Manon Lescaut (Puccini), Moskau, Bolschoi Theater, 26.10.2017

  • Um 19 Uhr saßen wir im Bolschoi-Theater, 9. Reihe Parkett. Es gab Manon Lescaut (Puccini). Große Opernabende sind selten, dieser war keiner. Murat Karahan (den wir vor einem Jahr in Riga bei einem Verdi Festival als sehr guten Manrico gehört hatten) sang den Des Grieux mit angenehmer Stimme höhensicher und farbenreich, wurde von dem sehr lauten Orchester (unter der Leitung von Jader Bignamini), aber nicht selten unnötig zugedeckt. Das galt zwar nicht für Anna Nechaeva als Manon, mit in der Höhe und im Forte eher scharfer Stimme über dem Orchester lag, sie verfügte aber auch nicht über stimmlichen Wohlklang, Wärme und das Aufblühen des Klangs, den ich von einer Manon schon erwarten würde (bei den bisher drei erlebten Manon-Vorstellungen gelang das allerdings auch nur einmal, und zwar 1986 bei Mara Zampieri). Der Bariton von Alberto Gazale (Lescaut) war mir stimmlich zu schwer und für den Bruder Manons zu wenig jugendlich. Er hätte auch ihren Vater singen können. Die Stimme des Basses Otar Kunchulia war der Rolle des von Manon verlassenen Geronte angemessen.


    Die Inszenierung (Adolf Shapiro) war moderat modern (frühe Jetztzeit) und hatte im 3. Bild (der Einschiffung der Ausgewiesenen) sogar einen offenbar gewollten aktuellen politischen Bezug (verbannt wurden vorwiegend von der Durchschnittsgesellschaft optisch und sozial abweichende Personen, Manon passte eigentlich nicht in dieses Bild). Der letzte Akt spielte auf der völlig leeren, weitgehend schwarz ausgekleideten Riesenbühne des Bolschoi Theaters; die beiden Protagonisten wurden ohne schützenden Resonanzraum fast auf die Hinterbühne verbannt, so dass die Fülle des stimmlichen Klangs schon in der 9. Reihe im Parkett völlig verloren ging. Nur zum Schluss kamen Anna Nachaeva und Murat Karahan nach vorn an die Rampe, so dass man von Frau Nechaeva auch noch ein paar schöner gesungene Tonfolgen wahrnehmen konnte.

  • Um 19 Uhr saßen wir im Bolschoi-Theater, 9. Reihe Parkett. Es gab Manon Lescaut (Puccini). Große Opernabende sind selten, dieser war keiner.

    Hallo, Ralf
    Vielen Dank für Deinen interessanten Bericht.
    Ich muß allerdings zugeben, ich bin ziemlich erstaunt, um nicht zu sagen, etwas konsterniert.
    Denn so wie Du diese Aufführung beschreibst, war es wohl eine ziemliche Enttäuschung.
    Von diesem bekannten und renommierten Haus, hätte ich eigentlich rundum Besseres erwartet. Aber, so kann man sich täuschen...


    Herzlichst
    CHRISSY