Schubert: Streichquintett C-Dur

  • Wenn irgendein bestimmtes musikalisches Werk das Klischee vom "fröhlichen Sängerknaben" Franz Schubert widerlegen kann, so ist es sein spätes, tiefsinniges, ausdrucksvolles Streichquintett in C-Dur D.956.
    Dessen aufwogende Schübe aus Harmonik und Meldodik,abwechselnd
    überschwänglich,bittersüß, sehnsuchstvoll oder melancholisch, bekunden einen geradezu kosmischen Höchststand der der musikalischen Romantik. Diese Komposition, gehört ebenso wie der Liedzyklus "Die Winterreise", in die Sphäre der epischen, traum und alptraumartigen Landschaften des Malers Caspar David Friedrich (1774-1840) in welchen
    Schönheit und Verzweiflung nebeneinander existieren und miteinander
    zu einer Synthese verschmelzen. Aufnahmen des Werkes gibt es viele:
    Eine meiner favorisierten neueren Einspielungen (nicht zuletzt aufgrund des superben Klangbildes) ist jene des Labels Tacet mit dem Auryn-Quartett:




    eine wundervolle Klangreise ist auch jene des durch Heinrich Schiff verstärkten Hagen-Quartetts aus dem Jahr 1993.




    Natürlich bin ich darauf gespannt, welche Erfahrungen oder Auseinandersetzungen ihr mit diesem Werk hattet und was eure Referenzaufnahmen sind.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo BBB,


    stimme mit dir in deiner Bewertung über den Rang des Stückes überein. Mein derzeitiger Favorit ist Rostropowitsch mit dem Emerson String Quartett oder umgekehrt -1992) ), die die ganze Bandbreite der Gefühle und des Ausdrucks sehr gut artikulieren:



    Außerdem mag ich noch sehr die Fassung mit dem Juilliard-Quartett und Bernhard Greenhouse (von 1974 - habe ich aber "nur" auf LP).



    Gruß aus Hamburg
    Uwe

  • Hallo,


    Ich hab mich erst durchringen müssen zu antworten, Kammermusikexperte bin ich nämlich nicht unbedingt, beschönigend gesagt.


    Erst seit etwa 2 Jahren ist diese Musikgattung näher in den Blickpunkt meines Interesses gerückt, dementsprechend wenige Einspielungen (und nicht immer die hochkarätigsten) sind in meiner Sammlung.


    Die Antwort aud die Frage nach den Auseinandersetzungen mit dem Werk ist relativ leicht beantwortet: Eher keine, die CD wurde "zur Information" angeschafft. An die Bedingungen des ersten Hörens erinnere ich mich nicht. Naxos CDs erleiden bei mir oft das Schicksal, nicht die gleiche Aufmerksamkeit zu erhalten wie jene der "Hochpreislabel" (zu Unrecht, muß ich sagen)


    Umso mehr habe ich die CD gestern beim "bewussten" Hören genossen, wobei mir natürlich (leider) keine Referenzen zur Verfügung standen.



    Ich habe mich so auf das Werk konzentriert, daß ich nicht imstande bin viel über die Interpretation zu sagen.(ein Glück, das einem nach jahrelangem Sammeln nur mehr selten zuteil wird) Das Ensemble Villa Musica ist jedoch kein Naxos-Billig-Ensemble, sondern nimmt auch für Dabringaus und Grimm (MDG) auf und hat mehrere Kammermusikpreise gemacht.
    Das Klangbild ist angenehm, rund und natürlich, persönlich liebe ich es geringfügig analytischer...(Eine Geschmacks- aber keine Qualitätsfrage)


    Das wird natürlich (leider) Folgen haben.
    Seit etwa 5 Jahren ist folgende CD auf meiner Wunschliste zu finden, die Anschaffung wird jedoch immer wieder verschoben:



    Nun dürfte das Warten ein Ende haben :yes:


    Auf diese Aufnahme kam ich im Rahmen eines Samplers der EMI, wo das Werk angespielt wurde.


    Grüße aus Wien


    Schönes Wochenende


    Alfred

  • Hallo ,


    ich bin auch schon länger auf der Suche nach einer guten Aufnahme dieses Werks, deshalb bin ich froh über diesen Thread.


