Kammermusik-Kanon I - Streichquartette

  • Vorschlag (gut 90 Werke, wenn ich keinen der Streichvorschläge berücksichtige, sondern auch die geklammerten mitzähle)


    Hinweis: "2" oder "6" bedeutet 2 oder 6 Werke. "Nr.2" bedeutet das zweite von mehreren Werken.


    Joseph Haydn: eine Feinauswahl ist mir eigentlich zu kompliziert, evtl: opp. 20, 33, 76; 18 Werke scheint mir, wenn alle Beethovenquartette und 10 von Mozart hereinkommen, angemessen.


    Boccherini: op.32 (6)


    W.A.Mozart: KV 387, 421, 428, 458, 464, 465, 499, (575), (589), 590


    Beethoven: alle 16 (mögliche Streichkandidaten: op.18,2,3,4; op.74)


    Schubert
    D 804, D 810, D 887


    Mendelssohn
    opp.12,13,80


    Schumann
    op.41,1-3 (ggf. nur 1+3)


    Smetana
    Nr.1 "Aus meinem Leben" (auch wenn das zweite interesanter ist)


    Brahms
    opp.51, 67


    Tschaikowsky Nr.3 es-moll


    Dvorak: Nr. 12, 13, 14


    Borodin Nr.2


    Grieg?


    Wolf?


    Debussy


    Ravel


    Janacek alle 2


    Zemlinsky Nr.2


    Schönberg alle 4? (kenne 3 u. 4 praktisch nicht)


    Bartok alle 6?


    Berg op.3? + Lyrische Suite


    Hindemith (op. 16)


    Schostakowitsch: Nr. 3, 5,8,11,15 +?


    Britten Nr.3?


    Carter welches von 5?


    Ligeti Nr.2


    Lutoslawski (1964)


    Nono (Fragmente, Stille, an Diotima)


    Feldman (1979 oder 1981?)


    Lachenmann (welches?)


    Ferneyhough (welches?)


    Rihm (welches?)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Schwierig.


    Janacek 1 unbedingt auch. Auch Grieg. Auch Britten Nr. 3. Minus Mozart KV 387 und 458 vielleicht und von Beethovens op. 18 reicht doch die Nummer 5. Warum gleich 6 von Boccherini? Alle vier von Schönberg müssten auch nicht sein, dafür vielleicht so etwas Extremes wie eine Nummer von Lachenmann; das ist zwar nichts für Anfänger, doch auf seine Art halt richtungsweisend.


    Aber schön, dass Zemlinsky dabei ist.


    Schwierig.


    :thumbup::D:hello: Wolfgang

  • Bei Janacek meinte ich schon beide Quartette.
    Ich würde gerne auch reflektieren, was tatsächlich häufig gespielt und aufgenommen wird. Da sind m.E. alle aus Beethovens op.18 (wenn nur 2, dann 1 und 6, das erste ist das beste und das 6. ist das eigentümlichste) oder auch Mozarts KV 387 (ein großartiges Werk, da würde ich von den Haydn gewidmeten noch eher das "Jagdquartett", das aber wieder eines der populärsten ist, streichen) klar vor Grieg oder Tschaikowsky oder auch vor allem von Boccherini. Boccherini ist andererseits eben einer der "Väter" und hat viele dutzend Streichquartette komponiert. Das ist eben auch die Dominanz sehr berühmter Komponisten wie Beethoven und Mozart in der Kombination mit einem (im Ggs. zu Haydn oder Boccherini) noch recht überschaubaren Werkbestand... Und wenn man nach Häufigkeit und Beliebtheit geht, müsste man bei Haydn genauer differenzieren und es müssten sicher op.64/5, op.74/3 und op.77,1+2 rein, dafür etliche aus opp.20 und 33 raus, aber ich hatte keine Lust 15-20 einzelne Quartette auszusuchen.


    Britten hatte ich vergessen, Hindemith auch; KSM ergänzt noch (habe die oben mit eingefügt, ebenso Grieg und Britten):


    Hindemith (op. 16)
    Lutoslawski (1964)
    Nono (Fragmente, Stille, an Diotima)
    Feldman (1979 oder 1981?)
    Lachenmann (welches?)
    Ferneyhough (welches?)
    Rihm (welches?)


    weitere Kandidaten, an die ich oben noch nicht gedacht hatte, aber m.E. eigentlich eher kein "Kanon" aus Spätromantik und klassischer Moderne wären noch:


    Verdi
    Franck
    Fauré
    eins von Reger
    Ives Nr.2
    eins von Szymanowski
    eins von Prokofieff
    eins von Hartmann
    eins von Schulhoff
    Kodaly Nr.2

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich bin ein eher sporadischer Streichquartett-Hörer, aber trotzdem sei die Frage gestattet: Wenn man Verdis Streichquartett in den Kanon aufnähme, und er hat m.W. ja nur dieses eine geschrieben, müsste dann nicht auch Bruckner (sozusagen als "Solitär der Gegenseite") berücksichtigt werden?

  • Spontan fallen mir als Mitbewerberwerke noch das Quartett in 4 Sätzen von Cage, ein Quartett von Henze und das 6. Hindemith ein. Und, wenn vielleicht nicht viel Neues drin ist, so sind die Quartette von Arriaga doch tolle Kompositionen.


    Uwe

  • Hallo!
    Ihr seid mir ehrlich gesagt etwas schnell. Hätte ich zur Zeit Urlaub, wäre das was anderes.


    Ich würde mich gerne noch für folgende Komponisten / Werke einsetzen - um genau zu sagen, welches, müsste ich allerdings etwas Zeit zum Hören haben.


    Webern
    Gielen?
    Schnabel?
    Svendsen
    Gorecki
    Mendelssohn-Hensel
    Nancarrow?
    Volans


    Haydn: Die sieben letzten Worte des Erlösers...?


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Webern!
    Natürlich.


    Cage? vielleicht, keine Ahnung. Vielleicht Berio?


    Die 7 letzten Worte sind kein Originalwerk, daher zögere ich, die aufzunehmen, wenn etwa 50 Originalquartette Haydns draußen bleiben müssen. (Sie wären auch das einzige Arrangement in der Liste.)


    Bruckners reifes Kammermusikwerk ist ein Quintett mit zwei Bratschen. Das Quartett ist ein frühes Studienwerk, das erst in den 1950ern uraufgeführt wurde und kaum gespielt wird.


    Verdi betrachte ich auch noch als Wackelkandidaten. Ein weiterer wäre Sibelius: "Voces intimae"


    Schostakowitsch-Freunde bitte meine tentative Auswahl seiner Quartette kritisieren und ergänzen. Alle 15 sind m.E. nicht unbedingt notwendig.

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    I knew the night had gone.
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  • Sofia Gubaidulina wurde noch nicht genannt. Und Alois Hába, der mit Viertel-, Fünftel-, Sechstel- und Zwölfteltönen experimentiert und immerhin fast zwanzig Werke für Streichquartett vorgelegt hat, sollte vielleicht auch dabei sein. Dann könnte ich mir Ernst Krenek vorstellen (6. Quartett).
    Geht es auch darum, dass unterschiedliche Länder vertreten sein sollten? Dann würde ich für Dänemark Vagn Holmboe nennen, der es auf immerhin 20 Streichquartette gebracht hat. Und für Spanien Cristóbal Halffter, für Korea Isang Yun.

  • Bei Tschaikowsky sollte unbedingt das Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 11 dabei sein.
    Wenigstens eines der fünf Streichquartette von Josef Bohuslav Foerster darf ebenfalls dabei sein.

  • Joseph Haydn: eine Feinauswahl ist mir eigentlich zu kompliziert, evtl: opp. 20, 33, 76;


    Ich finde, dass durchaus eine Feinauswahl stattfinden sollte. Das ist zwar etwas mühsamer, aber beliebige 18 Quartetten von Haydn trifft IMHO nicht den Punkt.
    Da wäre es vielleicht interessanter, aus jedem Block 1-3 Quartette auszuwählen, meinetwegen auch erst ab op. 20.

  • Tschaikowsky Nr. 1 vs. Nr.3 ist mir egal, ggf. auch beide


    Gielen?
    Schnabel?
    Svendsen
    Gorecki
    Mendelssohn-Hensel
    Nancarrow?
    Volans
    Josef Bohuslav Foerster
    Haba
    Halffter
    Holmboe
    Yun


    scheint mir größtenteils eher zu exotisch für Kanon. Svendsen und Volans habe ich bisher noch nie gehört und von allen genannten kenne ich nur das Quartett von Fanny Mendelssohn-Hensel. Wenn man weiter vom Standardrepertoire weggeht, wäre vielleicht auch noch Schnittke, Weinberg, Taneyev, Lajtha, Simpson und einige andere zu erwägen. Oder auch Spohr, Cherubini, Donizetti (ja, der hat etwa so viele Quartette geschrieben wie Beethoven!) Aber das sind alles keine Stücke, von denen man erwartet, dass sie jemand kennt oder dass ein Streichquartett-Ensemble sie im festen Repertoire hat, d.h. man müsste schon sehr gute musikhistorische Gründe haben, um sie einzuschließen.
    Weitere Kommentare sind willkommen, ebenso zu Crawford-Seeger und Gubaidulina



    Vorschlag für Haydn-Auswahl (mein vorheriger Vorschlag war auch nicht 18 beliebige, sondern opp.20,33,76 jeweils komplett)
    Hofstetter op.3/5 (zwar nicht von Haydn, aber das bekannteste frühe Haydn-Quartett und bis in die 1960er eines der bekanntesten "Haydn"-Quartette)
    op.20: 2 C-Dur, 3 g-moll, 4 D-Dur
    op.33: 1 h-moll + 3 C-Dur "Vogel"
    op.54: 2 C-Dur
    op.55: 2 "Rasiermesser" f-moll
    op.64: 5 "Lerche" D-Dur
    op.74: 3 "Reiter" g-moll
    op.76: komplett
    op.77: komplett

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  • Ich finde es schon erstaunlich, wieviele moderne Streichquartette vorgeschlagen wurden. Im ersten Überschlag schon ca. 30 von den 90 zur Verfügung stehenden Plätzen.
    Da müssen wir dann wohl bei Haydn etc. streichen :D

  • Naja, es wurden so viele moderne Stücke vorgeschlagen, weil ich im ersten posting die meisten älteren schon selber vorgeschlagen hatte. Ich betrachte davon viele aber auch als Wackelkandidaten. Ebenso sehe nicht recht, ob einige der genannten Werke aus den letzten 50 Jahren, z.B. Feldman, Rihm, Lachenmann wirklich schon "Kanon" sind. Während das bei den Schostakowitsch-Quartetten ebenso wie bei Berg, Webern, Bartok inzwischen wohl keine Frage mehr sein dürfte.


    Ich habe ja auch schon bei Beethoven und Mozart eingeklammert; aber wenn man ehrlich ist, dann sind alle Beethoven-Quartette und die 10 "späten" Mozart-Quartette allesamt "Standard", selbst wenn die "Preußischen" und KV 499 und einige aus op.18 nicht ganz so bekannt sind wie der Rest.
    Ebenso habe ich auch kein Problem, bei Haydn noch ein paar zu streichen. Aber hier kommt noch dazu, dass am Anfang der Gattung eben auch die Entwicklung wichtig ist. Daher hätte ich eigentlich gern auch ein Divertimento aus op.1 drin, wegen der Historie und der unterschiedlichen 5-sätzigen Form.


    Die Frage ist dabei wieder, ob man in erster Linie das als "kanonisch" im Konzert und auf Tonträgern verankerte Repertoire zusammenfassen will oder ob man eher auch die historische Entwicklung berücksichtig bzw. wie man das jeweils gewichtet. F.X. Richter muss vielleicht als weiterer "Vater" der Gattung anerkannt werden und es gibt ja auch ein paar Aufnahmen. Aber man kann beim besten Willen nicht sagen, dass seine Stücke zum Standardrepertoire für Streichquartette gehören.

