Franz Liszt: Sinfonische Dichtung Nr 3 - Les Préludes


  • Ich habe ein gewisses Problem mit Sinfonischen Dichtungen, und zwar in der Hinsicht, daß ich in den seltensten Fällen den Bezug zwischen thematischem Inhalt und Musik herstellen kann. Liszts Sinfonische Dichtung Nr 3 "Les Préludes" hat mir zumindest einen zarten Hinweis gegeben WARUM das so ist. Das zum Weimarer Kreis gehörende Werk war ursprünglich als Vorspiel für ein Chorwerk gedacht, welches aber nie vollendet wurde. Liszt versuchte nun nachträglich eine andere Grundlage für seine Komposition zu finden, und er fand sie auch, nämlich in der gleichnamigen Dichtung von Alphonse du Lamartine (1790-1869), eines französischen Lyrikers. Das Werk ist einsätzig, jedoch in vier Abteilungen unterteilt, wobei das bekannte Triumphtkema erstmals im 2. Teil (ca ab Minute 2:20) einsetzt und nach dem eher zarten dritten Teil im vierten wiederholt und zum glänzend triumphierenden Höhepunkt gebracht wird. Das Werk ist sehr eindrucksvoll und bedarf m.E keines wie immer gearteten Unterbaus. Ich besitze inzwischen 2 Aufnahmen der Sinfonischen Dichtungen von Liszt. Diese Komposition habe ich in der Aufnahme unter Kurt Masur gehört, die überraschenderweise sehr dynamisch daherkommt.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Die m. E. unerreichten Referenzaufnahmen sind bis heute wie folgt:



    Concertgebouw-Orchester/Mengelberg (1929) (hier komplett)



    Wiener Philharmoniker/Furtwängler (1954) (hier komplett)


    Die Aufnahme von Mengelberg klingt für das enorme Alter (86 Jahre!) erstaunlich gut. Sie wurde bereits in den 30er Jahren als der Klassiker angesehen und wurde auch für die "Deutsche Wochenschau" verwendet. Die Verzögerung in der Coda ist einfach unübertrefflich. Ich denke, man sollte das Werk dennoch isoliert betrachten von seiner schwierigen Rezeptionsgeschichte im Dritten Reich. Furtwänglers Studioeinspielung ist 25 Jahre jünger und eines der wenigen Beispiele, wo ich diesen Dirigenten, der die Live-Atmosphäre brauchte, auch im Studio absolut vortrefflich empfinde. Die Blechbläser schmettern am Ende richtig, so muss das klingen. Dieses Werk braucht einfach das Pathos. Die klangtechnischen Einschränkungen ändern nichts an den herausragenden Interpretationen durch beide Dirigenten.

  • Ich liebe "Le Préludes" , besonders das Hauptthema. Genau dieses ist jedoch durch die Vereinnahmung im Dritten Reich für propagandistische Zwecke vorbelastet. Leider. Schon lange bemühe ich mich, beim Heilbronner Sinfonie Orchester dieses populäre, für's Publikum wirkungvolle Stück ins Programm zu bekommen. Immer wieder wird es vom Dirigenten und vor allem den jungen Orchestermitgliedern abgelehnt. Geschmacksfrage? Oder durchaus richtige Reaktion dieses Stück zu meiden?


    Hezrlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Liszt zählt wohl aktuell zu den Komponisten, mit deren Werken ich mich am häufigsten auseinandersetze. Es sind zwar vor allem die Klavierwerke, aber die sinfonischen Dichtungen habe ich während des letzten Jahreswechsels sehr intensiv gehört. Ich würde daher gern einige Punkte, die hier geäußert wurden, aufgreifen.


    Zitat Alfred Schmidt

    Zitat

    Ich besitze inzwischen 2 Aufnahmen der Sinfonischen Dichtungen von Liszt. Diese Komposition habe ich in der Aufnahme unter Kurt Masur gehört, die überraschenderweise sehr dynamisch daherkommt.


    Das verstehe ich nicht recht, warum überraschend? Meiner Meinung nach gehört diese Liszt-Aufnahme zu den ganz Großen und ist ein Zeugnis von Masurs hoher Dirigierkunst und einem Gewandhausorchester in grandioser Form!

    Zitat Joseph II.

    Zitat

    Ich denke, man sollte das Werk dennoch isoliert betrachten von seiner schwierigen Rezeptionsgeschichte im Dritten Reich.


    So wünschenswert das wäre, ich fürchte, das funktioniert nun einfach nicht mehr. Werke der Musik leben ja überhaupt erst durch ihre Rezeption. Zu den Preludes gehört die problematische Geschichte der 1930er Jahre dazu.