    Habe in einem CD- Führer(Reclam) gelesen , daß eine Aufnahme
    von dem Orpheus Quartett die Referenz sein soll.


    Kann das jemand bestätigen ?
    Kennt ihr das Orpheus Quartett ?



    Gruß
    Rüdiger

    Gruß
    Rüdiger


    ________________________
    Lärm ist ... nur eines der Übel unserer Zeit, wenn auch vielleicht das auffälligste. Die anderen sind Grammophon, Radio und neuerdings die verheerende Television.


    C.G. Jung

  • Hallo Rüdiger,


    Referenzen sind immer relativ, so erwähnt der Harenberg-Kammermusikführer jenes Quartett nicht einmal.


    Ich habe aber Für Dich gegoogelt.


    Das Quartett ist durch den Tod seines Primarius leider nur noch ein Trio, führt aber weiter den Namen "Quartett" die Kritiken, die ich las, waren durchwegs hervorragend.


    http://www.sommerclassics.de/r…tler/orpheus_quartett.htm


    --------------------------------------------------------------------------------------------------
    Ich selbst habe heute, wie geplant und angekündigt, meine Sammlung durch die Aufnahme des Alban Berg Quartett, verstärkt durch Heinrich Schiff, ergänzt. (EMI-Great recordings of the Century)


    Es konnte natürlich nicht ausbleiben,diese Neuerwerbung mit jener Aufnahme mit dem Ensemble Villa Musica auf Naxos zu vergleichen. -
    Erstaunliches trat dabei zu Tage. Welcher der beiden Aufnahmen man den Vorzug gibt, wir sehr vom Temperament des Hörers abhängen.
    Zunächst einmal ist zu sagen: Die Naxos Aufnahme schlägt sich sehr gut.
    Sie ist in jedem Fall die verbindlichere, moderatere, ja stellenweise klangschönere, wärmere Aufnahme, manchem wird sie vielleicht ein wenig zu weich, zu lyrisch und zu kompakt daherkommen , wobei dies alles nur feinste Tendenzen sind.
    Das Alban-Berg Quartett, verstärkt durch Heinrich Schiff bietet die "rabatere", agressivere, stellenweise etwas "schrille" Aufnahme,
    sie wirkt unruhig nervös, mir fehl ein wenig das "schubertsche" Cliché.
    Andereseits bekommt das Werk hiedurch eine andere Aussage.
    Eine Frage des musikalischen Standpunkts. Ich brauch mich glücklicherweise nicht entscheiden, weil ich ja beide habe ,-))


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Alfred schrieb:


    Zitat

    Sie ist in jedem Fall die verbindlichere, moderatere, ja stellenweise klangschönere, wärmere Aufnahme,



    Bei einer Komposition der krassen Kontaste, und das ist das Quintett unbestritten, bieten sich Verbindliches und Moderates kaum an, denn genau aus den besagten schroffen Gegensätzen LEBT dieses Werk. Alles andere, unabhängig vom Interpretationsansatz, wäre eine Verzerrung
    und Verflachung, eine Einebnung eines "Gipfels" in der Musik zu einem netten Hügelbeet mit Biedermeier-Bepflanzung...
    Zu meinen "diskografischen Schätzen" zählt noch eine (leider schon sehr lange nicht mehr lieferbare) Einspielung des "alten" Julliard-Quartetts,durch S. Greenhouse verstärkt, mit besonderer Betonung der elegischen Seite des Werkes, aber die aneren Komoponenten kommen dadurch nicht zu kurz und genau darauf kommt es an.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Eines meiner Inselstücke, das sagt aber nichts.


    Interpreten:


    Schiff mit dem Alban Berg Quartett.


    Warum: Sosehr mich die Lesart anfangs verstörte, sosehr mag ich sie jetzt, vor allem bei Schubert.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Morgen,


    das Quintett op. 163, Musik für starke Nerven, kommt für mich vom Weller Quartett, mit Dietfried Gurtler, Cello II (Decca SDD 441), eine Schallplatte aus den 70er Jahren. Die Deutung kam mir immer vor wie Musik gewordene Aufklärung darüber, wie es ist.


