Abgewandert

  • Ist es nicht erstaunlich, bedenklich, ärgerlich, dass Regisseure, wie Michael Hampe in Japan völlig traditionell inszenieren und sich dafür die entsprechenden Bühnenbildner, wie z.B. Henning von Gierke, heranziehen? Hierzulande quält sich Hampe mit krampfhaft auf halbmodern gebürsteten Konzepten. In Japan schwelgt er in malerischen Tableaus fernab jeglicher Moderne.
    Seht selbst die Szenenfotos für der fliegende Holländer. Ich werde so wütend, wenn ich an all die grauenhaften Produktionen denke, die ich die letzten Jahre über mich habe ergehen lassen müssen. Warum? Wozu? Wer macht hierzulande diese bescheuerten Gesetze, dass nichts mehr so sein darf, wie es im Libretto steht?
    http://www.henningvongierke.de/m_u_f.html


    Es war mir schon häufiger aufgefallen, dass Regisseure, die in anderen Ländern völlig traditionell inszenieren, hier sich voll dem Mainstream anpassen, z.b. wurde die Norma in Hagen von dem selben Regisseur in Spanien völlig traditionell inszeniert.

  • Das ist interessant, ich wusste das nicht. Eine mögliche Erklärung wäre für mich, dass man sich jeweils nach den Bedürfnissen des Publikums richtet, die in Japan vielleicht anders sind als hierzulande. Das widerspräche allerdings der hier gern geäußerten These, dass das Regietheater auf dem Rückzug sei, weil das Publikum ausbleibe. Was nun? Hat jemand eine andere Erklärung? Vielleicht darf man in Japan (und Spanien) bestimmte Inszenierungsstile nicht zeigen? Vielleicht gibt es dort, anders als bei uns, entsprechende Gesetze? Keine Ahnung. Naja, ich weiß immerhin, dass ich darüber nichts weiß.

  • Zitat

    Das ist interessant, ich wusste das nicht. Eine mögliche Erklärung wäre für mich, dass man sich jeweils nach den Bedürfnissen des Publikums richtet, die in Japan vielleicht anders sind als hierzulande. Das widerspräche allerdings der hier gern geäußerten These, dass das Regietheater auf dem Rückzug sei, weil das Publikum ausbleibe. Was nun? Hat jemand eine andere Erklärung

    ?


    Eine Arbeitshypothese:
    Vor ein oder zwei Jahren musste ich bei meiner Recherche über KUNSTWERKER und KÜNSTLER lesen, daß es zumindest in Deutschland ein Gesetz gäbe, welche es jedermann erlaube, ein von ihm hergestelltes Produkt als KUNSTWERK zu bezeichnen, und daß es dann als solches zu gelten habe, der Schaffende sei dann ein KÜNSTLER. Irgendwelche qualitative Kriterien seien nicht zu erfüllen, da die Kunst hierzulande frei sei und man sie nicht bewerten dürfe, könne oder solle.
    Das würde bedeuten, daß hierzulande (ich meine jetzt Deutschland, wie das bei uns in Österreich ist, weiss ich momentan nicht) JEDE Inszenierung, die von der Norm abweicht, ein "kreativer Vorgang" sein und somit, so als solches definiert, ein Kunstwerk. Auch der unfähigste Handwerker, der kein Stück nach Bauplan fertigen kann, wäre somit ein "Künstler" - so er sich als solcher bezeichnete.
    Da ist es dann angenehm zu inszenieren, man wertet sich also quasi selbst auf. Das weiter oben zitierte Publikum ist dabei völlig bedeutungslos, denn Oper wird in der Regel sowieso subventioniert.
    Ich kann mir gut vorstellen, daß beispielsweise in Japan solch ein Denkansatz unmöglich ist und in den etwas straffer geführten Staaten des ehemaligen Ostblocks überhaupt. Kultur und Kunst wurde dort selbst in Zeiten des finstersten Kommunismus gefördert - indes wurde sehr genau geprüft, was denn da als Kunst gelten möge - und was nicht.


