Schumann: Klaviersonate Nr.1 fis-moll Op.11 ‚Grande Sonate‘, ein großer Wurf

  • Liebe Klavierfreunde und Schumann-Fans,


    obwohl ich weiß, dass es einen alten Thread gibt, welcher alle 3 Sonaten Schumanns auf einmal behandelt. Mir persönlich sagt die 1. Sonate am meisten zu. Ich behaupte, dass es sich hierbei um ein absolutes Meisterwerk handelt. Jeder der 4 Sätze meistert den Spagat zwischen klassischer Form, Klang und poetischer Idee (Florestan und Eusebius). Zudem ist sie extrem virtuos.
    Sie scheint der Russischen Klavierschule sehr entgegenzukommen.


    Folgende Aufnahmen stehen mir auf CD zur Verfügung:


    Emil Gilels, p
    (The Piano Masters, AAD, 1948)


    Lazar Berman, p
    (IDIS, AAD, live, Mailand, 1972)


    Maurizio Pollini, p
    (DG, ADD, 1974)


    Bernd Glemser, p
    (Naxos, DDD, 1997)


    Nikolai Lugansky, p
    (Piano Classics, DDD, 1994)


    Ich werde im weiteren auf die einzelnen Aufnahmen eingehen. Mich interessieren natürlich auch Eure Einschätzung der Sonate und deren Interpretationen.


    LG Siamak

  • Hallo,


    kennengelernt habe ich die Sonate mit Pollini in der DG-Aufnahme von 1974. Die Aufnahmetechnik fängt wunderbar den Klavierklang ein. Pollini spielt symphonisch breit und transparent. IMO betont er die klassischen Strukturen des Werkes. Für mich war dies über Jahrzehnte eine Referenz.


    LG Siamak

  • Lieber AcomA2
    Besten Dank für diesen Neuanfang in Sachen Schumanns Klaviersonate Nr 1.


    Hier 2 Zitate von Ex-Tamino Mitgliedern aus dem "alten" Thread


    Zitat

    Original von Caesar73
    Ich schätze Schumanns Klavierwerke sehr- mit den Sonaten tue ich mich allerdings etwas schwer. Woran das liegt? Nachgedacht habe ich darüber schon länger. Geht es Euch auch so?


    Auch wenn dieser Mann hier bereits kritisch bewertet wurde: Ich bin sehr angetan von der Einspielung der 1. Sonate durch Leif Ove Andsnes, der mit feiner Agogik die Kontraste des Werks so beleuchtet, daß der Eindruck einer großen Fantasie entsteht - wie improvisiert, "antiklassisch". An Andsnes schätze ich generell, daß er sich ganz auf die Werke einzulassen scheint, ohne jedes virtuoses Imponiergehabe, sehr sympathisch!


    Zizitat 1 (Caesar73) Ich hatte lange Zeit zu Schumann überhaupt keinen Zugang, bei den Sonaten war es am einfachsten: Ich habe sie einfach nicht wahrgenommen, und eigenltich nicht wirklich vermisst. Vor einigen Monaten, ist vermutlch aber schon 2 Jahre her, packte mich das schlechte Geswissen und ich begann meine Sammlung in Sachen Schumanns Charakterstücke für Klavier aufzustocken, und eigenlich mit Genuß zu hören.