    Die Leidenschaft der noch älteren Aufnahme vom Prado-Festival, um Pablo Casals, hat nicht ganz diesen Impact der Wellers. Aber die Anstrengung des Zuhörens wird immer belohnt. Ich weiß, es wurde schon gesagt, ich stimme ja nur gern zu.


    Nach der Auflösung seines Quartettes begann Walter Weller eine Karriere als Dirigent, in London, mit dem Philharmonia Orchester u.a.m.


    Das Weller Quartett verdient immer Beachtung.


    MfG
    Albus

  • Von mir wieder eine eher unbekannte Alternative:


    Das legendäre Hollywood String Quartett (dabei noch Verklärte Nacht von Schönberg als Sextettfassung) auf dem Label Testament, momentan leider nicht zur Hand, um genau Details mitzuteilen.

  • Ich stelle die 2000er Aufnahme des Nomos-Quartetts mit Klaus Kämper zur Debatte. Sie ist bei Amphion erschienen, ein kleines Label von Tonmeister Olaf Mielke/Darmstadt. Die Aufnahme ist nicht makellos, was die Intonation der Musiker angeht, doch ungemein lyrisch und mit frischem Schubertschen Schwung gespielt. Eine Live-Fassung mit dem Mandelring-Quartett und dem Münchner Cellisten Johannes Moser hatte sehr hohes Niveau, fast unschlagbar in punkto Rasanz und Dichte.


    @Alfred: Wer spielt bei der Naxos-Villa musica Aufnahme? Brandis/Ostertag/...?

  • @ fuchsbuhl,


    Hallo,


    Die Formation besteht, soweit ich recherchiert habe , aus 14 Mitgliedern, die je nach Bedarf individuell eingesetz werden.
    Brandis und Ostertag sind tatsächlich Mitglieder dieses Ensembles,
    das Booklet der Firma Naxos hüllt sich aner über die aktuelle Besetzung für diese Aufnahme in vohrnehmes Schweigen ...... ;)



    Beste Grüße,
    Eine PN ist in deinem Postfach
    Alfred

  • Da im Mitgliederverzeichnis von Villa Musica nur zwei Cellisten vorkommen, kann man messerscharf schließen, dass Martin Ostertag und Patrick Demenga mit von der Partie sind. ;)


    Thomas Brandis scheint aber nicht mehr auf ?!


    Ciao

  • Hallo Theophilius


    Alle messerscharfe Logik :D schneidet ins Nirwana :stumm: :D


    Brandis WAR laut Harenberg Konzerführer Mitglied des Ensembles, und die Aufnahme stammt vom 8. Februar 1990


    Da ich Fuchsbuhls Geschmack in groben Zügen kenne, meine ich übrigens, daß das mit ziemlicher Sicherheit keine ideale Aufnahme für ihn ist: Es gibt Schrofferes und aggressiveres.
    Die in meinem Beitrag oben angepeilte Aufnahme des Alban Berg Quartetts ist inzwischen in meinem Besitz.


    Beste Grüße


    aus Wien


    Alfred

  • Übrigens habe ich mich erinnert, dass ich eine Schubert-Quintett Aufnahme mit Tibor Varga, Judith Justice, Matti Hirvikangas & Martin Ostertag & susan Rybicki (Vargas Tochter) letztens in München bei Beck erstanden habe. Sehr, sehr empfehlenswert ! Vgl. meinen Beitrag im Threat Brahms-Violinsonaten. Ich mag einfach die gestandenen Persönlichkeiten. Dann kommt es nicht so auf Intonation an. Sondern der Duktus des "wahren" Musizierens, Ehrlichkeit muss gegeben sein: Sandor Vegh, Dinu Lipatti, Clara Haskil, Tibor Varga, Pablo Casals, ihr wisst schon, was ich meine!

  • Hallo!


    Diesen alten thread krame ich mal wieder hervor, denn zu Schuberts Streichquintett gibts sicher noch einiges zu sagen.
    Häufig hört man Aussagen wie: "DER Gipfel der Kammermusik".
    Wenn ich mich recht erinnere, hat Joachim Kaiser gesagt, daß er dieses Werk wählen würde, wenn er nur ein einziges Musikstück mit auf eine einsame Insel nehmen könnte.
    Nun, "DER Gipfel" möchte ich vorsichtshalber nicht sagen, aber "ein Gipfel" durchaus. Wie seht Ihr das?