    Zitat

    Dieses Werk braucht einfach das Pathos. Die klangtechnischen Einschränkungen ändern nichts an den herausragenden Interpretationen durch beide Dirigenten

    .
    Das sehe ich etwas anders. Das Werk kann auch anders funktionieren (ob es das muss ist natürlich eine andere Frage). Haitink hat den sinfonischen Dichtungen insgesamt durch seine sehr analytische und weniger auf Effekt ausgerichtete Lesart sehr gut getan. In dieser Dichtung ist es mir besonders aufgefallen. Die Dichtung lebt zwar von den Gegensätzen der Stimmungen, die aber auch Haitink deutlich herausarbeitet.


    Zitat operus

    Zitat

    Immer wieder wird es vom Dirigenten und vor allem den jungen Orchestermitgliedern abgelehnt. Geschmacksfrage? Oder durchaus richtige Reaktion dieses Stück zu meiden?


    Ich glaube kaum, dass es eine Geschmacksfrage ist, vielleicht eher die Scheu, sich mit diesem Werk und seiner mittlerweile untrennbar mit ihm verbundenen Geschichte auseinanderzusetzen. Aber selbst wenn man das Werk auf diese Vergangenheit reduzierte (was ich nicht richtig finde), dann kann doch "Vergangenheitsbewältigung" nur darin bestehen, sich damit auseinanderzusetzen und nicht, es zu meiden. Das ist sicher ein langer Weg, aber ich meine er lohnt sich.


    Neben den genannten Einspielungen könnte man auf der Seite der eher dramatischen Zugänge auch noch diejenige von Fricsay anführen, die zu den imO ebenfalls zu den sehr guten zu zählen ist.


    Soweit meine ersten Gedanken
    Herzliche Grüße
    JLang

  • JLangs Worte zu Masur möchte ich unterstreichen.
    Die Liszt-GA gehört zu seinen besten Lebenswerken ! Und nicht zu vergessen - mit allen Klavier und Orchester-Werken ganz hervorragend mit Michel Beroff.


    Da JLangs ganz richtig die exquisite Fricsay-Aufnahme (DG) bereits genannt hat, möchte ich von den klanglich guten ( :D;) was braucht man denn sonst ?) auf die Karajan-Aufnahme (DG)hinweisen, die ich an die zweite Stelle setzen würde.
    Selbstverständlich gehört sie auch zu den dramatischen Sichten und ist nicht so pauschal geraten wie die Haitink-Aufnahme (Philips).
    Damit soll nicht gesagt sein, dass diese Haitink-GA de Liszt-Dichtungen uninterssant ist - im Gegenteil ... aber Les Preludes ist mir doch zu harmlos - da wll ich das von Josef angesprochene Pathos (aber in anständiger Klangquali) spüren und hören.



    DG, 1968 (Liszt), ADD


    Die Karajan-Aufnahme gibt es bei DG in unendlich vielen Kopplungen. Ich habe die CD aus der DG-Resonanz-Edition (mit nichtssagendem Cover). Deshalb habe ich mich für die abgebildete CD-Ausgabe für die Abb entschieden, :D damit die Karajan-Gegner mal wieder so richtig was zum Aufregen haben :D .

  • „Was anders ist unser Leben, als eine Reihenfolge von Präludien zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt. Die Liebe ist das leuchtende Frühroth jedes Herzens; in welchem Geschick aber wurden nicht die ersten Wonnen des Glückes von dem Brausen des Sturmes unterbrochen, der mit rauem Odem seine holden Illusionen verweht, mit tödlichem Blick seinen Altar zerstört, – und welche im innersten verwundete Seele suchte nicht gern nach solchen Erschütterungen in der lieblichen Stille des Landlebens die eigenen Erinnerungen einzuwiegen? Dennoch trägt der Mann nicht lange die wohlige Ruhe inmitten besänftigender Naturstimmungen und „wenn der Drommete Sturmsignal ertönt“, eilt er, wie immer der Kampf heißen möge, der ihn in die Reihe der Streitenden ruft, auf den gefahrvollsten Posten, um im Gedränge des Kampfes wieder zum ganzen Bewußtsein seiner selbst und in den vollen Besitz seiner Kraft zu gelangen.“


    Schöne Grüße
    Holger

  • Zitat

    Ich liebe "Le Préludes" , besonders das Hauptthema. Genau dieses ist jedoch durch die Vereinnahmung im Dritten Reich für propagandistische Zwecke vorbelastet.