    Zitat

    Das widerspräche allerdings der hier gern geäußerten These, dass das Regietheater auf dem Rückzug sei, weil das Publikum ausbleibe.

    Ich möchte mich nicht mit eine Übermenge an Antworten (die ja Gegenantworten auslösen) verzetteln und hebe mir die Beantwortung dieses Aspekts für einen späteren Zeitpunkt auf.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Eine mögliche Erklärung wäre für mich, dass man sich jeweils nach den Bedürfnissen des Publikums richtet, die in Japan vielleicht anders sind als hierzulande.


    Und es gibt Traditionen der Aufführungspraxis gerade auch was das Theater betrifft. Die sind nun mal nach Kultur und Nationalität unterschiedlich. Ich habe einen Kollegen aus Georgien, der auch nur traditionelle Inszenierungen mag und Regietheater nicht ausstehen kann. Georgien war aber mal Teil der Sowjetunion und Stalin hat einen der Väter des Regietheaters, den russischen Regisseur Meyerholdt, umbringen lassen. Für solche Phänomene gibt es also verschiedene Gründe, die man erst einmal verstehen müsste. :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Diese Traditionen und Sehgewohnheiten gab es auch in Europa. Doch wurden und werden sie radikal bekämpft und ausgemerzt von den Rehietheaterjüngern. Deswegen wandert ja ein Herr Hampe aus. Weil er keinen Bock mehr auf den Scheiß hier hat. Ich möchte die üblichen Verdächtigen im Forum und in den Medien mal sehen, wenn Hampe so einen Holländer oder Ring wie in Japan in Wien realisieren würde. Die zetern ja schon über die halbmoderne Bohème Hampes in Köln. Oder ich erinnere an Schenks Füchslein.

  • Die Bühnenbilder für diesen Holländer sehen wirklich ziemlich gut aus - sie haben Atmosphäre, Ausstrahlung, Düsternis und wirken passend. Allerdings sagt das allein noch nichts über die Qualität der eigentlichen Aufführung aus und wie diese Bühnenbilder dann eingesetzt werden und im Zusammenspiel mit Sängern und Orchester wirken. Denn eine Oper besteht ja nicht nur aus Bühnenbildern.
    Allerdings würde ich mir das lieber ansehen, als den Holländer hier in Frankfurt von David Bösch, der jetzt wiederaufgenommen wird. Hier agiert der Holländer als Anführer einer Motorradgang, Senta ist eine ausgebeutete Frau aus der Dritten Welt und Erik ein kleiner Möchtegernrocker. Ich fand diese Inszenierung vor einem Jahr nur lächerlich, peinlich und unlogisch. Regisseur und Bühnenbildner konnten sich offensichtlich nicht auf eine Linie einigen und so changiert diese Inszenierung zwischen Motorradgang, heruntergekommenem Dritte Welt-Ambiente und einer riesigen Schiffsschraube, die sich unablässig dreht. Hier hat nichts zusammengepasst.


    Hier gibts Filmchen und Bilder:


    http://www.oper-frankfurt.de/d…hollaender2/?id_datum=568

  • Könnt ihr euch das Gebrüll vorstellen, wenn das so in einem deutschen Opernhaus realisiert würde


    Nö, warum sollte es auch Gebrüll geben? - Ansonsten stelle ich vollkommen wertfrei fest, dass die Inszenierung sicher schön anzusehen ist, es sich aber ganz offenbar um ein Plagiat der Schenkschen MET-Produktion handelt :untertauch:

  • Ich staune, das kannst Du nach einem Blick auf die Fotos feststellen? Ich dachte, so etwas sei nicht möglich. Darüberhinaus stimmt es auch nicht. Schau dir bitte den Schneisi-Schenk-Ring einmal genauer an. Das sind völlig andere Raumkonzepte.