    Heute, als dieser Thread gestartet wurde, fasste ich den Entschluß mir nach ewigen Zeiten wieder mal die Klaviersonate Nr 1 von Schumann anzuhören. Das war leichter gesagt als getan,denn vorerst sah es so aus, als wäre sie gar nicht vorhanden. Dann fand ich sie aber doch, und zwar die in Zitat Nr 2 erwähnte Einspielung mit Andsnes, allerdings in einen anderen Verpackung. Damals, Attila Csampai sehr positiv rezensiert - inzwischen aus dem Katalog verschwunden.
    Ich beurteile Aufnamen von Komponisten die ich nicht besonders gut kenne, gepielt von Pianisten, wo das ebenfalls zutrifft, nicht gerne, allerding war der Kontast zwischen entspanntem und kraftvoll emotionellen Spiel (für mich) sehr beeindruckend, dazu kam ein beeinduckend realistisch aufgenommener Klavierklang....
    IM Beiheft meine r "Billigausgabe (EMI-RED Line) finden sich keine Angaben zu diesem Werk.
    Im Harenberg Konzertführer ist Nachzulesen, daß Schumann diese Sonate seiner späteren Frau Clara gewidmet hat , mir der Bemerkung "Von Florestan und Eusebius für Clar" (oder so ähnlich) Ich gestehe, daß mir diese Pantasiefiguren ein wenig suspekt sind. Immer wieder wird Schumann Geisteskrankheit in Zweifel gezogen, wenn ich mir aber das Spielen mit diesen erfundenen Figuren im Erwachsenenalter betrachte, so sind sie IMO doch ein Hinweis auf eine diesbezügliche Veranlagung, wobei einerseit noch gesagt werden muß, daß Schuman je eigentlich sein gesamtes Leben an depressiven Phasen mit weiteren Nebenwirkungen litt. Sein kompositorische Schaffen wurde dadurch indes nicht beeinträchtigt. Manchmal sind die alten und ofr volkstümlichen Bezeichnungen von Krankheiten aussagekräftiger als sie späteren. Man sprach früher oft von "Gemütskrankheiten" Das trifft es in vielen Fällen sehr gut, weil der eigentliche Intellekt oft nur geringfügig oder auch gar nicht beeinträchtigt ist.
    Was ich bis heute nicht wusste, ist, daß Schumanns Werke anfangs eher abgelehnt wurden, so auch von Liszt, der einige Werke Schumanns in sein Programm aufnahm, aber damit nicht reüssieren konnte. Liszt war jemand, der immer auch darauf hinzielte, bewundert zu werden....


    Mein heutiger Eindruck war, daß die Sonate derzeit nicht die Beachtung erhält, die sie zweifellos verdient - und ich meine hier nicht aus musikhistorischer Sicht, - sondern der der Publikumswirksamkeit (auf ein HEUTIGES Publikum)


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Ich habe das Werk mit der Andsnes-Aufnahme kennengelernt und bleibe ihr treu.


    Aber in dieser Ausgabe:



    Für mich ist es das interessanteste Soloklavierwerk von Schumann, den Rest kann ich im Grunde nicht ausstehen.

  • Hallo

    Emil Gilels, p
    (The Piano Masters, AAD, 1948)

    Ich hatte damals von der originalen Melodiya-LP eine Überspielung eines Live-Mitschnittes eines Gilels-Abends aus den 60er Jahren auf MC. Auf dem Programm standen neben Liszts h-moll Sonate noch Chopins 2.Sonate sowie Schumanns 1. Sonate. Ich kann mich an diese Interpretation nicht konkret erinnern. Ich habe nun diese Aufnahme des sehr jungen Gilels. Der 1. Satz wird energisch und mit herausragender Ausarbeitung der kontrapunktischen Linien präsentiert. Die Aria wird mit dezenten Geschwindigkeitsschwankungen sonor gesungen. Der 3. und 4. Satz klingen IMO allzu schwerfällig und teilweise hart wie Prokofiev. Das mag auch an der Aufnahmetechnik liegen.


    LG Siamak

  • Banfields ist, glaube ich, die einzige Einspielung, die alle drei Sonaten auf eine CD quetscht. Rasante Tempi und nicht besonders poetisch. Wenn Du alle Alternativfassungen (betrifft aber nur 2 und 3, nicht das vorliegende Werk) willst, ist vermutlich Glemser/Naxos die beste Option.
    Die fis-moll ist schon die meistgespielte und wohl auch beste der Sonaten. (Für mich allerdings ein Stück hinter den besten Klavierwerken Schumanns wie der C-Dur-Fantasie, Kreisleriana, Davidsbündlertänze, Carnaval usw.)


    Die Pollini-Aufnahme lohnt jedenfalls, nicht zuletzt auch aufgrund der Kopplung(en). Auch wenn man das meiner Erinnerung nach von LP zu CD geflippt hat, alle vier Werke, nämlich Schuberts Wandererfantasie und a-moll-Sonate D 845 und Schumanns Fantasie C-Dur und fis-moll-Sonate gehören zu Pollinis besten Aufnahmen und zu den Standardempfehlungen für die entsprechenden Werke. Auch wenn die "logische" Kopplung für mich je eine Schubert- und eine Schumann-CD gewesen wäre... so war es auf LP, s.u.