    Das ist meiner Meinung nach falsch. Ich habe dieses Werke heute meiner Mutter vorgespielt und gefragt, was sie bedeute:
    "Das war die Kennmelodie der Wochenschau" war ihre Antwort. "Wochenschau waren die optischen Nachrichten auch in meiner Kindheit. Ich weiss nicht wer damals die Kennmelodie komponiert hat - und es war mir auch egal. Im Krieg (vor meiner Geburt) waren es eben Nachrichten, die den Krieg betrafen, vorsichtig geschönt. Worüber sollte man sonst berichten, wenn inicht über das Zeitgeschehen ? Ich habe dien Bezug zur Kriegsberichterstattung bewusst nicht erwähnt, so wie er in meinem Konzertführer von 1978 (?) nicht erwähnt wurde, das hat damals - zumindest in Wien - niemand mehr interessiert.
    Das Stück- ich habe es in meinem Eröffnungsbeitrag implizit erwähnt - ist vielseitig verwendbar - wie ein Chamäleon. Meine Generation (Nachkriegsgeneration) in Österreich kann das Stück (zumindest die Mehrheit von uns) völlig unbelastet hören. All das war vor meiner Zeit - und NACH der Zeit von Liszt. Ich verbinde damit keine Assoziationen und Emotionen - obgleich ich natürlich den historischen Kontext kenne. Zynisch formuliert handelt es sich hier um eine Anektion - die ich akzeptieren kann oder nicht. Und da ich die Zeit nicht erlebte bin habe ich dazu etwa die gleiche Distanz wie zur französischen Revolution.
    Irgend jemand hat einmal gesagt: Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.
    Wie würde man das Werk heute enpfinden, wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte ?
    Ich kann hier nur für mich sprechen: Ich würde es ebensowenig verherrlichen, wie ich es heute kritisch betrachte.
    Für mich ist es "absolute Musik" - nicht mal die künstliche Anpassung des Komponisten an eine französische Dichtung, für die es ursprünglich gar nicht gedacht war, findet Gnade vor meinen Augen. Ideologien jeglicher Art sind mir im Grunde zuwider....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Immer wieder wird es vom Dirigenten und vor allem den jungen Orchestermitgliedern abgelehnt.


    Das ist eine betrübliche Feststellung. Das erscheint mir ein Auswuchs eines hypermoralisierenden 'Gut-sein-Wollens' zu sein, das in unserer Gesellschaft immer mehr um sich greift. Man demonstriert seine (politisch-)korrekte Gesinnung mittlerweile gerne auch mal am falschen Objekt, was aber nichts zur Sache tut, Hauptsache, man posaunt heraus (passt gut in diesem Zusammenhang hier!), dass man guter Gesinnung ist.
    Ich halte es für richtig und selbstverständlich, auch den Missbrauch dieses Stückes durch die Braunen zu kennen, es aber zu dämonisieren und zu bannen, als ob ihm der Teufel persönlich innewohne, kommt mir vor - zumal, wenn es von Vertretern einer jüngeren Generation ausgeht - wie hohler Aktionismus.


    Wenn diese Musiker sich selbst ernst nähmen, dann müssten sie auch jede Note Wagner zu spielen ablehnen, da dieser nicht nur der Lieblingskomponist Hitlers gewesen ist, sondern da die Wagnersche Musik an sich eng verknüpft wurde mit dem ideologischen Überbau des braunen Regimes. Die SS spielte unter anderem Wagners Musik in den Konzentrationslagern über Lautsprecher den Häftlingen vor, auch in zynisch-sadistischer Manier auf dem Weg zu den Gaskammern.
    Sie müssten Bruckners Musik den Dienst verweigern, da nicht nur die Fünfte wohl die Lieblingssymphonie des Massenmörders aus Braunau gewesen sein soll, sondern weil sich auch Bruckners Werke so gut propagandistisch aufgeladen - und damit natürlich fehlgedeutet - missbrauchen ließen. Und was ist mit dem Beethoven, dessen 'titanische' Musik mitunter auch sehr gut als Untermalung pathetischer Durchhalteszenarien gedient hat??


    Natürlich standen nicht viele Stücke an so prominenter Stelle wie Liszts Komposition, doch es darf nicht unbeachtet bleiben, dass diese Musik nun seit rund eineinhalb Jahrhunderten existiert, unter vollkommen anderen geistigen und historischen Rahmenbedingungen entstand und in der langen Zeit ihrer Existenz nur wenige Jahre missbraucht wurde - nämlich noch nicht einmal die vollen 'tausend Jahre', sondern erst ab 1939, also ab Kriegsbeginn, als sie die Siegesmeldungen einzuleiten und zu untermalen hatte. Und da die Zahl der Siege, die es zu bejubeln gegeben hätte, ab Ende1942 rasant abnahm, verschwand auch die 'Siegesfanfare' zunehmend aus dem Rundfunk und den Wochenschauen. So reduziert sich der Missbrauch zeitlich auf eine nur sehr knappe Spanne.


    Lasst die Kirche im Dorf!


    Grüße
    Garaguly

  • Für mich ist es "absolute Musik" - nicht mal die künstliche Anpassung des Komponisten an eine französische Dichtung, für die es ursprünglich gar nicht gedacht war, findet Gnade vor meinen Augen. Ideologien jeglicher Art sind mir im Grunde zuwider....


