Woran erkennt man überhaupt Regietheater?

  • Es wurde hier ja schon viel geschrieben, dass Regietheater sehr mies ist. Aber gerade der Anfänger weiß vielleicht nicht immer sofort, ob es sich in einer konkreten Aufführung um Regietheater handelt oder "normal". Ich versuche mal, dies durch ein paar exemplarische Szenen der Opernliteratur einfach und anschaulich zu verdeutlichen, sodass auch jeder Anfänger bei einem Opernbesuch sodort weiß, ob er klatschen oder "Buh-buh" rufen soll. Ich denke, dass die Verunsicherung ob dieser Frage nicht sein muss. Vielleicht fallen dem Einen oder Anderen Spezialisten ja auch ein paar Beispiele eindeutiger Regietheatermerkmale ein, die er hier lehrreich vorstellt.


    Ich beginne mit Richard Wagners "Das Rheingold", direkt die erste Szene. Anweisung des Komponisten:


    (Auf dem Grund des Rheines. Woglinde, Wellgunde, Flosshilde): ...walle zur Wiege! Wagalaweia! Wallala weiala weia!..."



    Wie ich meine, kann man bei genauem Hinschauen leicht erahnen, dass es sich hier zumindest um eine geringe verfälschende Umsetzung der beabsichtigten Vorgaben handelt, die beim Publikumbesucher ein Gerichtserröten wie auch zumindest dreimaliges "Buh-buh" durchaus rechtfertigt. Warum?


    1. Sofort ins Auge tritt die Anzahl der Singenden. Woglinde, Wellgunde und Flosshilde sind, wie im Libretto vorgesehen, eindeutig 3, in der Szene unseres Beispiels singen aber 7.
    2. Laut Anweisung handelt es sich um Rheintöchter. Auf dem Bild sehen wir jedoch allesamt Burschen, zumindest sollen sie zweifelsfrei durch die Kleidung männliche Charaktere darstellen. Töchter können aber nicht männlich sein.
    3. Nach Wagner sollen die Rheintöchter im Rhein schwimmen. Wir sehen jedoch kein Wasser, außerdem haben die Darsteller Schuhe an und stehen auf dem Boden.


    Wer länger sucht, wird noch mehr Anhaltspunkte für falsche Umsetzungen der Librettoangaben finden, für den Anfang will ich es jedoch bei den am schnellsten ins Auge stechenden Fälschungen belassen und hoffe, dass dem neugierigen Opernnovizen jetzt schon etwas klarer wird, wie man Regietheater erkennen kann. Regietheater gibt es übrigens nicht nur bei Wagner, sondern auch bei Komponisten wie Strauss oder gar Mozart. Dafür werden sich demnächst auch noch Beispiele finden lassen.


    Uwe

  • Zitat

    Nach Wagner sollen die Rheintöchter im Rhein schwimmen. Wir sehen jedoch kein Wasser, außerdem haben die Darsteller Schuhe an und stehen auf dem Boden.


    Das ist nun kein Argument. Wasser ist durchsichtig und von daher nicht zu sehen. Laut Regieanweisung stehen die Töchter (sie haben sich halt verkleidet und verdoppelt, mein Gott) "[a]uf dem Grund des Rhein[e]s". Dies widerlegt keineswegs die Anwesenheit von Schuhen.


    Indes möchte mein Beitrag nicht nur destruktiv sein, so dass ich in diesem gemischten Falle für abwechselndes Buhen und Hurra-Klatschen plädiere.


    :hello: Wolfgang

  • Wer länger sucht, wird noch mehr Anhaltspunkte für falsche Umsetzungen der Librettoangaben finden,

    Die Wertung "falsch" geht allerdings von der Prämisse aus, dass der Sinn einer Inszenierung allein und ausschließlich in der buchstäblichen=richtigen Umsetzung von Librettoangaben besteht. Genau das wird der Regisseur so einer Inszenierung fundamental bestreiten. Wenn der Sinn einer Inszenierung aber nicht in der möglichst naturgetreuen "Nachahmung" des Librettos besteht, sondern derjenige der einer Idee verpflichteten Konzeption darstellt, dann ist die Wertung "richtig oder falsch" (Wahrheit als adaequatio intellectus ad rem - res hier gleich dem Wortlaut des Librettos) schlicht Fehl am Platze. So bleibt man letztlich an der Oberfläche. Die eigentlich interessante Frage wäre, ob so etwas der Idee des Stückes gerecht wird, d.h. dem "Geist" und nicht dem "Buchstaben" (qua Libretto). Es gibt auch Regisseure, die man durchaus dem RT zurechnet, die gerade bei Wagner doch sehr vorsichtig und zurückhaltend sind, was solche Veränderungen angeht. Man kann so eine Inszenierung durchaus scharf kritisieren, ohne als "Wahrheits"-Kriterium die Nachahmung des Librettos vorauszusetzen.