    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die von Johannes Röhl vorgeschlagene CD mit Pollini gibt es zumindest bei jpc nicht mehr. (Lediglich als Vinyl-Ausgabe) Mich hätte sowieso die Koppelung "Schumann/Schubert gestört (lediglich aus Gründen der Archivierung)
    ABER dann fand ich eine Alternative; Sämtliche Werke für Klavier, die Pollini für DGG aufgenommen hat in einer 4 CD BOX und das um nur 22.99, was in etwa dem Preis einer Vollpreis CD (in Österreich) entspricht. Zu meiner Überraschung habe ich keine einzige CD mit Pollinis Schumann, sodaß es hier beim Kauf der CD keine einzige Doublette gibt. Von Pollinis Schumann war sicherlich einiges in meiner Sammlung - auf Vinyl.... Das kehrt sozusagen "in die Heimat" zurück...
    mfg aus Wien
    Alfred


  • ABER dann fand ich eine Alternative; Sämtliche Werke für Klavier, die Pollini für DGG aufgenommen hat in einer 4 CD BOX und das um nur 22.99, was in etwa dem Preis einer Vollpreis CD (in Österreich) entspricht.

    Danke, lieber Alfred! Darauf wollte ich auch hinweisen - da bist Du mir zuvor gekommen! :) :D Die Schumann-Aufnahmen von Pollini sind singulär, die Aufnahmen der Davidsbündlertänze und der 3. Schumann-Sonate zudem meine Referenz. Pollinis frühe Einspielungen von Schumann und Schubert kann man nur als Wunder bezeichnen (so sah es auch Joachim Kaiser). Bei der 1. Schumann-Sonate z.B. erfasst keiner den Sinn des Kopfsatzes so wie Pollini: ein Schwungrad, dass sich immer wieder selber antreibt.


    Ich halte die Schumann-Sonaten für hoch bedeutend - allerdings stellen sie auch (besonders die 2. und 3. Sonate) immense pianistische Anforderungen. Seltsam ist im Falle der 1. Sonate bei dem Satz, der mit "Aria" überschrieben ist, die Bezeichnung "ohne Ausdruck" :D . Das Finale ist ein exemplarisches Beispiel für die romantische Unmöglichkeit, ein Ende zu finden. Übrigens: Beim Schumann-Wettbewerb in Düsseldorf, den damals Anna Gourari gewann, hörte ich den 3. Preisträger, einen sehr sympathischen Russen, den ich später auch persönlich kennenlernte, der die 1. Sonate spielte. Das Scherzo nahm er nach dem Motto: So laut und schnell wie möglich. Einfach schrecklich! Ein Beispiel für Wettbewerbs-Unsitten halt!


    Die 1. Sonate ist besonders in der russischen Pianistenschule sehr beliebt. Von Lazar Berman gibt es u.a. diesen sehr hörenswerten Film-Mitschnitt aus Tokyo:



    Emil Gilels hat die Sonate immer wieder gespielt und es gibt etliche Mitschnitte. Besonders empfehlen kann ich die Dokumente aus Leningrad aus den 60igern. Das sind Gilels-Sternstunden. Hier erlebt man weniger den "Klassiker" Gilels als den extrovertierten Ausdrucksmusiker. Das ist wahrlich aufregend!



    Noch kurz zu den anderen beiden Sonaten:


    Der Mittelsatz der 3. Sonate ist auch bekannt als Einzelstück "Variationen über ein Thema von Clara Wieck". Besser als Horowitz kann man das nicht spielen.


    Der langsame Satz der 2. Sonate ist für mich allerbeste Romantik - Berührenderes und Tiefsinnigeres findet man kaum. Das Finale, das Schumann ursprünglich komponierte, gefiel Clara nicht. So komponierte Schumann ein neues, das man heute immer hört. Claudio Arrau hat diesen ursprünglichen Finalsatz noch zusätzlich eingespielt:



    Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollten Alfred Cortots geistvolle Ausführungen zu den Schumann-Sonaten in seiner Meisterklasse:



    Schöne Grüße
    Holger

  • Danke Alfred,


    Die Pollini Box habe ich bestellt - ein wertvoller Tip. Arrau hätte mich auch noch gereizt - ich schätze ihn sehr - aber die (gebraucht) Preise sind ja jenseits von Gut und Böse. Für die 3.Sonate habe ich dann nur Banfield - ob sich da Glemser noch als Alternative lohnt ?


    Kalli


    Nachtrag : Glemser (1+3) habe ich doch noch bestellt ........

  • Lazar Berman, p
    (IDIS, AAD, live, Mailand, 1972)


    Lieber Holger,


    herzlichen Dank für Deine Ausführungen.