    Lieber Alfred,


    Liszt selbst würde da heftig protestieren! :D Von ihm stammt schließlich die Idee der Programmmusik, die Gattung hat er erfunden und dazu auch die philosophische Begründung geliefert - er unterscheidet "klassische Musik" und "Programmmusik". Gemeint ist natürlich nicht eine "künstliche Anpassung" an die Dichtung - die Musik illustriert nicht bloß eine vorhandene Dichtung, sondern deutet sie eigenständig aus. (Richard Strauß unterschied in diesem Sinne echte "Programmmusik" von bloßer "Literaturmusik".) Die Romantiker verabscheuten übrigens nicht Programme an sich, sie durften nur nicht zu detailliert sein (so etwa ist die Kritik von Mendelssohn am Programm von Berlioz´ Phantastischer Symphonie nur zu verstehen). Liszts Programm ist entsprechend auch sehr schematisch und allgemein gehalten. Sehr schön erkennt man das Perfide der Nazi-Propaganda: Der Krieg kommt in Liszts Programm zwar vor, aber als inneres Geschehen einer Selbstfindung. (Wobei man im 19. Jhd. natürlich an die Befreiungs- und Revolutionskriege gedacht hat und nicht einen totalitären Eroberungs- und Vernichtungskrieg wie im 20. Jhd.) Es geht bei Liszt also gerade nicht um die äußerliche, illustrative Verherrlichung von Kriegsereignissen wie in der musikalischen Untermalung der Wochenschau. :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Natürlich würde Liszt protestieren. Denn er wusste nur zu genau, wie förderlich ein Titel der Popularität (oder sollen wir besser sagen "Anerkennung") ist. Und er hat es verstanden sich immer ins rechte Licht zu setzen, zuerst als von der Damenwelt umschwärmter schöner Virtuose, dessen Ruf ja ans Legendäre grenzte, später dann als Menschfreund und Lehrer.
    Schade, daß wir nicht wissen, ob die wirklich sehr effektvolle Instrumentierung von Les Preludes von ihm oder von Joachim Raff stammt.
    Nun ja, es ist schon ein gekonnter Spagat, wenn man ein Stück "Les Preludes" nennt, weil es das Vorspiel zu einem Chor dienen sollte, und dann, als das Projekt gescheitert ist, einen französischen Dichter findet, der eine Lyrik gleichen Namens verfasst hat. Zusätzlich schreibt Liszt noch ein paar unverbindliche Phrasen auf das Kopfblatt der Komposition - fertig...


    Aber den "Anspruch" erkenne ich wohl.........


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Zitat Wikipedia: "Liszt weist auf die Méditations poétiques von Alphonse de Lamartine hin, die aber aus insgesamt etwa 30 Gedichten bestehen. Dieser Bezug soll wohl auch nur die Grundstimmung wiedergeben. Liszt hat einen längeren Text zur Erläuterung angegeben. Er sieht die Phasen des Lebens als Vorspiele (Préludes) zur Melodie des Todes. Diese Phasen des Lebens sind Kämpfe und Stürme, Liebesglück und Schmerz, Trost, Erleben der Natur." Zitat Ende


    Das sind die Worte, die Liszt der Komposition vorangestellt hat:


    Zitat: „Was anderes ist unser Leben, als eine Reihenfolge von Präludien zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt. Die Liebe ist das leuchtende Frühroth jedes Herzens; aber in welchem Geschick wurden die ersten Wonnen des Glückes von dem Brausen des Sturmes unterbrochen, der mit dem rauhem Odem der Illusionen verweht, mit tödlichem Blick seinen Altar zerstört, - und welche im innersten verwundeten Seele suchte nicht gerne nach solchen Erschütterungen in der lieblichen Stille des Landlebens die eigenen Erinnerungen einzuwiegen. Dennoch trägt der Mann nicht lang die wohlige Ruhe inmitten besänftigender Naturstimmungen, und »wenn der Drommete Sturmsignal« ertönt, eilt er, wie immer der Krieg heißen möge, der ihn in die Reihe der Streitenden ruft, auf den gefahrvollsten Posten, um im Gedränge des Kampfes wieder zum ganzen Bewusstwerden seiner selbst und in den vollen Besitz seiner Kraft zu gelangen.“


    Quelle: Lina Ramann: Aus der Gegenwart: Aufs. über Musik für Musikfreunde, Schmid, 1868 S. 27


    .

