Dieser thread gehört dem STREICHQUINTETT!

  • Hallo, Kammermusikfreunde!


    Hier geht es um Kammermusikwerke mit fünf Streichinstrumenten. Die übliche Besetzung ist: 2 Violinen, 2 Violas, 1 Violoncello.


    Zu vier Streichquintetten existieren bereits drei threads:


    Mozart: Streichquintette C-dur KV 515 und g-moll KV 516


    Schubert: Streichquintett C-dur D 956


    Bruckner: Streichquintett F-dur



    In diesem thread können bzw. sollen weitere Werke dieser Kammermusik-Disziplin vorgestellt werden. Es gibt eine große Anzahl davon, viele stehen im Schatten der Streichquartette der jeweiligen Komponisten. Ich selbst kenne bisher nur ein recht beschränktes Repertoire an Streichquintetten und hoffe, hier interessante Anregungen zu erhalten.


    Ich beginne mit Streichquintetten von Beethoven:


    Das bekannteste ist sicherlich das Streichquintett C-dur op. 29, ein viersätziges (allegro moderato - adagio molto espressivo - scherzo.allegro - presto) Werk von 1800/01. Es ist ein eher leichtes, "oberflächliches" (im Vergleich zu den Quartetten) Werk, das sicher nicht in die erste Reihe der Kammermusik Beethovens gehört. Aber ein Kennenlernen lohnt sich dennoch, gerade für Beethoven- oder Kammermusikfreunde.
    Ich selbst kenne das Werk auch noch nicht sehr lange.


    Dann gibt es noch das Streichquintett Es-dur op. 4 (1796), eine Neubearbeitung des Bläseroktetts op. 103 (1792); das Streichquintet c-moll op. 104 (1817), eine Transkription des Klaviertrios op. 1 Nr. 3 (1794); die Fuge für Streichquintett D-dur op. 137 (1817), die möglicherweise zu einem geplanten Streichquintett gehören sollte; und noch "Beethovens letzter (musikalischer) Gedanke" (1827), eine nur in der Klavierfassung überlieferte Passage eines geplanten Streichquintetts.
    Diese Werke kenne ich alle nicht.
    Kennt jemand einen empfehlenswerten CD-Sampler, auf denen alle (oder zumindest einige) Streichquintette von Beethoven drauf sind?



    Zum Abschluß noch zwei Fragen, betreffend das Schubert-Streichquintett:
    1.) Ist es das einzige mit 2 Celli anstatt 2 Violas?
    2.) Gibt es jemanden, für den es nicht das überragende Werk dieser Gattung ist?


    Jetzt bin ich gespannt, was Ihr zum Thema Streichquintett beitragen möchtet!


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius
    Zum Abschluß noch zwei Fragen, betreffend das Schubert-Streichquintett:
    1.) Ist es das einzige mit 2 Celli anstatt 2 Violas?
    2.) Gibt es jemanden, für den es nicht das überragende Werk dieser Gattung ist?


    Salut,


    zu 1: Was Schubert betrifft: JAAAAein.


    D956 ist das einzige mehrsätzige Streichquintett von Franz Schubert überhaupt, komponiert 1828 unmittelbar vor dem "Schwanengesang". Es gibt noch eine Ouvertüre für Streichquintett in c-moll D8 aus dem Jahre 1811 in "klassischer" Streichquintettbesetzung.


