Der Traum in der klassischen Musik

  • Hallo!


    Als ich gestern das Bolschoi Theater im Kino den Nußknacker tanzen sah, ging mir kurz durch den Kopf, ob es außer diesem Werk noch weitere gibt, bei denen das Wesen der Handlung in einem Traum besteht. Dabei ging es mir um Orchesterwerke, Opern etc., nicht um Lieder (da wäre das Feld meines Erachtens zu groß).


    Auf Anhieb fiel mit Korngolds Die Tote Stadt ein, wo der Protagonist Paul im Traum die Identität der Tänzerin Marietta über die seiner verstorbenen Frau Marie legt. Ich gebe zu, dass ich mit der Oper, als ich sie letzthin in Frankfurt sah, so meine Probleme hatte.


    Eine weitere Oper, die mir einfiel (die ich allerdings nicht kenne) ist Der Traumgörge von Alexander von Zemlinsky, in der Görge in seine Traumwelt entflieht.


    Welche Werke, die in diese Rubrik passen, kennt Ihr?
    Ihr könnt ja mal drüber schlafen... :angel:


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Es gibt ein Oratorium von Elgar, das "The dream of Gerontius" heißt, aber das ist mir vom Titel abgesehen, unbekannt.


    Lieder gibt es vermutlich sehr viele, z.B. "Frühlingstraum" aus der Winterreise, "Nacht und Träume" (Schubert), "Allnächtlich im Traume" und "Ich hab im Traum geweinet" (Dichterliebe).


    Traum ist in der gesamten Romantik ein derart zentraler Begriff, da gibt es auch viele Instrumentalstücke: Liszts "Liebestraum", Schumanns "Traumeswirren" (aus Fantasiestücke op.12), "Träumerei" (Kinderszenen). Berlioz: Symphonie Fantastique

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Das ist mal ein schönes Thema :jubel:


    Als erstes fällt mir hier Berlioz' "Symphonie fantastique" ein, deren letzte beiden Sätze einen durch Opium erzeugten Traum beschreiben: der "Marche au supplice" (Gang zum Richtplatz) nach der Ermordung der Geliebten und der "Songe d’une nuit du Sabbat" (Hexensabbat). "Berlioz takes a trip" brachte es Lenny auf den Punkt :D


    Und aus der Kategorie Oratorium: Elgars "The Dream of Gerontius" nach dem Text von Kardinal John Henry Newman. Beschrieben wird im zweiten Teil der Weg der Seele nach dem Tod.

  • Nachdem ich mit meinen Beispielen um Sekunden zu spät kam :wacko: , lege ich noch nach: die musikalischen Bearbeitungen von Shakespeares "A Midsummer Night's Dream" kann man hier ebenfalls nennen, also natürlich Mendelssohns Ouvertüre und spätere Schauspielmusik, aber auch Benjamin Brittens Oper.


    Der Begriff "Dream" ist hier allerdings weiter zu verstehen als das Träumen während des Schlafes. Das ganze Stück ist so etwas wie eine Phantasterei, aber auch die durch Magie bewirkten Täuschungen verschiedener Charaktere sind hier wohl gemeint. Auch in dem Elgar-Oratorium geht es nicht um einen Traum im engeren Sinne, sondern eher um eine Vision.


    Und dann noch Tschaikowskis Symphonie Nr. 1 "Winterträume", namensgebend ist hier der erste Satz, der den Titel "Traum von einer Winterreise" trägt. Was da im Russischen steht und ob die deutschen Übersetzungen den Sinn richtig treffen, vermag ich nicht zu sagen.

  • Bei Traum fällt mir als allererstes das vierte Lied aus Mahler's Lieder eines fahrenden Gesellen ein, dessen letzte Zeile lautet:


    Auf der Straße steht ein Lindenbaum,
    Da hab' ich zum ersten Mal
    im Schlaf geruht!
    Unter dem Lindenbaum,
    Der hat seine Blüten
    über mich geschneit,
    Da wußt' ich nicht, wie das Leben tut,
    War alles, alles wieder gut!
    Alles! Alles, Lieb und Leid
    Und Welt und Traum!




    Die Melodie taucht auch in seiner ersten Symphonie im dritten Satz wieder auf.

  • Hallo!