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • Natürlich würde Liszt protestieren. Denn er wusste nur zu genau, wie förderlich ein Titel der Popularität (oder sollen wir besser sagen "Anerkennung") ist. Und er hat es verstanden sich immer ins rechte Licht zu setzen, zuerst als von der Damenwelt umschwärmter schöner Virtuose, dessen Ruf ja ans Legendäre grenzte, später dann als Menschfreund und Lehrer.
    Schade, daß wir nicht wissen, ob die wirklich sehr effektvolle Instrumentierung von Les Preludes von ihm oder von Joachim Raff stammt.
    Nun ja, es ist schon ein gekonnter Spagat, wenn man ein Stück "Les Preludes" nennt, weil es das Vorspiel zu einem Chor dienen sollte, und dann, als das Projekt gescheitert ist, einen französischen Dichter findet, der eine Lyrik gleichen Namens verfasst hat. Zusätzlich schreibt Liszt noch ein paar unverbindliche Phrasen auf das Kopfblatt der Komposition - fertig...


    Aber den "Anspruch" erkenne ich wohl.........


    Du klingst jetzt wie die Reinkarnation von Eduard Hanslick, dem Verächter von Programmmusik! :D


    Wohl treffender liest sich das bei Martin Hufner:


    http://www.kritische-musik.de/noframes/liszt.shtml


    Daraus:


    "Die sinfonische Dichtung im Sinne Liszts ist aber keinesfalls eine Form von Programmusik mit "Handlung", keine Erzählung mit Musik in Form von handelden Subjekten. Der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus erklärte Liszts Vorhaben so: "Für die symphonische Dichtung, wie Liszt sie verstand, war jedoch der erklärende Text, das in Worte gefaßte Programm, ein durchaus sekundäres Moment. Als einzig entscheidend empfand Liszt die Bestimmtheit des Ausdrucks, die Prägnanz, mit der die Musik ihren Gegenstand der Phantasie und dem Gefühl vermittelte." Auch bei "Les Préludes" hat man es mit einer musikalisch-poetischen Ideensubstanz zu tun, die nicht abbildet (pittoreske Musik) als vielmehr durch prägnante musikalische Ausdrucksformen Assoziationfelder über die autonome innermusikalische Logik zu legen."


    Schöne Grüße
    Holger

  • Für mich ist es "absolute Musik" - nicht mal die künstliche Anpassung des Komponisten an eine französische Dichtung, für die es ursprünglich gar nicht gedacht war, findet Gnade vor meinen Augen.


    Diese Aussage kann ich gut verstehen. Ich denke, dass mindestens 90% der Klassikhörer, die Les Preludes mögen, gar nichts über das eigendliche Programm wissen ... es geht in diesem Falle auch ohne ! Das Programm ist auch nicht wirklich greifbar oder lässt sich durch irgend eine ablaufende Handlung verfolgen.


    Als Jugendlicher habe ich mit dem Programm beschäftigt und mir den Auszug des Gedichtes aus Lamartines "Meditations" (das Liszt dem Werk als Programm dient) durchgelesen: - siehe Text von Holger in Beitrag 6. Man kann es nachvollziehen - als Jugendlicher sah ich das eher als "literarisches Gesülze" an !


    :!: Es reicht für Les Preludes IMO auch heute folgende INFO in Kurzform:
    1. Das Motto das Liszt für Les Preludes voranstellt: Das Leben, ein Preludium bis zum Jenseits.
    2. Dass das Werk in die 4 Preludien Liebe, Sturm, ruhige Natur und Kampf eingeteilt ist, auf das die 4teilige Anlage Bezug nimmt.



    Ich habe seit damals aus der Heftserie Reclams Universal Bibliothek die Ausgabe Franz Liszt´s Sinfonische Werke.
    Hier werden die 13Dichtungen genau mit Notenbeispielen untermauert.
    Bei Les Preludes werden 6Motive/Themen (mit Noten) genau in ihrem dem Verlauf beschrieben. Wenn man beim Hören dem Inhalt der Motive und ihrer Bedeutung (Motiv des Mannes; Repräsentant strotzender Jugendkraft; Liebe im jungen Menschenherzen; Sturmsignal; Heldenmotiv; Glück) genau folgt, ist das zwar zuerst interessant zu sehen, wie kunstvoll diese Themen ineinanderarbeiten, behindert aber den wirklichen Hörspass im Verlauf.


    ---------------
    Das Liszt´s Les Preludes als Wochenschau-Musik Anwendung fand, schmälert in meinen Augen nicht die Wertschätzung für das Werk. Es zeigt höchstens, dass da mal im 3.Reich "Welche" waren, die dann hier nur einmal Geschmack bewiesen hatten.

  • Wenn ich mich recht erinnere, hat Liszt sein "Programm" dem Werk ja auch erst später vorangestellt.
    War es nicht erst die Einleitung zu seinem nicht vollendeten Chorwerk "Die vier Elemente"?


    Ich halte diese Liszt’schen Werk im Übrigen weder für absolute Musik noch Programmmusik, sondern ein Zwischending :D


    Beste Grüße
    JLang

  • Die Problematik der Symphonischen Dichtung ist natürlich komplex.


    Drei Bemerkungen vielleicht:


    1. "Programatisches" und bildlich-assoziatives Hören war Mitte des 19. Jhd. sicher weit mehr verbreitet als heute.