    zu 2: Bestimmt.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Boccherini "erfand" vermutlich das Quintett mit 2 Celli, Mozart schuf als einer der ersten Werke mit zwei Violen (Michael Haydn auch?). Ich habe eine CD mit Kammermusik von Boccherini, aber wenn ich recht sehe, ohne Quintett. Wie ich gehört habe, sind die von Boccherini wohl eher als konzertantes Cello+ Quartett konzipiert (es gab auch konzertante Quintette für Geigen + Quartett)
    Ich weiß nicht, ob es spätere Quintette mit 2 Celli gibt, vermute aber schon.
    (bei Dvorak gibt es wohl eins mit Cello und Kontrabass)
    Der fünfstimmige Satz mit 2 Geigen und 2 Bratschen hat eine gewisse Tradition (franz. Barockmusik (?), da kann der Lullist sicher mehr sagen), Mozart hat auch in einigen Orchestersätzen geteilte Bratschen (Sinfonia Concertante).
    Ich kenne wie gesagt kein anderes Werk mit 2 Celli, würde aber in der Gattung insgesamt keine Rangordnung zwischen Mozarts 4 großen Quintetten und Schuberts Meisterwerk aufstellen wollen.
    Weitere nennenswerte Quintette gibt es von Mendelssohn (habe ich jetzt nich im Ohr, sind recht frühe Werke) und Brahms (op. 88 und 111).
    Die Brahms-Quintette sind sehr gut, nicht ganz so eingängig wie die Sextette, aber mehr als die Quartette. Das 2. hat einige sehr schöne wienerisch-ungarische Elemente, das 1. scheint im Finale ein wenig an ein barockes Konzert anzuspielen und hat einen sehr interessanten Mittelsatz, der Adagio und Scherzo verbindet (wie die Violinsonate A-Dur). Soviel nur aus dem Stegreif.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Salut,


    Zitat

    aus dem Jahr 1828 gibt es bestimmt kein grandioseres Streichquintett auf der Welt!


    da kannst du ruhig vorher und nachher eine ganze Menge Jahre hinzufügen! ;)

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Salut,



    da kannst du ruhig vorher und nachher eine ganze Menge Jahre hinzufügen! ;)



    ... o.k. 37 Jahre vorher ist noch genehmigt. Das Danach ist mir ziemlich Wurscht... ;)


    :baeh01:


    Ulli

  • Moin,


    dann biete ich mal mit:


    Vaughan Williams: Phantasy Quintett
    auch hier 2 Bratschen.


    Ich hatte es vor vielen vielen Jahren mal gehört, gestern habe ich es endlich bestellt:



    Sobald es da ist, und ich es mehrfach gehört haben werde, werde ich eine Stellungnahme rauslassen.

  • Da fällt mir gerade noch ein, das der Dvorak ja auch, ich glaube, zwei Quintette geschrieben hat. Ich kennen sie aber leider nicht.


    Da habe ich aber beim Suchen, doch folgendes gleich gefunden:



    Und gemäss diesem Cover:

    ist das eine mit zusätzlicher Viola und das andere mit Kontrabass.

  • Hallo Stefan,



    Dvorák komponierte drei Streichquintte:


    Nr.1 in a-Moll op.1 (2x Violine, 2x Viola, Violoncello)


    Nr.2 in G-Dur op.77 (2x Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass)


    Nr.3 in Es-Dur op.97 (2x Violne, 2x Viola, Violoncello)



    Gruß, Maik

  • Salut Ulli,


    OK, ich anerkenne deine Konzilianz... ;)


    (aber ganz unter uns gesagt: vor dem Adagio hätte sogar der Wolferl seinen Hut gezogen und wahrscheinlich hätte er sich gefragt, wieso er nicht die geniale Idee gehabt hat, dass zwei parallel geführte Streicher wie ein Harmonium klingen können)

  • Warum sollte irgendein Komponist mit Geschmack wollen, dass irgendwas wie ein Harmonium klingt??? Warum nicht gleich Akkordeon? :D:stumm:
    Zu Schuberts Ehrenrettung, mir ist noch nie aufgefallen, dass im Quintett etwas so klingt, wo sollte das denn ungefähr sein?


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo JR


    Sehr witzig! :angry:


    Der erste Teil des Adagios besteht aus einer ganz einfachen Melodie, bei der Instrumente parallel geführt werden. Diese einfache Melodie wird von der 1. Violine mit Verzierungen umspielt und ein Cello fügt den Rythmus mit einem Pizzicato dazu.
    Bei richtigem Spiel dürfen die parallel geführten Instrumente indiviuell nicht erkennbar sein, es ergibt sich ein Mischklang, der überhaupt nicht mehr an Streichinstrumente erinnert, sondern einem Harmonium ähnelt. Es ist ein von Schubert bewusst eingesetzter Effekt. Dass man so überhaupt einen Kammermusiksatz entwirft, ist ein Genieblitz ohnegleichen, und Schubert macht daraus eines der schönsten Stücke Musik, die je zu Papier gebracht wurden.
    Im dritten Teil des Adagios ist anfangs der Harmonium-Effekt öfters zu hören, zum Ende hin wird die Anfangsmelodie wieder eingeführt und der Satz klingt aus wie er begonnen hat.

