Gibt es tatsächlich so wenige schwarze Solisten?

  • Hallo!


    Ich hatte heute eine Karte für ein Konzert mit Tai Murray, einer beeindruckenden Violinistin. Von den anderen Solisten die ich bisher gesehen habe, unterscheidet sie sich u.a. durch ihre Hautfarbe.



    Anschließend dachte ich darüber nach, welche schwarzen Instrumentalsolisten (inkl. der weiblichen Form) ich kenne.


    Wayne Marshall



    Sonst niemanden.
    Ich habe mehr als 600 Solisten in der Kette überflogen und auch niemanden gefunden.


    Kennt Ihr welche?


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Ich wüsste da noch auf Anhieb die Sänger


    Simon Estes, Bassbariton (*1938)


    Eugene Holmes (1934 bis 2007)


    Willard White (* 1946)


    Alle drei sind bzw. waren Bass-Baritone.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo!


    Bei den Sängerinnen und Sängern würden mir auch noch einige einfallen (Leontyne Price...)


    Bei den Instrumentalsolisten sieht es anders aus.


    Gruß
    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • In der Lieblingssängerkette waren auch reichlich farbige Solisten vertreten, aber hier ging es ja darum, dass es (im Gegensatz zu den Sängern) offenbar nur sehr wenige farbige Instrumentalsolisten gibt - eine These, die mir nur sehr schwer zu entkräften scheint.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Den Dirigenten Dean Dixon (1915 - 1976) möchte ich nennen. Er war, seinerzeit durchaus noch aufgrund eines gewissen Rassismus, in Europa angesehener als vorher in den USA. Dies änderte sich erst gegen Ende seines relativ kurzen Lebens.


    "https://de.wikipedia.org/wiki/Dean_Dixon"


    :hello: Wolfgang

  • Awadagin Pratt, geboren 1966 in Pittsburgh als Sohn von Hochschullehrern für Sozialarbeit bzw. Physik. Der Vater stammt aus Sierra Leone. Nach Wikipedia war er in seiner Jugend wohl ein sehr talentierter Tennisspieler und hätte ein Stipendium an mehreren Unis aufgrund seiner Fähigkeiten in dieser Sportart erhalten können. Er schlug dies zugunsten der Musik aus und ging an die "University of Illinois at Urbana-Champaign". Sein erstes Instrument war wohl die Geige. Am Konservatorium, dem "Peabody Conservatory of Music in Baltimore" erlangte er "certificates" für Geige und Klavier und ein "graduate diploma" im Dirigieren. Obwohl sein Klavierspiel virtuos sein soll, spielt er statt der "showpieces" angeblich lieber Bach, Beethoven, Brahms, Franck, Grieg, Mussorgsky, und Rachmaninoff. Er gewann einen wichtigen Wettbewerb (Naumburg International Piano Competition) und spielte schon im Weißen Haus (siehe Bild). Bemerkenswert ist die ungewöhnliche Kleidung, die er bei Auftritten trägt.



  • Die Sopranistin Barbara Hendricks (*1948) fällt mir ein.

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • Die Sopranistin Leontyne Price (1927*) führt die Liste weiter.

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .


  • Jessye Norman (*1945) ist ebenfalls eine Sopranistin.

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • Nun habe ich drei Sängerinnen erwähnt. Doch sollen sie nicht die Statistik schönen.


    Es ist wohl eine Tatsache, dass Künstlerinnen und Künstler mit nicht weisser Hautfarbe seltener einen Plattenvertrag erhalten. Welche sozio-kulturellen Mechanismen dafür verantwortlich zu machen sind, liegt auf der Hand. Leider.


    Wie es in Südafrika nach der Apartheid aussieht mit dem schwarzen Opernsängernachwuchs kann man unter diesem Link erfahren:


    "http://www.dw.com/de/der-traum-vom-singen-schwarze-opernsänger-in-südafrika/av-17108440"


    Link ohne Anführungszeichen kopieren.


    lg moderato
    .