    2. Bei wohl keinem Komponisten der Romantik ist die Beziehung von Literatur und Musik so eng wie bei Liszt und von daher auch nicht irgendwie künstlich oder aufgesetzt ("Annees de Pelerinage" enthält seitenlange Textauszüge aus Senancour im Notentext!)


    3. Den Versuch, Les Preludes als "absolute Musik" zu interpretieren, gibt es: bei Sergiu Celibidache. Und bei all meiner Bewunderung für Celibidache muß ich hier sagen: Das geht gehörig schief!


    [media]



    Schöne Grüße
    Holger

  • Den Versuch, Les Preludes als "absolute Musik" zu interpretieren, gibt es: bei Sergiu Celibidache.


    Wie soll das denn gehen, lieber Holger ??? :D
    Woher willst Du wissen ob sich Celi nicht doch vorher mit dem Programm auseinandergesetzt hatte oder zumindest den Gedichtauszug von Lamartine gelesen hat ?


    8-) Man kann Les Preludes höchstens als absolute Musik hören indem man das Programm soweit ignoriert und die Musik für sich alleine wirken lässt !!!

  • Wie soll das denn gehen, lieber Holger ??? :D
    Woher willst Du wissen ob sich Celi nicht doch vorher mit dem Programm auseinandergesetzt hatte oder zumindest den Gedichtauszug von Lamartine gelesen hat ?


    8-) Man kann Les Preludes höchstens als absolute Musik hören indem man das Programm soweit ignoriert und die Musik für sich alleine wirken lässt !!!

    "Für die symphonische Dichtung, wie Liszt sie verstand, war jedoch der erklärende Text, das in Worte gefaßte Programm, ein durchaus sekundäres Moment. Als einzig entscheidend empfand Liszt die Bestimmtheit des Ausdrucks, die Prägnanz, mit der die Musik ihren Gegenstand der Phantasie und dem Gefühl vermittelte." (C. Dahlhaus)

    Celibidache dirigiert das so, lieber Wolfgang, als sei das Wagner oder Bruckner: ein dynamisches Kontiunuum, das sich langsam aufbaut. In dieser "Entwicklung" geht genau die "Prägnanz" und "Bestimmtheit des Ausdrucks" verloren, von der Dahlhaus spricht. (Liszt selbst nennt das die "charakteristische Melodie"). Die programmatisch inspirierten Stimmungswechsel, sie gehen bei Celibidache bezeichnend unter in seiner dynamisch-integralen Sicht. Er spielt aufreizend "uncharakteristisch". Und wenn Du seine Äußerungen zur Musik hörst und/oder liest, dann wird klar, dass er sich für die programmatisch-inhaltliche Seite von Musik im Grunde gar nicht interessiert. :hello:


    Sehr gut gefällt mir dagegen Solti:



    Schöne Grüße
    Holger

  • "Les Préludes" ist ohne Frage die bekannteste, meist gespielte und meist aufgenommene aller Tondichtungen von Franz Liszt. Nicht einmal die missbräuchliche Verwendung während der "tausend Jahre" konnte das nachhaltig verändern (in diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass auch Liszts "Mazeppa" in der Deutschen Wochenschau vorkam, aber interessanterweise niemals dieses Stigma erhielt). Bereits in den 1950er Jahren wurde das Werk wieder regelmäßig aufgeführt und eingespielt. Seien es tschechische Dirigenten (Ancerl, Neumann), russische (Swetlanow, Roschdestwenski) oder jüdische (Mehta, Barenboim): Sie alle dirigierten es trotz der NS-Verwendung.



    In der letzten Zeit habe ich mir so ziemlich jede verfügbare Aufnahme des Werkes angehört. Jedenfalls waren es bestimmt zwischen 20 und 30. Meine im Beitrag 2 bereits 2015 genannten Empfehlungen Willem Mengelberg und Wilhelm Furtwängler stehen nach wie vor ganz vorne. "Les Préludes" ist eines derjenigen Werke der klassischen Musik, wo noch heute eine uralte Einspielung die maßstäbliche ist. Keiner hat diese Sinfonische Dichtung so geprägt wie Mengelberg mit seinem Concertgebouw-Orchester. Die Aufnahme datiert ins unendlich ferne Jahr 1929. Und doch muss sich m. E. jede spätere Interpretation an dieser messen.