  • Moin,


    war gestern durch Zufall beim Höckerer und habe gefunden:


    Bax: Streichquintett (2 Celli)



    Leider finde ich die Aufnahme des Labbels Dutton nicht auf Anhieb bei A.. und J...
    Das Werk konnte mich aber im ersten Anlauf nicht überzeugen.

  • Hallo!


    Ich bin über die Resonanz dieses threads sehr erfreut! :yes:


    Nun zu Luigi Boccherinis Streichquintetten:


    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Boccherini "erfand" vermutlich das Quintett mit 2 Celli


    Ihn hatte ich ganz vergessen! :O
    Dabei hatte ich diese CD in meinem Regal stehen, bereits (zu) lange ungehört:

    Schöne Aufnahme! Das 1. Cello spielt übrigens Anner Bylsma.


    Das Streichquintett f-moll op. 11 Nr. 4 und das Streichquintett A-dur op. 11 Nr. 5 sind viersätzige Werke, jeweils dem Satzschema langsam-schnell-minuetto-schnell folgend.
    Der dritte Satz von op. 11 Nr. 5 ist übrigens das berühmte "Boccherini-Menuett".


    Das Streichquintett D-dur op. 11 Nr. 6 hat drei recht individuelle Sätze und bewegt sich bereits im Bereich der Programmusik. Es trägt den Beinamen "dello L'ucceliera" - also aus dem Vogelhaus. Im ersten und dritten Satz sind viele Vogelimitationen zu hören. Der zweite Satz ist mit "Pastori ed i Cacciatori" überschrieben, also "Hirten und Jäger" - tatsächlich ist nach pastoralem Beginn eine Jagdmusik zu hören.


    Diese Quintette sind schöne und hörenswerte Kammermusik! :]


    Kennt jemand weitere Streichquintette von Boccherini? Im booklet zur oben abgebildeten CD ist angedeutet, daß es noch weitere Programmusiken unter ihnen gibt.


    Ich werde mal die mir bekannten Streichquintette in nächster Zeit anhören - und natürlich hier davon berichten!


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo!


    Nun zu den Mozart-Streichquintetten, die noch keinen eigenen thread haben:


    Das Quintett Es-dur KV 614 entstand im April 1791 und hat vier Sätze allegro di molto - andante - menuetto. allegretto - allegro.
    Als ich mich damals entschied, welches Mozart-Quintett ich zuerst kennenlernen möchte, traf nach kurzem Hören meine Wahl auf dieses, die anderen stehen daher immer noch für mich im Schatten von KV 614.
    Es ist eine wunderschöne Komposition - heiter, anmutig und erhaben - ein würdiger Schlußpunkt in Mozarts Kammermusikschaffen. Es ist mein liebstes Streichquintett nach Schuberts und somit für mich die Nr.1 in der Besetzung 2 Violinen - 2 Violas - 1 Cello.


    Das Quintett D-dur KV 593 ist auch schön anzuhören, hat aber nicht die Leichtigkeit von KV 614, was an den ernsteren Passagen und der starken Verwendung von kontrapunktischer Kompositionsweise liegen mag. Es wurde im Dezember 1790 komponiert und hat die vier Sätze larghetto. allegro - adagio - menuetto. allegretto - allegro.


    Das Quintett B-dur KV 174 aus dem Jahr 1773 kenne ich nicht.


