Fürst Igor in der Wiener Volksoper

  • Soeben komme ich glücklich und beschwingt heim, denn dieser Abend war aussergewöhnlich.


    Die Inszenierung ist zwar modern, aber kein RT. Die Russen (auch die Bühnenbilder) wurden blau-schwarz-silber gezeichnet, was die Kälte und Härte symbolisieren soll. Die Polowetzer glänzen in rot-orange-gelbem Outfit und riesigen Sonnenblumenfeldern, durch die sich die Akteure durchmühen. Lustig ist nur, dass Abend, Nacht und Morgenstimmung im selben Sonnenuntergangslicht stattfindet. Ist aber wunderschön anzusehen. Die Personenführung stimmt, manchmal etwas zu plakativ geworden.


    Der Dirigent, Alfred Eschwee, hat eine auf 2 Stunden stark gekürzte Fassung erarbeitet, wobei er sagt, er habe nur Wiederholungen und Rezitative stark gekürzt, so dass der erste Teil bis zu den Poloetzer Tänzen vor der Pause ein Arien- und Duettablauf war. Am Ende fehlte die Schlussansprache des Igor - das letzte Wort behielten die beiden Wendehälse. Durchaus akzeptabel.


    Die Sängerriege, angeführt vom hervorragenden Sebastian Holecek (der im Laufe der Jahre immer besser wird) über Melba Ramos, Vincent Schirrmacher, Martin Winkler als Galitzky und Andreas Mitschke waren ausgezeichnet. Nicht zu vergessen, dass die kleineren Partien ebenfalls ausgezeichnet besetzt waren.


    Hervorzuheben, dass das Ballett mit Breakdance-Einlagen mehrmals Szenenapplaus erhielt.


    Schade, dass es nur zehn Aufführungen gibt und ein eventuelles Wiedersehen in der nächsten Saison möglich wäre.


    Erich

  • Lieber Erich,


    erst einmal freue ich mich für dich, dass du ein so schönes Erlebnis hattest. Modern besagt ja nichts, wenn es werkgerecht inszeniert war, und das war es ja wohl. Ein Kürzung von etwa 3 1/4 auf 2 Stunden ist sicherlich stark. Aber wenn der Zusammenhang der Handlung gewahrt blieb, ist das eventuell hinnehmbar, wenn auch schade. Ich habe die Oper bisher dreimal gesehen, einmal vor vielen Jahren auf der Bühne und zweimal auf DVD und das ist auch schon mindestens 2 Jahre her. Ich kann mich allerdings im Einzelnen nicht erinnern, wo es darin soviel Wiederholungen gibt. Ich empfand selbst auch keine Längen darin. Na ja, das kann ich von hier aus nicht beurteilen. Dazu müsste man mehr über das wissen, was alles gestrichen wurde. Auf jeden Fall war es, so wie du es schilderst sicher ein musikalischer und optischer Genuss, und das ist das Wesentliche.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)