    Mir fiel eben noch ein, dass ich diese CD besitze und seit Jahren nicht mehr gehört habe:



    Gruß und gute N8
    WoKa
    PS: Habe Sie gerade gesucht und nicht gefunden - Drama!

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Heut' Nacht hab ich geträumt von dir, du heiß geliebte Frau.
    Du warst im Traum so lieb zu mir, du heiß geliebte Frau.
    Ich sah dein Bild ganz unverhüllt, so wie ich nie dich sah.
    Küsse mich, so flehte ich, und du, du sagtest ja.
    Unter blühenden Bäumen möcht' ich immer so träumen.
    Längst noch, als ich erwacht, sah ich dein Bild von heute Nacht.
    Und was ich nachts geträumt von dir, ich kann's verraten kaum.
    Warum war's nur ein Traum? Warum war's nur ein Traum?


    Reizende Frau, im Wachen und Träumen, mit glühenden Reimen besing ich dein Bild.
    Süßeste Frau, in flammenden Bildern vermag ich zu schildern, was ganz mich erfüllt:
    Ich war verliebt sofort, als ich dich nur gesehen und was nun außerdem geschah, ach wär' es nie gescheh'n!


    Heut Nacht hab ich geträumt von dir, du heiß geliebte Frau.
    Du warst im Traum so lieb zu mir, du heiß geliebte Frau.
    Und was ich nachts geträumt von dir, ich kann's verraten kaum.
    Warum war's ein Traum? Warum war's nur ein Traum?


    Am liebsten gesungen von Gedda oder Anders.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Wotan will Erda wecken, um von ihr Rat zu erhalten. Doch sie weist ihn noch müde mit der Bemerkung ab, dass er nicht (mehr) der Gott sei, der er zu sein glaubt. Das ist, nach dem einleitenden Orchesterspiel, eine eindringliche Szene.


    Mein Schlaf ist Träumen.
    mein Träumen Sinnen,
    mein Sinnen Walten des Wissens.
    Doch wenn ich schlafe,
    wachen Nornen:
    sie weben das Seil
    und spinnen fromm, was ich weiß.
    Was frägst du nicht die Nornen?


    Uwe

  • Ein sehr schönes Thread-Thema, das du, lieber WoKa, eröffnet hast.


    Robert Schumann Dichterliebe op. 48, Ich hab' im Traum geweinet (Gedicht Heinrich Heine)


    Fritz Wunderlich, Tenor; Hubert Giesen, Piano



    .

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .


  • Als Kind und als Erwachsener hat mich Peter Tschaikowskys Ballett "Der Nussknacker" fasziniert. Es handelt von einem Traum. WoKa hat es eingangs erwähnt. Hier die Handlung:


    "Im Mittelpunkt des Balletts steht Clara, im russischen Original Mascha. Sie bekommt am Weihnachtsabend von ihrem Patenonkel Droßelmeier einen Nussknacker geschenkt. Als sie sich hinlegt, schläft sie ein und träumt von einer Schlacht der vom Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten gegen das Heer des Mäusekönigs. Mit ihrer Hilfe siegt der Nussknacker, der sich danach in einen Prinzen verwandelt, der mit ihr in das Reich der Süßigkeiten reist. Dabei geht es über den Tannenwald zum Schloss Zuckerburg, wo die dort residierende Zuckerfee zu Ehren ihrer Gäste ein Fest veranstaltet." Quelle Wikipedia


    Auf der oben eingestellten CD ist ein zweites Werk enthalten, das von Traum handelt. Als ich die Scheibe erwarb, konnte ich mir keinen Reim darauf machen, weshalb diese beiden Werke zusammen aufgenommen wurden. Erst jetzt erschliesst sich mir der Zusammenhang. Es ist nie zu spät, weiser zu werden. ;)


    Gottfried von Einem: Glück,Tod und Traum (Alpbacher Tanzserenade)
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  • Lieber Dieter Stockert


    Da ich den Liedgesang ebenfalls zur klassischen Musik zähle, erlaube ich mir ein Lied zu erwähnen, obschon dies nicht in der Intention des Threaderöffners ist. Johannes Roehl hat in seinem Beitrag Nr. 2 auch nicht der Versuchung widerstehen können. ;)
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    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Erstaunlicherweise bislang nicht genannt: Elsas Traum in Wagners "Lohengrin":


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Ich schiebe noch mal Elsas Traum nach, weil einfach die "Inszenierung" so umwerfend ist!!!
    Das wird sicher alle Gegner des Regietheater in Begeisterung versetzen!
    Und schön gesungen wird denn auch noch:



    Alle weiteren Träume und Traumerzählungen, die es so in Opern gibt, aufzuzählen, habe ich gerade nicht wirklich die Zeit! Vielleicht liefere ich nach Weihnachten noch ein paar Ergänzugen zu dem, was dann gesammelt wurde.


