Verdi-Sopran aus Illinois – Sondra Radvanovsky

  • Überrascht stellte ich fest, dass es noch keinen Thread über die zur Zeit sehr erfolgreiche amerikanische Sopranistin Sondra Radvanovsky gibt.


    Sie feierte gerade kürzlich einen großen Erfolg als Maria Stuarda an der MET.


    Geboren wurde sie am 11. April 1969 in Illinois. Große Erfolge feierte sie in Verdi-Partien, z.B. als Leonora (Trovatore), Amelia (Maskenball) usw.
    Weiterhin gehören die Titelrollen in Rusalka, Lucrezia Borgia und Norma zu ihrem Repertoire.




    :hello:


    Jolanthe

  • Ich erlebte sie 2011 als "Trovatore"-Leonora in Verona und fand sie sehr gut, zuletzt hatte ich sie im November 2015 als schon etwas überreife, aber doch souveräne Manon Lescaut (Puccini) an der Deutschen Oper Berlin. (Puccini habe ich dazugeschrieben, um jede Verwechslungsgefahr mit den relativ gleichnamigen Opern von Auber und Massenet auszuschließen.)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Liebe Jolante,
    danke für die Eröffnung dieses Threads. Hoffentlich werden die verbliebenen Melomanen im Forum Informationen, Berichte und Eindrücke einstellen. Meine Erfahrungen mit Threads, in denen über Sänger diskutiert werden sollte, die noch nicht in den Medien allgegenwärtig sind, waren leider zuletzt nicht ermutigend.


    Ich habe den beharrlichen aber nicht übereilten Aufstieg von Sondra Radvanovsky seit einiger Zeit an amerikanischen Opernhäusern "in the flat plane" verfolgt und sie zuletzt auch in New York und Barcelona gehört. Die Eindrücke würde ich gerne mal mitteilen, aber jetzt bin ich in Eile, weil ich heute ins Konzert will. Und am Samstag breche ich auf zu einer Tour, bei der mich viele Opernaufführungen und Konzerte erwarten. Also werde ich vor März nichts von mir hören lassen können.


    Beste Grüße
    Caruso41

  • Liebe Jolanthe!
    Das ist ja ein Skandal! Da stellt mal jemand eine Sängerin zur Diskussion, an der es wirklich nichts zu meckern gibt, und kaum jemand nimmt Kenntnis davon. Und dann kommt Caruso und macht Hoffnung auf ein süffiges Gespräch - und verschwindet wieder in der Versenkung.


    Aber das ändert sich ab sofort: Ich habe diese fabelhafte Sopranistin vor einiger Zeit entdeckt bei den Rundfunkübertragungen aus der Met. Als überaus kritischer Beobachter (wie mein "Name" schon sagt) fand ich es bemerkenswert, dass es wieder eine Sängerin diesseits des Rentenalters gibt, die das Primadonnenfach des italienischen Belcanto perfeckt abdeckt. (Nichts gegen Gruberova, aber einmal muss Schluss sein, bevor die auch noch ins Baritonfach wechselt!)


    Wie diese Frau Donizettis Königinnen singt, daran hätte der Komponist seine helle Freude gehabt: mit rundem Ton in JEDER Lage, mit Verzierungen ohne die geringste Mühe, stellt sie ihre Technik vollständig in den Dienst des Ausdrucks. Und heraus kommt eine lebendige Figur, mit der der Hörer leidet - und jubelt.
    Und in vier Tagen kommt, nach Anna Bolena und Lucrezia Borgia, die dritte Königin: Elisabetta in Roberto Devereux. Ich freue mich seit langem drauf. Und hoffentlich bin ich danach nicht allein beim Kommentar darüber!


    Bis dahin beste Grüße von Sixtus

  • Für alle Freunde des Belcanto-Repertoires, die es noch nicht gemerkt haben:


    Am morgigen Samstag, 16.4., ab 19 Uhr, übertragen mehrere Rundfunksender, u.a. WDR 3, HR 2, SR 2, BR Klassik und DR Kultur, die Donizetti-Oper "ROBERTO DEVEREUX" aus der New Yorker MET.
    In den Hauptrollen: Sondra RADVANOVSKY, Elina GARANCA, Matthew POLENZANI und Mariusz KWIECIEN. Dirigent Maurizio BENINI.