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • Hallo!


    Wynton Marsalis hatte ich tatsächlich nicht auf dem Schirm. Dasselbe gilt auch für seinen Bruder Branford, der auch seine Ausflüge ins klassische Genre gemacht hat.


    Wie ich eingangs geschrieben habe, ist diese geringe Zahl nur bei den Instrumentalsolisten festzustellen.


    Bei den Gesangsinterpreten stellt es sich eigentümlicherweise durchaus anders das. Hier fallen mir spontan auch Kathleen Battle oder Simon Estes ein.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber Woka,


    Du erwähnst Kathleen Battle - die hat ja nun gerade mit Marsalis die CD "Baroque Duet" aufgenommen.


    Und um mal zu zeigen, wie wunderbar die beiden zusammenspielen, hier ein Stück, das auch auf der CD zu finden ist:


    "Let the bright Seraphim" von Händel



    Eine vorbildliche Einspielung in gleich mehrfacher Hinsicht: das Orchester dominiert nicht, sondern läßt die Solisten glänzen, bereitet aber einen "firmen" Grund - Marsalis spielt hervorragend auf einem sehr schönen Instrument - und schließlich singt Battle vergleichsweise unprätentiös, ohne superstarkes (nervendes) Vibrato, ohne künstliche Dramatisierung durch wilde Dynamiksprünge, vergleichsweise "schlank", und sie trifft immer vollständig rein den richtigen Ton - kann man nicht für alle auf youtube vorhandene Interpretationen sagen.


    Eine auch gute Interpretation ist die folgende:


    , kommt aber an Battle, Marsalis nicht heran.

  • Mein Schutzprogramm meldet mir beim Öffnen des Threads "eine Bedrohung wurde gefunden". Anscheinend geht es um eine der Bilder in den ersten postings. Kann das vielleicht mal jemand überprüfen?

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Den Dirigenten Dean Dixon (1915 - 1976) möchte ich nennen. Er war, seinerzeit durchaus noch aufgrund eines gewissen Rassismus, in Europa angesehener als vorher in den USA. Dies änderte sich erst gegen Ende seines relativ kurzen Lebens.


    "https://de.wikipedia.org/wiki/Dean_Dixon"


    Danke, Wolfgang. Dieser Name fiel mir ebenfalls unmittelbar ein, als ich den Threadtitel sah - auch wenn es natürlich um Solisten geht.


    Instrumentalsolisten kommen mir keine in den Sinn, SängerInnen gibt es sicher einige, aber das ist nicht meine Baustelle.


    Interessanter Artikel zum Thema bzw. der impulsgebenden Solistin: KLICK


    Viele Grüße
    Frank

  • Der stimmgewaltige Sänger Simon Estes fällt mir in diesem Zusammenhang auch noch ein:



    Hinsichtlich der Instrumentalsolisten oder auch Dirigenten sieht es tatsächlich so aus, dass Farbige in den USA wohl nicht unbedingt die Chancengleichheit genießen, die man sich wünschen könnte, denn irgendwie kennt man da kaum jemanden. Im Jazz- oder Bluesbereich sieht es ja bekanntermaßen ganz anders aus (beim Gospel natürlich auch).


    Immerhin weiß man ja, dass Condulizza Rize zur Konzertpianistin ausgebildet wurde, sich dann beruflich aber etwas anders orientierte.....



    Gruß
    Glockenton

  • Stewart Goodyear, 1978 in Toronto geboren, spielte 2010 alle 32 Klaviersonaten von Beethoven an fünf Tagen bei insgesamt 9 Aufführungen. Ob er schon Diskriminierung erfahren habe, wurde er gefragt. Er antwortete, dass es viele "orchestral organizations" gäbe, die keine Fotos von ihm drucken ließen, auf denen er Beethoven spielt. Eine fühle sich regelrecht angegriffen, weil er Beethoven spiele. Jemand wie er solle doch nur Gershwin spielen.