    Ich bin dem Melos Quartett noch einiges an Lob schuldig, das werde ich nun hier einlösen:


    Ich finde diese Aufnahme (mit Rostropovich als 2. Cellisten) wunderschön. Beim Hören versinke ich in diese ganz eigene Welt dieses Meisterwerks - die ersten beiden Sätze entrückt, fast schon nicht mehr von dieser Welt, die anderen beiden unglaublich packend.
    Das Melos Quartett spielt sehr gefühlvoll und sensibel, es paßt einfach.


    Dennoch plane ich den Kauf einer weiteren (möglichst guten) Aufnahme. Ich habe da die hier schon erwähnte EMI-Scheibe mit dem ABQ und Schiff im Auge. Da tue ich mir was gutes, wenn ich sie kaufe, oder?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius
    Diesen alten thread krame ich mal wieder hervor, denn zu Schuberts Streichquintett gibts sicher noch einiges zu sagen.
    Häufig hört man Aussagen wie: "DER Gipfel der Kammermusik".
    Wenn ich mich recht erinnere, hat Joachim Kaiser gesagt, daß er dieses Werk wählen würde, wenn er nur ein einziges Musikstück mit auf eine einsame Insel nehmen könnte.
    Nun, "DER Gipfel" möchte ich vorsichtshalber nicht sagen, aber "ein Gipfel" durchaus. Wie seht Ihr das?


    Solange Kaiser nicht auf meiner Insel ist, ist mir der Rest egal...
    In solchen rankings sehe ich wenig Sinn; ich würde vermutlich eher ein Mozart-Quintett (oder noch eher ein Beethovenquartette) mitnehmen, aber was soll das?
    Insgesamt finde ich das Quintett und das G-Dur-Quartett allerdings noch einen Tick gelungener als die C-Dur-Sinfonie oder die B-Dur-Sonate: lang, aber ohne Längen :D Noch eigenständiger gegenüber dem Beethovenschen Vorbild usw.


    Zitat


    Dennoch plane ich den Kauf einer weiteren (möglichst guten) Aufnahme. Ich habe da die hier schon erwähnte EMI-Scheibe mit dem ABQ und Schiff im Auge. Da tue ich mir was gutes, wenn ich sie kaufe, oder?


    Viele finden den frühen Digitalklang dieser Aufnahme unangenehm; mag sein, dass die Wiederveröffentlichung (EMI GROC) da ein wenig besser ist. Mir ist es beim kurzen Reinhören (in die alte, vermutlich die erste Veröffentlichung) eben nicht als so extrem aufgefallen. Interpretatorisch sagt sie mir durchaus zu. Eine eher schlanke, dramatische Lesart (keine Wdh. in 1, nciht besonders wienerisch, außer vielleicht im Finale).
    Ich habe noch das Petersen-Quartett, gefällt mir auch gut (besserer Klang Wdh. in 1, etwas breitere tempi)
    Melos/Rostropowitsch habe ich mal bei einem Freund gehört; aus der Erinnerung fand ich die etwas zu schwerfällig (z.B. im Finale). ABQ ist jedenfalls hier ziemlich anders, insofern eine echteLAlternative.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Auch in der Neuabmischung klingt die ABQ-Aufnahme immer noch recht hart. Die Verbesserungen im Vergleich zur ersten Veröffentlichung sind marginal.
    Ich habe beide Versionen im Regal stehen.
    Die Interpretation ist in der Tat packend und extrem dramatisch. Wenn der Klang nun noch ein wenig Raum und Aura hätte.....
    Man kann eben nicht alles haben.