    Wer die beiden anderen Tudor-Opern mit Randvanovsky aus der Met gehört hat, lässt sich das nicht entgehen. Allen anderen sei es dringend ans Herz gelegt, wenigstens die dritte nicht zu versäumen. Sie wird auch im Kino übertragen.


    Viel Vergnügen wünscht Sixtus

  • Gestern hatte ich mir die MET-Übertragung von Roberto Devereux im Kino angesehen.


    Sondra Radvanovsky war fabelhaft in der Rolle der Königin Elisabeth I. und rührte mich mit ihrem ausdrucksstarkem Gesang im 3. Akt zu Tränen. Insgesamt war es eine tolle Vorstellung ohne Schwachstellen.


    :jubel::jubel::jubel:


    Jolanthe

  • Obwohl ich die Übertragung "nur" am Radio verfolgt habe, kann ich mich diesem Eindruck nur anschließen: Es war eine rundum hochkaratig besetzte Aufführung ohne Schwachstellen. Wobei die beiden Damen nicht nur rollendeckend gesungen haben wie die Herren auch, sondern schlicht überwältigend waren.


    Nicht oft findet man ein solches optimal aufeinander abgestimmtes Quartett von Stimmen, die nicht nur perfekt singen, sondern auch noch hörbar zusammen passen. Ob das auch optisch zutrifft, werden wir sicher noch von dir erfahren, liebe Jolanthe, wenn du es im Kino gesehen hast.


    Was mch besonders beeindruckt hat, sind die stimmlichen Reserven, über die Sondra Radvanovsky neben ihrer Virtuosität auch noch verfügt. Mit dieser Stimme kann sie fast das gesamte italienische Repertoire optimal abdecken. (Und sie singt auch bald in München die Tosca!) Was die Netrebko in mehreren Jahren hintereinander gezeigt hat, bietet sie alles gleichzeitig zur Auswahl an, und das in großer Tonschönheit vom pp bis zum ff und im gesamten Stimmumfang - ohne spürbaren Registerwechsel. Das ist Oper vom Feinsten!


    Ich habe die Übertragung mitgeschnitten und werde mich sicher nach dem ersten Abhören wieder melden. Bis dahin freue ich mich auf weitere Berichte und bin gespannt, ob es auch was zu meckern gibt.


    Beste Grüße von Sixtus


  • Lieber Sixtus!


    Also, ich hatte ja angesagt, dass ich länger unterwegs sein würde. Aber ich hatte auch versprochen noch mal was zu Sondra Radvanovsky zu schreiben. Zuletzt habe ich mich allerdings erst mal in anderen Threads engagiert.
    Deshalb: "...ihr mahnt mich da gar recht..."


    Also denn:
    Ich hatte schon angedeutet, dass ich Sondra Radvanovsky bereits kennengelernt habe, als sie noch nicht an den hochdotierten Opernhäusern sang sondern eher "in the flat plane".
    Ihre große, tragfähige Stimme hatte mir sofort Eindruck gemacht. Allerdings konnte ich mich nicht recht mit ihr anfreunden, da ich die Stimme unausgeglichen und grobkörnig fand. Ihr Vibrato schwang oft so weit aus, dass die genaue Tonhöhe nicht immer identifizierbar war. Vor alle störten mich einige Unarten, die teils auf technische Defizite (zum Beispiel: schwerfällig einschwingende, unsaubere Triller, verschmierte chromatische Läufe) teils auf schlechten Geschmack zurückgingen (Einsatz der Bruststimme, banale Phrasierungen, histrionische Effekte).


    Erfreulicherweise hat Sondra Radvanovsky die meisten der Mängel, die mich gestört hatten, weitgehend abstellen können. Vor allem hat sie in sehr intensiver Arbeit mit Anthony Manoli ihre gesamte Technik optimiert und sich eine Kompetenz im Belcanto-Stil angeeignet, die sie heute zu einer höchst erfreulichen Interpretin der Partien Donizettis macht.
    Ich habe sie zuletzt in Barcelona als Norma und in New York als Anna Bolena gehört. Zudem habe ich etliche Live-Übertragungen mitgeschnitten (aber noch nicht alle auch sorgfältig genug angehört!)