    Ulli : Es wäre toll, wenn Du zu den Werken noch Informationen beisteuern könntest. Zudem interessiert mich, welches der Mozart-Streichquintette Du bevorzugst.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Salut,


    von den genannten bevorzuge ich KV 593 D-Dur und zwar insbesondere den letzen Satz wegen der Chromatik gleich zu Beginn. Zu diesem Quintett gibt es den wunderbaren Entwurf eines ersten Satzes, leider nur 19 Takte.


    Der wirkliche Anlass der Komposition der letzten Quintette ist nicht bekannt. Lange ging das Gerücht um, es habe einne "ungarischen Besteller" gegeben. Sogar den Namen konnte man nennen: Johann Tost. Joseph Haydn hat diesem Tost seine Quartette op. 64 und 65 gewidmet. Allerdings ist diese Annahme Mozart betreffend nicht nachweisbar. Das Streichquintett war zur damaligen Zeit noch lange nicht so etabliert, wie das Streichquartett und rutschte so oftmals eher in die Kategorie "Divertimento". Zudem ergaben sich "Probleme" bei der Besetzung; wie schon erwähnt gab es Formationen von 2 Vl, 1 Vle, 2 Vc oder gar bei G. B: Sammartini 3 Vl, 1 Vle, 1 Vc. Homogen ist die Zusammensetzung aus 2 Vl, 2 Vle, 1 Vc für die sich Mozart entschied: Nur so kann sich eine gewisse Wärme entfalten, andernfalls ist ein Quintett zu hell oder zu dunkel - je nachdem, ob man dies wünscht.


    Zum Es-Dur-Quintett gibt es ebenfalls zwei Skizzen resp. Entwürfe zu einem Hauptsatz [KV 613a und 613b].


    KV 174 B-Dur ist das erste Streichquintett Mozarts, danach folgen eigentlich lediglich KV 515 C-Dur, das Fragment a-moll KV 515c, KV 516 g-moll, die eigene Bearbeitung der c-moll-Serenade KV 516b [406] sowie die beiden letzten.


    Zu KV 174 gibt es zwei Fassungen des Trios [Menuett] und des Schlußsatzes, wobei mir persönlich die erste - verworfene - Fassung des Schlußsatzes besser gefällt, ein Fugato. Die erste Fassung des Quintettes wurde im Frühjahr 1773 nach dem Vorbild Michael Haydns und Luigi Boccherinis komponiert. Nachdem Michael Haydn im Dezember 1773 ein neues Quintett herausgab, sah sich der junge Mozart veranlasst, sein Werk umzuarbeiten und in der Partitur entsprechend anzumerken, welche Fassung die gültige sei.


    Joseph Haydn soll auf die Frage, warum er denn so wenige Streichquintette komponiert habe, geantwortet haben, dass er eben mit vier Stimmen alles ausdrücken könne. Ob die Anekdote nun authentisch ist oder nicht: Im Prinzip stimmt es: Ein Bass als Fundament [hier: Vc] plus Dreiklang. Im Quintett ist oft eine Stimme das fünfte Rad am Wagen - man behalf sich durch Verdoppeln einer Stimme oder durch Aufteilen des Materials. Im Prinzip kann man sich das Quintett schenken - gäbe es da nicht diese wunderbaren Kompositionen des fünfstimmigen Satzes...


    Avec mes compliments
    Ulli

  • Hallo allerseits,


    Brahms schrieb zwei Streichquintette, die beide in seiner späten Schaffensphase entstanden. Das Quintett op. 88 entstand im Jahre 1882; es ist dreisätzig angelegt und voller Heiterkeit und Schönheit. Ein enger Freund von Brahms schrieb seinerzeit darüber an Clara Schumann: „Hinter jedem Satz steht ‚im Frühling 1882’. Und wahrlich, alles tönt und atmet Frühling… Wohllaut, Wonne, Musik von raffaelischer Schönheit!“ :yes:


    Op. 111 komponierte Brahms 1890, es ist viersätzig. Vor allem der dritte und vierte Satz sind geprägt von heiterer und gelöster Stimmung.


