... des Jahres 2017 - Die aktuellen Ergebnisse der Opernwelt-Kritikerumfrage

  • Woher, wohin, warum? Was bleibt von 2016/17? Die Bilanz der Spielzeit im Urteil von 50 Kritikern (zuletzt aufgerufen am 29.09.2017)


    Die wichtigsten/interessantesten Ergebnisse im Kurzüberblick:


    Opernhaus des Jahres: Opéra de Lyon
    Aufführung des Jahres: Berg, Lulu (Hamburg, Regie: Marthaler, Dirigent: Nagano) :jubel:
    Sängerin des Jahres: Anja Harteros (u.a. München, Tannhäuser als Elisabeth)
    Sänger des Jahres: Matthias Klink (u.a. Stuttgart, Death in Venice als Aschenbach)
    Regisseur des Jahres: Dmitri Tcherniakov (u.a. Aix-en-Provence, Carmen)
    Bühnenbildner des Jahres: Romeo Castellucci (u.a. München, Tannhäuser)
    Dirigent des Jahres: Hartmut Haenchen (Bayreuth, Parsifal)
    Orchester des Jahres: Bayerisches Staatsorchester
    Chor des Jahres: Chor der Oper Stuttgart
    Ärgernis des Jahres: ?

  • Danke für die Einstellung dieser aktuellen Meldungen. Demnächst kommtdas Opernwelt -Jahrbuch, da kann man dann die Begründungen lesen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich sag es ganz ehrlich. Auf Grund der Auswahl der letzten Jahre und der RT-freundlichen Grundhaltung vieler Kritiker ist das für mich kein Kriterium mehr. Es ist wie im Verkauf: Früher wurde man vom Verkäufer fachkundig beraten, heute bekommt der Verkäufer eine Prämie. wenn er das empfiehlt, wo die Spanne am höchsten ist.
    Kritiker als Meinungsbildner haben in meinen Augen ohnedies längst ausgedient, weil man sich via Internet und Videoclips ohnedies sein eigenes Urteil bilden kann.
    Wenn ich in den letzten Jahren Kritiken gelesen habe, dann lediglich deshalb weil sie oft witzig waren.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ich sag es ganz ehrlich. Auf Grund der Auswahl der letzten Jahre und der RT-freundlichen Grundhaltung vieler Kritiker ist das für mich kein Kriterium mehr. Es ist wie im Verkauf: Früher wurde man vom Verkäufer fachkundig beraten, heute bekommt der Verkäufer eine Prämie. wenn er das empfiehlt, wo die Spanne am höchsten ist.


    Kritiker als Meinungsbildner haben in meinen Augen ohnedies längst ausgedient, weil man sich via Internet und Videoclips ohnedies sein eigenes Urteil bilden kann.

    Sehe ich mittlerweile genauso. "Opernhaus des Jahres" ist doch sowieso ein lächerlicher Titel. Frankfurt war das ja auch schon. Ich habe mich ehrlich gesagt gefragt: "warum eigentlich?". Nur weil irgendwelchen Kritikern irgendwelche Produktionen besonders gut gefallen haben? Das ist für mich kein Kriterium. Was hier alles schon hochgelobt wurde, was ich dann einfach nur beschissen fand (z.B. die Kosky-Carmen) - da kann man nichts drauf geben.

  • Kritiker als Meinungsbildner haben in meinen Augen ohnedies längst ausgedient, weil man sich via Internet und Videoclips ohnedies sein eigenes Urteil bilden kann.

    Bitte, man mag zu den Ergebnissen ja stehen, wie man will! - Aber warum sollte die Opernwelt-Kritikerumfrage weniger relevant, valide und "wahr" sein, als all die Rankings und Umfragen, die hier im Forum zu finden sind ... ?

  • Bis vor etwa 10 Jahren hatte ich die "opernwelt" aboniert. Und war erstaunt, daß etwa jedes 2. Jahr Stuttgart als Opernhaus des Jahres gewählt wurde. Und das, obwohl mir Bekannte aus Stuttgart anrieten, ja nicht nach Stuttgart in die Oper zu gehen. Mir wurden sogar Karten für den Stuttgarter Ring angeboten, welche die Aboinhaber nicht umsetzen wollten. Beim Lesen der Kritiken zum Stuttgarter Opernhaus fiel mir dann zweierlei auf:


    - die Wahl erfolgte ausschließlich nach Kriterien, die ich bis heute nicht verstehe (möglichst große Abweichung in Bühnenbild, Kostümen und Handlungszeit vom Original)
    - die beurteilenden Journalisten kamen mehrheitlich aus dem Baden-Württembergischen Raum, Stuttgart hatte also sich Heimvorteile verschafft