    Sowohl in der Norma als auch in der Anna Bolena bewies sie, dass sie gelernt hat, ihre große Stimme zurückzunehmen und piano zu singen ohne dass dabei Rundung und Farbe verloren gehen. Auch formt sie Phrasen plastisch und mit Geschmack, artikuliert prägnant und bemüht sich um eine differenzierende Färbung der Vokale. In der "Casta Diva" beispielsweise gelangen ihr Bögen, die den Zauber der nächtlichen Szene wunderbar zum Klingen brachten. Und in der Hymne in der Schlussszene von Anna Bolena spann sie schier endlose Bögen auf dem Atem und ihr hohes G hatte etwas vom magischen Licht des Mondes, der in die Gefängniszelle hineinscheint. Wirklich vorzüglich! Auch beeindruckt haben mich die plötzlichen und sicher beherrschten Übergänge vom Forte ins Piano, das dann ruhig, frei und klangvoll über dem Orchester fliesst. Und: die dramatischen Ausbrüche sind heute bestens beherrscht und haben nichts mehr von dem ordinären Klang, der mich früher oft gestört hatte.


    Du, lieber Sixtus, hast sie als hochkarätige Sängerin gerühmt.
    Dafür gibt es heute wirklich gute Gründe.
    Trotzdem bin ich mit meiner Zustimmung noch etwas zurückhaltend. Zum einen finde ich ihre Koloraturen und Ornamentierungen gelegentlich etwas ungelenk und wenig "sprechend". Zum anderen muss man einfach sagen, dass sie in ihrer Darstellung und Charakterisierung der Figuren nicht auf dem Level ist, auf dem sie als Sängerin angekommen ist.
    Aber das Vergleichsfeld sind bei dieser Einschätzung natürlich nicht die Soprane, denen man heute in diesen Partien begegnet. Da hat Sondra Redvanovski nicht so sehr viel Konkurrenz.
    Mir ist aber immer weiter wichtig ist, gerade die Sänger, die heute in der vordersten Reihe stehen, mit den großen Vorbildern zu vergleichen und mit den strengsten Maßstäben zu messen.
    Ich hoffe, dass Du das goutieren kannst!


    Mit esten Grüßen


    Caruso41

  • Lieber Caruso!
    Habe Dank für deine ebenso ausführliche wie tiefschürfende Reaktion auf meine frechen Anmerkungen!
    Zuerst einmal bin ich perplex über deine immens hohen Ansprüche an Sänger, sowohl was Technik anbelangt, als auch in Bezug auf künstlerischen Geschmack.


    In diesem Falle (Radvanovsky) bin ich wohl grade rechtzeitig auf sie aufmerksam geworden, nachdem sie die von dir genannten Defizite ausgeräumt hat. Ich kenne die Stimme erst, seit in der laufenden MET-Saison die Donizetti-Königinnen mit ihr übertragen werden - und von ihrer Norma aus Barcelona (?). Und seitdem werde ich hellhörig, wenn ich irgendwo den Namen lese.
    Was die Ansprüche betrifft, so nenne ich mich zwar Sixtus, aber ich kann auch mal über etwas hinwegsehen, wenn ich einmal Blut geleckt habe. Dann geht auch mal die Begeisterung mit mir durch. Jubeln ist eben noch schöner als verreißen!


    Ich würde mich gern an Threads beteiligen, die das von dir angemahnte Niveau anpeilen und womöglich erreichen - und nicht zum bloßen Fanclub herabsinken. Ich glaube, das könnte hier so etwas werden - vorausgesetzt, dass Jolanthe das ähnlich sieht. Und dein neuer Thread verspricht auch in die Richtung zu gehen. Wie dem auch sei: Bleiben wir dran.


    Gestern hatte ich also mal wieder Merkerdienst und habe mir an einer Saarbrücker Rusalka-Premiere die Zähne geschärft, wo buchstäblich fast nichts gestimmt hat. Davon versuche ich mich gerade schreibend zu erholen. "Ein saures Amt..."
    Das soll erst mal genügen. Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf!


