten Schülerschaft festgestellt, zusammen mit vielen, vielen KollegInnen, und vielen , jahrzehntelangen Bemühungen der Schule, an der Entwicklung etwas zu ändern, haben nichts gefruchtet, weil der Fehler einerseits im System liegt, d. h. das Bildungssystem durch die Politik und die von ihr abhängige Schulverwaltung zu Tode geritten wird, z. B. durch eine vollkommen unausgegorene Mengenlehre im Fach Mathematik, durch die Abschaffung der Rechtschreibnote und die Abschaffung der Prüfungsdiktate, dann durch die Aufweichung der Versetzungsordnung und die Absicht, das "Sitzenbleiben abzuschaffen (durch Anpassung der Leistungsnoten), (inwieweit das mittlerweile geschehen ist, kann ich nicht sagen). Andererseits ist durch die Globalisierung und den Leistungsdruck im Arbeitsleben und dadurch in der Familie, durch die immerwährende Jagd nach dem Geld und durch die mittlerweile allumfassende Medialisierung seit mehreren Generationen eine Degenrierung der gesamten Menschheit im Gange.
    Im Bezug auf unsere Konzertgänger heißt das also, dass sie, jedenfalls die unter 50jährigen, eigentlich gar nicht mehr wissen können, wer Ingrid Haebler war oder Hans Richter-Haaser oder Yuri Boukoff oder Dame Myra Hess oder oder. Und in Bezug auf die unter 50jährigen Reporter verhät es sich ganz genauso.
    Ich habe fast in meinem ganzen Berufsleben Musikunterricht erteilt, obwohl ich kein Instrument spielen kann und kein Musikstudium absolvieren konnte (weil in den 60er Jahren das Spielen eines Musiknstrumentes dafür Voraussetzung war) und weil ich in meinen beruflichen Anfängen meinem Rektor verraten hatte, dass Musik mein Hobby sei. Ich konnte also meinen Unterricht auf Notenlehre, Instrumentenkunde und Werkwissen stützen, weil ich gute Musiklehrer gehabt hatte. Ich rechne es mir heute noch trotz meiner fehlenden musikpraktsichen Voraussetzungen als ein hohes Verdienst meiner Bemühungen an, dass ca. 20 Jahre nach Beginn meiner beruflichen Tätigkeit eine Mutter beim Elternsprechtag zu mir sagte, sie dächte immer noch mit Dankbarkeit daran zurück, dass sie und ihre Klassenkameraden in meinem Musikunterricht die Oper "Die Zauberflöte" und ihren Komponisten kennengelernt hätten. Als sie dies sagte, war ich sehr gerührt.
    Aber das sind Ringeltauben.
    Wenn ich nur daran denke, welche Anstrengungen auf allen Ebenen unternommen wurden, um Statistiken zu verbessern (schönen), wird mir heute noch schlecht.
    Aber weil ich Ingrid Haebler nicht vergessen will, habe ich mir heut diese Box bestellt. Ich finde ihr Schubertspiel unglaublich.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Haebler: bloßer Name, außer in Wien und Japan.
    In 25 Jahren habe ich, außer den Mozart-Violinsonaten, nie eine Aufnahme mit ihr irgendwo gesehen und der Name ist mir vermutlich zum ersten Male positiv hier im Forum begegnet.
    Ich glaube nicht, dass das damit zusammhängt, dass ich 1978-79 mit bunten Plastikplättchen Mengenlehre gelernt habe... Sondern vielleicht eher daran, dass sich die Philips-Marketingabteilung (nachvollziehbarerweise) auf Brendel statt auf Haebler konzentriert hat. Oder dass man nur mit Mozart naheliegenderweise ein Nischeninterpret bleiben wird.


