Una furtiva lagrima - Stimmen im Spiegel einer Arie

  • Ich weiss, daß es schon (2006) einen Thread über diese Arie gibt - allerdings mit einer anderen Fragestellung bzw. einem anderen Schwerpunkt. Diesmal bin ich beim Erstellen des neuen Thread zum Thema Roberto Alagna auf diese Arie gestoßen. Man findet sie bei youtube. Da gab es begeisterte Äusserungen, indes ein User beanstandete das Fehlen der Piano- und Pianissimo-Stellen (was zum unvermeidlichen virtuellen Streit führte) Er meinte, Alagna sänge diese Arie wie ein Bravourstück - das Gefühl "Liebe" käme bei seiner Interpretation zu kurz. - Wie dem auch sei - ich habe das Potential der Are für einen neuen Thread erkannt und einen gestartet, ähnlich dem der Mozartschen Bildnisarie. Somit gibt es auch einen Serientitel.
    Es wird hier nicht nach dem "besten" Interpreten dieser Arie gesucht, sondern nach ein paar sehr guten, die ihr jeweils ihre individuelle Note aufprägten, aber auch über "Scheitern auf hohen Niveau" kann hier berichtet werden


    Jenen Clip, der quasi "Geburtshelfer" dieses Threads war füge ich erneut ein.
    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Nochmals die Arie als Bravourstück.
    Vermutlich darf ich mich im Forum nun nicht mehr sehen lassen, wenn ich diesen "Antisänger" bringe, aber ich mag diese Stimme.
    Vom Scheitern auf hohem Niveau kann man hier sicher auch sprechen, wenn auch nicht auf Grund dieser Arie.
    Was wäre aus diesem Sänger geworden, hätte er die Mentalität einer Elisabeth Schwarzkopf gehabt. Sicher war er einer der größten Naturtalente in der Tenorwelt.


    Zu dem Videoclip sollte man eine Warnung fügen: Nicht hinsehen!


  • Lieber Hami,


    ich mag Mario Lanza auch sehr gerne und sehe ihn keinesfalls als "Antisänger". Gleichwohl schicke ich für diese Arie gerne einen anderen Sänger ins Rennen - diese zarte, sehnsuchtsvolle Musik ist m. E. eine Traumrolle für Beniamino Gigli. Hier finden sich auch alle dynamischen Schattierungen, vom feinsten filo di voce bis hin zum klangmächtigen Aufblühen.


  • Zitat

    9079Wolfgang: Dann schicke ich hier mal Luigi Alva ins Rennen. Besser als von ihm habe ich diese Partie wohl kaum gehört:


    Auch für mich hat LUIG ALVA eine der schönsten Tenor-Stimmen. Auch er fndet erstaunlich wenig Erwähnung in unserem Forum, in dem es doch so viele Opern-Liebhaber und Stimmen-Experten gibt!


    wok

  • Vorhin hörte ich einen Querschnitt aus dem "Liebestrank" mit Peter Dvorsky unter Heinz Wallberg. Die Arie "Una furtiva Lagrima" sang er sehr eindrucksvoll und für mich gehört er auch zu den besten Interpreten dieser Arie. Leider kann ich von dem Cuver dieser Vinyl-Aufnahme kein Cuver einstellen. Aber auf der folgenden CD singt er diese Arie auch:


  • Gigli und Belcanto. Diese Kombination ist kaum zu übertreffen. Besser kann man diese Arie wohl nicht singen.


    Lieber Don, lieber Hami,


    ich bin richtig glücklich, dass endlich einmal wieder der große Benjamino Gigli von Euch entsprechend gewürdigt wird. Schöner und gefühliger kann man kaum singen, wie er dies nicht nur im "Liebestrank" häufig vollbracht hat. Was sol's wenn er auch Schnulzen gesungen und kitschige Filme gedreht hat. Er ist und belibt einer der exzellentesten Belcanto-Sänger aller Zeiten. Schade, dass er bei uns im Forum so selten erwähnt wird. Übrigens spätestens zu Weihnachten wird er uns wieder mit seinem einmalig gesungenen und gestalteten "Ave Maria" erfeuen. Pflichtprogram bei uns, das sogar die Kinder lieben. :jubel:


    Herzlichst
    Hans

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    Operus: Ich bin richtig glücklich, dass endlich einmal wieder der große Benjamino Gigli von Euch entsprechend gewürdigt wird. Schöner und gefühliger kann man kaum singen, wie er dies nicht nur im "Liebestrank" häufig vollbracht hat.


    Mein lieber Hans!


    Was denkst Du nur? Benjamino Gigli höre ich auch immer wieder. Nur wollte ich hier keine ellenlange Liste erstellen. Von mir würden noch mindestens Tagliavini und Björling aufgeführt.