    Ich komme nun zur nächsten Aufnahme der 1. Sonate (s.o.). Es handelt sich um einen privaten Live-Mitschnitt aus Mailand, welcher mit Erlaubnis der Familie durch das italienische Label IDIS veröffentlicht wurde. Berman spielt mit Bravour den 1., 3. und 4. Satz. Selbst bei den Beschleunigungen singt Berman die Linien aus. Die Kontrapunktik kommt sehr gut heraus. Die Staccato-Effekte im 1. Satz kommen nicht eindeutig hervor. Die Aria wird toll gesungen. Insgesamt bietet Berman eine romantisch-atemberaubende Präsentation. Die Aufnahme ist leider Mono.


    LG Siamak

  • Ich komme nun zur nächsten Aufnahme der 1. Sonate (s.o.). Es handelt sich um einen privaten Live-Mitschnitt aus Mailand, welcher mit Erlaubnis der Familie durch das italienische Label IDIS veröffentlicht wurde.

    Du meinst die hier, lieber Siamak - die habe ich natürlich auch:



    Dann habe ich noch diesen Mitschnitt aus Montreal 1990 - der dürfte in Stereo sein. Nach langer Zeit müsste ich mal wieder nachhören... : :)




    Wenn ich mich richtig erinnere, hat er auch noch eine Studioaufnahme der Sonaten Nr. 1 u. 2 bei EMI gemacht, die aber bislang leider nicht erschienen ist. :hello:


    Herzlich grüßend
    Holger

  • Arrau hätte mich auch noch gereizt - ich schätze ihn sehr - aber die (gebraucht) Preise sind ja jenseits von Gut und Böse.

    Das ist ein Trauerspiel und ein Ärgernis, lieber Kalli. Der Arrau-Schumann, nun wirklich unverzichtbar, schon wieder nicht greifbar! Da tut eine Neuauflage Not!

    Für die 3.Sonate habe ich dann nur Banfield - ob sich da Glemser noch als Alternative lohnt ?

    Da kann ich nur sagen: Horowitz! - hier drin, 10 CDs für nur 35 Euro.



    Beste Grüße :hello:
    Holger

  • Lieber Holger, ja, die Aufnahme Bermans von 1972 ist auf der oberen CD. Ergänzen möchte ich noch, dass Berman hier im 1. Satz die Exposition nicht wiederholt.


    LG Siamak

  • Die Schumann-Aufnahmen von Pollini sind singulär, die Aufnahmen der Davidsbündlertänze und der 3. Schumann-Sonate zudem meine Referenz.

    Ja, das sind wirklich ganz wunderbare Aufnahmen. Leider hat Pollini von der dritten Sonate nur die dreisätzige Version eingespielt, Horowitz spielt die viersätzige Version. Kennst Du, lieber Holger, den Hintergrund für diese beiden unterschiedlichen Versionen? Gibt es da mehrere Fassungen? Aber ansonsten sind die Sätze ja unverändert, meine ich zumindest.


    Die erste Sonate ist für mich ein großes Rätselwerk, nur wenigen gelingt es, die Balance zu halten, bzw. das lange Werk zusammenzuhalten. Gerade der letzte Satz mit seinen stürmischen Aufschwüngen, die sich dann mehr und mehr verlieren, hat es mir sehr angetan. Gilels live (der Abend, an dem er auch die Chopin und Listz-Sonate gespielt hat - was für ein Wahnsinn!) ist hier schon atemberaubend.


    Viele Grüße
    Christian

  • Ja, das sind wirklich ganz wunderbare Aufnahmen. Leider hat Pollini von der dritten Sonate nur die dreisätzige Version eingespielt, Horowitz spielt die viersätzige Version. Kennst Du, lieber Holger, den Hintergrund für diese beiden unterschiedlichen Versionen? Gibt es da mehrere Fassungen? Aber ansonsten sind die Sätze ja unverändert, meine ich zumindest.

    Das ist eine verrückte Geschichte, lieber Christian. :D In meiner Ausgabe ist ein Scherzo abgedruckt und ein zweites im Anhang - leider ohne Kommentar. Im Netz gefunden habe ich das:


    https://www.schumann-portal.de/op-14.html


    Daraus:


    "Konzert ohne Orchester f-moll op.14 für Klavier (1. Fassung 1836)


    Klaviersonate Nr. 3 f-moll op. 14 (2. Fassung, 1853)


    I. Allegro
    II. Scherzo. Molto comodo
    III. Quasi Variazioni. Andantino de Clara Wieck
    IV. Prestissimo possibile. Passionato


    Am 5. Juni 1836 beendete Schumann ein Klavierwerk in f-moll. Begonnen hat er es im Winter zuvor als fünfsätzige 3. große Sonate. Die eigenwillige Satzfolge bestand aus einem Eröffnungssatz ”Allegro brillante“, zwei Scherzi, sechs Variationen über ein ”Andantino de Clara Wieck“ sowie einem Finale.