    Herzliche Grüße von Sixtus!

  • Lieber Sixtus,


    wenn ich über Frau Radvanovski Neues zu berichten habe, werde ich mich sicher wieder melden.


    Was nun die Frage der Massstäbe, mit denen ich Sänger messe, angeht, habe ich mich dazu ja in anderen Threads sehr ausführlich geäussert. Das will ich und muss ich jetzt hier nicht wiederholen.


    Aber eine Bemerkung ist mir schon doch noch wichtig: auch wenn ich von einem Sänger voll entflammt bin und gerne begeistert von ihm schwärme, macht mich das nicht taub oder dumm.
    Beispielsweise ist ja hier im Forum bekannt, wie sehr ich Sandor Konya liebe. Zugleich aber bin ich sicher der hier im Forum, der seine Defizite und Mängel schärfer thematisiert hat als jeder andere! Das tut doch meiner Liebe zu ihm keinen Abbruch!


    Vielleicht nehmen wir das Gespräch über Kriterien und Massstäbe mal wieder auf. Ich mag jetzt die Threads nicht suchen, in denen wir über die "Beurteilung von Sängern" und über "Vergleichendes Hören" diskutiert haben, da ich heute abend noch eine Einladung habe. Aber Du findest die sicher. Und wenn Du Lust hast, darüber zu diskutieren, bin ich dabei!


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Liebe Jolanthe!


    Ich hoffe, mein kleiner fachsimpelnder Disput mit Caruso hat dich nicht allzu sehr gestört. Jetzt beeile ich mich, zum eigentlichen Thema zurückzukehren.
    Das Abhören des mitgeschnittenen R.Devereux von der MET war für mich ein Rundum-Genuss, bei dem Sondra Radvanovsky die Krone gebührt. Man hört nicht oft Stimmen in diesem Fach, die neben der geläufigen Gurgel auch noch den runden Ton in allen Lagen und in jeder dynamischen Schattierung zu bieten haben.


    Ich würde mich freuen, wenn du auch weiterhin an dieser Stelle aktuelle Informationen an Interessierte geben würdest, besonders was Übertragungen von Aufführungen betrifft.


    In diesem Sinne: Glückauf für das Thema und die weitere Karriere der Sängerin -


    und beste Grüße von Sixtus

  • Lieber Sixtus,
    wenn Du dich mit der Frage der Kriterien und Massstäbe doch noch weiter beschäftigen willst, sind vielleicht diese Threads, in denen schon länger nicht mehr gepostet wurde, interessant:


    Zunächst der bereits erwähnte


    Beurteilung von Sängern – Eine Frage das Geschmacks oder objektiver Kriterien?


    Ich erinnere weiter an


    Welche Anforderungen stellt "klassische Musik" an die Hörer ?


    Musikkritik - Vergleichendes Hören - und ähnliche Unarten


    und natürlich an die Threads 'Welche Arie von welchem Tenor?'


    Auch der Thread über den Französischen Stil ist ganz informativ, weil da die Frage nach der Bedeutung des richtigen stilistischen Singens entfaltet wird:


    Französischer Gesangsstil


    Mir scheinen übrigens solche Debatten wie sie - teilweise - in den genannten Threads geführt wurden, interessanter und nützlicher als Threads, die - wie Du gesagt hast -

    Zitat

    zum bloßen Fanclub herabsinken


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Ich hoffe, mein kleiner fachsimpelnder Disput mit Caruso hat dich nicht allzu sehr gestört.


    Nein, ganz bestimmt nicht. Ich habe alles mit großem Interesse gelesen.


    Übrigens hat mir Sondra R. auch als Darstellerin in der MET Übertragung außerordentlich gut gefallen. Es passte einfach alles zusammen.