    Schöne Grüße
    Holger

  • :hello: Wolfgang[/quote]

    Laut Regieanweisung stehen die Töchter (sie haben sich halt verkleidet und verdoppelt, mein Gott) "[a]uf dem Grund des Rhein[e]s". Dies widerlegt keineswegs die Anwesenheit von Schuhen


    Nunja, Wolfgang, Wagner hat, und da bin ich ziemlich sicher, (ich habe die Partitur und kann es belegen) nichts von doppelten Töchtern geschrieben. Ich bleibe trotz guter Gegenargumente dabei: das riecht stark nach Regie...

  • Die Diskussion, ob die "Dichtung" oder die "Inszenierung" den Primat bei der Aufführung eines Theaterstücks hat, stammt aus den 20iger Jahren.


    Wenn man wirklich tiefschürfend solche Fragen behandeln will, sollte man zwei Ebenen auseinanderhalten:


    1. die konkrete Regiearbeit
    2. die dahinter stehende Auffassung von Theater.


    Man kann eine Inszenierung ablehnen, weil man die Inszenierung als solche nicht mag, oder weil man die Auffassung von Theater ablehnt, dem der Regisseur verpflichtet ist. Dann gilt die Kritik aber nicht wirklich der besonderen Inszenierung, sondern der Ästhetik, die dahinter steht. Das sind einfach zwei verschiedene Paar Schuhe.


    Macht man diese Unterscheidung nicht, wird es verwirrend - und einfach nur dogmatisch. Wer z.B. generell keine neusachlichen Interpretationen von romantischer Musik mag (Beispiele: Alexis Weissenberg oder auch Maurizio Pollini), der mag sie eben nicht. So weit, so gut. Dubios wird es allerdings dann, wenn man Weissenberg oder Pollini unterstellt, sie seien schlechte Interpreten von Chopin z.B., nur weil sie nicht romantisieren. Das ist natürlich Unsinn! Genau diesen Kardinalfehler begehen RT-Gegner aber immer wieder. So kommt man jedenfalls auf keinen grünen Zweig. :D


    Schöne Grüße
    Holger

  • Zitat

    Wolfgang, Wagner


    Wolfgang Wagner oder eben Wagner, Wolfgang


    Kommaregeln bitte beachten!


    Wobei ich überdies glaube, es müsste Richard heißen.


    :S


    Wolfgang

  • Könnte es denn sein - nur mal so vorsichtig gefragt, ohne jetzt der Spielverderber zu sein - daß nicht alle Diskutanten bemerkt haben, in welchem Thema wir uns hier bewegen? :untertauch:


    Aber ich denke mal, selbst die Beatles waren nur vier. Und was die von Wagner hielten, weiß ich nicht. (Wäre aber interessant)

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Zitat

    Die Wertung "falsch" geht allerdings von der Prämisse aus, dass der Sinn einer Inszenierung allein und ausschließlich in der buchstäblichen=richtigen Umsetzung von Librettoangaben besteht

    .


    Das ist völlig richtig - und diese Prämisse ist der Grundstein jeglicher Theateraufführung. Schon wenn dieser Anspruch nicht erfüllt wird, dann erübrigt sich für mich jegliche weitere Diskussion.


    Ist also eine Bearbeitung nund Neugestaltung deshalb für alle Zeiten verboten ?


    Das hängt vom Ausmaß und von der der Art der Umgestaltung ab - und im wesentlichen von der Deklaration.
    Wobei ich gestehe, daß ich perönlich alle diese Umdeutungen - auch die sogenannten moderaten . völlig ablehne.
    Das Stück interessiert mich dann nicht mehr.