    Jetzt nur Des Grieux, weil der gar so schön von seinem Traum singt:



    Und dann wäre noch Ännchen mit dem Traum vom Kettenhund.
    Ach ja, Agathe hat ja auch geträumt.



    Und in der Sinfonik fällt mir als erstes Tschaikowski ein mit seinen Winterträumen!



    Und Debussys Träume kann man eigentlich in jeder Besetzung haben:



    Aber jetzt genug geträumt! Ich muss einkaufen gehen!
    Caruso41

  • Im letzten Bild von Janaceks "Die Ausflüge des Herrn Broucek" wacht unser Käferchen (Broucek) in einem alten Bierfass neben seiner Lieblingskneipe auf. Daraus können wir schließen, dass sowohl sein Ausflug auf den Mond wie seine Zeitreise in die Zeit der Hussitenkriege Träume waren. Aber was für welche!




    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Vivaldi: Hier gibt es ein Konzert "La Notte" op.10/2 g-moll mit einem Satz "Fantasmi" und einem weiteren "Il sonno"


    Haydn: im Quartett op.50/5 F-Dur wird der langsame Satz manchmal als "ein Traum" bezeichnet.
    In einem späten Klaviertrio (es-moll) findet sich der Beiname "Jacob's dream". Das bezieht sich anscheinend auf das Aufsteigen der Geige in schwindelnde Höhen, wobei wohl nicht ganz klar ist, ob damit nur die alttestamentliche Vision Jakobs der Engel auf einer Leiter, sondern evtl. auch ein mäßiger Amateurgeiger namens Jacob gemeint gewesen ist, der von einer exakten Beherrschung dieser Passagen nur "träumen" konnte.


    Jedenfalls bringt uns das natürlich auch auf Schönbergs Oratorium "Die Jakobsleiter".


    Eine andere bekannte (moralisch-allegorische) Vision ist der/das sog. Somnium Scipionis (Scipios Traum) aus Ciceros "De re publica". Der jugendliche Mozart hat das als "Il sogno di Scipione" vertont. (Mir ist das Stück nicht geläufig und obwohl ich vor über 25 Jahren Auszüge aus dem Somnium Scipionis im Lateinunterricht durchgenommen hatte, habe ich trotz wikipedia-Auffrischung keine rechte Erinnerung mehr daran... :untertauch: )

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    (Bob Dylan)

  • Eine andere bekannte (moralisch-allegorische) Vision ist der/das sog. Somnium Scipionis (Scipios Traum) aus Ciceros "De re publica". Der jugendliche Mozart hat das als "Il sogno di Scipione" vertont. (Mir ist das Stück nicht geläufig und obwohl ich vor über 25 Jahren Auszüge aus dem Somnium Scipionis im Lateinunterricht durchgenommen hatte, habe ich trotz wikipedia-Auffrischung keine rechte Erinnerung mehr daran... )


    Die Oper ist durchaus hörenswert, es gibt sogar eine DVD-Aufzeichnung von den Salzburger Festspielen:


  • Neben der Traumerzählung des Jago im 2. Akt von Verdis "Otello" möchte ich auch auf die schönste Nummer von Puccinis "La Rondine" hinweisen:


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Man sollte doch ruhig mal genauer hinschauen, , was die Damen und Herren auf der Opernbühne so alles träumen.


    Tannhäuser zum Beispiel hört doch tatsächlich am warmen Busen der Frau Venus - wo er genau genommen gar nicht hingehört - im Traum der "Glocken froh Geläute".
    Au weih!


    Und die Frau Fürstin Feldmarschall, an deren sicher nicht weniger warmem Busen der spätere Rosenkavalier, also der Graf Octavian ruht, träumt, ihr eigener Ehemann, der im fernen Crowatien Bären jagt, sei auf einmal wieder zuhaus gewesen.
    Au Weih!


