KARNEVAL - auf der Opernbühne und im Konzertsaal

  • Die Weihnachtskekse sind alle!
    Die Schaumklänge der Silvesterkonzerte verklungen!


    Jetzt beginnt mancherorts die sogenannte fünfte Jahreszeit:


    Karneval resp. Fasching


    Mein Ding ist das ja nicht und ich bin recht froh, dass ich jetzt in einer Region wohne, wo man davor seine Ruhe hat!


    Aber ehrlich: musikalische Schilderungen von Karnevalstreiben höre ich schon gerne.
    Es gibt da einfach herrlich turbulente und richtig virtuose Beispiele.
    Die sollen hier in diesem Thread vorgestellt werden.
    Es wäre schön, wenn dabei auch kurz gesagt werden könnte, welcher Karneval denn hier zu hören ist und was für ihn typisch ist.
    Am Ende gelänge dann fast so etwas wie eine Topographie und Typologie des Karnevals.
    Na ja, zumindest einen Versuch ist es ja wert.


    Zur Ermunterung beginne ich mal mit zwei Beispielen!


    Das erste führt in den Karneval in Paris. Und man hört eigentlich nur Fetzen von einem Karnevalsumzug, der durch die Straßen der französischen Metropole zieht - von weit her kommend und schnell in die Ferne entschwindend, entsetzlich brutal lärmend und vulgär. Diese Karnevalsmusik steht in beklemmendem Kontrast zu den fragilen, schmerzhaft schönen Klängen, die das Leiden und Sterben der Protagonistin dieser Oper begleiten. Sie scheinen aus dem füheren Leben dieser vom Weg abgekommenden Frau herüber zu wehen. Vorbei!
    Ihr habt es längst bemerkt: es geht um die Karnevalsmusik im 3. Akt von Verdis La Traviata


    Das andere Beispiel ist bei weitem nicht so prominent.
    Gezeichnet wird hier der Karneval in Rom - und zwar von George Bizet. Wir hören ihn in der zweiten Sinfonie von George Bizet, der sogenannten Roma-Sinfonie. Das ist ein höchst merkwürdiges Werk. Bizet selbst war damit nicht recht zufrieden und hat es immer wieder bearbeitet.
    Wenn aber etwas in dieser Sinfonie gelungen ist, dann ist das der 4. Satz Allegro vivacissimo, der den römischen Karneval aufklingen läßt: flott und überschwänglich, farbenfroh und mit Melodien, die sich ins Ohr und ins Herz einnisten. Will man den Charme und Witz dieses Stückes ganz kennen lernen, sollte man es unbedingt in der Aufnahme von - natürlich!!! - Sir Thomas Beecham hören!


    Viel Freude beim Karneval und vor allem beim Hören von Karnevalsmusiken


    wünscht


    Carsuso41

  • Der römische Karneval wurde natürlich vor allem von Hector Berlioz kongenial in Musik umgesetzt, zuerst in seiner Benvenuto Cellini Oper, später als Extrakt daraus als Konzertouvertüre "Römischer Karneval".



  • Der Karneval in Venedig ist das beherrschende Ereignis in der Operette "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Vergesst auch Dvoraks fetzige Karneval-Ouvertüre nicht, die Berlioz´s Ouvertüre qualitativ und emotional nicht nachsteht. Tschechischer Karneval!


    Diese ist zum Beispiel in dieser ausgezeichneten GA der Dvorak-Ouvertüren und Sinf.Dichtungen enthalten. Hier unter Kubelik mit dem Bayerischen RSO München (und nicht wie seine Sinfonien-GA mit den Berliner PH):

    DG, 1973-1976, ADD

  • Auch die Tiere müssen zu ihrem Recht kommen.
    In den 1886 komponierten Karneval der Tiere nimmt Saint-Saens in 12 Sätzen (und somit 12 verschiedenen Tieren) verschiedene Zeitgenossen musikalisch auf die Schippe.
    Zu Saint-Saens Lebzeiten wurde diese "grosse zoologische Fantasie" nie öffentlich aufgeführt, weil man glaubte, das könnte seinem Ruf als "seriöser Komponist" schaden. Es gab allerdings auf dem Klavier Privatdarbietungen für bevorzugte Freunde, wie Franz Liszt. Erst nach seinem Tod wurde das Aufführungsverbot aufgehoben und am 25.02.1922 wurde Karneval der Tiere erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.