  • Ich staune, das kannst Du nach einem Blick auf die Fotos feststellen? Ich dachte, so etwas sei nicht möglich.

    Wieso sollte dies nicht möglich sein? Verwechselst Du hier vielleicht die Beurteilung einer gesamtem Inszenierung mit der Beurteilung eines Bühnenbildes, welches ja per se "lediglich" ein optischer Vergleich ist?



    Darüberhinaus stimmt es auch nicht. Schau dir bitte den Schneisi,Schenk- Ring einmal genauer an. Das sind völlig andere Raumkonzepte.

    Okay, erklär mal!

  • Dann solltest du dich bitte genauer ausdrücken, und nicht die komplette Inszenierung, sondern nur das Bühnenbild als Plagiat bezeichnen. Dass dieser Vorwurf jedoch unverschämt und völlig ungerechtfertigt ist würde dir ein Blick in die vorliegenden Aufzeichnungen beweisen.

  • Dann solltest du dich bitte genauer ausdrücken, und nicht die komplette Inszenierung, sondern nur das Bühnenbild als Plagiat bezeichnen. Dass dieser Vorwurf jedoch unverschämt und völlig ungerechtfertigt ist würde dir ein Blick in die vorliegenden Aufzeichnungen beweisen.


    Also gut! Nochmal von vorne: Wieso sollte es bei einer Realisierung in einem deutschen Opernhaus Gebrüll geben? Bilde ich mir die optische Affintät zu den Schneider-Siemsen-Bühnenbildern des Schenk-Ringes an der MET nur ein? Hast Du die vollständige Inszenierung aus Japan gesehen? Worin genau manifestieren sich die unterschiede im Raumkonzept bei m.E. doch sehr ähnlicher Ausstattung? Warum ist mein Vorwurf, der lediglich als Feststellung gemeint war "unverschämt und völlig ungerechtfertigt"? Kann es sein, dass Du ein Problem mit Menschen hast, die bzgl. Oper und Operninszenierung einfach nur anders ticken als Du und bei plakativen Aussagen bzgl. Gebrüll einfach nur neugierig auf eine valide Begründung sind?

  • Ich bin schlichtweg überrascht, wie leicht Du es Dir machst: Wenn unsereins es ablehnt eine Inszenierung zu goutieren, weil uns die Bilder nicht gefallen, dann wird immer so argumeniert, dass man das ja nicht beurteilen könne. Von einem Foto auf die Inszenierungsqualität zu schließen sei unmöglich. Das mag wohl sein, doch kann man anhand der Fotos sehr gut entscheiden, ob man sich das ansehen möchte.
    Hinsichtlich des Gebrülls verweise ich auf den naturalisitischen Ring in Bayreuth und den Schenk-Ring an der MET. Führe Dir bitte mal die Rezensionen zu Gemüte. Dann verstehst Du vielleicht besser, was gemeint ist.
    Es ist Dein gutes Recht, die Ausstattung als ähnlich zu empfinden. Leider wirft das aber kein gutes Licht auf Dein optisches und ästhetisches Empfinden. Die Produktionen unetrscheiden sich in Licht, Farbgebung, Oberflächenbehandlung, Kostümgestaltung immens. Hast Du den Schenk-Ring überhaupt gesehen?????????
    Ich habe ein Problem mit Menschen, die sich nicht informieren, und dann aber solche Vokabeln wie "Plagiat" in den Mund nehmen.

  • Da kommen - wie Holger schon gesagt hat - viele Faktoren zusammen. Außer den bereits genannten Faktoren werden zB sicher noch die zu erwartende Reezeption in den Feuilletons, sowie das Theatersystem und dessen Finanzierung eine Rolle spielen.