    Herzlichst
    Wolfgang

  • Lieber Wolfgang,


    darf ich dir das Suchen abnehmen? Hier sind sie: Ferruccio Tagliavini (1959)


    https://www.youtube.com/watch?v=g_WAvOdw090


    und Jussi Björling (Aufnahmejahr unbekannt)


    https://www.youtube.com/watch?v=cExgrwG0fhc


    Zu deiner Lauri-Volpi-Bemerkung möchte ich auf das Entstehungsjahr der Aufnahme hinweisen und die damit verbundene mindere Qualität im Vergleich zu heutigen Aufnahmen. :hello:

  • Hallo, Siegfried!


    Ich wollte mich nur nicht mit Namen verzetteln. Denn es gäbe derer noch viele.


    Zitat

    Zu deiner Lauri-Volpi-Bemerkung möchte ich auf das Entstehungsjahr der Aufnahme hinweisen und die damit verbundene mindere Qualität im Vergleich zu heutigen Aufnahmen.


    Nur kurz: Ich besitze viele Aufnahmen von Lauri-Volpi auf Schellack, Vinyl und auf CD. An das Timbre von ihm werde ich mich nie gewöhnen können. Siehe mal in den Thread von ihm. Dort hat eine Kollegin sich auch so ähnlich geäußert.


  • Hier noch ein Beispiel für eine deutsch gesungene Aufnahme: Der Sänger ist hier Fritz WUNDERLICH.
    Ich bin durch Wunderlichs Interpretation geprägt, war sie doch jene Aufnahme, wo ich diese Arie zum ersten Male hörte.
    Er selbst - so habe ich irgendwo gehört - war mit seinen alten Aufnahmen gar nicht zufrieden - und er soll der Plattenfirma eine Neuaufnahme angeboten habe - ohne jegliche Gage. Das wurde aber - so die mir bekannte Story - abgelehnt......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Danke Alfred für die Vorstellung dieser Aufnahme. Ich hab sie bewusst nicht eingestellt, weil ich mich nicht schon wieder dem Vorwurf der Glorifizierung dieses Sängers aussetzen wollte.


    Interessant wäre sicher auch die italienische Fassung anzuhören, zu der es aus bekanntem Grund nicht gekommen ist.

  • Danke Alfred für die Vorstellung dieser Aufnahme. Ich hab sie bewusst nicht eingestellt, weil ich mich nicht schon wieder dem Vorwurf der Glorifizierung dieses Sängers aussetzen wollte.


    Mein Gott, die ganze Oper lebt zum großen Teil von der Begeisterung, die wir Opernfreunde für Sängerinnen und Sänger aufbringen. Also nur Mut, den ganzen Enthusiasmus mit großer Leidenschaft für ein Gesangsidol einbringen und mit Verve vertreten. Ich habe als Präsident der Gottlob-Frick-Gesellschaft, Freund des Sängers und Autor einer Biographie über ihn oft ähnliche Bedenken. Werfen wir diese über Bord. Zumal jeder weiß, dass die Beurteilung Geschmackssache ist und nicht
    objektiv sein kann. Von der Vergangenheit wird berichtet, dass das Publikum von den Kutschen der Sängerlieblinge die Pferde ausgespannt und die Kutsche dann selbst gezogen hat. Jan Kiepura soll von seinen Anhängern auf ein Autodach gehoben worden sein und hat ohne Begleitung ein über einstündiges Freiluftkonzert gegeben. Also, lieber Siegfried glorifiziere Dein Sängeridol wieder und immer wieder. "In Dir muss brennen, was Du im anderen entzünden willst". Stecke uns mit Deiner Begeisterung an - wieder und immer wieder! Gerade Fritz Wunderlich hat diese Glorifizierung wirklich verdient. :jubel:


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich möchte zunächst Enrico Caruso nennen und dessen Aufnahme aus dem Jahre 1904. Allein schon der Tonanschlag auf "Una" in der heiklen Bruchlage - mit halber Stimme - hat eine wahnsinnige Festigkeit. Die Stimme liegt perfekt auf dem Atem trotz des relativ langsamen Tempos. Die schwierige Übergangsphase auf "Io vo? M'ama ..." singt er glänzend mit einem gewaltigen Crescendo. Auch am Ende der Arie folgt ein Crescendo, Caruso lässt perfekt langsam die Stimme anschwellen, hinzu kommt ein jederzeit kontrolliertes Vibrato - eine gesangstechnische Meisterleistung!


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Bei Joseph Calleja's Interpretation fällt mir Riccardo Chailly ein, der über den maltesischen Tenor sagte 'ein Klang, der auf eine Qualität zurückreicht, von der ich dachte, wir hätten sie vor langer Zeit schon verloren'.





    Gregor