    Ich besitze eine Fassung mit Sprecher auf LP (auch für Kinder geeignet), die habe ich seit den 90ern nie wieder gehört und auf CD die oft gehörte rein orchestrale Fassung mit Charles Dutoit:


    Die beiden Klaviere werden von Pascal Roge und Christin Ortiz gespielt; begleitet werden sie von der
    London Sinfonietta unter Charles Dutoit.


    Ein ausgezeichnete CD auch für sein berühmtestes Werk, die Orgelsinfonie:

    Decca, 1980 (Karneval), 1982 (3.), DDD

  • Der römische Karneval wurde natürlich vor allem von Hector Berlioz kongenial in Musik umgesetzt, zuerst in seiner Benvenuto Cellini Oper, später als Extrakt daraus als Konzertouvertüre "Römischer Karneval".


    Lutgra, da Du nichts weiter zu Berlioz und dem Römischen Karneval schreibst, erlaube ich eine mir eine kurze Anmerkung:
    Die Oper Benvenuto Cellini spielt in Rom während des Karnevals im Jahre 1530. Eine ausgelassene Stimmung gibt den Grundton an, getanzt wird Saltarello und als krönender Höhepunkt wird eine Karnevalspantomime als 'Oper in der Oper' aufgeführt. Genial!
    Nur leider war die Oper ein schlimmer Reinfall. Das veranlasste Berlioz seine schönsten Einfälle zu retten - eben in "Le Carnaval romain. Ouverture caractéristique für großes Orchester"
    Für mich hat die Ausgelassenheit dieser Musik etwas forciert Turbulentes. In der furiosen Orchestervirtuosität ist auch immer etwas Schwefelgestank (um Robert Schumann zu zitieren). Aber dann gibt es da noch einen Ruhepunkt: für mich eines der schönsten Englischhorn-Soli in der gesamten Orchesterliteratur! Es stammt aus der Cantilene des Cellini!
    Zum Verlieben!!!


    Gerade dieses Nebeneinander von extremer Extrovertiertheit und zärtlicher Innigkeit macht für mich die Berlioz-Ouvertüre so hörenswert!


    Caruso41

  • Hallo!


    Dann sollte das Klavierwerk "Carnaval op.9" von Robert Schumann nicht unerwähnt bleiben.



    Schumann schrieb die 21 Stücke in dem böhmischen Städtchen Asch, in dem seine damalige heimliche Verlobte, die junge Pianistin Ernestine von Fricken aufgewachsen war.


    Einige der 21 Charakterstücke sind nach Figuren der Commedia dell’Arte benannt, andere nach fiktiven Persönlichkeiten wie Florestan und Eusebius.


    Eine topographische "karnevalistische" Verortung ist meines Wissens nicht gegeben.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Ziemlich unbekannt dürfte die Canadian Carnival Ouverture op. 19 von Benjamin Britten sein. Das Werk wird in der 650 Seiten umfassenden Biographie von Humphrey Carpenter mit keinem Wort erwähnt. Britten weilte 1939 einige Tage in Toronto.


  • Zu nennen sind natürlich diverse musikalischen Verarbeitungen von Shakespeares "Romeo und Julia". Bellins nannte seine Oper "I Capuleti e I Montecchi", Gounod "Roméo et Juliette", Sutermeister "Romeo und Julia". Die dramtische Sinfonie "Roméo et Juliette" von Berlioz ist natürlich auch von dem Maskenfest inspieriert, das in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Nicht zu vergessen schließlich das gleichnamige Ballett von Prokofjew. In wieweit das Thema auch in der gleichnamigen Konzertouvertüre von Tschaikowski verarbeitet ist, kann ich auf Anhieb nicht sagen. Dafür kenne ich dieses Werk nicht gut genug, um zu wissen, was nun Maskenfest ist und was nicht. Danach klingen tut es schon. Ich werde es wieder einmal unter diesem Aspekt anhören.


    Ein weiteres Beispiel, das nicht unter den Tisch fallen sollte, ist die Oper "Notre Dame" von Franz Schmidt, die mit dem Karneval beginnt.



    Gruß Rheingold

  • Zu nennen sind natürlich diverse musikalischen Verarbeitung von Shakespeares "Romeo und Julia". Bellins nannte seine Oper "I Capuleti e I Montecchi", Gounod "Roméo et Juliette", Sutermeister "Romeo und Julia". Die dramtische Sinfonie "Roméo et Juliette" von Berlioz ist natrlich auch von dem Maskenfest inspieriert, das in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Nicht zu vergessen schließlich das gleichnamige Ballett von Prokofjew.


    OK, die Romeo und Julia Geschichte bringt uns also in den Carneval von Verona. Manchmal allerdings auch anderswo hin!