    (NB Die Idee, mit der Mengenlehre zu beginnen, war unausgegoren. Aber die Tatsache, dass das als "linke" Idee, die die Kinder vom Rechnenlernen abhalten würde, gedeutet wurde, zeugt von Ignoranz und Borniertheit. M.E. hat die Mengenlehre nichts geschadet, aber wohl auch nicht viel genutzt. Letzteres kann aber auch einfach daran liegen, dass die abstraktere Art zu denken, die durch die Mengenlehre wohl befördert werden sollte, sich bei Erstklässlern noch nicht so recht festigen lässt, zumal wenn nach einem halben Jahr Mengenlehre auf Jahre hin wieder bloß gerechnet wird.)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
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    (Bob Dylan)


  • Frau Haebler wurde in diese Anthologie aufgenommen, was schon eine gewisse Bedeutung anzeigt. Nichtdestotrotz ist sie in meiner Plattensammlung nur mit wenigen Beispielen (Haydn, Schubert) vertreten und zwar in der Abteilung, wo die Aufnahmen nach Komponisten sortiert sind und nicht nach Pianisten. Ihr begrenztes Repertoire (im wesentlichen Mozart und Schubert) haben sicher dazu beigetragen, dass sie vielen nicht mehr geläufig ist. Dafür braucht es dann doch auch Bach, Beethoven, Schumann, Chopin und Liszt und vor allem die großen Konzerte (Beethoven, Brahms, Chopin, Tschaikovsky...). Vielleicht hat sie die ja im Konzert gespielt, aber eben nicht auf Platte.

  • Google mal in der internationalen Diskussionsgruppe nach der Häme, die sich der Herausgeber dafür eingefangen hat, Haebler in diese Reihe aufzunehmen. Klar, der stammte ja auch von Philips. Beim Label selbst wurde sie meinem Eindruck nach aber schon in den späten 1980ern durch Brendel, Arrau und Uchida "verdrängt".


    So etwas ist doch auch normal und nachvollziehbar. Es gibt zu jedem Zeitpunkt hunderte von sehr guten Pianisten.

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  • Hier der Gramophone Review, der Deine Vermutung bestätigt.


    As with one or two previous issues in this series, greatness is, to say the least, debatable here. Ingrid Haebler won her spurs as a fastidious exponent of the Viennese classical repertory, and during the 1960s was very much the Philips ‘house’ Mozart pianist, recording the complete piano concertos and most of the solo piano works. She was always admired for the grace and shapeliness of her phrasing, her pellucid cantabile touch and her crystalline articulation, all of which can be heard in the Mozart items on these discs. But her limitations are equally evident, above all in the Concerto, K456. By comparison with the likes of Schiff, Perahia and Brendel, Haebler’s is a small-scale, self-effacing reading, elegant and carefully proportioned but short on colour, drama and a sense of spontaneous discovery. In the G minorAndante the deliberate tempo and the frequent lingeringritardandos have a slightly enervating effect, while the 6/8 finale, for all the neatness of Haebler’s passagework, is a very muted affair, with barely a hint of roguishness or, in the central B minor episode, passion. Under Sir Colin Davis a slimmish-sounding LSO provides nicely pointed accompaniments, though Davis must take some of the responsibility for the faint air of lethargy in theAndante.
    The Sonata, K576, receives a similar performance – lucid, refined, invariably pleasing on the ear (nothing Haebler does is ever harsh or graceless), but ultimately rather lightweight: the sinewy contrapuntal writing of the outer movements, in particular, is too soft-grained, with Haebler reluctant to give the left hand its due and to sustain a true forte for more than a bar or two. Neither of the Haydn items offers much more than good taste: the Hungarian rondo of the D major Concerto is delicate and decorous to a fault, with barely a whiff of the puszta; and the F minor Variations, criminally shorn of repeats, is brisk and rhythmically inflexible, leaving me – in this, of all Haydn’s works – quite uninvolved.
    In the Bach Sixth French Suite, Haebler’s fine-drawn cantabile line and clarity of articulation give pleasure, though she can slightly prettify the music (the Minuet, with its exquisitely tapered phrase endings, and the Gavotte suffer most here), while her tendency to subdue the left hand sometimes compromises the music’s polyphonic strength. I enjoyed the Schumann Kinderszenen with fewer reservations. Other pianists may have brought more fantasy and tonal variety to these miniatures, but Haebler’s simplicity, delicacy and sensitive balancing of texture are certainly appealing. As for the Schubert A minor Sonata, Haebler identifies closely with the music’s pathos and inwardness, though she underestimates the elements of terror in the first movement (taming, for instance, those cataclysmic fortissimo chords) and of eerie disquiet in the finale, here taken gently, almost assuagingly.
    Other listeners may respond to these thoughtful, modest performances with more consistent enthusiasm than I did. Certainly, the finish of Haebler’s pianism is, within its well-regulated limits, not in doubt. But could anyone – except the writer of the pretentious booklet-note, who evidently ranks Haebler alongside Glenn Gould – seriously claim that she is one of the century’s great pianists? Sound quality is acceptable to good, though the earliest item, the SchumannKinderszenen, suffers from occasional distortion, and the strings in the Haydn D major Concerto have a distinctly scrawny edge.

