Nikolai Demidenko - ein Weltklasse-Pianist

  • Hallo Taminos,


    zu den großen Pianisten unserer Tag gehört für mich der Schüler am Moskauer Konservatorium vom Dimitri Bashkirov nämlich Nikolai Demidenko.


    Demidenko 1973/1974 am Moskauer Konservatorium


    Beim Tchaikovsky Wettbewerb 1976 und 1978 gewann er zwar "nur" jeweils eine Medaille jedoch plagte ihn 1978 eine Grippaleinfekt in der Nacht vor der zweiten Runde und er hatte Fieber.
    Dennoch erreichte Demidenko die zweite Runde.



    Bashrirov und Demidenko 1978 nach der zweiten Runde.


    Demidenkos Spiel überzeugt mich durch Klarheit und Transparenz im Anschlag und dabei verleit er der Musik eine Intimität.


    Seine Aufnahe der Liszt B minor Sonate ist für mich die Beste die ich kenne und sollte nach meiner Meinung in jedem CD Regal einen würdigen Platz finden!


  • Auch für mich eindeutig einer der besten Pianisten der heutigen Zeit.


    Für mich absolut hervorragend sene Aufnahme der Chopin-Balladen und Scherzi, sowie die von Richard bereits genannte h-moll von Liszt (nicht meine Lieblingsaufnahme der Sonate, aber definitiv eine grossartige).




    Gruss, Moritz

  • hallo,


    nikolai demidenko ist zweifelsohne ein weltklasse-pianist. für sehr stark halte ich seinen rachmaninov und medtner. es gibt da zum einen die platte mit werken für 2 klaviere zusammen mit dimitri alexeev (u.a. 2. suite und sinf. tänze), dann ein rachmaninov-recital (preludes aus op. 23 u. 32, einige etudes tableaux und morceaux de fant. op.3), sowie das 2. und 3. medtner-konzert. das alles gehört mit zum besten, was ich kenne.


    die platte mit den balladen und der 3. sonate chopins habe ich auch. eine gute aufnahme. es fehlt jedoch eine spur differenzierung im anschlag sowie eleganz ! ein problem vieler russischer pianisten auf dem chopin-sektor (ausnahmen: horowitz, ashkenazy und pletnev).


    gruß, siamak

  • Zitat

    Original von AcomA
    für sehr stark halte ich seinen rachmaninov und medtner. es gibt da zum einen die platte mit werken für 2 klaviere zusammen mit dimitri alexeev (u.a. 2. suite und sinf. tänze), dann ein rachmaninov-recital (preludes aus op. 23 u. 32, einige etudes tableaux und morceaux de fant. op.3), sowie das 2. und 3. medtner-konzert. das alles gehört mit zum besten, was ich kenne.


    Hallo Siamak, hallo Richard, hallo allerseits, :)


    dem oben Gesagten kann ich nur zustimmen. Die CDs sind IMO grandios! :yes:


    Demidenko wird ja nachgesagt, dass er eher „kühl und analytisch“ vorgeht, so empfinde ich es auch. Aber genau diese Herangehensweise in Verbindung mit seiner Vitalität und Frische (und natürlich seiner Virtuosität) bekommt IMO den beiden Beethoven-Sonaten gut. Diese CD kann ich guten Gewissens empfehlen.



    Gruß, Cosima

  • Hallo Richard,


    Demidenko habe ich zum ersten Mal bei einem Konzert – ich glaube Anfang 2001 – in Burghausen gehört. Das begann mit einer Enttäuschung. Vor der Pause spielte er so schwierige Stücke wie die Ciaconna von Bach-Busoni, kam aber leider überhaupt nicht mit der Akustik des Raums klar. Ich weiß nicht, ob dann so etwas wie im Fußball in der Halbzeit geschehen ist und ihm jemand klare Worte gesagt hat. Jedenfalls begann nach der Pause ein neues Konzert.


    Wer Schuberts B-Dur Sonate D 960 kennt, wird sich vorstellen können, mit wie viel Erwartung und auch etwas Skepsis ich in das Konzert ging. Vom ersten Ton an war klar: ein großer Wunsch sollte in Erfüllung gehen, wenigstens einmal im Leben diese herrliche Sonate live vollendet zu hören! Kein Rascheln, Räuspern oder Stühlerücken im Saal! Jeder Satz gelungen! Ich bin noch heute begeistert, wenn ich daran denke. --- Und der Funke war auf den Pianisten übergesprungen. Wie zur Entschädigung folgten dann fast eine Stunde lang Zugaben, im Mittelpunkt eine Scarlatti-Sonate.