    Im Frühjahr komponierte er eine neue Fassung des Finalsatzes, verkürzte sein Werk auf drei Sätze und nannte es Konzert ohne Orchester. Diese Fassung enthält den ehemaligen ersten Satz, vier der originalen sechs Variationen aus dem Variationensatz sowie das neue Finale. Zuvor hatte der Komponist sein Werk dem Wiener Verleger Tobias Haslinger erfolgreich zum Druck angeboten. Ein wenig mag Schumann bei dieser ersten Revision den wirtschaftlichen Vorstellungen des Verlegers entgegengekommen zu sein. Erfüllte doch eine herkömmliche dreisätzige Form die Erwartungen des Publikums viel eher. Als Concert sans Orchestre erschien op. 14 schon im September 1836. Somit kam op. 14 – obwohl eigentlich die letzte der drei seit 1833 entstandenen Klaviersonaten Schumanns – fast zeitgleich mit dem Schwesterwerk, der KlaviersonateNr. 1 in fis-moll op. 11 auf den Markt.


    Knapp 14 Jahre später erwarb der Verleger Julius Schuberth aus Hamburg die Rechte an Schumanns op. 14. Er wünschte zur Drucklegung ein Scherzo, um dem Typus der viersätzigen ”Großen Sonate“ Genüge zu tun. Schumann, der selbst den Titel Grande Sonate pour le Pianoforte plante, fügte eines der beiden gestrichenen Scherzi wieder ein. Außerdem überarbeitete er sein Werk erneut, das nun aus dem revidierten ersten Satz, einem der beiden Scherzi, dem revidiertenVariationensatz sowie der revidierten zweiten Fassung des Finales aus dem Konzert bestand. Im Juli 1853 erschien diese Fassung als 3. Klaviersonate Schumanns bei Schuberth & Co. Posthum wurde 1866 auf eine Anregung von Johannes Brahms das andere Scherzo veröffentlicht. Erst 1983 erschienen jene zwei Variationen, die Schumann seinerzeit vor der Drucklegung aus dem Variationensatz gestrichen hatte. Die ursprüngliche Fassung des Finales blieb jedoch ungedruckt."

    Zitat

    Die erste Sonate ist für mich ein großes Rätselwerk, nur wenigen gelingt es, die Balance zu halten, bzw. das lange Werk zusammenzuhalten. Gerade der letzte Satz mit seinen stürmischen Aufschwüngen, die sich dann mehr und mehr verlieren, hat es mir sehr angetan. Gilels live (der Abend, an dem er auch die Chopin und Listz-Sonate gespielt hat - was für ein Wahnsinn!) ist hier schon atemberaubend.

    Mich beeindruckt dieser Schlusssatz auch. Schumann schafft es hier genialer Weise formal, finde ich, das romantische Credo umzusetzen: "Das Leben ist nicht des Philisters Fahrt vom Buttermarkt zum Käsemarkt, sondern eine unendliche Reise in das Himmelreich". Das finale Sonatenrondo als das Aufbrechen einer geschlossenen Form und ihre Verwandlung in eine (unendlich) offene.


    Diese Melodya-Studioaufnahmen habe ich mir heute bestellt - und so ist eine Lücke in meiner Berman-Sammlung demnächst geschlossen (von wegen "offene Form" :D ) :) :



    Herzlich grüßend
    Holger

  • Auf dieser interessanten CD von Florian Uhlig sind die gestrichenen Sätze der 3. Sonate - auch die des Variationssatzes - erstmals enthalten, wie ich gerade herausgefunden habe.
    Leider aber spielt er nur nur die frühe Version der Sonate - das Scherzo der späten Fassung (das Horowitz spielt) fehlt hier also leider!