  • Salut,


    ich traute meinen Ohren und Augen nicht, als ich heute während des Hörens von D956 zwecks Überspielung der Beschäftigungsneurose das Deutschverzeichnis zur Hand nahm und las, dass der 2. Satz "nur" 94 Takte hat: Der müsste längst zu Ende sein, dachte ich bei 8'00". Ja, das dachte ich - insgesamt dauert er in der festetics-Einspielung 13'15", das sind gute 8 Sekunden pro Takt, wie ich errechnete. Eine Überprüfung egab, dass es sogar hinkommt. Ja, das finde ich ungewöhnlich, aber mir fehlt derzeit eh jeglicher Bezug zur Zeit. "Schuld" an dieser Länge ist der ungewöhnliche 12/8-Takt [erinnert mich deshalb an Mozarts Lacrymosa] des zweiten Satzes, zudem ein Adagio mit Zusatz espressivo... dieser Satz ist so wunderbar - einfach himmlisch! -, zum Versinken, wie Pius es bereits geschrieben hat.


    Der dritte Satz ist ebenso phänomenal - es "fehlt" die Bezeichnung Scherzo, zumindest im [großen] Deutschverzeichnis ist er nur mit Presto und Trio bezeichnet. Zu Recht: Das ist sicher kein Scherzo im herkömmlichen Sinne mehr, obwohl diese Satzkonstruktion ein Trio beherbergt. Und das Trio steht in der zu C-Dur ungewöhnlichen Tonart Des-Dur. Hier sind doch sehr viele "neumodische" Klänge zu hören, die ich bei Schubert gar nicht so ausgesprägt kenne.


    Komponiert wurde das Werk übrigens im September 1828, fertiggestellt vor der Vollendung des Schwanengesangs D957, mit dessen Komposition Schubert bereits im August 1828 begann. Es ist für mich ein wahres Wunder, dass das Streichquintett kein Fragment "wurde"... denn zu Schuberts Lebzeiten war wohl das Interesse an diesem Werk auch nicht gerade besonders, obwohl Schubert Anfang Oktober 1828 an den Verleger Probst schrieb, dass das Werk dieser Tage erst probirt wurde. Erst 1853 wurde es als Œuvre 163 [posth.] bei Diabelli herausgegeben. Gestochen war es aber bereits noch zu Zeiten, als Diabelli selbst noch nicht aus dem Verlag ausgeschieden war: 1851. Die erste öffentliche Darbietung fand am 17. November 1850 im Musikverein Wien durch das Joseph-Hellmesberger-Quartetett mit Verstärkung durch Josef Stransky statt.


    Das dürfe so ähnlich geklungen haben, wie ich es soeben höre. :rolleyes:


    Insgesamt ist mir noch eine Abstufung der Satzlängen aufgefallen:


    01 - 19'03"
    02 - 13'15"
    03 - 10'20"
    04 - 09'47"


    Die beiden Ecksätze fand ich nicht weiter relevant, weshalb ich darauf [noch] nicht eingegangen bin. Kommt vielleicht noch, gefallen tun sie mir aber grundsätzlich schon.


    Viele Grüße
    Ulli

  • es dürfte wahrscheinlicher im frühjahr 1828 entstanden sein. im september arbeitete er (gesichert) an d958-60, den letzten 3 großen klaviersonaten. im gegensatz zu diesen existiert zu d956 auch keinerlei entwurfmaterial, so dass z.b. paul badura-skoda annimmt, das quintett sei wohl vor dem umzug in die kettenbrückengasse 6 (aug./sept.1828 ) fertiggestellt worden.


    :hello: aus schubert-town

  • Salut,


    dann müsste es nunmehr D939a seyn... :D :stumm: [zwischen 939 und 940 sind zwei Monate Luft].


    Was ganz anderes: Eben blättere ich im D und entdecke das Klavierstück C-Dur D916B. Da erfolgt ein Hinweis auf D899. Das find ich komisch, denn das Thema deutet mir eher auf D936A hin... ?(