    Und wie klingt der Vernoneser Carneval bei Berlioz oder Sutermeister? Bei Bellini oder Gounod, Prokofieff oder Zandonai, Blacher oder Bernstein? Tschaikowski oder Heinrich Benda?
    Würde mich ja jetzt nach Rheingolds Aufzählung schon interessieren!


    Übrigens: nachdem man ja das einst so berühmte Zwischenspiel aus "Notre Dame" schon ewig nicht mehr gehört hat, brachte Kristjan Järvi in einem Konzert mit seinem RSOdesMDR kürzlich die Karnevalsmusik und das Zwischenspiel! Fand ich großartig! Ganz und gar nicht karajanesk. Da war ich echt überrascht, welche Farbigkeit und welchen Sog diese Musik entfaltet!
    Ja, und das ist natürlich abermals der Karneval in Paris!!


    Und wie sieht es bei Frederic Delius' "A Village Romeo and Juliet" aus. Gibt es da überhaupt einen Karneval? Oder nur das Kirchweihfest in Seldwyla?


    Caruso41

  • In der Oper La Traviata im 3 . AKT, nachdem Violetta ihre Arie gesungen und das Publikum meistens zu Ende gehustet hat, fragt sie weshalb draußen so ein Lärm ist und ihre Vertraute sagt das Karneval gefeiert wird.

  • In der Oper La Traviata im 3 . AKT, nachdem Violetta ihre Arie gesungen und das Publikum meistens zu Ende gehustet hat, fragt sie weshalb draußen so ein Lärm ist und ihre Vertraute sagt das Karneval gefeiert wird.


    Lieber Rodolfo!
    Das hatte ich eigentlich schon in dem Eröffnungsbeitrag des Threads beschrieben.


    Nichts für ungut. Sicher fallen Dir noch andere Karnevalszenen ein?


    Beste Grüße
    Caruso41

  • Darf es auch noch eine Operette sein? Wenn ja, dann nominiere ich den "Karneval in Rom" von Johann Strauss. Auf der Suche nach ihrer großen Liebe, einem Maler, verschlägt es das junge Mädchen Marie aus einem Bergdorf in Tirol nach Rom, wo eben der Karneval tobt.


  • Und wo hab' ich meinen Kopf. In einer meiner liebsten Opern - ARABELLA von Richard Strauss - kommt dem Fasching bekanntlich eine nicht unerhebliche Rolle zu. Warum fiel mir das nicht gleich ein. ?(


    "Und heut und heut ist Faschingsdienstag..." Betörend Gundula Janowitz!


  • Liebe Karnevalsgesellschaft!


    Ist ja toll, was schon alles zusammen gekommen ist!


    Mit Arabella und dem Fasching in Wien hatte ich natürlich gerechnet.


    Aber die Operetten hatte ich überhaupt nicht im Kopf. Es liegt ja natürlich nahe, dass sich Operettenautoren nicht nehmen lassen, ihr Personal auch durch den Karnevalstrubel zu führen. Aber: Von einigen Operetten kenne ich wohl einzelne Arien oder Ensembles aber meist habe ich nicht die leiseste Ahnung, was passiert! Und von "Der Karneval in Rom" hatte ich noch nicht mal den Titel gehört.


    Der Römische Karneval ist nun schon durch einige Beispiele in den Blick gekommen. Muss wohl was Besonderes sein! Aber Respighi lässt ihn bei seinen Feste Romane draußen vor.


    Völlig überrascht war ich von Lutgras Hinweis auf Brittens Canadian Carnival Ouverture! Hatte ich nie was von gehört! Bin dankbar, dass ich sie jetzt mal gehört habe.


    Da bringe ich mal wieder einen Karneval, der im guten alten Europa zu Hause ist. Und zwar in Peszt.
    Die 9. Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt trägt den Titel Pester Karneval. Ich habe in meiner Jugend davon geträumt, das Stück mal zu spielen. Aber dass hätte ich selbst einer volltrunkenen Karnevalsgesellschaft nicht zumuten mögen!
    Nun ja, manche Träume sind schon sehr weit weg von der Realität. Das war ja gerade Thema in einem anderen Thread, der wohl eingepennt ist.
    Ich denke übrigens, dass Franz Liszt sehr bewußt mit diesem Pester Karneval den Höhepunkt seiner Folge ungarischer Rhapsodien setzt. Von dem zögernden geheimnisvollen Beginn über die tänzerischen Passagen bis zu dem furiosen Finale wird das Stück nicht nur immer schneller und lauter und virtuoser sondern auch emotionaler. Ist es das vielleicht ein ganz persönliches Bekenntnis zum emotinalen Reichtum und zur Lebensfreude seiner Heimat?
    Ich nehme es mal an und stellen deshalb die Aufnahme eines ungarischen Pianisten ein:



    Caruso41

  • Liebe Taminos,


    der Norweger Johan Svendsen (1840-1911) komponierte gleich zwei Karnevalsmusiken - zum einen den "Nordischer Künstlerkarneval op. 14", zum anderen den "Karneval in Paris". Beide habe ich momentan nicht im Ohr, waren aber zu Lebzeiten recht populär und beeinflusste besonders dänische Komponisten, da sein Hauptwirkungsort Kopenhagen war. Svendsen finde ich auch nicht so interessant, aber vielleicht können Lutgra oder teleton ja mehr zu diesen Werken sagen?
    Die CPO-Box mit seinen Sinfonien und Orchesterwerken lädt für 10€ jedoch zum Testkauf ein - ich habe sie damals zum Vollpreis noch bestellt.




    Herzliche Grüße
    Christian

  • Karnevaleskes verschiedenster Art findet sich bereits in älterer Zeit.



    Schon seit langem ist Venedig ein Ziel für Karnevalstouristen, wie André Campras bemerkenswerte Oper aus dem Jahr 1699 belegt.


    Selbst liturgische "Karnevalsmessen" lassen sich finden, etwa vom Mailänder Domkapellmeister der Sforzazeit, Franchinus Gaffurius!


    Italienische Karnevalsgesänge und andere festbezogene Musik des 17. Jahrhunderts.


    Nur mässig valide mag diese "Rekonstruktion" des Karnevalstreiben in der Residenz des Olmützer Bischofs sein, doch wenn Bibers Balleti so gespielt werden wie hier, lässt sich sogar jene befremdliche Festivität ertragen.

  • Liebe Karnevalsgesellschaft!


    Ich bin begeistert, was alles zusammenkommt!
    Vieles, wovon ich kein Ahnung hatte. Milhaud und Svendsen! Spannend!
    Werde ich mich mal bemühen, die Werke auch wirklich zu hören.


    Und dass Gombert uns gleich mit vielen Beispielen auf Karnevalsmusiken aus "älteren Zeiten" hingewiesen hat, ist eine echte Bereicherung! In dem Felde habe ich doch recht begrenzte Repertoirekenntnis. Wäre interessant, mehr darüber zu erfahren. Villeicht gibt uns Gombert ja noch weitere Einblicke.


    Bei der Gelegenheit eine Frage: verdanken nicht viele Opern Ihre Entstehung überhaupt dem Karneval, weil die Opernhäuser neue Werke für die Karnevalssaison in Auftrag gegeben haben. Natürlich in der Barockzeit. Aber auch noch im 19. Jahrhundert.


    Eine kleine Ergänzung möchte ich noch zu Smetanas Pražský karneval , auf den Schneewittchen hingewiesen hat, machen. Das ist wirklich ein äusserst bemerkenswertes Werk. Uraufgeführt wurde es erst als Smetana bereits in in einer psychatrischen Klinik leben musste. Aber dieses Werk - wohl eines seiner letzten - ist von einem so mitreißenden Lebenswillen, dass man wirklich staunen muss. Wie Smetana hier traditionelle Tanzformen mit böhmichen Tänzen verbindet und im schnellen Wechsel ein verwirrendes Spiel von Identitäten und Masken vorführt, das ist phantastisch. Arnold Schönberg ist es ja gewesen, der nicht müde wurde, auf die Kühnheiten - nicht nur im harmonischen Geschehen sondern eben auch in der formalen Faktur - hinzuweisen. Meist wird dann auf die Kammermusik verwiesen. Hier im Pražský karneval aber kann man es auch hören.


    Alaaf!


    Caruso41

  • Hallo!


    Ich hoffe, es ist erlaubt, die Leitplanken der klassischen Musik ausnahmeweise zu missachten.


    Im Jahr 1959 drehte Marcel Camus den Film "Orfeo Negro". Der antike Mythos von Orpheus und Eurydike wurde kurzerhand in den Karneval in Rio verlegt. Die beiden Komponisten Luiz Bonfa und Antonio Carlos Jobim schrieben für die Filmmusik einige Stücke, die seither als Klassiker des Samba bzw. Bossa Nova gelten.


    Unter anderem das Stück "Manha de Carnaval". Wer genau hinhört, kann im Zwischenspiel die Grundlage für den späteren Hit "Fantasy" von Earth, Wind & Fire hören. Hier in der Interpretation von Astrud Gilberto.



    Und hier von Frank Sinatra



    Last but not least findet sich hier eine Transkription von der CD Cinema Serenade von Itzhak Perlman, die dieser gemeinsam mit John Williams gefertigt hat:



    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Interessanterweise wurde hier "Die Fledermaus" von Johann Strauß noch nicht genannt - oder habe ich das übersehen ???
    Der Inhalt der Operette stellt ja die Rache Dr. Falkes für einen Streich im vergangenen Fasching, dar, wo er im halbtrunkenen Zustand nach einem Faschingsfest - durch Schuld von Eisenstein durch die Straßen laufen musste, von Straßenbuben verspottet.
    Wann und wo spielt aber die Handlung ? - Das Libretto hält sich hier allgemein bedeckt und schreibt:ein Badeort nahe einer großen Stadt - um 1875
    Das passt nun eindeutig nicht auf Wien, allerdings könnte Baden bei Wien gemeint sein. Wie dem auch sei - seit Jahrzehnten, wenn nicht länger suggerieren die Inszenierungen, daß sich die Handlung in Wien abspielt.
    Da ein Ball im Mittelpunkt der Operette steht, kann davon ausgegangen werden, daß die Handlung ein Jahr nach diesem Scherz spielt, also wieder im Fasching. Gerne wird die Operette zu Sylvester gespielt, was vermutlich ein Hinweis auf den Fasching sein dürfte. Bälle finden in Wien ja meines Wissens hauptsächlich im Fasching statt......
    Interessant; Bei WIKIPEDIA findet man den Hinweis, daß Richard Genée nicht nur als Librettist (nach älteren Vorlagen) für diese Operette, tätig war, sondern in vielen Fällen die ausgezeichnete Orchestrierung (Genée war auch Komponist) nach den Straußschen Melodien ausgearbeitet hat....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Jawollja - auch der "arische Blechspucker" (mein Bruder hat ihn mal so betitelt...) hat in seiner Oper "Das Liebesverbot" den Karneval thematisiert. In dieser "Jugendsünde" nach Shakespeares "Maß für Maß" geht es um ein Karnevalsverbot in Palermo. Jedoch bricht sich das bunte Treiben immer wieder Bahn und tobt schon durch das quirlige Vorspiel. Nicht Wagners gelungenstes Werk, aber es lohnt die Bekanntschaft.


  • Johann Strauss Vater komponierte als op. 100 einen Galopp mit dem Titel Der Karneval in Paris.


    Im Neujahrskonzert am 1. Januar 2010 spielten die Wiener Philharmoniker diesen Galopp unter Georges Pretre :




    Liebe Grüße


    Portator



  • Die Faschingsfee
    Operette von Emmerich Kálmán
    Die Faschingsfee ist eine Operette drei Akten von 1917 von Emmerich Kálmán. Das Libretto stammt von Alfred Maria Willner und Rudolf Österreicher. Die Uraufführung fand am 21. September 1917 am Johann-Strauß-Theater in Wien statt. (Quelle: Wikipedia)

  • Ein schöner thread, bei dem ja allerhand zusammenkommt. Durch meine Abstinenz sind die Werke, die mir als erstes einfielen (Schumann und Liszt) ja nun schon vergeben. Aber einmal Klavier hätte ich noch.


    Heitor Villa Lobos schrieb den Zyklus Carnaval das Crianças, "Kinderkarneval". Es handelt sich um acht Charakterszenen aus dem Karneval, im Umfang von ca. 20 Minuten. Im Jahre 1920 vollendet gilt das Werk als eines der ersten, mit denen Villa Lobos sich vom spätromantischen Einfluss Europas befreite. Dennoch steht das Werk in einer gewissen Folge Schumann, weil sich auch Villa Lobos aus der Vorstellungswelt von Kindern inspirieren ließ. Es sind durchweg heitere Stücke, denen man bei allen Unterschieden der Charaktere, das Kindliche, umgesetzt durch eine gewisse Spontanität/ Sprunghaftigkeit anhört. Zugleich sind sie Ausdruck überschäumenden Lebens in eilen Kaskaden von Arpeggien und Akkordfolgen. Vor allem etwas für Liebhaber von Klavierminiaturen.


    Auszüge spielt einer meiner liebsten Pianisten auf folgender Einspielung. Die Einspielung von Halász ist vollständig, ich habe sie aber leider nicht (hat m. W. aber gute Kritiken erhalten)

    Mit bestem Gruß
    JLang