    Ich liebe die zwei Streichquintette sehr! Diese IMO wunderschöne Interpretation möchte ich empfehlen, die zudem in herrlich natürlicher, audiophiler Klangqualität ist:



    Leipziger Streichquartett (Mit Hartmut Rohde, Viola) – Label: MDG, 2003


    Das Leipziger Streichquartett gründete sich 1988 aus Mitgliedern des Gewandhausorchesters, wurde seitdem mit vielen Preisen und Auszeichnungen geehrt.
    Die CD ist einer meiner Kammermusik-Favoriten, der unbedingt mit auf die „Tamino-Arche“ gehört.


    Gruß, Cosima

  • Salut Pius,


    soeben entdecke ich bei Heirich Eduard Jacob folgende Textstelle:


    Weihnachten 1790 - es werden seine letzten sein! - hat ihn tiefe Müdigkeit überkommen. Er kann sie nicht wegmusizieren mit seinem Klavierkonzert in B-Dur [KV 595], noch mit dem schönen Streichquintett in D-Dur [KV 593] oder dem in Es [KV 614], aus dem es von Vogelstimmen klingt. Vogellaute erklingen sonst eher in Joseph Haydns Reich. War es ein Gruß an den großen Freund?


    Kannst Du das in Bezug auf die Vogelstimmen in KV 614 nachvollziehen?


    Trés amicalament
    Ulli

  • Hallo, Ulli!


    Nein, das kann ich jetzt spontan nicht nachvollziehen, werde mir das Werk heute abend aber noch mal anhören. Dennoch bin ich ziemlich sicher, daß es da (für mich zumindest) keine Vögel zu hören gibt.
    Ein schönes Streichquintett voller Vogelgezwitscher ist das Quintett D-dur op. 11 Nr. 6 von Luigi Boccherini, das kennenzulernen ich sehr empfehlen kann - falls Du Boccherini magst.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo, Cosima!


    Ja, die Streichquintette von Brahms dürfen hier nicht fehlen! Ich höre sie auch gerne.


    Es gibt übrigens, wie ich gelesen habe, ein Streichquartettfragment aus dem Jahre 1862 von Brahms, das dieser nach einer Kritik J. Joachims ("mangelnder Klangreiz") liegenließ. :(


    Das F-dur-Quintett op. 88 ist in der Tat ein sehr heiteres, schönes Werk. Es ist unüblicherweise dreisätzig, wobei aber im zweiten Satz sowohl langsamer Satz als auch Scherzo stecken. Wie ich hier gerade im Text von Heinz Becker lese, ist der Satzaufbau folgender:
    Das Adagio, das dreimal mit veränderten Reprisen durchgeführt wird, umschließt ein scherzoartiges Siciliano, das ebenfalls in variierter Form noch einmal wiederkehrt, so daß sich das ganze als eine fünfteilige, variierte Rondoform präsentiert. Für das Adagiothema verwandte Brahms eine ältere Sarabandenstudie aus dem Jahre 1855.


    Das G-dur-Quintett op. 111 hatte Brahms als Schlußpunkt seiner Komponistenkarriere geplant; er hat nach einer Pause aber dann doch noch weiterkomponiert.
    Das Werk ist ebenfalls heiter-beschwingt, und die (vier) Sätze sind auf ein klassisch-bündiges Maß entschlackt.
    Der erste Satz beruht übrigens auf Skizzen für eine fünfte Symphonie.


    Ich besitze zwei Aufnahmen der Quintette, mit dem Amadeus-Quartett und mit dem Brandis-Quartett. Ich ziehe die mit dem Amadeus-Quartett vor, sie ist etwas flotter, spielfreudiger.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo!


    Nun wird es aber Zeit für die Streichquintette von Dvorak:


    Das bekannteste ist sicherlich das Quintett Es-dur op. 97 in der klassischen Besetzung mit Streichquartett und 2. Viola. Es enstand, genau wie das populäre Streichquartett F-dur op. 96, während Dvoraks Aufenthalt in Spilville, Iowa. Komponiert hat er es zwischen dem 26.6. und dem 1.8. 1893. Uraufgeführt wurde es am 12.1.1894 in New York.
    Das Werk ist viersätzig - 1. allegro non tanto - 2. scherzo - 3. larghetto (As-dur) - 4. allegro giusto. Auffällig ist, daß der erste Satz mit dem Thema in der 2. Bratsche beginnt. Daß Dvorak selbst dieses Instrument spielte, hat vielleicht zum gleichberechtigten Spiel der Instrumente in diesem Quintett geführt.