    Viele Grüße
    Christian

  • Hallo,

    Bernd Glemser, p
    (Naxos, DDD, 1997)

    Bernd Glemsers Interpretation und Aufnahme ist sehr sorgfältig. Durch ein etwas gemäßigteres Tempo im 1. Satz kann er die Vortragsanweisungen und Staccatos sehr präzise umsetzen. Es fehlt etwas der Mut zur Attacke. Die Aria wird schön gesungen. Im 3. und vor allem im letzten Satz fehlt trotz aller Korrektheit der romantische Impetus und eine gewisse Risikobereitschaft. Im Vergleich zu den anderen bisher von mir besprochenen Aufnahmen stellt sich Klemmers Haltung zu neutral dar.


    LG Siamak

  • Hallo, hier nun meine letzte Aufnahme der 1. Klaviersonate Schumanns:

    Nikolai Lugansky, p
    (Piano Classics, DDD, 1994)

    Ich muss definitiv nach mehrmaligem Hören aller zuvor besprochenen und dieser Aufnahme schreiben, dass Luganskys Interpretation IMO die mit gewissem Abstand packendste Interpretation aller 4 Sätze in jeder Hinsicht darstellt. Der 1., 3. und 4. Satz werden deutlich rascher gespielt als bei den anderen Kollegen und dennoch kommen alle Artikulations-, Dynamik- und Kontrapunktik-Details zum Vorschein. Obwohl es sich um eine Studio-Aufnahme handelt , kommen die romantischen Gefühle voll heraus. Und das, wo manche Lugansky für einen kalten Pianisten halten. Rein pianistisch gelangt Lugansky nicht an die Grenze seiner Möglichkeiten. Unglaublich das ganze !


    LG Siamak

  • Ich muss definitiv nach mehrmaligem Hören aller zuvor besprochenen und dieser Aufnahme schreiben, dass Luganskys Interpretation IMO die mit gewissem Abstand packendste Interpretation aller 4 Sätze in jeder Hinsicht darstellt.

    Die gibt es leider nicht bei Youtube, lieber Siamak, so dass ich sie auch nicht nachhören kann! Schade!


    Berman in Tokyo gibt es übrigens bei Youtube:



    Schöne Grüße
    Holger

  • Gibt es von Bermans zwingender Japan-Aufnahme auch einen Mitschnuitt auf CD? Nicht, oder?

    Nein, lieber Christian. Die Aufnahme ist von 1988 und die gibt es nur als DVD. Es gibt aber den Montreal-Mitschnitt - und der ist von 1990. Da ist er vielleicht noch einen Tick langsamer und auch eindringlicher. Ich finde, Bermans spezieller Interpretationsansatz gewinnt deutlich, je langsamer er spielt. Aber damit beschäftige ich mich genauer, wenn ich die Melodya-Aufnahmen bekomme und berichte! :hello:


    Herzlich grüßend
    Holger


  • Ein unglaubliches Berman-Dokument, dass einen die Sprache verschlägt! Glasklar, schier unglaublich genau gespielt, und bis in den letzten Winkel ausgehorcht, schlüssiger durchdacht wie es einfach schlüssiger nicht mehr geht, getragen von überlegener Intelligenz. Wahrlich eine Referenz. Ich bin jetzt richtig gespannt auf die Liszt-Sonate. Auch die Aufnahmetechnik passt dazu - puristisch sauber. :) :) :)


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ich weiß nicht, lieber Holger, ob die von dir in Beitrag Nr. 9 vorgestellte Arrau-Box mit dieser identisch ist:


    Die dort enthaltene Aufnahme der Sonate fis-moll hat er am 30. Mai 1969 live i Brescia gespielt. Die Box habe ich vor gut zwei Jahren gekauft, hauptsächlich wegen der noch enthaltenen 5 Beethoven-Sonaten (Nr. 7, 13, 23, 30 und 32 sowie der "Eroica-Variationen").


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Willi,


    ich habe ja etliche von solchen Mitschnitten, diesen leider nicht! Das sind Konzertmitschnitte aus Italien, in der Philips-Box sind nur Studioaufnahmen enthalten. Sie sind also garantiert nicht identisch. Die letzte Auflage war diese Box von Philips-France:



    Bei amazon.com ist sie sogar noch teurer - kostet 300 Dollar. Schon zu meiner Studentzeit beschwerte sich der unter Musikfreunden in Düsseldorf allbekannte Herr Persch (heute ist er längst pensioniert), als ich ihn nach dem Arrau-Schumann fragte, dass man die Arrau-Schumann-Box in Deutschland nicht bekäme und Philips argumentiere auf Anfrage: "In Deutschland will den Arrau-Schumann keiner kaufen!" Unfassbar!


    Eim schönes Wochenende wünscht herzlich grüßend
    Holger