    Da sind andere Träume schon weniger sonderbar.


    Die Kaiserin - also die Frau ohne Schatten - träumt, dass ihr Mann, der auch gerade in den Wäldern herumjagt, einen fragwürdigen Weg nimmt ('Welchen Weg! Wohin?') schließlich in eine Schlucht irrt und nicht mehr heraus kann ('Die Tür fiel zu, als wär's ein Grab.')


    Und genau so passiert es denn auch!


    Wie in Der fliegende Holländer! Der Jäger Erik liegt da auf einem hohen Felsen und träumt, dass eben jener finstere Seemann "mit schwarzen Wams und bleicher Mien'", dessen Bild seine Verlobte Senta unablässig anhimmelt, plötzlich leibhaftig an den Strand kommt, Senta aufbebt und mit ihr aufs Meer entflieht


    Was soll man dazu sagen?
    Erik weiß es genau: "Sie ist dahin! Mein Traum sprach wahr!"


    Da ist es ja vielleicht ganz gut, dass wir manchmal gar nicht so genau wissen, worum es in den Träumen geht. Oder kann mir jemand sagen, was die schlafende Brünnhilde in den wohl sicher 18 bis 20 Jahren träumt, ehe Siegfried sich von Feuer und Brünne nicht schrecken lässt und die Maid kurzum - na ja so ganz kurz geht das bei Wagner denn doch nicht! - wachküsst?


    Außerdem sollten wir auch nicht immer glauben, was uns über Träume erzählt wird.
    Ich erinnere nur an die Behauptung Jagos, Cassio habe im Traum geklagt, dass er Desdemona an den Mohren Otello verloren habe. Ist zwar eine schöne Traumerzählung, stimmt aber überhaupt nicht. Hat sich der intrigante Jago wirklich nur ausgedacht!


    Also Vorsicht!
    Traum ist nicht gleich Traum!
    Aber manchmal sind sie für die Handlung wirklich wichtig!
    So oder so!
    Selbst der erlogene Traum von Cassio.


    So jetzt haben wir noch gar nicht vom Weber Zettel gesprochen und von Benjamin Britten.
    Da geht es vielleicht doch nicht allzu kurz.
    ("Ich hatte 'nen Traum - 's geht über Menschenwitz zu sagen, was es für ein Traum war.
    Der Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen läßt, diesen Traum auszulegen")


    Aber das lasse ich erst mal. Etwas Spannung muss ja noch sein.


    Caruso41


  • Im "Jahrmarkt von Sorotschinzy", einer komischen Oper von Modest Mussorgski, gibt es eine Albtraumsequenz zu einer sehr bekannten Musik. Mussorgski hat dort sein Orchesterwerk "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" verwendet, das m.E in diesem Rahmen (mit großem Chor)noch beeindruckender klingt.

  • Dann werfe ich ein nicht einmal 2minütiges Träumchen in den Ring:


    George Antheil: La Femme 100 têtes nach Max Ernst (1932/33) enthält einen nachdenklichen Traum (Dreaming Thoughtfully):


    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Und dann gibt es natürlich auch die Opern, in denen der Traum tatsächlich erfüllt wird und der Träumende in einer anderen Welt erwacht.


    Im Falle von Adolph Adams "Si j'étais roi" ist das eine lustige Geschichte!
    In der damaligen Städtischen Oper Berlin war das der größte Erfolg von Rudolf Schock!


    Davon gab es sogar mal einen Querschnitt:



    Im Falle von Ermanno Wolf-Ferraris "Sly" ist das eine grausig tragische Geschichte. Ich erinnere mich noch an die vorzügliche Aufführung in Hannover mit der ganz jungen Deborah Polaski, Karl-Dietrich Bader und Klaus-Michael Reeh! Auch davon gibt es Aufnahme. Wer die hört, wird sich wundern, warum das Werk nicht öfter gespielt wird!


  • Vasco träumt bekanntlich auch, wenn er im Kerkerbild (2. Akt) im Schlaf spricht.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Man sollte doch ruhig mal genauer hinschauen, , was die Damen und Herren auf der Opernbühne so alles träumen.