    Das Quintett G-dur op. 77 kenne ich nur flüchtig aus dem Radio. Es ist für ein um ein Kontrabaß erweitertes Streichquartett komponiert. Dvorak gewann mit diesem Werk 1875 den ersten Preis des Kammermusikwettbewerbs in Prag.


    Maiks Beitrag oben entnehme ich, daß es noch ein Quintett a-moll op.1 in klassischer Besetzung von Dvorak gibt. Dazu kann ich aber nichts sagen. Vielleicht möchte Maik zu Dvoraks Quintetten noch etwas sagen?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Pius,


    Zitat

    Vielleicht möchte Maik zu Dvoraks Quintetten noch etwas sagen?


    leider ist mir dies nicht möglich, da ich nicht ein einziges bisher gehört habe.
    Ich bin gerade dabei, mich durch seine Streichquartette zu hören und habe deshalb noch keine Möglichkeit gehabt, mir auch noch die Quintette zu holen (du weißt ja...das haben wollen ist eine Sache und die Finanzierung die andere).



    Aber glaube mir, ich werde diese Werke sicher nicht auslassen! ;)



    Gruß, Maik

  • Hallo, Ulli!


    Ich habe mir KV 614 noch mal angehört. Wenn man so will, ist bereits das Hauptthema des ersten Satzes Vogelgezwitscher. Von selbst würde ich das nicht so sehen, aber der Phantasie sind ja keine Grenzen gesetzt...


    Allerdings ist das Hören dieses Quintetts immer wieder eine Freude, es ist, als würde man pures Glück hören! :jubel:



    Viele Grüße,
    Pius.

  • Salut,


    Du hast das große Glück, in diesem Quintett höchst persönliche Wesensäußerungen Mozarts kennen und lieben gelernt zu haben.


    Zugegeben, Jacobs romantisiert ein wenig viel, aber es ist immer wieder eine Freude, in diesem Buch nachzulesen.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Hallo!


    Vor einer Weile quasi passend zum thread gekauft habe ich diese Aufnahme:



    Mir scheint die Kammermusik Spohrs zu liegen, die Quintette op. 33 gefallen mir, das erste in Es-dur etwas mehr als das zweite in G-dur.
    Spohr hat noch vier weitere Streichquintette komponiert. Es wäre sicher auch interessant zu erfahren, ob der späte Spohr stilistisch anders klingt. Bis jetzt kenne ich von ihm nur Kammermusik so um op. 30 herum.
    Kennt zufällig jemand eines der anderen Quintette?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Moin,



    "Das Phantasy Quintet, im Jahre 1912 komponiert, entstand unter der Schirmherrschaft von Walter Wilson Cobbett (1847-1937), einem Geschäftsmann und Laienmusiker, dessen Leidenschaft der Kammermusik und der elisabethanischen Musik galt. Er interessierte sich besonders für die instrumentale „Fantasy"-Form (oder, in seiner bevorzugten Schreibweise, „Phantasy"), in der mehrere unzusammenhängende und verschiedene Passagen den Ausgangspunkt für ein ausgedehntes Werk bildeten. 1905 setzte er einen Preis für einsätzige kammermusikalische Werke aus, was viele Kompositionen in dieser Form von Komponisten wie Bridge, Ireland und Howells auslöste. Er gab auch Werke in seiner bevorzugten Form in Auftrag, darunter Vaughan Williams' Phantasy Quintet, in dem der Komponist zu der normalen Streichquartettbesetzung eine zweite Viola hinzugefügt hatte. Das London String Quartet, geleitet von Albert Sammons und mit James Lockyer als zweiten Bratschisten, brachte es am 23. März 1914 zur Uraufführung, und teilte sich die Widmung mit Cobbett.
    Es ist ein Werk der frühen Reife des Komponisten und demonstriert seine Verbundenheit zu der englischen Musik des 16. und 17. Jahrhunderts und wiederum zum englischen Volkslied.