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Was ganz anderes: Eben blättere ich im D und entdecke das Klavierstück C-Dur D916B. Da erfolgt ein Hinweis auf D899. Das find ich komisch, denn das Thema deutet mir eher auf D936A hin... ?(


    ich hab's mir also gestern zuhause angehört
    -und du hast recht, der anklang an d936a ist natürlich frappant, wenn auch nur kurz.
    im schubert handbuch schreibt andreas krause:
    " überhaupt nur als fragmentarischer entwurf erhalten und erst 1978 veröffentlicht sind 2 [ ] klavierstücke in c-dur und c-moll, niedergeschrieben vermutlich in zeitlicher nähe zu dem impromptus-entwürfen. vielleicht handelt es sich um alternativen zu den vorhandenen stücken oder um entwürfe zur fortsetzung in einem dritten heft, unterstreichen sie doch die tendenz zur sonatenhaften durchformung. das c-dur-fragment (d916b), dessen unisonothema (später noch im b-dur-trio und im sinfoniefragment nachwirkend) ab takt 27 in der vom ersten impromptu bekannten art mit triolen unterlegt wird, steht auch sonst dessen fortspinnungstypus nahe; wie in den fantasien wird jedoch eine zur grundtonart chromatisch verrückte achse (fis-dur/h-moll) aufgebaut, evident ist auch die thematische nähe zum sinfoniefragment d936a [ ]"


    merhaba aus schubert-town

  • aus meinen sammlungen:


    kmv der bayreuther festspiele


    wiener konzerthausquartett+günther weiss


    pro arte quartett+antony pini 1935


    stern/schneider/katims/tortelier/casals 1952


    heifetz/baker/primrose/piatigorsky/rejto 1961


    amadeus quartett+william pleeth 1966


    lasalle quartett+lynn harrell 1979


    kremer/danczowska/caussé/maisky/iwasaki <1983


    alban berg quartett+heinrich schiff 1983

    kocian quartett+daniel veis 1987


    beths/rautenberg/dann/slowik/bylsma 1990 *)


    quartetto foné+franco rossi 1992


    borodin quartett+mischa milman 1995

    ensemble wien 1996 **)


    leipziger streichquartett+michael sanderling <1996


    petersen quartett+michael sanderling 1996


    quatuor festetics+wieland kuijken 2000


    *) mit 5 stradivari-instrumenten aus der smithsonianstiftung. es gibt weltweit noch über 500 stradivari-geigen, aber nur ca. 50 celli und noch weniger bratschen.
    **) mit einem kontrabass



    ich habe mich wegen dieses threads durch folgende arbeiten gekämpft:


    peter gülke: zum bilde des späten schubert. vorwiegend analytische betrachtungen zum streichquintett op163 (musikkonzepte 1979)
    marius flothuis: schuberts streichquintett d956. einige bemerkungen zur aufführungspraxis (mitteilungen 18 des internationalen franz schubert instituts 1997)
    nicholas rast: schubert's c-major string quintet d956 (mitteilungen 21 1998 )
    susan wollenberg: the c-major string quintet: schubert's "dissonance" quintet? (mitteilungen 28 2002)


    allein: ich pack's nicht! ohne musikalische ausbildung ist es mir zu hoch. ich komme mir vor wie der eunuch im harem, und kann's wieder nur emotional darstellen.


    2.satz, takt 58-64 (das ist 7'40'' -8'30'' auf der festetics-einspielung): ein stillstand noch intensiver als die hornstelle in d944/2


    3.satz
    die wiederholung ab t 57 hängt für mich irgendwie in der luft. es gibt auch überlegungen hinsichtlich falsch gesetzter whzeichen. mir gefallen aufführungen ohne wh besser.
    das trio wird meist zu langsam gespielt, v.a. der absteigende beginn (t 3-5) wird oft extrem überbetont, die casals-aufnahme ist ein beispiel dafür. die ist zwar über 50 jahre alt, aber es dürften auch heute noch partituren in gebrauch sein, die das trio noch nicht alla breve notiert haben (eulenburg).