  • Auch ich finde es eher befremdlich Ingrid Haebler mit Glenn Gould vergleichen zu wollen.
    Und ich würde keine Sekunde zögern ihr den Vorzug vor jenem "Mozartkiller" zu geben, dessen überzogenen Ruhm ich allenfalls als "befremdlich" kommentieren möchte. In aller Höflichkeit natürlich, weil ich auf jene im Forum Rücksicht nehmen will, die Gould - aus welchen Gründen immer - als ernsthaften Pianisten schätzen. So gesehen wundert mich der kometenhafte Aufstieg gewisser Virtuosen aus dem fernen Asien überhaupt nicht mehr. Die Amerikaner benehmen sich stets so als wären sie der Nabel der Welt. In Sachen klassischer Musik indes - irren sie sich.
    Ingrid Haebler war in Wien - und auch wenn dies eitel erscheinen mag - dem wirklichen Nabel der "klassischen Welt der Musik"
    weit geschätzter als G.G, der hier durchwegs als skuriller Aussenseiter wahrgenommen wurde, von denen es ja doch einige gab.
    Ich habe nie ganz verstanden, warum man zu Brendel wechselte (den ich übrigens auch sehr schätze),und ich werde sogleich erklären, wie ich das meine.

    Zitat

    Sondern vielleicht eher daran, dass sich die Philips-Marketingabteilung (nachvollziehbarerweise) auf Brendel statt auf Haebler konzentriert hat.


    Ich verstehe das Wort "nachvollziehbarerweise" eigentlich nicht.
    Denn es war eigentlich NICHT nachvollziehbar. Alfred Brendel hat ja schon einige Jahre für VOX-Turnabout Aufnahmen gemacht - ohne daß jemand wirklich Notiz davon genommen hätte. Auch Joachim Kaiser schreibt in seinem berühmten Buch, daß ihn die positive Entwicklung Brendels äusserst überrascht habe:
    "Wer begann je zweitklassig und wurde erstklassig ? Manchmal kommt es vor. Alfred Brendels Karierre ist ein Beispiel dafür"
    Nun, ich habe nicht die Absicht diese Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, ich wollte nur darauf hinweisen, daß die Ablöse nicht so selbstverständlich war wie hier geschrieben wurde. Ich nehem an, es ging hier um Abwechslung und Vielfalt, man wollte einfach einen weiteren Künstler im Programm haben, nachdem Ingrid Haebler bereit alles eingespielt hatte was mit ihrem Ruf in Verbindung stand. Da das aber kein Haebler Thread ist will ich nicht weiter ins Detail gehen. Es ist zu hoffen, daß in Zukunft weitere Aufnahmen aus den Archiven wieder zugänglich gemacht werden.


    Zitat

    Oder dass man nur mit Mozart naheliegenderweise ein Nischeninterpret bleiben wird.


    Sie spielte ja auch Schubert, Johann Sebastian Bach, Johann Christian Bach, Chopin und Schumann.


    Frau Haebler könnte uns sicher mehr dazu sagen, so sie nur wollte....


    Was haben wir mit siesen Beiträgen erreicht ? Vielleicht nichts, vielleicht aber haben wir bei der jüngeren Generation Neugier geweckt (an das glaube ich ehrlich gesagt nicht) oder aber bei den "reiferen" Erinnerungen aufgefrischt, die dazu führen, daß man wieder die eine oder andere Aufnahme von dereinst hervorholt und sie abholt, ober vielleicht sogar die Sammlung durch die eine oder andere CD bzw Box ergänzt - solange es noch die Möglichkeit dazu gibt....