    :hello:


    Jolanthe

  • Sondra Radvanovsky wiederholt Arie am Liceu in Barcelona


    Gelungen ist das Radvanovsky am 24. März 2018 in einer Vorstellung von Andrea Chenier. Nach stürmischen Applaus für La mamma morta und Bis-Rufen gab sie dem Dirigenten ein Zeichen für ein Da capo.
    Damit ist Radvanovsky eine der ersten Sopranistinnen der jüngeren Geschichte die eine Arie wiederholte.
    Kritiker lobten Radvanovsky's intensives Rollenportrait der Maddalena, und merkten an, dass es kaum zu glauben sei, dass es sich bei den Vorstellungen am Liceu um ihr Rollendebüt gehandelt hat.


    Das Opernhaus in Barcelona hat das Bis von Radvanovsky auf seinem YT-Kanal online gestelllt.




    In den letzten Jahren hat man Arien-Wiederholungen lediglich von Startenören wie Jonas Kaufmann, Juan Diego Florez, Marcelo Alvarez, Javier Camarena oder Joseph Calleja gehört.
    Kennt jemand Wiederholungen von Sopran-Arien? Man müsste dafür wohl weiter in der Operngeschichte zurückgehen.


    Gregor

  • Lieber Gregor!


    Das ist eine nette Nachricht:
    das „bis“ ist prima für Sondra Radvanovsky und sicher auch für das Publikum. „Mamma morta“ ist ja seit Callas eine sehr populäre Arie und durch den Film „Philadelphia“ jedermann vertraut,


    Übrigens am häufigsten habe ich bisher Wiederholungen von Baritöner gehört: die Champagner-Arie wird ja recht oft wiederholt - ob sie nun überragend gesungen war oder nur ordentlich.


    Liebe Grüße
    Caruso41

  • Liebe Taminos,


    heute wurde ich auf den Thread über Sondra Radvanovsky aufmerksam und ich würde gerne etwas dazu beitragen.


    Als Abonnent der 'Met'-Zeitschrift "Opera News" (seit 1969) ist mir der Name dieser Sängerin schon lange ein Begriff - allerdings anfangs meistens mit der Einschränkung "Ja, aber" beurteilt. Seit ihrer Stimmband-Operation 2003 hat sie sich aber mit Ausdauer und stetig wachsender Potenz zu einer großartigen Sopranistin entwickelt, der man ohne weiteres Star-Qualitäten (auch optischer Art) bescheinigen darf. Leider hat das die Tonträger-Industrie noch nicht mitbekommen, so dass es bisher kaum Aufnahmen mit ihr gibt; die im Beitrag Nr. 1 genannten CDs - die ich auch habe - stammen bereits aus dem Jahre 2008!


    Nachdem Anna Netrebko von dem Vertrag mit der 'Met' für die drei 'Tudor-Opern' von Donizetti zurücktrat (sie sang nur die "Anna Bolena"), wurde Sondra Radvanovsky an ihrer Stelle für die Wiederaufnahme von "Anna Bolena" und "Maria Stuarda" (die von Joyce DiDonato als Ersatz für die Netrebko gesungen wurde) sowie die Neuinszenierung von "Roberto Devereux" im Jahre 2016 verpflichtet. Für die Professionalität der Sängerin spricht, dass sie erst die "Anna Bolena" 2012 in Washington und die Queen Elizabeth in "Roberto Devereux" 2014 in Toronto erprobte, bevor sie der 'Met' ihre Zusage gab. Lediglich die Titelrolle in "Maria Stuarda" sang sie an der 'Met' zum ersten Mal, obwohl sie auch mit der Queen Elizabeth in dieser Oper liebäugelte. Innerhalb von vier Monaten trat sie dann 2016 in den genannten drei Opern in New York auf und wurde wie einst Beverly Sills zum Stadtgespräch. "Anna Bolena" wurde am 9. 1. (mit Jamie Barton, Tamara Mumford, Ildar Abdrazakov und Stephen Costello unter Marco Armiliato) und "Maria Stuarda" am 20. 2. (mit Elza van den Heever, Celso Albelo, Kwangchul Youn und Patrick Carfizzi unter Riccardo Frizza) weltweit im Rundfunk übertragen. Die Neu-Inszenierung von "Roberto Devereux" wurde am 16. 4. nicht nur im Radio international gesendet, sondern auch weltweit in Kinos gezeigt.