    Demidenko spielt äußerst konzentriert und mit unglaublicher Kraft. Auch ihm zuzuschauen ist ein Genuss.


    Seither achte ich auf Konzerttermine und konnte ihn letztes Jahr noch einmal in Schwetzingen erleben. Dort wurden in einem Zyklus alle Beethoven-Sonaten gespielt, und er hatte die Hammerklavier-Sonate und zwei unbekanntere übernommen. Die unbekannteren – leider habe ich die opus-Zahlen vergessen – gefielen mir noch besser, auch wenn an der Hammerklavier-Sonate natürlich nichts auszusetzen war. Das Publikum war jedoch reservierter und so gab es keine Zugaben.


    Ansonsten möchte ich die CD mit Prokofjew und Mussorgsky empfehlen. Seine „Romeo und Julia“ ist die Fassung, die mich zu dem kleinen Beitrag über dieses Werk angeregt hat. Die Toccata ist ebenfalls hervorragend, allerdings bleibt hier für mich doch Referenz die Aufnahme, in der Prokofjew sein eigenes Werk spielt.



    Und wo ich schon auf die Seite von Hyperion gehen musste, um das Cover zu finden, ein etwas aktuelleres Foto:



    Viele Grüße,


    Walter

  • Zitat

    Original von Walter.T
    Und wo ich schon auf die Seite von Hyperion gehen musste, um das Cover zu finden, ein etwas aktuelleres Foto:




    Hallo,


    nur der Vollständigkeit halber – die Aufnahme habe ich bereits an verschiedenen Stellen lobend erwähnt:


    Das Bild ist auch Teil eines Covers, die Aufnahme ist von 2004.



    Leonid Gorokhov - Russian Cello Works
    mit Nikolai Demidenko, Klavier (ASV, 2003)


    Ich meine, dass es Siamak war, der in einem anderen Thread erwähnte, dass Demidenko im nächsten Jahr bei irgendeinem Klavierfestival im Ruhrgebiet (?) auftreten wird. Hast Du, Siamak, oder jemand anderes dazu genauere Hinweise (ich konnte im Internet nichts finden)? Ich würde Demidenko nämlich sehr gerne einmal live erleben!


    Gruß, Cosima

  • hallo Cosima,


    ja richtig, ich wies daraufhin undzwar im thread der sinfonischen tänze rachmaninovs. demidenko wird beim kommenden klavierfestival ruhr zusammen mit dimitri alexeev als klavierduo auftreten. ich habe diese information von demidenkos homepage. das wird dann im sommer 2006 sein (kollision mit der fußball-wm). die programme des festivals werden so um den märz/april veröffentlicht werden.


    gruß, siamak

  • Hallo Siamak,


    danke für den Hinweis, aber auf der Demidenko-Homepage habe ich auch nach intensiver Suche keinen Hinweis auf das Klavierfestival finden können. Dann warte ich mal auf das nächste Frühjahr - dann stehen hoffentlich rechtzeitig Details zu Ort und Zeitpunkt fest. Die Fußball-WM interessiert mich gottlob nicht so sehr ;) .


    Gruß, Cosima

  • Bzgl. der Demidenko Aufnahmen, die ich bisher gehört habe, kann ich nur sagen, daß sie alle zumindesten auf hohem Niveau sind.
    Antürlich kann nicht ein Pianist den Anspruch erheben grundsätzlich nur absolute Spitzenaufnahmen vor zu legen oder gar die jeweilige Referenz. (sofern überhaupt möglich!)


    Die hier bereits mehrfach angesprochene Aufnahme mit Werken für 2 Klaviere ist ja mittlerweile fast so etwas wie eine Forumsliebling geworden.
    Herrlich das Zusammenspiel mit Alexeev, was sicherlich mit zu dem Besten gehört was jemals in der Art für den Tonträger eingespielt wurde!



    Sehr gelungen seine Rachmaninov, die Medtner, Prokofiev und die Mussorgsky Aufnahme.


    Sehr empfehlenswert wie ich meine ist seine Aufnahme der Schumann Sonaten und absolut empfehlenswert seine Liszt Sonate.



    Insb. zur Liszt Sonate passt sein transparentes und sehr differnziertes Spiel sehr gut.