    4.satz
    ein typisch schubertscher kehraus. ähnlich dem in d810. gar nicht lustig. ("kennen sie lustige musik?"). mit dem piu allegro (t 370) steigert er sich in einen hexenwirbel. dieser satz gefällt mir vor allem vom borodin quartett.


    vom reinen klanggenuss gebe ich den stradivaris mit beths/usw. den vorzug. die spielen aber nicht so notengenau.
    over all empfehlung: petersen quartett.
    subjektive warnung vor: foné quartett (intonationsprobleme) und heifetz/usw. (diese allstars fetzen das stück in rekordzeit ohne tiefgang runter)


    zu den ganz am anfang (2004!) des threads vom supermodi erwähnten aufnahmen habe ich recherchiert, dass sowohl emerson als auch juilliard vom notentext abweichen und eine anrufung des großen bären würde meinerseits die frage ergeben, ob er nach 2 jahren immer noch das auryn quartett favorisiert (aber der ist wahrscheinlich an irgendeinem firmament auf urlaub...)


    mahlzeit aus schubert-town

  • Zitat

    Original von observator


    2.satz, takt 58-64 (das ist 7'40'' -8'30'' auf der festetics-einspielung): ein stillstand noch intensiver als die hornstelle in d944/2


    Interessanter fand ich jetzt genau die Stelle, die danach folgt: Pizzicato. :rolleyes:


    Zitat

    das trio wird meist zu langsam gespielt, v.a. der absteigende beginn (t 3-5) wird oft extrem überbetont, die casals-aufnahme ist ein beispiel dafür. die ist zwar über 50 jahre alt, aber es dürften auch heute noch partituren in gebrauch sein, die das trio noch nicht alla breve notiert haben (eulenburg).


    Wie empfindest Du das bei des Festetics? Es war schon langsamer, aber ich fand's ausgewogen - ich habe ja aber auch keinen Vergleich und keine Paritur.


    Interessieren würde mich jetzt noch, ob der Satz von Schubi definitiv als Scherzo bezeichnet wurde oder nicht? Im großen D ist er nicht als solcher vermerkt, bei der Festetics-Einspielung steht das (Presto) und (Trio) jeweils in Klammern, das irritiert mich jetzt. Wenn Du mal wieder mit Arbeitsmaterialien zur Arbeit gehst... :rolleyes: ...würde ich Dich bitten...


    Grüßle aus der Gegend, in welcher der Textautor einiger Schubertlieder mal herumliebelte...


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Interessanter fand ich jetzt genau die Stelle, die danach folgt: Pizzicato. :rolleyes:


    das erste pizz, das ich höre und sehe, ist ca 2 minuten später in t 71 -meinst du das?


    Zitat

    Original von Ulli
    Wie empfindest Du das bei des Festetics? Es war schon langsamer, aber ich fand's ausgewogen - ich habe ja aber auch keinen Vergleich und keine Paritur.


    da passt's


    Zitat

    Original von Ulli
    Interessieren würde mich jetzt noch, ob der Satz von Schubi definitiv als Scherzo bezeichnet wurde oder nicht? Im großen D ist er nicht als solcher vermerkt, bei der Festetics-Einspielung steht das (Presto) und (Trio) jeweils in Klammern, das irritiert mich jetzt. Wenn Du mal wieder mit Arbeitsmaterialien zur Arbeit gehst... :rolleyes: ...würde ich Dich bitten...


    tja, wie soll man das wissen, wenn's nix autographes gibt und der erstdruck 25 jahre post mortem erschienen ist?!
    in der bärenreiter urtext (!) der neuen schubert-ausgabe (schon von 1971) steht scherzo


    im übrigen habe ich gelesen, dass das trio in f-moll beginnt und erst von t 4 an nach des-dur moduliert (wenn du was damit anfangen willst...)


    :hello: nach heinehard

  • Nix Heine - Goethe :evil:


    ICh muß es nochmals genau anhören - ich glaubte jetzt, das Pizzicato sei bei ~ 8'40" gewesen.


    Ich habe ja keine Partitur, deswegen habe ich anhand der Vorzeichen Des-Dur interpretiert. Es beginnt aber auf einem C; wäre somit schlüssig als Dominante zu f-moll [klingt ja auch so, ich Hirsch]. :O


    :hello:


    Ulli

  • So jetzt - zum Ausrucken und Nachempfinden:


    Bei ~ 7'55" gibts ein mürrisches Gebrummel, das dann übergeht in Versöhnliches, dann beginnt die Seele gen Himmel zu fliegen, den sie bei 9'35" erreicht [Einsatz der "Harfen"]. Aber diese steigern sich nochmals extatisch, das ist bei 11'11" - für mich die schönste Stelle. Himmlisch eben.


    :hello:


    Ulli