    Auf Video bzw. DVD habe ich folgende Aufnahmen mit ihr in meiner Sammlung:


    "Cyrano de Bergerac" (Alfano) (Palau de les Arts 'Reina Sofia', Valencia, 8., 11. und 18. 2. 2007) mit Plácido Domingo (Cyrano), Arturo Chacón-Cruz (Christian), Rodney Gilfry (de Guiche), Roberto Accurso (de Valvert) und Corrado Carmelo Caruso (Ragueneau) / Dirigent: Patrick Fournillier / Regie: Michal Znaniecki (mit einem 20minütigen Probenfilm) / Sondra Radvanovsky singt in dieser schönen stilvollen Inszenierung die Rolle der Roxane in französischer Sprache.


    "Messa da Requiem" (Verdi) (Frauenkirche, Dresden, 29. 6. 2007) mit Jane Henschel, Miroslav Dvorsky, Paata Burchuladze, dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester - Dirigent: Fabio Luisi.


    "Il trovatore" (Verdi) (Metropolitan Opera House, New York, 30. 4. 2011) als Leonora (ursprünglich vorgesehen: Anna Netrebko) mit Dolora Zajick (Azucena), Marcelo Alvarez (Manrico), Dmitri Hvorostovsky (Conte di Luna), Stefan Kocán (Ferrando) / Dirigent: Fabio Armiliato / Regie: David McVicar.


    'Galakonzert' (Blackcreek Summer Festival, Toronto, 4. 6. 2011) mit Plácido Domingo / Eugene Kohn dirigiert das Blackcreek Festival Orchestra (mit Chor). Neben Arien und Duetten von Verdi (Les vêpres siciliennes, Simon Boccanegra, Otello, Il trovatore), Giordano (Andrea Chenier) und Puccini (Tosca) singt Sondra Radvanovsky auch Musical-Songs von Loewe, Bernstein, Arlen, Lehár und Rodgers. Ihre Show-Qualität beweist sie in der parodistischen Nummer 'I Want to be a Prima Donna' aus Victor Herberts "The Enchantress" - auch ein 'Hit' von Beverly Sills.


    "Norma" (Teatre de Liceu, Barcelona, Februar 2015) Sondra Radvanovsky ist die Norma und Ekaterina Gubanova die Adalgisa. Den Pollione singt Gregory Kunde und den Oroveso Raymond Aceto. Am Dirigentenpult: Renato Palumbo; die Inszenierung stammt von Kevin Newbury.


    'Galakonzert' (Opéra Bastille, Paris, 21. 6. 2016): Sondra Radvanovsky, Anita Rachvelishvili, Aleksandrs Antonenko / Orchestre de l'Opéra Bastille - Dirigent: Philippe Jordan. Die Sopranistin ist hier mit einer wunderbar gesungenen 'Casta diva'-Arie aus "Norma" zu hören. Die drei genannten Sänger traten zur gleichen Zeit in Paris auch in einer Neu-Inszenierung der "Aida" auf. Der Sender 'arte' brachte im September 2017 einen Zusammenschnitt dieses Konzerts, das auch auf YouTube gesehen werden kann.


    Hoffentlich werden bald auf DVD folgende 'The Met - Live in HD' - Aufführungen veröffentlicht:


    "Roberto Devereux" (Donizetti) (Metropolitan Opera House, New York, 16. 4. 2016) mit Sondra Radvanovsky als Elisabeth I. sowie mit Elina Garanca (Sara), Matthew Polenzani (Robert Devereux), Mariusz Kwiecien (Herzog von Nottingham), Brian Downen (LordCecil) und Christopher Job als Walter Raleigh. Die Inszenierung stammt von David McVicar; der musikalische Leiter war Maurizio Benini. Eine Bekannte von mir war wegen Elina Garanca in einer der vorhergehenden Aufführungen und war von Sondra Radvanovskys Leistung hell begeistert.