    Zurück zu allgemeinen Betrachtungen über legitime Deklarationen


    Mögliche Varaianten wären beispielsweise diese


    Wolfgang Amadeus Mozart
    DIE Zauberflöte:


    Text von Emanuel Schikaneder
    In unsere Zeit übertragen und moderat bearbeitet von Paul Mittelmaß-Provokateur
    mit Kostümen von Gwendy Insípido-Semisilk
    Dekorationen von Lucien Métalent


    ___________________________________-
    Etwas härter:


    Wolfgang Amadeus Mozart
    DIE Zauberflöte:

    Textliche Neugestaltung von Paul Mittelmaß-Provokateur
    nach einer Anlehnung einer Idee von Emanuel Schikaneder
    mit Kostümen von Gwendy Insípido-Semisilk
    Dekorationen von Lucien Métalent
    _____________________________________


    Wolfgang Amadeus Mozart
    DIE Zauberflöte:

    Textl von Paul Mittelmaß-Provokateur


    Mozarts Musik mal anders.
    Der bekannte Querdenker PMP entstaubt das Werk und textet es völlig um
    Originelle zeitgemäße Schauplätze - jede Menge Abstrusikäten und Schweinereien machen das Werk zu einem Stück unserer Zeit
    das jeden anspricht, auch solche die den komplizierten Texten ansonst nicht folgen konnten
    Ferner wurden rassistische und frauenfeindliche Passagen entfern oder umgeschrieben.
    So wurde die Rolle der bösen Königin der Nacht umgetextet, sie ist in unserer Fassung die Leiterin eines Obdachlosenheimes für gescheiterte Börsenspekulanten.
    Der schwarze Monostatos wurde auch umgedeutet, es spielt jetzt einen liebeskranken Gaskassier, der aber arbeitlos ist
    Prinzen sind auch unerwünscht, daher ist Tamino hier "ein engagierter junger Roter", der sich mit dem "grünen Vogelschutzbeauftragten" gegen den Rest der Welt verbündet.


    mit Kostümen von Gwendy Insípido-Semisilk
    Dekorationen von Lucien Métalent


    _______________________________________
    Die genannten Personen sind natürlich fiktiv - die kurze Einführung in die "texliche Neufassung" ist von mir. ebenso wie die "Grundidee" selbst - da brauche ich keine Vorbilder -diesen Blödsinn hab ich alleine zuwege gebracht - auch in mir steckt offenbar ein versteckter Librettistumgestalter und Regietheater - Dramaturg. Erst hier habe ich geseheb wie komplex so eine Umgestaltung ist - und welche intellektuelle Anstrengung hier vonnöten ist :hahahaha::untertauch:


    Eine ernstere Abhandlung zu diesem Thema aus meiner Feder folgt - so Bedarf besteht....
    Ich denke aber, dass eigentlich von meiner Seite alles gesagt ist...


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Natürlich, lieber Reinhard, könnte das sein, das hast Du richtig durchschaut; ich möchte gar einen Schritt weiter gehen und die kühne Behauptung aufstellen: Es ist so.


    Die komplette Löschung dieses Threads wäre eine Befreiung für mich. Ein stiller Humor auf elektronischerm Wege ohne Smileys ist in der heutigen Zeit eine schwierige, für mich zu schwierige, Sache.


    Danke,


    Uwe

  • Zit. Reinhard: "... selbst die Beatles waren nur vier. Und was die von Wagner hielten, weiß ich nicht. (Wäre aber interessant) "


    Was die Beatles von Richard Wagner hielten, haben sie die Menschheit leider nicht wissen lassen. Dass es aber eine tiefinnere Verwandtschaft zwischen Beiden gibt, hat Wolfram Siebeck schon am 28. Juli 1967 in einem um 7 Uhr verfassten Artikel aufgezeigt:


    "Wer das Glück gehabt hat, jemals über die LSD-Anspielungen und die versteckten Rauschgift-Hymnen englischer und amerikanischer Beat-Gruppen zu lesen, wer die Doppelbedeutung gewisser Texte der Beatles bewundernd erkennt, der sollte über seiner Begeisterung für das Zeitgemäße in angelsächsischen Liedertexten nicht vergessen, daß es ein Deutscher war, der schon vor hundert Jahren ganz eindeutig in seinen Opern das Lob der Drogen singen ließ: Richard Wagner.