  • Ich bin schlichtweg überrascht, wie leicht Du es Dir machst: Wenn unsereins es ablehnt eine Inszenierung zu goutieren, weil uns die Bilder nicht gefallen, dann wird immer so argumeniert, dass man das ja nicht beurteilen könne. Von einem Foto auf die Inszenierungsqualität zu schließen sei unmöglich. Das mag wohl sein, doch kann man anhand der Fotos sehr gut entscheiden, ob man sich das ansehen möchte.

    Wie gesagt, ich bin absolut bereit, zwischen dem Bild und der Inszenierung zu unterscheiden und die Bilder weisen m.E. immer noch eine starke Ähnlichkeit mit denen der Schenk-MET-Inszenierung auf. Im übrigen wird von "Eurereinen" eben ja nicht nur anhand der Bilder festgestellt, dass man eine Inszenierung nicht sehen will - was ja durchaus legitim, wenngleich von wenig allgemeinem Interesse wäre - sondern sofort darüber geurteilt, wie die gesamthafte Inszenierung denn sei und zumeist ist das Urteil eher unfreundlich. - Mithin begeht "Eurereiner" also genau den Fehler, den Du mir gerade vorwirfst ...



    Hinsichtlich des Gebrülls verweise ich auf den naturalisitischen Ring in Bayreuth und den Schenk-Ring an der MET. Führe Dir bitte mal die Rezensionen zu Gemüte. Dann verstehst Du vielleicht besser, was gemeint ist.

    Rezensionen sind bekannt, ist aber alles 40 (Bayreuth) bzw. 30 (New York) Jahre her und insofern verstehe ich immer noch nicht, wieso Du heute immer noch mit ähnlichen Reaktionen rechnest? - The Times They Are a-Changin’



    Es ist Dein gutes Recht, die Ausstattung als ähnlich zu empfinden. Leider wirft das aber kein gutes Licht auf Dein optisches und ästhetisches Empfinden. Die Produktionen unetrscheiden sich in Licht, Farbgebung, Oberflächenbehandlung, Kostümgestaltung immens. Hast Du den Schenk-Ring überhaupt gesehen?????????

    Ja, aber Deine "?"-Taste klemmt.

  • Dann solltest du dich bitte genauer ausdrücken, und nicht die komplette Inszenierung, sondern nur das Bühnenbild als Plagiat bezeichnen. Dass dieser Vorwurf jedoch unverschämt und völlig ungerechtfertigt ist würde dir ein Blick in die vorliegenden Aufzeichnungen beweisen.


    Ach, wie gerne würde ich ein Plagiat der Schenkschen Inszenierung sehen (nicht nur bei Rheingold)!! Aber kein Plagiat von Bietio u.a.!!


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Tja Mschenk, wenn Du ihn wirklich gesehen hast, dann sollten Dir schon beim Rheinbild die Unterschiede ins Auge springen, die Dein gewähltes Wort "Plagiat" Lügen strafen. Auch empfehle ich Dir mal die O-Entwürfe von Brückner, Preetorius, Sievert anzusehen. Du wirst merken, dass die Entwürfe Ähnlichkeiten aufweisen, da sie sich an das Libretto halten, und dennoch alle unterschiedlich sind.


    "Times are changing"? Dein Wort in Gottes Ohr. Ich gebe Brief und Siegel, dass ein derartiger Ring hierzulande verrissen würde.

  • Außerdem finde ich immer noch, dass du deinen Vorwurf des Plagiats an Hampe zurücknehmen oder zumindest abmildern solltest.


    Na ja, im Gegensatz zu Dir habe ich den Begriff nicht weiter verwendet, sondern im Weiteren lediglich von einer starken Ähnlichkeit der Bilder bzw. optischer Affinität gesprochen. Gerne bin ich jedoch bereit, dieses Thema mit Herrn Hampe zu verhandeln.

  • Da kommen - wie Holger schon gesagt hat - viele Faktoren zusammen. Außer den bereits genannten Faktoren werden zB sicher noch die zu erwartende Reezeption in den Feuilletons, sowie das Theatersystem und dessen Finanzierung eine Rolle spielen.