    Im Zuge meiner neuerlichen Beschäftigung hörte ich seit langem auch wieder die beiden Einspielungen von Herbert von Karajan: 1958 nahm er "Les Préludes" mit dem Philharmonia Orchestra in London für EMI auf, knapp ein Jahrzehnt später erfolgte 1967 die Einspielung mit den Berliner Philharmonikern für DG. Um es kurz zu machen: Die EMI-Aufnahme ist herausragend und braucht keine Vergleiche scheuen. Karajan zeigt sich hier von seiner besten Seite, das Orchester spielt kongenial und selbst die Tontechnik hat er auf seiner Seite (astreines, keinesfalls dünnes Stereo, sehr präsent eingefangen). Hingegen schneidet die DG-Aufnahme deutlich schlechter ab. Das fängt schon beim viel zu halligen Klang an, der viele Details verschluckt. Das Orchester hat nicht seinen besten Tag erwischt und patzt hie und da hörbar. Obwohl er in etwa eine Minute länger braucht als in London, wirkt die Aufnahme gehudelter und man vermisst die tolle Akzentuierung der älteren Einspielung. Für meine Begriffe ist die Berliner Aufnahme also völlig verzichtbar und reiht sich nur ins Mittelfeld ein.



    Gestern erreichte mich dann auch die kürzlich bestellte Einspielung von Karel Ancerl mit der Tschechischen Philharmonie, die 1964 für Supraphon entstand. Klanglich kann sie zwar nicht ganz mit der EMI-Aufnahme Karajans mithalten, doch klingt sie absolut anständig und fängt auch die Pauken schön ein. Lediglich die Streicher werden ab und zu etwas zugedeckt. Interpretatorisch ist Ancerl ganz vorne anzusiedeln. Das ist nicht mal schnell aufgenommen, sondern wird ein eigenes Konzept deutlich. Der böhmische Orchesterklang passt m. E. ausgezeichnet und vermeidet ein einseitiges knalliges Feuerwerk. Sehr empfehlenswert also.



    Die wahre Überraschung aber stellt eine heutzutage zu Unrecht fast in Vergessenheit geratene Einspielung dar, die es bislang nicht auf CD schaffte. Die Rede ist von einer Philips-Produktion aus dem Jahre 1960, mit der der damals gerade einmal 22-jährige französisch-italienische Dirigent Roberto Benzi betraut wurde, dem in dieser Zeit der Ruf eines Wunderkindes vorausging. Man wählte das in diesen Tagen in seiner Glanzzeit befindliche Orchestre Lamoureux in Paris aus, das in den 50er Jahren zuerst von Jean Martinon (1951-1957) und später von Igor Markevitch (1957-1962) geleitet wurde. Klanglich ist die Aufnahme über jeden Zweifel erhaben. Sie wurde von der Bibliothèque nationale de France digitalisiert und ist u. a. bei Qobuz in CD-Qualität für kleines Geld zu erwerben; außerdem findet man sie kostenlos bei Spotify. Benzi hat wohl die Mengelberg'sche Einspielung genau studiert, orientiert sich die seinige doch eng daran, ohne zum bloßen Abklatsch zu werden. Die Agogik ist sensationell; man staunt, wie gekonnt er diverse Temporückungen einbaut, am prominentesten in der Coda. Das Orchester folgt ihm tadellos. Man erhält hier den schönen alten französischen Orchesterklang, insbesondere bei den Blechbläsern. Ganz große Klasse und meine neue Referenz unter den Stereoaufnahmen.

  • Lieber Josef,


    interessant zu lesen ist Deine völlig unterschiedliche Sichtweise zu meiner auf die Karajan - Aufnahme (DG, 1967), die bei mir viele Jahre nach Fricsay (DG) auf dem 2.Platz lag. Zu hallig oder mit orchesterspieltechnischen Mängeln behaftet, war mir nie aufgefallen, weil es mir genau so gefällt.
    Das mag aber bei Dir eindeutig daran liegen, dass Du durch die historischen Aufnahmen von Mengelberg und Furtwängler geprägt bist, die mir (verständlicherweise wegen hist Mono) gänzlich unbekannt sind.


    *** Auch hier möchte ich heute die hochdramatische Solti-Aufnahme hinweisen, die das gewünschte Pathos voll drauf hat, mich wunschlos zufrieden stellt
    und auch klangtechnisch auf der Hörspass-Seite ist: :thumbup: Gestochen scharfe Blechbläser und prägnate Pauken sind nur zwei auszeichnende positive Teilmerkmale.


    - das LSO in TOP-Form -
    Die Aufnahme von Solti´s Les Preludes ist bei Decca in zig Kopplungen auf CD verfügbar.


    oder auch
    Decca, 1978, ADD


    Die Solti-Aufnahme übertrifft auch deutlich die zu pauschale und brave Haitink-Aufnahme (Philips) und ebenfalls die weit Bessere mit Masur (EMI).


  • Gestern erreichte mich dann auch die kürzlich bestellte Einspielung von Karel Ancerl mit der Tschechischen Philharmonie, die 1964 für Supraphon entstand. Klanglich kann sie zwar nicht ganz mit der EMI-Aufnahme Karajans mithalten, doch klingt sie absolut anständig und fängt auch die Pauken schön ein. Lediglich die Streicher werden ab und zu etwas zugedeckt. Interpretatorisch ist Ancerl ganz vorne anzusiedeln. Das ist nicht mal schnell aufgenommen, sondern wird ein eigenes Konzept deutlich. Der böhmische Orchesterklang passt m. E. ausgezeichnet und vermeidet ein einseitiges knalliges Feuerwerk. Sehr empfehlenswert also.


