Michail Ippolitow-Iwanow (1859-1935) - Orchesterwerke

  • Hallo zusammen,


    Michail Ippolitow-Iwanow (1859-1935)
    Symphonie Nr. 1
    + Turkish Fragments op. 62

    Singapore Symphony Orchestra, Choo Hoey
    Naxos, DDD, 1984


    Alten Wein in neuen Schläuchen bietet diese Naxos-CD aus 2015, die auf einer Produktion des Schwester-Labels Marco Polo des Jahres 1984 beruht. Enthalten sind Orchesterwerke des Rimski-Korsakow-Schülers Michail Ippolitow-Iwanow. Jener kann, neben Glazunow, auch als Haupteinfluss ausgemacht werden. Die Musik ist in der russischen Tradition verwurzelt, eher rückwärtsgewandt als innovativ, und bedient die gängigen Schemata des seinerzeitigen Publikums. Als Anhänger des "Sozialistischen Realismus" sind die Kompositionen wenig aufregend (verglichen mit den Modernisieren jener Zeit) aber dennoch schön gearbeitet, gut zugänglich und aus qualitativer Warte keine Zeitverschwendung.
    Die erste Sinfonie wirkt "typisch russisch". Die Türkischen Fragmente op. 62 bedienen hingegen Erwartungen an "orientalische" Klänge, wie man sie vom Lehrer Rimski-Korsakow kennt.
    Die Einspielung scheint mir gelungen. Das Orchester aus Singapur spielt mindestens ordentlich, selbst wenn es am Feinschliff und der delikaten Differenzierung eines Spitzenorchesters mangeln mag. Ähnliches gilt für die gute, dynamisch vielleicht etwas zurückhaltende Aufnahmetechnik, die sicher deutlich besser ist, als schlechte Naxos-/MP-Tonaufzeichnungen jener Zeit.
    Aus meiner Sicht daher ein Kauftipp, zumindest für Freunde des Russischen. jpc listet keine Alternativen. Insofern muss die Produktion zumindest als gelungene Übergangsreferenz herhalten. Kann man ruhigen Gewissens kaufen.


    Viele Grüße
    Frank

  • In den 1950er Jahren wurden seine "Kaukasischen Skizzen" gerne gespielt. Zu genzen Ippolitov-Iwanov-Platten hat das meines Wissens nach nicht gereicht; die Skizzen wurden immer gekoppelt mit Werken anderer Komponisten, auf meiner alten DGG-LP z.B. mit Werken von Smetana. Die Aufnahme war eine Ost-Übernhame, dirigiert von Karel Senja. Aber auch Anatol Fistoulari hat das Werk auf Platte aufgenommen.


    Was ich von ihm so kenne, würde ich liebevoll als gute Unterhaltungsmusik bezeichnen. Einiges von ihm lässt sich bei youtube nachhören, hier z.B. die genannten Kaukasischen Skizzen:



    Liebe Grüße vom Thomas

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo Thomas,


    ja, über die "Skizzen" bin ich bei meiner Suche nach Aufnahmen auch gestolpert.
    Ich meine mich sogar an besagte DGG-LP zu erinnern. Die hatte so ein herrlich buntes Cover... (leider im Netz nicht auffindbar, auf die Schnelle).


    Viele Grüße
    Frank

  • Hier gibt es die Sinfonie, zumindest Auszugsweise und mit unbekannten Interpreten:



    Vollständig scheint das aber nicht zu sein, immerhin kommt die Naxos-CD mit ganz ähnlichem Programm auf rund 55 Minuten.


    Viele Grüße
    Frank


  • Diese Aufnahme der ersten Sinfonie findet sich auf meiner Festplatte:


    Es spielen die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Gary Brain. Gab's mal bei Amazon …

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Merkwürdig, dass Mikhail Ippolitov-Ivanov jetzt auch einen eigenen Thread hat.
    Dass manche sich noch an seine Caucasischen Skizzen erinnern, ist nicht verwunderlich. Sie wurden früher häufig in Kur- und Promenadenkonzerten gespielt. Wie Thomas Pape liebevoll sagt als "gute Unterhaltungsmusik ". Sonderbarerweise spielt man aber nur die Caucasischen Skizzen op 10 von 1894. Weit interessanter sind
    die Caucasischen Skizzen Op. 42 von 1896. Ich besitze eine CD mit beiden. Es dirigiert Vladimir Fedosseyev das USSR Radio Symphony Orchestra.


    Übrigens hat Ippolitov-Ivanov neben vielen Suiten und Rhapsodien, Tänzen und Märchen, die uns nach Georgen, Armenien, Turkmenistan, Uzbekistan und in die Türkei entführen, 1935 auch eine zweite Sinfonie geschrieben. Die heißt "Karelia". Sie ist unvollendet aber auch davon gab es mal eine Aufnahme bei Melodia auf LP. Ich weiß nicht mehr wer die dirigiert hat. Hab sie auch nicht gehört.


    Seine Opern und Filmmusiken aber sind wohl völlig vergessen!
    Ich besitze lediglich eine ziemlich lange Arie aus "Die letze Barrikade". Das ist - wenn auch nicht gute, so doch - kämpferisch laute Unterhaltungsmusik aus dem sozialistischen Realismus! Von Dmitrij Tarchov allerdings imponierend gesungen!


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Hallo Caruso41,
    Zitat von »Caruso41« Merkwürdig, dass Mikhail Ippolitov-Ivanov jetzt auch einen eigenen Thread hat.
    was findest Du daran merkwürdig?
    Erscheint Dir der Komponist zu unbedeutend?


    Hallo Frank,
    wenn ich 'merkwürdig' schreibe, meine ich es auch. Ich fand es würdig, dass man merkt: es gibt einen eigenen Thread für Mikhail Ippolitov-Ivanov! Hätte ich mich sonst mit einem kleinen Beitrag zu Wort gemeldet?
    Als Friedensforscher hatte ich jahrelang mit der Sowjetunion zu tun. Da habe ich mich natürlich auch für den "Sozialistischen Realismus" interessiert. Viele der Kompositionen haben ja durchaus einen gewissen Reiz. Wie Du schon sagst: "schön gearbeitet, gut zugänglich" !


    Ausserdem geht es bei der Eröffnung neuer Threads in diesem Forum ja eigentlich nicht nach Bedeutung - was immer das sein mag! Mikhail Ippolitov-Ivanov ist ein Vertreter einer Richtung in der Musik des 20. Jahrhunderts ("Sozialistischen Realismus" ), die zu erinnern durchaus sinnvoll ist. Ich habe mit der Hierarchisierung der Komponisten ohnehin meine Probleme.


    Beste Grüße


    Caruso41