    Das wird besonders deutlich bei „Tristan und Isolde“. Isolde, in deren Namen die Buchstaben LSD die einzigen Konsonanten bilden (!), bereitet gleich im ersten Akt eine Portion Lysergsäurediäthylamid zu („Der Trank ist’s, der mir taugt!“), deren Wirkung bei Tenor und Sopran dann während des ganzen Werkes anhält. Daß sie das LSD, wie auch heute noch üblich, mit Zucker herrichtet, verrät Tristan im 5. Auftritt des 1. Aktes mit einem beziehungsvollen „Süßeste Maid!“


    Einen weiteren Hinweis gibt er wenige Takte später: „Jach in der Brust / jauchzende Lust!“ Jach, von Wagner auch bei Siegfried, dem Urtyp des Drogen-Fans, gebraucht („Was jagt mir so jach / durch Herz und Sinne?“), ist eines der vielen Synonyme für LSD; gelegentlich wird es auch auf andere Rauschgifte angewandt.
    In „Siegfried“, wo der Titelheld sich als stark berauscht zu erkennen gibt („Ist mir doch fast, / als sprachen die Vöglein zu. mir!“), finden wir im 2. Akt ein anderes Beispiel von Doppelbedeutung: „Linde Kühlung / erkies’ ich unter der Linde.“ Erkiesen, gleich koksen oder Kokain schnupfen, ist ebenso aufschlußreich wie das Wort Kühlung, das der Dröhnung entspricht, womit Süchtige eine Spritze oder Dosis meinen.


    Doch nicht nur die Wonnen (allein neunmal „wonnig“ und „Wonne“ im letzten Auftritt), auch die Leiden der Süchtigen beschreibt Wagner. So im 2. Akt, 2. Szene, wo sich Siegfried voller Gier „hastig eine Pfeife“ schnitzt, die er auch „Horn“ und „Rohr“ nennt – was übrigens typischer Hipster-Jargon ist, mit seiner Vorliebe für Decknamen (tea, pot, junk). „Mir schwankt und schwindelt der Sinn! / Wen ruf’ ich zum Heil, / daß er mir helfe?“ (3. Akt, 3. Szene), ist der gequälte Aufschrei des Süchtigen nach dem Rauschgifthändler.
    Und Beckmesser, in „Die Meistersinger“, ist dem Haschisch verfallen: „All seine Vers’ und Reim: / ließ ich ihm gern daheim, / Historien, Spiel’ und Schwanke dazu, / brächt’ er mir morgen die neuen Schuh’!“ jammert er in Nürnberg, und einen Tag wird es damals wohl gedauert haben („morgen“), bis aus München neues Haschisch („Schuh“) herbeigeschafft werden konnte. Da er es endlich hat, läßt er alle Hemmungen fallen und nennt die Droge beim Namen: „Bleich wie ein Kraut / umfasert mir Hanf meinen Leib.“
    Diese wenigen Beispiele, beliebig zu vermehren, sollten genügen, um uns klarzumachen, daß Richard Wagner künftig nicht übergangen werden kann, wenn von den Beatles die Rede ist."

  • Das ist völlig richtig - und diese Prämisse ist der Grundstein jeglicher Theateraufführung. Schon wenn dieser Anspruch nicht erfüllt wird, dann erübrigt sich für mich jegliche weitere Diskussion.

    Aber das war nicht die Fragestellung des Threads, lieber Alfred. Die lautete: Woran erkennt man das Regietheater?


    Die Diskussion läuft hier aber ungefähr so ab: Auf die Frage: "Woran erkennt man Rubato-Spiel?" bringt man nur Beispiele für völlig verzerrtes, misslungenes Rubato um dann festzustellen: Rubato-Spiel gibt die Zeitwerte im Notentext nicht adäquat wieder und ist deshalb per se "falsch", eine "Verunstaltung" des Notentextes, um eine der Lieblingsvokabeln der RT-Gegner zu gebrauchen. Nur Klavierspiel ohne Rubato ist demnach "richtig".


    Übrigens Multiplikationen gibt es auch bei großen Dirigenten: Karajan liebte es, die Kontrabässe zu vervielfältigen gegen die Partitur von Tschaikowsky etwa oder Carlos Kleiber verdoppelte die Hörner in Webers Freischütz ("Jägerchor"). Abbado hat auch schon mal die Bässe im Orchester multipliziert... :D


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ich bin sehr begeistert, dass diese RT-Diskussion sich auf einem Feld abspielt, wo sie hingehört: der Satire! Weiter so! 8-)

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Zitat

    Aber das war nicht die Fragestellung des Threads, lieber Alfred. Die lautete: Woran erkennt man das Regietheater?


    Man erkennt es an einer Abweichung vom Libretto - die eigentliche Geschichte wird gegen eine andere ausgetauscht. Es werden Personen hinzugedichtet oder weggelassen, umfunktioniert, das Ende ist oft ein anderes als im Libretto vorgesehen, die Vorgeschriebene Zeit oder der im Libretto vermerkte Schauplatz werden nicht korrekt eingehalten. Politische Ideologien, die mit den Stück absolut nichts zu tun haben, werden untergeschoben. ES werden Doppeldeutungen erfunden, die das Stück verfälschen, und die von der Mehrheit des Publikums gar nicht zum Verständnis der Geschichte gewünscht werden.
    Eines der typischen Anzeichen für Regietheater ist (wenngleich es Ausnahmen gibt) daß man nicht automatisch bein Hochgehen des Vorhangs erkennen kann um welches Stück es sich eigentlich handelt.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Ich bin sehr begeistert, dass diese RT-Diskussion sich auf einem Feld abspielt, wo sie hingehört: der Satire! Weiter so! 8-)

    Es gibt eine Postmoderne-Satire mit dem schönen Titel "Derridada und Lacancan". Es wäre aber gewagt, daraus, dass sich die Postmoderne zur Satire eignet, zu schließen, dass Postmoderne (sprich Derrida, Lacan, Liotard, Deleuze, Foucault ...) nur ein Satire-Witz ist.


    Wenn also Wassily Kandinsky 1905 fordert, das Theater solle nicht mehr nur "Magd der Literatur" sein, was in Bezug auf die Oper heißt, nicht mehr nur "Magd des Librettos" - ist dann Kandinsky also nur eine Witzfigur?


    Für Humor und Satire habe ich viel übrig - Veralberung von Ernst zu nehmenden Dingen dagegen ist für mich ein Indiz für Dummheit.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Das ist völlig richtig - und diese Prämisse [dass der Sinn einer Inszenierung allein und ausschließlich in der buchstäblichen=richtigen Umsetzung von Librettoangaben besteht] ist der Grundstein jeglicher Theateraufführung.

    Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn (wobei ich weder Alfred noch sonst jemand persönlich diffamieren will, sondern ich meine damit nur die Sachlage an sich – diese Art der Differenzierung scheint ja hier im Forum erlaubt zu sein, auch wenn ich mich erst daran gewöhnen muss, es fühlt sich für mich trotzdem nicht richtig an).


    Eine ernstere Abhandlung zu diesem Thema aus meiner Feder folgt - so Bedarf besteht....

    Ich glaube, der besteht nicht.


    Man erkennt [das Regietheater] an einer Abweichung vom Libretto - die eigentliche Geschichte wird gegen eine andere ausgetauscht. Es werden Personen hinzugedichtet oder weggelassen, umfunktioniert, das Ende ist oft ein anderes als im Libretto vorgesehen, die Vorgeschriebene Zeit oder der im Libretto vermerkte Schauplatz werden nicht korrekt eingehalten. Politische Ideologien, die mit den Stück absolut nichts zu tun haben, werden untergeschoben. ES werden Doppeldeutungen erfunden, die das Stück verfälschen, und die von der Mehrheit des Publikums gar nicht zum Verständnis der Geschichte gewünscht werden.
    Eines der typischen Anzeichen für Regietheater ist (wenngleich es Ausnahmen gibt) daß man nicht automatisch bein Hochgehen des Vorhangs erkennen kann um welches Stück es sich eigentlich handelt.

    Du bestehst anscheinend darauf, das, was hier schon zur Genüge zur Aufführungspraxis gesagt worden ist, einfach zu ignorieren. Das ist natürlich Dein gutes Recht, hat aber mit argumentativem Austausch nichts mehr zu tun, sondern eher mit Streit und Rechthaberei unter Kleinkindern. Aber wenn man sich trotzdem eimal darauf einlassen und Deine Ansprüche an eine »richtige« Inszenierung wörtlich nehmen würde, dann vermute ich, dass nicht mehr allzuviel übrig bliebe. Jegliches Rampensingen wäre schon mal außen vor, und ich vermute noch einiges mehr.

  • Man erkennt es an einer Abweichung vom Libretto - die eigentliche Geschichte wird gegen eine andere ausgetauscht. Es werden Personen hinzugedichtet oder weggelassen, umfunktioniert, das Ende ist oft ein anderes als im Libretto vorgesehen, die Vorgeschriebene Zeit oder der im Libretto vermerkte Schauplatz werden nicht korrekt eingehalten. Politische Ideologien, die mit den Stück absolut nichts zu tun haben, werden untergeschoben. ES werden Doppeldeutungen erfunden, die das Stück verfälschen, und die von der Mehrheit des Publikums gar nicht zum Verständnis der Geschichte gewünscht werden.
    Eines der typischen Anzeichen für Regietheater ist (wenngleich es Ausnahmen gibt) daß man nicht automatisch bein Hochgehen des Vorhangs erkennen kann um welches Stück es sich eigentlich handelt.


    Ganz so einfach ist es wohl dann doch nicht. Bleiben wir mal bei diesem Punkt: "... die Vorgeschriebene Zeit oder der im Libretto vermerkte Schauplatz werden nicht korrekt eingehalten". Neulich wurde im Forum lobend auf eine "Tosca" verwiesen, die einer Aufführung von 1900 nachgestellt gewesen sein soll. Nun ist diese Oper - was ihre Schauplätze anbelangt - ganz penibel. Mir fällt auf Anhieb kein anderes Werk ein, in dem die Spielorte der einzelnen Akte so präzise festgelegt sind: eine Seitenkapelle von Sant’Andrea della Valle für den ersten, der Plazzo Farnese für den zweiten und die Plattform der Engelsburg für den dritten Akt. Die Bauten gibt es - wie wir wissen - in Rom tatsächlich. Ich kenne sie auch aus eigener Anschauung ziemlich genau, erkannte sie aber in den Bühnebildern nicht so wieder, wie sie tatsächlich aussehen. Ist das also auch schon Regietheater? Genau genommen, ja! ;)


    Selbst kann ich mit dem Begriff Regietheater nichts anfangen. Er ist eine Tautologie, was Absicht sein dürfte. Ich weiß aber genau, was gemeint ist. Zunächst sollte diese Art des Theaters, die weit zurückreicht, inhaltlich gefasst werden und nicht äußerlich. Der Ansatz ist eine inhaltlich, aus dem sich die Bilder wie von selbst ergeben. Die Anfänge reichen weit zurück. So genanntes Regietheater ist keine Erfindung der Neuzeit. Es ist nicht einfach, den Beginn festzumachen. Ich sehe da sehr unterschiedliche und fließende Zeitpunkte. Eigentlich fing es ja damit an, als Werke in zunehmendem Maße keine Uraufführungen mehr waren sondern ob ihres Erfolges immer und immer wieder auf die Bühne gebracht wurden.

  • Für Humor und Satire habe ich viel übrig - Veralberung von Ernst zu nehmenden Dingen dagegen ist für mich ein Indiz für Dummheit.


    Schöne Grüße
    Holger


    Das ist ja der Knackpunkt: alle RT-Debatten drehen sich im Kreis, es kommt nichts dabei heraus als Feindschaften um dogmatische Positionen. Jedes Mal im jeweils neuen RT-thread die alten Positionen und Vorwürfe zu wiederholen - das ist für mich das wahre Indiz der Dummheit.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Zitat

    Für Humor und Satire habe ich viel übrig - Veralberung von Ernst zu nehmenden Dingen dagegen ist für mich ein Indiz für Dummheit.


    Für diese Feststellung im Kontext dieses Threads, angesichts von dessen bisherigen Verlauf, angesichts von dessen erstem Beitrag, sollte sich der Verfasser heulend in die Ecke stellen, derart peinlich ist das.


    :no:


    Und, zweiterbass, für wie blöd hältst Du mich eigentlich?


    Leute, das tut einfach weh!


    :cursing:


    Wolfgang

  • Wahre Dummheit ist, wenn Leute nur noch ad hominem argumentieren können, wenn sie sachlich einfach Null Komma Nichts zu sagen haben. Das hoch komplexe Thema "Regietheater" ist ein seriöses Thema in den Theaterwissenschaften - das sind Akademiker, welche die hier versammelten RT-Hasser offenbar alle für komplette Idioten halten und welche sie sich erlauben, einfach zu veralbern. Das halte ich nun für komplett idiotisch und für maßlose Arroganz. Es zeigt mal wieder, dass der Sinn solcher Threads keine "Diskussion", sondern das Ablassen von Frustrations-Dampf ist und das Schulterklopfen von Gleichgesinnten.


    Da sage ich :Nein Danke! Mit mir nicht auf diesem erbärmlichen Niveau.

  • enn also Wassily Kandinsky 1905 fordert, das Theater solle nicht mehr nur "Magd der Literatur" sein, was in Bezug auf die Oper heißt, nicht mehr nur "Magd des Librettos" - ist dann Kandinsky also nur eine Witzfigur?
    Kandinsky ist sicherlich keine Witzfigur, aber auch nicht der Papst, der ex cathedra spricht.


    Für Humor und Satire habe ich viel übrig - Veralberung von Ernst zu nehmenden Dingen dagegen ist für mich ein Indiz für Dummheit.


    Einverstanden - und da mich bei manchen Inszenierungen genau das Gefühl beschleicht, dass da Ernst zu nehmende Dinge veralbert werden, welches Attribut passt da auf die Regisseure....?

  • Wahre Dummheit ist, wenn Leute nur noch ad hominem argumentieren können, wenn sie sachlich einfach Null Komma Nichts zu sagen haben. Das hoch komplexe Thema "Regietheater" ist ein seriöses Thema in den Theaterwissenschaften - das sind Akademiker, welche die hier versammelten RT-Hasser offenbar alle für komplette Idioten halten und welche sie sich erlauben, einfach zu veralbern. Das halte ich nun für komplett idiotisch und für maßlose Arroganz. Es zeigt mal wieder, dass der Sinn solcher Threads keine "Diskussion", sondern das Ablassen von Frustrations-Dampf ist und das Schulterklopfen von Gleichgesinnten.


    Da sage ich :Nein Danke! Mit mir nicht auf diesem erbärmlichen Niveau.


    Ich habe Dir schon hundert Mal gesagt, dass ich kein Gegner des Regietheaters bin. Ansonsten verbitte ich mir Deine Unverschämtheiten. Klopfe Dir auf die eigene Schulter. Es ist unglaublich, wie sie ausfällig werden, die Wichtigmacher, wenn sie schmerzhaft bei der eigenen Unzulänglichkeit gepackt werden, wie sie um sich schlagen. Woher nimmst Du das Recht, mir Frustration und Inkompetenz zu unterstellten? - Schau Dich doch selbst an. Punkt.

  • Diesen Beitrag hatte ich statt des ersten geschrieben. Er war verschwunden und ist jetzt wieder aufgetaucht. Leider passt er so gut wie der erste.

    Zitat

    Für Humor und Satire habe ich viel übrig - Veralberung von Ernst zu nehmenden Dingen dagegen ist für mich ein Indiz für Dummheit.


    Das tut jetzt wirklich weh! Du bemerkst nicht, dass wir uns hier im Forum "Feuilleton und Satire" bewegen, Du bemerkst nicht, worauf der Thread-Ersteller abzielt, Du, der bislang in diesem Forum mit allen Veralberungs-Tricks gearbeitet hast, die man sich nur denken kann, wenn es dem eigenen Ego gedient hat, Du wagst es, anderen "Dummheit" zu unterstellen? Das wagst Du?


    :hello: Wolfgang


    Noch was: Ich habe längere Zeit kaum etwas in diesem Forum geschrieben. Ich werde es wieder so halten und bin heilfroh, dass ich gewisse Leute in der Realität nicht treffen muss.

  • das sind Akademiker, welche die hier versammelten RT-Hasser offenbar alle für komplette Idioten halten

    Das Herrliche an dieser Formulierung ist, dass sie - sprachlich und inhaltlich - in beide Richtungen funktioniert! :thumbsup:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)