    Dem Urteil über die Ancerl-Aufnahme schließe ich mich an, lieber Joseph.


    Ich habe seine Interpretation eben erstmals gehört und bin sehr angetan von der "unknalligen" Interpretation. Bei Ancerl geht es nicht nur laut zu, sondern er legt Wert auf eine gute Orchesterbalance und zeigt auf, dass es auch sehr schöne Passagen gibt, in denen die Holzbläser agieren können.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • ‚Les Preludes‘ - was soll man zu dieser wahrhaft großartigen Sinfonischen Dichtung noch Neues schreiben? Es ist doch alles schon tausendfach niedergelegt worden. Ich weiß, dass der Komponist das Orchesterstück im wahren Wortsinn als Vorspiel zu vier Männerchören geplant, die jedoch nicht vertont hat. Dass er dann, wohl anlässlich der separaten Veröffentlichung seiner Komposition, Lamartines gleichnamiges Gedicht (das ich nicht kenne) aus den Méditations poétiques (1820) als ‚Idée Fixe‘ unterlegt hat, ist mir auch bekannt (weshalb man oft lesen kann, das Stück sei sinngemäß keine Programmmusik). Ebenso, dass ‚Les Preludes‘ in der ‚braunen Zeit‘ den Radiohörenden Deutschen aus den Wehrmachtsberichten bekannt war - geschenkt!


    ‚Les Preludes‘ habe ich schon in meiner Jugendzeit auf einer LP gehabt, kann aber nicht mehr angeben, welches Orchester spielte und wer dirigierte. Dann besaß ich die Sinfonische Dichtung lange, lange Jahre nicht, ehe sie mit der großen Karajan-Box (Sämtliche Aufnahmen von 1938-1960) wieder zu mir kam - eine Aufnahme mit dem Philharmonia Orchestra aus 1958, in Stereo. Karajans Aufnahme(n?) mit den Berlinern, die hier mehrfach genannt wurden, kenne ich nicht, behaupte trotzdem kühn, dass die Einspielung mit dem Philharmonia Orchestra bestimmt ebenso gut ist.


    Aber: Árpád Joó und die Budapester Sinfoniker sind offensichtlich mit diesem Stück ebenso vertraut. Ihnen gelang eine idiomatische Interpretation, die einen Vergleich mit Karajan (und anderen Dirigenten und Orchestern) nicht scheuen muss, wie ich als ergrauter alter Herr mal einfach frech behaupte. Die Bläser, ob Holz oder Blech, bringen das berühmte C-H-E-Thema des Beginns jedes Mal blühend zu Gehör. Insbesondere hat mich schon immer jene Stelle fasziniert, in der die Hörner und Bratschen eine wahrhaft innige Weise vortragen. Dass Liszt aber auch immer wieder tobende Ausbrüche komponiert (die Unwetter im psychischen wie physischen ausdrücken könnten), um dann wieder zu einer wohligen Ruhe und lieblichen Klängen zurückzukehren (die stilles Landleben oder auch Liebesfreuden andeuten könnten) - das fasziniert mich. Das Liszt nach einer mir martialisch vorkommenden Phase dann mit Pomp das Hauptthema zum siegreichen Abschluss aufblühen lässt - das hat was. Ich will hier nun nicht weiter schwärmen…


    :hello:

  • Aus Düsseldorf habe ich mitgehen lassen:


    Heute habe ich "Les Preludes" gehört. Eine bessere Fürsprache könnte dieses Stück nicht haben. Vaclav Neumann dirigiert das Gewandhausorchester so "böhmisch", als wäre es die Tschechische Philharmonie, so dass ich zweimal auf das Booklet geschaut habe, ob es auch wirklich das Gewandhausorchester ist :D : Da ist diese rhythmische Leichtigkeit, poetische Wärme und Durchsichtigkeit, die man aus Prag kennt, die alles typisch deutsch Pompöse und Krachlederne einfach vertreibt. Neumann dirigiert die Musik modern, mit einem wirklich durchgehaltenen einheitlichen Grundtempo, dass die Musik aus sich selber sich entwickeln lässt. Man könnte auch einen Ausspruch von Bernard Haitink über diese Aufnahme schreiben: "I don´t like overemphasizing!". Genau das tut der Musik von Liszt gut: Man hört einer Geschichte zu, die musikalisch erzählt wird und wird nicht von aufdringlicher Wirkungsrhetorik erschlagen und irgendwelchen Effekten eingenommen.


    Schöne Grüße
    Holger