    Etwas schwäche finde ich allerdings seine Aufnahme der Scarlatti Sonaten bei AGPL. Technisch auf aller höchstem Niveau allerdings tendiere ich bei Scarlatti zu dem klein wenig "Zuckerguß" wie ihn z.B. Pogorelich zelibriert!


    Sehr zu loben IMO ist auch die Aufnahme mit den Bach Transkriptionen von Busoni :jubel:


    Auf der Giamanagement HP wird seit einiger Zeit als "to be released" folgende Aufnahme angegeben:


    33 Variations in C on a Waltz by Diabelli Op 120
    Sonata in F sharp major Op 78 Fur Therese
    ASV “Gold Label” Series/Sanctuary Classics / GLD4017

    Das könnte eine Hochgenuss werden, wenn ich da an die bereits veröffentlichte Aufnahme mit der Hammerklavoer Sonate denke :D


    Apropos, sowohl Amazon als auch J P C weisen für Ende des kommenden Monats eine Veröffentlichung von Demidenko aus!!!!


    Sein aktueller Status bei mir:
    Muß ich live erleben, Aufnahmen stehen auf der Sofortkaufliste!!!!

  • Hallo


    Auch wir können die Meinung von Cosima zur Aufnahme mit Beethoven bestätigen. Auch uns gefällt die Interpretation der Hammerklaviersonate op. 106 sehr gut. Demidenko spielt zwischen Brendel und dem jungen Pollini und fand trotzdem eine gute eigene Struktur mit schönem Klavierklang.


    Gruss


    romeo&julia

  • Ein weiter CD, die die Klasse von Demidenko unterstreicht ist die Live-Aufnahme aus dem Jahr 1993 aus der Wigmore Hall.
    Demidenko spielt Werke von Vorisek, Haydn, Scarlatti, Schumann, Mendelssohn, Kalkbrenner, Beethoven/Liszt, Berg .....



    Eine Doppel CD mit musikalischen Köstlichkeiten und packenden Interpretationen.


    Eine Demonstration pianistischen Könnens.

  • Morgen zusammen,
    Wurde Demidenkos Schubert-Doppel-CD mit den Impromptus, den Moments Musicaux, der "Wanderer-Phantasie" und den drei Klavierstücken D946 schon lobend erwähnt?
    Ich habe sie voe ein paar Wochen Second Hand erworben und bin ein wenig ambivalent - was ja immerhin ein Zeichen dafür sein könnte, dass diese Aufnahme alles andere als langweilig ist.


    Gemütlich geht es auf den beiden Silberlingen wahrhaftig nicht zu. Schubert erscheint hier eher in kalt sezierendem Neonlicht, als im betulichen Schein eines Holzfeuerchens. Das zieht durchaus faszinierende Ergebnisse nach sich: Das unerhört hochbeschleunigte cis-moll-"Moment" ist ein schönes Beispiel für diese unangepasste, mitunter (vielleicht etwas zu) eigenwillige Lesart.


    Demidenko ist Geschmackssache - ich finde, seine querköfigen Ansätze verleihen ihm einige Legitimität auf dem heillos überfüllten Tonträgermarkt - da haben "Wiederkäuereien" bestehender Ansätze einfach kaum Chancen.


    Die Bach/Busoni-Scheiben sind übrigens auch aufgrund des verwendeten Fazioli-Flügels ein oppulentes Klaggedicht...


    beste Grüße!
    Daniel

  • Zitat

    Original von Daniel Behrendt
    Morgen zusammen,
    Wurde Demidenkos Schubert-Doppel-CD mit den Impromptus, den Moments Musicaux, der "Wanderer-Phantasie" und den drei Klavierstücken D946 schon lobend erwähnt?
    Ich habe sie voe ein paar Wochen Second Hand erworben und bin ein wenig ambivalent - was ja immerhin ein Zeichen dafür sein könnte, dass diese Aufnahme alles andere als langweilig ist.


    Leider NEIN! Schwer zu bekommen und wenn dann "sau" teuer.......
    Aber ich bekomme sie schon noch :D

  • Hallo,


    nun schon zum zweiten Mal hatte ich die Möglichkeit Demidenko live zu erleben von einigen CD-Aufnahmen mal abgesehen.


    Sein Spiel ist ausgewogen, sensibel und von der Musik durchdrungen. Sein Beethoven gehört zu den besten Aufführungen, die ich erlebt habe.


    Die gerade genannte Scarlatti-CD ist auch empfehlenswert. Klangschön und kultivierter Anschlag und wohldurchdachte Phrasierung und Artikulation.