    mit freundlichen Grüßen
    Alfred Schmidt
    Tamino Klassikforum Wien

  • Ich erinnere mich an meine Jugend, wo es in meinem Elternhaus Philips-Aufnahmen der Mozart-Konzerte mit Ingrid Haebler gab. Mein Vater sprach damals immer mit sehr großer Wertschätzung von ihr. Mein Klavierlehrer dagegen mochte sie nicht so. Natürlich, so ein Plattenvertrag steigert die Bekanntheit, macht einen Interpreten zu einer festen Größe. Die im nachhinein zu bewerten ist allerdings schwierig. Nicht immer ist die Nachwelt "gerecht". Im Falle Ingrid Haebler brauchte es eine Gesamtausgabe ihrer Aufnahmen, um ihre Bedeutung neu einzuschätzen. Da sich diese im Moment gut verkaufen, sollte das doch machbar sein für die Konzerne.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Zum Thema des Forums fällt mir mit einer besonders deutlichen Diskrepanz des einstmaligen Ruhms zur aktuell breiten Unbekanntheit der große Pianist Josef Hofmann ein. Nach seinem Debut mit 10 und einer ausgedehnten US-Tournee galt der in Polen geborene Hofmann als Wunderkind von Rang. Eine großzügige Spende des Mäzens Edward Clark verhinderte, dass Hofmann mit diesem Ruf "verheizt" wurde. Statt dessen eine hervorragende, kontinuierliche Ausbildung bei Moritz Moszkowski in Berlin, Anton Rubinstein und Eugen d’Albert, die ihm im Gegensatz zu anderen Wunderkindern (wie Menuhin) im entscheidenden Alter die Vervollkommnung der Technik und Entwicklung seines künstlerischen Potentials ermöglichte.


    Hofmann galt als einer der berühmtesten Pianisten seiner Zeit und ist aus meiner Sicht mit Rachmaninoff einer der besten Chopin-Interpreten des 20. Jahrhunderts und insbesondere der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Seine stupende Technik und seinen makellosen Anschlag kann man von seinen zwischen 1903 und seinem Carnegie-Hall-Konzert 1946 entstandenen akustischen Aufnahmen teilweise nur erahnen. Glücklicherweise gibt es einige Welte-Mignon-Aufnahmen ausgewählter Werke, die zwischen 1912 und 1923 auf der Höhe seines Könnens entstanden sind und sämtliche Vorzüge seines eminenten -kraftvoll-nuancierten- Spiels deutlich werden lassen. Diese Klavierrollen bzw. deren Wiedergabe auf dem Welte-Flügel wurden in den 1960ern vom Everest-Label in hervorragender Klangqualität aufgenommen und auf 5 (?) LPs (teilweise eigener Werke) vorgelegt, aus denen die Aufnahme von Chopins b-moll-Sonate herausragt.


    Nach einem schleichenden Niedergang seiner technischen Fähigkeiten in den 40ern und fortschreitendem Alkoholismus verabschiedete sich Hofmann 1946 mit seinem Carnegie-Hall-Concert aus dem öffentlichen Musikleben, zu dem ihm die bedeutendsten Pianisten seiner Zeit die Ehre erwiesen. Dieses Konzert wurde auf Schallplatte bei CBS veöffentlicht, ist aber wie der größte Teil der Klavierrollen-Aufnahmen derzeit nicht verfügbar.


    Ich bin sicher, dass Hofmann vielen von euch bekannt ist. Aber bereits in den letzten 50 Jahren war Hofmann stets ein Pianist für Kenner, der seinen Ruhm und breite Bekanntheit schnell einbüßte.

  • Zitat

    (Johannes Roehl: NB Die Idee, mit der Mengenlehre zu beginnen, war unausgegoren. Aber die Tatsache, dass das als "linke" Idee, die die Kinder vom Rechnenlernen abhalten würde, gedeutet wurde, zeugt von Ignoranz und Borniertheit. M.E. hat die Mengenlehre nichts geschadet, aber wohl auch nicht viel genutzt. Letzteres kann aber auch einfach daran liegen, dass die abstraktere Art zu denken, die durch die Mengenlehre wohl befördert werden sollte, sich bei Erstklässlern noch nicht so recht festigen lässt, zumal wenn nach einem halben Jahr Mengenlehre auf Jahre hin wieder bloß gerechnet wird.)


    Lieber Johannes, das habe ich mit unausgegoren auch nicht gemeint, sondern die Meinung der Schulbehörden, nun plötzlich in allen Schulformen die Mengenlehrer einzuführen, d. h. von jetzt auf gleich das gegenständliche, relaitätsbezogene Rechnen, speziell z. B. in der Schlusssrechnung (Dreisatz) auch in der Hauptschule einzuführen, hielt nicht nur ich als "angelernter" Mathelehrer für realitätsfremd, sondern auch alle meine "studierten" Kollegen.
    Davon abgesehen, dass kaum ein Hauptschüler den Begriff "Menge" definieren konnte, standen die Ärmsten bei den Begriffen "Teilmenge", "Schnittmenge" oder "Gesamtmenge" voll auf dem Schlauch.


