• Auf dieses Thema bin ich durch Caruso gekommen, der diesen wunderbaren Auftritt von Anna Lucia Richter in Mahlers 8. vorgestellt hat (im Thread Neue Stimmen). Er hat mich auch ermuntert, dieses Thema hier zu starten.
    Da dachte ich daran, was dieser optisch wie musikalisch gelungene Auftritt in uns auslöst: es ist die pure Schönheit der Musik, bei der man jede Kritik ausschaltet und nur genießt. Allerdings setzt das eine makellose Interpretation voraus. Ich denke, jeder von uns kennt das. Definieren und theoretisch eingrenzen kann ich das nicht, denn ich handle nach dem Motto "Wenn ich einen Elefanten sehe, weiß ich, dass das ein Elefant ist!"


    Zwei Bitten: vielleicht immer nur 1 Beitrag und einen Link zu YouTube.


    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • es ist die pure Schönheit der Musik, bei der man jede Kritik ausschaltet und nur genießt. [...] Ich denke, jeder von uns kennt das.


    Ein schönes Thema, lieber Dottore. Ja, jeder Musikliebhaber kennt wohl diese Momente der Verzückung, der Ekstase, des Ertrinkens in Schönheit. Auch wenn sicher nicht für jeden die gleiche Musik ein solches Erlebnis bewirkt. Ich könnte hier vieles nennen. Zu der Musik, die mir als erstes in den Sinn kommt, gehört Thomas Tallis' wundervolle Motette "Spem in alium", ein Meisterwerk der Polyphonie. Ich hatte kürzlich wieder einmal die Gelegenheit, einer Aufführung beizuwohnen. Einen YouTube-Link anzugeben, erscheint mir fast wie ein Sakrileg, kommt es doch hier auf eine nicht nur interpretatorisch, sondern auch akustisch perfekte Wiedergabe an. Aber ich tue es dennoch. Auf meiner (bislang) liebsten Einspielung singt die Oxford Camerata unter Jeremy Summerly. Ich habe das Glück, diese Aufnahme als DVD-Audio zu besitzen, der Surround-Sound ist hier ein gewaltiger Pluspunkt. Aber am besten hört man das Werk live.



  • Ich war verblüfft, lieber Bertarido, dass deine Aufnahme von "Spem in alium" die mit der Oxford Camerata unter Jeremy Summerly war. Ich kenne viele Aufnahmen dieses grandiosen Stücks, aber in keiner war die Wucht und die Differenzierung so groß wie bei dieser. Außerdem ist das fast die einzige Aufnahme, in der die Dissonanzen so deutlich zu hören sind. Und inzwischen brauche ich dir auch nicht zu erzählen, wie oft ich sie gehört habe. Du hast natürlich Recht, dass das nichts für YouTube ist. Dass es eine DVD gibt, war mir neu. Die werde ich mir zulegen.
    Genauso großartig sind die Lamentationes Jeremiae von Tallis; hier gibt es eine Menge von guten Aufnahmen, besonders im englischen Kulturkreis. Die Chöre, besonders die Knabenchöre, wachsen damit auf, wie etwa unser schmerzlich vermisster gombert. Ich habe diese Motette drei Mal gesungen, zwei Mal im Alt, einmal im Tenor. Das gehört zu meinen stärksten Singeerlebnissen überhaupt.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Ich habe diese Motette drei Mal gesungen, zwei Mal im Alt, einmal im Tenor. Das gehört zu meinen stärksten Singeerlebnissen überhaupt.

    Darum beneide ich Dich. Ich kann leider überhaupt nicht singen. :(



    Dass es eine DVD gibt, war mir neu. Die werde ich mir zulegen.

    Das ist eine DVD-Audio, d.h. da ist kein Video drauf, sondern nur Audio im 5.1-Format (und ein paar Standbilder). Das lohnt sich nur, wenn Du Surround-Boxen hast.