    Grüße,
    Daniel

  • hallo,


    Richard kündigte demidenkos neue aufnahme mit beethovens theresiensonate und den diabelli-variationen schon an ! jetzt ist sie da und ich muss sagen, ein pianistischer 'donnerschlag'. näheres dazu im diabelli-thread !



    gruß, siamak :angel:

  • Auf seiner neuesten CD wird Demidenko ein reines Chopin Programm spielen. Übrigens ist er auch ein geschworener Fan von Fazioli-Flügeln:


    Zitat

    Wenn man Steinway mit der Mercedes S-Klasse vergleicht - ein grandioses Auto, man fährt mit 200 Stundenkilometern durch den Schnee und man bleibt auf der Straße - dann ist Fazioli wie ein Ferrari Maranello. Man fährt die Straße entlang, es kommt Schnee und man ist tot. Er ist übersensibel. Er vergibt einem nichts. Er gibt einem von allem zuviel. aber man kann aus einem Fazioli Klavier einen Klang herausholen, den man nirgendwo findet.


    Spielen wird Demidenko auf seiner CD folgende Stücke:



    Rondos opp. 1, 16 und 73
    Bacarole op. 60 Polonaise op. 71 Nr. 1
    Andante Spinato et Grande Polonaise brilliante


    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • Vergleicht man das Programm von Nikolai Demidenkos Chopin-Album mit der jüngsten CD von Yevgeni Kissin fällt eines ins Auge: Demidenko legt kein Album mit bekannten "Schlagern" des Chopin´schen Ouevre´s vor, sondern hat bei der Programmzusammenstellung einen anderen Weg gewählt: "Disparate Einzelstücke: Spätes und Frühes, Bekanntes und Unbekanntes":


    Da wären das Rondo op. 1 (mir völlig unbekannt, ebenso wie das Rondo op. 16. Darauf folgen die posthum erschienene Rondo op. 73 (wohl um 1828 entstanden), die Barcarolle op. 60, die Polonaise op.71/ 1 (auch hier täuscht die Opuszahl ein "Spätwerk" Chopins vor); den Beschluss bilden Andante Spinato e Grande Polonaise brillante op. 22. Und gerade die Begegnung mit dem "frühen" Chopin fand ich faszinierend. Man gerät dann immer wieder ins Staunen wie früh vollendet Chopin eigentlich gewesen ist.


    Man kann sich mit Recht fragen, warum Nikolai Demidenko immer ein wenig im Schatten von anderen, bekannteren Künstlern zu stehen scheint, obwohl er den Kollegen pianistisch und künstlerisch in keinster Weise nachsteht. Die Chopin-Platte Demidenkos ist ein Beweis dafür. Mut zum Risiko, zu einer unkonventionellen Programmzustellung. Wenn etwas Demidenkos Chopin-Spiel abgeht, dann ist es die Abwesenheit von jeglicher Sentimentalität, da ist keine Spur von "Parfüm".


    Lesenswert ist auch der von Attila Bardosi verfasste Essay "Warum gerade Chopin?", einer Anäherung an das Phänomen Chopin- keine leichte Lektüre, die man so eben vor dem Einschlafen konsumieren sollte. Bardosi möchte dem Leser nicht nur einfach Hintergrundinformationen zu den einzelnen Werken liefern, sondern er gräbt tiefer. Und da berührt er sich mit Demidenkos Spiel: Auch der Pianist bietet keine auf Hochglanz polierte Oberfläche, hinter der sich eine gähnende Leere verbirgt.



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • Hallo,


    ich kann mich dem Lob meiner Vorredner nur anschließen! Nikolai Demidenko ist einer der wenigen Pianisten, die sich nicht in eine bestimmte Ecke stellen lassen! Seine unglaubliche Viellfältigkeit erstaunt mich und erinnert an Größen wie Arrau und Rubinstein. Im Konzert hörte ich ihn mit einem famosen Scarlatti und einem berauschenden Beethoven. Und seine Liszt Einspielung verdient meinen höchsten Respeckt. Seine h-moll Sonate ist durchdacht und genau ausbalanziert. Selbst das Virtuosenwerk Scherzo und Marsch vermag er zu adeln! Wenn man hier Demidenko mit L.Howard oder Horowitz vergleicht, so steckt er beide in seine Jackentasche.


    Und bis heute unerreicht seine Interpretation der beiden Medtner Konzerte! Ich hoffe dass wir auch weiterhin noch einige der "Klaviermusikschätze" aus seiner Hand hören werden!


    Gruß
    Niko