    Sicher mag das mancher anders sehen. Ich habe daraufhin die Opernwelt abbestellt und bin umgestiegen auf das Opernglas. Aber das konnte ich auch nicht lange ertragen und lebe seit 5 Jahren ohne Opernzeitschriftabo, und ich lebe ruhiger, muß mich weniger aufregen über den Irrsinn, der deutsche Theater und die Oper in Deutschland kaputtmacht. Deshalb sehe ich jede Auszeichnung zu einem Theater oder Opernhaus des Jahres mit gebotener Vorsicht.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Auch mir sagen solche Bewertungen absolut nichts mehr, weil man in den letzten Jahren den Eindruck hatte, dass jene Opernhäuser hochgejubelt wurden, die die Werke am gründlichsten zu verunstalten verstanden. Man hat fast den Eindruck, dass es für die Kritiker eine Richtlinie gibt, das zu wählen, was dem absurden Zeitgeist der Zerstörung von Meisterwerken am meisten huldigt.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Bitte, man mag zu den Ergebnissen ja stehen, wie man will! - Aber warum sollte die Opernwelt-Kritikerumfrage weniger relevant, valide und "wahr" sein, als all die Rankings und Umfragen, die hier im Forum zu finden sind ... ?


    Eine gute Frage. Vielleicht will das die "Opernwelt" beantworten, die ja zumindest nominell Tamino Mitglied sind und sich bereits 2013 zu dieser Umfrage geäussert haben. (Die Leute sind dort übrigens sehr nett)


    VOLLZITAT vom 22. Oktober 2013:



    aber natürlich kann ich die Frage aus meiner Sicht beantworten.


    Zunächst mal die GEMEINSAMKEITEN


    "Opernwelt" und "Tamino" sind in gewisser Weise gezwungen interessante Themen aus der jeweiligen Szene aufzugreifen und ihre Leser damit zu unterhalten, wobei wir vielleicht den Vorteil haben, nicht nur auf "Oper" fixiert zu sein.


    Kommen wir also zu den "Verfassern" Die grundsätzlich "avantgardistische" Einstellung der meisten heutigen Kritiker ist bekannt. Woher die kommt, darüber kann nur spekuliert werden, ob das vom politischem Einfluß ihrer Blätter herkommt, oder aus Übersättigung lebenslang immer wieder "brave" Inszenierungen rezensieren zu müssen. Es gibt also so etwas wie eine "stillschweigende Übereinkunft" Wir erleben das iheute in der Politk vieler Länder. Die Regierenden haben es sich gemütlich gemacht, und eine Meinungsdiktatur aufgebaut, bis hin zu "politicl correctness", das nennt man dann "Demokratie - und wenn die dann von den Wählern genutzt wird - in einer Form die nicht gewünscht wurde, und wo man gedacht hat, daß niemand sich traut, dann ist man entsetzt. Ähnlich verhält es sich hier: Es herrscht eine Meinungsdiktatur in Richtung "progressiv", der sich kaum jemand zu widersetzen traut, Traut man sich dennoch, dann bekommt man im geringsten Fall "Druck" zu spüren. Ich wurde einmal gefragt, wie es denn möglich sei, daß jemand mit einer konsrvativen, um nicht zu sagen reaktionären Grundhaltung ein Klassikforum betreigen DÜRFE. Desgleichen wurde mir "mangelnder Intellekt" nachgesagt (was ein Gutachten - welches im Rahmen meiner Depressionen einst von einer führenden Kqapaztät erstellt wurde - nicht nur widerlegt, es wurde hier von "am Rande zur Genialität" gesprochen . Kenner meiner Person werden gar nicht erst hinterfragen, warum ich dann nicht "berühmt" geworden bin, denn es ist bekannt, daß ich Widerspruch und Konkurrenz schwer ertrage, nicht "teamfähig" und "flesxibel" bin, sondern ein einsamer Wolf)
    Aber zugleich bin ich unabhängig - und die Mitglieder dieses Forums sind es auch.
    Jeder kann seine Meinung über Musik, Inszenierung oder Interpretation ohne politischen, gesellschaftlichen, oder sonstigem Druck frei äussern, es gibt keinen finanzellen Druck.
    Anders im Bereich der Presse: Wenn ein Redakteur allzuoft gegen die ideologische Linie seines Bltte schreibt, dann ist seine Position - je nach äusseren Umständen - gefährdet.Das hat Auswirkungen auf seinen gesllschaftlichen Rang, seinen finanziellen Status (einige wenige vermögen sich erfolgreich darüber hinwegzusetzen, zumeist ältere Semester mit de facto unkündbaren Verträgen und dem Nimbus einer sakrosankten Ikone)
    Die Auswirkungen sind bekannt: Wenn ein Opernhaus, wie die Wiener Staatsoper einen passablen Prozentsatz konservativer Inszenierungen anbietet, dann wird sie gern als "Museum" verunglimpft. Man kann sich somit vorstellen, welche Opernhäuser dann bevorzugt werden......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred.