LES TROYENS komplett bei Erato


  • Ein hochinteressantes Ereignis auf CD kündigt sich an: LES TROYENS von Hector Berlioz. Erato hat die konzertante Aufführung im Palais de la Musique in Straßbourg vom 17. April 2017 mitschneiden lassen. Dem Vernehmen nach wurden keinerlei Kürzungen vorgenommen. Das hieße - eine komplette Einspielung der fünfaktigen Oper. Das Orchestre Philharmonique de Strasbourg spielte unter der Leitung von John Nelson, der als Berlioz-Experte gilt. Es sangen der Choeur de l’Opéra national du Rhin, der Badischer Staatsopernchor und der Choeur Philharmonique de Strasbourg. Die Hinzuziehungen des Badischen Staatsopernchores erklärt sich nach Angaben von "Baden online" als schöne Geste aus der Tatsache, dass 1890 in Karlsruhe die erste Gesamtaufführung des Werkes an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfand.



    Die Sängerinnen und Sänger:
    Marie-Nicole Lemieux contralto (Cassandre)
    Joyce DiDonato mezzo-soprano (Didon, reine de Carthage)
    Michael Spyres ténor (Énée, prince troyen)
    Nicolas Courjal basse (Narbal, ministre de Didon)
    Stéphane Degout baryton (Chorèbe)
    Marianne Crebassa mezzo-soprano (Ascagne, fils d’Énée)
    Philippe Sly basse (Panthée, un prêtre troyen)
    Stanislas de Barbeyrac ténor (Hélénus, fils de Priam, acte I /
    Hylas, un jeune marin phrygien, acte V)
    Bertrand Grunenwald basse (Priam, roi des Troyens)
    Agnieszka Sławińska soprano (Hécube, reine de Troie)
    Jean Teitgen basse (Ombre d’Hector, acte II /
    Mercure, messager des dieux, acte IV)
    Hanna Hipp mezzo-soprano (Anna, soeur de Didon)
    Cyrille Dubois ténor (Iopas, poète à la cour de Didon)
    Jérôme Varnier basse (sentinelle I)
    Frédéric Caton baryton-basse (sentinelle II)

  • Das ist wirklich sehr erfreulich! :)


    Ich hoffe, Erato scheut keine Kosten und korrigiert etwaige Patzer der Live-Aufführung (wurde tatsächlich nur an einem einzigen Tag mitgeschnitten?).


    Wurde bei dieser Aufführung auch das später eingefügt Vorspiel zu "Les Troyens à Carthage" gespielt?

  • Wurde bei dieser Aufführung auch das später eingefügt Vorspiel zu "Les Troyens à Carthage" gespielt?


    Das weiß ich nicht, ich gehe aber ganz fest davon aus. Schließlich war in Ankündigungen, die ich las, davon die Rede davon, dass Note für Note gespielt worden sei. Mal wird dieses Vorspiel ja gegeben, meistens nicht. Colin Davis, einer der großen Wegbereiter für das Werk, hat es in seiner ersten Aufnahme weggelassen, Charles Dutoit bezog es in seine Decca-Einspielung ein.


    Allerdings gehe ich wirklich davon aus, dass etwaige Patzer korrigiert werden. Schließlich gab es ja Proben, bei denen garantiert vorsorglich auch mitgeschnitten wurde.

  • Lieber Rheingold!


    Das ist wirklich eine vielversprechende Besetzung. Da darf man gespannt sein!
    Ein wenig irritiert mich allerdings die Rollenaufteilung zwischen Lemieux und DiDonato! Sicher könnten sie beide beide Rollen singen! Ich hätte - aber ohne viel nachzudenken - die Lemieux eher als Didon erwartet und die DiDonato als Cassendre. Aber anders herum macht auch irgendwie Sinn!
    Auf jeden Fall freue ich mich auf den Énée von Spyres!


    Wer singt denn Hylas? Das ist meine Lieblingspartie in der Oper.
    Vielleicht singt den auch Cyrille Dubois? Das ist ein wunderbar vielversprechender Tenor!
    Übrigens: Marianne Crebassa haben wir in dem Thread "Neue Stimmen" vorgestellt!


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Die "Trojaner" sind ja nun nichts, was man eben mal so nebenbei hört. Da ich eine Affinität zu Berlioz habe, habe ich mir vor einiger Zeit die Davis-Aufnahme mit dem LSO zugelegt, aber noch nicht gehört.
    Wie ist Eure Meinung: Lieber auf die neue Aufnahme warten? Oder lieber die vorhandene hören und das Geld für was anderes ausgeben?