    "Norma" (Bellini) (Metropolitan Opera House, New York, 7. 10. 2017) Norma - Sondra Radvanovsky, Adalgisa - Joyce DiDonato, Pollione - Joseph Calleja, Oroveso - Matthew Rose / Dirigent: Carlo Rizzi / Regie: David McVicar. Obwohl die New Yorker Kritiker die Inszenierung des sonst so stilsicheren 'Sir David' als sehr düster und 'drab' ablehnten, wurden die Sänger einhellig gelobt. Sondra Radvanovsky hatte bereits 2013 an der 'Met' (in einer anderen Inszenierung) die Norma an Stelle von Anna Netrebko gesungen.


    Und übrigens: in drei Tagen, am 11. April, feiert die Sängerin - ich weiß, das ist unhöflich! - ihren 49. Geburtstag! Aber Sondra Radvanovsky verkörpert perfekt den neuen, zeitgemäßen Typ einer Primadonna: selbstbewusst, offen, herzlich und komplett uneitel!


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Da kann ich nur zustimmen. Ich habe sie 2015 als Manon Lescaut in Berlin und am 12.03.2018 als Maddalena in Andrea Chénier erlebt. Auch wenn im oberen Register nicht immer alles ganz rund läuft ist sie wegen ihrer schönen Stimme und ihrer atemberaubenden Bühnenpräsenz eine zurecht gefeierte Sängerin, die dazu noch sehr sympathisch daherkommt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt solche Ovationen für eine Sängerin wie nach der Maddalena-Arie in Barcelona erlebt habe. Innerhalb eines Jahres habe ich in der Rolle außerdem Harteros, Siri und Netrebko gehört, aber Radvanovsky würde ich die Krone aufsetzen. Unglaublich, wie das Publikum bei ihr getobt hat!

  • Caruso41 hat im Joseph-Calleja-thread geschrieben:


    Zitat

    Über Sondra Radvanovsky und ihre Entwicklung habe ich mich ja in dem dafür eingerichteten Thread sehr ausführlich geäußert. Mir geht es immer noch so, dass ich mich der Begeisterung für diese Sängerin nicht recht anschließen mag. Zwar beeindrucken mich ihr Volumen und ihre Durchsetzungsfähigkeit. Auch ihre Bühnenpräsenz ist bemerkenswert. Aber weder finde ich die Stimme besonders schön noch kann ich behaupten, dass man gegen ihre Gesangstechnik keine Einwände mehr erheben müsste. Aber vielleicht werden ihre Mängel in der Tosca nicht so offenbar.


    Und gerade diese Mängel haben sich deutlich reduziert, denn ihre Technik hat sich zuletzt erstaunlich verbessert. Natürlich ist nicht alles perfekt, aber bei wem ist das schon so?
    Derzeit jettet sie von einem Erfolg zum nächsten, und sie singt auf einem ganz außergewöhnlichen Level. Sie hat sich von einer hervorragenden Sopranistin in einer Reihe anderer guter Sopranistinnen zur führenden Sängerin ihres Faches gemausert. Und bei Partien wie Maddalena, Maskenball-Amelia oder eben Tosca ist sie erste Wahl. Dann kommt natürlich auch noch ihre starke Bühnenpräsenz dazu.
    Immer wenn ich sie höre, muss ich mich auch erst an ihre Stimme und ihr Timbre gewöhnen, welche ich jetzt auch nicht als unbedingt schön empfinde. Aber nach einer halben Stunde ist das vergessen, man hat sich auf die Stimme eingestellt und man ist begeistert, denn sie kann einen mit ihrem vokalen Einsatz wirklich mitreißen. So erging es mir bei ihren Amelia-Auftritten.
    Ich finde, Radvanovsky ist - neben Stoyanova - die derzeit wohl beeindruckendste Sopranistin. Die US-Amerikanerin ergreift einen wohl mehr mit ihrer Hingabe, während die Bulgarin gesangstechnisch die bessere Sängerin ist.


    Die Metropolitan Opera hat - um auf die New Yorker Tosca zurückzukommen, auf der Caruso's Beitrag erfolgt ist - Radvanovsky's Vissi d'arte vom Herbst 2018 online gestellt:




    Gregor

  • besser kann man Norma zur Zeit nicht besetzten ( Sondra Radvanoski und Joyce di Donato ) und inszenieren

    Soclhe verallgemeinernden, ja geradezu objektiven Gewissheiten finde ich nach wie vor bemerkenswert!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)