  • Das Terzett aller Terzette bei den Bässen dürfte das Don Giovanni-Finale (Don Giovanni, Leporello, Komtur) sein. Das Terzett aller Terzette (dem noch ein Duett folgt) bei den Damen ist hier.
    Es handelt sich um den Salzburger Rosenkavalier 2004, Adrianne Pieczonka, Angelika Kirchschlager und Miah Persson. Franz Hawlata als Ochs hat hier natürlich nix zu suchen. Dirigent ist Semyon Bychkow.

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  • Diese Arie aus Monteverdis Poppea gehört zu den schönsten Arien, die je geschrieben wurden. In Düsseldorf wurde diese Arie immer von Oralia Dominguez gesungen (Holger hat das auch gehört). Aber in der damaligen Oper wird die Nutrice stets von einem kräftigen Mann gesungen, der als Frau ausstaffiert ist und sehr hoch im Falsett singen muss. Ich muss noch rauskriegen, wer die beiden Sänger hier sind; für mich ist es die beste Aufnahme dieses Stücks, das ich kenne.

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  • Hier folgt nun ein kühnes Unterfangen: eine ganze Oper! Da kann es sich natürlich nur um eine Janacek-Oper handeln: "Het slowe vosje" von Janacek, in einer bemerkenswerten Produktion der Amsterdamer Oper. Modernes Theater aber kein Regietheater, sängerisch, vom Bühnenbild und vom Orchester eine überragende Aufnahme. Wie schön, dass es das noch gibt. Und doppelt schön, dass ein gewisser Marthaler das noch nicht entdeckt hat.

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  • Für mich die schönste Arie, die Mozart geschrieben hat, die Arie der Barbarina im letzten Bild von Figaros Hochzeit. Die Mischung von sordinierten Geigen und einer reinen Mädchenstimme ist unwiderstehlich.


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  • Auch wenn es, wie hier, von etlichen Mutti-Registertonnen gesungen wird, klingt die Caballé doch naiver und kindlicher als etwa Maria Callas, die daraus einen Riesenauftritt macht. Mein All-time-favourite, sowohl vom Aussehen wie vom Gesang, ist Anke Krabbe von der Rheinoper.

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  • Lieber Dr. Pingel,


    es sind wirklich ausgesucht schöne Beispiele, die Du für Bellezza eingestellt hast. Danke für den Genuss.


    Beim Urlicht habe ich Zweifel, ob es wirklich Maureen Forrester ist, die unter Bernstein singt. Ich würde eher annehmen, dass es sich um Janet Baker handelt. Einen Beleg habe ich dafür allerdings nicht.



    Liebe Grüße


    Portator

  • Hallo!


    Ich gestehe, heute erstmals in diesen Thread hinein geschaut zu haben. Und was ich sehe und höre ist ausgesprochen stimmungsvoll und beeindruckend. Bislang sind keine Lieder mit Klavierbegleitung eingestellt, dennoch ist es hoffentlich passend:


    L´heure exquise von Reynaldo Han in der Interpretation von Philippe Jaroussky



    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo


  • Danke für die Korrektur, du hast vollkommen Recht, es ist Janet Baker!

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Das Kunstlied ist nicht so meine Stärke, aber ich kenne natürlich sehr viel, besonders von Mahler. Dafür hat Helmut Hofmann ja gesorgt. Wer immer ein solches Lied hier einstellen will, nur zu! Der Reynaldo Hahn war schon ein sehr schönes Beispiel.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Dies ist natürlich das Pendant zum Urlicht: Nietzsches Gedicht in Mahler 3. Sinfonie, hier ausgeführt von Waltraut Meier und dem HR-Sinfonieorchester unter Paavo Järvi. Das Video stammt von 2009, nach meiner Einschätzung ist das aufgenommen worden im Kloster Eberbach.


    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Ich bin neu hier (in diesem Thread) und habe in einem Parallelthread gelesen, daß hier in Zukunft nur Musik ab 1700 eingestellt werden soll. Ich habe hier ein patriotisches englisches Lied ausgewählt, das allerdings aus der Masque (einer Abart der Oper) "Alfred" stammt. Der Komponist ist Thomas Arne (1710-1778)



    Es gibt zahlreiche Versionen, Interpretationen und sogar zumindest eine Parodie zu diesem Stück


    mfg aus Wien
    Alfred