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Wer singt denn Hylas? Das ist meine Lieblingspartie in der Oper.


    Das müsste Stanislas de Barbeyrac sein, der wohl mehrere Aufgaben wahrnimmt. In der Rollenaufzählung hatte ich Hylas nur versehenltich gefettet und so den Eindruck erweckt, als komme da noch ein Sängername dahinter. Die Stimme passt nach meinem Dafürhalten gut. Hier mal ein anderer Berlioz mit ihm: "L'Enfance du Christ"



    Ja, lieber Caruso, die Szene des Hylas geht mir auch immer sehr nahe, wenn sie denn gut gesungen ist. Das gar nicht patriotische Lied der einsamen Soldaten, die in Kriege ziehen müssen. Sehnsucht, Heimweh, Angst. Eine der ganz großen Erfindungen in der Oper.

  • Die "Trojaner" sind ja nun nichts, was man eben mal so nebenbei hört. Da ich eine Affinität zu Berlioz habe, habe ich mir vor einiger Zeit die Davis-Aufnahme mit dem LSO zugelegt, aber noch nicht gehört.
    Wie ist Eure Meinung: Lieber auf die neue Aufnahme warten? Oder lieber die vorhandene hören und das Geld für was anderes ausgeben?


    Lieber Reinhard, die späte Davis-Aunahme mit dem LSO kenne ich nicht. Was diesen großen Wegbereiter für Berlioz betrifft, habe ich mich immer an seine erste Einspielung mit dem Covent-Garden-Orchester bei Philips gehalten. Die ist, wie ich finde, wirklich maßstäblich. Aus diesem Urteil spricht natürlich auch der Jon-Vickers-Verehrer. Der singt den Enée. :)

  • Lieber Rheingold!


    Ja, lieber Caruso, die Szene des Hylas geht mir auch immer sehr nahe, wenn sie denn gut gesungen ist. Das gar nicht patriotische Lied der einsamen Soldaten, die in Kriege ziehen müssen. Sehnsucht, Heimweh, Angst. Eine der ganz großen Erfindungen in der Oper.


    Wie recht Du hast!!
    Ich habe dies nie schöner und zugleich bewegender gehört als von Julien Prégardien in Hamburg.
    Werde ich bestimmt kaum je vergessen.


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Im Februar und März diesen Jahres hat John Nelson ja eine Neuproduktion der "Trojaner" in Frankfurt/M. dirigiert. Das war ein musikalisch außerordentliches Erlebnis, und ich hatte den Eindruck, daß Nelson das Stück ohne jede Kürzung gespielt hat. Leider wird von dieser Produktion nun kein Mitschnitt auf dem Hauslabel "Oehms" erscheinen, was eigentlich logisch gewesen wäre.


    Aber hier gibt es einen Einblick in die Produktion und Interviewausschnitte mit John Nelson (ca. 6 Minuten):


    http://www.oper-frankfurt.de/d…ie-trojaner/?id_datum=387


  • Nun liegt diese groß angekündigte Aufnahme seit einiger Zeit vor. Man findet sie u. a. auch bei Spotify. Ich kann kein Gesamturteil fällen, denn dieses Mammutwerk durchzuhören erfordert Zeit und Muße. Zudem sollte man für eine Expertise zumindest vergleichend die Einspielungen von Davis und Dutoit zu Rate ziehen. Daher nur soviel: Klangtechnisch überzeugt mich diese Neuaufnahme nicht besonders. Es klingt fast so, als neige sie in lauten Passagen gefährlich nahe zu Übersteuerungen. Das sollte 2017 nun wirklich besser klappen. Entsprechende Probleme stellte ich bei den alten Aufnahmen nicht fest. Es fehlt zudem tatsächlich das schöne Vorspiel zum 3. Akt, das ja ursprünglich als Einleitung zu "Les Troyens à Carthage" konzipiert war. Dutoit bringt es in seiner Gesamtaufnahme, Davis hat es 1969 zumindest kurz vor seiner ersten Aufnahme im Studio eingespielt, so dass man es quasi selbst einfügen kann.


    Dies, wie gesagt, nur ganz flüchtige und oberflächliche Anmerkungen zu dieser Produktion. Was sagen die Kenner? Der Grundtenor in den Rezensionen scheint ja tendenziell in Richtung "ganz gut, aber braucht man nicht wirklich" zu gehen.