    Und vielleicht ist man in manchen Ländern auch einfach weniger offen für Veränderungen (ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt) …

  • Und vielleicht ist man in manchen Ländern auch einfach weniger offen für Veränderungen (ob das gut ode schlecht ist, sei dahingestellt) …


    Nach meinen Beobachtungen gibt es im asiatischen Raum ein gewisse Sehnsucht nach dem alten Europa. Nach Dingen, die sie dort nicht so haben. Das kann ich verstehen. In meinem Nachbarhaus hat ein Schallplattenhändler seinen Laden. Dessen beste Kunden sind Koreaner, Japaner und Chinesen. Die Bewunderung geht bekanntlich so weit, dass bestimmte Bauwerke kopiert werden. In den alten europäischen Städten wimmelt es nur so von Touristen aus diesem Teil der Erde. In solche Interessenfelder schließe ich Inzenierungen und Opernaufführungen ein, die der Tradition verpflichtet sind. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass dereinst auch in Japan die Neugierde auf einen Inzsnierungsstil wird wachsen, der es hier im Forum mitunter schwer hat. Eins nach dem anderen. Schließlich hat sich das, was gemeinhin unter Regietheater zu verstehen ist, auch nicht aus dem Nichts entwickelt.

  • Und vielleicht ist man in manchen Ländern auch einfach weniger offen für Veränderungen (ob das gut ode schlecht ist, sei dahingestellt) …

    Typisch für japanische Mentalität ist ein gewisses Schubladendenken, lieber Dieter. Es gibt dort Spezialisten für Husserl, die lesen dann aber auch (fast) nur Husserl und es gibt Spezialisten für antike oder mittelalterliche Philosophie. Der deutsche Gelehrte stellt dann Verbindungen von Aristoteles zu Husserl her - und genau das fällt den Japanern unendlich schwer. Entsprechend gibt es in Japan Liebhaber für traditionelle Oper oder modernen Tanz. Aber Verbindungen herstellen zwischen Sprech- und Musiktheater, zwischen Romantik und Moderne etc., wie es in der europäischen Theaterkultur geschehen ist, das ist ihnen eher fremd.



    Nach meinen Beobachtungen gibt es im asiatischen Raum ein gewisse Sehnsucht nach dem alten Europa. Nach Dingen, die sie dort nicht so haben. Das kann ich verstehen. In meinem Nachbarhaus hat ein Schallplattenhändler seinen Laden. Dessen beste Kunden sind Koreaner, Japaner und Chinesen. Die Bewunderung geht bekanntlich so weit, dass bestimmte Bauwerke kopiert werden. In den alten europäischen Städten wimmelt es nur so von Touristen aus diesem Teil der Erde. In solche Interessenfelder schließe ich Inzenierungen und Opernaufführungen ein, die der Tradition verpflichtet sind. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass dereinst auch in Japan die Neugierde auf einem Inzsnierungsstil wird wachsen, der es hier im Forum mitunter schwer hat. Eins nach dem anderen. Schließlich hat sich das, was gemeinhin unter Regietheater zu verstehen ist, auch nicht aus dem Nichts entwickelt.

    Das hast Du gut erfasst, lieber Rheingold. Der Japaner will Wagner auf der Bühne erleben etwa so, wie er Schloss Neuschwanstein abfotographiert: also "typisch" mit romantischem Nebel und Segelschiff. Die Außenperspektive auf eine Kultur neigt zum Klischee. Bei uns wäre es ja nicht anders, wenn wir z.B. chinesische Oper sehen wollten, dann müsste es vor allem sehr "chinesisch" aussehen. Die "Feinheiten" und subtilen Unterschiede, welche die Qualität ausmachen, die ein Chinese sofort erkennt, die sehen wir einfach nicht. Für uns ist entsprechend die Betonung von Romantik durch Romantik tautologisch - eher kitschig. Weil das unsere Kultur ist, brauchen wir kein Kulturerlebnis "typisch deutsch-romantischer Wagner". Wir wollen eine neue, abwechslungsreiche, durchaus veränderliche Sicht auf die Dinge. :D


    Schöne Grüße
    Holger

  • MSchenk : Krass. Du hast Hampe Plagiat vorgeworfen. Nicht ich. Schade, dass Du einen Irrtum nicht eingestehen kannst.