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  • Es ist ja nicht so, dass "Repertoire oder Musikgeschichte" meistens ein Gegensatz wäre; ich sehe bisher eigentlich kaum ein Werk in der Liste, das nicht auch musikhistorisch einigermaßen relevant wäre. Außer vielleicht den Haydn unterschobenen Hofstetter; das kann auch gern wieder raus, weil es eben den eigentlichen frühen Divertimento-Stil der authentischen opp.1+2 auch nicht repräsentiert, aber ich finde nach wie vor rezeptionsgeschichtlich interessant, dass ein unterschobenes Werk eines der bekannteren eines Komponisten werden konnte...


    Insgesamt muss man da einfach vermitteln, oder eben noch mehr Werke akzeptieren. Ich sehe das so ähnlich, wie bei der Repräsentation "nationaler" Schulen. Quartette von Borodin, Tschaikowsky, Grieg, wohl auch Sibelius scheinen mir allesamt auch international so gängig, dass sie nicht bloß als Repräsentation für entsprechende "Nationalromantik" auftreten. Bei Quartetten von Nielsen, Respighi oder Vaughan Williams hätte ich da schon weit mehr Bedenken.
    Wenn zwischen einer Kanon- und einer "Geheimtip-Liste" kaum mehr ein Unterschied zu sehen ist, ist irgendwas falsch... ;)


    Stravinsky 3 Stücke habe ich zwar nicht präsent, aber in der Sammlung und hatte auch schon kurz daran gedacht. Vielleicht auch wegen der Kürze sicher gäniger als Milhaud oder Honegger, von denen es nur weitgehend vergriffene Aufnahmen gibt. Von Milhaud habe ich neulich das erste SQ gehört, schien mir nicht unbedingt kanonwürdig, Honeggers kenne ich nicht.

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  • Die Milhaud-Streichquartette sind sehr unterschiedlich und zum Teil verblüffend früh - das 4. von 1918 nimmt sozusagen einiges vorweg, was in den 20ern gängig sein wird (es dauert auch nur ca. 10 Minuten).
    Honeggers 2. und 3. sind vergleichbar mit seinen ernsten Sinfonien (auch 2 und 3). Das 3. gilt als Höhepunkt seines kammermusikalischen Schaffens.
    Dass das so wenig gespielt wird und stattdessen der Schostakowitsch-Epigone Weinberg die Charts dominiert, verstehe ich nicht so ganz. Im 20. Jahrhundert ist Repertoire oder Musikgeschichte nicht ganz so konvergent (siehe Rodrigo versus Varèse).
    Bei mir kämen Milhaud und Honegger jedenfalls vor Zemlinsky und Hartmann, auch bei den Streichquartetten (obwohl mich Zemlinskys 2. schon sehr beeindruckt - aber das steht ja nicht zur Debatte, sonst ergehen wir uns in "Geheimtipps").

  • Von Milhaud habe ich neulich das erste SQ gehört, schien mir nicht unbedingt kanonwürdig, Honeggers kenne ich nicht.


    Kenne von beiden genannten Komponisten auch nicht ein SQ, könnte mir vorstellen, auch darauf zu verzichten … :untertauch:


    Aber von Stenhammar würde ich gerne ein SQ dazu vorschlagen … :pfeif:

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Ebenso sehe nicht recht, ob einige der genannten Werke aus den letzten 50 Jahren, z.B. Feldman, Rihm, Lachenmann wirklich schon "Kanon" sind.

    Beim Opernkanon habe ich empfohlen, die letzten 50 Jahre wegzulassen. Da das dort nicht angenommen wurde, sollten wir hier analog vorgehen und bis zur Gegenwart gehen.
    Lachenmanns Streichquartette Nr. 2 ("Reigen seliger Geister", 1989) und 3 ("Grido", 2001) führen wohl den "Avantgarde"-Kanon der Streichquartette nach Nono an.
    Bei der Etablierung Ferneyhoughs spielte das Arditti-Quartett eine Rolle und deshalb die Streichquartette - vielleicht auch 2 und 3. Der übrige Ferneyhough hat meinem Eindruck nach nicht diese Popularität (ha!) erreicht ...
    Und warum springt hier niemand auf Rihm an?
    ?(

  • Ja, Rihm wurde bereits genannt und gehört m.E. klar dazu, vielleicht das 5.?
    Große Werke / Stücke wurden auch von Krzysztof Meyer (10.), Henryk Gorecki (2.) und Heinz Holliger (1.) geschrieben und sollten nicht fehlen.

  • Die Milhaud-Streichquartette sind sehr unterschiedlich und zum Teil verblüffend früh - das 4. von 1918 nimmt sozusagen einiges vorweg, was in den 20ern gängig sein wird (es dauert auch nur ca. 10 Minuten).
    Honeggers 2. und 3. sind vergleichbar mit seinen ernsten Sinfonien (auch 2 und 3). Das 3. gilt als Höhepunkt seines kammermusikalischen Schaffens.
    Dass das so wenig gespielt wird und stattdessen der Schostakowitsch-Epigone Weinberg die Charts dominiert, verstehe ich nicht so ganz.
    Bei mir kämen Milhaud und Honegger jedenfalls vor Zemlinsky und Hartmann, auch bei den Streichquartetten (obwohl mich Zemlinskys 2. schon sehr beeindruckt - aber das steht ja nicht zur Debatte, sonst ergehen wir uns in "Geheimtipps").


    Die Weinberg-Manie gibt es erst sein ein paar Jahren. Vor 20 Jahren hätte vemutlich kaum einer von uns überhaupt den Namen gekannt, aber die beiden Honegger-CDs wären noch leichter greifbar gewesen ;)
    Zemlinsky hat davon profitiert, dass das LaSalle-Quartett schon vor fast 40 Jahren eine Aufnahme aller seiner Quartette vorgelegt hat, der seither mehrere gefolgt sind, daher für mich gängiger als Reger oder gar Milhaud und Honegger.


    Bei Milhaud liegt es vielleicht ein dem sehr umfangreichen Oeuvre, dass größere Teile davon kaum bekannt oder auf Tonträgern greifbar sind, bei Honegger sind die Sinfonien ja in einer Reihe von Aufnahmen erhältlich, warum die Quartette nicht wieder aufgelegt wurden oder bei Naxos (wo sonst auch mal drittklassiges aufgenommen wird) erschienen sind, keine Ahnung.


    Manchmal liegt so etwas anscheinend hauptsächlich am Einsatz eines einzigen Ensembles oder Labels. (Wenn es die Milhaud- oder Honegger-Quartette bei Naxos gäbe, würde ich die sofort kaufen, aber Vergriffenes nicht ganz billig gebraucht bestellen, ist eine deutlich höhere Hürde.)


    bzgl. der 50 Jahre-Konvention. Ich fand die gut im Opernthread ;) Es geht ja nicht um eine fixen Termin. Die letzten 4 Quartette Schostakowitschs sind auch noch keine 50 Jahre alt, aber sie sind inzwischen wohl im Repertoire etabliert. Auch Ligeti Nr.2 (1968). Aber Ferneyhough und Lachenmann ist ja nicht nur ziemlich neu (für klassische Musik), sondern auch stilistisch eher "hart".


    Aber man kann sicher begründen, dass es zentrale Werke der Gattung in den letzten 30 Jahren bzw. auch überhaupt sind.

    Struck by the sounds before the sun,
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    (Bob Dylan)

  • Ich würde naturgemäß zu diesem Thema einiges beitragen wollen, aber ich denke, wir müssten uns erst einmal darauf verständigen, was für einen Kanon wir wollen, einen Kanon der vermutlich 100 meistgespielten Werke oder einen, der möglichst breit alle Schattierungen des Genres abdeckt.


    Beethoven und Bartok wären für mich schon mal gesetzt mit allen Quartetten, das wäre schon mal 22. Bei Mozart 6 bzw 10 und bei Haydn eine Auswahl wie von Johannes vorgeschlagen. Komponisten im Umfeld von Haydn hielte ich für verzichtbar. Für die Moderne sollten wir ein Kontingent festlegen, da es ansonsten sehr schwierig wird, das Problem geht ja schon bei Schostakowitch los, dessen 15 Quartette auch schon fast alle Kanon sind. Es wird nicht einfach. :D


    Rihm, Lachenmann, Ferneyhough sehe ich auf alle Fälle im Kanon, zumindest mit je 1 Werk. Ligeti, Lutoslawski und Nono auch. Bei Feldman wird es schwierig, kann ein 5-stündiges Quartett Kanon sein? Ich habe es noch nie gehört.
    Was ist mit George Crumb "Black Angels" und Steve Reich "Different Trains"?

  • Ich poste jetzt eine Liste, in die die meisten der vorgeschlagenen Ergänzungen eingefügt wurden; ich schlage vor, dass Streichungen oder Änderungen einzelner Werke bei z.B. Haydn, Mozart und Beethoven, bei denen unstrittig ist, dass die Komponisten in die Liste gehören, erst einmal zurückgestellt. Grün bdeutet von mir aus eher drin, rot eher raus, lila-pink unentschieden


    F.X. Richter


    Haydn op.20: 2 C-Dur, 3 g-moll, 4 D-Dur, op.33: 1 h-moll + 3 C-Dur "Vogel", op.54: 2 C-Dur, op.55: 2 "Rasiermesser" f-moll,
    op.64: 5 "Lerche" D-Dur,,op.74: 3 "Reiter" g-moll, op.76,1-6, op.77,1+2


    Boccherini: op.32 (6)


    W.A.Mozart: KV 387, 421, 428, 458, 464, 465, 499, (575), (589), 590


    Beethoven: alle 16 (mögliche Streichkandidaten: op.18,2,3,4; op.74)


    Schubert
    D 804, D 810, D 887


    Arriaga


    Mendelssohn
    opp.12,13,80


    Schumann
    op.41,1-3 (ggf. nur 1+3)


    Smetana
    Nr.1 "Aus meinem Leben" (auch wenn das zweite interesanter ist)


    Brahms
    opp.51, 67


    Tschaikowsky Nr.3 es-moll oder Nr.1


    Dvorak: Nr. 12, 13, 14


    Borodin Nr.2


    Verdi


    Grieg


    Franck


    Wolf


    Fauré


    Janacek alle 2

    Stenhammar


    Debussy


    Ravel


    Ives Nr.2


    Reger?


    Zemlinsky Nr.2


    Schönberg alle 4? (kenne 3 u. 4 praktisch nicht)


    Bartok alle 6?


    Haba


    Webern


    Strawinsky: 3 Stücke (1914)


    Milhaud: 4. Strqu (1918)


    Honegger: 3. Strqu (1937)


    Szymanowski ?


    Prokofieff


    Hartmann


    Schulhoff Nr.1 ?

    Kodaly Nr.2


    Berg op.3? + Lyrische Suite


    Hindemith (op. 16)


    Krenek


    Schostakowitsch: Nr. 3, 5,8,11,14,15 ?


    Crawford Seeger


    Britten Nr.3?


    Carter welches von 5?


    Cage


    Ligeti Nr.2

    Lutoslawski (1964)


    Nono (Fragmente, Stille, an Diotima)


    Feldman (1979 oder 1981?)


    Lachenmann Reigen seliger Geister


    Reich


    Crumb: Black Angels


    Gorecki


    Holliger


    Krzysztof Meyer


    Ferneyhough (welches?)


    Rihm 5?

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Von Rihm würde ich die Nr. 5 vorschlagen, das wurde dreimal eingespielt (Arditti, Minguet, Doelen). das gilt zwar auch für das 8., das finde ich aber ziemlich daneben.


    Bei Ferbeyhough m.E. ganz klar Nr. 2 als bekanntestes und extremstes.


    Unbedingt das Lutoslawski, davon gibt es bereits zahlreiche Einspielungen.


    Und auf jeden Fall Schnittke Nr. 3, das ist auch außerhalb von GA mehrfach eingespielt worden.


    Stenhammar Nr. 6 halte ich für das beste schwedische SQ, auf Augenhöhe mit Sibelius und Nielsen.


    Zemlinsky 2 sollte rein.


    Bei Frank vs Wolf würde ich für Wolf plädieren.


    Tschaikovsky 1.


    Reger op. 74.


    Grieg auf alle Fälle, Faure ???


    Schulhoff Nr. 1, habe ich schon mindestens in drei Konzerten live gehört.


    Haba eher nicht, nur was für Spezial-Ensembles.


    Aber Martinu 3 auf jeden Fall.


    Elliott Carter: 3