    Hammerklaviersonate

  • Stewart Goodyear, 1978 in Toronto geboren, spielte 2010 alle 32 Klaviersonaten von Beethoven an fünf Tagen bei insgesamt 9 Aufführungen. Ob er schon Diskriminierung erfahren habe, wurde er gefragt. Er antwortete, dass es viele "orchestral organizations" gäbe, die keine Fotos von ihm drucken ließen, auf denen er Beethoven spielt. Eine fühle sich regelrecht angegriffen, weil er Beethoven spiele. Jemand wie er solle doch nur Gershwin spielen.


    Hammerklaviersonate


    nu ja, auch ihm gelingt es nicht, diesem weitgehend strukturlosen Geklimper irgendetwas abzugewinnen - im Vergleich zu Lisitsa, die es schafft, aus der einen oder anderen Stelle noch ein bißchen Charme herauszupressen, spielt er wesentlich abgehackter.

  • Lieber Michael,


    ist das Zufall, dass du ausgerechnet Valentina Lisitsa und Stewart Goodyear miteinander vergleichst?
    Beide waren in einen Skandal verwickelt, der sich im April in Toronto abgespielt hat und der dazu geführt hat, dass das zweite Klavierkonzert von Rachmaninoff dort nicht zur Aufführung kam. (Stattdessen wurde Mahlers Fünfte gespielt.) Zunächst war Lisitsas Auftritt wegen politischer Äußerungen von ihr auf Twitter abgesagt worden. Valentina Lisitsa ist in Kiew geboren, hat russische, ukrainische und polnische Vorfahren, sympathisiert aber wohl wie Anna Netrebko und Valery Gergiev mit den pro-russischen Separatisten.
    Nun sollte Stewart Goodyear einspringen, der aber in den sozialen Medien bald darauf so heftigen Angriffen ausgesetzt war, so dass er sich gezwungen sah, auch von dieser 'von ihm so sehr herbeigesehnten' Aufgabe zurückzutreten. Den Verantwortlichen des Toronto Symphony Orchestra wurde vorgeworfen, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu untergraben, indem sie Lisitsa "ausluden". In diesem Zusammenhang wurde dieser Vorwurf auch Stewart Goodyear gemacht, der mit einem Rückzug reagierte.


    Kennt jemand diese Vorfälle aus der deutschen Presse? Ich habe jetzt im Nachhinein nichts Deutschsprachiges darüber gefunden. An mir ist das damals jedenfalls völlig vorüber gegangen. Ich hoffe, ich habe das alles aus dem Amerikanischen richtig 'übersetzt'.

  • Lieber Seicento,


    nein, der Zusammenhang war mir nicht bekannt - ich vergleiche die meisten Pianisten mit Lisitsa (wenn vorhanden), da sie zur Zeit mein Referenzpianist ist.


    Ich habe auch von dem Skandal um Valentina Lisitsa gehört. Aus meiner Sicht hat sich das Orchester, das sie ausgeladen hat, unsterblich blamiert. Wer will sich von solchen Schwachmaten noch was vorspielen lassen??


    Daß Goodyear schließlich auch zurückgezogen hat, scheint ihn ja nun eher zu ehren.


    Aus unserem Mainstream-Medien-Müll ist allerdings auch mir davon nichts bekannt geworden, ich habe es über youtube erfahren, in einem Beitrag der empörten und enttäuschten Valentina selbst.

  • Wie sieht es neben den Solisten eigentlich mit z.B. Orchestermusikern aus? - Ich habe gerade mal schnell Photos der Big Five angeschaut und auch dort scheint mir der Anteil asiatisch-stämmiger Mitglieder wesentlich größer zu sein, als der Anteil an schwarzen Musikern.

  • Hallo!


    Die Brüder Demarre und Anthony McGill habe ich als Solisten entdeckt, die in diiesem Thread passen:


    Demarre McGill Flötist
    Anthony McGill Klarinette



    Gruß WoKa