    Lieber Rheingold, ich glaube schlichtweg, dass die japan. Kultur unserer überlegen ist. Mir gefallen die asiatischen Filme, Romane, bildende Kunst, Musik, Essen und Architektur sehr gut. Und jetzt eben auch die Opernproduktionen.


    An den Doktor: Was " wir" möchten, weiß ich nicht. IICH sehe jedenfalls sehr gerne solche Fotos, wie die aus Japan.

  • dass die japan. Kultur unserer überlegen ist.

    Das ist japanische Kultur:



    Das dagegen (Bühnenbild Henning von Gierke) ist adaptiertes Europa und so "unjapanisch" wie nur was:



    IICH sehe jedenfalls sehr gerne solche Fotos, wie die aus Japan.

    Sicher, ästhetisch sind die Bilder durchaus ansprechend. Allerdings wirken sie eher wie eine Filmkulisse (bis auf die "irreale" Beleuchtung). Oper als (hyper)realistisches Opernkino. Da geht die Richtung also mehr nach Westen (Hollywood lässt grüßen) als nach Osten. :D


    Schöne Grüße
    Holger

  • MSchenk : Krass. Du hast Hampe Plagiat vorgeworfen. Nicht ich. Schade, dass Du einen Irrtum nicht eingestehen kannst.


    Achje, in Anbetracht der Tatsache, dass Du mir vermutlich ohnehin dbzgl. jeglichen Sachverstand, sowie ausreichende optische Wahrnehmung absprichts - so lassen sich jedenfalls einige Deiner Einwürfe interpretieren - hängst Du die Sache nicht vielleicht doch ein wenig zu hoch? Im übrigen und das gebe ich ganz freimütig zu, war mir zu Anfang überhaupt nicht bewußt, dass es sich bei der japanischen Produktion um eine Arbeit Hampes handelt. Ändert aber auch nichts, denn nach mehrmaligem Betrachten von Bildern der Hampe- und der Schenk-Inszenierung (z.B. die Regenbogenbrücke mit der Götterburg zur Linken und selbst dem kleinen Hügel zur Rechten) bleibe ich dabei, dass sich die Bühnenbild-Konzepte so sehr ähneln, dass der Begriff des Plagiats m.E. nicht unmittelbar von der Hand zu weisen ist. - Aber Du hast natürlich recht, eine solche Beurteilung anhand weniger Bilder mag genauso qualifiziert sein, wie die Abqualifizierung anderer Inszenierungen ebenfalls alleine aufgrund von Bildern. Mit dem Unterschied, dass mir der verwendete Begriff "Plagiat" im Gegensatz zu dem, was da sonst so kommt, geradezu harmlos erscheinen mag.

  • Zitat

    Schließlich hat sich das, was gemeinhin unter Regietheater zu verstehen ist, auch nicht aus dem Nichts entwickelt.


    Hat es das, Rheingold? Ich entsinne mich, dass auch Du Dich mehrfach darüber ausgelassen hast, wie einem die neue Sichtweise aufgezwungen wurde. Wie wenig die Sache gewachsen sei und einem nach dem Motto "Friss oder stirb" serviert worden sei.


    Wie auch immer, lese ich die Reaktionen von den zwei Experten hier, dann bestätigt das nur die Richtigkeit von Hampes Flucht aus diesem "Kultur"kreis.