    Wie Recht Du hast, lieber Caruso. Gerade bei Wagner - Du hast wunderbare Beispiele genannt - wird viel geträumt. Er hat sich mit dem Phänomen des Traums ja auch in seinen Schriften auseinandergesetzt. Ein Traum-Beispiel aber möchte ich unbedingt noch hinzufügen, weil es für mich eines der schönsten und hintersinnigsten ist in der ganzen Opernliteratur - wenn Sachs nämlich in der Schustersztube in den "Meistersingern von Nürnberg" dem Stolzing sein Preislied so gut wie in die Feder diktiert:


    WALTHER
    Ich hatt' einen wunderschönen Traum.


    SACHS
    Das deutet Gut's! Erzählt mir den.


    WALTHER
    Ihn selbst zu denken wag' ich kaum;
    ich fürcht' ihn mir vergeh'n zu sehn.


    SACHS
    Mein Freund, das grad' ist Dichters Werk,
    dass er sein Träumen deut' und merk'.
    Glaubt mir, des Menschen wahrster Wahn
    wird ihm im Traume aufgetan:
    all Dichtkunst und Poeterei
    ist nichts als Wahrtraumdeuterei.
    Was gilt's, es gab der Traum Euch ein,
    wie heut' Ihr sollet Meister sein?


    Und etwas später:


    WALTHER
    So wär's nicht Traum, doch Dichterei?


    SACHS
    ‘s sind Freunde beid', steh'n gern sich bei.


    WALTHER
    Wie fang' ich nach der Regel an?


    SACHS
    Ihr stellt sie selbst und folgt ihr dann.
    Gedenkt des schönen Traums am Morgen;
    fürs and're lasst Hans Sachs nur sorgen!


    Grüße von Rheingold

  • Und nicht zu vergessen, das Ännchen im dritten Aufzug des "Freischütz":


    ÄNNCHEN
    Einst träumte meiner sel'gen Base,
    Die Kammertür eröffnete sich,
    Und kreideweiss ward ihre Nase,
    Denn näher, furchtbar näher schlich
    Ein Ungeheuer
    Mit Augen wie Feuer,
    Mit klirrender Kette -
    Es nahte dem Bette,
    In welchem sie schlief -
    Ich meine die Base
    Mit kreidiger Nase -
    Und stöhnte, ach! so hohl! und ächzte, ach! so tief!
    Sie kreuzte sich, rief,
    Nach manchem Angst- und Stossgebet:
    Susanne! Margaret! Susanne! Margaret!
    Und sie kamen mit Licht -
    Und - denke nur! - und -
    Erschrick mir nur nicht! -
    Und - graust mir doch! - und -
    Der Geist war: - Nero - der Kettenhund!

  • Und nicht zu vergessen, das Ännchen im dritten Aufzug des "Freischütz":


    Hatte ich auch schon genannt:


    Und dann wäre noch Ännchen mit dem Traum vom Kettenhund.
    Ach ja, Agathe hat ja auch geträumt.


    ....aber dass Du den Text eingestellt hast, finde ich nützlich.
    Gut wäre vielleicht noch ein Video - am besten mit Lisa Otto!!


    Caruso41

  • Lieber Rheingold!


    Danke, dass Du ein Video von Ännchens Traumbericht eingestellt hast.
    Bei allem Respekt vor Frau Werner, die ich als Konzertsängerin sehr schätze, die Pointe, die gerade für diesen Thread so interessant wäre, trifft sie leider nicht. Aber die haben auch Holm und Köth, Donath und Popp und manch andere nicht so wunderbar getroffen wie eben Lisa Otto. Meist gerät die Darstellung hier zu vordergründig theatralisch oder volkstümlich bieder.
    Was Lisa Otto so unvergleichlich machte , war die Verbindung von gespreizter Theatralik, Doppelbödigkeit und Ironie, die sich dann - in der Arie - in Wärme und heiterer Humanität auflöst. Ob der Traum, der hier erzählt wird, von der Base wirklich geträumt wurde, oder ob Ännchen ihn in therapeutischer Absicht erfindet, bleibt bei ihr in der Schwebe. Unerreicht! Das kann man auch auf der Keilberth-Aufnahme hören, obwohl Keilberth gerade in den Ännchenszenen eloquenter begleiten könnte. Beim RIAS gab es eine Aufnahme unter Arthur Rother, die entschieden besser war. Allerdings: live war Lisa Otto denn doch noch mal was anderes.


    Beste Grüße


    Caruso41