    Wenn ich noch daran denke, lieber Johannes, werde ich nach Beendigung unseres Beethoven-Sonatenprojektes (in 3 Jahren?) das Zahlenwerk nach der Mengenlehre hier im Forum vorstellen.


    Liebe Grüße


    Willi :D

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Diese Klavierrollen bzw. deren Wiedergabe auf dem Welte-Flügel wurden in den 1960ern vom Everest-Label in hervorragender Klangqualität aufgenommen und auf 5 (?) LPs (teilweise eigener Werke) vorgelegt, aus denen die Aufnahme von Chopins b-moll-Sonate herausragt.

    Josef Hofmann ist einer der Großen, ohne Frage, lieber Ottavio. Und sehr interessant fand ich, dass Markus Schirmer (wenn ich mich recht erinnere) ihn hier bei Tamino als einen seiner Vorbilder nennt. Er hatte auch als Lehrer Einfluß - einer seiner berühmtesten Schüler ist Shura Sherkassky, der von ihm das spontane, lebendige, dem Moment verhaftete Spiel sozusagen "erbte". Die Aufnahmen, die ich von ihm habe, bezeugen, dass er ein fabelhafter Pianist war. Die "Mondscheinsonate" z.B. ist toll. Von Chopins Sonate b-moll gibt es leider nur eine Welte-Mignon-Aufnahme der beiden letzten Sätze (Trauermarsch und Finale). Schade! (Siehe meinen speziellen Thread dazu! :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ich habe jetzt - auf der Suche nach ehemaligen Berühmtheiten, deren Glanz ein wenig verblasst ist - ein wenig im Internet gestöbert. Dabei ist mir aufgefallen, daß viele Pianisten auch lange nach ihrem Tod in Erinnerung geblieben sind - Backhaus - Kempff - Gieseking - Schnabel - und oft sogar als Referenz genannt werden, wogegen es bei den Geigern nicht so rosig aussieht. Wolfgang Schneiderhan, Christian Ferras, Henry Szering wird man ja noch vereinzelt kennen, aber wie sieht das mit Carl Flesch und Georg Kulenkampff aus? Weitere Namen können genannt werden. Ja ich weiß - es gibt einige Cds - auch heute noch. Wer aber kauft sie noch, angesichts der vielen Geigerinnen der letzten Jahre... ?


    mfg aus Wien
    Alfred

  • offtopic: Die Betonung der Mengenlehre bestand doch nur knapp 10 Jahre, oder so? Ich meine, dass ich einer der ersten war, die damit in der ersten Klasse gestartet sind und es bei meinen jüngeren Geschwistern schon nicht mehr gelehrt wurde. (Tatsächlich ist es inzwischen so, dass man bei den jetzt 20+xjährigen anscheinend nicht voraussetzen kann, dass sie in ihrer GESAMTEN Schulzeit je etwas von Mengenlehre gehört (oder gar behalten) haben und dass finde ich für Abiturienten ein ziemliches Armutszeugnis, egal ob es den Schülern oder dem Lehrplan ein solches ausstellt.) Der tiefere Sinn hinter der frühen Heranführung an die Mengenlehre dürfte doch wohl gewesen sein, dass man in den 50er/60ern anscheinend gemerkt hat, dass Studenten große Schwierigkeiten damit hatten, die Mengenlehre aber eben als Basis moderner Mathematik fungierte.


    Zu Haebler: Wie gesagt, kenne ich keine einzige ihrer Aufnahmen. Kaiser ist in seinem Pianistenbuch auch eher wohlwollend-reserviert; es gibt nur einen kurzen Abschnitt bei "Geza Anda und andere Mozart-Interpreten" mit einem eher durchwachsenen Kommentar zu einigen Mozart-Konzerten.


    Für mich ist schon nachvollziehbar, dass man leichter in Vergessenheit gerät, wenn man in einem eher eng begrenzten Repertoire tätig ist. Auch wenn deren Aufnahmen noch erhältlich sein mögen, gilt das sogar für Chopin-Spezialisten wie Harasiewicz und Stefan Askenase.