    Die vier Sätze werden attacca gespielt und teilen eine thematische Idee, die zuerst von der ersten Viola in einem pentatonischen Solo realisiert wird. Dieses Solo eröffnet gleichzeitig den ersten Teil, der mit „Prelude" überschrieben ist. Der warme und gleichzeitig sehnsüchtige Klang der Viola sprach den Komponisten besonders an (er spielte das Instrument selbst) und spielt in diesem Quintett wie auch im Zweiten Streichquartett eine wichtige Rolle. Im Scherzo bewegt sich die Musik im 7/4-Takt über einem Holst'schen Ostinato, und ist durch eine rhythmische Freiheit charakterisiert, die mit englischen Madrigalen assoziiert wird. Eine subtile Veränderung der Textur wird im dritten Teil, „Alla Sarabanda" deutlich, in dem das Cello aussetzt und die anderen Instrumente mit Dämpfern spielen. Das Finale, „Burlesca", reflektiert weiterhin die „Phantasy"-Form, indem es selbst unterteilt ist. Es beginnt mit der Wiederkehr des Cellos in einem ironischen Solo, dessen schrulliger Charakter von den anderen Instrumenten übernommen wird. Darauf folgt ein ausgelassener Tanz, der durch das Wiederauftreten der „Prelude"-Musik unterbrochen wird: der Tanz beginnt nochmals und kann erst ganz am Ende zur Ruhe gebracht werden, als die Musik schließlich einen ganzen Kreis beschrieben hat."


    Aus dem Textheft von Andrew Burn



    :jubel: :jubel:
    Ich habe seit ca. 20 Jahren nach einer mich befriedigenden Aufnahme dieses sehr selten gespielten Werkes gesucht. Vor kurzem habe ich endliche diese grossartige Aufnahme erstanden. Das Nash Ensemble spielt sehr gut. Das Werk fängt perfekt die typische Vaughan Williams Stimmung ein. Auch die anderen Werke auf dieser CD kann ich uneingeschränkt empfehlen.
    :jubel: :jubel:

  • Hallo an alle an diesem Neujahrsmittag!


    Noch habe ich nichts von Mendelssohn's zwei Streichquintetten gelesen. Deshalb meine Empfehlung für diese zwei außerordentlichen Streichquintette:


    Streichquintett Nr. 1 A-Dur, Op. 18 (2 Violinen, 2 Violen, 1 Cello)
    Streichquintett Nr. 2 B-Dur, Op. 87 (2 Violinen, 2 Violen, 1 Cello)


    Mein Favorit der beiden ist das A-Dur-Quintett. Melodisch, subtil verarbeitend und bravourös steigernd, voll mit Ideen und das Ganze zeigt wieder, wie gut Mendelssohn über Streicher Bescheid wußte. Das Scherzo ist fugiert und in bekannter Mendelssohn-Scherzo-Manier. Das B-Dur-Quintett hat eine weiterausholende Geste, das A-Dur Quartett lebt mehr von motivischen Abspaltungen und Neuentwicklungen.


    Ein Hörgenuß!


    Damit Grüße,
    Daniel :hello:

  • Hallo!


    Zitat

    Original von Pius
    Kennt jemand einen empfehlenswerten CD-Sampler, auf denen alle (oder zumindest einige) Streichquintette von Beethoven drauf sind?


    Seit kurzem besitze ich:


    Mein erster Eindruck ist ein eigentlich recht zufriedener.


    In der 2CD-Box enthalten sind:
    Streichquintett C-dur op. 29
    Streichquintett c-moll op. 104
    Streichquintett Es-dur op. 4
    Fuge für Streichquintett D-dur op. 137
    Duett für Viola und Cello Es-dur WoO 32
    Sechs Ländler für Streichquartett WoO 15


    Viele Grüße,
    Pius.