    Struck by the sounds before the sun,
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die Betonung der Mengenlehre bestand doch nur knapp 10 Jahre, oder so? Ich meine, dass ich einer der ersten war, die damit in der ersten Klasse gestartet sind und es bei meinen jüngeren Geschwistern schon nicht mehr gelehrt wurde.

    Bei mir war es auch so, lieber Johannes. Bei uns wurde das als großer Fortschritt verkauft damals. Ich fand diesen Mengenlehre-Unterricht aus meiner Schüler-Perspektive einfach trivial - viel Hokospokus um wenig Inhalt - und totlangweilig. (Vielleicht wird mich jetzt mein Sohn, der Mathematiker ist, erschlagen!) :D


    Schöne Grüße
    Holger

  • Von Chopins Sonate b-moll gibt es leider nur eine Welte-Mignon-Aufnahme der beiden letzten Sätze (Trauermarsch und Finale). Schade! (Siehe meinen speziellen Thread dazu!

    Lieber Holger,


    als LP gibt es glücklicherweise die ganze b-moll-Sonate; Everest hat die Klavierrollen bzw. deren Wiedergabe auf dem Welte-Flügel in den frühen 1960ern sehr ordentlicher Stereo-Qualität aufgenommen und die folgende LP mit der b-moll-Sonate 1965 veröffentlicht:



    Leider scheint sie tatsächlich und unverständlicherweise -im Gegensatz zu manch grenzwertiger akustischer Aufnahme- nicht auf CD vorzuliegen. :(


    Beste Grüße
    Ottavio

  • Hofmann galt als einer der berühmtesten Pianisten seiner Zeit und ist aus meiner Sicht mit Rachmaninoff einer der besten Chopin-Interpreten des 20. Jahrhunderts und insbesondere der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

    Wirklich? Ich konnte mit beiden nicht so recht warm werden. Mit Hofmann schon eher. Vielleicht suche ich bei den Chopin Interpreten aber auch immer ein bisschen nach Chopin's Spielweise bzw. dessen Ausdruck (von dem was Zeitzeugen übermittelt haben). Da passen die beiden für mich nicht so recht, aber jeder hat ja andere Kriterien nach denen er beurteilt.

  • als LP gibt es glücklicherweise die ganze b-moll-Sonate; Everest hat die Klavierrollen bzw. deren Wiedergabe auf dem Welte-Flügel in den frühen 1960ern sehr ordentlicher Stereo-Qualität aufgenommen und die folgende LP mit der b-moll-Sonate 1965 veröffentlicht:


    Das ist ja toll, lieber Ottavio! Du hast also die Platte? (Die Sonate hat 4 Sätze, dort stehen nur drei auf dem Cover, vielleicht sind unter Nr. 3 der Trauermarsch und das Presto zusammengefaßt.) Ich habe leider keinen Plattenspieler, daher meine direkte und unverschämte Frage: Könntest Du mir die Aufnahme eventuell digital überspielen und mir dann eine Kopie zukommen lassen für mein Chopin-Projekt eines großen historischen Vergleichs der Aufnahmen? :)


    Schöne Grüße
    Holger

  • Lieber Holger,


    mit deiner Vermutung hast du Recht. Die beiden letzten Sätze sind in der Satzbezeichnung auf der Hülle zusammengefasst aber vollständig, was die Gesamtzeit von über 23min erahnen lässt. Ich habe die LP leider auch nicht sondern mir vor einigen Jahren von der LP eines Freundes überspielt. Leider kann ich die MD gerade nicht finden. Aber bei ebay.com gibt's die LP (Everest X-904) derzeit mehrfach für unter 12 $ Sofort-Kauf zzgl. der Versandkosten aus den USA. Sie ist leider nur bei uns recht selten und entsprechend schwer zu finden. Ich sammle seit Jahren auch jede Hofmann-LP, die mir begegnet, aber ausgerechnet diese LP ist mir noch nicht beim Händler begegnet und ich habe die Bestellung trotz des günstigen Preises auch nicht in Angriff genommen, da mir bei US--Bestellungen andere Aufnahmen meist wichtiger waren. Aber wenn du sie für dein Projekt suchst, ist die LP wirklich eine wichtige Ergänzung für dich und ein soooo großes Glück, dass uns die Details von Hofmanns Spiel in diesem Detailreichtum und dieser guten Klangqualität überliefert sind. :)


    Beste Grüße
    Ottavio